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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Gisela Simak
Wohnort: Landshut
Über mich: Bücher sind die schönste Unterhaltung
Danksagungen: 91 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 444 Bewertungen
Bewertung vom 12.05.2021
Der erste letzte Tag
Fitzek, Sebastian

Der erste letzte Tag


ausgezeichnet

Zum Inhalt

Eine abgedrehte Story mit Herz


Ehrlich gesagt wusste ich Anfangs nicht, was ich von dieser Geschichte halten soll. Dass Sebastian Fitzek auch andere Genres gut bedient, wusste ich ja seit seinem Ratgeber „Fische, die auf Bäume klettern.“ Zu Anfang waren mir zu viele Scherze in einem einzigen Satz verpackt. Zu konstruiert. Doch schon bald konnten mich Livius Reimer und Lea von Armin auf einen Roadtrip mitnehmen, der mich mehr wie einmal schallend lachen ließ. Der oftmals auch sehr emotional daher kommt.

Livius möchte von München nach Berlin reisen, um seine Ehe zu retten. Flug gestrichen. Nerven liegen blank. So geht er in der Not eine Fahrgemeinschaft mit der flippigen Lea ein. Um den einzigen Mietwagen zu ergattern hat Lea die Papiere und Livius das Geld. Schon bald geht ihm die durchgeknallte Lea auf die Nerven. Dennoch lässt er sich auf ein Experiment ein. Einen Tag so zu verbringen, als ob es der Letzte wäre.

Meine Meinung

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann ich das letzte mal so gelacht habe. Dies bei einem Thema welches mehr als traurig ist. Die Journalistin Lea bringt den biederen Sachbuchautor in dermaßen skurrile Situationen, dass dieser nicht mehr weiß wie ihm geschieht. Mehr noch, mit jedem gefahrenen Kilometer findet er sogar noch Gefallen daran. Wird einmal sogar sehr erfinderisch und hat mir Bauchweh beschert. Ein Bauchweh, dass von Überanstrengung der Lachmuskeln herrührt. Dabei gibt es eigentlich nichts zu lachen, sobald man die Gründe für Leas Reise erfährt. Aber, wenn man einen Tag so lebt, als wenn es der Letzte wäre, lässt man halt die Sau raus! (Das dürft Ihr wörtlich nehmen!) Zeigt Herz für alte Menschen. Bemerkt auch die Not, denen Obdachlose in kalten Wintern ausgesetzt sind. (Muss gerade schon wieder lachen!)


Der flüssige Schreibstil und grenzenlose Humor, machen ein Drama zu einem Roadtrip, bei dem man stellenweise gerne selber dabei wäre. Dennoch fehlt es nicht an der nötigen Ernsthaftigkeit. Das wird jeder bezeugen können, der mit der Thematik beruflich zu tun hat.

Fazit
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das hat Fitzek in seinem Roman absolut genial umgesetzt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen. Die Dialoge zwischen Lea und Livius sind einfach nur köstlich.

Von mir eine absolute Empfehlung, für diese abgedrehte Story mit Herz. Was ich besonders positiv empfinde, dass der Autor sich bei diesem Buch keines Pseudonyms bedient.


Danke Sebastian Fitzek. Eine Verfilmung wäre toll!

Bewertung vom 06.05.2021
Achtsam morden am Rande der Welt / Achtsam morden Bd.3
Dusse, Karsten

Achtsam morden am Rande der Welt / Achtsam morden Bd.3


ausgezeichnet

Eine Pilgerreise mit Björn! (Entdecke die Möglichkeiten)


Zum Inhalt
Prolog. 1. Satz: Jeder Mensch, der geboren wird, stirbt.


Vor vielen Jahren, habe ich Hape Kerkeling per Buch auf seiner Pilgerreise auf dem Jacobsweg begleitet. Damals hatte ich den starken Wunsch verspürt, selbst zu pilgern. Längst vergessen , hat mich nun Björn wieder daran erinnert.

