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Benutzername: Petra Sch.
Wohnort: Gablitz
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Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 233 Bewertungen
Bewertung vom 13.05.2021
Traummann gesucht. Katzen vorhanden.
Faber, Sophie

Traummann gesucht. Katzen vorhanden.


sehr gut

Eine Liebesgeschichte, ein Krimi, und viele süße Pfoten

Beatrix Vogelsang, die nur Trixie genannt wird und alleine mit drei Katern lebt, sucht für die Tierarztpraxis ihres verstorbenen Mannes, in der sie als Sprechstundenhilfe arbeitet, einen neuen Tierarzt.
Doktor Finn muss noch den richtigen Umgang mit den Haltern der Vierbeiner lernen, und Trixie glaubt, dass ihm das besser gelingt, wenn sie ihn verkuppelt. Doch was ist mit ihrem Leben und ihrer Liebe?
Und dann sind da die vielen Tiere, die aus dem Grätzel verschwinden, und ein dubioses Kaufangebot für das Haus der Tierarztpraxis...


Meine Meinung:
Der Schreibstil von Sophie Faber liest sich flüssig, schnell und unterhaltsam; und Trixie schließt man sofort in sein Herz! Auch wie sie immer mit ihrem verstorbenen Mann spricht, macht sie sympathisch, ist aber auch sehr traurig.
Auch die Nebencharaktere sind einzigartig, haben Ecken und Kanten und polarisieren und es ist sehr humorvoll und flott geschrieben. Einzig Finns Onkel Spatzbach war mir bis zum Schluss nicht ganz geheuer, doch dann hat er sich toll für die Tiere eingesetzt!
Die Geschichten um die einzelnen Patienten der Tierarztpraxis waren humorvoll und berührend.

Besonders toll fand ich, dass auch ein Kriminalfall in die Geschichte integriert ist. Man rätselt mit Trixie mit, wer und warum die vielen Tiere entführt und natürlich auch, wer so unbedingt das Haus kaufen will - das Warum dafür hat man schnell erkannt.

Mir gefiel das Happy End (in jeder Hinsicht) ausgesprochen gut, auch wenn die Szene mit der Tierrettung aus meiner Sicht leider sehr überzogen und auch nicht ganz realitätsnah war.

Betonen möchte ich noch die kleinen Katzenpfötchen, die innerhalb der Kapitel abgedruckt sind, wenn eine Szene wechselt. Diese sind nicht nur niedlich anzusehen, so kann man auch mal während eines Kapitels kurz reinlesen, wenn man nicht so viel Zeit hat, und muss nicht gleich das ganze Kapitel lesen.


Fazit:
"Katzenhaare sind die Pailletten von netten Menschen." Eine humorvolle Liebesgeschichte mit Kriminalfall, einer sympathischen Protagonistin und vielen zuckersüßen Vierbeinern!

Bewertung vom 06.05.2021
Mord auf Provenzalisch
Kent, Serena

Mord auf Provenzalisch


gut

konnte qualitativ leider nicht an Teil 1 anschließen; viele unlogische Dinge und ein zu abruptes Ende

Die Engländerin Penelope Kite, von allen nur Penny genannt, hat sich schon gut in ihrem neuen Heimatdorf Saint Merlot eingelebt und integriert.
Als sie vom Bürgermeister Laurent Millais auf eine Ausstellung mitgenommen wird, bricht der umstrittene Maler Doncaster zusammen und stirbt kurz darauf im Spital. Angeblich wurde er vergiftet.
Als kurze Zeit später ein weiterer Maler der Ausstellung, Scarpio, stirbt, ist Pennys Neugierde geweckt und ihr Ermittlergeist entfacht!


Meine Meinung:
Dies ist nach "Tod in Saint Merlot" der 2. Teil um die ausgewanderte Penny, der leider nicht an Band 1 heranreicht.
Es ist wieder humorvoll geschrieben und man trifft auf alte Bekannte, wie zB Pennys Freundin Clémence und ihre Nachbarn Pierre und dessen Verlobte Mariette.
Die wunderschönen detailgetreuen Beschreibungen der Landschaft lassen einen wieder gedanklich in die Provence reisen zu träumen beginnen!
Humorvoll sind die Darstellungen der Verhältnisse zwischen Engländern und Franzosen, was man besonders merkt, als Penny ihre Nachbarn zum Essen einlädt. Essen und Trinken nimmt wieder einen großen Stellenwert in der Geschichte ein.

