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Benutzername: 
Petra Sch.
Wohnort: 
Gablitz

Bewertungen

Insgesamt 321 Bewertungen
Bewertung vom 29.06.2022
Der Papierpalast
Heller, Miranda Cowley

Der Papierpalast


sehr gut

Elle muss sich entscheiden: für ihren Mann und ihre Familie oder für ihre Jugendliebe

Elle Bishop, 50, ist eigentlich glücklich verheiratet. Sie liebt ihren Mann Peter, hat 3 Kinder mit ihm, und gemeinsam verbringen sie die Sommer immer im Feriendomizil von Elles Großeltern, genannt der "Papierpalast", weil die damaligen finanziellen Mittel nur für Auskleidung der Hütten mit Pappe gereicht hat.
Doch in diesem Jahr erfährt sie Unglaubliches aus ihrer Vergangenheit und daraufhin verbringt sie mit ihrer Jugendliebe Jonas eine unvergessliche Nacht, was sie vor die Entscheidung stellt: bei ihrem Mann bleiben oder doch zu ihrer ersten großen Liebe gehen, den sie liebt, seit sie ein Kind ist und sie wegen eben dieses Schicksalsschlags aus der Vergangenheit nicht mit ihm zusammen sein konnte.


Meine Meinung:
Ein melodramatischer Familien- und Liebesroman, der ohne großes Gedöns auskommt, aber trotzdem beeindruckt. Die Sprache ist eindrücklich, Elle gibt ihre Erlebnisse (in ich-Form) in kurzen Sätzen wieder. Leider kommt für meinen Geschmack viel zu oft das f-Wort vor, das hätte man auch milder umschreiben können.
Der Aufbau ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn anfangs liest man hauptsächlich die Geschehnisse in der Gegenwart, die nur einen Tag ("Heute, 1. August") bzw. die Begebenheiten des Vortags umfasst, ab und zu gibt es Sprünge in Elles Kindheit. Diese beginnen bei ihrer Geburt im Jahr 1966 und werden zwischen den Gegenwartsbeschreibungen chronologisch weitergeführt.
Ab dem zweiten Drittel liest man nur mehr die Geschehnisse aus der Vergangenheit, die ein unfassbares Schicksal samt einer folgenschweren Tat enthüllt. Aufgrund dessen kann Elle nie mit Jonas zusammenkommen, obwohl sie ihn seit jeher liebt.
Erst als ein paar Tage vor dem heutigen Tag neue Erkenntnisse zu diesem Schicksalsschlag ans Licht gebracht wurden, kann Elle ihre Liebe zulassen. Und sie muss sich entscheiden: für ihren Mann oder ihre erste große Liebe.
Die Personen sind authentisch, aber die ganze Geschichte ist eher traurig und düster hinterlegt, obwohl Elles Leben sehr schön war und ist - nur jetzt eben ist sie in dieser Liebeszwickmühle, was aber die ganze Geschichte überlagert.
Oft kann man Elles Verhalten nicht nachvollziehen, aber man verfolgt emotional ihr Gefühlschaos und weiß bis zum Schluss nicht, wie sie sich entscheiden wird.
Ich war froh, dass ich mich mit diesem Buch mal aus meiner Komfortzone herausgewagt habe, denn es hat mir richtig gut gefallen, auch wenn mir die Grundstimmung zu melancholisch war.


Fazit:
Ein melancholisches Familien- und Liebesdrama mit vielen Geheimnissen, einem furchtbaren Schicksalsschlag und einer folgenschweren Entscheidung.

Bewertung vom 21.06.2022
Kaltherz
Faber, Henri

Kaltherz


ausgezeichnet

Fesselnder Thriller mit überraschenden Wendungen

Die fünfjährige Marie war nur acht Minuten alleine im Auto, während ihre Mutter auf der Toilette war - in dieser Zeit ist sie verschwunden.
Kommissarin Kim Lansky ermittelt und dringt dabei unerwartet tief in ihre Vergangenheit ein.


