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Insgesamt 294 Bewertungen
Bewertung vom 13.07.2019
Aigen, Isabel

Die zweite Sünde / Mordfriesland Bd.3


ausgezeichnet

Sodom und Gomorra in Husum

„Die zweite Sünde“ von Isabel Aigen ist der dritte Fall aus der Reihe Mordfriesland um die Husumer Kommissare Sebastian Kerner und Henrik Ketelsen. Der Krimi kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Urlauber finden einen bizarr zugerichteten Toten. Spuren mit Blut führen zu der Leiche, die wie Grillgut über einer Grube platziert wurde.

Es ist einer der beiden Geschäftsführer der alteingessenen Baufirma Waltherr. Kurz vorher haben die Polzisten einen anonymen Hinweis auf Kenntnisse der dieser Firma über den Pfusch am Bau der Umgehungsstraße Süd erhalten. Sie war hier als Subunternehmer tätig.

Routiniert und akribisch ermitteln Kerner und Ketelsen im privaten und beruflichen Umfeld des Getöteten. Seit geraumer Zeit lief es wirtschaftlich nicht mehr so gut wie früher, dennoch wurden für das Betriebsklima oft Grillfeste arrangiert. Familie ging den Geschäftsführern über alles. Ein Mordmotiv ist hier nicht auszumachen.
Gekonnt legt Isabel Aigen falsche Fährten und lässt den Leser überrascht zurück. Auch die Kriminalpolizisten stecken immer noch in Details fest, als die nächste Leiche entdeckt wird. Es ist der Vater. Ein zur Salzsäule erstarrter Hahn weist auf ihn.
Auch hier führen die Ermittlungen weiter ins Leere. Erst als sich die Kriminalisten der Vergangenheit widmen, scheint es erfolgversprechende Spuren zu geben. Dennoch gibt es auch immer wieder falsche Hinweise und genügend Verdächtige. Es bleibt spannend.

Die überraschende Aufklärung in sich absolut stimmig und stellt auch den Bezug zum Prolog klar dar.
Die Autorin erzählt mit Liebe zum Detail eine äußerst spannende und gut ausgedachte Kriminalgeschichte, die sofort fesselt. Ihr angenehmer und flotter Erzählstil ist wunderbar zu lesen.
Mit „Die zweite Sünde “ ist Isabel Aigen eine außergewöhnliche und spannende Geschichte gelungen, die aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung ist. Gern vergebe ich 5 Sterne.

Bewertung vom 19.06.2019
Aigen, Isabel

Trümmerfeld / Mordfriesland Bd.2


ausgezeichnet

Spannende Unterhaltung

„Trümmerfeld“ von Isabel Aigen ist der zweite Fall aus der Reihe Mordfriesland um die Husumer Kommissare Sebastian Kerner und Henrik Ketelsen. Der Krimi kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Auch in diesem Buch stellt die Autorin wieder ein aktuelles und gesellschaftlich relevantes Thema in den Mittelpunkt ihres Krimis. Mobbing gibt es überall und berichtet wird nur, wenn besonders eklatante Fälle bekannt werden.

Doch zunächst passieren innerhalb kurzer Zeit mehrere Morde. Immer werden die Opfer an touristisch interessanten Stellen Husums gefunden. Irgendwie unheimlich und eine Verbindung zwischen den Toten scheint es nicht zugeben.
Die beiden Kommissare ermitteln in alle Richtungen, aber zunächst ohne Erfolg. Auch als Leser war ich oft ratlos, weil die Szenenwechsel sehr abrupt erfolgten und ich manchmal Mühe hatte den einzelnen Geschichten zu folgen.

Dennoch gelingt es Isabel Aigen die grundverschiedenen Handlungsstränge zu verknüpfen und der Leser ahnt bald in welche Richtung zu ermitteln ist. Dennoch gibt es auch immer wieder falsche Fährten und genügend Verdächtige. Es bleibt spannend.

Alles endet mit einem dramatischen Finale an einem wunderschönen Ort Nordfrieslands, das an Hochspannung nichts zu wünschen offen lässt. Die überraschende Aufklärung in sich absolut stimmig und stellt auch den Bezug zum Prolog klar dar.