Doch es gibt etliche Kritikpunkte: Den Besuch von Pennys Familie fand ich total überflüssig. Die Kinder waren einfach nur frech, die Erwachsenen haben ihnen alles durchgehen lassen und ich musste mich ständig darüber aufregen. Außerdem hatte es keinen Mehrwert für die Darstellung von Pennys Charakter oder für den Fall.
Der Fall selbst kommt lange Zeit kaum voran - erst als Pennys quirlige Freundin Frankie zu Besuch kommt, tut sich was.
Dann wird einiges nicht aufgelöst, es gibt unlogische Stellen und der Showdown ist zu übertrieben und unglaubwürdig. Nachdem der Fall sich nur ganz langsam und gemächlich entwickelt, kommt das Ende mit einer Wucht und ist ruck-zuck abgehandelt.
Auch die Auflösung ist nicht schlüssig und zufriedenstellend - man hatte nie eine Chance, auf den Täter zu kommen, da er nur kurz mal erwähnt wurde und man diese Person nie auf dem Schirm hatte. Und dass die Russenmafia mitmischt, war klischeehaft und nicht überzeugend.
Und erst in der Nachbetrachtung wurde der ganze Fall in einem Gespräch zwischen Penny, Frankie, Laurent und Clémence nochmal aufgerollt und erklärt, weil es unlogisch, verwirrend und nicht offensichtlich war.

Wenn ich Penny nicht schon vom ersten Band gekannt hätte, wäre ich von diesem hier wohl noch enttäuschter gewesen - so kann ich 3 Sterne vergeben, weil ich Penny mag, ihre Freundin Frankie und die wunderschöne Provence.


Fazit:
Ein leider nicht so überzeugender zweiter Teil um die Engländerin Penny, die nach Frankreich ausgewandert ist und immer wieder über Leichen "stolpert". Schöne Landschaftsbeschreibungen, konfuse Zusammenhänge und ein zu schnelles Ende.

Bewertung vom 06.05.2021
Der Fall des Präsidenten
Elsberg, Marc

Der Fall des Präsidenten


ausgezeichnet

ein rasanter, realitätsnaher und spannender Politthriller

4,5 Sterne


Der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten, Douglas Turner, wird bei seiner Ankunft am Athener Flughafen im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) festgenommen.
Sofort bricht diplomatische Hektik aus: der amtierende US-Präsident ist im Wahlkampf und fürchtet um Wählerstimmen, die USA fürchtet um ihren Ruf als mächtigste Nation und droht mit Sanktionen, und die EU-Politiker tun nichts.
Dana Marin vom ICC hat gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen; außerdem ist ihr wichtigster Zeuge in Gefahr.


Meine Meinung:
Marc Elsberg hat mit diesem Politthriller eine Geschichte gesponnen, die so oder ähnlich tatsächlich stattfinden kann.
Es ist die Zeit nach Corona, die Welt ist gebeutelt, vor allem Griechenland. Und dann wird ausgerechnet dort ein ehemaliger US-Präsident festgenommen, der vor den ICC gestellt werden soll.
Klar ist es für die griechischen Richter nicht leicht, hier fair zu entscheiden, denn die USA droht mit Sanktionen (bzw. sie droht nicht nur), und Griechenland geht es wirtschaftlich sowieso schlecht. Also was tun, wie entscheiden?