Meine Meinung:
Ein fesselnder, flüssiger Schreibstil lässt einen trotz der komplexen Handlung nur so durch die Seiten fliegen - und gleich zu Beginn ein fesselnder Prolog, der viele Fragen aufwirft.
Die ständig wechselnde Perspektive aus Sicht von Lansky, Clara, Jakob und Marie, jeweils in ich-Form, hält die Spannung durchwegs aufrecht. Auch ist der Erzählstil perfekt an die jeweilige Person angepasst, sodass man eigentlich keine Namen über den Abschnitten bräuchte.

Lansky ist eine eigenbrötlerische, sture Person, die sich nicht an Gesetze, sondern Gerechtigkeit hält und somit immer wieder aneckt und Gefahr läuft, aus ihrem Job rausgeschmissen zu werden und deshalb als letzte Chance in die Vermisstenabteilung versetzt wird. Genau solche (klischeehaften) Ermittler/innen gibt es oft in Thrillern, was mich normalerweise nervt, doch Lansky ist eine Ausnahme in diesem gestörten und rebellierenden Ermittler-Meer. Vor allem ihren unterschwelligen Humor mag ich.
Auch Clara und Jakob polarisieren, mit Clara fühlt man (besonders als Mutter mit), Jakobs Verhalten kann man hingegen überhaupt nicht nachvollziehen - doch durch kleinste Puzzlestückchen, die man erfährt, scheinen sie nicht das zu sein, was sie vorgeben zu sein.
Es war faszinierend, wie sich der Handlungsstrang in der Gegenwart mit Lanskys Vergangenheit verwebt, womit nach nicht gerechnet hat.
Besonders berührend sind natürlich die Abschnitte aus Maries Sicht. So kindlich, manchmal auch reif. Und emotional, da doch plötzlich die Mama weg ist und eine Mami da ist. Und man hofft so sehr für sie, dass sie gefunden wird.

Ganz besonders überzeugt dieses Buch durch tolle und total überraschende Wendungen!! Und zwar gleich mehrmals! Damit hätte ich nie gerechnet, und in einem Thriller überrascht zu werden, kommt nicht so oft vor!


Fazit:
Packender Thriller mit wechselnden Perspektiven und daraus resultierendem hohen Spannungsbogen, einer außergewöhnlichen Ermittlerin und mehreren unerwarteten Wendungen.

Bewertung vom 20.06.2022
Nordwestnacht / Soko St. Peter-Ording Bd.3
Jensen, Svea

Nordwestnacht / Soko St. Peter-Ording Bd.3


ausgezeichnet

Mord beim Seriendreh in St. Peter-Ording

St. Peter-Ording ist der neue Drehort für die beliebte Küstenkrimi-Serie "Tödlicher Norden", was besonders den jungen Polizisten Nils Scheffler freut, da er großer Fan ist.
Doch dann wird einer der Aufnahmeleiter tot an den Stelzen eines Lokals gefunden - angebunden und ertrunken. Als dann auch noch eine der beiden Hauptdarstellerinnen, die neu dabei ist und frisches Blut in die Serie bringen soll, verschwindet, beginnt er gemeinsam mit seinem Chef Hendrik Norberg und seiner Kollegin Anna Wagner in diesem verworrenen Fall zu ermitteln.


Meine Meinung:
"Nordwestnacht" ist der dritte Teil der Reihe Soko St. Peter-Ording, kann aber eigenständig gelesen werden, da der Fall in sich geschlossen ist und auch Vergangenes aus dem Privatleben der Ermittler in genau der richtigen Menge enthalten ist.
Der Schreibstil liest sich flüssig , und der Spannungsbogen ist eher hoch gehalten.
Die Kapitel sind in Tage unterteilt, beginnend mit dem 24. Mai, gehend bis zum 1. Juni und die Tage danach.
Anna Wagner ist eine sympathische, taffe Ermittlerin mit einer guten Kombinationsgabe. Nils Scheffler jedoch hätte ich oft schütteln können - wie können klare Gedanken durch teenagerhafte Schwärmerei bloß so getrübt werden?
Und über die anfangs so sympathische junge Schauspielerin werden später Dinge offenbart, die sie plötzlich in einem ganz anderen Licht dastehen lassen. Das ist der Autorin wunderbar gelungen; ebenso die Präsentation verschiedener möglicher Täter.

