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Petra Sch.
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Gablitz

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Insgesamt 572 Bewertungen
Bewertung vom 15.12.2021
Sommerfeld, Helene

Das Leben, ein großer Rausch / Die Polizeiärztin Bd.2


sehr gut

nicht ganz so gut wie Teil 1

"Das Leben, ein großer Rausch" schließt direkt an den ersten Teil "Das Leben, ein ewiger Traum" an, spielt in Berlin von Neujahr 1922 bis Anfang 1924. Man ist sofort wieder mittendrin in der Geschichte, die so lebendig und mitreißend geschrieben ist, und trifft alte Bekannte: die Polizeiärztin Magda, die junge Witwe Celia, die Tänzerin Doris, Fürsorgerin Ina, Journalistin Erika und Anwältin Ruth. Und man muss gleich um das Leben von Doris bangen, die niedergestochen wurde. Ebenso, wie einige andere junge Frauen, die als Prostituierte arbeiten.

Man liest wieder so viel über schreckliche Schicksale von Frauen und Kindern, und fühlt mit Magda mit, die allen helfen will.
Ihre gynäkologische Praxis läuft gut, doch ist sie immer mehr mit Abtreibungswünschen konfrontiert. Denn die immer stärker steigende Inflation und die extrem hohen Preise treiben immer mehr Menschen in noch größere Not, die Armut steigt und steigt, Kinder können nicht mehr ernährt werden, und oft ist Selbstmord die einzige Lösung. Die Kluft zwischen Arm und Reich im pulsierenden Berlin wird immer größer.

Mehrere parallel laufende Handlungsstränge halten die Spannung konstant aufrecht. Nur leider ist diesmal Magdas Arbeit als Polizeiärztin kaum relevant, Celias Privatleben zu sehr im Fokus und der anfangs spannende Kriminalfall des Schlitzers ist im Mittelteil kaum vorhanden und die Auflösung ging mir dann viel zu schnell und so nebenbei. Außerdem war es (für mich) offensichtlich, wer der Täter ist.

Der Roman behandelt somit also die wichtigen Themen Inflation und damit zusammenhängend steigende Armut, Selbstmordrate und Schwarzmarkt; die Abtreibungsproblematik, die Stellung der Frau in der Gesellschaft und das selbständig-Werden der Frauen und somit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Dem Autorenpaar ist es wundervoll gelungen, die Atmosphäre der damaligen Zeit lebendig einzufangen, mich zu berühren und in seinen Bann zu ziehen.

Zu Beginn gibt es ein Register aller handelnder Personen; in der vorderen Klappe findet man einen übersichtlichen Plan von Berlin im Jahre 1923; und in der hinteren Klappe Kurzbeschreibungen der starken, außergewöhnlichen Frauen Magda Fuchs, Ina Dietrich, Ruth Jessen, Celia von Liebenau, Doris Kaufmann und Erika Hausner.


Fazit:
Teil 2 der Polizeiärztin-Reihe im Berlin 1922 bis Anfang 1924. Eine mitreißende fiktive Geschichte, eingebettet in historische Fakten. Leider geht diesmal Magdas Arbeit als Polizeiärztin unter und auch der Kriminalfall gerät in den Hintergrund. Ansonsten wieder fesselnd geschrieben.

Bewertung vom 30.11.2021
Farnaby, Simon

Merdyns magische Missgeschicke: Zaubern will gelernt sein! / Merdyn Bd.1


sehr gut

ein chaotischer Hexenmeister aus dem finsteren Mittelalter erobert das 21. Jahrhundert

"Merdyn der Mächtige", der größte Hexenmeister (KEIN Zauberer!!) aller Zeiten, wird aus dem Mittelalter verbannt - sein Erzfeind Jeremiah Jerabo schickt ihn aber nicht für 7 Jahre in den Fluss der Verdammnis, sondern - weil er ihn loswerden will - in den Fluss der Zeit, wo er im 21. Jahrhundert landet. Und zwar im Wald beim englischen Örtchen Mountford, wo er auf Rosie und ihr Meerschweinchen Pupsie (der Name ist Programm!! ;) trifft.
Merdyn hat es in dieser komischen Neuzeit nicht leicht, denn es gibt unsichtbare Wände, Schadfons, Trinkschüsseln im Bad und sonstige seltsame Eigenheiten.
Und Rosie muss mit der wundersamen Sprache, dem schmuddeligen Äußeren und strengen Geruch von Merdyn zurechtkommen.
Doch Merdyn verspricht ihr, sie mit einem Sangeszauber zu belegen, der aus ihr die beste Sängerin der Welt macht, wenn er bei ihr unterkommen darf und sie ihm hilft, seinen größten Feind zu besiegen, um wieder ins Mittelalter zurückkehren zu können.

