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MB
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Rösrath

Bewertungen

Insgesamt 478 Bewertungen
Bewertung vom 20.02.2021
Hancock, Anne Mette

Leichenblume / Heloise Kaldan Bd.1


sehr gut

Erschreckend lesenswert...
Natürlich ahnt man zu Beginn von 'Leichenblume' noch nicht, wohin sich die Geschichte entwickeln wird - ein wenig hat man als Leser*in das Gefühl, vor den Steinen aus unterschiedlichen Puzzles zu sitzen, die zunächst einmal nicht so richtig zusammenpassen wollen. Umso erstaunlicher aber, wohin sich der gut lesbare Krimi dann schließlich entwickelt. Und ab dem dritten Drittel ist dann auch kein entspanntes Lesen mehr möglich, dann muss man den 'Fall' einfach zu Ende bringen - egal wie fortgeschritten die Nachtzeit bereits ist. Und am Ende geht es um ein erschreckend aktuelles Thema, dass allerdings nicht verraten werden darf - sonst wäre ein Großteil der Spannung hinüber. Ein paar Seiten mehr hätte der Krimi von Anne Mette Hancock allerdings schon vertragen. Die Protagonist*innen, v.a. die Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan und Kommissar Schäfer, hätten ein wenig mehr Tiefe verdient; man hätte auch noch mehr mit der Dynamik pathologogischer Familien spielen können. Am Ende aber bleibt ein großes Erschrecken über die Hintergründe des Falles und eine Genugtuung über eine gelungene Rache.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.02.2021
Schenk, Mario

Der Gebieter von Ka'ara (eBook, ePUB)


weniger gut

Hmmmh...
Was man dem Autor Mario Schenk ja lassen muss ist - er hat Fantasie! Und das nicht zu wenig. In der Personalentwicklung oder auch im Fussball würde man von einem guten Potenzial sprechen. Man bekommt als Leserin bzw. Leser auch eine Vorstellung davon, welches im Lebensverlauf wohl seine Lieblingsbücher gewesen sein mögen - und man kann als Auftakt zu einer großen Geschichte und zu einem unvergleichlichen Abenteuer auch eine größere 'Abholaktion' inszenieren (...bis die Wächter sich bei ihrer Reise mit dem Raumkristall alle wieder gefunden haben), bevor es dann in 'die entscheidende Schlacht' geht (siehe 'Die Gefährten' bei Tolkien)... aber dann ist das nicht Dreiviertel des Buches, dann haben die Charaktere Tiefe und die Szenerien sind sinnvoll miteinander verknüpft... und vor allem gibt es einen Spannungsbogen, der die Leser*innen durch die Seiten rasen lässt bis das Buch beendet ist und man/frau den nächsten Band herbeisehnt...
Das alles habe ich nicht vorgefunden, so dass es mich zunehmend ermüdet hat, der Geschichte zu folgen. Aber wie eingangs formuliert: Es gibt gute Ideen - das ist das Potenzial - aber die sind unzureichend miteinander verknüpft. Auch der Schreibstil ist durchaus in Ordnung. Aber insgesamt...

Bewertung vom 14.02.2021
Helfer, Monika

Vati


sehr gut

Gut gelungen!!!
Ob alle Familiengeschichten wohl ihre eigene Poesie haben? Oder ist es vielmehr die Art, wie Geschichten erzählt werden, die sie zu einem wahrhaft poetischen Ereignis werden lassen. Diese Frage stellt sich mir nach der Lektüre des wunderbaren Büchleins 'Vati' von Monika Helfer. Ähnlich schon wie in 'Die Bagage' gelingt es der Autorin, der Leserin, dem Leser eine ungeheure Tiefe der Teilhabe zu ermöglichen - man ist zudem regelrecht motiviert, sich auf die Suche nach der eigenen Familiengeschichte zu begeben - vielleicht braucht es ja die Reise ins 'dort und damals' um das 'hier und jetzt' besser verstehen zu können.
Besuch bei der Mutter. Ich möchte ein Buch über den Vater schreiben. Erzähl mal! Soll ich es wahr oder erfunden erzählen? Beides! Vom Vater als kleinem Jungen, der schon viel früher als die Altersgleichen Lesen und Schreien konnte - und damit fast schon zwangsläufig ein Sonderling war - später ein Buchliebhaber, der die potenziellen Partner seiner Tochter an ihrem Bezug zu Büchern maß... Liebe Lesebegeisterte - macht euch mit auf die auf erfunden-biographische Reise!!!

