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Benutzername: Petra Sch.
Wohnort: Gablitz
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 221 Bewertungen
Bewertung vom 15.06.2021
Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4
Winkelmann, Andreas

Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4


ausgezeichnet

wieder das aktuelle Thema des Missbrauchs von Sozialen Medien, verpackt in einem fesselnden Thriller

4,5 Sterne


Mitten in Hamburg wird eine junge Joggerin bestialisch ermordet - erstickt mit einem Hundehalsband; kurze Zeit darauf eine weitere Frau.
Der Ermittler Jens Kerner bemerkt, dass diese Frauen in einer Instagram-Laufgruppe sind, wo sie mittels Fitnesstracker ihre Strecken posten. Somit ist es für den Täter leicht sie abzupassen, so dass trotz der stets menschenvollen Metropole niemand etwas davon bemerkt.
Und er macht sogar ein Kunstwerk daraus: er trackt die Initialen seiner Opfer vor der Tat in die digitale Karte.
Doch wie hängen die Morde an den Frauen zusammen? Und kann der Täter rechtzeitig gestoppt werden?


Meine Meinung:
"Die Karte" ist der vierte Teil um Jens Kerner und Rebecca Oswald und wie im vorigen Teil stehen die Sozialen Medien am Pranger, bzw. der Missbrauch selbiger. Wenn Menschen zu viel von sich preisgeben, und andere Menschen dies ausnutzen, um zu töten - in diesem Fall die Laufstrecken, die via Fitnesstracker in digitale Karten von Instagram gepostet werden.
Der Fall ist in sich geschlossen und kann eigenständig gelesen werden. Kurze Hinweise auf die vorigen Fälle sind geschickt in der Geschichte integriert.
Die private Entwicklung zwischen Jens und Becca hat mir auch sehr gut gefallen.
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, packend - und durch den konstant hohen Spannungsbogen sowie die eher kurzen Kapiteln, die oft mit Cliffhangern enden, fliegt man nur so durch das Buch.

Spannend sind auch die kurzen Einschübe aus Sicht eines Mädchens, das von der Mutter missbraucht und vom Vater verraten wurde - man rätselt längere Zeit, wer das Mädchen wohl ist und wie diese Story mit dem aktuellen Fall zusammenhängt.
Und man blickt immer wieder mal hinter die Fassade des Übeltäters mittels kurzer Kapitel aus Sicht des Mörders in ich-Form.
Es gibt viele Stränge - zB auch der Tod eines Drogensüchtigen sowie die Ermordung des Kollegen Hagenah - die scheinbar nicht zusammenhängen, doch Jens beißt sich fest und folgt dem roten Faden.

Auch wenn ich nicht alle Motive des Täters nachvollziehen konnte, so war das Hauptmotiv für mich doch so unfassbar irrelevant für einen Mord, dass man diesen Menschen einfach nur schütteln könnte und fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Ich bin soo aggressiv geworden, als ich dessen Motiv las, und danach sooo traurig, denn es gibt leider tatsächlich solche Menschen, die sich immer im Nachteil glauben und denken, dass sie das Recht hätten, diese "Ungerechtigkeiten" (im schlimmsten Fall mit einem Mord) zu rächen...

Irgendwie hatte ich beim Lesen des Schlusses das Gefühl, das dies vielleicht der letzte Fall für Kerner und Oswald war - ich hoffe es jedoch nicht und würde mich auf ein baldiges Wiedersehen freuen!


Fazit:
Fesselnder unterhaltsamer Thriller, der wie der Vorgängerband die Sozialen Medien anprangert.

Bewertung vom 06.06.2021
Feen-Internat in Gefahr / Bazilla Bd.2
Schmidt, Heike Eva

Feen-Internat in Gefahr / Bazilla Bd.2


ausgezeichnet

eine fantasievolle Feen-Vampir-Geschichte mit wichtigem Inhalt: Umweltschutz

Bazilla, die Fee, die eigentlich eine Vampirin sein will, hat sich im Internat für Feen und Alben schon recht gut eingelebt.
Bis eines Tages Menschen in der Nähe des Feen-Gartens erscheinen, Bäume des Parks gefällt werden und Häuser gebaut werden sollen - ganz nah am Feen-Internat!?! Die Feen sind in Gefahr und unterbrechen die Vorbereitungen für den alljährlichen Feen-Ball, um dieses Übel abzuwenden.
Bazilla hat eine Idee: wer wäre besser geeignet, die Menschen zu vertreiben, als ihre Vampir-Familie samt den anderen gruseligen Bewohnern von Burg Morchelfels?