Der viele Wortwitz und überzogene Situationskomik im Monty Pyton Stil; das Chaos, das Merdyn verursacht; die Missverständnisse und Merdyns altertümliche Sprache machen dieses Buch zu einem humorigen Leseerlebnis!
Besonders witzig fand ich, als Merdyn Pupsies Gedanken mittels eines verzauberten Tannenzapfens hörbar machte. Pupsie ist einfach genial!!
Das Buch beinhaltet jedoch wichtige Botschaften: Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Zusammenhalt - auch bzw. gerade als Familie!! Dass man sich so akzeptieren soll, wie man ist; seinem Herzen folgen und nicht nur auf sich selbst schauen soll. Und vor allem sich nicht nur ständig süchtig mit dem Handy beschäftigen, sondern seine Mitmenschen aktiv wahrnehmen!
Und natürlich, dass das Böse niemals siegen wird!!

Einige detailreiche schwarz-weiß Illustrationen peppen die Geschichte auf und bringen einen nochmals zum Lachen.


Fazit:
Ein humorvolles, magisches und chaotisches Abenteuer mit einem mittelalterlichen Hexenmeister, einem schüchternen Mädchen und dessen redseligem Meerschweinchen im 21. Jahrhundert auf der Mission, den Erzfeind des Hexenmeisters zu besiegen, damit dieser wieder ins Mittelalter zurückkann.

Bewertung vom 28.11.2021
Schreiber, Chantal

Zwei wie Sonne und Wind / Doppelgaloppel Bd.1


ausgezeichnet

ein traumhaftes Island-Märchen

Die Geschwister Fanndis und Jon besuchen Opa Valdis auf seinem Bauernhof in Island.
Opa Valdis erzählt den oft streitenden Geschwistern die Geschichte der beiden Islandpferde-Fohlen Kappi und Skoppa, die trotz - oder gerade wegen - ihrer Unterschiede beste Freunde werden, sich gegenseitig unterstützen und das Beste im jeweils anderen hervorholen.
Und das Abenteuer der beiden Fohlen ist so spannend, dass Fanndis und Jon sogar vergessen zu streiten...


Meine Meinung:
"Zwei wie Sonne und Wind" ist der Auftakt der Reihe um die beiden süßen Islandfohlen Kappi und Skoppa, die beide total unterschiedliche Charaktere haben. Der Hengst Kappi ist das kleinste Fohlen und sehr ruhig und wird deshalb von den anderen Fohlen gehänselt; und Skoppa ist ein stürmisches, wildes Stutfohlen, das Kappi sofort unter ihre Fittiche nimmt. Die beiden ergänzen sich toll, Kappi bremst Skoppas stürmische Art etwas, und Skoppa bringt Kappi Selbstvertrauen bei. Somit lernt Kappi über sich hinauszuwachsen und entwickelt zur richtigen Zeit jede Menge Mut.
Durch die unterschiedlichen Eigenschaften der beiden kann man sich gut in einen der Charaktere hineinversetzen.

Ganz besonders gefällt uns die Einteilung der Kapitel, abwechselnd zwischen "Fanndis & Jon" und den Kapiteln, in denen der Großvater die Geschichte über die beiden Islandfohlen erzählt. Also quasi eine Geschichte-in-der-Geschichte.
Die Kapitel haben eine gute Länge zum Vorlesen, und die Sprache ist manchmal etwas anspruchsvoll für Kinder ab 4, für die das Buch gedacht ist. Auch gibt es echt witzige Wortkreationen - zB "Vogelfohlen" (für ein Küken) - wie süß ist das denn bitte?! :D
Das Buch ist auch perfekt für Erstleser geeignet, denn die Schrift ist recht groß, und die Kapitel haben eine gute Länge für Leseanfänger.