Bewertung vom 10.02.2021
Cho, Nam-joo

Kim Jiyoung, geboren 1982


ausgezeichnet

Ein Lese-Muss!!!
Welch bedeutsames Büchlein! Eine Pflichtlektüre für die Männer dieser Welt und eine Bestärkung für die Frauen dieser Welt, ihren Weg weiterhin konsequent fortzuführen; bis sich dann eines Tages endlich Frau und Mann auf Augenhöhe begegnen können. Die Geschichte ist eigentlich recht einfach erzählt: Wir dürfen teilhaben an der Lebensgeschichte der Südkoreanerin Kim Jiyoung, geboren 1982. In der Erzählebene der Gegenwart ist sie eine verheiratete Mutter, die - obwohl sie studiert hat - lediglich 'dazuverdient', um der Familie ein Auskommen zu ermöglichen. Ihr Mann beobachtet in letzter Zeit seltsame Veränderungen bei Kim - sie spricht aus der Perspektive anderer Frauen...
Sie kommen überein, dass Kim einen Psychiater aufsucht, um sich einer Behandlung zu unterziehen. Der Bericht des Psychiaters bildet den Kern des Buches - es wird die Geschichte von Kim erzählt; über die Familie, die Schulzeit, das Verhältnis von Jungen und Mädchen, über die Zeit des Studiums und die Versuche in einer männerdominierten Welt einen ausbildungsentsprechenden Beruf zu erlangen, über männliches Machgebaren und sexuelle Übergriffigkeit; bis hin zur aktuellen Phase in Kims Leben, in der sie ihren Mann kennengelernt und eine Tochter zur Welt gebracht hat.
Gerade die Form des fast schon kühl-distanzierten Berichts macht auf subtile Weise deutlich, wie groß das Ausmaß der Geschlechterungerechtigkeit (immer noch!) ist; wie stark der Druck sozialer Erwartungen auf Kims Psyche einwirkt und sie an sich selbst zweifeln lässt; wie sie mit übergroßer Anstrengung versucht, sich einen Platz im Leben zu erarbeiten, der eben nicht nur die Rolle einer ewig dienenden, sich für Mann und Familie aufopfernden, sich selbst beständig zurückstellenden Frau ist. Und die weltweite Resonanz des Buches verdeutlicht in unübersehbarer Weise, dass es zu einfach wäre, lediglich zu behaupten, dass die dargestellte Problematik ja schließlich nur den koreanischen Kulturraum beschreibe...
Als männlichem Leser, der von sich glaubt, mit seinen Überzeugungen an der Seite der Frauen zu stehen, überfiel mich zuweilen ein Gefühl von Scham für mein Geschlecht. Also bitte dieses Buch lesen!
Ein kleiner Punktabzug in der B-Note: In einigen Abschnitten wird die reine Erzählebene aufgelöst und es sind fachbuchartige Aussagen und Statistiken zu Geschlechterungerechtigkeit eingefügt - das hätte man besser im Anhang platziert. Aber vielleicht ist diese kleine Kritik nur Ausdruck meines Männerhirns, welches um seine Überlegenheit fürchtet, wenn es eigentlich rückhaltslos sagen müsste: Ausgezeichnetes Buch!!!