Meine Meinung:
"Feen-Internat" in Gefahr ist der zweite Teil um die Feempirin Bazilla. Ihre Entwicklung schreitet voran, denn sie kann sich nun schon etwas mehr als Fee akzeptieren, wenn auch noch nicht so ganz. Klar, dass sie über die Tanzstunden für den Ball alles andere als erfreut ist!
In diesem Abenteuer muss das Feen-Internat unbedingt gerettet werden und vor allem die jahrealten prächtigen Bäume!
Natürlich hat Bazilla eine tolle Idee zur Rettung: die Mission des Grauens! Ihre Eltern, die Vampire sind, sowie der Wasserspeier Aquila, der kopflose Ritter Sir Toby mit seinem Pony Rosinante und die Ratten-Armee sollen die Menschen vertreiben. Doch es ist heutzutage gar nicht so einfach, Menschen zu erschrecken!? Die Lösung für die Rettung fand ich sehr fantasievoll, gelungen und niedlich :D

Der Schreibstil ist wirklich schön zu lesen, kindgerecht, sehr witzig und leicht zu verstehen.
Ganz besonders toll fanden wir, dass die Autorin immer wieder das Wort "Fee" eingebaut hat, zB feertanzt, Feerbot, Feerzeihung und der Ausruf "feerflixt" hat uns besonders gut gefallen.

Die Story ist übrigens brandaktuell, denn immer mehr Natur wird zerstört, um Wohnraum zu schaffen (wobei es genug Wohnungen/Häuser gibt, die leer stehen-sowas ärgert mich immens.) Das Thema Naturschutz wird hier spannend und humorvoll in die Geschichte verpackt, aber regt dennoch zum Nachdenken an
Auch, dass Bazilla zu ihren Vorlieben steht und andere sogar 'überreden' konnte, mal was neues auszuprobieren und über ihren Tellerrand hinauszuschauen, fand ich sehr toll, kann doch jeder auf sich als Individuum stolz sein und ein Anders-Sein ist kein Mobbinggrund. Somit finde ich Bazilla klasse als Vorbild für Kinder.
Weiters behandelt das Buch auch die Wichtigkeit des Zusammenhalts als Familie und natürlich das Thema Freundschaft.

Tja, und über Elvis braucht man nichts mehr zu sagen als: bitte noch vieeel mehr von diesem zuckersüßen, niedlichen und knuddeligen Flederhamster!!! ♡♡♡

Am Ende des Buches gibt es noch das Rätsel der sprechenden Chronik sowie das Rezept für Elvis' Lieblingsdessert: Rote-Bete-Schokoladenkuchen.


Fazit:
Gelungene Fortsetzung um die Feempirin Bazilla und ihrem süßen Flederhamster Elvis mit wichtiger Botschaft zum Naturschutz. Hat uns noch besser als Teil 1 gefallen und wir fiebern schon Band 3 entgegen!

Bewertung vom 01.06.2021
Weber's Gasgrillbibel
Weyer, Manuel

Weber's Gasgrillbibel


ausgezeichnet

bunte Kochideen für den Gasgrill

Die Webers Gasgrillbibel schreckt zwar auf den ersten Blick wegen des komplett schwarzen Covers ab, aber man sollte auf die "inneren Werte" achten und da findet sich Einiges!

Das Buch ist sehr gut aufgebaut. Zuerst findet man besonders für Gasgrill-Einsteiger wichtige Infos zum richtigen Umgang mit einem Gasgrill sowie Tipps (zB verschiedene Grilltechniken) und Tricks (zB Grillen mit Alternativen zur Alufolie).
Ein Grillkompass für die verschiedenen Fleischsorten, aber auch Obst und Gemüse liefert detaillierte Infos und helfen bei der Auswahl des richtigen Fleisches und gibt Tipps für die jeweils beste Zubereitungsart.
Die 11 Gebote zum gelingsicheren Grillen runden den ersten Teil ab.