Bis auf wenige Einschränkungen, wie die sehr abrupten Szenenwechsel und die Person des Lehrers, der für mich nicht schlüssig in die Story passte, kann ich dennoch diesen neuen Krimi allen Interessierten empfehlen. Der Schreibstil ist locker, informativ und fesselnd. Das Personenspektrum ist ein buntes Kaleidoskop und treffsicher beschrieben.

Damit ist Isabell Aigen wieder ein fesselnder und unterhaltsamer Krimi gelungen. Gern vergebe ich 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 04.06.2019
Siemens, Thorsten

Tod in Emden. Ostfrieslandkrimi


ausgezeichnet

Hedda und Enno sind nicht nur ein unkonventionelles Ermittlerpaar, sondern auch privat liiert. Es ist die ganz große Liebe für beide. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob ich es wirklich einen Krimi lese, denn am Beginn geht es hauptsächlich um die persönlichen Befindlichkeiten der beiden jungen Leute.

Doch dann nimmt die Story an Fahrt auf und es wird richtig spannend. Dank des flotten Schreibstils von Thorsten Siemens ist man als Leser schnell mitten im aktuellen Fall. Moritz Schepker wird brutal erschlagen – schnell gerät ein Jugendlicher, Navid, unter Verdacht. Er war mit dem gleichen Mädchen, der hübschen Tjalda, befreundet wie das Mordopfer. Doch ist er deshalb auch gleich der Täter? Sein Freund, der an die Unschuld von Navid glaubt, bittet Enno, der undercover als Streetworker für eine ostfriesische Geheimeinheit tätig ist, um Hilfe. Natürlich steht ihm bei diesem rätselhaften Fall Hedda tatkräftig zur Seite. Es macht Freude die beiden Ermittler bei ihren Recherchen zu begleiten. Sie gewinnen schnell das Vertrauen von Personen im Umfeld des Opfers. Bei Bedarf können sie auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten zur Freude des Lesers einsetzen.
Sie treffen auf ganz unterschiedliche Menschen, wie die schwer kranke Mutter von Moritz oder den Dealer mit Pokemon-Ähnlichkeiten. Hedda und Enno beobachten genau und ziehen beim Kombinieren die richtigen Schlussfolgerungen. Bald verfolgen sie eine vielversprechende Spur, die zum wahren Täter führt. So gelingt dem Autor eine unterhaltsame und spannende Geschichte, die aus meiner Sicht leider auch einige Schwächen hat.

Der Bezug zu aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft ist aus meiner Sicht ein wenig zu einseitig dargestellt. Hier könnte mehr differenziert werden. Die Idee an sich ist gut, aber leider gibt es einige Schwächen in der Umsetzung.
Wenig glaubhaft erschien mir auch der Einsatz von Enno in einer ostfriesischen Geheimeinheit sowie der schnelle Erfolg von Hedda als Autorin.

Fazit:
Mit „Tod in Emden“ ist Thorsten Siemens ein spannender und unterhaltsamer Krimi mit unvorhersehbaren Wendungen, trotz kleiner Schwächen, gelungen. Gern vergebe ich 4 Sterne und freue mich auf den nächsten Fall mit Hedda und Enno.

Bewertung vom 19.05.2019
Weiß, Sabine;Weiss, Sabine

Finsteres Kliff / Liv Lammers Bd.3


ausgezeichnet

Sylter Geständnisse

„Finsteres Kliff“ von Sabine Weiß ist bereits der dritte Fall für die Ermittlerin Liv Lammers in ihrer Sylter Krimreihe aus dem Bastei-Lübbe Verlag. Ich kannte die ersten beiden Bücher nicht, doch der Einstieg gelang mir problemlos.

