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Christina P.
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Hamburg

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Insgesamt 1153 Bewertungen
Bewertung vom 16.11.2025
El-Bahay, Akram

Ein Weg aus Tinte und Magie / Die Buchreisenden Bd.1


sehr gut

Achtung: Versteckte Kosten des Buchreisens werden hier offengelegt
Adam möchte endlich beweisen, dass er bereit ist, selbstständig Reisende durch die Buchwelten zu führen, ein exklusiver Service der Londoner Buchhandlung Libronautic Inc., für welche Adam tätig ist. Deswegen ist er alles andere als begeistert, als sein aktueller Gast den in der Handlung des Romans vorgesehenen Pfad verlässt und dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch Adam in Gefahr bringt. Kurz darauf verhält sich die nächste Person während einer magischen Buchreise verdächtig auffällig. Und jedesmal erscheint eine Tür, die definitiv nicht zur Handlung des zugehörigen Romans gehört.
Die Idee, direkt in ein Buch hineinreisen zu können, hat seinen gewissen Reiz, deswegen sind die von Libronatic Inc. angebotenen Buchreisen trotz des hohen Preises ziemlich gefragt. Einige Einschränkungen und Bedingungen gibt es, ebenso sind die Regeln dieser Reisen sehr verständlich erklärt, genauso wie die Folgen, sollte man sich nicht daran halten. Da Adam seinen Job gut macht habe ich mich wie Adam selbst gewundert, dass er stets einen Kollegen zur Seite bekommt. Was es damit auf sich haben könnte offenbart sich wie einige weitere nicht so schöne Geheimnisse rund um Libronatic Inc. von Kapitel zu Kapitel. Dabei verschiebt sich der Fokus von den Buchreisen ein wenig weg zu weiteren Abenteuern, welche Adam mit Charakteren erlebt, deren Vertrauen er zunächst gewinnen muss. Und es stellt sich heraus, dass dieses magische Buchreisen nicht nur einen hohen Preis von den Kunden fordert, sondern dass auch andere einen ungewollten Preis zahlen müssen.
Der Roman bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus Spannung und Geheimnissen, welche sich Adam nach und nach offenbaren und sein Heile-Welt-Bild seiner bisherigen Familie der Buchreisenden gewaltig ins Wanken bringt. An einigen Stellen hätte ich mir ein etwas schnelleres Voranschreiten der Handlung gewünscht, insbesondere zu Beginn, ebenso bleiben zum Ende von Band 1 viele Fragen offen. Dafür gilt es so manche Überraschungen zu entdecken, die neugierig auf den zweiten Band der Dilogie machen. Auch der Schreibstil ist angenehm bildhaft und macht es einfach, die Szenen miterleben zu können.