Das Buch beinhaltet die wichtigen Themen Freundschaft, sich füreinander einsetzen, und ganz besonders Hilfsbereitschaft; weiters sich so zu akzeptieren wie man ist; und auch eine Prise Wohlfühlen, denn wie Opa Valdis die Geschichte erzählt, im Stall, und dazwischen mal Zimtschnecken essen.... einfach nur gemütlich.
Schön ist auch die Botschaft, dass die Geschwister von der spannenden Geschichte (und der Stallarbeit) so abgelenkt sind, dass sie aufs Streiten vergessen - und dass es sowieso vieeel schöner ist, wenn man sich gut versteht!
Und man lernt auch viel über andere Tierarten und Islands wunderschöne Natur.

Besonders schön und warmherzig sind die Illustrationen auf jeder Doppelseite; die Fohlen sind sooo niedlich gezeichnet, meine Tochter musste bei jedem Bild quieken und man kann nochmal visuell die Abenteuer der Fohlen nacherleben.


Fazit:
Ein wunderschönes isländisches Märchen über zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein können, sich aber genau deshalb so gut ergänzen, über sich hinauswachsen und die Welt entdecken.

Bewertung vom 10.11.2021
Mayer, Gina

Zauberunterricht auf Probe / Die Schule für Tag- und Nachtmagie Bd.1


sehr gut

Teil 1 der Schule für Tag- und Nachtmagie: Noras Nachtmagie

Die Zwillingsschwestern Nora und Lucy Lichtblau sind ganz unterschiedlich: Lucy hat helle Locken, dunkle Haut und ist tagsüber putzmunter. Nora hingegen hat dunkle, glatte Haare, eine helle Haut und kann tagsüber kaum die Augen offenhalten, ist dafür des nachts total fit.

Im Reihenauftakt der Schule für Tag- und Nachtmagie stehen Nora und ihre Nachtmagie im Mittelpunkt.
Man erfährt alles über die Schwestern, dass ihre Eltern vor einigen Jahren verschwunden sind und sie seitdem bei Tante, Onkel und den Cousins wohnen; von den Eltern aber zu jedem Geburtstag eine Karte erhalten - und zwar punkt Mitternacht.
An ihrem 10. Geburtstag erhalten sie noch zusätzlich eine seltsame Einladung: zur Schule für Tag- und Nachtmagie. Lucy soll um 12 Uhr mittags kommen, Nora um 12 Uhr Mitternacht.

Die Geschichte beinhaltet natürlich viel Magie, denn Noras Unterrichtsfächer in der Schule für Nachtmagie sind (außer Mathe natürlich ;) ganz besondere: Schattenkunde, Sterndeuten, Traummagie, Duftkunde oder Schwarzsehen, das die Kinder mithilfe von Fledermäusen erlernen.
Es geht auch überall anders magisch zu: die Gegenstände im Zimmer der Direktorin schweben an der Decke, die Tische und Stühle in der Kantine schweben auf Wolken, und die Hängematten schweben ebenfalls unter der Decke.
Nora muss jedoch mithilfe von Lucy und zwei Mitschülern einige Probleme überwinden; hier ist besonders Tarek ein sympathischer, liebevoller und hilfsbereiter Freund, den muss man sofort ins Herz schließen.
In Noras Probezeit geht nämlich etliches schief; und wenn das so weitergeht, wird sie nicht an der Schule für Tag- und Nachtmagie aufgenommen. Wer ist da bloß Schuld daran und warum? Die Auflösung war für mich überraschend anders als gedacht.

Viele schöne schwarz-weiß Illustrationen untermalen das Gelesene; und besonders toll finde ich, dass das erste Nacht-Kapitel auf schwarze Seiten gedruckt ist.
Nun bin ich auf Lucys Geschichte in Band 2 gespannt und dass man hoffentlich erfährt, was mit den verschollenen Eltern der Zwillinge geschehen ist.