Björn Diemel feiert seinen 45. Geburtstag mit sehr schrägen Menschen. Natürlich gibt es da wieder Vorkommnisse, die für den achtsamen Björn üblich sind. Bauschaum und ein toter Chinese reichen vollkommen aus, um den Therapeuten Joschka Breitner aufzusuchen. Björn mordet eigentlich nicht mehr. Noch nicht einmal achtsam! Daher ist es für ihn eine ganz neue Erfahrung, dass Menschen sterben, bei denen er nur ein achtsam unschuldiger Zuschauer ist. So auch auf seiner Pilgerreise. Ein Unbekannter trachtet nach seinem Leben. Jedoch erwischt es nicht ihn, sondern Mitpilger, von denen einer ihm sogar ans Herz gewachsen ist. Ganz achtsam wehrt sich Björn seiner unschuldigen Haut.

Meine Meinung

Lange hab ich eine Fortsetzung der *Achtsam Morden - Reihe* herbeigesehnt. Ich wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht. In diesem Band lernen wir einen Björn kennen, der tatsächlich auf seiner Pilgerreise einen echten Freund kennenlernt. Diese Freundschaft ist leider nur von kurzer Dauer, da ein Unbekannter seinem Wandergefährten den Kopf wegschießt. Björn ist sofort klar, dass der Schuss ihm gegolten hat.

Björn scheint nun wirklich ein achtsamer Mensch geworden zu sein. Zu seiner Exfrau pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis. Er ist sehr achtsam darauf bedacht, nicht mehr zu morden. Dennoch kommt er wieder in dermaßen verzwickte Situationen, dass ihm leider nichts anderes übrig bleibt.

Zum ersten mal hat mir Björn richtig leid getan. Ich habe tatsächlich Bedauern verspürt als er seinen Pilgerfreund verloren hatte. Mit dem für ihn üblich schwarzen Humor beschreibt er seine Pilgerreise. Anfangs unterscheidet sich die Geschichte nicht viel von den Vorgängern. Aber die Pilgerreise hat in diesem Band etwas andere Akzente gesetzt. Ich empfand Björn nachdenklicher. Reifer! Ganz einfach achtsamer (mordend!) Björn findet so richtig Gefallen am Pilgern. Ehrgeizig verfolgt er seinen Weg. Sein Smartphone benutzt er nur zu bestimmten Zeiten.


Smartphones unterscheiden sich nur geringfügig von Zigaretten. Gerade wenn Sie selber Ihren eigenen Konsum eingeschränkt haben, weht der Konsum der anderen umso störender zu Ihnen herüber. (Kapitel 3 Irritationen)


Einige ungeahnte Wendungen haben mir dieses mal besonders gut gefallen. Jedes Kapitel beginnt wieder mit einer Achtsamkeitsübung. Das Setting ist gut gewählt und spiegelt den Jacobsweg wider. Die Protagonisten kommen wie gewohnt total chaotisch daher.

Fauit

Am Rande der Welt begegnen wir einem Björn Diemel, der achtsam seine Midlifecrisis in den Griff bekommen möchte. Viele ungeahnte Wendungen haben der Geschichte einen extra Kick verpasst. Vor allem Björns Exfrau konnte mich total überraschen. Ich empfehle jedem dieses Buch der wissen möchte:

Wie sich Björn beim Stierrennen geschlagen hat,
ob sich Björn achtsam auf seiner Pilgerreise gegen Mordanschläge gewehrt hat,
warum Bauschaum nie zweckentfremdet werden sollte,
warum ich dann doch lieber mit Hape Kerkeling pilgern möchte.

Ich habe nun ganz achtsam meditiert und eine Bestellung beim Universum aufgegeben. Bestellung ans Universum! Eine weitere Folge von *Achtsam Morden!* Danke. An Alle da draußen: Lasst uns eine Sammelbestellung aufgeben!

Vielen Dank Karsten Dusse. Ich hoffe sie sind so achtsam und nehmen Bestellungen an. Danke!

Bewertung vom 03.05.2021
Der ehemalige Sohn
Filipenko, Sasha

Der ehemalige Sohn


ausgezeichnet

Zum Inhalt


Mit Franzisk Cello hat der Autor einen Protagonisten geschaffen, der einem lange nicht mehr aus dem Kopf geht. Als Junge lebt er überwiegend bei seiner heißgeliebten Babuschka. Sie erzieht ihn mit strenger, aber liebevoller Hand. Er möchte mit seinen Freunden das Leben genießen. Babuschka will dass er ein guter Cellist wird. Üben fürs Konservatorium behagt Zisk jedoch gar nicht.


