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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Maddinliest
Wohnort: Borken
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Danksagungen: 13 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 488 Bewertungen
Bewertung vom 07.06.2020
Die Hölle war der Preis, 1 MP3-CD
Lind, Hera

Die Hölle war der Preis, 1 MP3-CD


sehr gut

Der Ruf der Freiheit

Gisa Stein ist von Kind auf ein lebhaftes und selbstbewusstes Mädchen, welches weiß, was sie will. So schafft sie es auch mit viel Leidenschaft die Ausbildung zur Tänzerin an der Staatsoper erfolgreich zu absolvieren. Das macht sie glücklich, aber das System gönnt ihr diesen Erfolg nicht und beschließt, dass sie fortan als Schneiderin dem sozialistischen Staat zu dienen hat. Totunglücklich beugt sie sich ihrem Schicksal, aber träumt ständig von ihrer Karriere als Tänzerin. Zusammen mit ihrem rebellischen Ehemann Edgar beschließt sie daher zu fliehen und wird an der Grenze abgefangen. Nun hat sie den Preis für ihren Traum zu zahlen...
Die erfolgreiche Autorin Hera Lind hat sich in ihrem neuen Roman dem Schicksal eines Freigeistes im sozialistischen System der DDR gewidmet. Die sympathisch charakterisierte Gisa hadert mit ihrem vom Staat bestimmten Schicksal und sieht keinen anderen Ausweg als die Flucht, die leider misslingt. Ihre Geschichte erzählt von dramatischen Jahren ihrer Haft und gewährt Einblick in die gnadenlose Welt des geteilten Deutschlands. Hera Lind gelingt es aus meiner Sicht mit ihrem lebendigen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil die Geschichte authentisch erscheinen zu lassen. Immer wieder war ich über die Zustände und Umgangsformen schockiert und litt quasi mit der Hauptprotagonistin. In der Hörbuchfassung gelingt es der Sprecherin Svenja Pages eindrucksvoll, die deprimierende Stimmung der Haftanstalt und des Systems wiederzugeben. Ihre Stimme setzt sie gekonnt ein und führt die Situation so sehr bildreich vor Augen.
Insgesamt ist Hera Lind mit "Die Hölle war der Preis" ein beeindruckender Roman gelungen, der mich auch nach dem Hören der Hörbuchfassung nicht losgelassen hat. Ich empfehle das Hörbuch daher gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 07.06.2020
Das Dorf der toten Seelen
Sten, Camilla

Das Dorf der toten Seelen


gut

Das Geisterdorf

Das schwedische Grubendorf Silvertjärn liegt im Wald von Norrland und wird von einem großen Rätsel umgeben. Vor mittlerweile 60 Jahren verschwanden von einem Tag auf den anderen alle Bewohner der kleinen Gemeinschaft und bisher konnte deren Verbleib nicht geklärt werden. Dies nimmt die junge Alice Lindstedt zum Anlass, nach ihrem gerade absolvierten Filhochstudium, einen Dokumentarfilm über das ungelöste Rätsel zu drehen. Sie macht sich mit vier weiteren jungen Menschen in die Abgeschiedenheit auf, um das Geheimnis zu lüften...
Die skandinavische Autorin Camilla Sten hat sich für ihren Thriller "Das Dorf der toten Seelen" ein bewusst düsteres Szenario geschaffen. Das mystische Verschwinden der 60 Bewohner des kleinen Grubenortes wirft viele Fragen auf und gerade die lange verlassenen Häusern bilden die nahezu perfekte Kulisse für eine dunkle und geheimnisvolle Geschichte. Camilla Sten erzählt diese dann in einem gut zu lesenden Schreibstil, der mich zu Beginn noch auf ein wenig Gruseln hoffen lässt. Im Verlauf entwickelt sich das Ganze aus meiner Sicht aber zu konstruiert und die Protagonisten bleiben zu oberflächlich, was dazu führt, dass zumindest bei mir der Funke nicht übergesprungen ist. Ich war sehr gespannt, wie die Autorin das mystische Rätsel auflöst, was ihr in dem durchaus spannenden Finale auch nachvollziehbar gelingt, aber auch hier konnte mich das Buch nicht wirklich fesseln, so dass der Aha-Effekt einfach ausblieb.
Für mich hat die Autorin sich zu sehr bemüht diese Mystische des durchaus vielversprechenden Szenarios aufrecht zu erhalten und hat damit das Potential, was diese Geschichte sicherlich hat, nicht ausgeschöpft. Mich konnte der Thriller daher nicht überzeugen, so dass ich ihn mit lediglich drei von fünf Sternen bewerte.

