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Benutzername: Readaholic
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Bewertungen

Insgesamt 103 Bewertungen
Bewertung vom 29.12.2018
Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9
Neuhaus, Nele

Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9


ausgezeichnet

Einer der besten Krimis des Jahres
Theo Reifenrath, der in der Vergangenheit mit seiner Frau in einem beschaulichen Örtchen im Taunus ein Kinderheim geführt hat, wird tot in seiner Küche aufgefunden. Da er Kopfverletzungen aufweist, kann ein Verbrechen nicht ausgeschlossen werden und die Kripo Hofheim wird hinzugezogen. Bald wird Reifenraths Hund halb verhungert in einem abgeschlossenen Zwinger entdeckt und eine aufmerksame Nachbarin weist die Beamten darauf hin, dass es sich bei den im Zwinger gefundenen Knochen um Menschenknochen handelt. Daraufhin wird das Grundstück untersucht und es kommen insgesamt drei Leichen zum Vorschein. War der alte Reifenrath ein Massenmörder?
Im Zuge ihrer Untersuchungen befragen Pia Sander und Oliver von Bodenstein die früheren Pflegekinder der Reifenraths. Dabei erfahren sie, dass Reifenraths Ehefrau, die – wie sich nun herausstellt – die Kinder physisch und psychisch misshandelt hat, vor Jahren unter ungeklärten Umständen verschwunden ist. Hat sie wirklich Selbstmord begangen, wie damals behauptet wurde, oder wurde auch sie umgebracht? Um die Ehe der Reifenraths stand es nicht zum Besten, doch auch einige der Pflegekinder hätten jeden Grund gehabt, sie zu hassen.
Bei der näheren Untersuchung der auf dem Grundstück gefundenen Leichen ergeben sich Parallelen zu anderen ungeklärten Mordfällen. Der oder die Täter gingen immer nach demselben modus operandi vor, unter anderem wurden die Frauen ertränkt.
In einem zweiten Handlungsstrang erlebt die junge Schweizerin Fiona Fischer einen Schock, als sie nach dem Tod ihrer Mutter erfährt, dass diese gar nicht ihre leibliche Mutter war. Sie begibt sich auf die Suche nach der Frau, die sie direkt nach ihrer Geburt in fremde Hände gegeben hat. Dabei führt sie die Spur nach Deutschland.
Der dritte Handlungsstrang befasst sich schließlich mit dem Mörder, seinen Gedanken und Beweggründen. Als die Polizei ihm schließlich auf die Schliche kommt, hat er noch zwei Frauen in seiner Gewalt. Ein Rennen um Leben und Tod beginnt...

Mit dem neunten Fall um die Ermittler Pia Sander und Oliver von Bodenstein ist Nele Neuhaus ein wirklich spannender Krimi gelungen. Nachdem ich vom letzten Buch, „Im Wald“ nicht so begeistert war, kann ich diesen Band uneingeschränkt empfehlen!

Bewertung vom 27.12.2018
Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9
Sten, Viveca

Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9


ausgezeichnet

Spannend bis zum Schluss
Nachdem ich den letzten Band aus der Viveca Sten Reihe um die Juristin Nora Linde und Kriminalkommissar Thomas Andreasson als ziemlich zäh und langweilig empfunden habe, ist der vorliegende neunte Band für mich einer der besten der Reihe.
Es werden drei verschiedene Handlungsstränge vorgestellt. Da sind zum einen natürlich Nora Linde und Thomas Andreasson und ihre privaten und beruflichen Probleme. Dann erfahren wir von Mina Kovac, einer Schwedin, die mit einem gewalttätigen Einwanderer aus Bosnien verheiratet ist. Der dritte Erzählstrang bezieht sich auf die Vergangenheit von Minas Ehemann Andreis, der als kleines Kind zusammen mit seinen Eltern vor dem Krieg auf dem Balkan floh und dabei Schreckliches mit ansehen musste.
Nach und nach verflechten sich die Erzählstränge, wobei Viveca Sten immer an den spannendsten Stellen abbricht und die anderen Geschichten weitererzählt. So bleibt der Roman spannend bis zum Schluss.
Ich habe dieses Buch wirklich sehr gern gelesen, das Einzige, was mich gegen Ende sehr genervt hat, waren die Alleingänge von Mina, die damit nicht nur sich und ihren Sohn, sondern auch ihre Umwelt in Gefahr bringt.

