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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Bri
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 153 Bewertungen
Bewertung vom 24.08.2020
Die Topeka Schule
Lerner, Ben

Die Topeka Schule


gut

"Die Topeka Schule" von Autor Ben Lerner schildert in verschiedenen Handlungssträngen und Perspektiven vor allem die Geschichte der Gordons.

Die Eltern, Jane und Jonathan, sind Doktoren und Psychoanalytiker in der Kleinstadt Topeka. Ihr Sohn Adam, ein typischer Heranwachsender, muß sich mit dem Druck des Erwachsenwerdens, dem, der aus dem beruflichen Umfeld seiner Eltern entsteht und seinen eigenen Ansprüchen auseinandersetzen.
Daß er in der sehr priviligierten Oberschicht einer Kleinstadt aufwächst, macht all diese Umstände nicht leichter.

Nachbarsjunge Darren ist nicht nur Patient bei Dr. Jonathan Gordon, sondern geht auch in Adams Schule und wird dort schikaniert. Wenngleich auch nicht von Adam selbst.
Als Darren in Adams Clique aufgenommen wird, eskaliert es.

Der Sprachstil dieses Buches ist gehoben und sehr anspruchsvoll- nebenbei zur Unterhaltung oder mit zahlreichen Unterbrechungen läßt es sich nicht lesen. Vielmehr scheint es der Autor darauf anzulegen, daß sein Buch mit seinen vielschichtigen Charakteren mehrfach gelesen wird.

Durch zusätzliche Zeitsprünge, z.T. subjektiven Beschreibungen und verschienenen Erzählebenen wird es dem Leser erschwert, der Geschichte chronologisch zu folgen.

Stehen bei den Erwachsenen hauptsächlich die Beziehungen untereinander, zu sich selbst und die Psychoanalyse im Vordergrund, so geht es bei Adam um Versagensangst, Triumphgefühle beim Sieg und vor allem die Macht der Sprache.
Er ist ein Meister im Debattieren und möchten diesen hohen Anspruch auch in andere Bereiche seines Lebens übertragen.

Darren hingegen scheint das Gegenstück der Gordons zu sein. Ausgegrenzt, beschränkt scheint sein Leben trostlos.

Feministin Jane muß sich nicht nur gegen Hass- und Drohbriefe, sondern Unterstellungen hinsichtlich ihrer Absichten wehren. Darunter leidet nicht nur sie selbst, auch ihr Privatleben (Familie, Freundschaften).


Fazit: sprachlich sehr anspruchsvolle Milieustudie, die die vielschichtige Geschichte einer besonderen amerikanischen Kleinstadtfamilie erzählt.

Bewertung vom 24.08.2020
Immernacht
MacKenzie, Ross

Immernacht


sehr gut

Die 13jährige Lara(belle Fox) ist Waise und bestreitet ihren Lebensunterhalt, indem sie in Abwässern verlorenen Dingen sammelt- sie ist ein sogenannter "Tosher". Alles, was sie in den Abwasserkanälen ihrer Stadt findet, verkauft sie dem alten Hans. Als sie ein geheimnisvolles Kästchen aus Holz findet, weiß sie, daß dies etwas Besonderes sein muß- ahnt jedoch nicht, daß jemand Wichtiges es dringend braucht- Mrs. Hester, die bösartige Beraterin des Königs und Magierin. Dieses Kästchen ist der Schlüssel zur Immernacht, die Dunkelheit über das Königreich bringen soll. So schickt Mrs. Hester einen Dschinn aus, der seine Freiheit nur dann wiedererlangt, wenn er ihr das Kästchen bringt. Er verwandelt sich in einen Mann ohne Schatten und Larabelles Leben ist in Gefahr.


Autor Ross MacKenzie erzählt in dieser Fantasygeschichte wieder von einem magischen Kampf Gut gegen Böse. 
Im Fokus steht eindeutig Lara, die ihre eigene (magische) Kraft entdeckt und auch, wer ihr wahrhaft wohlgesonnen ist.

Die Geschichte wird spannend erzählt, der Schreibstil ist leicht verständlich. Die Figuren und Szenen werden nur zum Teil im Detail beschrieben, der Fokus liegt eindeutig auf Lara als Hauptprotagonistin.
Als Jugendbuch deklariert, ist das jedoch vollkommen ok.

