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Benutzername: 
minjo
Wohnort: 
Reutlingen

Bewertungen

Insgesamt 52 Bewertungen
Bewertung vom 03.10.2020
Mord in Highgate / Hawthorne ermittelt Bd.2
Horowitz, Anthony

Mord in Highgate / Hawthorne ermittelt Bd.2


sehr gut

Inhalt:
Ein reicher Scheidungsanwalt wird tot in seinem Haus aufgefunden, erschlagen mit einer edlen Flasche Wein. Schnell scheint klar zu sein, wer hinter diesem Mord steckt. Doch genauso schnell muss die Polizei und Detektiv Hawthorne auch feststellen, dass dieser Fall komplexer ist, als er am Anfang schien ...

Erzählperspektive & Schreibstil:
Ein Autor, der selbst eine der tragenden Rollen in seinem Roman spielt - die Idee ist zwar nicht neu, aber trotzdem in seiner Umsetzung ungewöhnlich und originell. Neben Detektiv Hawthorne fungiert der Autor somit gleichzeitig als Hauptperson und als Erzähler. Der Mord in Highgate ist bereits der zweite Fall, bei dem Horowitz den Detektiv bei seinen Ermittlungen begleitet, da er als Schriftsteller über Hawthorne schreiben soll. Es macht durchaus Spaß, den Fall aus der Sicht des Autors kennenzulernen und der typisch britische Humor kommt dabei auch nicht zu kurz. Der Krimi liest sich flüssig und bietet eigentlich alles, was das Herz eines (Krimi-)Lesers begehrt: ein rätselhafter Mord und viele Verdächtige, die alle ein Motiv haben könnten. Spannung kommt erst im letzten Drittel auf, dennoch ist der Roman kurzweilig und nie langweilig. Parallelen zu DEM berühmten Ermittlerpaar Sherlock Holmes und Watson sind erkennbar, ob das so gewollt war oder ob hier die persönlichen Vorlieben des Autors miteingeflossen sind, ist schwer zu sagen. Trotz allem eine gelungene Umsetzung.

Persönliche Meinung:
Einige Charaktere gaben dem Krimi zwar die entsprechende Würze, sind für meinen Geschmack aber etwas zu klischeehaft, z.B. die toughe Ermittlerin Cara Crunshaw, die nicht nur das Bild des "Bad Cops" verkörpert, sondern auch mit wenig schmeichelhaften Beschreibungen ihres Äußeren einhergeht.
Während der Autor noch im Dunkeln tappt, erlebt man Hawthorne als überlegen und oft sogar herablassend. Für mich ergibt sich kein wirklich klares Bild seiner Person: zwar will er, dass Horowitz über ihn schreibt, gleichzeitig ist er aber extrem bedacht darauf, keine persönlichen Details preiszugeben. Dadurch bleibt er für mich undurchsichtig und ehrlich gesagt - aufgrund der Beschreibungen des Autors - auch ziemlich unsympathisch. Seiner Kompetenz tut all das natürlich keinen Abbruch, wie erwartet erfasst er die Hintergründe recht zügig und es gelingt ihm, den Fall vor der Polizei zu lösen.

Mein Fazit:
Dieses Buch ist ein weiterer Band einer bestehenden Serie, ist in sich aber aber ein abgeschlossener Fall. Ich habe den ersten Band nicht gelesen, habe mich aber rasch zurechtgefunden. Einige Fragen zur Person Hawthorne sind für mich jedoch offen geblieben - vielleicht wurden diese ja im ersten Band erklärt oder es ist Absicht, um die Neugier auf das nächste Buch anzufeuern. Es ist auf jeden Fall ein solider Krimi mit interessanten Charakteren und einem schlüssigen Abschluss.

Bewertung vom 26.09.2020
Unter uns das Meer
Gaige, Amity

Unter uns das Meer


sehr gut

Von minjo
Das schöne Cover mit der dramatischen Welle, die im nächsten Moment alles zu verschlingen droht, hat mich sofort in den Bann gezogen. Es ließ mich vermuten, dass es sich hier um ein dramatisches Ereignis auf dem Meer handelt, was meine Neugier geweckt hat.

Die Buch überraschte und überzeugte mich (anfangs) mit dem spannenden Perspektivwechsel zwischen Juliet und Michael. Juliet schreibt ihren Part in der Gegenwart - nachdem sie mit ihren Kindern wieder zuhause ist - und taucht immer wieder in ihre Zeit auf der Segelyacht als auch in ihre traumatische Kindheit ein. Die Idee, Michaels Sicht als Logbuch einzuflechten, ist durchaus gelungen und und man lernt so beide Charaktere und auch beide Sichtweisen kennen. Allerdings musste ich feststellen, dass sich dadurch keine Nähe aufgebaut hat, beide Protagonisten blieben mir bis zum Schluss leider etwas fremd. Im letzten Teil mischte sich dann auch die Perspektive der 7-jährigen Tochter darunter. Zu Beginn waren die Perspektivwechsel auch noch logisch, doch im Verlauf des Buches wurden diese immer sprunghafter und auch der Wechsel in die verschiedenen Zeiten (Kindheit von Juliet und Michael, die Zeit auf der Yacht und die Gegenwart) schien mir nicht immer logisch. Wenn es Dialoge gab, wurden diese ohne Anführungsstriche und Hinweise auf den jeweiligen Sprecher eingefügt, was ich oft verwirrend fand.

Suboptimal fand ich auch den Anhang "Bruchstücke für ein Ganzes", hier muss man sich als Leser selbst seine Schlüsse ziehen, wie das Leben für Juliet weiterging, was ich sehr schade finde, denn gerade ihre Entwicklung vom "Opfer, das sich in seiner Rolle häuslich eingerichtet hat" (Michaels Vorwurf an Juliet) zur starken mutigen Frau, die es schafft, eine Yacht mit geringen Segelkenntnissen alleine über das karibische Meer zu segeln, die nach der Trauerbewältigung mit ihrer Tochter das Segeln wieder aufnimmt, die ihrer Mutter verzeiht und später scheinbar doch noch ihre Dissertation nachholt - all das hätte mich mehr intessiert als die ellenlangen Beschreibungen zuvor. Ich fand es auch seltsam und einfach nicht ausreichend, dass Michaels Schicksal letztlich nur in einem kurzen Absatz erläutert wurde. Letztendlich fand ich das Buch langatmig und meine eigentliche Erwartung einer Geschichte, die auf einer Yacht auf dem Meer stattfindet, hat sich nicht erfüllt, denn diesers Part kam definitiv zu kurz.

Was ich jedoch positiv hervorheben möchte, ist der ganz besondere Schreibstil der Autorin: scheinbar mühelos packt sie in bildgewaltiger Sprache unglaublich viel über ihre Hauptpersonen in ihre Sätze, trotzdem liest es sich leicht und elegant. Oftmals stieß ich auf Sätze, die mich gar nicht mehr losließen, weil sie zugleich einfach, aber doch tiefgründig sind und mich animierten, länger darüber nachzudenken, wie z.B. gleich der erste Satz "Wo genau nimmt ein Fehler seinen Anfang"? Das gefiel mir außerordentlich gut!

Mein Fazit: Es ist auf jeden Fall ein interessantes Buch in einem schönen Schreibstil. Leider hat es mehr Fragen offen gelassen als beantwortet, trotzdem hat es mich beeindruckt und wird mich noch einige Zeit beschäftigen. Aus diesem Grund habe ich das Buch dann in der Gesamtbewertung mit vier Sternen bedacht.