Fazit:
Magischer Reihenauftakt über zwei Schwestern und eine besondere Schule mit viel Geschwisterliebe, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

Bewertung vom 03.11.2021
Klüpfel, Volker;Kobr, Michael

Morgen, Klufti, wird's was geben


sehr gut

eine humorige Weihnachtsgeschichte in 24 Katastrophen

Zwei Tage vor Heiligabend bei den Kluftingers: Erika stürzt von der Leiter und zieht sich eine Zerrung zu, für die der von Klufti verhasste Doktor Langhammer sie zur Schonung und Ruhe ins Spital einweist.
So muss Kluftinger nun alleine den Baum dekorieren, sich ums Essen und um den Schwiegervater seines Sohnes aus Japan kümmern, der sich kurzfristig angesagt hat, und den von Erika vorbereiteten Glühwein vom Frauenverein am Weihnachtsmarkt verkaufen.
Da der japanische Gast ein typisches Allgäuer Weihnachten erwartet, und Klufti ja nun alles alleine schupfen muss, nimmt die Katastrophe ihren Lauf...


Meine Meinung:
"Morgen, Klufti, wird's was geben" ist die Geschichte über Kommissar Kluftingers Weihnachtschaos, der sehr gut im Improvisieren und Finden von alternativen Lösungen ist. Heitere Unterhaltung, diesmal ganz ohne Kriminalfall.
Auch Joschi aus Japan lässt durch seine Verständigungsprobleme und vor allem seine falschen Erwartungen an ein typisches Allgäuer Weihnachten viel Spaß aufkommen.

Kluftingers Verhalten ist diesmal sehr oft sehr überzogen - was zwar typisch für Klufti ist, diesmal aber zu viel des Guten für mich war. Ansonsten hat man mit den kurzen Kapiteln in 24 Akten, äh Katastrophen (wodurch das Buch sich auch als Adventkalender-Lektüre lesen lässt), viel Spaß, denn es ist lustig, chaotisch, unterhaltsam und macht auch tatsächlich Vorfreude auf Weihnachten! Joschis Erwartungen wurden jedenfalls mehr als übertroffen! :D
Leider ist die Geschichte sehr kurz und das Büchlein sehr klein. Hätte man ausbauen können.


Fazit:
Humoriges Weihnachtschaos ganz nach Kluftinger-Manier in 24 Katastrophen; ganz ohne Kriminalfall. Humorig aber etwas zu überzogen.

Bewertung vom 03.11.2021
Bennett, S J

Die unhöfliche Tote / Die Fälle Ihrer Majestät Bd.2


sehr gut

Die Queen ermittelt wieder!

Oktober 2016: Im Buckingham Palace wird die Leiche einer langjährigen Haushälterin gefunden. Wie wenn das Brexit-Referendum und Wahlen in den USA nicht schon genug Sorgen für Queen Elizabeth bereiten, entdeckt sie auch noch ein Bild wieder, das Mitte der 80er aus ihren Privaträumen verschwundenes ist.
Als sich herausstellt, dass ebenjene Haushälterin sowie weitere weibliche Hausangestellte Drohbriefe erhalten haben, lässt sie offiziell die Polizei ermitteln, stellt aber im Hintergrund mit Hilfe ihrer persönlichen Assistentin Rozie Oshodie geheime Nachforschungen an, die diese bald selbst in Gefahr bringen...


Meine Meinung:
"Die unhöfliche Tote" ist der zweite Teil um die ermittelnde Queen Elizabeth, die man wie im ersten Band einfach nur ins Herz schließen kann mit ihrer niedlichen Art. Besonders gefiel mir wieder die spezielle Form des Pluralis Majestatis, in der die Queen über sich selbst als "man" denkt.
Den Kriminalfall selbst fand ich diesmal fesselnder und interessanter als im ersten Band, überhaupt da es ja eigentlich zwei Fälle sind. Genau genommen sogar drei: der Mord an der Haushälterin; das in den 80ern verschwundene Bild; und eben die Drohbriefe.