Besonders gut gefällt mir der Lokalkolorit und die detaillierten Beschreibungen von St. Peter-Ording und der Lokalitäten, man kann sich alles ganz genau vorstellen.
Auch erhält man viel Hintergrundwissen zu Seriendrehs, was ich total interessant fand.
Und fesselnd ist natürlich auch die Kabbeleien und Probleme von (alternden) Serienstars, die ausgetauscht werden sollen, was ich immer total schade und nicht nachvollziehbar finde.
Die Auflösung des Falls und die Verstrickungen waren packend, authentisch und einleuchtend. Es ist toll, wie man gemeinsam mit den Ermittlern in aufmürbender Polizeiarbeit kleinste Puzzleteilchen ans Licht bringt, diese zusammensetzt und diese dann ein großes Ganzes ergeben.

Die Karte von St. Peter-Ording im inneren Buchdeckel fand ich sehr hilfreich; alle vorkommenden Orte sind eingezeichnet und man kann den Weg der Ermittler gut verfolgen.


Fazit:
Spannender Küstenkrimi mit viel Lokalkolorit und Nordseefeeling, lebendigen Ermittlern und einer authentischen Auflösung.

Bewertung vom 19.06.2022
Tod zwischen den Zeilen / Buchhändlerin Samantha Washington Bd.1 (MP3-Download)
Burns, V. M.

Tod zwischen den Zeilen / Buchhändlerin Samantha Washington Bd.1 (MP3-Download)


sehr gut

ein Krimi-im-Krimi

Krimibuchhändlerin Samantha Washington, die sich gerade einen Herzenswunsch erfüllt und ihren ersten eigenen Krimi schreibt, findet den verhassten Immobilienmakler tot in ihrem Garten liegen. Natürlich gerät sie direkt in Verdacht, also muss sie den Fall selbst lösen, um ihre Unschuld zu beweisen.
Hilfe bekommt sie dabei von ihrer Großmutter Nana Jo und deren Freundinnen aus dem Seniorenheim. Und ihre Pudel Snickers und Oreo sind natürlich auch dabei.
Bei ihren Ermittlungen erfährt sie, das der zwielichtige Immobilienmakler jede Menge Feinde hatte, die alle als Täter in Frage kommen.


Meine Meinung:
"Tod zwischen den Zeilen" ist quasi ein Krimi-im-Krimi. Denn man erfährt nicht nur über den Kriminalfall in der Gegenwart, sondern man liest auch den historischen Krimi, den Sam geschrieben hat. Dieser jedoch konnte mich nicht so ganz überzeugen, da er mich nicht richtig fesseln konnte und auch die Auflösung für meinen Geschmack zu sehr an den Haaren herbeigezogen war.
Der Fall in der Gegenwart hingegen hat genau meinen Geschmack getroffen.
Die Geschichte ist jetzt zwar nicht sooo spannend, aber sehr unterhaltsam. In der Gegenwart war schnell klar, wer der Mörder ist, dennoch war es packend, man hat anfangs noch mitgerätselt und natürlich mitgefiebert, und vor allem wusste man das Motiv ja nicht. Diese Auflösung war schlüssig und nachvollziehbar.

Die Protagonistinnen (ja, es sind mehrere, denn ohne die "Golden Girls" hätte Sam den Fall nie lösen können!) sind allesamt sehr sympathisch. Vor allem die alten Ladies nutzen ihre Kontakte bis zum äußersten und sind sehr humorvoll und unterhaltsam!

