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Nina
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Wald

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Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 03.05.2014
Allmen und die verschwundene Maria / Johann Friedrich Allmen Bd.4
Suter, Martin

Allmen und die verschwundene Maria / Johann Friedrich Allmen Bd.4


sehr gut

Die Geschichte um das Dahlienbild in Band 3 geht weiter. Das wertvolle Kunstwerk ist zwar mittlerweile wieder im Besitz von Dalia Gutbauer, aber eigentlich war es einer ganz anderen Dalia versprochen und deren Liebhaber fordert das Bild zurück. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, entführt er Maria Moreno. Die Polizei kann natürlich nicht eingeschaltet werden, denn Maria und ihr Freund, Allmens Faktotum Carlos, sind illegal im Land. Für Allmen und den verzweifelten Carlos beginnt ein Wettlauf gegen die Uhr. Wo haben die Gangster Maria versteckt? Das Bild muss her, aber Dalia Gutbauer ist der Dahlien, die ihr einst ein Liebhaber schenkte, überdrüssig geworden. Doch Ende gut, alles gut, und am Schluss sind die drei wieder vereint im Gartenhaus, allerdings erst, nachdem Herr Arnolds Cadillac an der Grenze zwischen Basel und dem Elsass in geheimnisvoller Mission unterwegs war. Die Leser dürfen sich in der vierten Allmen-Folge über einen spannenden und zugleich hintergründig ironischen Krimi in der temporeichen Sprache und ganz im Stil von Martin Suter freuen. Viel Spaß beim Lesen.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.03.2014
Die Herrlichkeit des Lebens
Kumpfmüller, Michael

Die Herrlichkeit des Lebens


ausgezeichnet

Franz Kafka: Der anspruchsvolle Leser kennt seine Geschichten, die nicht immer leicht zu lesen sind, aber kennt man auch den Mann, der sie verfasste? Michael Kumpfmüller beschreibt in seinem Buch das letzte Lebensjahr des großen jüdischen Schriftstellers. Kafka ist bereits schwer von der Tuberkulose gezeichnet, als er während eines Erholungsaufenthalts im Ostseeheilbad Müritz die wesentlich jüngere Jüdin Dora kennen lernt. Gegen den ausdrücklichen Wunsch der Familie folgt er ihr nach Berlin, wo die bittere Armut der Inflation herrscht. Die beiden beziehen eine gemeinsame Wohnung, bis der Verlauf der Krankheit einen Sanatoriumsaufenthalt erfordert. Dora folgt ihm in verschiedene Klinken und Sanatorien und ist bis zu seinem letzten Atemzug an seiner Seite. Trotz der Krankheit erleben die beiden eine von Liebe erfüllte Zeit, die Kumpfmüller einfühlsam, aber frei von jedem Pathos beschreibt. Er bringt dem Leser nicht nur Franz Kafka näher, sondern auch Dora und die der damaligen Zeit geschuldeten Umstände, die verhinderten, dass Kafka seine Geliebte per Heirat absichert. Ein sehr lesenswertes Buch.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.03.2014
Das Verstummen der Krähe / Kristina Mahlo Bd.1
Kornbichler, Sabine

Das Verstummen der Krähe / Kristina Mahlo Bd.1


sehr gut

Kristina Mahlo ist als Nachlassverwalterin zugleich Anwältin der Toten. Es ist ihre Aufgabe den letzten Willen der Verstorbenen zu erfüllen. Ein tragisches Ereignis überschattet das Leben der jungen Frau und ihrer Familie. Ihr Bruder ist vor Jahren plötzlich verschwunden. Niemand weiß, ob er noch lebt. In ihrem ersten Fall verwaltet Kristina das Testament von Theresa Lenhardt. Die Witwe eines verurteilten Mörders ist sich sicher, dass nicht ihr Mann den Mord an dem Journalisten Konstantin Lischka begangen hat, sondern einer der Freunde, die am Abend vor dem Mord bei den Lenhardts eingeladen waren. Ihr beträchtliches Vermögen soll unter den Freunden aufgeteilt werden, wenn es gelingt den richtigen Mörder zu entlarven, andernfalls geht das Erbe an den Tierschutzverein. Kristina begibt sich mit ihrer Freundin Henrike in einen gefährlichen Sumpf aus Lügen, Intrigen und Rechtwidrigkeiten, in den auf irgendeine Weise auch ihr verschwundener Bruder verwickelt ist. Sabine Kornbichler konstruiert einen Krimi, bei dem zahlreiche, manchmal auch überflüssige Nebenschauplätze aufgetan werden, der aber bis zum Schluss spannend ist. Eine fesselnde Lektüre, auf deren Fortsetzung man gespannt sein darf.