Das Biikefest ist in Norddeutschland ein gemeinsames Feuerfest mit dem traditionell böse Geister vertrieben und die Saat geschützt werden soll. Doch in diesem Jahr wird unmittelbar nach dem Fest ein junger Mann tot aufgefunden. Kurze Zeit später verschwindet eine junge Frau, Vanessa, spurlos.
Da es auf der Insel keine Mordkommission gibt, muss die Kieler Kripo vor Ort ermitteln. Liv Lammers, die Kommissarin ist gebürtige Sylterin. Um ihr Verhältnis zur Insel, wo noch ihr Vater und ihre Schwester leben, steht es nicht gut.

Bald erfahren die Kriminalisten, dass der tote Gerald, ein Bankangestellter war, der sich für die Wikingerzeit und Archäologie interessierte. Die verschwundene Vanessa war seine Freundin. So ist es naheliegend, dass zunächst im privaten Umfeld recherchiert wird. Dabei gelingt es der Autorin nicht nur einen spannenden Kriminalfall zu schildern, sondern auch viel Wissenswertes über die Wikingerkultur auf der Insel zu vermitteln.
Als der berufliche Hintergrund der Beiden untersucht wird, scheint ein mögliches Motiv Gestalt anzunehmen.

Sehr geschickt beschreibt die Autorin die Polizeiarbeit und nimmt den Leser mit in ganz unterschiedliche Kreise der Sylter Gesellschaft. Sabine Weiß erzählt eine spannende und komplexe Geschichte, die den Leser schnell fesselt. Unerwartete Wendungen bringen Bewegung in den Fall und es ist nicht einfach für Kommissarin Lammers den Überblick zu behalten. Sie hat eine Neigung zu Alleingängen, die sie in höchste Gefahr bringen.
Der Fall ist gut strukturiert aufgebaut, hat viele Handlungsansätze, die nicht geradlinig zur Lösung führen und die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhalten.

Fazit:
Ein gut ausgedachte Geschichte, die in sich schlüssig gelöst wurde. Mich hat dieser Sylt-Krimi gefesselt und mir eine wirklich spannende Lesezeit beschert. Deshalb vergebe ich nicht nur 5 Sterne, sondern auch eine klare und eindeutige Leseempfehlung.

Bewertung vom 08.05.2019
Nicol, Alex

Das Geheimnis des versunkenen Tals (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Verborgene Geheimnisse in der Tiefe

In dieser Kurzgeschichte (ca. 65 Seiten) um Gwenn und Soazic dringen die beiden tief in die bretonische Geschichte ein. Sie besuchen Gwens Onkel, Klaod, dessen Hobby die Ahnenforschung ist. Er lebt zwar nur 35 km entfernt, jedoch ich einer ganz anderen Welt. Es ist die geheimnisvolle Gegend um Yeoun Elez, einem Naturschutzgebiet mit Torfmooren, Bergen und dem See Saint Michel, wo Sagen und Legenden noch im Alltag der Menschen zu spüren sind.

Ausgerechnet hier plant der amerikanische Ölmillionär Tom O’Hara ein gigantisches Projekt, KerGradlon genannt, wo die Bretonen ihre Seele wiederfinden sollen. Ein bretonisches Dorf aus dem 5. Jahrhundert soll aufgebaut werden und Forschungs- und Begegnungsstätte, Kino, Bibliothek sowie ein Theater beherbergen. Auf dem See, der durch Überflutung von Dörfern vergrößert wird, werden Wikingerschiffe schwimmen. Vieles passt nicht zusammen und Nachfragen werden radikal abgewiegelt.
Das Misstrauen in der Region ist geweckt. Der See darf nicht mehr von den Einheimischen zum Fischen benutzt werden. Fünf junge Männer sind spurlos verschwunden. In der ehemaligen Kapelle Saint Michel wurde ein streng bewachtes Planungsbüro für das Projekt eingerichtet. Leiterin ist die verführerische und gerissene Tochter von O’Hara.