Bewertung vom 26.11.2018
Mittagsstunde, 9 Audio-CDs
Hansen, Dörte

Mittagsstunde, 9 Audio-CDs


ausgezeichnet

Warmherziges Porträt eines Dorfes und seiner Bewohner
Im Mittelpunkt dieses großartigen (Hör)Buchs von Dörte Hansen steht der 48jährige Ingwer Feddersen mit seiner Familie. Geboren und aufgewachsen in dem kleinen nordfriesischen Dorf Brinkebüll, schafft er es auf die Oberschule und promoviert später sogar in Kiel. Die Großeltern Ella und Sönke, die ihn aufgezogen haben, waren damals nicht glücklich darüber, lieber wäre es ihnen gewesen, der Junge hätte die Gastwirtschaft der Familie, den alten Dorfkrug, weitergeführt. Jetzt sind die Großeltern alt und brauchen Hilfe, woraufhin Ingwer sich ein Sabbatjahr nimmt und nach Brinkebüll zurückkehrt. Für ihn bietet sich dadurch die Gelegenheit, sein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen und zu überlegen, wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, wir lernen das heutige Brinkebüll ebenso wie das Dorf, wie es in den 70er Jahren war, kennen. Vieles hat sich in der Zeit verändert. Die alten Dorfkastanien mussten weichen, die Landwirtschaft rentierte sich plötzlich nicht mehr, in der Stadt eröffnet ein Supermarkt und der von Dora Koopmann straff geführte Dorfladen (keine Selbstbedienung!) muss zumachen. Auf den alten Höfen ziehen junge Familien ein, die aus der Großstadt kommen, ihre Kinder „Fidel“ (nach ihrem Idol Fidel Castro) nennen und in Brinkebüll das Landleben zelebrieren, während die alten Brinkebüller ihre Einfahren zubetonieren und froh darüber sind, dass der Fortschritt auch ihr Dorf erreicht hat. Die Beschreibungen sind von Wehmut durchzogen, aber viele davon sind auch urkomisch. Dörte Hansen hat eine ganz besondere Begabung, Menschen und ihre Eigenheiten warmherzig und genau zu beschreiben, ohne dabei jemals verletzend zu sein. Es ist schön, dieses Dorf und seine knorrigen Bewohner so genau kennenzulernen. Am Ende des Buchs hatte ich das Gefühl, mich von guten alten Bekannten verabschieden zu müssen.

Mit „Altes Land“ hatte Dörte Hansen die Messlatte schon sehr hoch gelegt, „Mittagsstunde“ hat mir sogar noch besser gefallen. Es ist ein Buch der leisen Töne, im übrigen auch sehr gut gelesen von Hannelore Hoger, deren ruhige, fast schon eintönige Sprechweise mir zunächst nicht gefallen hat, dann habe ich aber festgestellt, dass sie die Nordfriesen sehr gut darstellt (nur ihr Singen ist ziemlich gewöhnungsbedürftig). Ich habe das (Hör)Buch sehr genossen und kann es nur empfehlen.

Bewertung vom 18.11.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


sehr gut

Deutschland in den 1960er Jahren
Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess im Jahr 1963. Ihre Eltern, die ein gutbürgerliches Gasthaus betreiben, und Evas Verlobter, der reiche Unternehmersohn Jürgen Schoormann, wollen sie von dem Vorhaben abbringen, doch Eva lässt sich nicht beirren.
Im Laufe des Prozesses erfährt Eva vieles über die unmenschlichen Grausamkeiten, die sich in Auschwitz abgespielt haben. Sie kann nicht verstehen, warum Jürgen und ihre Eltern so wenig Interesse daran zeigen. Jürgen versucht sogar, den vorsitzenden Richter davon zu überzeugen, dass Evas „Nervenkostüm“ zu schwach ist, um diese Aufgabe auf Dauer erfüllen zu können.
Als Leser bekommt man einen guten Einblick in das Deutschland der 1960er Jahre, in dem das Veto eines Verlobten gereicht hat, um einer Frau den Job wegzunehmen!
Das Buch behandelt einen wichtigen und dunklen Teil der deutschen Geschichte, aber manches ist für mein Empfinden doch sehr schwarz-weiß dargestellt. Man bekommt den Eindruck, dass die Deutschen ein Volk von bigotten Mördern, Mitläufern und anderen Verbrechern und Denunzianten sind. Selbst Jürgen und Evas Familie haben Schuld auf sich geladen. Diese Nebenschauplätze haben mir im übrigen nicht gefallen, vor allem die Geschichte um Evas Schwester war völlig überflüssig und irrelevant. Auch den Handlungsstrang um den jungen Juristen David Miller fand ich viel zu ausschweifend. Überhaupt nicht nachvollziehen konnte ich manche von Evas Beweggründen, zum Beispiel blieb mir ein Rätsel, was sie an Jürgen fand, der abgesehen von seinem Reichtum so gar nichts zu bieten hatte. Auch ihr Verhalten den Eltern gegenüber konnte ich nicht verstehen.
Deutsches Haus ist sicherlich ein lesenswertes und gut recherchiertes Buch, wenn man sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen will, doch mit den vielen Nebenschauplätzen hat sich die Autorin ein wenig verzettelt.

