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Marie aus E.

Bewertungen

Insgesamt 887 Bewertungen
Bewertung vom 25.07.2023
Mccarten, Anthony

Going Zero


gut

Bei dem Buch bin ich hin- und hergerissen.
Einerseits fand ich es unheimlich spannend.
Das Grundthema ist die Frage nach der Legitimation eines Überwachungsstaats, wieviel darf ein Staat und heiligt der Zweck die Mittel?
Hier gibt es ein Experiment dazu - ausgewählte Bewerber*innen versuchen, 30 Tage unter dem Radar zu bleiben, unentdeckt von einer riesigen Maschinerie an Überwachungsinstrumenten.

Kaitlyn hat aber nicht primär Interesse am Preisgeld von 3 Millionen Dollar. Um was es ihr wirklich geht, erfährt man erst gegen Ende des Buches.
Neben Kaitlyns Strategie unentdeckt zu bleiben, erfährt man aber auch die der anderen Mitbewerber. Das war anfangs sehr vergnüglich zu lesen, mit der Zeit hat es sich aber abgenutzt. Es sind relativ kurze Ausschnitte, die für mich irgendwann eher einem Abhaken einer Liste glichen als dem weiteren Spannungsaufbau dienten.

Dann gab es eine Wendung und die Handlung nahm eine völlig neue Richtung. Und hier war ich dann raus. Das mag zwar zweifelsfrei einen Überraschungsmoment haben, aber es hat für mich überhaupt nicht gepasst.
Schade, denn ganz grundsätzlich fand ich die Buchidee bis dahin gut.

Bewertung vom 24.07.2023
Balen, Katya

October, October


ausgezeichnet

Das Buch hat mich an die Bücher meiner Kindheit erinnert.
Es wirkt fast ein wenig aus der Zeit gefallen, aber im allerbesten Sinne.
Dann aber wieder ist es ganz aktuell und es hat das gewisse Etwas.
Während Bücher meiner Kindheit meiner Tochter nicht gefallen ("sind so komisch geschrieben") vereint das Buch das Beste aus allen Zeiten. Ich finde, es ist schon in der Erstauflage ein Klassiker.

Um was geht es? October, eine Elfjährige lebt mit ihrem Vater im Wald. Sie versorgen sich weitestgehend selbst und leben im Einklang mit der Natur. Nur ein, zweimal im Jahr fahren sie in die Stadt, um sich mit den Dingen zu versorgen, die sie nicht selbst herstellen können oder beim weiter entfernt lebenden Nachbarn tauschen können.
Ein so friedliches Leben - und so gar kein bisschen langweilig.

Dann passiert ein Unfall und October muss zu "der Frau, die ihre Mutter ist" in die Stadt ziehen. Für October bricht eine Welt zusammen.
Doch die Welt ist weit und wild, und sie wartet auf October, auch in der Stadt.

In einer Anmerkung am Buchende erläutert die Autorin, dass die Sprache im Buch nicht immer den Regeln der Grammatik und der Zeichensetzung folgt, weil October nicht nach diesen Regeln und Strukturen denkt und sich ihre Gedanken überschlagen angesichts der neuen und völlig ungewohnten Situation.
Das ist mir beim ersten Lesen gar nicht aufgefallen, so sehr bin ich eingetaucht in die Handlung. Und so stimmig war wohl auch das.

Ein wunderbares Buch - große Leseliebe.

Bewertung vom 19.07.2023
Clarke, Lucy

One of the Girls


sehr gut

Lexi muss mit ihren Freundinnen ihren Junggesellinnenabschied feiern. Auf einer griechischen Insel, fernab der Zivilisation, in einer Villa.
Eigentlich wow, doch so richtig begeistert ist Lexi nicht.
Ihre fünf Freundinnen sind alle via Lexi verbunden, untereinander kennen sich aber die Wenigsten.

Das Buch wurde als Thriller angekündigt,ist es meines Erachtens aber nicht. Über weite Teile erlebt man nur das Mädels-Wochenende mit, belanglos und sehr ausschweifend beschrieben. Unterbrochen immer wieder von Einschüben, aus denen klar wird, dass etwas Schlimmes passieren wird.
Die Vergangenheit von Lexis Freundinnen ist ebenfalls Thema und hier baut sich dann unterschwellig und sehr dezent zumindest etwas Spannung auf, auch wenn dann klar wird, wohin der Hase laufen wird.

