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Maddinliest
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Borken

Bewertungen

Insgesamt 947 Bewertungen
Bewertung vom 27.09.2020
Nagele, Andrea

Du darfst nicht sterben


ausgezeichnet

Ein tiefgründiges Beziehungsdrama

Die lebensfrohe Anne verbringt mit ihrer in sich gekehrten Zwillingsschwester Lili einen Skiurlaub, um sie aus ihrer Lethargie zu befreien. Dies will zunächst gar nicht so recht funktionieren und die Verwunderung ist bei Lili dann auch groß, als sich ihre Schwester mit Paul anfreundet, auf den sie selber ein Auge geworfen hat. Aus Neid und Scham bricht Lili den Urlaub ab und bringt ihre Schwester dazu, ohne noch einmal mit Paul Kontakt aufgenommen zu haben, sie zu begleiten. Paul kämpft aber um Lili und steht plötzlich vor ihrer Tür. Es beginnt eine Romanze, die in der Folge alle Gefühlslagen auslösen soll...

Die Thriller der Autorin Andrea Nagele konnten mich bisher in aller Regelmäßigkeit begeistern, so dass ich auch mit großer Vorfreude und einer entsprechenden Erwartungshaltung in ihr neues Werk gestartet bin. Nach nur wenigen Seiten hat sie mich auch wieder mit ihrem tiefgängigen und hervorragend zu lesenden Schreibstil in den Bann gezogen. In "Du darfst nicht sterben" baut sie eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung auf, in der die Gefühle Achterbahn fahren. Wie ich es aus ihren vorherigen Büchern bereits gewohnt bin, widmet sich die gelernte Psychotherapeutin Andrea Nagele fachkompetent den Gedanken und Gefühlen ihrer drei Haupt-protagonisten und erzeugt dabei eine unglaubliche Tiefe. Sie wechselt die Erzählperspektive zwischen den Dreien und lässt der Entwicklung in dieser Verbindung freien Lauf. So wechseln sich Liebe, Angst, Zuneigung, Neid, Hass, Zorn, Verzweiflung und Panik ab und sorgen für einen aus meiner Sicht äußerst hohen Spannungsbogen, der bis zum Finale anhält.

"Du darfst nicht sterben" von Andrea Nagele ist für mich ein Psychothriller, der diese Bezeichnung auch mehr als verdient hat. Er überzeugt mit einem tiefen Blick in die Psyche der handelnden Protagonisten, einer intensiven Story und dem Erzähltalent der Autorin. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 27.09.2020
Eckhart, Lisa

Omama


gut

Bitterböse

Die äußerst erfolgreiche und oft provozierende Kabarettistin Lisa Eckhart hat mir ihrem Roman Debüt "Omama" ein bitterböses Buch veröffentlicht. Sie erzählt die Geschichte von Oma Helga, die mit ihrem Leben kein leichtes Los getroffen hat. Von der Natur eher mit Scharfsinn als mit gutem Aussehen gesegnet musste sie schon in der Nachkriegszeit das Schutzschild für ihre Schwester sein. Ihre Eltern sahen keinen Bedarf, sie vor den lüsternen Soldaten zu verstecken, und als die vermeintlich barbarischen Besetzer sich eher als Segen für die Familie herausstellen, buhlt Helga mit ihrer Schwester um die Gunst der Soldaten. Auch im Nachgang muss sie den Wünschen ihrer Eltern folgen und stellt sich immer wieder neuen ungewünschten Aufgaben. So zieht sich ihr Leben dahin und sie entwickelt sich zur cleveren und geschäftstüchtigen Frau mit einem gesunden Selbst-bewusstsein, welches ihr einige Wege öffnet.