Danach finden sich die über 250 Rezepte, von Basic bis ausgefallen, die praktisch gegliedert sind:
- Top 11 der beliebtesten Rezepte
- Rind & Kalb
- Schwein, Lamm & Wild
- Geflügel
- Fisch & Meeresfrüchte
- Gemüse, Obst & Sides
- Süßes & Desserts
- Kids' Choice

Auch Zubereitungen von Würzmischungen, Marinaden, Soßen und Dips finden sich zu Beginn des Buches.
Die Rezepte sind leicht verständlich, kommen ohne schwer zu besorgende und/oder seltene Zutaten aus und sich leicht nachzukochen.
Es gibt eine detaillierte Liste mit den Zutaten, genaue Mengenangaben, ausführlich erklärte Arbeitsschritte - und die Bebilderungen helfen nochmals zusätzlich.
Jedes Rezept beinhaltet auch übersichtlich die Infos zur Vorbereitungszeit, der Grillzeit, der passenden Grillmethode sowie der Ruhezeit.

Leider konnten wir aufgrund des vielen schlechten Wetters noch nicht so viel ausprobieren wie geplant, aber bisher kann ich sagen, dass ich mit dem Kochbuch sehr zufrieden bin.
Besonders gut gefielen uns die Rezepte für selbstgemachte Pizza und die Hackfleischspieße mit Kartoffelchipspanade - und sogar für meine heikle Tochter war einiges dabei, das sie mochte.
Nur die süßen Sachen haben wir noch nicht ausprobiert, das wird aber auf jeden Fall noch nachgeholt! :D


Fazit:
Gut strukturiertes Kochbuch mit genauen Angaben zu Zutaten und Arbeitsschritten; leicht nachzukochen; toll bebildert.

Bewertung vom 01.06.2021
Das Buch des Totengräbers
Pötzsch, Oliver

Das Buch des Totengräbers


ausgezeichnet

packender Auftakt: geht ein abergläubischer Serienmörder im historischen Wien um?

Wien, 1893. Der neu aus Graz nach Wien gezogene Polizeiagent Leopold von Herzfeldt braucht die Hilfe des Totengräbers vom Zentralfriedhof, Augustin Rothmayer, denn dieser schreibt gerade an seinem "Almanach für Totengräber" und kennt sich sowohl mit allen Todesarten und Verwesungsstadien aus als auch mit dem Aberglauben der Menschen, denn es wurden mehrere junge Dienstmädchen bestialisch ermordet und gepfählt sowie Leichen geköpft - was uralte Methoden sind, um Untote zu bannen. - Geht in Wien ein abergläubischer Serienmörder um?
Und dann gibt es noch geheime "Schwarze Walzer" von einflussreichen Hohen Tieren, zu denen junge Mädchen gekarrt werden...


Meine Meinung:
"Das Buch des Totengräbers" ist der Auftakt der Reihe um den Polizeiagenten Leopold von Herzfeldt und den Totengräber Augustin Rothmayer.
Der Schreibstil braucht anfangs ein bisschen, um sich einzugewöhnen, doch dann ist man mittendrin im Wien des Jahres 1893.
Was mir besonders gut gefällt, sind die Wiener Ausdrücke, die immer wieder vorkommen. Wenn man sie versteht, ist das auch einfach - ich denke jedoch, dass zumindest ein Glossar am Ende des Buches für deutsche Leser hilfreich gewesen wäre.

Es ist spannend zu verfolgen, wie Leopold sich als "Piefke" aus Graz in Wien zurechtfindet (Hier gefiel mir die Aussage seines Chefs: "Und, zum Teufel, arbeiten Sie an Ihrem Wienerisch, Herzfeldt! Der Wiener mag nun mal keine Ausländer, glauben Sie mir, auch wenn hier eigentlich nur Ausländer leben.")
Interessant fand ich die Fortschritte für die damalige Kriminalistik mit dem "Handbuch für Untersuchungsrichter" sowie dem neuen "Tatortkoffer" und natürlich den technischen Fortschritt. Der Autor hat humorvoll immer wieder kleine Spitzen eingebaut, zB als man nur kopfschüttelnd meinte, dass es irgendwann Telefone geben wird, die in die Hosentasche passen.
Lehrreich und spannend fand ich auch das damalige Bestattungswesen, die große Angst der Wiener vor dem lebendig-begraben-Werden und natürlich den Wiener Zentralfriedhof.