Es kommt von Anfang an Spannung auf, obwohl ja eigentlich nicht soo viel passiert. Aber Elsbergs Schreibstil ist so mitreißend, und die Thematik so aktuell, dass man nur so durch das Buch fliegt.
Die Gerichtsszenen sind zwar teilweise etwas lang, aber total interessant. Man erfährt als Leser viel darüber, wie solche Verhandlungen ablaufen und v.a., mit welchen fiesen Tricks gekämpft wird. Und die USA sind ja Meister in Manipulieren, Drohen und Fälschen.
Somit ist man immer am Mitfiebern mit Dana, denn die Verteidiger nutzten alles aus, um den Ex-Präsidenten frei zu bekommen. Es tauchen etliche Artikel und Fotos auf, die gefälscht wurden. Zum Glück kann Dana das mit Hilfe ihrer neuen Freunde aufdecken.
Und dann ist da auch noch das geheime Befreiungsteam, das Turner rausholen soll.

Das Verhalten des Zeugen fand ich toll; trotz Einschüchterungstaktik bleibt er bei seinem Standpunkt. Hier sieht man, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfen, auch wenn es schier aussichtslos ist.

Es gibt natürlich auch einige Kritikpunkte: der glückliche Zufall, dass Danas neue Freunde sich mit Technik derart gut auskennen, um Fake Videos der USA zu überführen und die neueste Drohnentechnik haben sowie ein der actionreiche und für meinen Geschmack leider etwas zu übertriebene Showdown. Und ein bisschen mehr Infos zum Ausgang am Schluss hätte ich mir auch gewünscht.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt, teilweise fassungslos zurückgelassen und v.a. zum Nachdenken angeregt: kann es einen fairen "Krieg gegen den Terror" geben? Ist ein Staatsoberhaupt dabei zu allem berechtigt? Darf es ungeschoren davonkommen, wenn wissentliche zigtausende zivile Menschenleben geopfert wurden?
Und wie viel Fake News gibt es? Was richten diese an? Und für "Normalsterbliche" ist es kam möglich, diese zu enttarnen.
Erschaudernd fand ich die Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen, und dass Menschen aus Angst (auch aufgrund oben genannter Fake News) panisch werden und Hamsterkäufe tätigen.

Marc Elsberg hat in diesem Thriller viele aktuelle Themen verpackt: Politik, Patriotismus, Gerechtigkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, diplomatische Immunität, Whistleblower, Fake News, und die Überlegenheit des mächtigsten Staates der Welt.


Fazit:
Ein rasanter, realitätsnaher und spannender Polit-Thriller, der sehr zum Denken anregt: über das Verhalten der USA, jenes der EU, über diplomatische Immunität von Staatsoberhäuptern und über Fake News.

Bewertung vom 06.05.2021
Sylt auf unserer Haut
Thesenfitz, Claudia

Sylt auf unserer Haut


gut

Beziehungskrise auf Sylt


Maja und ihr Ehemann Robert verbringen wie jedes Jahr ihren Sommerurlaub auf Sylt.
Doch diesmal ist auch Roberts verhasster Arbeitskollege Bernd und dessen Freundin Karin mit dabei. Robert ist davon genervt, denn er will einfach nur seine Ruhe. Doch Maja bekommt endlich wieder Freude durch das Paar in ihr Leben - und es daraus entwickelt sich eine Anziehungskraft zu Bernd und zwischen den beiden knistert es heftig...


Meine Meinung:
Der Schreibstil ist einfach und schnell zu lesen und abwechselnd aus Sicht von Maja und Robert. Der Beginn war auch wirklich vielversprechend: Urlaub auf einer schönen Insel; der nervige Arbeitskollege; der grummelige Ehemann, der besänftigt werden muss waren humorvoll zu lesen.
Doch dann entwickelt sich das Ganze immer mehr zu einer Ehe-Tragödie. Der muffige Ehemann beginnt einen zu nerven, weil er wirklich ständig nur schlecht drauf ist und ihm alles auf die Nerven geht. Man kann Maja zwar verstehen, dass die Liebe und Anziehung aus dieser Ehe raus ist, denn Robert will, dass alles nach seinem Willen geht; er findet es selbstverständlich, dass seine Frau auch im Urlaub kochen muss; macht mit ihr hingegen keine Ausflüge, weil er sich "entspannen" will. Auch für sein berufliches Vorwärtskommen muss Maja herhalten und körperlich anziehend findet er sie schon lange nicht mehr, weil sie ein paar Kilos zugenommen hat.
Authentisch waren Majas Überlegungen über den - ihren - Sinn des Lebens. Die Kinder sind aus dem Haus, der Hund als Ersatz wird vom Gatten - natürlich - nicht gutgeheißen... Klar grübelt man über sein Leben nach, noch dazu wenn man nicht glücklich in seiner Beziehung ist.
Doch Majas Verhalten mit der heimlichen Affäre ist nicht schön. Und ich mochte nicht, dass sie nicht mit Robert gesprochen hat: über ihr Leben, ihre Wünsche, ihre Unzufriedenheit. Und ihre Überlegungen, dass sie doch mit Robert zusammen sein "muss", weil sie doch so lange verheiratet sind, rühren nur von ihrem schlechten Gewissen her. Auch das "Happy-End" war für mich ein bisschen erzwungen.