Ich habe bei Lisa Eckhart natürlich nicht mit einer gefühlvollen Lobeshymne an ihre Großmutter gerechnet, aber mit ihrem sperrigen und nicht leicht zu lesenden Schreibstil strapazierte sie mein Durchhaltevermögen doch des Öfteren. Mit scharfer Zunge balanciert sie immer wieder auf dem schmalen Grad des für den Normalverbraucher Zumutbaren. Wie man es aus ihren Bühnenshows kennt, beherrscht Lisa Eckhart das Spiel mit den Worten hervorragend, nur im geschriebenen Text wirkt dies aus meiner Sicht bei weitem nicht so treffsicher, wie in ihrer gut akzentuierten Sprache. Die Geschichte von Omama Helga zieht sich daher ohne große Momente dahin und konnte mich nie so ganz in den Bann ziehen. Einige Passagen glänzen mit gekonnter Kritik an unserer biederen gesellschaftlichen Einstellung, konnten mich aber nicht vom Buch begeistern.

Insgesamt gibt es in den Romanen von Lisa Eckhart für mich noch deutlich Luft nach oben und ich konzentriere mich wohl zunächst auf ihre Bühnenpräsenz. Gerade ihre Attacken mit voller Provokation auf den allgemeinen guten Geschmack gehen mir dann doch ein wenig zu weit, was wahrscheinlich auch grundsätzlich zur polarisierenden Wirkung des Romans führt. Ich bewerte "Omama" mit drei von fünf Sternen.

Bewertung vom 20.09.2020
Lerner, Ben

Die Topeka Schule


sehr gut

Anspruchsvoll

Adam Gordon geht auf die Topeka High School und ist ein sehr beliebter Schüler. Er ist sprachlich talentiert und in den Debattierwettbewerben ist ihm keiner gewachsen. Da er auch ein Herz für Außenseiter hat, kümmert er sich ein wenig um Darren, ohne zu ahnen, dass dieser Patient seines Vaters ist. Seine Eltern sind Therapeuten in einer psychiatrischen Klinik und die beginnende Freundschaft von Adam und Darren birgt eine große Gefahr...

In seinem Roman "Die Topeka Schule" setzt sich der Autor Ben Lerner mit der amerikanischen Gesellschaft auseinander. Er hält ihr den Spiegel vor und übt so Kritik an der Oberflächlichkeit, die dort vorherrscht. Lerner ist Professor für Literatur am Brooklyn College, was sich aus meiner Sicht auch in seinem Schreibstil niederschlägt. Der Text liest sich sperrig und erfordert die volle Aufmerksamkeit. Gerade dieser Umstand macht den Roman für mich zu etwas Besonderem. Man muss gewillt sein, sich dem zu stellen, denn für ein entspanntes Lesen nach einem stressigen Tag halte ich das Buch für nicht geeignet. Die vielen Perspektivwechsel, mit denen der Autor arbeitet, lassen ebenfalls nur schwer einen Lesefluss aufkommen, aber das notwendige Durchhaltervermögen wird aus meiner Sicht belohnt. Obwohl das Buch in den Neunzigern spielt, wirkt es auf mich brandaktuell. Gerade die aktuelle gesellschaftliche Situation um den polarisierenden Präsidenten Trump könnte die Geschichte auf den Leib geschrieben sein.

Insgesamt war "Die Topeka Schule" für mich eine Erfahrung und ich halte es gerade aufgrund seiner Stilistik für lesenswert. Ich will aber noch einmal darauf hinweisen, dass es definitiv keine Lektüre für zwischendurch ist, in der Erwartung eines entspannten Leseabends, sollte man sich lieber einem anderen Buch zuwenden. Ich empfehle das Buch gerne weiter und bewerte es mit vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 20.09.2020
Roslund, Anders

Geburtstagskind / Ewert Grens ermittelt Bd.6


ausgezeichnet

Fesselnder Thriller

Den schwedischen Kommissar Ewert Grens lässt ein Fall aus seiner Vergangenheit keine Ruhe. Vor fast zwanzig Jahren fand er ein fünfjähriges Mädchen in einer Wohnung vor, in der ihre restliche Familie skrupellos hingerichtet wurde. Er kümmerte sich um einen ersten Halt für das Mädchen und im Anschluss um eine neue Identität. All die Erinnerungen an die schreckliche Geschichte kommen wieder hoch, als Ewert erneut zu der Wohnung gerufen wird, da genau dort ein Verbrechen stattgefunden hat. Gibt es für ihn doch noch die Möglichkeit kurz vor seiner Pensionierung mit dem Fall abzuschließen?

