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Anna-Lena
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Moosburg an der Isar

Bewertungen

Insgesamt 79 Bewertungen
Bewertung vom 17.05.2025
Maly, Beate

Zeit der Hoffnung / Die Trümmerschule Bd.1


ausgezeichnet

Eine beeindruckende Frau

Der Roman ist inspiriert durch die Lebensgeschichte der Pädagogin und Politikerin Stella Klein-Löw. Nur einige grobe Eckdaten finden sich in dem Roman wieder, der Rest ist rein fiktiv. Stella, die Hauptfigur des Romans ist genauso beeindruckend wie ihr reales Vorbild. In Wien studierte sie Psychologie, Pädagogik und Germanistik und begann eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin bei Anna Freud. Als Jüdin floh sie nach der Machtübernahme der Nazis in Österreich nach London und baute sich dort ein neues Leben auf. Direkt nach dem Ende des zweiten Weltkriegs jedoch kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen. Sie beginnt als Lehrerin an einem Gymnasium zu arbeiten und setzt sich wie eine Löwin für das Wohl ihrer Schüler ein. Gleichzeitig sieht sie sich immer wieder weiterhin schwelendem Antisemitismus und bestehenden nationalsozialistischen Ideologien ausgesetzt.

Das Buch war wirklich sehr interessant, man erhält als Leserin einen tollen Einblick in Stellas Innenleben. Außerdem gelingt es Beate Maly ein komplexes und realistisches Bild von dem Alltag der Menschen nach dem zweiten Weltkrieg zu schaffen. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gerne spannende historische Romane mit starker weiblicher Hauptrolle liest.

Bewertung vom 05.05.2025
Koppelstätter, Lenz

Was am Ufer lauert / Ermittlungen am Gardasee Bd.2


sehr gut

Wiedersehen am Gardasee

"Was am Ufer lauert" ist die Fortsetzung des Romans "Was der See birgt". Grundsätzlich kann man den zweiten Teil auch lesen, wenn man der ersten nicht kennt. Es hilft aber, schon ein Gespür für die Protagonisten zu haben, um der Handlung besser folgen zu können. Denn die Hauptfiguren sind das, was die Bücher von Lenz Koppelstätter so besonders machen. Da ist Gianna Pitti, Polizeireporterin und riesiger Vasco Rossi Fan, Elvira Sondrini ihre Chefin, Francesco, besser bekannt als der Marchese und Giannas Onkel, ihre Mutter Carla und ihr Vater Arnaldo. Die fünf bilden ein außergewöhnliches Ermittlergespann, das in diesem Band einem großen Geheimnis auf der Spur ist, das die Weltgeschichte für immer verändern könnte.

Der Roman ist wirklich spannend und lesenswert. Die Geschichte setzt kurz nach dem Ende des ersten Teils ein und erstreckt sich über nur drei Tage. Gestört hat mich lediglich das plötzliche Auftauchen von Giannas Vater, der im ersten Teil als verschollen galt. Er ist wie selbstverständlich wieder zurück, nachdem er lediglich für Recherchen ein Jahr lang abgetaucht ist.

Im Großen und Ganzen kann ich den Roman aber auf jeden Fall empfehlen, vor allem auch als Urlaubslektüre.

Bewertung vom 20.04.2025
Wiebusch, Michaela

Nur du weißt, wer du bist


schlecht

Küchentischpsychologie

Das wichtigste vorab: In dem Buch macht Lena einen 7-Tage-Selbstwertkurs. Als es um die Kosten für diesen Kurs geht, fragt der Berater der Agentur, wie viel Lena ihr Glück beziehungsweise sie selbst sich wert sei. Sie einigen sich ganz selbstverständlich auf einen Kurspreis, welcher so teuer ist, wie "ein schöner, langer Sommerurlaub". Etwas ganz ähnliches steht auf der Website der Autorin, die auch als Coach tätig ist. Natürlich sollte uns unsere mentale Gesundheit etwas wert sein und uns am Herzen liegen. Gleichzeitig sollten wir für unsere psychische Gesundheit nichts bezahlen müssen. Das decken die Krankenversicherungen ab. Wer so gravierende Selbstwertprobleme hat wie Lena in der Geschichte, kann eine Psychotherapie bei einem staatlich anerkannten psychologischen Psychotherapeuten beginnen ohne dafür nur einen Cent selbst bezahlen zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass ein tiefgreifender psychodynamischer Selbstwertkonflikt nicht einfach mal so durch 7 Tage Coaching plus 3 Monate Stabilisierungsphase behoben ist.