Schön waren die Beschreibungen von Sylt - ich war noch nie dort und habe mich dort wohlgefühlt und Lust auf Urlaub bekommen.


Fazit:
Beginnt amüsant, ist aber leider kein Glücksroman und ich war vom Verhalten der Protagonisten enttäuscht. Dafür wird Sylt toll beschrieben!

Bewertung vom 04.05.2021
Der Donnerstagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1
Osman, Richard

Der Donnerstagsmordclub / Die Mordclub-Serie Bd.1


ausgezeichnet

rüstige Senioren auf amüsanter Mörderjagd

Die ehemaligen Krankenschwester Joyce wird 1,5 Jahre nach ihrem Einzug in der exklusiven Seniorenresidenz "Coopers Chase" Mitglied des Donnerstagsmordclubs, als deren Vorsitzende Elizabeth, früher Geheimagentin, ihre Hilfe in einem Cold Case braucht. Die Aufklärung von ungelösten Kriminalfällen ist nämlich die Aufgabe des Clubs, der sich immer Donnerstags trifft und dem auch noch der Psychiater Ibrahim und der ehemalige Gewerkschafter Ron angehören.
Doch dann wird der Bauunternehmer des Seniorenheims tot aufgefunden und wenig später fällt der Eigentümer von Coopers Chase, Ian Ventham, nach einem Streik tot um - nun hat der Donnerstagsmordclub einen aktuellen Mordfall zu lösen!


Meine Meinung:
"Der Donnerstagsmordclub" ist das Debüt von Richard Osman, welches ihm ausdrücklich gut gelungen ist!
Die Geschichte hat eine tolle Mischung aus britischem Charme, humorvollen Sprüchen und einem Whodunnit-Krimi, bei dem der Leser toll miträtseln kann.
Die Geschichte ist in Tagebucheinträge von Joyce und einem berichtenden Erzähler unterteilt. Somit weiß der Leser oft mehr als die Mitglieder des Donnerstagsmordclub, aber eben auch nicht alles.
Die alten Leutchen dieses Clubs sind einfach humorig, bzw. sind es Joyces Tagebucheinträge. Man muss oft schmunzeln bzw. sogar auflachen über deren Naivität. Vor allem auch, wenn sie viele Dinge erst einmal herausfinden müssen für ihre Ermittlungsarbeit, zB was ein Fitnesstracker ist. Doch der Verstand ist noch fit, sie besitzen Scharfsinn und sie kombinieren hervorragend (v.a. Elizabeth, was auch mit ihrer beruflichen Vergangenheit zu tun hat).
Die einzelnen Charaktereigenschaften von Joyce, Elizabeth, Ibrahim und Ron sind detailliert ausgearbeitet und alle vier sind sympathisch. Es ist amüsant, wie sie ihr Alter und ihre vorgeblichen Gebrechen ausnutzen, um Vorteile herauszuschlagen.
Sehr liebevoll und rührend fand ich Elizabeth, als sie immer ihre alte Freundin Penny, eine ehemalige Polizistin, in dem dem Seniorenheim angeschlossenen Pflegeheim besucht. Penny war immer ein wichtiges Mitglied des Donnerstagsmordclub und hat die Fälle gebracht, in denen ermittelt wurde.
Auch die Polizisten Donna De Freitas und ihr Chef Chris Hudson (der erst durch das Eingreifen des Donnerstagsmordclub ihr Chef wurde) werden liebenswürdig, die Polizeiarbeit glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt. Sehr witzig ist hier, wie sich das Quartett immer einmischt, der Polizei Tipps gibt und natürlich auch gegen deren Willen selbständig ermittelt.
Der Fall selbst ist komplex, man ist als Leser erstaunt über die falschen Fährten, wie viele Details zusammenhängen, wie einzelne Fäden verwebt werden und wie alles aufgelöst wird.