Die Sprecherin Chris Nonnast kenne ich bereits von anderen Hörbüchern. Ich musste mich anfangs erst an ihre Aussprache des "sch" gewöhnen, aber sie hat eine sehr angenehme Sprechstimme mit genau der richtigen Geschwindigkeit, die mir sehr gut gefällt.
Beim Hören hat man eigentlich immer sofort gemerkt, dass nun wieder der andere Krimi dran ist. Eine akustische Trennung, ev. mit einer kurzen Musik, würde dies aber erleichtern.


Fazit:
Cosy Crime, der zwei Kriminalfälle bietet, von denen einer leider weniger überzeugt. Dafür bezaubert eine taffe und humorvolle "Mädelsbande".

Bewertung vom 16.06.2022
Das Letzte, was du hörst
Winkelmann, Andreas

Das Letzte, was du hörst


ausgezeichnet

Wenn ein Podcast den Tod bringt...

4,5 Sterne

Zwei Frauen, die süchtig nach dem Podcast Hörgefühlt sind - die samt deren Partner tot aufgefunden werden. Zuerst sieht alles nach Mord und Selbstmord aus, doch die Journalistin Roya Mayer ist schon lange an diesem Podcast und dem Sprecher Marc Maria Hagen, dessen Stimme alle in den Bann zieht, dran.


Meine Meinung:
Den Plot finde ich innovativ und richtig fesselnd, die Idee, dass man die Stimme eines Podcasts hört, während man stirbt... brr Gänsehaut.
Schreibstil, Spannungsbogen und Tempo sind wieder Winkelmann-üblich rasant, man fliegt nur so durch die Seiten, trotz der teilweise vorkommenden kleinen Längen. Denn insgesamt will man einfach wissen, wie es weitergeht.

Auch die Protagonisten können überzeugen: die Journalistin Roya, die offen und mutig ist, denn sie will unbedingt das Verschwinden ihres Vaters vor 8 Jahren aufklären.
Und die Kommissarin Carola Barreis, die kurz vor ihrer Pension ist und die der Job und die vielen Toten schon extrem zermürbt hat. Trotzdem gibt sie alles, um diese Fälle aufzuklären.

Besonders toll hat mir die alte Mühle gefallen, auf der das Wochenend-Seminar von Marc Maria Hagen stattgefunden hat. Alles war anschaulich beschrieben, sodass ich das Grundstück und das Gebäude genau vor Augen hatte.
Wer der Täter war, habe ich zwar recht schnell herausgefunden, es wurden ja auch nicht soo viele mögliche Täter präsentiert - jedoch die detaillierte Auflösung für das Motiv war spannend und unfassbar zu erfahren.


Fazit:
Rasanter Thriller mit einem spannenden Plot, einer starken Protagonistin und einer psychologisch guten Auflösung.

Bewertung vom 14.06.2022
Was das Schicksal will / Die Dorfschullehrerin Bd.2
Völler, Eva

Was das Schicksal will / Die Dorfschullehrerin Bd.2


sehr gut

Fortsetzung der Dorfschullehrerin-Reihe

1964. Helene kehrt nach Kirchdorf zurück, wo sie als Direktorin die dortige Schule leiten soll. Leicht fällt ihr diese Entscheidung nicht, denn sie wird dort wieder auf Landarzt Tobias treffen.
Und nicht nur die Zusammenlegung der Schulen in der Umgebung bereitet ihr Probleme, auch die ablehnende Haltung ihrer Tochter Marie gegenüber Tobias.