Fußballspielen im Hof hat noch keinen zum Straßenmusikanten gemacht! Aber von der Musik den Verstand verloren haben schon viele. (Zisk auf Seite 18)


Als er mit seiner Freundin Nastja auf ein Rockkonzert gehen möchte, setzt auf einmal starker Hagelregen ein. Wie sehr viele andere Menschen sucht er Schutz in einem U-Bahnschacht. Dort bricht Chaos aus. Es herrscht starkes Gedränge. Viele Menschen werden schwer verletzt. Einige sterben. Zisk wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Die Ärzte geben ihm von Anfang an keine Chance. Nur seine Babuschka glaubt daran, dass er wieder aus dem Koma erwacht. Nistet sich bei ihm im Krankenzimmer ein. Liest ihm vor. Erzählt ihm was ringsherum passiert. Und das 10 Jahre lang. Als Leser*in ist man gespannt, wie Zisk nach 10 Jahren Koma in Minsk zurecht kommen wird. Ob sich überhaupt in Belarus was verändert hat.


Meine Meinung

Mit aller Deutlichkeit weist Sasha Filipenko auf die politische Situation in Belarus hin. Es handelt sich hier um eine größtenteils wahre Geschichte. Die fiktiven Elemente sind gut in das Geschehen eingefügt. Ich war besonders davon entsetzt, wie herzlos Ziks Mutter mit ihrem Sohn umgegangen ist. Während Babuschka ihrem Enkelsohn ein besseres selbstbestimmte Leben ermöglichen möchte, passt sich seine Mutter der Diktatur in Belarus an. Gründet eine neue Familie und empfindet ihren aus dem Koma erwachten Sohn als lästig. Ich habe mich gefragt, ob sich der Titel "Der ehemalige Sohn" auf das Verhalten der Mutter bezieht.

Mir ist die politische Situation in Belarus vor diesem Buch nicht geläufig gewesen. Ich dachte beim Lesen oftmals an die ehemalige DDR! Konnte viele Parallelen entdecken. Nicht jeder fügt sich diesem totalitärem Staat. Menschen sterben, ohne dass man Genaueres erfährt wieso und warum. Attentate finden kurze Erwähnung, sind jedoch gleich wieder vergessen. Welche Musik und Nachrichten aus Radio und Fernsehen kommen, bestimmt überwiegend der Staat.

Das Setting spiegelt die kalte und nüchterne Atmosphäre von Minsk wider. Zu den Protagonisten habe ich keine Bindung aufgebaut. Die Geschichte von Zisk mutet nüchtern an. Auch die Nebencharaktere gleichen irgendwie den sterilen Marmorböden des Flughafens. Ich denke, das ist vom Autor gewollt. So konnte ich mir gut vorstellen, wie frostig stellenweise das Leben in Belarus ist. Babuschka sticht mit ihrer Entschlossenheit aus der Masse heraus. Ihr Kampf um ihren Enkel ließ mir das Herz übergehen. Ich habe mich gefragt, ob ich 10 Jahre lang so aufopfernd wäre. Die liebe Babuschka scheut keine noch so skurrilen Aktionen, um ihren Enkel aus dem Koma zu holen. Sie hat mir mehrmals ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das deutsche Ehepaar Jürgen und Claudia besucht Zisk im Krankenhaus und zeigt sehr viel Mitgefühl. Zisk war vor seinem Koma mehrmals bei dem netten Ehepaar zu Besuch. Das Paar spürt sehr deutlich, dass in Minsk die Zeit still steht. Sie fühlen sich dort wie in einer Zeitreise.