Bewertung vom 02.11.2025
Priest

Guardian 2. Gesandter der Unterwelt / Zhen Hun Bd.2


ausgezeichnet

Danmei-Abenteuer im modernen China mit mystischen Vibes
Zwei der vier verschollenen Heiligtümer der Unterwelt sind im ersten Band bereits wieder aufgetaucht, im zweiten Band der Trilogie geht es um das dritte Artefakt, den Verdienstpinsel. Diesen gilt es zu finden, bevor er in die falschen Hände gerät.
Der sexy und erfrischend unkonventionelle Leiter der Abteilung für Sonderermittlungen Zhao Yunlan hat auch diesmal wieder als Ermittler sowie als Seelenwächter des Seelenschutzordens alle Hände voll zu tun. Zwischen ihm und Shen Wei, dem Professor der Uni in Drachenstadt, entsteht nicht nur beruflich eine immer stärkere Bindung, auch privat kommen sie sich deutlich näher. Wurden im ersten Band bereits Andeutungen zu den Hintergründen von Shen Wei gemacht erfährt man diesmal in einem spannenden Rückblick durch Zeit und Mythologie, wie es einst zu der unsterblichen Liebe zwischen den beiden Männern kam und was es mit den vier Heiligtümern sowie dem sarkastischen Kater namens Daqing (gesprochen: da tsching) auf sich hat. Und es gibt erneut Andeutungen, dass mehr in dem jungen, soziophoben Guo Changcheng stecken könnte, der seit kurzem für Zhao Yunlan arbeitet.
Eine so faszinierende Story auf mehreren Ebenen, sowohl in der heutigen Zeit als Urban Fantasy mit leichten Gothic-Anklängen, als prickelnde Romance zwischen den beiden Männern als auch in den mythologischen Rückblicken. Ausreichend Abwechslung bieten zudem die Charaktere rund um Zhao Yunlan, hier ist wieder ein magischer Kollege dabei, dessen Hintergründe etwas eingehender beleuchtet werden. Überzeugend sind auch diesmal wieder die wunderschönen s/w-Illustrationen, die stilistisch zum Cover passen.
Guardian ist eine Danmei Light Novel, also ein chinesicher Roman mit Boys-Love, und spielt in diesem Fall in unserer Welt, also quasi vergleichbar mit Urban Fantasy. Zu einigen kulturellen bzw. mythologischen Besonderheiten gibt es ein Glossar, ebenso wie eine Übersicht zur Aussprache der Hauptcharaktere. Zum besseren Verständnis sollte man zuvor den ersten Band gelesen haben.

Bewertung vom 02.11.2025
Robrahn, Mikkel

Eternity Online Bd.3


ausgezeichnet

Abenteuerliches Finale der Trilogie
Aussergewöhnliche Umstände hatten Rob, den künstlichen Charakter in der digitalen Welt Avataris, von seinen Freunden getrennt. Doch nun kehrt er zurück, frisch von den Gottheiten trainiert und mit dem Ziel, Avataris zu retten, bevor ein Bug in Gestalt eines Lava-Wurms namens Maganak diese digitale Welt zerstört. Oder die neuen Besitzer des Spieles in der Realwelt ihm zuvorkommen. Unerwartete Hilfe bekommen sie diesmal von einem Charakter, den Rob noch aus seiner Zeit als Avataris-Newbie kennt. Und unnötigen Gegenwind von alten und neuen Bekannten.
Diesmal sind Rob und seine Freunde gefühlt ständig in Bewegung und treffen unterwegs auf verschiedene Charaktere, wodurch der dritte Band wieder stärkeren Abenteuer-Charakter entwickelt. Ein Highlight ist auch die Hauptstadt der Squans, dem Volk, das wie übergroße Meerschweinchen aussieht. Und mit Orwin und Marten zieht auch der Humor an den richtigen Stellen ein. Durch die unterschiedlichen Handlungen, die sich wiederholt überschneiden und ergänzen, bietet Band 3 einen gelungenen Abschluss der Trilogie, der mich auf voller Länge überzeugen konnte. Nicht zu vergessen: es gibt cat content.

Bewertung vom 02.11.2025
Robrahn, Mikkel

Eternity Online Bd.2


sehr gut

Ein Leben ohne Tod nach dem Tod
Das Abenteuer in Avataris geht weiter. Der künstlichen Welt, in der man nach seinem Tod wie in einem Videospiel als Held Quests besteht, Loot aufsammelt und bei einer Niederlage einfach wiederaufersteht. Rob und seine Freunde werden weiterhin als Feinde des Systems gejagt, da ihnen die Künstlichkeit dieser Welt bewusst ist. Das neue Ziel der Machtinhaber ist es, eine Arena zu bauen, um die Kämpfe gegen den Feind fortan dorthin zu verlagern. Natürlich nicht ohne Hintergedanken.
Man muss kein Profigamer sein oder Rollenspiele spielen, um diese Trilogie zu mögen. Der Spaß an Fantasy gepaart mit ein wenig Dystopie reicht vollkommen. Da der Truppe um Marten, dem Kampfmeerschweinchen-artige Squan mit der großen Klappe, und Ethan, den Bärenmenschen mit der großen Stärke, ein Mitglied fehlt, wird diesmal ein neuer Charakter aufgenommen, der zwar sehr hilfreiche Fähigkeiten besitzt, jedoch auf seine Art ziemlich aus der Rolle fällt. Was nicht selten für humorvolle Abwechslung sorgt. Für meinen Geschmack ein sehr gelungener Einfall.
Zwischendurch hing der Spannungsbogen für mich ein wenig durch, insgesamt hat es die Trilogie auf unterhaltsame Weise vorangebracht. Vor allem, da sowohl neue Charaktere als auch weitere Hintergründe ins Spiel kommen. Es bleibt spannend.