Anders Roslund gilt als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Krimiautoren Schwedens. Gerade seine Thriller, die er in Zusammenarbeit mit den beiden Schriftstellern Börge Hellström und Stefan Thunberg veröffentlicht hat erfreuen sich einer großen Fangemeinschaft. Ich bin nun mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in den neuen Krimi-nalroman des Autors gestartet und war schnell von seinem lebendigen und hervorragend zu lesenden Schreibstil gefangen. Er vermittelt eine bedrückende und damit sehr passende Atmosphäre für die äußerst clever konzipierte und im Verlauf immer komplexer werdende Geschichte. Der Spannungsbogen wird über die ereignisreichen Ermittlungsarbeiten und überraschende Wendungen auf einem äußerst hohen Niveau gehalten, um dann im fulminanten Finale noch mit einem gelungenen Plot aufzuwarten. Die Charaktere der Hauptprotagonisten sind interessant und vielschichtig angelegt und tragen aus meiner Sicht zum guten Gelingen der Geschichte bei.

Insgesamt ist "Geburtstagskind" für mich ein äußerst gelungener Thriller, der mit einige packende Lesestunden bescherte und mit den Protagonisten und dem Erzähltalent des Autors zu überzeugen weiß. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 20.09.2020
Westen, Jessika

DANCE OR DIE


ausgezeichnet

Ein unglaublich berührendes Buch

Nach dem 24. Juli 2010 war für viele junge Menschen die Welt eine völlig andere. Sie hatten sich an diesem Tag vorgenommen aus ihrem Alltag auszubrechen und den schönen Tag in Duisburg zu nutzen um eine Riesenparty zu feiern, nämlich die Loveparade. Wir kennen alle das Drama, welches sich an diesem Tage noch abspielen sollte, aber die Autorin Jessika Westen arbeitet diesen Tag noch einmal aus unterschiedlichen Perspektiven auf.

Sie war selbst als Reporterin für den WDR vor Ort und berichtete den laufenden Tag immer wieder von den Geschehnissen vor Ort. Anfangs ahnte noch niemand, wie die Berichterstattungen sich später entwickeln werden würden. Neben ihrer eigenen Perspektive nimmt sie die Geschehnisse aus den Augen eines Sanitäters und einer Gruppe Jugendlicher vor Ort ins Visier. Ihr gelingt es mit ihrem sehr detailreichen und hervorragend zu lesenden Schreibstil, diesen schrecklichen Tag sehr authentisch wiederzugeben. Damit wird die Lektüre emotional zu einer echten Herausforderung. Die Fakten sind dem Leser bekannt und so beginnt direkt zu Beginn des Buches das Bangen um die Protagonisten, dass sie von der Tragödie verschont bleiben. Die wechselnden Perspektiven sorgen für eine äußerst eindrückliche Schilderung der Geschehnisse. Selten habe ich mich bei einem Buch so vor dem nächsten Kapitel gefürchtet, was die Qualität des Buches an dieser Stelle aber nur unterstreichen soll.

"Dance or die" ist aus meiner Sicht ein ganz besonderes Buch, welches von einer Tragödie berichtet, ohne damit Effekthascherei zu betreiben. Die Autorin Jessika Westen hat über Jahre mit Verletzten und traumatisierten Opfern gesprochen und die erhaltenen Berichte und Informationen mit einer enormen emotionalen Tiefe zu einem berührenden Roman verarbeitet. Ein wirklich tolles Buch, einer meiner absoluten Lese-Highlights der letzten Jahre. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 20.09.2020
Kruse, Tatjana

Zwei Schwestern für ein Halleluja (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Stimme aus dem Jenseits

Konny hat sich mal wieder unendlich verliebt, aber da sie die einfache Tour nicht mag, ist ihr Auserwählter zum einen Gast ihres Hauses und von daher eigentlich tabu und zum anderen ist er auch noch Priester. Für Konny gänzlich unerreichbar ist er aber kurz darauf, als er ganz plötzlich das Zeitliche segnet. Als Konny kurz darauf eine mail von dem toten Priester erhält, indem er darum bittet seinen Mörder ausfindig zu machen, sucht sie die Flucht in den Alkohol und ihre Schwester Kriemhild nimmt im Kloster die Ermittlungen auf. Natürlich erfolgt dies wieder auf äußerst unkonventionelle Art und Weise...