Bewertung vom 07.01.2014
Das Mädchen, das den Himmel berührte
Di Fulvio, Luca

Das Mädchen, das den Himmel berührte


sehr gut

970 Seiten durch, allerdings immer wieder mit mehrtägigen Unterbrechungen. Und die braucht man auch für dieses Buch, denn es zeichnet ein Bild des Elends im mittelalterlichen Venedig. Mercurio, Benedetta, Zolfo und Ercole, der im Roman früh ums Leben kommt, sind Waisenkinder in Rom. Sie hoffen auf ein besseres Leben in Venedig und machen sich auf den Weg. Unterwegs schließen sie sich einem Treck an, mit dem auch das Judenmädchen Giuditta und ihr Vater, der Arzt Isacco unterwegs sind. Mercurio verliebt sich in das Mädchen. In Venedig trennen sich die Wege der Reisegruppe und auch die Wege der drei Kinder. Jeder versucht auf seine Weise, in Venedig Fuß zu fassen. Was dann folgt ist eine Verflechtung der Ereignisse rund um die gefährliche und ständig bedrohte Liebe zwischen Mercurio und Giuditta, in der sich die Protagonisten immer wieder begegnen. "Das Mädchen, das den Himmel berührte" ist aus meiner Sicht nicht ganz so grausam wie sein Vorgänger "Der Junge, der Träume verschenkte", aber ganz sicher nichts für empfindsame Leser. Wer eine nur unterhaltsame Lektüre sucht, sollte ebenfalls nicht nach diesem Roman greifen. Wer sich aber mit der Grausamkeit, der Intoleranz, der bitteren Armut, den Machtintrigen und der fanatischen Religiosität des mittelalterlichen Venedigs auseinander setzen will, der taucht auf 970 Seiten in eine fesselnde Geschichte ein, die zwar für Mercurio und Giuditta nach tragischen Turbulenzen gut ausgeht, aber erahnen lässt, dass andere Mitglieder der Reisegruppe dem Kampf im menschlichen und tatsächlichen Unrat der Lagunenstadt nicht überstehen. Durchaus lesenswert.

10 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.11.2013
Die Häupter meiner Lieben
Noll, Ingrid

Die Häupter meiner Lieben


ausgezeichnet

Maja ist schon als Kind nicht glücklich. Der Vater ist abgehauen, die Mutter verbittert. In der Schule nennen sie sie Elefantin. Da kommt Cora, die verwöhnte Tochter eines Professors, neu in die Klasse. Eine Mädchenfreundschaft, die die Entwicklung der beiden zur Frau überdauert, beginnt. Gemeinsam meistern die Freundinnen mit bösen Streichen Probleme, deren Lösung nicht immer den gängigen moralischen Vorstellung entspricht. Und von Männern lassen sie sich gleich gar nicht einschüchtern, auch nicht in Florenz, wo Cora zur reichen Witwe wird, und nicht im Schwarzwald, wo Majas angeheiratete Familie lebt. Ingrid Noll ist es wieder einmal gelungen, einen Krimi der ganz besonderen Art zu schreiben. Irgendwie ungeplant und ungewollt, aber trotzdem genau zur rechten Zeit verschwinden ungeliebte Zeitgenossen auf mysteriöse Art. Auch Emilia, die patente Haushälterin von Cora, will an der Lebensfreude der beiden Frauen teilhaben und wird im Gespann die dritte. Das Buch ist rasant, mit viel Witz und spannend geschrieben, sodass man es bis zur letzten Zeile nicht mehr aus der Hand legen will.

Bewertung vom 15.11.2013
Der Teufel von Mailand
Suter, Martin

Der Teufel von Mailand


ausgezeichnet

Sonias Sinne spielen verrückt. Nach einem Drogentrip fühlt sie Farben und sieht Geräusche. Um ein bisschen Abstand, auch von ihrem gewalttätigen Mann zu bekommen, nimmt die Physiotherapeutin eine Stelle in einem neu eröffneten und von der einheimischen Bevölkerung argwöhnisch beäugten Hotel in einem Bergdorf an. Plötzlich passieren um sie herum seltsame Dinge, die sich für Sonia erst nach und nach zu einem Gesamtbild fügen: Es sind Ereignisse aus der Gebirgssage über den Teufel von Mailand, die in Szene gesetzt werden. Typisch für den Autor Martin Suter entwickelt sich aus einer eher banalen Handlung ein Psychothriller, der unerwartete Wendungen nimmt und fesselt bis zur letzten Seite. Sehr empfehlenswert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2013
Frost und Sonne
Scheib, Asta