Herzfeldt war mir etwas zu überheblich, doch ich mochte seinen Grips, seine Kombinationsgabe und seinen Biss, den Fall unbedingt lösen zu wollen - und seine charakterliche Entwicklung gegen Ende des Buches.
Der Totengräber hingegen war mir sofort sympathisch, obwohl er so ein knurriger Kauz ist, doch mit dem Herz am rechten Fleck - besonders, als er die kleine Anna bei sich aufnimmt, obwohl er das zuerst gar nicht wollte. Verwundert hat hier zuerst dessen Intellekt - kennt er sich mit lateinischen medizinischen Begriffen aus, liest medizinische Fachlektüre und schreibt an einem "Almanach für Totengräber", erlag ich doch dem Klischee, dass Totengräber mit nur wenig Intelligenz gesegnet sind.
Ich hätte nur gern mehr Zusammenarbeit von Herzfeldt und Rothmayer gesehen, eigentlich "wurschtelt" jeder für sich herum und sie tauschen sich nur über ihre Erkenntnisse aus.
Sämtliche andere Charaktere haben Ecken und Kanten und bedienen alle möglichen Klischees, geben aber ein rundes Bild der damaligen Einwohner von Wien ab.

Spannungsreich fand ich den Fall selbst, der eigentlich aus drei Fällen besteht - die Pfahlmorde, die Enthauptungen und die "Schwarzen Walzer", die augenscheinlich zusammenhängen und dann wieder doch nicht - ich tappte erst lange im Dunklen, wurde aber dann gegen Ende einerseits überrascht, andererseits auch nicht - mehr kann ich leider nicht verraten ;)
Einerseits traurig, andererseits authentisch war, dass die "Hohen Tiere" mit Einfluss und Geld ihrer Bestrafung entgehen können. Das war damals schon so und wird es wohl leider immer bleiben...


Fazit:
Außergewöhnlicher und unterhaltsamer historischer Krimi mit zwei gegensätzlichen Protagonisten, viel schwarzem Wiener Humor und spannungsreichen Fällen.

Bewertung vom 28.05.2021
Flips - Ein Wollschwein legt los
Matysiak, Mascha

Flips - Ein Wollschwein legt los


ausgezeichnet

eine liebevolle Geschichte über eine außergewöhnliche Freundschaft

Auf dem Schulweg steht plötzlich ein kleines Schwein mit braunen Löckchen vor Toni. Sie ist gleich verliebt und will es behalten. Da es gerne Erdnussflips frisst, nennt sie das Schwein Flips.
Doch wie werden ihre Eltern reagieren? Oder die Vermieterin Frau Reimann, die Tiere gar nicht leiden kann?
Der neu eingezogene Nachbarsjunge Jonte, den Toni seltsam findet, will ihr jedoch helfen.
Und dann sind da noch die Tricks, die Flips draufhat. Woher hat er die bloß?


Meine Meinung:
Die Geschichte ist sooo niedlich, Flips schließt man gleich in sein Herz!!
Es ist humorvoll und leicht verständlich geschrieben. Viele schwarz-weiß Illustrationen, die wunderschön sind, untermalen das Gelesene.

Das Buch beinhaltet nicht nur eine tolle Geschichte, sondern vermittelt auch die Werte Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und jemandem eine zweite Chance geben, auch wenn man denjenigen anfangs nicht so sehr mag. Und natürlich ganz besonders Tierschutz und Tierwohl.
Nur dass Flips eben mit Erdnussflips und Schokolade gefüttert wurde, hat mir hier so gar nicht gefallen - auch wenn der Vater dem Schwein immer Salat und Gemüse gegeben hat.
Zu sehen, wie Toni mit Flips umgeht und im Umgang mit ihm dazulernt, ist einfach wundervoll zu beobachten.
Der Wunsch vieler Kinder, ein eigenes Haustier zu besitzen, wird hier in einer schön verpackten Geschichte mit einer hier passenden Lösung geliefert. Im echten Leben ist es natürlich immer individuell, aber ich finde, Haustiere bereichern unser Leben und Kinder lernen Verantwortung.