Bewertung vom 07.06.2020
Der Preis der Rache / Lupe Svensson und Otto Hagedorn Bd.1
Berg, Mathias

Der Preis der Rache / Lupe Svensson und Otto Hagedorn Bd.1


ausgezeichnet

Toller Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

Gleich am ersten Tag ihres Praktikums wird die noch sehr junge Psychologin mit einem spannenden Fall konfrontiert. Sie wurde einer Abteilung zugeteilt, die sich um spezielle Fälle kümmern soll und der Fund einer weiblichen Leiche deutet auf einen ungeklärten Fall aus der Vergangenheit hin, bei dem ein Serientäter seinen Opfern einen Fuß abgetrennt hat. Ist diese Tat ebenfalls den Mörder zuzuschreiben? Warum hat er seine Serie gestoppt? Lebt er noch und kann er von dem Team um den erfahrenen Ermittler Otto Hagedorn überführt werden?
Der Autor Mathias Berg hat mit "Der Preis der Rache" ein aus meiner Sicht äußerst gelungenes Krimidebüt hingelegt. Er erzählt die Geschichte in einem temperamentvollen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil, der die Handlung bildreich vor Augen führt. Knackige und prägnante Sätze, sowie die Perspektivwechsel nach den vielen kurzen Kapiteln erhöhen das Tempo und machten das Buch für mich zu einem richtigen Page-Turner. Der Spannungsbogen wird mit dem Auffinden der Frauenleiche klassisch aufgebaut und über die mühsamen und für mich authentisch wirkenden Ermittlungsarbeiten bis zum überraschenden Finale auf einem hohen Niveau gehalten. Den besonderen Charme erhält der Kriminalroman aber durch seine interessant charakterisierten Hauptprotagonisten. Gerade die Personen Lupe Svensson und Otto Hagedorn können der komplexen und raffiniert konstruierten Geschichte mit ihren eigenen Vergangenheiten den besonderen Stempel aufsetzen.
"Der Preis der Rache" ist aus meiner Sicht der hervorragend gelungene Auftakt einer vielversprechenden Kriminalroman-Reihe. Mich konnte das Buch voll und ganz begeistern, so dass ich bereits schon jetzt dem Nach-folgerband entgegenfiebere und den Krimi gerne weiterempfehle, sowie mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.