Fazit

In einem Staat, in dem selbst gesunde Menschen nicht viel wert sind, kämpft eine Großmutter um ihren Enkel, der von 1999-2009 im Koma liegt. Der Autor bringt uns die politische Situation in Belarus nahe. Besonders interessant sind die Anmerkungen im Anhang. Es ist sehr von Vorteil, wenn man sie als erstes liest. Der Schreibstil ist flüssig und nüchtern. Er spiegelt die kalte Atmosphäre in Belarus wider. Belarus scheint immer noch nicht unabhängig von Russland zu sein. Auch wenn man der Welt ein anderes Bild vermitteln möchte.

Danke Sasha Filipenko . Dieses Buch sollte jeder gelesen haben.

Bewertung vom 25.04.2021
Weiter Himmel / Jackson Brodie Bd.5
Atkinson, Kate

Weiter Himmel / Jackson Brodie Bd.5


ausgezeichnet

Stellenweise langatmig, dennoch lesenswert.

Zum Inhalt

Die drei *Musketiere* Tommy, Andy und Steve haben alles was man sich wünschen kann. Geld, hohes Ansehen und eine scheinbar intakte Familie. Das scheint jedoch immer noch nicht genug zu sein. Vince spielt mit den dreien regelmäßig Golf im Club Belvedere. Sie bezeichnen ihn als Freund. Jedoch fühlt sich Vince nicht richtig dazugehörig. Er lebt in Scheidung und verliert zu allem Unglück noch seinen Job. Als seine zukünftige Exfrau ermordet aufgefunden wird, kommen Dinge ans Tageslicht, die keiner bei den drei *Musketieren* für möglich gehalten hätte. Privatdetektiv Jackson Brodie arbeitet gerade an einem harmlosen Fall. Einen Fall, der ihn zu den drei *Saubermännern* führt.

Meine Meinung

Ich habe mich sehr auf diese Geschichte gefreut. Leider haben es mir die zu ausführlichen Beschreibungen nicht leicht gemacht. Das Thema ist interessant und brisant. Tiefe menschliche Abgründe tun sich hier auf. Geldgier, die keine Grenzen kennt. Bis es richtig los geht, werden aber, (für meinen Geschmack,) zu viele Nebensächlichkeiten ausführlich beschrieben. Ich mag es wirklich gerne, wenn ich mir von den Protagonisten ein deutliches Bild machen kann. Aber hier habe ich ewig gelesen, bis endlich mal was passiert ist.

Der Prolog fängt spannend an. Man weiß sofort, um was es in diesem Krimi geht. Ich war sehr gespannt auf den weiteren Verlauf. Die Scheinwelt, die die angesehenen Männer sich aufgebaut haben, hätte wirklich viel Potenzial für einen spannenden Krimi gehabt.

Die zwei Polizistinnen Reggie Chase und Ronnie Dibick fand ich richtig knuddelig. Sie arbeiten an einem älteren Fall, der auch wieder zu den drei Musketieren führt. Zwei kleine junge Frauen, die irgendwie den Charme von Hanni und Nanni haben. Ihre Befragungen kommen etwas unbeholfen daher und total putzig. Sie konnten mir des öfteren ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es fiel mir schwer, sie ernst zu nehmen. Aber dennoch hatten die Zwei des öfteren den richtigen Riecher.

Das Nebengeschäft der Männer hat mich total angeekelt. Besonders grausam ist die Tatsache, dass es solche Verbrechen wirklich gibt. Ein idyllische Küstenstädtchen, mit zum Teil angesehenen Menschen, hinter deren Fassade Monster stecken. Auch manch einer der Ehefrauen fehlt es an Warmherzigkeit. Die Liebe zu den Kindern kommt aufrichtig rüber.

Jackson Brodie beweist Talent, wenn es darum geht in skurrile Situationen zu kommen. Auch er konnte mir des öfteren ein Lächeln entlocken. Das Ende hat mich ein bisschen ratlos zurückgelassen. Es war mir zu einfach.

Der Schreibstil, wenn man von den Abschweifungen absieht, ist flüssig.

Fazit

Dieser Krimi enthält sehr viel familiäre Dramen. Wer einen knallharten Krimi erwartet, wird hier nur zum Teil zufrieden gestellt. Viele Nebensächlichkeiten nehmen einen zu großen Raum ein. Das hat zeitweise meinen Lesefluss gestört.