Bewertung vom 12.11.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


gut

Interessante Aspekte, aber nicht sonderlich spannend
Kommissar Eschbach kehrt nach einer Weile in den USA in die Schweiz zurück. Die Stimmung in seiner Dienststelle ist gedrückt und mit Ivy Köhler, die während seiner Abwesenheit seine Stelle besetzte, wird er nicht warm. Außerdem hat er das Gefühl, dass er aufs Abstellgleis geschoben werden soll.
Als sein alter Freund Lenz verschwindet und unter Terrorverdacht steht, muss Eschbach handeln. Außerdem gibt es einen seltsamen Todesfall. Ein kleinwüchsiger Wissenschaftler wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Wohnung ist vollkommen leergeräumt, es gibt keine Hinweise auf Verwandte und Freunde. Lenz und der Tote haben sich allerdings aus Studienzeiten gekannt. Hängt Lenz’ Verschwinden mit dem Tod des Wissenschaftlers zusammen?
Mir war nicht bewusst, dass es sich bei Lenz um eine Reihe handelt und ich empfand es als schwierig, die vielen Personen und deren Beziehungen untereinander auseinanderzuhalten und ihre Vorgeschichten zu verstehen. Den Einstieg in den Roman sowie den Schluss fand ich recht spannend, aber durch den Mittelteil habe ich mich gequält. Die Gedanken zum Krieg in Syrien waren interessant, die Überlegung, wie sehr die öffentliche Meinung von bewusst platzierten Fake News beeinflusst wird, erschreckend. Alles in allem ist Lenz für meine Begriffe eher ein mäßig spannender Roman als ein Kriminalroman. Dass einige der Begebenheiten wie etwa das Auftauchen einer lange Zeit verschollenen Goldmünze den Tatsachen entsprechen, war allerdings interessant.