In "Zwei Schwestern für ein Halleluja" schickt die Autorin Tatjana Kruse ihre beiden sympathischen und toughen Zwillingsschwestern zum vierten mal auf Verbrecherjagd. Nach vielen tollen Bewertungen der ersten Bände bin ich als Quereinsteiger mit hohen Erwartungen in das neue Abenteuer der Beiden gestartet. Nach wenigen Seiten war mir klar, was den Lesern an der Reihe so gut gefällt. Mit ihrem lockeren und erfrischend wortgewandten Schreibstil sorgt sie für beste Krimiunterhaltung. Hierbei stehen keine blut-rünstigen Taten im Vordergrund, sondern die Ermittlungen der beiden Hauptprotagonisten Konny und Kriemhild, die sich als Zwillingsschwestern hervorragend ergänzen. Ihre ständigen Reibereien sorgen immer wieder für Schmunzler und Herr Hirsch, der die beiden bei ihren Bemühungen unter-stützt, setzt mit seinem Sprachfehler aus meiner Sicht humorvolle Akzente. Der Spannungsbogen kommt aber auch nicht zu kurz, immerhin geht es darum, einen Mörder dingfest zu machen, der sich scheinbar in den alten Mauern des Klosters verschanzt hat.

"Zwei Schwestern für ein Halleluja" ist für mich ein äußerst unterhaltsamer Kriminalroman, der die Reihe um die zwei sympathischen Protagonistinnen gelungen fortsetzt. Der Autorin Tatjana Kruse gelingt eine perfekte Mischung aus Spannung und Humor, die mir ein paar sehr lebendige Lese-stunden beschert hat. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 20.09.2020
Franz, Franziska

Blutmain


sehr gut

Spannender Kriminalroman

Melinda trifft sich mit einem charmanten jungen Mann, in den sie sich spontan ein wenig verguckt hat. Der Abend beginnt mit einem romantischen Essen, die folgenden Stunden allerdings sind aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Sie wacht auf einer Yacht auf, die sie mit Mühe und Not ans Ufer des Mains steuern kann. Von ihrem sympathischen Begleiter fehlt jede Spur und ihre Kleidung ist voller Blut. Was ist nur geschehen? Völlig verwirrt kehrt sie in die Wohnung ihres Begleiters zurück, wo sie aber niemanden vorfindet. Am Tag darauf stellt sich heraus, dass die Wohnung einer älteren Dame gehört, die mittlerweile tot in der Offenbacher Schleuse gefunden wurde. Hat Melinda mit dem Tod der Frau zu tun, die sie überhaupt nicht kennt? Ihre Nachbarin und Privatdetektivin Karla Senkrecht nimmt sich der Sache an und versucht die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Mit "Blutmain" hat die Autorin Franziska Franz einen raffiniert aufgebauten Kriminalroman geschrieben. Sie erzählt die Geschichte in einem lebendigen und gut zu lesenden Schreibstil. Der Spannungsbogen wird mit der mysteriösen Situation um Melinda zu Beginn des Buches aufgebaut und über die unkonventionellen Ermittlungen von Karla Senkrecht auf einem guten Niveau gehalten. Dabei entwickelt sich eine clever ausgeklügelte Geschichte, die zwar relativ schnell den Täter enttarnt, aber von der schwierigen Überführung desselben lebt. Die Privatermittlerin Karla Senkrecht trägt mit ihrer speziellen und sehr geradlinigen Art zum Gelingen des Kriminalromans bei und verleiht ihm in Verbindung mit ihrer Lebensgefährtin einen besonderen Charme. Als sehr gelungen empfunden habe ich auch einen gesunden Lokalkolorit in dem Buch.