Trotz meiner Kritikpunkte ist es jedoch ein lesenswertes Buch, welches sich vom Einheitsbrei abhebt. Köstlicher Humor lockert die Geschichte auf. Die Thematik ist hochexplosiv und realitätsnah. Die Protagonisten sind gut gezeichnet und lehren einem stellenweise das Fürchten. Man stellt sich die Frage: Ist der Nachbar nebenan wirklich der, für den man ihn hält? Gute 3 Sterne von mir.

Danke Kate Aktinson.

Bewertung vom 22.04.2021
Der Report der Magd (eBook, ePUB)
Atwood, Margaret

Der Report der Magd (eBook, ePUB)


sehr gut

Vor vielen Jahren habe ich die gebundene Ausgabe ungelesen verschenkt. Ich konnte mit der Geschichte nichts anfangen. Jahre später habe ich es nochmal mit dem eBook versucht. Viele schwärmen ja von dieser Dystopie. Wieder habe ich die Geschichte abgebrochen. Irgendwie bin ich in das Buch nicht hineingekommen. Nun habe ich mir die komplette Serie angesehen. Da ich von der Verfilmung sehr begeistert bin, habe ich nun gleich im Anschluss das eBook gesuchtet. Bingo! Das ist eine Premiere für mich. Noch nie zuvor habe ich erst den Film geschaut und dann das Buch gelesen. Ich hatte nun beim Lesen ein besseres Verständnis für diese Dystopie.

Der Sprachstil ist verträumt, intensiv und sehr speziell. Die Gedankengänge von Desfred werden sehr ausführlich beschrieben. Abwechselnd begleitet man die Magd Desfred in der Gegenwart und Vergangenheit. Ohne Vorkenntnisse wäre das für mich sehr schwierig gewesen. Die Welt, in denen Frauen nichts weiter sind als Gebärmaschinen sind , wird von religiösen Fanatikern regiert. Bevorzugt werden Ehebrecherinnen und Frauen, die in ihrem vorherigen Leben nicht richtig Fuß gefasst haben. Die in einer Zweitehe gelebt lebten und einer anderen Frau den Mann weggenommen haben. So eine Frau wie Desfred. Sie hat mit ihren Luke eine gemeinsame Tochter. Für Luke ist es die zweite Ehe. Für Desfred wird diese Ehe zum Verhängnis!

Desfred träumt von ihrem kleinen Mädchen, das man ihr auf der Flucht weggenommen hat. Sie weiß nicht, ob ihr Mann noch lebt. In dem neuen Staat Gilead gibt es die Marthas, die die Haushalte führen. Die Tanten, die die Mägde ausbilden. Die Mägde sollen für kinderlose Paare schwanger werden. Frauen besitzen in dem totalitären Staat keinerlei Rechte mehr. Sie dürfen ihre Berufe nicht mehr ausführen. Besitzen kein Geld mehr. Ihre Kinder hat man ihnen weggenommen und kinderlosen Paaren geschenkt!

Ich konnte nicht fassen, was man mit den Frauen gemacht hat. Im Beisein der Ehefrauen mussten die Mägde mit deren Männern (Kommandanten) den Beischlaf vollziehen. Angebliche Fehltritte wurden sehr schwer bestraft. Ihre Bekleidung bestand aus aus einer roten, unförmigen Kutte. Ihre weißen Flügel auf dem Kopf sorgten dafür, dass sie nicht sehen- und gesehen werden können.

Einen besonders üblen Charakter stellt Tante Lydia dar. Ihre Aufgabe betrachtet sie als Opfer. Ihre Brutalität kennt keine Grenzen. Dabei spricht sie die Mägde mit Liebes an.

Unter deinem Auge ist einer von vielen Sprüchen, mit denen sich die Menschen im Staat Gilead begrüßen. Alles ist sehr religiös. Alles ist sehr frauenfeindlich. Der Wille der Frauen wird gebrochen. Auch bei Desfred spürt man die Zeichen der Resignation. Ihr altes Leben rutscht immer weiter in die Ferne. Vieles scheint für sie normal zu werden. Ganz so, wie es Tante Lydia prophezeit hat.