Mir gefiel die Entwicklung von Lara sehr. Von ihrer Mutter blieb ihr nun ein Medaillon. Auf der Suche nach ihren Wurzeln entdeckt sie, daß auch sie über Magie verfügt.
Ich würde dieses Buch jedoch erst ab 14 empfehlen, da einige Szenen recht gewalttätig sind.

Sehr gute 4,5 ☆.

Bewertung vom 22.08.2020
Das Leben ist ein wilder Garten
Buti, Roland

Das Leben ist ein wilder Garten


ausgezeichnet

Das Cover ist unaufgeregt und für mich nichtssagend, dennoch zog mich der Klappentext in seinen Bann.

Hauptprotagonist Carlo ist Landschaftsgärtner mit einer eigenen Firma. Er ist eher sachlich strukturiert und hält sich ungern in geschlossenen Räumen auf. Seine Frau Ana arbeitet als Krankenschwester und hat ihn und das gemeinsame (miteinander-) Leben verlassen. Die gemeinsame Tochter studiert nun in London. 
Carlo fühlt sich sehr einsam.

Seine Mutter ist aufgrund ihrer Demenz in einem Altersheim untergebracht- verschwindet aber von dort spurlos. Carlos Leben ist ein reines Durcheinander-  "ein wilder Garten".

Carlos Angestellter Agon hingegen stammt aus dem Kosovo, kennt Flucht und Entbehrungen. Er verbirgt eine sehr sanfte, sensible Seele in seinem massigen Körper. So kümmert er sich mit zärtlicher Hingabe um seinen kleinen Garten und die ihm verbliebenen Bücher aus seiner Heimat.

Gemeinsam verbringen sie ihren Arbeitsalltag miteinander und Agon unterstützt "Chef Weiss" bei der Suche nach seiner Mutter.

In einem ehemaligen Luxushotel werden sie fündig, und Carlo erkennt auf einmal Zusammenhänge, die nicht nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betreffen, sondern auch ihn und all seine Nächsten.

Autor Roland Buti hat hiermit eine zarte, anrührende Geschichte geschrieben. Mit sanften Worten beschreibt er einen kleinen Kosmos und schafft es doch, allen Figuren und Szenen genügend Raum zu geben.

Dies' ist ein Buch, das man immer wieder lesen kann, weil die Erkenntnis daraus- je nach den eigenen Lebensumständen- wohl immer wieder eine andere sein wird.

Wohlverdiente 5 ☆

Bewertung vom 13.07.2020
Axt im Wald. Humor (eBook, ePUB)
Kramer, Lars

Axt im Wald. Humor (eBook, ePUB)


sehr gut

Lars Kramer legt mit seiner kleinen, aber recht feinen "Axt im Wald" eine Sammlung an kurzen Texten vor, die überraschen. Weil sie anders sind. Laut, derb, leise, tiefsinnig, poetisch. Ja, das geht.

Und so ist dieses tolle Werk eines, das aufregt, anregt. Nie lügt. Die Hauptaufgabe- zu unterhalten- wird zu 100% erfüllt. Und noch mehr, denn es wird sich darüber unterhalten. Und das ist gut so! 

Mich persönlich sprach der "Geburtstagsmuffel" an, dieser Text wird im nächsten Jahr meine "Danksagung". Ich freue mich schon auf viele irritierte Gesichter.

Bewertung vom 13.07.2020
The Modern Break-Up
Chidiac, Daniel

The Modern Break-Up


weniger gut

Das Cover ist sehr reduziert gehalten. Es läßt auf den ersten Blick eher an ein Sachbuch denken, so liest sich der Roman "The Modern Break-Up" (leider) auch. Modern, nüchtern, klar.

Der Einstieg in den Roman gelang leicht, der Schreibstil ist locker und verständlich. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt.

Die Freundinnen Zara und Amelia machen in N.Y. Urlaub und treffen in einer Bar auf Nick und Jordan.
Während Zara und Jordan sich klischeehaft miteinander vergnügen, unterhalten sich Amelia und Nick die ganze Nacht- über Datingerfahrung und darüber, was Männer und Frauen eigentlich von der Liebe erwarten.