Meine Meinung:
Der 2. Teil der Dorfschullehrerin-Reihe überzeugt wieder mit einem lebendigen, mitreißenden Schreibstil. Man trifft wieder alle alten Bekannten: die Lehrerin Helene Werner und ihre Tochter Marie, ihren Vater Reinhold, dessen zweite Frau Christa sowie deren Mutter, die alle im Jahr 1961 in einer dramatischen Flucht vom Osten in den Westen fliehen konnten. Weiters trifft man auf die Hebamme Isabella und den Landarzt Tobias, der mit Helene nicht mehr zusammen ist, da Marie diese neue Familie nicht gefällt und Helene auch Angst vor einer neuen Bindung hat, da ihr erster Mann Jürgen in der DDR in Gefangenschaft tragisch verstorben ist, wofür der Leser auch eine detaillierte Aufklärung erhält (was man sich aber schon denken konnte).
Die sich wieder langsam entwickelnde Liebesgeschichte von Helene und Tobias ist spannend zu verfolgen, auch Isabellas problematische Beziehung zu einem schwarzen GI.

Man bekommt einen sehr guten Einblick, wie das Leben damals - v.a. im Zonenrandgebiet - ablief und erhält Einblicke in das Schulwesen.
Diesen zweiten Teil fand ich nicht ganz so emotional wie Band 1, und für meinen Geschmack war es zu wenig Schule. Ich hätte gerne mehr über das damalige Schulwesen erfahren und über Helenes Probleme mit der Zusammenführung der Zwergschulen.
Leider war mir Helene diesmal nicht ganz so sympathisch, denn es kam mir so vor, als wäre ihr nur die Schule bzw. ihre Arbeit als Direktorin wichtig. Sie kümmert sich gefühlt überhaupt nicht um Marie, und das konnte ich absolut nicht nachvollziehen, denn im ersten Band hat sie ja noch alles dafür getan, um Marie endlich zu ihr in den Westen zu holen.
Der Nebenhandlungsstrang um Agnes (und Dieter) gefiel mir gegen Schluss fast am besten. Eine starke, junge Frau, die sich dann endlich durchsetzt und ihren Weg geht.
Und die Szene an der Grenze war eindrücklich geschildert, man bangt mit und ist unfassbar, wie es damals war. Darüber hätte ich gerne noch mehr und ausführlicher gelesen.
Was mir nicht so gefiel, waren die vielen Geheimniskrämereien der handelnden Personen. Wenn alle offen und ehrlich ausgesprochen hätten, was ihnen auf der Seele liegt, hätten es alle viel leichter gehabt.

Interessant waren die vielen Einschübe im Dialekt, die für mich jedoch teilweise eher schwierig zu lesen waren und auch etwas den Lesefluss unterbrochen haben (auch wenn ich alles problemlos verstanden habe).

Das Ende war ein bisschen zu kitschig und es gab ZU viel Happy-Ends, so wirkte einiges konstruiert und auch etwas unglaubwürdig. Dieses "Weichgespülte" ist jedoch in heutigen Zeiten gut für die Seele.


Fazit:
Die Autorin hat es wieder geschafft, geschichtliche Fakten mit einer mitreißenden Fiktiven Story zu verweben. Für meinen Geschmack hätte der Fokus ein bisschen mehr auf dem Schulwesen liegen können; und das Ende war mit zu vielen Happy-Ends etwas unrealistisch, aber gut für die Seele.

Bewertung vom 13.06.2022
Nilpferdson & Erdmannson
Neuffer, Niklas

Nilpferdson & Erdmannson


ausgezeichnet

warmherzige Freundschaftsgeschichte: das allererste Nilpferd sucht einen Freund

4,5 Sterne

Nilpferdson ist das allererste Nilpferd auf dieser Welt: seine Mama ist ein Pferd und sein Papa ein Nils.
Die anderen Pferde und Nilse mögen ihn nicht, denn er ist nicht so schnell wie ein Pferd und nicht so stark wie ein Nils.
Daher macht er sich auf die Suche nach anderen Tieren, die auch ausgegrenzt werden, so wie er. Und vielleicht findet er dabei einen Freund.

Der Text ist kindgerecht und liebevoll geschrieben und einfach zu verstehen. Zuerst erfährt man, wie das erste Nilpferd entstanden ist (auf humorvolle Art - ich mochte die Fantasie dahinter).
Der Text eignet sich gut zum Vorlesen oder zum Selberlesen für etwas geübtere Leser.
Auf jeder Doppelseite gibt es auch kleine schwarz-weiß Bilder beim Text und eine komplette Seite mit einer wunderschönen färbigen Illustration, auf der das Gelesene nochmals untermalt wird und es auch einiges zu entdecken gibt.