Bewertung vom 02.11.2025
Ohlsson, Kristina

Flammenrad / Gänsehaut in Hovenäset Bd.1


ausgezeichnet

Gruselige Bedrohung zieht ins Dorf ein
Flammenrad ist ein Buch mit gelungenen Gruselelementen. Heidi und ihre Freunde leben in einem kleinen schwedischen Dorf fernab jeglichen Großstadttrubels. Nach einigen Handwerksarbeiten im Haus bemerkt Heidi nachts seltsame Geräusche, als würde etwas oder jemand versuchen, in ihr Zimmer zu gelangen. Auch die Gegenstände, welche durch die Bauarbeiten unter ihrem Fußboden gefunden wurden, sind äusserst rätselhaft. Zur gleichen Zeit kommt ein Riesenrad-Betreiber in den Ort und stellt sein Riesenrad auf dem örtlichen Campingplatz auf. Heidis Oma warnt eindringlich vor dem Rad, dies sei gefährlich. Durch ihre fortschreitende Demenz wird sie jedoch nicht ernst genommen. Bis die Kinder den Zusammenhang zwischen dem Riesenrad und dem nächtlichen Spuk erkennen ist es fast schon zu spät.
Ich fand vor allem die nächtlichen Szenen sehr gelungen, in denen Heidi sich jedesmal ganz sicher ist, dass da jemand ist, nur um von ihrem Vater gesagt zu bekommen das sei alles Einbildung gewesen. Die Nachforschungen gemeinsam mit ihren beiden Freunden gestalten sich ebenfalls als spannend gestaltet, die schockierenden Hintergründe kommen nach und nach ans Licht.
Eine kleine Kritik habe ich zum anfänglichen Aufhänger, wo mir viel zu lange die Geldsorgen der Erwachsenen breitgetreten werden. Für Kinder ein langweiliges, schlimmstenfalls triggerndes Thema, wenn die Eltern kein Geld auf dem Konto haben. Auch die demente Oma, da muss ich sagen fand ich es ziemlich fragwürdig, einem Kind aufzubürden, sich alleine um die Oma zu kümmern. Ohne diese Kritikpunkte wäre es der perfekte Kindergruselroman, der latente Horror, der da in den Ort zieht, ist angenehm spürbar beim Lesen. Somit gebe ich dem Buch wohlverdiente 4,5/5 Punkte.

Bewertung vom 02.11.2025
Suchanek, Andreas

Magic Island - Zauber des Vergessens (Magic Island, Bd. 2)


ausgezeichnet

Gefährliche Abenteuer, um einen bösen Zauber zu brechen
Der zweite Band lässt die vier Jugendlichen und ihre Seelentiere diesmal mehrere aufregende Abenteuer erleben, die es in sich haben. Julian wurde mit dem Zauber des Vergessens belegt, nur Aiko, Kiano und Lani sowie die Hüterin Aliera der magischen Insel Elenum können sich zunächst noch an ihn erinnern. Freunde, Eltern, für alle anderen ist er plötzlich ein Fremder. Diesen Zauber zu brechen ist schwierig, doch nicht unmöglich. Eine Herausforderung, welcher die Freunde sich stellen wollen.
Durch den Vergessenszauber beginnt der zweite Band sehr emotional, Julian fühlt sich komplett allein. Bis seine neuen Freunde hinzukommen. Diesmal sind das Teamwork und der Zusammenhalt zwischen den Jugendlichen deutlich stärker spürbar, es gibt mehrere Abenteuer und Erkenntnisse und dennoch scheint die gegnerische Seite ihnen stets einen Schritt voraus. Was es umso spannender macht.
Mir hat Band zwei richtig Spaß gemacht, durch die verschiedenen Abenteuer, den Zusammenhalt der Jugendlichen und die emotionalen Momente wirkt es in sich stimmiger als Band 1, wobei der Humor auch diesmal nicht zu kurz kommt. Auch die Ideen und Überraschungen, welche sich in Band 2 verbergen, sind nicht ohne. Einige Abenteuer spielen auf der magischen Insel, einige in der regulären Welt, wo die Jugendlichen ihre Magie sowie ihre Seelentiere verborgen halten müssen. Dieser Mix sowie ein nicht zu unterschätzender Gegner machen die Reihe spätestens jetzt zu einem gelungenen Pageturner für junge Lesende ab 11 sowie alle Junggebliebenen.