Es gibt die Unfrauen und die Unbabys! Die Mägde müssen gesunde Babys auf die Welt bringen. Wenn ihnen das nicht gelingt, sieht ihre Zukunft noch düsterer aus, als sie es ohnehin schon ist. Über die der Babys möchte ich mir keinen weiteren Kopf machen. Ja, man stößt beim Lesen an seine Grenzen.

Frauen haben von jeher für ihre Rechte gekämpft und viel erreicht. Unfruchtbarkeit, aufgrund einer atomaren Verseuchung, hat all diese Errungenschaften zunichte gemacht!

Diese erschreckende Dystopie, die in den 80ern geschrieben wurde, halte ich leider für möglich. Es waren schon immer Frauen, die diskriminiert wurden. In diesem Drama haben es aber auch nicht alle Männer leicht.

Wer mit dem Buch bisher nicht warm wurde, dem empfehle ich vorher die Serie anzuschauen. Bei mir hat es zu einem besseren Verständnis beim Lesen geführt. Die Thematik ist hochaktuell. (Meiner Meinung nach) Der intensive Schreibstil spiegelt das Geschehen in der Zukunft wider. Transportiert die Ängste der Frauen im neuen Staat Gilead.

Danke Margaret Atwood. Bei dritten Anlauf habe ich das Buch dann doch gerne gelesen.

Bewertung vom 16.04.2021
Das Leben ist zu kurz für irgendwann (eBook, ePUB)
Geraghty, Ciara

Das Leben ist zu kurz für irgendwann (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ein wunderbares Trio auf einer emotionalen Reise


Zum Inhalt

Terry entdeckt, dass ihre beste Freundin Iris sich auf den Weg gemacht hat, um in der Schweiz ihr Leben zu beenden. Iris leidet an progredienter Multiple Sklerose. Terry lässt zu Hause alles liegen und stehen, um ihre beste Freundin von ihrem Plan abzubringen. Ihren an Alzheimer erkrankten Vater muss sie im Moment selbst betreuen. Das Pflegeheim ist von Ungeziefer befallen. So bleibt ihr nichts andere übrig, als ihren Vater mitzunehmen. Es beginnt eine wunderschöne Reise, die die drei von Dublin nach London über Frankreich führt. Eine Reise, bei der die besten Freundinnen neue Seiten an sich entdecken.

Meine Meinung


Satz: Iris Armstrong wird vermisst.


Ich war auf eine sehr traurige Geschichte gefasst. Das ist sie auch. Ich habe jedoch auch einige Lachtränen vergossen. So viel Hoffnung und Lebensglück zieht sich durch die gesamte Reise. Iris Todessehnsucht ist die meiste Zeit nicht spürbar. Sie leidet unter starken Schmerzen. Terry darf sie nur auf ihrer Reise nach Zürich begleiten, wenn sie ihr Vorhaben akzeptiert. Das ist für Terry sehr schwer. Terrys Vater Eugene ist ein sehr charmanter Mann. Da Iris eine Alzheimergruppe geführt hat, kann sie sehr gut mit Eugene umgehen. Der Frank Sinatra Fan hat sich in mein Herz geschlichen.

Ciara Geraghtys Beschreibungen haben mich an der Gefühlswelt der Protagonisten teilhaben lassen. Ich habe mich gefragt, wenn ich eine der der Frauen wäre, welche ich sein würde. Ich denke Terry. Ich könnte auch nicht akzeptieren, wenn meine beste Freundin Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte. Aber die starken Schmerzen muss Iris aushalten. Die Aussicht auf ein fremdbestimmtes Leben betrifft Iris.