Der Schreibstil ist wieder sehr 'royal', man erfährt viel über das offizielle und private Leben der Queen und ihre Gedanken.
Rozie sticht auch wieder heraus mit ihrer offenen, freundlichen, hilfsbereiten und intelligenten Art. Sie ist quasi die zweite Protagonistin in dieser Reihe, denn ohne sie könnte die Queen nicht (heimlich) ermitteln. Und dass sie Detektiv spielt, darf ja niemand erfahren.
Die Geschichte ist ein typischer whodunit-Krimi, wo aus der Liste der handelnden Personen der Täter ausgeforscht wird - leider waren mir die vielen Personen, v.a. die unzähligen Angestellten der Queen, die diesmal "zum Einsatz kamen", fast zu viel und ich brachte öfter etwas durcheinander und wusste teilweise nicht, welche der vielen Figuren nun noch wichtig werden könnten für die Auflösung des Falles und welche nur zur Ablenkung dienen.
Es gab verschiedene Vorschläge und Ideen für das Motiv, es wird sich oft im Kreis gedreht, immer konnte ich den Gedanken der Queen nicht ganz folgen. Auch wenn der Fall und die Zusammenhänge aller Stränge sehr komplex waren, fand ich die Auflösung authentisch, nachvollziehbar und die Geschichte hat mich gut unterhalten.


Fazit:
Humorvolle Fortsetzung der royalen Cosy-Crime-Reihe mit einer sympathischen Queen als heimlicher Ermittlerin.

Bewertung vom 29.10.2021
Wolff, Christina

Die Geister der Pandora Pickwick


ausgezeichnet

eine geniale Gruselgeschichte; nicht nur zu Halloween

Die 12jährige Fanny Jones darf ihre Ferien bei ihrer Tante Harriet in deren Antiquitätenladen "Pandora's Antiques" verbringen, in dessen Chaos sich Fanny total wohlfühlt. Pandora Pickwick war ihre Großmutter und die Gründerin des Antiquitätenladens.
Doch im Laden geschehen plötzlich merkwürdige Dinge, saubere Truhen stauben kurzerhand wieder ein, und in der Nacht hört sie Geräusche; ein Rumpeln und Poltern.
Doch Fannys Tante tut dies immer mit Ausflüchten ab - aber hier stimmt doch etwas nicht?
Und warum verschweigen ihr alle, wer Fannys tatsächliche Eltern sind?


Meine Meinung:
Der Schreibstil ist ausdrucksstark und humorvoll; alle Personen (und Geister) sind detailreich gezeichnet, sodass man alles genau vor Augen hat und gleich mitten in der Geschichte ist. Man kann sich durch die lebendige Sprache gut in Fanny hineinversetzen.
Unterstützend dazu gibt es ganz tolle, sehr detailreiche schwarz-weiß Illustrationen, auf denen es sooo viel zu entdecken gibt!!

Auch die Arten der Geister finde ich spannend und einfallsreich - Poltergeister, Plagegeister, Luftgeister und von einem Verschwindegeist (Vanisher) hab ich noch nie gehört...
Auch das Zahlungsmittel in der Geisterwelt finde ich sehr fantasievoll: Gerüche!! Wie langweilig muss so ein Geisterleben ohne Farben, Geschmack und Gerüche sein :(
Eigentlich überzeugen alle Charaktere, sowohl die lebendigen als auch die bereits verstorbenen durch ihre Unterschiedlichkeit, Ecken und Kanten. Fanny ist natürlich total sympathisch, geradlinig, hilfsbereit und magisch begabt, Tante Harriet ist schusselig, Fannys Mutter konservativ und dann ist da noch der Antiquitätenhändler Mr. Pennyhold, der sich seltsam verhält.
Besonders die Geister im Antiquitätenladen schließt man in sein Herz, den herzenswarmen Alastair Blake, den hilfsbereiten Jim Stevenson und den schüchternen Mr. Tremble.
Die wichtigsten handelnden Personen sind zur besseren Orientierung im Buchdeckel abgebildet und man erkennt auch gleich, wer davon ein Geist ist ;)
Ach ja, die Wendung am Schluss hat mich total überrascht!

Die Geschichte regt auch zum Nachdenken an, dass man immer ehrlich seinen Liebsten gegenüber sein soll, denn Heimlichkeiten oder Lügen führen nie zu etwas Gutem.