Bewertung vom 01.02.2021
Kaizik, Jürgen

Ich und der Andere


gut

Gemischte Gefühle
Jürgen Kaizik hat mit "Ich und der andere" einen gut lesbaren und auch interessanten Roman geschrieben; gleichwohl hinterlässt der Text bei mir sehr gemischte Gefühle... Selbstverständlich handelt es sich bei der Geschichte um den legendären Sänger der Band 'The Doors' - Jim Morrison - nicht um eine Biographie, wobei natürlich Biographisches durchaus eine Rolle spielt: Der der Marine zugehörige, erbarmungslose Vater, die Band und ihr kometenhafter Aufstieg, Jim Morrisons Alkoholsucht und Liebesleben, der Weg nach Paris und sein Verschwinden mit 27 Jahren. Wir werden Zeugen der Entstehung der 'gößten Hits' der Doors (The End, Riders on the storm, Light my fire, Break on through); wir begleiten Jim Morrison bei seinen inneren Kämpfen und gegen Ende auch auf das legendäre Woodstock-Festival, welches er aber nicht mit seiner Band auf der Bühne, sondern als einer unter Tausenden, unerkannt, weil inzwischen ohne seine Lockenmähne, nur am Rande erlebt. Jürgen Kaizik hat seinem Protagonisten Jim Morrison eine zweite Figur zur Seite gestellt - einen verwirrten jungen Dichter aus Deutschland, welcher Hölderlin verkörpern soll; er konstruiert eine spannende Seelenverwandschaft, aus der er Jim Morrison die Inspiration für seine Texte ziehen lässwt - ganz nach dem Motto 'Was man schreiben kann, das hätte auch genau so passieren können'. Am Ende weiß man als Leser nicht so recht, ob es sich um einen realen oder einen von Jim Morrison imaginierten 'anderen' handelt. Der Autor lässt dann die beiden Männer sich am Ende ihrer Tage in einer abgehalfterten psychiatrischen Anstalt im Irgendwo als die letzten beiden Patienten aufhalten. Durch die Presse geht die Meldung vom fünfzigsten Todestag Jim Morrisons. Der Versuch, eine hölderlinartige Sprache in die bewegte Zeit Ende der Sechziger, anfang der Siebziger zu transportieren mag man entweder als ein wenig unpassend oder auch als interessantes Spannungsfeld zwischen Text und Handlung bewerten. Eine Poesie des Aufbruchs - zur anderen Seite!

Bewertung vom 21.01.2021
Berg, Sofie

Mit dem Mut des Herzens


gut

Netter Schmöker.
Dass noch längst nicht alles überstanden ist, wenn der Krieg vorbei ist und dass mit der Kapitulation im Jahre 1945 zwar der Krieg vorbei war, aber der Friede noch längst nicht in die Familien eingekehrt war - davon erzählt der gut lesbare Schmöker von Sofie Berg. Sie lässt ihre Protagonist*innen den extrem kalten Nachkriegswinter, den akuten Mangel an (Über-) Lebensmitteln, den Schwarzmarkt, das 'Fringsen' und Beziehungskrisen durchleben. Im Vordergrund aber steht die familiäre Belastungsprobe, resultierend daraus, dass Töchter und Söhne sich in Partner des Kriegsfeindes verliebt haben, aus ihrer Heimat verstoßen und in der neuen Umgebung geächtet wurden (Deutsche, Norwegerinnen, Engländer); und genau in der Beschreibung der daraus resultierenden Zerwürfnisse besteht die Stärke des Buches. Das Buch ist auch eine Erinnerung an ein Stück Vergangenheit, welches immer mehr in Vergessenheit gerät - mit der Folge, dass auch der Satz "Nie wieder Krieg" langsam an Bedeutung verliert; damit ist das Buch auch ein Appell an die jüngeren Generationen, die Eltern und Großeltern zu befragen, zumindest aber in ihrem Denken und Handeln vielleicht ein wenig besser zu verstehen.
Also statt der Freitagabend-Schmonzette in der ARD lieber mal dieses Buch lesen!

Bewertung vom 14.01.2021
Joyce, Rachel

Miss Bensons Reise


sehr gut

Absolut filmreif!!!