Das Misstrauen ist geweckt und Klaod bittet Gwenn um Hilfe bei Nachforschungen über die Aktivitäten des Amerikaners. Beide ahnen nicht, in welches gefährliche Abenteuer sie sich begeben. Gwenn entdeckt Unglaubliches.
Alex Nicol erzählt eine sehr spannende Geschichte, die den Leser sofort fesselt. Der flüssige und informative Schreibstil überzeugt. Die Beschreibung von Klaod und seiner Frau Yvonne, die ungemein leckere bretonische Gerichte zaubert und couragiert handelt, vermittelt viel Lokalkolorit. Die wunderbaren Beschreibungen der Natur verzaubern. Glenn und Soazic sind ein liebenswertes und perfekt harmonierendes Team, welches gemeinsam auch die kompliziertesten Situationen meistert.

Am Ende überzeugt ein packendes und rasantes Finale mit listigen Ideen der findigen Bretonen den Leser nochmals von der rundum gelungenen und in sich stimmigen Geschichte.
Mit dieser Kurzgeschichte ist dem Autor eine außergewöhnliche und spannende Erzählung gelungen, die aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung ist.

Bewertung vom 08.05.2019
Nicol, Alex

Mord in der keltischen Brauerei (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine raffinierte Intrige

„Mord in der keltischen Brauerei“ von Alex Nicol ist im Juli 2015 im französischen Verlag Les éditions du 38 erschienen und liegt jetzt in deutscher Übersetzung vor.
Der Autor Alex Nicol wurde 1954 auf Madagaskar geboren. Nach der Unabhängigkeit des Landes kehrten seine Eltern, die aus der Bretagne stammen, in den Norden Frankreichs zurück. Er selbst bezeichnet sich als freien Mann, der durch seine bretonischen Wurzeln geformt wurde. Nach seinem Studium leistete er seinen Militärdienst in Marokko, arbeitete er als Lehrer für Englisch und Französisch und leitete französische Kulturzentren in Indien und Saudi Arabien und lebt seit einigen Jahren in der Bretagne.

Bisher veröffentlichte er 16 Krimis, in deren Mittelpunkt der ehemalige Journalist Gwenn Rosmadec steht. Dieser spielt in seiner Freizeit gern Dudelsack, genau wie der Autor Alex Nicol. Nach den Zeiten, die Gwenn beruflich in den Krisengebieten dieser Welt verbracht hat, möchte er seinen neuen Lebensabschnitt etwas ruhiger angehen lassen und betreibt eine kleine Agentur für Recherchen zur Familiengeschichte von Privatleuten.

Daniel Kerné, der größte Unternehmer in Sainte-Marine, hat eine eine Brauerei in historischen Gemäuern, die sich auf lokale Biere spezialisiert hat, gegründet. Seine neueste Schöpfung ist das Armann Du, ein dunkles Bier mit einem Hauch von Butter.
Er bittet Gwenn seine Familiengeschichte, die vor allem für seine 20jährige Adoptivtochter Maelle bestimmt ist, aufzuschreiben. Er lebte längere Zeit in Kanada, wo er zu Geld gekommen ist.
Routiniert versucht sich Gwenn zunächst ein Bild seines Auftraggebers zu machen und sammelt Fakten zum Berufs- und Privatleben. Dabei stößt er schnell auf Ungereimtheiten und wird das Gefühl nicht los, dass ihm irgendetwas verschwiegen wird. Auch in Sabotageakt in der Brauerei, der gerade bei seiner Besichtigung aufgedeckt wird, bestärkt ihn in seinem unguten Gefühl.

Er konfrontiert Daniel Kerné mit der Tatsache, dass es in der Gegend Kanadas, wo er gelebt hat, gar keine Goldvorkommen gibt, die dieser als Quelle seines Reichtums angeben hatte. Kleinlaut gibt dieser zu, dass Gold romantischer klingt als eine Erbschaft seines plötzlich verstorbenen Schwiegervaters.
Gwenns Misstrauen wird weiter bestätigt, als er den toten Personalchef entdeckt. Er war mit ihm zu einem Gespräch verabredet. Durch ein fingiertes Schreiben gerät er zunächst selbst unter Mordverdacht.
Nun ist er nicht mehr der distanzierte Beobachter, sondern persönlich in involviert. Tatkräftig wird er bei seinen Recherchen wieder durch seine Frau Soazic am Computer und seinen Cousin Thierry, einem Mediziner in leitender Position, der halblegal Zugang zu vielen Krankenakten hat, unterstützt. Gwenn gerät schnell in zwielichtige und gefährliche Situationen, denn seine Recherchen stören bestimmte Personen.
Alex Nicol erzählt temporeich eine spannende Geschichte, die den Leser immer neue Orte entdecken lässt. Dabei wird Wissenswertes mit leichter Hand vermittelt und die Beschreibungen von Land und Leuten wecken Reiselust auf die Bretagne. Seine Beschreibungen sind präzise und die Handlung ist aus Sicht der geschilderten Personen schlüssig und nachvollziehbar.