Fazit:
Ein toller Mix aus Grusel, Spannung und Humor mit wunderschönen detailreichen Illustrationen. - Passt jetzt ganz toll zu Halloween, kann man aber auch perfekt zu JEDER Jahreszeit lesen! :D

Bewertung vom 26.10.2021
Gemmel, Stefan

Verflixt und zugeschneit / Die Yetis sind los! Bd.1


ausgezeichnet

Rosa und Bibber erforschen die Welt

Die beiden Yeti-Freunde Rosa und Bibber machen sich auf den Weg um herauszufinden, ob es Menschen tatsächlich gibt.
Denn niemand glaubt Opa Yeti, der diese angeblich schon mal gesehen hat.
Auf ihrem Abenteuer werden sie von Polarfuchs Piko begleitet, der sehr ängstlich ist und immer ein Auge auf sie hat. Und sie eigentlich zur Rückkehr drängen will.
Werden sie tatsächlich Menschen sehen?


Meine Meinung:
Eine weitere besondere Geschichte aus der "Vorlesen!"-Reihe des Baumhaus-Verlags, die kindgerecht und einfach verständlich geschrieben ist.
Ganz am südlichsten Zipfel des Südpols leben die Yetis, die dort glücklich sind in den weißen Massen von Eis und Schnee.
Nur Yeti-Mädchen Rosa ist unglücklich, denn sie ist die einzige, deren Fell nicht weiß ist. Obwohl ihr Freund Bibber immer betont, dass sie genau so, wie sie ist, ganz toll ist! Und genauso ein Yeti wie alle anderen.
Doch Rosa möchte wissen, warum sie anders ist. Und ob es woanders noch andere Farben gibt außer weiß (und rosa). - Eventuell bei den Menschen, von denen Opa Yeti erzählt hat, dem die anderen Yetis aber nicht glauben? Denn alle Yetis sind doch gleich, und die Menschen sind nur ein Märchen.

Liebevoll erzählt die Geschichte von dem Mut und der Neugierde des Yeti-Mädchens, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.
Und dabei geht es über seine Grenzen hinaus und lernt gleichzeitig neue Freunde und neue Dinge kennen. Und dass es in anderen Kulturen ebenso Vorurteile und Ammenmärchen gibt.
Natürlich richten die drei in der Menschenwelt ein witziges Chaos an.
Auch der ängstliche Piko hatte eine wichtige Funktion, denn trotz aller Neugierde soll man auch immer vorsichtig und mit Bedacht vorgehen.

Untermalt wird die Geschichte von wundervollen färbigen Illustrationen, auf denen es viel zu entdecken gibt.
Am Ende des Buches gibt es noch coole Faken über Eis und Schnee, eine Anleitung zum Schneeflocken basteln sowie lustige Sticker mit den Motiven von Rosa, Bibber und Piko, die man im vorderen Buchdeckel einkleben kann, sobald man ein Kapitel gelesen hat.


Fazit:
Ein wunderbares, liebevoll illustriertes Kinderbuch mit wichtigen Botschaften über Freundschaft, Mut, Zusammenhalt, Toleranz/Mobbing; sich selbst so akzeptieren, wie man ist und die Neugierde, Neues kennenzulernen, offen zu sein und seine Ängste zu überwinden.

Bewertung vom 21.10.2021
Freytag, Anne

Reality Show


sehr gut

aktuelles Thema, gute originelle Idee, verbesserungswürdige Umsetzung

3,5 Sterne

2028: An Heiligabend nimmt eine Gruppe junger Menschen zehn der reichsten, mächtigsten und einflussreichsten Personen Deutschlands samt deren Anhang als Geiseln. Und präsentiert diese Personen als das Übel der Demokratie im Fernsehen in der "Reality Show", nennt deren Vergehen und bittet die Zuschauer um Abstimmung über deren Strafe.