Menschen wollen eigentlich keine Ratschläge, sondern nur jemanden, der ihnen zuhört. (7% auf dem Reader)


Schon bald sind jedoch die Dramen der Drei für einige Zeit vergessen. Oftmals geraten sie in skurrile Situationen. Terry ist nicht nur Reisebegleitung. Vielmehr ist es für sie ein Weg der Selbstfindung. Nie zuvor hatte sie Knall auf Fall ohne ihren Mann und die zwei Töchter eine Reise angetreten. Nie zuvor hatte sie so einen intensiven Kontakt zu dem dementen Vater. Eugene existierte vor der Reise in ihren Gedanken nur im gesunden Zustand. Der schmächtige alte Mann berührt ihr Herz. Zeigt ihr den Vater, der immer noch in diesem kranken Mann steckt. Ihrer Freundin kommt sie noch näher. Alles ist Liebe. Alles ist schön. Sie tanzen und lachen zusammen. Haben wundervolle Begegnungen. Kosten das Leben in vollen Zügen aus. Eine Szene, bei der die Freundinnen in einem französischen Garten kiffen, hat bei mir regelrechte Lachsalven ausgelöst. Terry kam der Gedanke, dass sie eigentlich noch nie Telefonsex mit ihrem Mann hatte. Mehr verrate ich jetzt nicht. Nur so viel. Während ich diese Zeilen schreibe, muss ich schon wieder lachen.

Terry lässt nichts unversucht, um ihre Freundin umzustimmen. Nicht mit Worten. Nein, mit Taten. Viele lustige Szenen haben mein Kopfkino aktiviert. Der Schreibstil geht runter wie Sahne. Aus der Sicht von Terry erleben wir eine wunderbare Reise. Terry ist Anfangs eine unsichere Autofahrerin. Jedes Kapitel beginnt mit einer Verkehrsregel.


Fazit

Ein Trio hat mein Herz berührt. Ich habe gelacht und geweint. Hoffnung, Liebe und sehr viel Humor, ziehen sich durch die ganze Geschichte. Das Ende konnte mich überraschen. Ich habe dieses Buch nicht gelesen. Nein, ich habe es gelebt.

Danke Ciara Geraghty, für dieses wunderbare Geschenk, das sie uns

Bewertung vom 12.04.2021
GOTT
Schirach, Ferdinand von

GOTT


ausgezeichnet

Meine Meinung

Sterbehilfe ist ein sehr schwieriges Thema. Ich persönlich bin ausschließlich dann dafür, wenn ein schwerkranker Mensch zu sehr leiden muss. Auch palliative Maßnahmen keine Linderung mehr bringen, und der schwerkranke Mensch einen qualvollen Tod zu erwarten hat.

Das Beispiel in diesem Buch zeigt, wie schmal der Grad zwischen Hilfe und Verantwortungslosigkeit ist. Richard Gärtner ist 78 Jahre alt. Kerngesund und geistig fit. Seit dem Tod seiner Frau, ist das Leben für ihn sinnlos. Er möchte ein Medikament bekommen, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

Darf man selbst über sein Leben bestimmen? Darf man seinem Leben selbst ein Ende setzen? Bei diesen Fragen kommen viele verschiedene Ansichten zum Vorschein. Von Seiten der Kirche wird Beihilfe zum Suizid rigoros abgelehnt. Ein Stück weit bin ich da mit der Kirche einer Meinung. Alte gebrechliche Menschen könnten dann sehr schnell das Gefühl haben, die Welt verlassen zu müssen. Ihre Angehörigen nicht mehr mit den hohen Kosten eines Pflegeheims belasten zu wollen.

Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was passieren könnte, wenn Ärzte gesunden Menschen zum Tode verhelfen. Sollte ein Arzt nicht leben retten, wo es wirklich noch sinnvoll ist? Sollte man einem Menschen, der körperlich und geistig fit ist, beim Sterben helfen?

Ich bin der Meinung, dass die Sterbesehnsucht von Richard Gärtner ein gesellschaftliches Problem ist. Er keinen Weg aus seiner Trauer findet. Trauer ist nicht nach dem Trauerjahr zu Ende. Trauer um einen geliebten Menschen kann jahrelang andauern. Vielleicht niemals vollständig vergehen. Ich würde keinem Arzt mehr über den Weg trauen, der einem gesunden Menschen zum Sterben verhilft! Auch wenn es dessen Wunsch war!