Frost und Sonne


sehr gut

Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Petersburger Gesellschaft um Zar Nikolaus lebt in unermesslichem Reichtum, während das Volk hungert und friert. In dieser Zeit wächst Felix Jussupow auf, der jüngere Sohn einer der wohlhabendsten und mächtigsten Familien. Der Adel bewundert den gewandten und gut aussehenden jungen Mann, doch dann lässt es sich trotz seiner Heirat mit der Zarennichte Irina und der Geburt einer kleinen Tochter nicht länger verheimlichen, dass sich Felix auch zu Männern hingezogen fühlt. Ein Tabu in der damaligen Gesellschaft. Der Zar verlangt von ihm, dass er sich wegen seiner Homosexualität in die Behandlung des zwielichtigen Wunderheilers Rasputin, der sich am Zarenhof unverzichtbar gemacht hat, begibt. Rasputin gewinnt bald Macht über den jungen Vater. Gleichzeitig wächst die Not der russischen Bevölkerung, denn Zar Nikolaus ist in den Krieg eingetreten. Als Rasputin gewaltsam stirbt, erhebt sich die notleidende Bevölkerung. Die Revolution nimmt ihren Anfang. Das Buch gibt einen spannenden Einblick in die Geschichte des Zarenreichs, darin eingebettet ist eine eher tragische Familiensaga.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.08.2013
Wir sind doch Schwestern
Gesthuysen, Anne

Wir sind doch Schwestern


ausgezeichnet

Die drei rüstigen Schwestern Katty, Paula und Gertrud treffen sich zu Gertruds 100. Geburtstag auf dem Tellemannshof in Wardt. Was die Autorin in der Geschichte rund um die Feier erzählt, ist nicht nur ein Rückblick auf drei lange und völlig unterschiedlich verlaufene Leben am Niederrhein, sondern auch ein spannender Abriss des 20. Jahrhunderts mit lokalem Bezug. Mit Humor und vielen Anekdoten blicken Gertrud, Paula und Katty trotz mancher herber, vor allem den moralischen Vorstellungen ihrer Zeit geschuldeter Enttäuschungen zurück. Und weil die Lebensläufe der Schwestern auf tragische Weise miteinander verwoben sind, bleiben auch Vorwürfe und späte Lebensbeichten nicht aus. Sehr empfehlenswert, nicht nur für Leser, die mit der Gegend um Xanten verbunden sind. Eine leichte Urlaubslektüre ist die Geschichte von Anne Gesthuysen nicht, ebenso wenig ein Buch, das sich an die Generation der knapp 100-Jährigen wendet. Es ist eine Geschichte mit Tiefgang, die zeigt, wie drei untrennbar verbundene Frauen ihre Schicksale annehmen und daran stark werden.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.07.2013
Die hellen Tage
Bánk, Zsuzsa

Die hellen Tage


ausgezeichnet

Drei Kinder wachsen in einer süddeutschen Kleinstadt unweit von Heidelberg auf: Seri, die keine Erinnerung an den sehr früh verstorbenen Vater hat, Aja, das Kind einer ungarischen Artistenfamilie, dessen über dem großen Teich arbeitender Vater nur einmal im Jahr in der Baracke, in der das Mädchen mit seiner Mutter Evi am Rand der Stadt lebt, zu Besuch ist, und Karl, dessen kleiner Bruder auf unbegreifliche Weise verschwindet und nie mehr wieder auftaucht. Die Kinder kommen aus vollkommen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Was sie verbindet, ist, dass sie alle etwas verloren haben, und, dass sie starke Frauen als Mütter haben, die sich ihrer ganz individuell schwierigen Situation und den Widrigkeiten des Lebens stellen, jede auf ihre Art. Das Wunderbare geschieht: Über die Kinder kommen sich auch die Mütter trotz aller Herkunftsunterschiede näher und werden ebenfalls eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich über die Jahrzehnte immer wieder bewährt. Es sind die hellen Tage der unbeschwerten Kindheit, die die Kinder mit ins Erwachsenwerden nehmen. Der Weg dorthin ist nicht immer einfach, weder für die Jugendlichen, noch für ihre Mütter. Wie ein Kartenhaus brechen die kleinen und großen Lebenslügen zusammen und nur der große Zusammenhalt trägt durch bittere Zeiten. Zsuzsa Bánk schrieb mit diesem Roman ein eindringliches Hohelied auf Freundschaft und Toleranz, und das in einer Sprache, die kein Vergessen irgend eines Details zulässt. Sehr zu empfehlen.

3 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.