Bewertung vom 01.06.2020
Das wirkliche Leben
Dieudonné, Adeline

Das wirkliche Leben


ausgezeichnet

Der Geist der Hyäne

Ein zehnjähriges Mädchen lebt mit ihrer vierköpfigen Familie in einem schmucklosen und einfachen Haus am Waldrand. Der Alltag ist von Tristesse und Angst geprägt, da der Vater in immer wiederkehrenden Momenten der Gewalt freien Lauf lässt, die die willenlose und ihrem Schicksal ergebende Mutter zu erdulden hat. Das Mädchen und ihr jüngerer Bruder Gilles halten in der schwierigen Situation zusammen, was sich aber nach einem Trauma-tischen Vorfall ändert. Das Mädchen kämpft um ihren Bruder, scheint ihn aber immer mehr und mehr an ihren Vater zu verlieren.
"Das wirkliche Leben" ist ein beeindruckendes Debüt der französischen Autorin Adeline Dieudonne, das aus meiner Sicht zu Recht mit bisher 14 Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Adeline Dieudonne erzählt die ergreifende Geschichte in einem markanten und auf den Punkt gebrachten Schreibstil, der mich in die Welt der tapferen Hauptprotagonistin entführte. Hier gibt es für das zehnjährige Mädchen keine Zuneigung oder gar Liebe, ihr einziger Rettungsanker ist ihr Bruder, und als sie auch ihn noch droht zu verlieren, nimmt sie ihr Leben selber in die Hand, um nicht in der Opferrolle ihrer Mutter zu verfallen. Ihr leidenschaftlicher und zunächst hoffnungsloser Kampf wird fesselnd beschrieben und ich litt mit der mir sympathischen und sicherlich auch bewundernswerten Protagonistin. Das Buch ließ mich nicht los und konnte mich auch mit dem dramatischen Finale voll und ganz überzeugen.
Insgesamt ist "Das wirkliche Leben" ein aus meiner Sicht packender und absolut lesenswerter Roman, der in der Heimat der Autorin bereits einen entsprechenden Erfolg feiern konnte. Aufgrund der vielen guten Bewertungen, die das Buch hierzulande erlangt, sollte ihm eine entsprechende und wohlverdiente Aufmerksamkeit sicher sein. Ich empfehle den Roman auf alle Fälle sehr gerne weiter und bewerte ihn eines meiner diesjährigen Lesehighlights mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 01.06.2020
Abendmahl für einen Mörder / Kommissar Achill und Stadtführer Sartorius Bd.2
Ittensohn, Uwe

Abendmahl für einen Mörder / Kommissar Achill und Stadtführer Sartorius Bd.2


ausgezeichnet

Der 2. Fall für Andre Sartorius

Eine junge Autofahrerin wird bei einem Unfall schwer verletzt, der durch einen Steinwurf von einer Brücke ausgelöst wurde. Schnell ist ein Jugendlicher als Verdächtiger in den Fokus der Ermittler gerückt. Stadtführer Andre Sartorius will dem Ganzen aber keinen glauben schenken, da er den Jugendlichen persönlich kennt und ihn als besonnen und verantwortungsvoll wahr-genommen hat. Kurze Zeit später erschüttert ein Mordfall die Region und es wird beim Opfer eine Nachricht gefunden, ähnlich einem unscheinbaren Zettel, der im verunfallten Auto des Unfallopfers zu finden war...
Uwe Ittensohn hatte mich schon mit dem ersten Band der Reihe um den sympathischen und engagierten Stadtführer Andre Sartorius begeistert, so dass ich mit viel Vorfreude in den zweiten Band gestartet bin. Nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich nicht enttäuscht werden würde, mit seinem lebendigen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil konnte der Autor mich schnell wieder in den Bann ziehen. Gekonnt wird mit dem ominösen Unfall zu Beginn des Buches der Spannungsbogen aufgebaut und über die interessanten und fesselnden Ermittlungsarbeiten des Hauptprotagonisten auf einem hohen Niveau gehalten. Es gibt viel Gelegenheit eigene Überlegungen bezüglich Täterschaft und Tathintergründe anzustellen und das Buch bleibt so bis zum fulminanten und überraschenden Finale höchst unterhaltsam. Die sehr gute Recherchearbeit bezüglich der historischen Hintergründe und das Engagement für die Region verleihen dem Ganzen dann noch einen ganz besonderen Charme.
Insgesamt ist "Abendmahl für einen Mörder" eine aus meiner Sicht sehr gut gelungene Fortsetzung einer besonderen Krimireihe mit sympathischen Protagonisten und einem wohldosierten Lokalkolorit. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen

Bewertung vom 23.05.2020
MODERN AYURVEDA
Tasty Katy

MODERN AYURVEDA


ausgezeichnet

Gehaltvoller und alltagstauglicher Ratgeber

Die Autorin Katharina Döricht hat unter ihrem Pseudonym "Tasty Katy" bereits über einen Blog auf sich aufmerksam gemacht. Mir war sie bis vor dem buch unbekannt und bin mittlerweile sehr froh von ihr gehört bzw. gelesen zu haben. In ihrem Kochbuch "Modern Ayurveda" beschreibt sie zunächst was überhaupt Ayurveda ist und welche Ernährungsphilosophie sich dahinter verbirgt. Ein wirklich spannender und gut nachvollziehbarer Ansatz, seine bisherige Ernährung auch einmal ein wenig kritisch zu hinterfragen. Das Ganze wirkt dabei niemals aufdringlich sondern aufrichtig und wohlgemeint.
Ehe "Tasty Katy" dann zur Umsetzung der ayurvedischen Ernährung übergeht hält sie noch ihre eigenen 5 Prinzipien wie "Keine Diäten", "Ändere Deine mentale Einstellung" oder "Reduziere Stress" parat und erläutert diese gut verständlich. Gut motiviert und vorbereitet kann es nun zur 'Umsetzung übergehen. Die Rezepte sind nach Art der Mahlzeiten gegliedert, so gehört dem morgentlichen Frühstück der erste Part. Hier sicherlich für den einen oder anderen überraschend, dass die Gerichte warm zubereitet und verzehrt werden, was für das frühstück ein Grundsatz in der ayurvedischen Küche ist. Da häufig das Zeitfenster am Morgen ein wenig knapp gehalten ist, sind diese Rezepte einfach und schnell umzusetzen und können in Form von "Goldenem Milchreis" oder "Quinoa-Apfel-Prridge" voll und ganz überzeugen. Auch der Abschnitt der Salate hielt mit beispielsweise dem "Fruchtigen Hirsesalat mit Mango, Minze und Mandeln" oder dem "Süß-kartoffel-Qinoa-Salat" raffinierte Kombinationen parat, die mir in dieser Form noch unbekannt waren und mich im Geschmack begeistert haben. So finden sich auch noch in den übrigen Kapiteln "Warme sättigende Speisen", "Snacks & Beilagen", "Desserts" sowie "Ayurvedische Getränke für Leib und Seele" für jeden Geschmack tolle Vorschläge, die mit tollen Fotos zum Nachahmen anregen.
Insgesamt halte ich "Modern Ayurveda" aufgrund seiner Sonderstellung und den vielen kreativen Ideen für eine tolle Ergänzung in meinem Kochbuch-Regal. Zudem bin ich durch den Ratgeber auch auf den Blog der Autorin aufmerksam geworden, auf dem der Grundtenor des Buches umfänglich weitergeführt wird. Ein tolles Buch, welches ich gerne weiterempfehle und mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.05.2020
Grado im Mondschein / Kommissarin Degrassi Bd.5
Nagele, Andrea

Grado im Mondschein / Kommissarin Degrassi Bd.5


ausgezeichnet

Bluthochzeit

Commissaria Maddelena Degrassi muss sich damit abfinden, dass ihre Mutter den ungeliebten Vorgesetzten Commandante Scaramuzza heiraten wird. Die Hochzeitsvorbereitungen bestimmen mittlerweile fast ausschließlich auch ihr Leben und so sind alle Beteiligten froh, dass es nun endlich soweit ist. Aber die Feierlichkeiten verlaufen völlig anders als geplant, da das Fest für eine Entführung genutzt werden soll, welche dann auch blutig verläuft. Gerade für Maddelena entwickelt sich dieser Tag äußerst dramatisch...
"Grado im Mondschein" ist mittlerweile der fünfte Band um die sympathische Ermittlerin Maddelan Degrassi. Bereits in den Vorgänger-bänden konnte mich die Autorin Andrea Nagele mit ihrer Reihe begeistern, so dass ich mit viel Vorfreude und hohen Erwartungen in das Buch gestartet bin. Schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich nicht enttäuscht werden würde und es entwickelte sich zum persönlichsten und aus meiner Sicht besten Fall für die Hauptprotagonistin. Hervorragend gefällt mir die Weiterentwicklung der Protagonisten, gerade wenn man von Beginn der Reihe an dabei ist entsteht eine enorme Tiefe bei den einzelnen Personen. Andrea Nagele versteht es dann auch perfekt dies in einen spannenden und dramatischen Mantel zu packen, der mich das Buch bis zum fulminanten Finale nicht mehr aus der Hand legen ließ. Wie in den vorherigen Teilen beeindruckt der Kriminalroman auch mit der sehr gut eingefangenen südländischen Atmosphäre, die den Geschehnissen den ganz besonderen Charme verleiht.
Insgesamt ist "Grado im Mondschein" die hervorragend gelungene Fortsetzung einer besonderen Kriminalroman-Reihe, die mit dem Erzähltalent der Autorin, den interessant charakterisierten Protagonisten und dem wohldosierten italienischen Flair überzeugen kann. Ich empfehle das Buch daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen, lege dem Leser aber nahe, die Serie in der Gesamtheit zu genießen.