Bewertung vom 05.11.2018
Die Unsterblichen
Benjamin, Chloe

Die Unsterblichen


ausgezeichnet

Das Buch umspannt vier Jahrzehnte und ist in ebenso viele Teile gegliedert, in denen jeweils das Leben eines der Geschwister geschildert wird.
Nach dem frühen Tod des Vaters, eines streng gläubigen Judens, beschließen die beiden Jüngsten, Klara und Daniel, New York zu verlassen und an die Westküste der USA nach San Francisco zu ziehen. Für den homosexuellen Daniel, der seine Neigung bisher nicht ausleben konnte, ist dies ein Befreiungsschlag, denn San Francisco in den 1970er Jahren ist ein El Dorado für Schwule. Er genießt sein Leben in vollen Zügen. Erst als die ersten Fälle von AIDS auftreten, einer Krankheit, für die es damals noch keinen Namen, geschweige denn ein Heilmittel, gab, beginnt die schöne neue Welt Risse zu bekommen.
Klara, die zunächst noch mit Daniel zusammen wohnt, hält sich mit Aushilfsjobs über Wasser, doch dann erfüllt auch sie sich ihren Lebenstraum und tritt als Zauberkünstlerin in Clubs und Variétés auf. Als sie Raj kennenlernt, der als ihr Partner und Bühnenpartner große Pläne für ihre persönliche und berufliche Zukunft schmiedet, scheint sie ihren Platz im Leben gefunden zu haben, doch sie ist eine Getriebene, die, genau wie ihre Geschwister, die Worte der Wahrsagerin nie vergessen hat.
Die beiden älteren Geschwister bleiben zunächst an der Ostküste in der Nähe der Mutter Gerti, die durch den Tod ihres Mannes und dem plötzlichen Verschwinden ihrer beiden Jüngsten den Boden unter den Füßen verloren hat. Daniel studiert Medizin, Varya Biologie. Beide schließen ihr Studium ab und haben gute Jobs, doch die Vorhersage der Wahrsagerin liegt wie eine dunkle Wolke über ihrem Leben. War die Frau eine Betrügerin oder hat sie wirklich die Fähigkeit, das Todesdatum eines Menschen vorherzusagen? Daniel findet heraus, dass sie einem Clan angehört, der vom FBI gesucht wird, und beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen.
Varya lebt nur für ihre Arbeit, der Altersforschung. Sie ist Leiterin eines Versuchslabors, in dem an Affen die Auswirkung der Ernährung auf die Lebensdauer getestet wird. Ihr Leben ist bestimmt von Zwangsstörungen, von anderen Menschen hält sie sich fern. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als ein junger, wissbegieriger Journalist die Einrichtung besucht.
„Die Unsterblichen“ ist ein spannender und emotionaler Roman, der unter die Haut geht. Er beschreibt nicht nur das Leben der einzelnen Personen, sondern zeichnet auch ein Bild der jeweiligen Zeit vor dem Hintergrund von Ereignissen wie der ersten Mondlandung und 9/11. Er wirft Fragen auf, wie man sein Leben am besten lebt. In vollen Zügen, um so viel wie möglich zu erleben, mit allen damit zusammenhängenden Risiken, oder gemäßigt und vorsichtig? Ist es ein Segen zu wissen, wie viel Zeit man auf Erden hat oder ist es ein Fluch? Mich hat diese Geschichte einer jüdischen Familie fasziniert.

Bewertung vom 25.10.2018
Macbeth
Nesbø, Jo

Macbeth


schlecht

Im Sumpf von Drogen, Gewalt und Machtgier
Macbeth ist ein düsteres Szenario, in dem Nesboe versucht, Shakespeares Macbeth in die Gegenwart zu versetzen. Schauplatz ist eine heruntergekommene ehemalige Industriestadt voller Arbeitslosen und Drogensüchtigen. Bürgermeister und Chief Commissioner der Stadt sind gewissenlos und auf der Gehaltsliste des Drogenbosses Hecate. Inspector Macbeth, ursprünglich noch bestrebt, dem Sumpf aus Korruption und Drogen ein Ende zu setzen, verliert seine hehren Ziele bald aus den Augen. Angestachelt von der Machtgier seiner Partnerin Lady, einer ehemaligen Prostituierten und Casinobetreiberin, beginnt er ein beispielloses brutales Morden, denn sein Ziel ist es, selbst Chief Commissioner zu werden. Wie viele Menschen er auf dem Weg nach oben umbringt oder umbringen lässt, habe ich nicht mitgezählt, aber es sind Dutzende. Auch vor unschuldigen Frauen und Kindern macht er nicht halt. Leider krankt die Geschichte daran, dass vieles vollkommen unrealistisch ist. So sticht Lady dem ersten Opfer am Morgen nach der Tat erneut den Dolch in den Körper, um das Ganze echter wirken zu lassen. Forensiker würden auf den ersten Blick erkennen, dass dies erst nach dem Tod des Opfers geschehen ist, weil kein Blut aus der Wunde ausgetreten ist, aber die Forensiker in Nesboes Roman erkennen dies so wenig wie vieles andere, was auf Macbeth als Täter hinweist.
In Anlehnung an das Original hat Macbeth Visionen von seinen geköpften und fürchterlich zugerichteten Opfern. Erklärt werden die Visionen damit, dass er (ebenso wie Lady) inzwischen der Droge Power verfallen ist. Lady sieht im Drogenrausch ihr Baby vor sich, das sie als Teenager umgebracht hat. In einer Minute ist sie noch eine vor sich hinbrabbelnde Irre, dann beschließt sie, die Drogen wegzulassen und im nächsten Moment ist sie wieder Macbeths kluge Beraterin, die wie eh und je Intrigen schmiedet. Auch das ist mehr als unrealistisch, wie so vieles in diesem Buch. Ich habe „Macbeth“ als Audiobuch gehört und es waren 19 unendlich lange Stunden voller Gewaltexzesse in einer Welt, in der die Bösen das Sagen haben und damit durchkommen. Ich habe mich durch dieses Hörbuch gequält. Wenn ich nicht Teil einer Hörrunde gewesen wäre, hätte ich es wahrscheinlich nach kürzester Zeit zur Seite gelegt, so habe ich mich bis zum bitteren Ende durchgekämpft. Nesboe war es wahrscheinlich leid, immer nur Harry Hole Krimis zu schreiben, aber er täte besser daran. Er hat sich ein ambitioniertes Projekt vorgenommen, das allerdings meiner Meinung nach grandios gescheitert ist. Schade um die Zeit, Finger weg von diesem Werk!