Insgesamt hat mir "Blutmain" als Kriminalroman gut gefallen, es würde mich freuen, noch von weiteren Fällen der charmanten Hauptprotagonistin zu lesen und empfehle das Buch daher sehr gerne weiter. Meine Bewertung fällt mit guten vier von fünf Punkten positiv aus.

Bewertung vom 14.09.2020
Florin, Elisabeth

Commissario Pavarotti probt die Liebe (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ein packender und komplexer Kriminalroman

Lissie lässt das ungeklärte Geschehen um ihren vor Jahren spurlos verschwundenen Vater keine Ruhe, sie möchte die damaligen Umstände unbedingt klären und bittet Pavarotti, sie bei ihren Recherchen zu unterstützen. Der willigt, von einem schlechten Gewissen und seinen Gefühlen Lissie gegenüber geleitet, ein und gemeinsam beginnen sie in der Vergangenheit zu suchen. Dabei stoßen sie auf einige Ungereimtheiten und bringen, ohne es zu ahnen, sich selbst und andere in große Gefahr. Es ist wohl einigen Personen viel daran gelegen, die Vergangenheit ruhen zu lassen...

"Commissario Pavarotti probt die Liebe" ist mittlerweile der fünfte Band um den charismatischen Ermittler Pavarotti. Die Vorgängerbände konnten mich bereits in den Bann ziehen, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in das neue Abenteuer gestartet bin. Nach wenigen Seiten war mir klar, dass mich die Autorin Elisabeth Florin mit ihrem lebendigen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil nicht enttäuschen wird. Sie baut aus dem mysteriösen Verschwinden Lissies Vater eine sehr komplexe und raffiniert konzipierte Geschichte auf, deren Spannungsbogen sich mit den Beginn der Recherchen gleich auf einem hohen Niveau begibt und dieses über überraschenden Wendungen im Verlauf des Buches niemals verlässt. Hervorragend gefallen haben mir aber auch die Weiterentwicklungen der einzelnen Protagonisten. Gerade die beiden Hauptprotagonisten, aber auch beispielsweise Emmenberger, der Vertreter Pavarottis, werden interessant und facettenreich charakterisiert. Dies verleiht dem Buch aus meiner Sicht noch einmal einen ganz besonderen Charme.

Insgesamt ist für mich "Commissario Pavarotti probt die Liebe" eine mehr als gelungene Fortsetzung einer außergewöhnlichen Krimi-Reihe, die mit spannenden Protagonisten und dem Erzähltalent der Autorin zu überzeugen weiß und sich damit aus der Masse des Genres hervorhebt. Es bleibt zu hoffen, dass wir die Charaktere noch über einige Zeit begleiten dürfen. Ich empfehle sowohl das aktuelle Buch, als auch die gesamte Reihe sehr gerne weiter und bewerte den Kriminalroman mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 14.09.2020
Reichert, Klaus

Fleisch ist mir nicht Wurst


ausgezeichnet

Eine Frage von Wertschätzung

Es ist schön bequem, das perfekt portionierte Stück Fleisch gut verpackt aus der Kühltheke zu nehmen, um es zu Hause für das perfekte Gericht zu verarbeiten. Was dem Konsumenten damit erleichtert wird, ist der eigentlich unvermeidbare Blick hinter die Kulissen. Die Frage, wie kann es möglich sein, dass ich ein Stück Fleisch für so wenig Geld einkaufen und verzehren kann? Sicherlich eine unbequeme Frage, der der Konsument gerne ausweicht, aber es steht nun einmal fest, dass für ein Stück Fleisch auf alle Fälle ein Tier getötet werden musste. Jeder kann dieses Dilemma für sich auf seine Art und Weise lösen, und dass es alternative Lösungen gibt ist sicherlich auch in der steigenden Anzahl der Vegetarier und Veganer abzulesen. Aus meiner Sicht ist es nicht verwerflich, nicht auf den Genuss eines guten Stück Fleisch zu verzichten, was aber auch mit einem Respekt dem Tier gegenüber einher gehen sollte. Man sollte daher auch bereit sein, mehr Geld für den Genuss zu investieren, um dem Tier eine Chance einer artgerechten Haltung zu geben.