Ich fand es aber trotzdem gut zu lesen - ich wurde gut unterhalten. Kein Flop, aber auch kein Highlight.

Bewertung vom 16.07.2023
Lindqvist, John Ajvide

Refugium / Stormland Bd.1


ausgezeichnet

Endlich mal wieder ein Thriller-Volltreffer.

Es geht um Julia, eine Ex-Polizistin und jetzige Krimiautorin. Sie hat die ehrenvolle Aufgabe, eine Fortsetzung zu der berühmten Millenium-Reihe von Stieg Larsson zu schreiben. Weil sie sich aber in der Hacker-Szene nicht auskennt, braucht sie hier Beratung und trifft sich mit dem jungen Hacker Kim.

Soweit der Ausgangspunkt. Interessant dabei, dass der Autor Lindqvist seine eigene Geschichte als Aufhänger genommen hat und sie nun Julia erleben lässt. Er hat nämlich den Fortsetzungsband geschrieben.

Mein Lieblingscharakter im Buch ist Kim. Er ist unfassbar reich, hat Schlimmstes erlebt und entgegen der äußeren Beschreibung ist er unfassbar einfühlsam und hilfsbereit.

Das war ein Thriller, den ich zeitlich leider nicht am Stück lesen konnte und dabei völlig hibbelig und kribbelig wurde, weil ich unbedingt weiterlesen wollte.
Man fliegt nur so durch die Seiten, die leichte Lesbarkeit durch kurze Kapitel (manchmal sogar nur ein bis zwei Seiten) hat hier sicherlich auch einen Anteil daran.
Aber vor allem liegt es an der Handlung: spannend und mit vortrefflich gezeichneten Charakteren.
Dabei gibt es auch noch eine kleine Weltreise: von Schweden nach Shanghai und Kuba - letzteres hat mir besonders gut gefallen.

Kleine Schwächen hatte das Buch meines Erachtens bei der Beschreibung einer Vierzehnjährigen, die ich für mindestens 16 geschätzt hätte und die für mich etwas zu ausführlichen und komplexen wirtschaftlichen Verflechtungen.

Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau - ich kann es kaum erwarten, bis ich den nächsten Band der Trilogie in den Händen halten kann!

Bewertung vom 16.07.2023
Neubauer, Annette

Von Handlettering, Upcycling und neuen Freundschaften / Ist doch Isy! Bd.1


gut

Die Grundidee des Buches finden wir super.
Viele DIY-Anregungen, eingebettet in eine echte Story.
Es geht um Isy, die mit ihren Eltern umziehen muss und lt. ihrer eigenen Aussage total normal ist. Sie hat das Gefühl, dass alle anderen ein total aufregendes Leben führen, nur sie nicht.
Tja, der Umzug bringt Schwung in den Alltag, aber leider anders als von Isy erhofft.
Isy ist sehr kreativ und bastelt für ihr Leben gern. Gerade wenn es ihr nicht so gut geht, ist das auch ein prima Ventil für sie. Und wir können alle gleich mit loslegen, denn ihre Kreativitätsschübe teilt sie mit uns.

Allerdings waren wir hier enttäuscht.
Die DIY-Projekte lesen sich in der Inhaltsübersicht sehr schön, faktisch konnten wir damit aber fast nichts anfangen.
Sie sind sehr kurz, meistens einseitig und manchmal fühlten wir uns regelrecht veralbert.
Ein Beispiel?
DIY mit Handlettering:
1. Gläser gut ausspülen und trocken
2. Gläser schön beschriften und bemalen
voilá!

Ernsthaft? Die Tochter war jedenfalls ganz schön enttäuscht, denn auch sie bastelt sehr gerne und hatte sie hier mehr erwartet.
Generell gibt es keine weitergehenden Anleitungen, wir hätten uns da schon auch Vorlagen, Schablonen oder ähnliches erhofft. Klar ist es kein reines DIY-Buch, aber so reduziert?

Die Story um Isy war schön, die Grundidee super, auch die Illustrationen im Buch mit viel Liebe und detailreich, aber die Umsetzung der DIY-Anregungen hat noch Luft nach oben.

Bewertung vom 30.06.2023
Stern, Claire

Sehnsucht in Sirmione aus der Reihe Liebe am Lago di Garda


weniger gut

Viviane ist Mitte 40 und es läuft schief, was nur schieflaufen kann.
Ihr Partner betrügt sie, im Job wird sie nur ausgenutzt und ihre Mutter ist das komplette Gegenteil einer Unterstützung.
Da kommt eine Auszeit im schönen Sirmione am Gardasee genau richtig.
Aber anstatt dass Viviane reflektiert, stürzt sie sich gleich ins nächste Liebes-Chaos.