Bewertung vom 12.10.2025
Dabos, Christelle

Die Spur der Vertrauten


gut

Zäh erzähltes Geheimnis um das Du inmitten des Wir
Claire lebt in einer Gesellschaft, die durch ein kollektives Wir-Bewusstsein gesteuert wird. Dadurch erhält jede Person eine Aufgabe, welche sie instinktiv bei Bedarf ausführen muss. Ein Prinzip, durch welches die Gesellschaft auf den ersten Blick perfekt funktioniert, denn für jede anfallende Aufgabe gibt es eine Person mit dem benötigten Instinkt, die diese Tätigkeit ausführt, ohne etwas zu hinterfragen. So gibt es Personen, die laufend Ideen zu Papier bringen, die Recht sprechen, Dinge reparieren, heilen oder mit Begeisterung die Straßen fegen. Claire gehört zur Gruppe der Vertrauten, erkennbar an dem Mal auf ihrer Stirn. Die meiste Zeit läuft sie mit Walkman herum und hört Musik in voller Lautstärke, um die Welt um sich herum akustisch auszublenden. Goliaths Instinkt sorgt dafür, dass er andere beschützen muss, sobald diese innerhalb seines Erkennungsradius in Gefahr geraten. Zusammen versuchen sie herauszufinden, was mit den kürzlich verschwundenen Schülerinnen und Schülern in ihrem Umfeld geschah. Etwas, was es in einem perfekten System nicht geben kann.
Gleich vorweg, der Roman ist kein umfangreicher Kriminal-Dystopie-Roman, der Fall um die verschwundenen Jugendlichen ist nach weniger als der Hälfte des Romans gelöst. Anschließend geht es um die Welt selbst und um das Geheimnis, welches Claire mit sich herumträgt.
Auf den ersten Blick hat die Autorin sich eine ziemlich schräge Welt erdacht. Die auf einem Superkontinent lebende Gesellschaft wird von der Instinktiven Verwaltung geleitet. Die Instinkte sind stets auszuführen und nicht infrage zu stellen. Wer Leben rettet kann sogar in der Hierarchie aufsteigen. Leider zeigt dieses System einige recht skurrile Nebenwirkungen auf. Man kann noch so müde sein, wenn der Instinkt sagt, man muss den Kühlschrank des Nachbarn reparieren, geht man zur Not nachts im Pyjama durch einen Schneesturm rüber, bricht die Tür auf und zückt seinen Werkzeugkasten. Und für jeden Firlefanz gibt es einen Unterinstinkt, damit jede noch so unliebsame Aufgabe erfüllt wird. Ja, es gibt Leute, denen suggeriert wird, sie lieben es, anderen den Hintern abzuwischen. Dass sowas auch mal ausgenutzt wird ist zwar offiziell verboten, hilft einem trotzdem nicht, wenn man gegen seinen eigenen Willen handeln muss, den es offiziell nicht gibt.
Zu Beginn ist noch ein genügendes Maß an Spannung in der Handlung, als Claire und Goliath aus verschiedenen Gründen die Verschwundenen aufspüren wollen. Wobei der Stil hier bereits sehr distanziert ist. Wie soll eine Person auch was erzählen, wenn sie die meiste Zeit die Welt akustisch ausblendet und sich über Notizzettel unterhält? Anschließend verliert die Spannung sich, die Autorin versucht, um das System und Claire ein großes Geheimnis zugleich aufzubauen und zu lösen. Es gibt sehr viele Perspektivenwechsel diverser Personen, doch alle bleiben sie distanziert, der Stil verwirrend, in Claires Fall sogar manchmal unangenehm flapsig. Manches war zudem unlogisch wie beispielsweise eine Kabine in einer Größe, in der mehrere Leute zuvor Drogen konsumieren oder Paare miteinander intim werden konnten. Und anschließend behauptet die Autorin, Goliath würde dort kaum gemeinsam mit Claire hineinpassen?!
Nachdem der Fall um die verschwundenen Jugendlichen vom Problem um das System an sich abgelöst wurde, wich die wenige Spannung einem recht zähen zweiten Teil. Die Neugier auf skurrile Beispiele des Systems war raus, die Handlung wurde zäh und oberflächlich, das Ende abstrakt und überzogen zugleich, ohne mich emotional erreichen zu können. Dafür war das Buch viel zu distanziert, die Handlung, die Charaktere, die Welt, das alles blieb so emotionslos und fade.
Den Charme der Spiegelreisenden konnte ich hier leider nicht wiederfinden.