Meine Meinung:
Der Schreibstil von Anne Freytag ist wieder kurz und knackig, die Sätze kommen einem manchmal abgehakt vor, doch ich mag diesen Schreibstil sehr.
Allerdings hat der Klappentext ganz andere Erwartungen bei mir geweckt, denn ich ging davon aus, dass den geheimen einflussreichsten und mächtigsten Personen im Fernsehen öffentlich der Prozess gemacht wird.
Doch zuerst einmal gibt es eine Einführung in das Leben der zehn überheblichen Reichen und wie diese Heiligabend verbringen. Man fühlt sich somit diesen Personen doch nahe, denn man lernt ihre Gedanken kennen und wie sie den Heiligen Abend verbringen: so wie viele andere Menschen, nur eben luxuriöser. Aber mit den gleichen bzw. ähnlichen Problemen wie Normalsterbliche: Angst um die Familie, Angst den guten Ruf zu verlieren, Angst ums Einkommen.
Nach und nach lernt man auch die Drahtzieher der Show kennen, aber zuerst nur mit wenigen Andeutungen.
Die vielen Sprünge und kurzen Kapitel haben bei mir leider nicht die Spannung gesteigert, im Gegenteil, ich war dann schon etwas genervt, weil auch Vieles wiederholt wird, und erst nach einem Drittel beginnt die eigentliche Show, die live im Fernsehen auf allen Kanälen übertragen wird (wovon ich ja eigentlich dachte, dass es im ganzen Buch darum geht).
Auch die Vergehen selbst fand ich eher nicht so fatal und wunderte mich, warum genau diese Personen ausgewählt wurden. Auch bekam man nur die "Verhandlung" von zwei Personen zu lesen, wo ich mich dann doch fragte, warum alle zehn so ausführlich vorgestellt wurden.
Doch was der eigentliche Grund der Show war, hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Anne Freytag hat hier ein politisch- und gesellschaftskritisch-aktuelles Thema aufs Parkett gebracht und eindrücklich beschrieben. Die Politik-Überdrüssigkeit der Bevölkerung, denn die Stimmen der "Kleinen" werden nicht gehört, die Ängste der "Durchschnittsbevölkerung" werden nicht ernst genommen, und es wird nur in die eigene Tasche gewirtschaftet - denn: es ist keine Demokratie, sondern nur eine Regierung der wenigen Reichen zu deren Gunsten.
Ich bin nicht überzeugt, dass Selbstjustiz die richtige Lösung ist und das (zwar originelle) Handeln der Gruppe verurteile, doch soll dieses Buch zum Nachdenken anregen und das ist der Autorin gelungen.


Fazit:
Originelle Idee, wichtige politische und gesellschaftskritische Themen, doch die Umsetzung hätte für meinen Geschmack anders sein sollen. Bzw. der Klappentext dem Inhalt angepasst, denn dieser weckt andere Erwartungen.

Bewertung vom 18.10.2021
Klementovic, Roman

Wenn die Stille schreit (MP3-Download)


ausgezeichnet

packender Kurzthriller mit überraschendem Ausgang

4,5 Sterne


Ein gewaltiger Schneesturm fegt über das Land. In der Nähe sind zwei Schwerverbrecher aus dem Gefängnis entflohen, und Tim erreicht spät abends im Dunkeln nach der Arbeit endlich sein abgelegenes Haus, wo seine schwangere Frau Natalie auf ihn wartet.
Doch Natalie ist nicht da - nirgends im Haus - nur Blut am Teppich, dann fällt auch noch der Strom aus, die Autoschlüssel sind verschwunden, und Tim macht sich auf die Suche nach ihr und erreicht bald das nahegelegene Haus seiner Nichte. Doch dort öffnen ihm zwei Fremde...


Roman Klementovic versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen, zu halten, und eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen.
Man fühlt mit Tim, man fiebert mit ihm mit, und vor allem fühlt man die Kälte und den Sturm und die Angst um Natalie.

Der Autor hat es bestens geschafft, mich im Dunkeln tappen zu lassen, und sämtliche Schlussszenarien, die ich mir überlegt hatte, hat er über den Haufen geworfen. Diese Auflösung hat mich überrascht und berührt.

An den Sprecher musste ich mich anfangs erst gewöhnen, doch dann konnte er mich tief in seinen Bann ziehen! Kris Köhler hat die Geschichte hervorragend vertont.
Dauer: 1 Stunde 36 Minuten


Fazit:
Fesselnder Thriller, der kurz und knackig ist und der es mit wenigen Worten schafft, einen in den Bann zu ziehen, vor Spannung den Atem anzuhalten und dessen Ausgang überrascht.