Fazit:
Unterhaltsamer Krimi mit britischem Humor, in dem rüstige Senioren auf Verbrecherjagd gehen. Warmherzig, authentisch, mitreißend - einfach nur toll! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Bewertung vom 28.04.2021
Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde ... / Das ungeheimste Tagebuch der Welt! Bd.1
Fröhlich, Anja;Krause, Patrick

Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde ... / Das ungeheimste Tagebuch der Welt! Bd.1


sehr gut

Tagebücher im Comic-Stil über das Leben von zwei Patchwork-Geschwistern

Karlines Stiefbruder Paul, der später mal ein berühmter DJ werden will, ist sitzengeblieben und geht nun mit ihr in eine Klasse.
Und das schlimmste ist: er wurde zum Klassensprecher gewählt?!? Obwohl doch SIE Klassensprecherin werden wollte und die (Um-)Welt verbessern!
Als Karline eines Tages Pauls geheimes Tagebuch (das er Logbuch nennt) entdeckt, fotografiert sie seine Einträge, klebt sie in ihr eigenes Tagebuch dazu und plant heimlich einen Rachefeldzug...


Meine Meinung:
"Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde" ist der erste Teil der Ungeheimsten-Tagebuch-Reihe.
Die Idee ist außergewöhnlich: ein Tagebuch-im-Tagebuch im Comic-Stil von zwei Patchwork-Geschwistern, in das ich aber erstmal reinkommen musste. Somit bekommt man als Leser von beiden Kindern die Gedanken und Gefühle nähergebracht und kann mit beiden mitfühlen.
Da sich Karline und Paul nicht soo besonders gut leiden können und Paul Karline jetzt auch noch den Klassensprecher-Job weggeschnappt hat, worauf sie sich endlich reale Chancen ausgerechnet hatte und den er eigentlich gar nicht wollte und nur durch Zufall bekommen hat, plant Karline ihre Rache an ihm. Da sie jeden seiner Gedanken und Schritte kennt, kann sie natürlich dementsprechend planen.
Es ist lustig und chaotisch, auch wenn ich einiges übertrieben fand.
Die Probleme von Patchwork-Kindern werden hier humorvoll aufgearbeitet und auch Familie, Scheidung, Freunde, Schule und vor allem Klima-/Umweltschutz sind zentrale Themen.
Leider ist die Geschichte für mich nicht so ganz abgeschlossen (werden Karline und Paul sich jemals gut verstehen?), was natürlich neugierig auf die Fortsetzung macht.

Wörter in verschiedenen Schriftarten und die vielen schwarz-weiß-Illustrationen peppen den Tagebuch-Comic-Roman nochmal auf, denn sie sind sehr witzig und passen zu den jeweiligen Situationen.
Dadurch denke ich, werden auch Lesemuffel zum Lesen angeregt.


Fazit:
Ein humorvoller Comic-Roman im Tagebuch-Stil mit vielen witzigen Illustrationen.

Bewertung vom 25.04.2021
Von riesengroß bis klitzeklein
Klee , Julia

Von riesengroß bis klitzeklein


sehr gut

ein Zoom-Bilderbuch, das zum Nachdenken anregt.

Unter einem Zoom-Bilderbuch konnte ich mir erstmal gar nichts vorstellen, muss aber sagen, dass dieses Konzept außergewöhnlich und spannend ist.
Es beginnt auf der ersten Doppelseite mit einem Schmetterling auf einer Blumenwiese, der beim Umblättern plötzlich kleiner erscheint, da er neben einer Kuh ist. Auf der nächsten Seite erkennt man, dass dieses Bild sich auf einer Milchpackung befindet, welche wiederum im Meer treibt usw.
Somit zoomt man quasi nach und nach aus einem Bild hinaus und erkennt immer mehr Details. Spannend und interessant.
Und man bekommt einen ganz anderen Blickwinkel auf die Frage: Ist etwas groß? Oder doch eher klein?