Auch die Auflösung, woher Flips kommt und seine Tricks kann, war spannend zu lesen.
Und - wie es sich meiner Meinung nach für ein gutes Kinderbuch gehört - gibt es ein Happy-End, aber nur mit Kompromissen, so wie im echten Leben auch! :D


Fazit:
Ein wunderschönes Buch über ein niedliches Wollschwein, das die Werte Freundschaft, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und natürlich Tierwohl und Tierschutz vermittelt. Mit zuckersüßen schwarz-weiß Illustrationen.

Bewertung vom 25.05.2021
Das Leben, ein ewiger Traum / Die Polizeiärztin Bd.1
Sommerfeld, Helene

Das Leben, ein ewiger Traum / Die Polizeiärztin Bd.1


ausgezeichnet

Spannender und mitreißender Auftakt um die Polizeiärztin Magda Fuchs im Berlin des Jahres 1921

1920: Nach dem Tod ihres Mannes beschließt Magda Fuchs nach Berlin zu ziehen und als Polizeiärztin zu arbeiten.
Es fällt ihr anfangs schwer, denn Frauen haben es nach den harten Kriegsjahren nicht leicht.
Doch immer mehr Frauen nehmen ihr Leben selbst in die Hand, wie zB Fürsorgerin Ina, die sich um die Ärmsten der Armen, die Kinder, kümmert; Rechtsanwältin Ruth und Journalistin Erika, die sich in Männerdomänen durchsetzen müssen; Celia, die aus ihrer lieblosen Ehe zu fliehen versucht und die junge Doris, die unbedingt berühmt werden möchte.


Meine Meinung:
"Das Leben, ein ewiger Traum" ist der Auftakt der Polizeiärztin-Trilogie.
Der Schreibstil ist unheimlich fesselnd, es passiert so viel in der Geschichte und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Am interessantesten fand ich das schwere Leben der Menschen zu Beginn der 1920er, denn das war damals noch alles andere als glamourös. Alle mussten hart kämpfen, vor allem die Frauen, um sich und die Kinder durchzubringen.
Das kam in diesem Buch sehr gut raus, denn es waren verschiedene Charaktere vertreten von starken Frauen, die ihr Schicksal selbst bestimmen wollten.
Armut stand an der Tagesordnung, Hunger, und daraus resultierend Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Besonders die Kinder hatten es schwer, sie mussten betteln oder stehlen, es gab eine hohe Sterblichkeitsrate und diejenigen, die ihre Eltern verloren haben, hatten ein ungewisses Schicksal.
Die empathische und hilfsbereite Magda möchte hier unbedingt helfen und freundet sich mit der Sozialarbeiterin Ina an, um den Kindern wenigstens ein bisschen Hoffnung zu geben.
Auf der anderen Seite ist die gut betuchte Oberschicht-hier wird die andere Seite der damaligen Zeit aufgezeigt, anhand der jungen Celia, die gegen ihren Willen reich verheiratet wurde und nun für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben kämpft. Die Kluft zwischen Arm und Reich im pulsierenden Berlin wird authentisch wiedergegeben.

Dem Autorenpaar ist es wundervoll gelungen, die Atmosphäre der damaligen Zeit lebendig einzufangen, mich zu berühren und in seinen Bann zu ziehen. Auch der Kriminalfall hat mich überzeugt und die damalige Polizeiarbeit war spannend zu verfolgen.

Toll fand ich, dass es am Ende ein hilfreiches Register der meisten handelnden Personen und in der hinteren Klappe des Buches Kurzbeschreibungen der starken, außergewöhnlichen Frauen Magda Fuchs, Ina Dietrich, Ruth Jessen, Celia von Liebenau, Doris Kaufmann und Erika Hausner gibt.
Äußerst hilfreich ist auch der Stadtplan von Berlin aus dem Jahre 1921 in der vorderen Klappe, in dem alle wichtigen vorkommenden Orte gekennzeichnet sind-ich habe immer wieder die aktuellen Schauplätze nachgesehen.


Fazit:
Ein fesselnder und berührender Auftakt um die Polizeiärztin Magda Fuchs im Berlin der 1920er Jahre. Ich freue mich schon auf die beiden Folgebände und kann eine eindeutige Leseempfehlung aussprechen!