Bewertung vom 23.05.2020
American Dirt
Cummins, Jeanine

American Dirt


ausgezeichnet

Migrantenroute

Lydia lebt mit ihrem Mann Sebastian, einem sehr engagierten Journalisten, und ihrem achtjährigen Sohn Luca in Mexico. Nach einem erschütternden und zugleich offenen Bericht über den skrupellosen Anführer eines der agierenden Drogenkartelle, nimmt sich dessen Tochter das Leben. Es kommt zu einer Vergeltungsaktion, bei der Lydias und Sebastians gesamte Familie nieder-gemetzelt wird. Lediglich Lydia und ihr Sohn Lucas überleben mit viel Glück dieses Massaker und schnell ist ihr klar, dass lediglich eine schnelle Flucht ihren und den ihres Sohnes sicheren Tod verhindern kann. So macht sie sich Hals über Kopf auf, um das Unmögliche wahr zu machen...
Die Autorin Jeanine Cummins hat mit ihrem Roman "American dirt" gerade in ihrer amerikanischen Heimat viel Aufsehen erregt. Sie thematisiert das dort äußerst brisante Migrantenthema und erzählt die Geschichte von Lydia und Luca in einem lebendigen und gut zu lesenden Schreibstil. Dabei gelingt es ihr aus meiner Sicht hervorragend, die Verzweiflung und Angst der Protagonisten auf ihrer Reise einzufangen und den Leser so an das Buch zu fesseln. Die auf dieser Flucht manchmal unwirklich erscheinende Kalt-blütigkeit und Brutalität wirkt desto stärker, wenn man sich vor Augen führt, dass die Autorin sich in ihrer vierjährigen Recherchearbeit über Erfahrungs-berichte ein genaues Bild gemacht hat und so diesem Thema einen unbequemen Spiegel vorhält. Für mich entwickelte sich das Buch durchaus zu einem Page-Turner, da mich die Einzelschicksale nicht kalt ließen und die entstandene Gemeinschaft beeindruckt hat. Das Ganze wirkt daher sehr authentisch auf mich und regt definitiv zum Nachdenken an.
Insgesamt ist "American dirt" eine für mich sozialkritischer und packender Roman, dem gerade im so gelobten Amerika eine große Leserschaft zu gönnen wäre. Ich halte das Buch für äußerst lesenswert, empfehle es daher sehr gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.05.2020
Die Frau im grünen Regenmantel
Lippman, Laura