Vor allem hat das Buch auch einen tieferen Sinn, denn am Ende sieht man Jugendliche auf einer Demo "Rettet unser Klima", was auf den aktuellen Klimawandel und die Umweltverschmutzung hinweisen und nachdenklich machen soll. Und wie klein wir Menschen im Vergleich zu unserem Planeten sind, auf den wir mehr achten sollen.
Leider gab es kaum Text in dem Buch, diesbezüglich hätte man etwas mehr machen können.


Fazit:
Zum Nachdenken anregendes, wunderschön illustriertes Bilderbuch mit Zoom-Effekt.

Bewertung vom 25.04.2021
Wo wir Kinder waren
Naumann, Kati

Wo wir Kinder waren


ausgezeichnet

Eine fesselnde Familiengeschichte zur Zeit der Spielzeugmanufakturen

4,5 Sterne


Kurz zum Inhalt:
Spielzeugstadt Sonneberg. Eva, Jan und Iris haben die ehemalige Fabrik des Spielzeugfabrikanten Albert Langbein geerbt. Die Manufaktur hat beide Kriege überlebt und sogar die Verstaatlichung nach der Gründung der DDR. Doch nach der Wiedervereinigung ging das Unternehmen pleite und somit ist nun eigentlich nichts mehr da, das vererbt werden könnte, jedoch eine große, zerstrittene Erbengemeinschaft.
Als Jan beginnt, das Stammhaus zu räumen, hilft ihm seine Cousine Eva. Und auch die andere Cousine Iris kommt aus dem Westen, um zu helfen.
Beim Ausräumen entdecken sie viele Erinnerungsstücke, Erinnerungen an die Vergangenheit kommen hoch, und die drei kommen sich nach und nach wieder näher.


Meine Meinung:
Der Schreibstil von Kati Naumann ist ruhig aber beeindruckend; die Schicksale der Familie, die sich aufgeteilt und zerstritten hat, ist mitreißend.
Die Geschichte erzählt abwechselnd über die Puppenmanufaktur Langbein in den Jahren 1910 bis 1978 und in der Gegenwart, als Eva, Iris und Jan das Stammhaus ausräumen.
In der Vergangenheit erfährt man alles über die Familie, die Schicksale der Personen und natürlich der Puppenmanufaktur. Interessant und lehrreich fand ich, dass man als Leser spannende Einblicke in die damalige Spielzeugherstellung bekommt.
Und natürlich die Geschichte Deutschlands, die großen Einfluss auf die Entwicklung der Fabrik hat. Man ist so erschüttert, als Otto Langbein alles tut, um die Fabrik in Familienbesitz halten zu können, als alles verstaatlicht wurde, nur damit sie nach der Wiedervereinigung dennoch pleite geht.
In der Gegenwart fiebert man mit Iris, Eva und Jan mit, ob sie die Vorlage einer berühmten Puppe, die nach ihrer Großmutter gefertigt wurde, finden und ob si die Streitereien der Erbengemeinschaft beilegen können. Wie es dazu kam, dass Iris im Westen aufwuchs, war auch sehr aufwühlend zu verfolgen.
Auch das Ende und wie sich alles auflöst, hat mir gefallen und mich berührt.

Charmant fand ich den New Yorker Sicherheitsfüllfederhalter, der sich als roter Faden durch die Vergangenheit zieht, und der für die männlichen Langbeins von großer emotionaler Bedeutung war.
Sehr hilfreich ist der Stammbaum der Familie Langbein im Buchdeckel.
Schön fand ich, dass das Hotel Waldeshöh' aus Kati Naumanns vorigem Roman "Was uns erinnern lässt" auch in einer Szene vorkommt. Das ließ mich wieder an ihr anderes bezauberndes Buch erinnern, das ich auch sehr empfehlen kann.