Viele wichtige Kinderthemen sind spielerisch in dieser Geschichte verpackt: die Suche nach sich selbst / Selbstvertrauen / Mut, Mobbing vs. Toleranz / Akzeptanz, Familie, Freundschaft und Zusammenhalt.
Und auf seiner Reise in den Dschungel findet Nilpferdson nicht nur einen Freund im Erdmännchen namens Erdmannson, der ebenfalls fremd ist im Dschungel, und der trotz des seltsamen und unbekannten Aussehens von Nilpferdson dessen Freund wird - weil es eben nicht nach dem Äußeren geht.
Nilpferdson trifft dabei auch viele andere Tiere, die ihm freundlich gesinnt sind.


Fazit:
Liebevolles Kinderbuch mit wunderschönen Illustrationen zu den wichtigen Themen "wer bin ich", Selbstvertrauen, Mut, Mobbing, Toleranz, Diversität, Familie, Freundschaft und Zusammenhalt. Zum Vorlesen und/oder Selberlesen.

Bewertung vom 08.06.2022
Das Mädchen und der Totengräber / Inspektor Leopold von Herzfeldt Bd.2
Pötzsch, Oliver

Das Mädchen und der Totengräber / Inspektor Leopold von Herzfeldt Bd.2


ausgezeichnet

grandios-gelungene Fortsetzung des Totengräbers aus Wien

Wien, 1894: Im Kunsthistorischen Museum wird eine Mumie gefunden - und zwar eine "frische": es ist ein bekannter Professor für Ägyptologe, der sich eigentlich gerade auf Reisen befinden soll. Ist er einem Fluch zum Opfer gefallen?
Der Totengräber vom Zentralfriedhof, Augustin Rothmayer, soll Inspektor Leopold von Herzfeldt alles über das Konservieren von Leichen erzählen, worüber er auch gerade ein Buch schreibt. Denn der Professor wurde eindeutig ermordet.
Zeitgleich werden in verschiedenen Bezirken die übel zugerichteten Leichen junger Männer gefunden, die ihrer Männlichkeit beraubt wurden.
Und dann wird auch noch ein Wärter im Tiergarten im Prater von einem Löwen zerfleischt.


Meine Meinung:
"Das Mädchen und der Totengräber" ist die Fortsetzung von "Das Buch des Totengräbers", allerdings finde ich den Titel nicht so ganz passend. Klar, Augustin Rothmayer kämpft darum, dass die Waise Anna bei ihm bleiben darf - aber hauptsächlich geht es ja um die Ägyptologie und den mumifzierten Ägyptologen bzw. die Mordserie im Stricher-Milieu. Einen Titel, der darauf hin deutet, hätte ich besser gefunden.

Es ist toll, wieder ins historische Wien zu reisen und die alten Bekannten zu treffen: den kauzigen Totengräber Augustin Rothmayer, die junge Waise Anna, die clevere Polizeifotografin Julia Wolf und ihre gehörlose Tochter Sisi, und natürlich Inspektor Leopold von Herzfeldt, der "Piefke".
In diesem Buch war eigentlich Julia für mich die Hauptfigur, denn sie hat mit viel Gewieftheit und Mut auf eigene Faust ermittelt, ist empathisch, versucht anderen zu helfen... ich mag sie einfach sehr gerne!

Der Mumienfall war anfangs total gruselig, man konnte sich nicht erklären, wieso ein angesehener Professor plötzlich als Mumie im KHM auftaucht. Und ebenso konnte man kein Motiv für die brutalen Strichermorde finden.
Mir gefiel sehr gut, wie man Schritt für Schritt mit Leo, Julia und Augustin kleinste Puzzleteilchen aufdeckt, Fäden zusammenführt und dann alles zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Die Auflösung(en) waren logisch und nachvollziehbar - auf den Mörder selbst kam ich fast bis zum Schluss nicht, der Autor hat es gut geschafft, viele mögliche Täter zu präsentieren, sodass man immer in seiner Meinung schwankt.