Bewertung vom 21.05.2021
Fair Play
Gulden, Kerstin

Fair Play


sehr gut

Dieses Jugendbuch behandelt Sozialverhalten, Klimawandel/Umweltschutz und Social Media

Der Bildungssenator ruft die Schulen zu einem Wettbewerb auf: wie kann man mehr tun, um die Umwelt zu schützen?
Keras Schule nimmt mit ihrer Idee einer App teil, bei der alle öffentlich sehen können, ob man seinen Verbrauch so zurückschrauben kann, dass die App grün bleibt. Doch was tun, wenn die App rot wird und es auch bleibt? Spielen alle fair?


Meine Meinung:
Die Geschichte ist abwechselnd aus Sicht der "Fair Play Four" geschrieben, jeweils in ich-Form. Somit kann man noch tiefer in die jeweilige Gefühls- und Gedankenwelt von Kera, Leonard, Max und Elodie abtauchen.
So unterschiedlich die Charaktere der Jugendlichen sind, so unterschiedlich ist auch ihr Umgang mit der App und wofür diese steht.
Max zum Beispiel stellt den Gegenpol dar, den App-Verweigerer. Und das macht er aus Prinzip, denn er denkt gar nicht daran, sich sein Leben von dieser App diktieren zu lassen. Und ich kann das nachvollziehen, man muss hier sogar überlegen, ob man öffentlich mit dem Bus fährt, was ja eigentlich bisher als umweltschonend galt?!
Kera ist die politisch interessierte, der die Idee solch eines Programms gekommen ist, das den Verbrauch öffentlich anzeigt und man somit einerseits im Wettbewerb steht, andererseits ein Zusammenhalten voraussetzt, denn nur gemeinsam schafft man es, dass die App nach Ablauf der Zeit für alle auf grün steht. Und das ist ja das Ziel.
Leonard ist der gemobbte Technik-Freak, der die Keras Idee als App umsetzt und programmiert und eigene Ziele verfolgt.
Und Elodie ist das Social Media affine Püppchen, das nur neue Followerzahlen generieren will, wohinter aber tiefgründigere Beweggründe stecken.
Somit sind etwa alle Charaktereigenschaften von Jugendlichen abgedeckt und hier beispielhaft vertreten. Jede/r Leser/in kann sich also in einem der Protagonisten widerspiegeln.

Total interessant fand ich das Verhalten der Jugendlichen, und wie diese durch die App in zwei Lager gespalten wurden.
Soziale Konstrukte haben sich geändert, Freunde werden zu Feinden und umgekehrt; es ist ein stetiges Fließen und auch Ändern der Meinungen und des Verhaltens...
Das regt sehr zum Nachdenken über sein eigenes Verhalten an: wie gehe ich mit meinem Mitmenschen um; wie mit der Umwelt? Trage ich dazu bei, dass mein Kind in einer möglichst nicht noch schlechteren Zukunft/Umwelt leben muss, als sie bereits ist?

Etwas unrealistisch bzw. nicht nachvollziehbar fand ich, wie der Verbrauch berechnet wird. Wann wird ein Konto rot? Wie viel Verbrauch wird für einzelne Dinge berechnet? Und das vorher auszurechnen bzw. festzustellen doch bestimmt irrsinnig viel Zeit in Anspruch nimmt, Leonard die App aber in kürzester Zeit programmiert hatte.
Auch hätte ich gern mehr über das Konsumverhalten der Jugendlichen erfahren bzw. wie sie sich einschränken müssen und damit zu kämpfen haben.
Alles in allem ein interessantes und packendes sozialkritisches Buch, das den Blick auf den Klimawandel und die Möglichkeiten, diesen aufzuhalten, lenkt und auch den Umgang mit den Sozialen Medien kritisch hinterfragt.


Fazit:
Eine fesselnde Idee einer Umweltschutz-App und wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen der Schüler entwickeln, die in zwei Lager aufgeteilt sind.

Bewertung vom 17.05.2021
Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht
Zeh, Juli

Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht


ausgezeichnet

Pferdeflüstern für Kids

4,5 Sterne


Die 12-jährige Sophie ist riesen Pferdefan und reitet schon seit einiger Zeit im Schulbetrieb am Michaelishof und wünscht sich nichts sehnlicher als ein eigenes Pony oder zumindest ein Pflegepony.
Als dann das Pony Sokrates als sogenanntes "Problempferd" auf den Michaelishof kommt, soll sich Sophie um ihn kümmern. Doch wenn Socke (diesen Spitznamen hat er aufgrund eines weißen Beins) sich nicht bald reiten lässt, soll er verkauft werden.