Aufregend ist dieser Roman nur ein wenig zu Beginn und am Ende, viel zu überlastend sind Amelias stetige Monologe,
die einer alten Liebe hinterhertrauert und männliches Verhalten nicht versteht (-en will?).

Erwartet hatte ich die Beschreibung einer beginnenden Liebe, Romantik, Eifersucht und vll. auch etwas Drama. Dies' hat dieses Buch alles nicht. So war es doch recht enttäuschend. Es las sich eher wie Protokolle von Therapiesitzungen.

Bewertung vom 13.07.2020
Schwarzer August / Leander Lost Bd.4
Ribeiro, Gil

Schwarzer August / Leander Lost Bd.4


sehr gut

Bei dem Krimi "Schwarzer August" handelt es sich um den 4. Band um den Ermittler Leander Lost.
Dieser ist deutscher Kommissar, der im Rahmen eines Polizeiaustausches in Fuseta/ Portugal ermittelt.

Trotz Asperger hat Lost sich gut in die dortige Gemeinschaft integriert.
Von seinen Kollegen geschätzt ist ihm auch privat das Glück hold: Soraia zieht endlich zu ihm. Doch nur kurz dürfen die beiden ihr Glück genießen, eine Autobombe explodiert an einem Sonntag... ein neuer Fall für Leander Lost!

Der Schreibstil des Autors Gil Ribeiro ist unglaublich- die sehr detaillierte Beschreibung der Landschaft gefiel mir, auch die Darstellung der unterschiedlichen Charaktere ist gelungen. Allen voran natürlich die des liebenswerten, etwas nerdig-schrulligen Leanders, dessen Ticks seiner Krankheit geschuldet sind.

Die Geschichte war nicht so spannend wie ich es erwartet hatte, dennoch fühlte ich mich gut unterhalten durch die anderen Aspekte wie eben Landschaft und (Liebesgeschichte des Haupt-) Protagonisten.

Kein typischer Krimi, aber empfehlenswert.

Bewertung vom 26.05.2020
flüchtig
Achleitner, Hubert

flüchtig


sehr gut

Das Cover ist ansprechend gestaltet und stellt flüchtige Wolkenbilder in einem wollweiß-altrosa-dunkelblauen Farbverlauf dar, der trotz der Leichtigkeit spannend wirkt.

Im Mittelpunkt des Romans steht Protagonistin Maria, die ihren Mann verlässt- ohne Erklärung geht- und nicht mehr wiederkommt. Dies ist der Einstieg in das Debüt von Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern. Umso spannender, da (unüblich) aus der Sicht der weiblichen Protagonistin geschrieben.

Maria's Mann (Her)Wig bleibt trotz 30jähriger Ehe 1/2 Jahr ohne Nachricht von ihr und erhält dann einen Anruf einer ihm unbekannten Lisa- einer Freundin seiner Frau. 
Er hingegen macht sich auf die Suche nach Maria und dem Grund ihres rätselhaften Verschwindens.
Beide Hauptfiguren begeben sich zunehmend auf eine Reise. Durch ihre Beziehungen- vergangene und neue- sowie vor allem zu sich selbst. Dabei müssen sie einige Hürden nehmen und Grenzen überschreiten.

Bezugnehmend zum Cover sind hier tatsächlich viele Begegnungen mit Protagonisten nur ganz kurz, flüchtig wie die Wolken, beschrieben. Das war bei der einen und anderen Nebenfigur einfach zuviel.
Dennoch gefiel mir der Roman ausgesprochen gut. Der Sprachstil ist sehr sanft und obwohl keine extremen Spannungsbögen vorkommen, bleibt das Interesse geweckt, Maria, Wig, Lisa und Nora bis zum Ende der Geschichte zu begleiten.
Es gibt einige musikalische Andeutungen, die jedoch eher eine andere Generation ansprechen werden ;)

Bewertung vom 26.05.2020
#CrashTag
Brückner, Martin

#CrashTag


sehr gut

Das Cover ist sehr gelungen, es vereint den in weiß gehaltenen Titel "#CrashTag autonom. fahren. tödlich." mit der orangefarbenen Raute auf schwarz-blauem Grund.