Bewertung vom 12.10.2025
Arcanjo, J. J.

Die schwarze Festung / Schule der Meisterdiebe Bd.4


ausgezeichnet

Klasse Gruppendynamik und überzeugende Ideen
Diese Buchreihe macht von Band zu Band mehr Spaß. Mit diesem Band beginnt nun das vierte Schuljahr für Gabriel an der Schule der Meisterdiebe. Ungern trennt er sich hierfür von seiner Ziehoma, denn seine Gauner-Eltern konnten erneut entkommen und könnten nun Rache üben. An der Schule in Crookhaven wird das Ziel für den jährlichen Gaunerpokal verkündet: Ein Einbruch in eine verlassene, uneinnehmbare Festung, um ein dort deponiertes Schmuckstück zu stehlen. An dem natürlich auch die Namenlosen Interesse zeigen, die Diebesbande rund um Gabriels Eltern.
Diesmal ist Vertrauen ein großes Thema, welches Gabriels Gaunerbande neben dem Jahresprojekt vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Die Dynamik der Teenager untereinander ist mittlerweile erstaunlich, es macht richtig Spaß, ihre Pläne und Abenteuer zu verfolgen. Leider kommen von außerhalb einige gewaltige Herausforderungen auf sie zu und an manchen Überraschungen haben sie ziemlich zu knabbern.
Mit seinem einfühlsamen und zugleich einfallsreichen Schreibstil schafft der Autor es erneut, ein ganzes Schuljahr wie im Flug vergehen zu lassen. Man fiebert mit den Teenagern bei jedem ihrer Abenteuer mit und die Überraschungen haben es ziemlich in sich. Sympathische Charaktere und super Ideen, auch diesmal wieder eine gelungene Mischung.