Ich persönlich habe das Buch gelesen, weil ich dachte, dass es ein paar ganz interessante Denkanstöße geben könnte. An sich ist an ein bisschen Küchenpsychologie ja nichts verkehrt. Dann musste ich jedoch feststellen, dass das Buch zu viele Heilsversprechungen macht ohne zu berücksichtigen/ darauf hinzuweisen, dass es bei psychischen Problemen am sinnvollsten ist, eine richtige Psychotherapie zu machen.

Bewertung vom 19.04.2025
Nola, Fabio

Commissario Gaetano und der lügende Fisch / Commissario Gaetano Bd.1


gut

San Gennaro

Der Roman spielt im dreckigen, chaotischen, verarmten aber dennoch liebenswerten Neapel. Der Autor beschreibt die Stadt detailliert und liebevoll, versucht die Atmosphäre gut einzufangen und die Besonderheiten der Einwohner zu vermitteln. Er selbst ist jedoch kein gebürtiger Neapolitaner, sondern hat als Deutscher nur dort studiert. Das macht die vielen Beschreibungen der Stadt und seiner Bewohner ein etwas unauthentisch.

Die Handlung an sich ist komplex, spannend und voller unerwarteter Wendungen. Was als scheinbarer Mord der Camorra beginnt, öffnet schließlich noch schlimmere menschliche Abgründe.

Die Hauptfigur, Commissario Gaetano wird im Klappentext als feinfühlig beschrieben, mir persönlich war der Kommisar aber tatsächlich sehr unsympathisch. Er fungiert als Ziehvater für seine Nichte Carla, scheint dieser Rolle jedoch nicht gerecht zu werden. Zudem hat er ein besonderes Interesse an jungen Frauen, egal ob Zeuginnen oder Tatverdächtige.

Bewertung vom 12.04.2025
Kinkel, Tanja

Im Wind der Freiheit


sehr gut

Märzrevolution

Das Cover des Romans hat mich sehr angesprochen. Es zeigt eine junge, elegant gekleidete Frau, welche zurückblickt auf die Wirren und Straßenkämpfe der Märzrevolution 1848, erkennbar an der schwarz-rot-goldenen Flagge. Der historische Roman beschreibt die Umstände der Revolution aus der Sicht verschiedener Personen, teils mit realem Hintergrund.

Louise Otto beispielsweise ist eine reale Schriftstellerin aus dieser Zeit und Mitbegründerin der Frauenrechtsbewegung. Außerdem kommen die Revolutionäre Robert Blum und Gustav Stuvre vor. Auf der anderen Seite werden Kapitel aus der Sicht von Susanne Grabasch verfasst, einer Arbeiterin, die in die Intrigen des Mainzer Informationsbüros verwickelt wird. Von diesem Geheimdienst hatte ich vorher noch nie gehört, fand die Verarbeitung in dem Roman jedoch sehr spannend. Mit Louise und Susanne prallen Idealismus mit der harten Lebensrealität der Arbeiterinnen aufeinander.

Der Hintergrund des Romans und der historische Bezug haben mir sehr gut gefallen. Gestört hat mich jedoch, dass immer recht große Zeitsprünge zwischen den Kapiteln lagen, sodass der Lesefluss etwas gestört wurde. Man hatte nicht das Gefühl eine zusammenhängende Geschichte zu lesen, sondern verschiedene Szenen.

Im Allgemeinen kann ich den Roman aber empfehlen, vor allem an Fans von historischen Romanen mit starker weiblicher Hauptrolle.

Bewertung vom 04.04.2025
Jarawan, Pierre

Frau im Mond


ausgezeichnet

Großes Kino

Schon das Cover des Romans, eine farbenfrohe Collage, auf der das Profil einer jungen Frau, ein Ahornblatt, eine Zeder, eine Mondrakete und viele weitere bunte Details zu sehen sind, hat mich in seinen Bann gezogen. Und da wusste ich noch nicht, wie gut das Cover den Inhalt des Buches widerspiegelt! Der Roman ist ein wahres Kunstwerk, der die Leser richtig in seinen Bann zu ziehen vermag. Der Schreibstil ist abwechslungsreich, mal stilistisch, poetisch, mal in klassischer Erzählform. Zahlreiche Symbole durchziehen die Geschichte. Dem Autor gelingt es, die Welt seiner Protagonistinnen und Protagonisten in allen Farben vor den Augen der Leser entstehen zu lassen.