Ich war zunächst ziemlich skeptisch, als ich mich auf das Buch eingelassen habe - ließ das Buchcover doch eine etwas kitschig anmutende Selbstfindungsexpedition zweier ungleicher Frauen in exotischer Landschaft erwarten. Und ich muss sagen - ich habe mich sehr getäuscht; von Seite zu Seite hat mich die Geschichte und der Schreibstil (die Übersetzung) mehr und mehr gepackt. Ich konnte gar nicht anders, trotz fortgeschrittener Uhrzeit und großer Müdigkeit, als das Buch noch heute in den frühen Morgenstunden zuende zu bringen. Die Story bitte ich einfach dem Klappentext zu entnehmen. Natürlich entwickeln sich die beiden zunächst sehr gegensätzlichen Protagonistinnen im Verlauf ihres Abenteuers - der Suche nach dem Goldenen Käfer auf der Insel Neukaledonien; ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass am Ende aus Abneigung Liebe geworden ist - beide haben das gemeinsame Abenteuer für sich nutzen können an der Andersartigkeit des anderen selbst zu wachsen. Beide haben natürlich Ihre Vorgeschichte und ihre Geheimnisse, die sich nach und nach offenbaren. Es gibt Abenteuer, Humor, Dramatik, Tragik, Geburt und Tod - und auch die düstere Bedrohung, die auch uns zuweilen an den Fersen klebt (hier in Form gegossen in der Person eines traumatisch hochbelasteten Kriegsveteranen, der den beiden Frauen auf ihrer Expedition heimlich folgt). Die Geschichte hat alles an Unwägbarkeiten und Möglichkeiten, was das Leben zu bieten hat - wohl deshalb ist 'Miss Bensons Reise' ein hochemotionales Buch, welches man nur schwer aus der Hand legen kann! Und es macht Mut, sich auf das im Leben zu besinnen, was einem wirklich wichtig ist. Sehr nett auch die Idee der Autorin am Schluss: Ein Interview mit den Protaginistinnen der Geschichte zum Buch, bzw. zu ihrer Geschichte. Absolute Leseempfehlung. Ist das jetzt Literatur? Egal - eine filmreife Geschichte ist es auf jeden Fall!

Bewertung vom 08.01.2021
Hibbert, Talia

Kissing Chloe Brown / Brown Sisters Bd.1


weniger gut

Freitagabendunterhaltung...
Natürlich weiß 'mann' eigentlich, wenn 'mann' sich ein Buch mit dieser Covergestaltung zur Brust nimmt, dass es um Herzensdinge geht, die nach einigem hin und her, nach einigen Missverständnissen, nach Selbstzweifeln der Hauptpersonen, auch basierend auf vergangenen Beziehungserfahrungen, am Ende gut ausgehen wird, dass die Protagonisten Chloe und Red im Glück vereint zueinander finden werden; auf dem Weg dorthin hat dann so ganz nebenbei jeder die Liebe zu sich selbst (Selbstakzeptanz) entdeckt und begriffen, dass sie die Voraussetzung für ein offen-vertrauensvolles Wir ist. Gleichwohl ist es eine nette Geschichte und erfüllt ihren Zweck, für einige Stunden in eine rosa getönte Welt abtauchen zu dürfen. Auch wenn es vielleicht nicht die perfekten Liebespartner sein sollen (Chloe hat eine chronische Erkrankung und Red ist als Hausmeister gestrandet) - und die Botschaft wohl sein soll, dass die wahre Liebe keinen Standesdünkel kennt und auch Krankheiten keine Rolle spielen - so hat das Ganze doch einen gegenteiligen Effekt: In der Schwäche liegt die Größe... und weil wir alle unsere Schwächen haben, nehmen wir für die Lesezeit natürlich das Identifikationsangebot gerne an! Ein paar überflüssige Klischees stören nur am Rande: der breitschultrige Red in Lederjacke auf dem Motorrad, Chloe als Beifahrerin, ihn eng umkammernd; dass Red ab und an ein kleines Zwiegespräch mit seinem 'besten Stück' hat; und den Austausch von Emails zum Zwecke der Beziehungsanbahnung beherrscht Daniel Glattauer in 'Gut gegen Nordwind' einfach besser. Aber eins muss 'mann' der Autorin lassen - sie kann recht gut erotisch aufgeladene Situationen beschreiben! War mal eine etwas andere Leseerfahrung...