Bewertung vom 24.10.2018
Die perfekte Unschuld / Luc Callanach Bd.2
Fields, Helen

Die perfekte Unschuld / Luc Callanach Bd.2


ausgezeichnet

Blutrünstige Mordserie in Edinburgh
Eine Mordserie erschüttert Edinburgh. Das erste Opfer wird inmitten einer Menschenmenge bei einem Festival erstochen, wenig später wird das nächste Opfer entdeckt, eine Hospizschwester, die in ihrer Wohnung grausam gefoltert und getötet wurde. Schnell wird von einem Serientäter ausgegangen, doch bald zeigen Überwachungskameras, dass es sich um zwei verschiedene Täter, möglicherweise einen Mann und eine Frau, handeln muss. Es bleibt nicht bei diesen beiden Morden. Auch das nächste Opfer ist ein unbescholtenes, geschätztes Mitglied der Gesellschaft, das niemandem etwas zuleide getan hat. Die Ermittler stehen unter Zugzwang, denn der nächste Mord wurde bereits angekündigt und die Bevölkerung Edinburghs ist in Panik. Mit den Ermittlungen betraut sind Luc Callanach, ein Franzose und Ex-Model, den persönliche Umstände dazu gezwungen haben, Frankreich zu verlassen und in Schottland ein neues Leben zu beginnen, sowie seine Kollegin DI Ava Turner. Die beiden scheinen sich nicht ganz unsympathisch zu sein, doch dann taucht Joe Edgar, ein früherer Freund Avas in Edinburgh auf, der in einem Hackerfall ermittelt, und die alte Beziehung lebt wieder auf. Dass Edgar ein Ekelpaket sondersgleichen ist, scheint nur Ava zu entgehen.
Die beiden Mörder morden mittlerweile munter weiter und Luc erhält bei der Aufklärung Hilfe von unerwarteter Seite. Gegen Ende des Buchs zeigt sich, dass viel mehr hinter den Morden steckt als zunächst angenommen.
„Die perfekte Unschuld“ ist ein Thriller für hartgesottene Leser, denen es Spaß macht, über grausame Details, entsetzlich gefolterte Opfer und Tierquälerei zu lesen. Ich selbst gehöre nicht zu dieser Gruppe und wenn ich das Buch nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen hätte, hätte ich es nach dem dritten blutigen Mord angewidert zur Seite gelegt.