Die Figuren des Romans sind sehr sympathisch, die Ich-Erzählerin Lilit, ihre Zwillingsschwester Lina, ihr Großvater Maroun, ihre Großmutter Anoush, aber auch Hermine, ihre Tochter und ihre Enkelin, deren Schicksal eng mit dem von Anoush verwoben ist. Der vierte August spielt eine wichtige Rolle, es ist der Tag an dem in einem Jahr eine von Maroun entworfene Rakete in den Himmel steigt, in einem anderen Jahr Lina und Lilit geboren werden und in einem anderen Jahr im Libanon eine tragische Explosion zahlreiche Menschenleben kostet.

Vor allem das Thema Film spielt in dem Roman eine wichtige Rolle. Der Titel ist inspiriert von einem Stummfilm von Fritz Lang, welcher in seiner Jugend Marouns Begeisterung für Raketen erweckte. Doch auch die Erzählweise nimmt immer wieder einen Stil an, den man eher in einem Drehbuch vermuten würde, möglicherweise, da Lilit Dokumentarfilmmacherin ist.

Zahlreiche historische, für den Libanon bedeutsame, Ereignisse kommen in dem Roman vor. Vieles ist durch wahre Begebenheiten inspiriert, auch wenn der Roman selbst völlig fiktiv ist. Ganz große Unterhaltung und eine absolute Empfehlung für alle, die gerne besondere, fesselnde Geschichten lesen.

Bewertung vom 23.03.2025
Westerboer, Nils

Lyneham


sehr gut

Fesselndes Science Fiction Abenteuer

Lyneham ist ein wirklich spannendes und fesselndes Science Fiction Abenteuer. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Henry, seine Schwester Loy, sein Bruder Chester und sein Vater Charles landen an Henrys Geburtstag auf einem fernen Planeten, besser gesagt Mond, den sie gemeinsam mit anderen Menschen besiedeln sollen. Denn die Erde ist unbewohnbar geworden, seit das Universum gekommen ist. Die Überlebenden haben sich in Biomen aufgehalten, bis die Reise zu einem anderen Ort im Universum und dessen Besiedelung möglich war. Die Mutter der Familie, Mildred, ist noch einige Zeit auf der Erde geblieben, um mit einem bis dahin entwickelten schnelleren Antrieb früher auf dem Mond zu landen, und die Voraussetzungen für die Besiedelung zu schaffen. Doch hierbei geht einiges schief und als ihre Familie ankommt, sind wie auf der Erde nur Biome bewohnbar. Und der Mond birgt noch einige weitere Gefahren. Der Name des Mondes lautet Perm, was den Hintergrund hat, dass er sich in Bezug auf den geologischen Zustand auf dem Stand des Perm-Zeitalters auf der Erde befindet.

Das Buch ist abwechselnd aus Henrys und Mildreds Sicht geschrieben, die beiden Perspektiven ergänzen sich gut und bringen immer mehr Licht ins Dunkel. An dieser Stelle komme ich zu einem Kritikpunkt. Ich persönlich habe lange gebraucht, um die raffinierten physikalischen Ideen und Zusammenhänge, aber auch die Umwelt auf dem Mond Perm zu verstehen. Dies hat zum einen Henrys Perspektive gut widergespiegelt, der ebenfalls am Anfang nicht ganz versteht, was um ihn herum vorgeht. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass das Buch einfach etwas ausführlicher ist und sich mehr Zeit nimmt, um die wundervoll inszenierte neue Welt noch genauer zu beschreiben. Beispielsweise habe ich lange gebraucht um zu verstehen, worum es sich bei der Windleite handelt, den Planeten, um den der potentiell bewohnbare Mond Perm kreist.

Im Großen und Ganzen kann ich das Buch aber definitiv empfehlen, allerdings primär an Menschen, die gerne Science-Fiction lesen.