Und genau das ist es auch, was mich am Buch so genervt hat. Die neue Amore in Person des Italieners Salvatore ist einfach fürchterlich. Wohlwollend interpretiert hat er ein Geheimnis, für mich aber ist sowohl das Geheimnis, um das viel Tamtam gemacht wird samt seiner Auflösung nicht stimmig für den Handlungsverlauf. Noch unstimmiger allerdings Vivians Umgang mit Salvatores ständigen Ausflüchten und Verschwinden.
Das wirkte auf mich hinkonstruiert und ich musste mich fast ein wenig aufregen beim Lesen.
Dazu kommen nach sehr blumig-schwülstige Erotik-Szenen. Uff. Das muss man mögen - ich mag es nicht.

Ein Lanze muss ich allerdings für die Beschreibung des Gardasee-Flair brechen. Die Stimmung und Umgebung war super beschrieben, ich bin sofort wieder eingetaucht und für Gardasee-Fans ist das einfach schön zu lesen.

Insgesamt konnte mich das Buch aber leider nicht überzeugen.
Für Fans von sehr leichten Liebesromanen inklusive Erotik aber vielleicht eine gute Urlaubslektüre.

Bewertung vom 30.06.2023
da Silva, Mariana

Südlich von Porto lauert der Tod


sehr gut

Die Handlung des Krimis spielt - wie der Titel schon sagt - südlich von Porto. Das war schön, eine andere Ecke als die bereits vorhandenen anderen Portugal-Krimis.

Es beginnt gemächlich. Ria reist aus Deutschland zur Beerdigung ihres Großvaters an. Sie selbst ist Polizistin, ihr Schwager auch. Dorfpolizist in einem beschaulichem Örtchen, in dem nie etwas passiert. Bis Ria dann da ist, war ja klar.

Der Krimi ist unterhaltsam und lebt von der portugiesischen Atmosphäre. Er ist jetzt nicht wahnsinnig spannend, aber das macht gar nichts. Die Dorfbevölkerung, das Zusammenleben, das Essen, einfach Portugal, das ist so schön geschrieben, dass das Lesen ein Genuss ist. Und langweilig ist die Handlung nun auch nicht.

Gestört hat mich nur ein Ereignis in Rias Vergangenheit, aufgrund dessen sie sich zur Streifenpolizei versetzten ließ. Das wurde gebetsmühlenartig immer wieder erwähnt, ohne es aufzulösen. Am Ende dann endlich - aber die ständigen Wiederholungen waren unnötig und haben mich zunehmend genervt.
Dann gab es noch einen Strang, der unglaubwürdig war und auch ziemlich ausgeschlachtet wurde.
Aber geschenkt - insgesamt hat mir das Lesen viel Freude bereitet und ich bin auf jeden Fall bei einer Fortsetzung wieder dabei.
Nach Portugal würde ich jetzt natürlich auch am liebsten sofort reisen.

Bewertung vom 29.06.2023
Raabe, Marc

Der Morgen / Art Mayer-Serie Bd.1


ausgezeichnet

Ich war riesiger Fan der Reihe um Tom Babylon, fand es aber gegen Ende hin dann nicht mehr ganz so klasse wie die ersten Bände.
Umso mehr war ich auf die neue Reihe gespannt: wird Marc Raabe es wieder schaffen, mich zu begeistern?
Ich nehme es vorweg: Ja!

Das neue Ermittlerteam gefällt mir ausgesprochen gut. Natürlich wieder völlig ungleich und natürlich wieder mit Ecken und Kanten.
Die Handlungsfäden wieder gekonnt undurchsichtig versponnen, so dass man lange im Dunkeln tappt.
Der ständige Schwenk zwischen Vergangenheit (und der nicht Zuordenbarkeit der Charaktere in der Gegenwart) und Gegenwart hat das Spannungslevel hoch gehalten.

Gut gefallen hat mir auch die Aktualität - beispielsweise haben Ukraine-Krieg und Gasproblematik auch im Buch Einzug gefunden.