Bewertung vom 23.10.2018
Liebe und Verderben
Hannah, Kristin

Liebe und Verderben


sehr gut

Sehnsuchtsort Alaska
Ernt Allbright kehrt als Kriegsveteran aus Vietnam zurück. Er leidet an PTBS, einer Krankheit, der im Jahr 1974 noch nicht viel Beachtung geschenkt wird. Er ist launisch und unberechenbar und hält es an keinem Ort und in keinem Job lange aus. Als er von seinem im Krieg gefallenen Freund Bo eine Hütte in Alaska samt Grundstück erbt, erscheint ihm ein Umzug nach Alaska als die Lösung aller Probleme. Ernt, seine Frau Cora und ihre Teenagertochter Leni brechen alle Zelte ab und lassen sich auf das Abenteuer Alaska ein.
Dort angekommen merken sie schnell, dass sie auf ein Leben in der Wildnis in keinster Weise vorbereitet sind. Zum Glück haben sie hilfsbereite Nachbarn – eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Einheimischen und Aussteigern - die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Trotz aller Entbehrungen – es gibt weder fließend Wasser noch Strom – genießen die Allbrights ihr neues, arbeitsreiches Leben. Leni lernt in der Schule den gleichaltrigen Matthew kennen, mit dem sie sich gut versteht. Doch dann geht der Sommer dem Ende zu und mit den langen dunklen Tagen kommt Ernts Unberechenbarkeit zurück. Er trinkt zu viel und wird streitsüchtig und handgreiflich. Seine Paranoia, Feinde könnten es auf ihn und seine Familie abgesehen haben, steigert sich immer mehr und nimmt bizarre Formen an.
Cora, die ihren Mann trotz allem liebt, schafft es nicht, ihn zu verlassen, obwohl sie sieht, welche Gefahr Ernt für sie und Leni darstellt.
Leni und Matthew haben sich ineinander verliebt, was sie vor Ernt geheim halten müssen, denn er hasst Matthews Familie.
„Liebe und Verderben“ ist ein hochdramatischer und fesselnder Roman, den ich zunächst kaum aus der Hand legen konnte. Auch die Beschreibungen der wunderschönen Natur Alaskas sowie die Wandlung der Allbrights von Stadtmenschen zu Selbstversorgern haben mich fasziniert. Die zweite Hälfte des Buchs fand ich stellenweise nicht mehr ganz so gelungen, vielleicht lag es auch an der düsteren, klaustrophobischen Stimmung, die sich durch den jähzornigen Ernt wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. Es hat mich sehr frustriert, wie Cora sich von ihrem Mann alles bieten lässt und aus Angst vor ihm die von den Nachbarn angebotene Hilfe ablehnt. Es ist ein Teufelskreis aus Gewalt und Verleugnung, Hoffnung und Verzweiflung, dem sie schließlich im letzten Moment doch noch entkommen...
„Liebe und Verderben“ ist auf jeden Fall ein lesenswerter Roman. Wenn er nicht ganz so ausufernd wäre und teilweise nicht ganz so sehr einen Hang zum Kitschigen hätte, würde ich ihn mit 5 Sternen bewerten, so sind es gute 4 Sterne.

Bewertung vom 22.10.2018
Stern des Nordens
John, D. B.

Stern des Nordens


ausgezeichnet

Atemlose Spannung
Die amerikanische Studentin Soo-min verschwindet eines Tages spurlos zusammen mit ihrem Freund von einem Strand in Südkorea. Ihre Zwillingsschwester Jenna will sich auch zwölf Jahre nach ihrem Verschwinden nicht mit der offiziellen Version zufrieden geben, wonach die beiden ertrunken sind.
Jenna ist inzwischen Universitätsdozentin und Nordkoreaspezialistin. Als sie vom CIA angeworben werden soll, reagiert sie zunächst ablehnend, doch dann erfährt sie von einem nordkoreanischen Geheimprogramm, das über Jahre hinweg Ausländer mit koreanischen Wurzeln entführen und nach Nordkorea verschleppen ließ. War ihre Schwester Opfer dieses Programms? Ist Soo-min am Leben und in Nordkorea gefangen? Jenna beginnt mit der Ausbildung beim CIA und bekommt bald die Chance auf ein Treffen mit einer nordkoreanischen Delegation unter Leitung des linientreuen Diplomaten Cho.
In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir die Nordkoreanerin Moon, die verzweifelt versucht, durch Handel sich und ihren Mann am Leben zu halten. Anhand ihrer Lebensumstände erfährt der Leser von den bitter armen Verhältnissen der einfachen Menschen in Nordkorea, die am Verhungern sind, während der „geliebte Führer“ Kim il Sun ein Leben in unvorstellbarem Luxus lebt.
Cho, der zunächst nach seiner erfolgreichen diplomatischen Mission in seinem Heimatland gefeiert wird, fällt in Ungnade und wird in ein Arbeitslager geschickt, jedoch schafft er es zuvor, Jenna wichtige Informationen zukommen zu lassen.
D.B. John, dessen spannender Roman all diese Handlungsstränge geschickt miteinander verknüpft, hat selbst Nordkorea bereist und ein Großteil der im Roman beschriebenen Umstände basiert auf wahren Tatsachen. „Stern des Nordens“ ist spannender Thriller, der unter die Haut geht. Normalerweise bin ich äußerst skeptisch, wenn ein bekannter Autor, in diesem Fall Lee Childs, ein Buch in höchsten Tönen anpreist, doch in diesem Fall gebe ich ihm recht. Absolute Leseempfehlung!