Es macht Freude das Buch zu lesen und Gwenn bei seinen Ermittlungen zu begleiten. Alles endet mit einem dramatischen Finale, das an Hochspannung nichts zu wünschen offen lässt. Die überraschende Aufklärung in sich absolut stimmig.

Aus meiner Sicht ist das Buch eine klare Leseempfehlung und ich hoffe, dass bald noch mehr Krimis aus dieser Reihe übersetzt vorliegen.
A bientot Monsieur Rosmadec!

Bewertung vom 08.05.2019
Nicol, Alex

Maries dunkles Geheimnis (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Familiengeheimnis aus der Bretagne

Gwenn Rosmadec, ein ehemaliger Journalist und Rugbyspieler, lebt mit seiner Frau Soazic in seinem Elternhaus in der Bretagne. Nach den Zeiten, die Gwenn beruflich in den Krisengebieten dieser Welt verbracht hat, möchte er seinen neuen Lebensabschnitt etwas ruhiger angehen lassen und betreibt eine kleine Agentur für Recherchen zur Familiengeschichte von Privatleuten.

Gemeinsam genießen seine Frau und er die schöne Sommerzeit in ihrem Rosengarten und am Meer.
Eines Tages erhält Gwenn einen neuen Auftrag von Maitre Lefort, einem Notar aus Quimper, seinen familiären Hintergrund zu untersuchen. Er ist allein bei seiner Mutter Marie aufgewachsen, den Vater der im fernen Indochina verstorben ist, hat er nie kennengelernt. Von seiner Mutter, die jetzt in einem Altersruhesitz lebt, hat er auch nie Näheres erzählt bekommen.

Gwenn übernimmt den Auftrag und ahnt nicht, wie schnell er persönlich in die Ermittlungen involviert wird.
Gwenn arbeitet bei seinen Untersuchungen allein, gelegentlich lässt er sich von seiner Frau beraten und hat glücklicherweise noch seinen Cousin Thierry den Direktor der Universitätsklinik, der mit Auskünften aus dem medizinischen Bereich helfen kann. Vor allem die Fähigkeit von Gwenn bei seinen Gesprächspartnern Vertrauen aufzubauen, hilft ihm Näheres zu erfahren. An erster Stelle stehen für ihn Ortsbesichtigungen und das Auffinden von Zeitzeugen, die noch etwas über die Familie wissen.

Es macht Freude das Buch zu lesen, da die Personen glaubhaft und überzeugend beschrieben werden. Auch die Umgebung wird anschaulich geschildert. Es ist leicht nachvollziehbar Gwenns Ermittlungen zu verfolgen.
Schon bei seinem ersten Orttermin, Maries ehemaligen Bauernhof, wo Maitre Lefort seine Kindheit verbracht hat, erfährt er von einem alten Nachbarn sehr viel Interessantes.
Um mehr über Fanch Lefort, den Vater zu erfahren, reisen Gwenn und Soazic auf die Ile de Sein. Noch bevor Gwenn den alten Kameraden von Fanch, Père Goffic, befragen kann, wird dieser ermordet und beide finden den alten Landstreicher tot auf.