Die Frau im grünen Regenmantel


ausgezeichnet

Andere Umstände

Tess Monaghan ist als Detektivin in Baltimore aktiv und aufgrund ihrer Schwangerschaft zur Zeit ans Bett gefesselt. Es bleibt ihr nicht viel anderes Übrig, als aus ihrem Wintergarten den Park zu beobachten. Hier fällt Tess eine Frau in einem sehr auffälligen grünen Regenmantel auf, die täglich mit ihrem Hund durch den Park läuft. Eines Tages entdeckt sie nur noch den Hund und die kriminalerfahrene Tess vermutet ein Verbrechen. Mit ihren wagen Vermutungen stachelt sie sowohl ihren Freund und Vater des erwarteten Kindes Crow, sowie ihre beste Freundin Whitney an, für sie die aktive Rolle in den Ermittlungen zu übernehmen und wahrhaftig stoßen die drei alsbald auf Umstände, die Tess Vermutungen durchaus real erscheinen lassen...
Ich kannte bisher noch kein Buch der erfolgreichen und mit vielen Preisen ausgezeichneten Autorin Laura Lippman. "Die Frau im grünen Regenmantel" ist bereits der siebte Band um die engagierte und clevere Detektivin Tess Monaghan. Obwohl ich erst mit diesem Band in die Reihe startete, hatte ich zu keiner Zeit Verständnisprobleme. Begeistert hat mich von der ersten Seite an der scharfsinnige und akzentuierte Schreibstil, bei dem jedes Wort bestens platziert wirkt. Ich musste mich ein wenig einlesen, um auch die Vielschichtigkeit des Geschriebenen zu erfassen und konnte dann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Trotz des eher schmalen Umfangs des Kriminalromans haben die Protagonisten viel Tiefgang und zu keinem Zeit-punkt hatte ich den Eindruck, die Geschichte wäre nicht auserzählt. Den Spannungsbogen baut die Autorin mit dem Verschwinden der ominösen Frau sehr geschickt auf und hält ihn mit den unterhaltsamen und sehr clever konstruierten Ermittlungsarbeiten auf einem hohen Niveau. Das für mich überraschende Finale rundet dieses Buch aus meiner Sicht gelungen ab.
Insgesamt ist "Die Frau im grünen Regenmantel" für mich eine echte Entdeckung und eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr. Das Buch konnte mich in erster Linie mit den toll charakterisierten Protagonisten und dem ausgesprochenen Erzähltalent der Autorin überzeugen. ich empfehle diesen besonderen Kriminalroman unbedingt weiter und bewerte ihn mit den vollen fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.05.2020
Dankbarkeiten
Vigan, Delphine de

Dankbarkeiten


ausgezeichnet

Emotionaler und ergreifender Roman

Michka ist eine selbstbewusste Frau, die auf eigenen Beinen steht. Sie hat sehr unter den Folgen des Älterwerdens zu leiden, da sie immer häufiger Sachen vergisst. In erster Linie fehlen ihr immer häufiger die Worte um sich auszudrücken, so dass sie auf ähnlich klingende ausweicht. Marie, die Michka vieles zu verdanken hat, erkennt die Situation und bemüht sich um einen Platz im Seniorenheim. Dort kommt Michka aber nur sehr schwer mit dem Verlust ihrer Selbstständigkeit klar...
Die erfolgreiche Autorin Delphine de Vigan konnte mich schon öfter mit ihren Büchern berühren und so war ich sehr gespannt, wie sie in ihrem neuen Roman das Thema "Dankbarkeiten" verarbeitet. Nach den ersten Seiten war ich wieder gefangen von ihrem präzisen und auf den Punkt gebrachten Schreibstil. Die Hauptprotagonistin Michka wird interessant charakterisiert und drückt gerade mit ihrem sympathischen Auftritt und ihrem Umgang mit der immer weiter ausufernden Krankheit dem Roman seinen Stempel auf. Hier gelingt der Autorin aus meiner Sicht auch ein genialer Zug, indem sie Michka im Verlauf immer häufiger falsche Wörter in den Mund legt und so den Fortgang ihrer Demenz beschreibt. Das Ganze bleibt stets auf einer sehr emotionalen Ebene, da Delphine de Vigan viel Wert auf die Gefühle und Gedanken der Protagonisten legt.
"Dankbarkeiten" ist aus meiner Sicht ein äußerst gut gelungener Roman über das Älterwerden und dem Wunsch eines Menschen, für die entgegen-gebrachten Aufmerksamkeiten danke sagen zu können. Der Autorin ist es mit ihrem Erzähltalent gelungen, mich als Leser zu packen und so den Roman auch länger nachwirken zu lassen. Ich halte das Buch für sehr lesenswert, empfehle es daher gerne weiter und bewerte es mit den vollen fünf von fünf Sternen.