Meine Meinung:
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt - zuerst die Geschichte von Socke und Sophie, wobei abwechselnd aus Sicht des Mädchens und des Ponys erzählt wird, jeweils in ich-Form. So kann man sich noch besser in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden hineinversetzen.
Besonders die Abschnitte, in denen Socke erzählt, sind echt niedlich geschrieben, man muss oft schmunzeln. Wobei Sockes Schicksal natürlich sehr berührt. Er wurde misshandelt, und man kann nachvollziehen, warum er Menschen nicht mehr vertraut.
Sehr toll und eindringlich wird die unterschiedliche Sprache von Pferd und Mensch dargestellt, wie es zu diesen Missverständnissen kommen kann und die Folgen , aber eben auch, wie man es richtig macht. Und dass man nicht aufgeben soll. Somit gibt es langsam Schritt für Schritt immer mehr Fortschritte mit Socke.
Was mir hier leider nicht so gut gefallen hat und ich deshalb einen halben Stern abziehen muss ist die Tatsache, dass Sophie - ein Mädchen, das noch nicht soo viel Pferdeerfahrung hat - anfangs ganz allein auf das sogenannte Problempony losgelassen wird, ohne Hilfe von Erwachsenen mit Pferdekenntnissen. Das fand ich unrealistisch und vor allem sehr gefährlich!! Erst als Frau Vanderbilt ins Spiel kommt, hat Sophie jemanden, der ihr erstmal die Pferdesprache und den richtigen Umgang mit Pferden erklärt.
Sehr sehr schön fanden wir das Happy-End! :D

Der zweite Teil des Buches ist quasi das Glossar, also Begriffe, die in der Reitersprache und im Umgang mit Pferden wichtig sind. Begriffe, die in der Geschichte türkis gedruckt sind, werden hier nochmals ausführlicher erklärt, in leicht verständlicher kindgerechter Sprache und mit Beispielen untermalt.

Die Geschichte ist mit - oft ganzseitigen - färbigen Illustrationen bebildert, die Begriffserklärungen mit einfärbigen Zeichnungen.


Fazit:
Ein tolles Buch über das Erlernen der Pferdesprache und den richtigen Umgang mit Pferden - aufgeteilt in humorvolle und eindrucksvolle Geschichte und kindgerechtes Pferdewissen.

Bewertung vom 13.05.2021
Traummann gesucht. Katzen vorhanden.
Faber, Sophie

Traummann gesucht. Katzen vorhanden.


sehr gut

Eine Liebesgeschichte, ein Krimi, und viele süße Pfoten

Beatrix Vogelsang, die nur Trixie genannt wird und alleine mit drei Katern lebt, sucht für die Tierarztpraxis ihres verstorbenen Mannes, in der sie als Sprechstundenhilfe arbeitet, einen neuen Tierarzt.
Doktor Finn muss noch den richtigen Umgang mit den Haltern der Vierbeiner lernen, und Trixie glaubt, dass ihm das besser gelingt, wenn sie ihn verkuppelt. Doch was ist mit ihrem Leben und ihrer Liebe?
Und dann sind da die vielen Tiere, die aus dem Grätzel verschwinden, und ein dubioses Kaufangebot für das Haus der Tierarztpraxis...


Meine Meinung:
Der Schreibstil von Sophie Faber liest sich flüssig, schnell und unterhaltsam; und Trixie schließt man sofort in sein Herz! Auch wie sie immer mit ihrem verstorbenen Mann spricht, macht sie sympathisch, ist aber auch sehr traurig.
Auch die Nebencharaktere sind einzigartig, haben Ecken und Kanten und polarisieren und es ist sehr humorvoll und flott geschrieben. Einzig Finns Onkel Spatzbach war mir bis zum Schluss nicht ganz geheuer, doch dann hat er sich toll für die Tiere eingesetzt!
Die Geschichten um die einzelnen Patienten der Tierarztpraxis waren humorvoll und berührend.

Besonders toll fand ich, dass auch ein Kriminalfall in die Geschichte integriert ist. Man rätselt mit Trixie mit, wer und warum die vielen Tiere entführt und natürlich auch, wer so unbedingt das Haus kaufen will - das Warum dafür hat man schnell erkannt.