Bewertung vom 15.03.2025
Morishita, Noriko

Die Magnolienkatzen


sehr gut

Samtpfoten

Die Magnolienkatzen ist eine zarte Erzählung über eine flauschige Katzenmutter und ihre fünf Kätzchen, die alle einen ganz eigenen Charakter haben. Die sechs werden im Garten neben dem Baumstumpf eines Magnolienbaumes geboren und von Noriko und ihrer Mutter aufgenommen.

Das zarte Band, dass sich zwischen den beiden Frauen, die eigentlich gar keine Katzenfreundinnen sind, und den sechs Katzen entwickelt, wird liebevoll und detailliert beschrieben. Immer wieder werden auch andere Katzenfreundinnen erwähnt und ihre besondere Beziehung zu den Vierbeinern.

Fiktion und Realität scheinen zu veschmelzen, man fragt sich zunächst, inwieweit die Geschichte wirklich passiert ist, da die Autorin mit ihrem Namen und ihrem Beruf selbst in der Geschichte auftaucht.

Das Buch ist kurzweilig und schön. Gleichzeitig hätte ich mir eine tiefgreifendere Botschaft, die durch die Geschichte vermittelt wird gewünscht, die Erzählung bleibt relativ eindimensional. Einen kleinen Kritikpunkt, der vermutlich allerdings kulturellen Unterschieden geschuldet ist, habe ich an der Art der Katzenaufzucht, das würde jedoch Inhalte der Geschichte vorwegnehmen.

Bewertung vom 09.03.2025
Dalton, Chloe

Hase und ich


ausgezeichnet

Eine ganz besondere Freundschaft

Hase und Ich ist eine wunderschöne Geschichte. Das besondere daran ist, dass sie eine wahre Begebenheit erzählt. Chloe Dalton berichtet von einer wundersamen Freundschaft mit einem Feldhasen, den sie als kleines Häschen mit der Flasche aufgezogen hat. In liebevollen Details beschreibt sie das Häschen, seine Entwicklung, seinen besonderen Charakter, seine ruhige und friedvolle Ausstrahlung sowie das zarte Band, dass sich zwischen der Autorin und dem Hasen entwickelt. Gleichzeitig ist das Buch eine Liebeserklärung an die Natur und ein Plädoyer für besseren Schutz der heimischen Wildtiere. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass sich das Buch wirklich nur auf den Hasen, die Beziehung der Autorin zu dem Tier und die Entwicklungen, welche die Begegnung in der Autorin angestoßen hat thematisiert hat, im Vergleich zu vergleichbaren biographischen Romanen, in denen häufig das Leben des Autors mehr im Vordergrund steht als das Tier.

Das Buch ist kurzweilig und die perfekte Lektüre für ein schönes Frühlingswochenende. Es wäre das perfekte Ostergeschenk für Tier- und Naturliebhaber.

Bewertung vom 20.02.2025
Bracht, Helene

Das Lieben danach


ausgezeichnet

Selbsttherapie

Am Ende des Romans hatte ich das Gefühl, soeben einen Abschlussbericht einer erfolgreichen tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie gelesen zu haben. Und in diesem Fall ist die erfolgreiche Therapie ohne die Hilfe von außen geschehen, Helene Bracht macht in ihrer Erzählung den Eindruck, ihre Persönlichkeit, ihr Selbst in Zusammenhang mit ihren Lebenserfahrungen und in der Dynamik mit bedeutsamen Bezugspersonen vollständig reflektiert und verstanden zu haben.

Ich finde es unglaublich mutig, wie klar und offen sie über die schreckliche Erfahrung eines Missbrauchs als Kind spricht und sich dann mit dem Thema auseinandersetzt, wie sich eine solche Erfahrung auf das Verhalten in Liebesbeziehungen, eigene Sexualität, Bindung und Vertrauen auswirkt. Den Titel finde ich außerordentlich gut gewählt, weil er den Inhalt sehr passend widerspiegelt.

Ich kann das Buch vor allem an Menschen empfehlen, die im psychologischen oder sozialpädagogischen Bereich arbeiten, das macht es auch einfacher die erwähnten psychodynamischen Konzepte zu verstehen. Wichtig ist jedoch auch zu erwähnen, dass die Missbrauchserfahrungen sehr genau beschrieben werden und das Buch somit für Personen mit eigenen unverarbeiteten Missbrauchserlebnissen nicht geeignet ist.