Bewertung vom 02.01.2021
Monti, Olivia

Sterbewohl (eBook, ePUB)


sehr gut

Ziemlich geniale Idee...
Olivia Monti, selbst Jahrgang 1960, hat sich im Krimiformat Gedanken darüber gemacht, ob sich der deutsche Staat die riesengroße Gruppe der Senioren, die sehr zeitnah aus der Babyboomer-Generation erwachsen wird, überhaupt noch wird leisten können. Dabei hatte sie die ziemlich genial-erschreckende Idee, die Handlung in eine nhe Zukunft zu verlegen, eine rechte Partei an der Macht sein zu lassen und den älteren und alten Menschen ein sanftes, pseudofreiwilliges Dahinscheiden in schön ausgestatteter Umgebung auf der Nordseeinsel Fehmarn zu ermöglichen - dies mit Hilfe geschickt-subtiler Beeinfussungstechniken und mit ans Dritte Reich angelehnten 'Euthanasie-Strategien'. Eine kleine Gruppe befreundeter Alter werden zu einem sogenannten 'Sterbeseminar' auf die Insel eingeladen. Haben sie anfangs noch das Gefühl, auf einer Art kostenlosen Wellness-Urlaub auf Staatskosten eingeladen zu sein und glauben auch noch an ihre Freiheit der Wahl, so verdichtet sich für die Protagonist*innen immer mehr der Verdacht, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht und dass es sich hier wohl tatsächlich um ein riesengroßes Verbrechen an den alten Menschen handelt. Was den Krimi auszeichnet ist neben der guten Lesbarkeit vor allem das erschreckende Gedankenspiel und die gut gezeichneten Figuren. Einen Punktabzug gibt es allerdings für den am Ende (die geglückte Rettung und Offenlegung des Skandals) etwas flachen und auch vorhersehbaren Spannungsbogen. Aber eines muss ich doch sagen: Die Story hat noch einige Zeit in mir nachgehallt...

Bewertung vom 29.12.2020
Bagus, Clara Maria

Die Farbe von Glück


weniger gut

man mag es, oder auch nicht...

Wer das Buch "Das Cafe am Rande der Welt" von John Strelecky mag, der wird auch "Die Farbe von Glück" mögen - eine von Lebensweisheiten gespickte Erkundung innerer Welten inmitten romantisierender Landschaftsbeschreibungen. Dabei geht es eigentlich um hochbrisante Themen: Eine Mutter verlässt ihr Kind; ein Richter erpresst eine Kinderkrankenschwester Neugeborene zu vertauschen, nachdem seine ersten beiden Kinder früh gestorben sind und zu befürchten ist, das auch das Dritte nicht lange überleben wird - von der Angst geleitet, dass sine Frau dies emotional nicht verkraften würde... Eigentlich also ein toller Stoff für unzählige innere und äußere Konflikte. Zudem ist die Autorin Psychologin! Hätte also richtig was werden können! Statt dessen ein ziemlich schwülstiges, fast schon esoterisch anmutendes Selbstrettungsgesäusel: In einer anderen Rezension war von der Aneinanderreihung von Kalendersprüchen die Rede - gut getroffen. Aber ich will dem Buch nicht Unrecht tun - es wird seine Zielgruppe finden; offenbar gehöre ich nicht dazu. "Lange hatten sie nicht so gut geschlafen. Eine bloße Bastmatte auf dem harten Steinboden. Mehr brauchte es nicht. Das Morgenlicht kroch so behutsam heran, wie es am Abend zuvor entwichen war. Sie blickten zum Fenster hinaus auf eine Landschaft, die in weiches, buttriges Licht getaucht war. Auf Gräsern und Reisfeldern funkelten Wassertröpfchen. Überall glänzte der Farn. Duftete das Grün. In der Ferne begannen sich die ersten Häuser in der Dämmerung abzuzeichnen. Hier würden sie bleiben." "Die Tragik von Schmerz und Trauer hatte sich auf einmal verflüchtigt. Das war sie: Die Farbe von Glück. Ganz langsam formte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht. Und tastend erwachte in ihm der Glaube an Wunder."