Fazit:
Mitreißende, gefühlvolle und berührende Familiengeschichte und Erinnerungen an ein fast vergessenes Handwerk.

Bewertung vom 20.04.2021
GIRL A
Dean, Abigail

GIRL A


sehr gut

deprimierend, düster, traurig: eine Familien-Tragödie

Kurz zum Inhalt:
Als Alexandra Gracie 15 Jahre alt ist, kann sie aus ihrem Elternhaus fliehen, wo alle sieben Geschwister, vor Schmutz starrend, mit Ketten an ihren Betten festgebunden und kurz vor dem Verhungern sind.
15 Jahre später wird Lex wieder damit konfrontiert, als ihre Mutter im Gefängnis stirbt und sie als Testamentsvollstreckerin beauftragt wird: vererbt werden 20.000 Pfund und das Elternhaus, in dem sie die Horrorjahre verbracht hat. All die schrecklichen Gefühle kommen wieder ans Tageslicht: der Hunger, die Langeweile, die Angst - und ihre Identität als "Girl A" - das Mädchen, das dem Horrorhaus entkam.


Meine Meinung:
Dieses Debüt von Abigail Dean hat es in sich: es ist deprimierend, traurig, düster, melancholisch, aufwühlend, psychologisch erschütternd: alle Worte, die Schreckliches ausdrücken, sind in dieser Geschichte vereint. Und doch kann man nicht "wegschauen", man ist so gefesselt von dieser Tragödie, und man muss unbedingt wissen, wie es für Lex ausgeht. Ein Psychogramm eines verkorksten Familien-Lebens und eine Studie darüber, wenn man in einer abstrakten Weise an Gott glaubt.

Erzählt wird in ich-Form aus Sicht von Lex, womit man noch tiefer in ihre Gedanken und Gefühlswelt eintauchen kann. Es ist wie ein "Erlebnisbericht", Lex erzählt den Lesern unaufgeregt und nüchtern aus ihrem Leben. Man fühlt mit ihr mit, ist traurig, könnte sie manchmal schütteln und fragt sich: wie können Menschen - Eltern!! - nur so sein? Und warum haben die Kinder nicht schon früher dagegen rebelliert? Warum hat ihnen keiner geholfen - v.a. die Schwester der Mutter? Leider kommt es viel zu oft vor, dass die Umwelt "die Augen verschließt".

Die Kapitel sind in die Geschwister eingeteilt, Lex ist Girl A, Ethan Boy A, Delilah Girl B usw. Man lernt auf diese Weise alle Geschwister in der Gegenwart und der Vergangenheit kennen, die von den Eltern damals unterschiedlich behandelt wurden. Ethan bekam von Vater einige Vergünstigungen, da er sich am meisten auf dessen Erwartungen eingelassen hat. Evie ist Lex' Bezugsperson, denn mit ihr hat sie sich ein Zimmer, und eine Zeit lang sogar ein Bett geteilt. Deshalb erfährt man von allen Geschwistern von Evie am meisten.

Was für mich leider nicht ganz so geglückt war, waren die Zeitensprünge. Denn immer wieder gibt es zwischen aktuellem Geschehen Rückblenden in die Vergangenheit zu unterschiedlichen Zeitpunkten, was ich oft nicht auseinanderhalten bzw. richtig zuordnen konnte und viele Geschehnisse wurden nicht vollständig dargestellt. Deshalb kann man sich als Leser erst am Schluss ein ein komplettes Bild machen.
Das Ende birgt eine Überraschung, für mich war es zumindest eine. Und Lex' weiteres Schicksal bleibt offen. Man wünscht ihr nur das Beste.

Diese Zitate bringen das Leiden der Kinder auf auf einen Punkt: "Hunger war so eine lästige Qual: Der Gedanke an Essen legte sich über die Worte der Bibel, bis ich sie nicht mehr lesen konnte." "Ach Lex, denkst du wirklich, ich hätte dieses Zimmer je verlassen?"


Fazit:
Aufwühlendes, emotionales und erschütterndes Familien-Drama in einer unaufgeregten Erzählweise.