Wenn man mit dem speziellen Schreibstil des Autors Martin Brückner warmgeworden ist, kommt der Thriller als locker, detailverliebt (Oldtimer) und zum Teil recht Macho-haft daher. Dennoch gab es einige humoristische "Anwandlungen", die auch mich als Leserin mittleren Alters ansprachen ;)

So heißt das digitale Helferlein des Alltags hier nicht Alexa, sondern Elsa. Der PC-Experte (Nerd) Titus darf wie Goethe sprechen, eine Nebenfigur ist Fan von Freddie Mercury und weinte bei "Barcelona"- nur wenige Tage zuvor gab es eine Doku über den Frontmann von Queen, bei der ich das gleiche empfand.

"Träge floss der Main dahin, heute in Nato-Oliv." S.52
"...auf dem Toaster reanimierten Brötchen..." S.81

Wiederkehrendes Element ist die Zwiesprache zwischen Reporterlegende Fritz und Steve McQueen.
Unterstützt wird Fritz bei seinen Recherchen aber nicht nur von Titus, sondern auch Jungjournalistin Marie.

Ein toller Einfall war der Inkubus für Ideen- vll. bei "Bad Banks" abgeschaut?

Meiner Meinung nach beleuchtet Martin Brückner mit seinem Roman ein zu spezialisiertes Gebiet (autonomes Fahren), das zwar aktuell und innovativ ist, aber einfach (noch) keine allzu große Zielgruppe finden wird.

Ich empfand den Roman nicht nur als Verbeugung vor den harten Kerlen wie Steve McQueen, sondern auch früheren Reportern, die mit Heißblut jder Story hinterherjagten- ohne Rücksicht auf das eigene Leben. Zudem sind natürlich Oldtimer ein Hauptthema- von den technischen Beschreibungen habe ich nur wenig verstanden.

Alles in allem ein solider Thriller und interessantes Lesevergnügen, da neben Spannung auch (spezieller) Humor vorhanden ist.

Bewertung vom 26.05.2020
Kann Gelato Sünde sein? (eBook, ePUB)
Hennig, Tessa

Kann Gelato Sünde sein? (eBook, ePUB)


gut

Eingehüllt von einem witzigen Cover, das zugleich das Niveau des Buches widerspiegelt- findet hier Unterhaltung auf die leichte Art statt.

Julia lebt mit ihrem Freund Francesco in einem kleinen Dorf in Kalabrien und bietet nun, anstatt weiter zu studieren, entschleunigte Ferien für gestresste Großstädter an. Dabei ist es wenig förderlich, daß Francesco die Umsetzug eher anspannt angeht, einige Olivenbäume nicht einem (kleinen) Pool weichen dürfen und auch sonst immer alles bio und so einfach wie möglich sein soll.

Julia´s Mutter Emilia hingegen hat grad Mann und Job "verloren" und möchte Julia mit ihrem Besuch überraschen. Ihr Wunsch, dort auch eine Bäckerei zu eröffnen, um ihre traumhafte Schwarzwälder Kirsch unter die Leute zu bringen, verblüfft nicht nur Julia. Der äußerst sympathische Arturo (Bestatter) unterstützt Emilia nicht ganz uneigennützig ;)
Und so schafft sie es, relativ problemlos, ihr Traumlokal zu eröffnen, das auch sehr gut bei der Bevölkerung ankommt. Ihre Eistorten werden schnell zum Gesprächsthema und weiterempfohlen.

Probleme bringt Francesco´s Vater, zugleich Bürgermeister, der seiner Gemeinde das Sterben verbietet und ihr gesunde Lebensweise inkl. Sport verordnet. Schließlich kann man als Gemeinde mit den ältesten Bewohnern Fördermittel einstreichen.

So kommt es zwischen den beiden Elternteilen zu einem erbitterten Konkurrenzkampf ...

Der Schreibstil ist locker, leicht verständlich und der Humor überwiegt. Dennoch gibt es einige Logikfehler, über die man jedoch in diesem Genre hinwegsehen kann.