Was mich immer etwas nervt, so auch hier: nicht alle offenen Punkte werden aufgeklärt, es ist offensichtlich, dass im Folgeband noch mal etwas aufgegriffen wird. Ist hier aber nicht so ein fieser Cliffhanger, dass ich richtig sauer wäre.
4,5 Sterne, gerundet auf 5.

Bewertung vom 21.06.2023
Sutcliffe, William

Genial normal


ausgezeichnet

Von dem Autor habe ich auch schon "Gründer wird´s nicht" gelesen und war davon nicht sonderlich begeistert. Aber der Klappentext zu dem neuen Buch klang so gut, ich habe dem Autor noch mal eine Chance gegeben. Zum Glück! Denn dieses Buch gefällt mir nicht nur besser, sondern sogar richtig gut.

Sam ist Teenie und "ganz normal". Damit ist er auch fein, er will gar kein Supergenie sein und auf irgendeinem Gebiet ganz besonders begabt. Er hat Freunde, geht einigermaßen gern in die Schule. Alles gut.
Bis die Familie dann umzieht und er auf eine Schule kommt, die ganz für die Begabten und Talentierten da ist und sie in einer bestmöglichen Umgebung vor sich hin talentieren lässt.
Sam findet alles grässlich, er will doch gar keine Begabung finden.

Die Story ist ideal für Teenies. Sie ist witzig und frech, Eltern werden als seltsame Wesen beschreiben (die sie aus Teenieaugen eh sind, Sams Eltern, inbesondere seine Mutter aber hier schon ganz besonders) und die Geschwister sind eben nervige und manchmal auch sehr nette Geschwister.

Die Botschaft ist klar, dass man einfach selbst sein soll. Man muss sich weder verstellen und nach außen etwas anderes vorgeben, noch muss man eine besondere Begabung haben. Sam weiß das alles, aber sein Umfeld tut sich da ganz schön hart.

Es hat riesigen Spaß gemacht, Sam zu begleiten.

Lediglich mit der Altersempfehlung bin ich nicht ganz glücklich. Empfohlen wird das Buch ab elf Jahren. Bezüglich der erwachenden Sexualität von Teenies wird hier aber sprachlich kein Blatt vor den Mund genommen und sie bekommt auch öfters Raum. Für Elfjährige (jedenfalls die, die ich kenne) ist das noch kein Thema und eher eigenartig.
Ein Beispiel? "...dass er sich in einem Zustand befand, in der dauerhaft befürchtete, seine Eier könnten explodieren".
Sprachlich schon so, dass es passend für Teenies ist, aber eben nicht für Elfjährige (finde ich).

Ansonsten aber eine runde, witzige, leicht skurrile Geschichte, die sich sehr zügig lesen lässt. Super!

Bewertung vom 19.06.2023
Oehmke, Philipp

Schönwald


sehr gut

Die Schönwalds: eine spezielle Familie, bei der mir alle Familienmitglieder unsympathisch waren - ausgenommen vielleicht der jüngste Spross, aber auch dieser hat sich im Verlauf des Buches dann doch noch meine Sympathie verspielt...

Es ist die Geschichte über das Leben der Schönwalds. Vom Kennenlernen als junge Menschen bis jetzt in die Gegenwart, als zwar betagte, aber noch sehr fitte Ruheständler.
Sie hätte Literaturprofessorin werden können, wenn die Familiengründung nicht gewesen wäre, er war Staatsanwalt. Die drei inzwischen erwachsenen Kinder allesamt mit Problemen beladen. Auch die jeweiligen (Ex-)Partner bekommen ihren Platz und damit wird es dann nochmal komplexer.

Es war interessant, der Familiengeschichte zu folgen, wenn auch zeitweise etwas zäh. Dann wiederum war es so kurzweilig und die Sätze so schön zu lesen, dass ich ganz begeistert war. Sätze wie beispielsweise "nicht an Lebensskorbut zu sterben".

Die Themenpalette war beeindrucken. Trump und "Make Amerika Great Again", Trolle im www, metoo und Schuld aus Nazi-Vergangenheit sind nur ein Ausschnitt.
Auch wie Karrierewege im universitären Bereich laufen, wird thematisiert.
Das alles auf sprachlich hohem Niveau, das Lesen hat schon allein deshalb Spaß gemacht, zumal es auch forderte.

Eine breite Palette an aktuellen Themen, die trotz der Fülle nicht überladen war.
Ich habe das Buch zwar nicht inhaliert, aber gerne gelesen, wenn auch nicht am Stück.