Genau diesem Thema widmet sich der Autor Klaus Reichert in seinem Buch mit dem provokanten Titel "Fleisch ist mir nicht Wurst". Er wurde in eine Metzgerfamilie geboren und wuchs quasi mit dem Thema Fleisch auf. Aber der Handwerksberuf eines Metzgers hat in den letzten Jahrzehnten deutlich an Anspruch verloren und dem Preisdruck, den die Supermärkte und in erster Linie auch die Konsumenten mit ihrer Forderung nach möglichst günstigem Fleisch aufbauen, können sie in ihrer Struktur kaum noch gerecht werden. Klaus Reichert plädiert daher für mehr Achtsamkeit beim Fleisch-einkauf, frei nach dem Motto "Weniger ist manchmal mehr". Es wäre allen damit gedient, das Fleisch seltener, dafür aber in einer anderen Qualität, auf dem Essenstisch erscheinen zu lassen. Auch sieht er die Notwendigkeit, den Konsumenten mit dem Töten des Tieres zu konfrontieren, um den bei ihm erforderlichen Respekt aufzubauen. Der Autor erzählt dies in seinem Buch mit einer gelungenen Kombination aus der Biografie von drei Generationen seiner Fleischerfamilie und einer Ansammlung von belegbaren Fakten aus der Fleischindustrie. Er gibt dem Thema damit neben dem sachlichen Bezug eine persönliche Note, die sehr authentisch wirkt.

Insgesamt ist "Fleisch ist mir nicht Wurst" ein aus meiner Sicht wichtiges Buch, um den aktuellen Fleischkonsum unserer Gesellschaft in Frage zu stellen und neben dem kompletten Verzicht vernünftige Alternativen aufzuzeigen. Ich empfehle es daher gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 14.09.2020
Stolzenburg, Silvia

Die Salbenmacherin und der Stein der Weisen / Die Salbenmacherin Bd.5


ausgezeichnet

Spannende Fortsetzung

Nachdem Olivera und Götz vor einem halben Jahr nur knapp den Intrigen des Stadtrates entkommen konnten scheint sich die Lage beruhigt zu haben. In der Stadt sorgt ein Quacksalber neuerdings für Unruhe, da er verspricht aus normalen Silbermünzen Gold machen zu können. Von der Gier angetrieben möchten viel die vermeintlich große Chance nutzen und auch Götz bekommt den Auftrag, den Meister der Alchemie zu besuchen, um die Behauptungen zu überprüfen. Kurze Zeit später ist der Quacksalber tot und die Liste der Verdächtigen lang. Für Olivera und ihre gesamte Familie beginnt ein gefährliches Abenteuer...

"Die Salbenmacherin und der Stein der Weisen" ist mittlerweile der fünfte Band um die engagierte Apothekerin Olivera. Die Autorin konnte mich mit den ersten Teilen und vielen ihrer anderen Bücher begeistern, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in ihr neues Werk gestartet bin. Nach wenigen Seiten hatte sie mich bereits wieder mit ihrer bildreichen und äußerst lebendigen Schreibweise in den Anfang des 15. Jahrhunderts entführt und es war mir klar, dass ich nicht enttäuscht werden würde. Gekonnt baut sie mit dem Tod des Heilers den Spannungsbogen auf und hält ihn mit den ereignisreichen Ermittlungen von Olivera auf einem hohen Niveau. Sehr gut gefallen hat mir, wie es ich für eine gute Reihe gehört, die Weiterentwicklung der Protagonisten, welche interessant und authentisch charakterisiert sind. Die historischen Hintergründe wirken wieder sehr gut recherchiert und kleiden die spannende Geschichte in ein passendes Gewand.

Insgesamt ist "Die Salbenmacherin und der Stein der Weisen" aus meiner Sicht eine mehr als gelungene Fortsetzung einer historischen Reihe, die mit tollen Protagonisten, einer fesselnden Handlung und dem Erzähltalent der Autorin überzeugt. Es bleibt zu hoffen, dass die Abenteuer von Olivera noch lange anhalten mögen. Ich empfehle das Buch und die gesamte Serie gerne weiter und bewerte den aktuellen Band mit den vollen fünf von fünf Sternen.