Sehr schön war wieder, viel über das historische Wien zu lernen. Dass es damals einen weiteren Tiergarten im Prater gab, wo auch in sogenannten Völkerschauen dunkelhäutige Menschen wie Tiere ausgestellt wurden. Und dass die Fingerabdrucktechnik gerade erst im Aufkommen war.
Natürlich gibt es wieder Wortwitz und jede Menge Wiener Ausdrücke, die in einem Glossar am Ende erklärt werden.
In der vorderen Buchklappe gibt es einen hilfreichen Plan der inneren Bezirke von Wien im Jahre 1894, in dem alle vorkommenden Örtlichkeiten eingezeichnet sind, und natürlich der Leopoldstadt mit dem Prater, wo der Tiergarten lag, in dem ein Großteil der Handlung spielt.


Fazit:
Grandios-gelungene Fortsetzung der Totengräber-Reihe, in der zwei spannende Fälle im historischen Wien von einem kauzigen Totengräber und einem piefkischen Ermittler mit Hilfe der Polizeifotografin gelöst werden müssen. Spannend, gruselig, interessant, lehrreich und mit viel schwarzem Wiener Humor.

Bewertung vom 06.06.2022
Tatort der Kuscheltiere / Florentine Blix Bd.1
Pantermüller, Alice

Tatort der Kuscheltiere / Florentine Blix Bd.1


ausgezeichnet

großartiger Reihenauftakt: der erste Fall für Florentine Blix

An dem Tag, an dem Florentine Blix' Kuscheltiere verschwinden, bekommt sie auch einen neuen Mitschüler: Bo aus Dänemark. Den kann sie nicht leiden, weil sich der einfach neben sie setzt.
Und dann findet er auch noch ihre ganz geheime Kommandozentrale, ein verfallenes Häuschen, mitten im Wald.
Es ist ganz klar: sie muss Bo loswerden. Um das zu erreichen, verspricht sie ihm, ihm bei der Suche nach seinem verschwundenen Cousin Jesper zu helfen. Und dabei wird sie von ihrer besten Freundin Maja unterstützt, denn die denkt genauso wie Florentine.


Meine Meinung:
Florentine, ein etwas anderes Mädchen mit autistischen Zügen, liebt es zu ermitteln. Bzw. lenkt sie das vom doch für sie eher schwierigen Alltag und dem Umgang mit anderen Menschen ab. Es ist so etwas wie abschalten für sie. Sie braucht klare Regeln, kann nicht Lügen und nicht mit Redewendungen umgehen, weil sie alles Gesagte für bare Münze nimmt.
Ihre Lieblingsfarbe ist grün, in allen Schattierungen. Sie zieht nur grüne Sachen an, und gute Gefühle sind für sie grün. Alles, womit sie sich nicht gut fühlt, erscheint ihr in Rottönen.

Florentine erzählt dem Leser ihre Geschichte wie in einer Akte. Dazu sind Ringe wie in einer echten Mappe auf jeder Seite abgebildet. Man erlebt die Geschichte daher total intensiv und es ist auch sehr humorvoll, und der Kriminalfall ist spannend. Man rätselt und ermittelt mit Florentine direkt mit. Die Kuscheltiere geraten eher in den Hintergrund, die Suche um Jesper ist der eigentliche Fall (und dieser ist auch viel fesselnder).
Florentine ist ehrlich, empathisch und hat eine sehr gute Kombinationsgabe.
Die Wahrheit über ihre Freundin Maja hatte ich bald herausgefunden, doch anfangs hat mir das nicht so gefallen. Mit der Zeit jedoch fand ich es außergewöhnlich und konnte mich damit anfreunden, es hat die Geschichte sogar aufgewertet.