Bewertung vom 12.10.2025
Mullen, Kelly

Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste


gut

Stümperhafte Hobby-Ermittlungen
Die Einladung zu einer Versteigerungsparty ihrer reichen Nachbarin Jane setzt die 76-jährige Rosemary alias Mimi unerwartet unter Zugzwang: Sollte sie nicht erscheinen und einen ganz bestimmten Gegenstand ersteigern, wird ihr wohlgehütetes Geheimnis offenbart. Derart erpresst ist es wohl an der Zeit, sich mit ihrer Enkelin und Detektivspiele-Entwicklerin Addie zu versöhnen, um gemeinsam bei der Party aufzutauchen.
Der Krimi beschränkt sich auf eine übersichtliche Anzahl von Personen, die bei der Party anwesend und durch gewisse Umstände zum Bleiben gezwungen ist. Zu dem Erpressungsversuch kommt ein Mordfall hinzu, und zwar an der Gastgeberin selbst. Von da an gilt es, unter den Anwesenden nicht nur den oder die Mörder samt Motiv zu ermitteln, sondern auch die Erpressung aufzuklären. Da zunächst keine Polizei am Tatort erscheinen kann, machen Mimi und Addie es sich zur Aufgabe, den Mord aufzuklären.
Mimi ist ein ziemlich eigenwilliger Charakter. Durch ihr Desinteresse an anderen Menschen tritt sie manchmal etwas ruppig auf. Da wirkte es auf mich fragwürdig, dass von Mimi und Addie ausgerechnet Mimi diejenige sein soll, die mehr Ahnung von Menschen hat. Ebenso störte mich die Idee von der Autorin, dass Mimi stets mit ihrer großen Tasche auf der Party herumläuft, in der sie lauter für die beiden Frauen hilfreiche Gegenstände verstaut wie eine Figur in einem Videospiel. Was Videospiele betrifft, das wäre dann Addies Gebiet, die ihre Ermittlerinnen-Expertise aus dem Entwickeln von Detektivspielen zieht. Hier empfand ich den Rechtsstreit Addies mit ihrem Exmann nervig aufgebläht, das nahm mir gleich zu Beginn unnötig die Spannung aus der Story, zumal es für den Fall völlig irrelevant ist. Die restlichen Anwesenden auf der Party sind so gestaltet, dass viele von Ihnen ebenfalls ihre Geheimnisse haben, welche Mimi und Addie aufdecken.
Natürlich haben Mimi und ihre Enkelin keinerlei Detektiv-Erfahrungen, was sich unangenehm bemerkbar macht, denn somit fehlen ihren stümperhaften Ermittlungen Spannung und Struktur. Gefühlt musste das Anwesen mit seinen vielen Geheimnissen die etwas langweiligen Charaktere ausgleichen, was weder gelang noch mich überzeugen konnte. Mir waren das zuviele Gebäude-Specials, um noch glaubwürdig zu sein. Und dass man sich bei derart provokanten Nachfragen selbst ins Fadenkreuz des Mörders schiebt blendeten die Frauen in ihrer Naivität leider auch zu lange aus.

Bewertung vom 12.10.2025
Kurisu, Hiyoko

Der Laden in der Mondlichtgasse


ausgezeichnet

Reinlesen und wohlfühlen
Mit diesem Roman hält man einen asiatischen Wohlfühlroman in Händen, ein Buch, in dem es um emotionale Themen geht in Verbindung mit kleinen Naschereien. Letztere erhält man in der Confiserie Kohaku, einem Laden voller ausgefallener Süßigkeiten. Gelegen in der Mondlichtgasse, welche sich nur verlorenen Wesen und Menschen zeigt, die etwas auf dem Herzen haben.
Gestaltet ist das Buch als Episodenroman. In jeder der sechs Episoden geht es um eine Person, die innerlich mit einer Unsicherheit ringt und die neben einem Schrein gelegen den Weg in die Mondlichtgasse und somit zur Confiserie entdeckt. Wobei die sechste Episode ein wenig mehr zum Besitzer der Confiserie verrät, Kogetso, der sich gleich zu Beginn kurz vorstellt und ein halber Fuchsgeist ist.
Über die Süßigkeiten entwickeln sich die Geschehnisse jeweils dahingehend, dass Missverständnisse und Unsicherheiten ausgeräumt werden und die Personen anschließend glücklicher sind. Die Episoden sind leicht verständlich gehaltene und locker aufeinander aufbauende Erzählungen, der Stil ist ebenso sympathisch wie empathisch und es gibt ein wenig Informationen zu den verschiedenen Süßigkeiten. Die Themen der meist jungen Personen sind so gewählt, dass diese bestimmt auch ohne Kogetsos Süßigkeiten hätten gelöst werden können, wodurch offen bleibt, inwiefern in den Süßigkeiten nun Magie stecken könnte oder nicht. Ein Glossar am Ende gibt zudem ein paar hilfreiche Informationen.
Ein sympathisches kleines Wohlfühlbuch mit japanisches Süßigkeiten, die auf magische Weise den Anstoß geben, Missverständnisse und Unsicherheiten zu klären.