In Gwenns Haus wird eingebrochen, doch außer seinem Laptop nicht gestohlen.
Um doch noch mehr über Fanchs Vergangenheit zu erfahren, sucht Gwenn unbeirrt das Marinearchiv in Brest auf und stösst auf Spuren die nach Indochina führen. Dort blieb Fanch nach seiner aktiven Militärzeit, aber war er wirklich nur der Besitzer einer Kautschukplantage in Birma. Hinweise führen in das goldene Dreieck – Opium.
Woher kam das Geld, das Marie aus einem Schweizer Treuhandfonds ausgezahlt wurde, wirklich? Warum wird der Besuch, den Gwenn Marie im Altersruhesitz macht, von Louarn, dem Direktor so behindert? Was hat er zu verbergen? Warum versucht er alles damit Marie nichts aus ihren Erinnerungen mitteilen kann?
All diese Fragen kann Gwenn nach und nach beantworten und in jedem Kapitel wird Neues spannend erzählt. Dank seiner Kombination und gefährlichen Recherchen in der Schweiz, kann Gwenn dem Notar Erkenntnisse vermitteln, die niemand für möglich gehalten hat. Leider kann dem armen Pére Goffic keine Gerechtigkeit mehr wiederfahren. Es ist traurig, daß er von der Wahrheit nicht mehr profitieren kann.

Von Anfang an wird eine spannende Story mir viel Liebe zum Detail erzählt. Alles ist in die wunderbare Landschaft der Bretagne und der Schweiz eingebettet, die Personen werden glaubhaft dargestellt.

Bewertung vom 06.05.2019
Jorritsma, Sina

Juister Düfte. Ostfrieslandkrimi


ausgezeichnet

Inselgeheimnisse

Die Autorin Sina Jorristsma ist eine leidenschaftliche Juist-Urlauberin und kennt die Insel sehr gut. Was liegt näher als eine Krimiserie, die auf dieser Insel spielt, zu konzipieren. „Juister Düfte“ ist bereits der zweite Band mit den Inselpolizisten Antje Fedder und Roland Witte. Die beiden arbeiten erst seit kurzem als Team zusammen und haben es jetzt mit einem rätselhaften Fall zu tun. Die Inhaberin des Seifenladens „Juister Düfte“ wird am Vormittag von einer Urlauberin tot in ihrem Laden aufgefunden.

Antje und Roland sind schnell vor Ort und bald ist klar – es handelt sich um Mord. Wer war die junge hübsche Frau? Bei ihren Recherchen und der Suche nach einem Motiv lernen die beiden einige Liebhaber und die wohlhabende, aber unfreundliche Geschäftspartnerin kennen.
Als Antje unter einer losen Diele im Laden ein altes Kapitänsportrait entdeckt, ahnt sie noch nicht, welche Bedeutung dieser Fund hat. Ihr Vater, der auf Juist das Gasthaus Juister Kajüte betreibt, kennt sich gut aus in der Geschichte der Seefahrt und der Insel. Er berichtet von einem Dampfer, der in den 20er Jahren vor Juist havarierte und strandete. Der Kapitän war verschwunden und der erste Offizier tot.
Aber wie hängt ein alter Kriminalfall mit dem Tod der jungen Frau zusammen? Oder spielt hier nur der Zufall eine Rolle? In der Folge entwickelt sich ein komplexer Fall mit vielen Protagonisten, dessen Spuren in die Vergangenheit führen.

Sina Jorritsma erzählt in eine spannende und vielschichtige Geschichte. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich hervorragend lesen. Ihr gelingt es Inselkolorit durch Beschreibungen von Häusern, Straßen und Nordseeblicken einfließen zu lassen. Natürlich wird auch Tee mit Kluntjes getrunken, wenn nachgedacht und kombiniert wird. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Nicht nur Roland mag Antje, auch der Staatsanwalt lässt sich von ihr, sehr zum Ärger von Roland, ein wenig beeinflussen. Trotz der aufregenden Ermittlungen hat man immer wieder etwas zum Schmunzeln.
Die überraschende Auflösung war in sich schlüssig und nachvollziehbar. Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten gefühlt.
Spannung und Lesevergnügen pur zeichnen diesen Krimi aus – deshalb vergebe ich gern 5 Sterne und empfehle das Buch allen Freunden von guten Ostfrieslandkrimis.