Bewertung vom 15.04.2021
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
Schröder, Alena

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid


sehr gut

fesselnder und ergreifender Debütroman über 4 Generationen Frauen; eine bedrückende Vergangenheit und verschollene Bilder

Kurz zum Inhalt:
Die einzige Verwandte der 27-jährigen Hannah aus Berlin ist ihre Großmutter Evelyn, die mit fast 100 Jahren nur noch auf das Ende wartet.
Doch eines Tages erhält Evelyn ein Schreiben einer Anwaltskanzlei aus Israel, in dem Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstschatzes genannt wird.
Evelyn will damit jedoch nichts zu tun haben und auch nicht über die Vergangenheit sprechen, und so macht sich Hannah auf die Suche nach ihrer jüdischen Familie, von der sie bisher nichts wusste. Dabei erhält sie ungewollte Hilfe.


Meine Meinung:
Die unaufgeregte Schreibweise der Autorin und die zwei Erzählstränge machen dieses Buch besonders.
Ich mag Bücher mit Zeiten- und Perspektivenwechsel, und hier liest man abwechselnd in der Gegenwart aus Sicht von Hannah, und in der Vergangenheit, die die Jahre von 1926 bis 1950 umfasst.
Nach und nach laufen die beiden Stränge zusammen und für den Leser fügen sich peu à peu alle Puzzleteile zu einem Ganzen.
Man muss jedoch sagen, dass die Vergangenheit unfassbar fesselnd ist, was der Autorin bei der Gegenwart leider nicht so ganz geglückt ist. Nichts desto trotz war das Buch in seiner Gesamtkomposition ein Lesegenuss.

Die Charaktere polarisieren: die beiden Hauptfiguren Hannah und Evelyn waren mir nicht sehr sympathisch, aber das Geschehen drumherum und die schwierigen Mütter-Töchter-Beziehungen waren einfach nur bewegend. Die vier Frauen dieser Familie teilen ähnliche Schicksale. Und wieder mal hätte man vieles verhindern können, wenn die Familienangehörigen einfach nur miteinander geredet hätten; so traurig.
Andererseits gibt es viele tolle und empathische Figuren, wie zB der alte Itzig Goldmann und Jörg Sudmann, der Hannah bei ihrer Suche helfen will und der von einem nervigen Menschen zu einem wundervollen Freund wird.
Die Entwicklung der Charaktere sowie die bedrückende Darstellung der NS-Zeit sind stimmig und werden eindringlich, jedoch ohne bewertende Untertöne dargestellt. Die beklemmende Vergangenheit weckt viele Emotionen und man bangt um die Schicksale.
Es gab jedoch leider eine Szene, die für meinen Geschmack (und gerade für mich als Mutter) mehr als unnötig war. Grauenvoll, bedrückend und ohne Mehrwert für den Weitergang der Geschichte oder die Entwicklung der Personen. Das fand ich sehr schade.

Toll ist natürlich der direkte Bezug zum Titel, da eins der verschollenen Bilder von Senta, Evelyns leiblicher Mutter, aus dem Gedächtnis so beschrieben wurde: "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid".
Dieses Bild ist das wichtigste unauffindbare Bild, als Leser erfährt man in der Vergangenheit zu großen Teilen, was damit passiert, jedoch Evelyn, für die es gedacht ist, wird es von ihrer Tante Trude verschwiegen, bis es zu spät ist.
Den Einblick in die Provenienzforschung fand ich spannend und interessant.
Das Ende ist einerseits gelungen, da es authentisch ist und alles andere unglaubwürdig und kitschig gewesen wäre, und sich Hannah mit Evelyn und ihrer Vergangenheit ausgesöhnt hat. Trotzdem hätte ich mir ein bisschen mehr Informationen gewünscht, und auch, wie es mit Hannahs neuer Zukunft weitergeht.


Fazit:
Ein bedrückender und ergreifender Roman über 4 Generationen von Frauen mit Geheimnissen und einem ähnlichen Schicksal; und die Auseinandersetzung mit einer schlimmen Vergangenheit.