Kleine Einschübe in Form von "Zetteln", zum Beispiel "wichtige Erkenntnisse", Auflistungen von Vor- und Nachteilen, (Gedächtnis-)Protokolle, Infozetteln zu bestimmten Dingen (zB über wichtige Bauten und Stadtteile in Flensburg und andere Dinge, etwa was ein Dodo ist oder ein Dietrich), bringen einem spielerisch viele neue Dinge bei.
Besonders toll finde ich, dass auch immer wieder mal (detaillierte) Stadtpläne von Flensburg enthalten sind sowie wissenswerte Infos dazu, auf denen man Florentines Weg nachvollziehen kann und somit Flensburg auch näher kennenlernt.
Auch die handelnden Personen werden mit Steckbriefen, inkl. Zeichnung, näher vorgestellt.
Und nachdem Florentines Lieblingsfarbe Grün ist (in allen Schattierungen), sind auch die Illustrationen im Buch schwarz-grün.


Fazit:
Eine etwas andere, junge Ermittlerin löst ihren ersten Fall. Humorvoll, spannend, außergewöhnlich spooky. Und ein toller Aufbau mit Zetteln, Gedächtnisprotokollen u.ä. Ich freue mich schon sehr auf Florentines zweiten Fall!

Bewertung vom 01.06.2022
Gleichung mit zwei Unbekannten
Feuersänger, Cara

Gleichung mit zwei Unbekannten


sehr gut

Wie Cate lernt, ihren Eispanzer zu öffnen und Gefühle zuzulassen...

Cate O'Reilly arbeitet in einer Hamburger Bank. Dort ist sie erfolgreich als Abteilungsleiterin, denn sie kann supergut mit Zahlen - mit Menschen hingegen jedoch überhaupt nicht.
Bis eines Tages ihre Cousine Joanne samt einer Straßenkatze vor ihrer Tür steht und ihr Leben gehörig durcheinanderbringt.
Als sie dann auch noch Matthis kennenlernt, ist nichts mehr so, wie es war...


Meine Meinung:
Die Geschichte ist angenehm erzählt, und Cate ist eine Protagonistin, die man anfangs überhaupt nicht mag. Sie ist kalt gegenüber anderen Menschen, sogar unhöflich zu ihren Mitarbeitern, und man kann zuerst auch nicht nachvollziehen, warum sie Joanne derart ablehnt, ja fast schon hasst.
Doch dann kristallisiert sich nach und nach die ganze Wahrheit heraus, und man bekommt Mitgefühl mit Cate. Und Cate selbst lernt durch ihre chaotische, freundliche und offene Cousine, dass man sein Herz nicht vor allen anderen verschließen muss, weder Mensch noch Tier. Und dass man eine traumatische Vergangenheit und familiäre Probleme aufarbeiten muss.

Die Romanze mit Matthis und dessen Hintergrundgeschichte ist auch spannend aufgebaut, da gibt es noch ordentlich Troubles in Cates Leben, denn wenn sie sich schon verliebt, dann kompliziert ;)

Jedoch ging mir Cates Entwicklung vom verschlossenen Egozentriker zum gefühlvollen, offenen Menschen gegen Schluss dann doch zu schnell. Klar hatte sie gute Gründe, nun nicht mehr so ablehnend zu sein, aber sie war plötzlich ein um 180 Grad anderer Mensch.
Auch wenn Cate die Protagonistin ist, war Joanne meine heimliche Favoritin ;)

Besonders toll sind die Beschreibungen von Hamburg, man bekommt so ein richtiges Hansestadt-Feeling.
Die Sprecherin hat eine angenehme Stimme, gute Intonation und Sprechgeschwindigkeit.


Fazit:
Eine sommerliche Liebesgeschichte, in der die anfangs unsympathische Protagonistin wächst und einen starken Charakter bekommt; mit tollem Hamburg-Flair. Ich vergebe 3,5 Sterne.