Mir gefiel das Happy End (in jeder Hinsicht) ausgesprochen gut, auch wenn die Szene mit der Tierrettung aus meiner Sicht leider sehr überzogen und auch nicht ganz realitätsnah war.

Betonen möchte ich noch die kleinen Katzenpfötchen, die innerhalb der Kapitel abgedruckt sind, wenn eine Szene wechselt. Diese sind nicht nur niedlich anzusehen, so kann man auch mal während eines Kapitels kurz reinlesen, wenn man nicht so viel Zeit hat, und muss nicht gleich das ganze Kapitel lesen.


Fazit:
"Katzenhaare sind die Pailletten von netten Menschen." Eine humorvolle Liebesgeschichte mit Kriminalfall, einer sympathischen Protagonistin und vielen zuckersüßen Vierbeinern!

Bewertung vom 06.05.2021
Mord auf Provenzalisch
Kent, Serena

Mord auf Provenzalisch


gut

konnte qualitativ leider nicht an Teil 1 anschließen; viele unlogische Dinge und ein zu abruptes Ende

Die Engländerin Penelope Kite, von allen nur Penny genannt, hat sich schon gut in ihrem neuen Heimatdorf Saint Merlot eingelebt und integriert.
Als sie vom Bürgermeister Laurent Millais auf eine Ausstellung mitgenommen wird, bricht der umstrittene Maler Doncaster zusammen und stirbt kurz darauf im Spital. Angeblich wurde er vergiftet.
Als kurze Zeit später ein weiterer Maler der Ausstellung, Scarpio, stirbt, ist Pennys Neugierde geweckt und ihr Ermittlergeist entfacht!


Meine Meinung:
Dies ist nach "Tod in Saint Merlot" der 2. Teil um die ausgewanderte Penny, der leider nicht an Band 1 heranreicht.
Es ist wieder humorvoll geschrieben und man trifft auf alte Bekannte, wie zB Pennys Freundin Clémence und ihre Nachbarn Pierre und dessen Verlobte Mariette.
Die wunderschönen detailgetreuen Beschreibungen der Landschaft lassen einen wieder gedanklich in die Provence reisen zu träumen beginnen!
Humorvoll sind die Darstellungen der Verhältnisse zwischen Engländern und Franzosen, was man besonders merkt, als Penny ihre Nachbarn zum Essen einlädt. Essen und Trinken nimmt wieder einen großen Stellenwert in der Geschichte ein.

Doch es gibt etliche Kritikpunkte: Den Besuch von Pennys Familie fand ich total überflüssig. Die Kinder waren einfach nur frech, die Erwachsenen haben ihnen alles durchgehen lassen und ich musste mich ständig darüber aufregen. Außerdem hatte es keinen Mehrwert für die Darstellung von Pennys Charakter oder für den Fall.
Der Fall selbst kommt lange Zeit kaum voran - erst als Pennys quirlige Freundin Frankie zu Besuch kommt, tut sich was.
Dann wird einiges nicht aufgelöst, es gibt unlogische Stellen und der Showdown ist zu übertrieben und unglaubwürdig. Nachdem der Fall sich nur ganz langsam und gemächlich entwickelt, kommt das Ende mit einer Wucht und ist ruck-zuck abgehandelt.
Auch die Auflösung ist nicht schlüssig und zufriedenstellend - man hatte nie eine Chance, auf den Täter zu kommen, da er nur kurz mal erwähnt wurde und man diese Person nie auf dem Schirm hatte. Und dass die Russenmafia mitmischt, war klischeehaft und nicht überzeugend.
Und erst in der Nachbetrachtung wurde der ganze Fall in einem Gespräch zwischen Penny, Frankie, Laurent und Clémence nochmal aufgerollt und erklärt, weil es unlogisch, verwirrend und nicht offensichtlich war.

Wenn ich Penny nicht schon vom ersten Band gekannt hätte, wäre ich von diesem hier wohl noch enttäuschter gewesen - so kann ich 3 Sterne vergeben, weil ich Penny mag, ihre Freundin Frankie und die wunderschöne Provence.


Fazit:
Ein leider nicht so überzeugender zweiter Teil um die Engländerin Penny, die nach Frankreich ausgewandert ist und immer wieder über Leichen "stolpert". Schöne Landschaftsbeschreibungen, konfuse Zusammenhänge und ein zu schnelles Ende.