Palliative Behandlungen sind ein wahrer Segen. Leider sind es immer noch zu viele Menschen, denen diese Behandlung auf ihrem letzten Lebensweg verwehrt bleibt. Bevor man diskutiert ob Beihilfe zum Suizid ein ganz normaler gesellschaftlicher Akt werden sollte, wäre es viel angebrachter um mehr Hospize und Palliativstationen zu kämpfen. Vor allen Dingen allen Ärzte die nötige Ausbildung zukommen zu lassen, um sterbenden und depressiven Menschen eine Stütze zu sein. Ein Hausarzt sollte auch fachkundig bei Trauerhilfe sein. Nicht alles lässt sich mit Tabletten heilen. Nicht jeder mag in seiner Trauer zum Psychiater oder in eine Trauergruppe. Hat vielleicht mehr zu seinem Hausarzt Vertrauen, den er schon seit vielen Jahren kennt.

Medizinische, ethische, religiöse und politische Ansichten werden in diesem Theaterstück erörtert. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, wenn es um Sterbehilfe geht. Besonders die Zwischentöne müssen beachtet werden.

Dieses Büchlein hat mich beim Lesen total mitgerissen und zum Nachdenken angeregt. Die verschieden Ansichten sind sehr interessant.

Fazit

Einem gesunden Menschen Tabletten verschreiben, damit er gemütlich und ohne Qualen sterben kann, hat nichts mehr mit Ethik zu tun. Vielmehr kommt hier ein gesellschaftliches Problem zu Tage. Mehr Pflegekräfte in Altenheimen und bessere Bezahlung, Palliativstationen, Hospize und gut ausgebildete Hausärzte können viel mehr Abhilfe schaffen, als die Legalisierung zur ärztlichen Suizidbegleitung! Ausgenommen davon sollten schwerkranke Menschen sein, bei denen auch palliative Maßnahmen nicht mehr greifen. Eine Patientenverfügung kann verhindern, dass sinnlose Behandlungen weiter geführt werden. Leider ist sie oftmals im entscheidenden Moment nicht greifbar. Erwähnenswert sind auch die Essays im Anschluss.

Jeder Mensch sollte über sein Leben und Lebensende bestimmen dürfen. Ein gesunder Mensch jedoch sollte nicht die Hilfe von einem Arzt in Anspruch nehmen wollen.

Danke Ferdinand von Schirach für dieses wertvolle Buch. Jeder Mensch sollte es lesen. Es betrifft uns ALLE!

Bewertung vom 09.04.2021
Als wir uns die Welt versprachen
Casagrande, Romina

Als wir uns die Welt versprachen


gut

Meine Meinung

Dieses mal fällt es mir wirklich sehr schwer, meine Eindrücke in Worte zu fassen. Die Kapitel in der Vergangenheit konnten mich durchwegs überzeugen. Ich wusste ehrlich gesagt nichts über die Schwabenkinder. Arme Familien, die ihre Kinder an Bauern verkauften, gab es zu dieser Zeit viele. Dort mussten die Kinder schwere Arbeiten verrichten. Eine strapaziöse Reise auf sich nehmen, die manchmal von einem Pfarrer begleitet wurde. In der guten Absicht, Kinder ein besseres Leben zu ermöglichen. (Laut Edna) Sogar 5jährige Kinder mussten auf den Höfen schuften. Krank durften sie nicht werden. Keiner hatte sich um sie gekümmert. Für manchen Knecht waren kleine Mädchen Freiwild. Edna hatte damals einen guten Freund gefunden, der ihr über ihr Heimweh hinweg half. Ohne Jacob hätte sie nicht überlebt. Jacob nannte sie stets liebevoll Zimperliesel. Als Jacob und Edna einem Zauberer den Papagei Emil abkauften, hatten beide einen Freund mehr. Der dankbare Ara ließ sich von Jacob jede Menge Kunststücke beibringen. Edna und Jacob schmiedeten einen Fluchtplan. Doch nur Edna gelingt die Flucht.

Edna ist nun eine alte Frau. Verschanzt sich in ihrem Haus und Garten und betrachtet von dort die Welt. Sie braucht keine Uhr. Ihr Leben hat einen beständigen Rhythmus. Die Halbitalienerin wird von einer ganz lieben Nachbarin umsorgt. Adele hilft der Signora Edna Weiss, wo sie nur kann.

Wie schon erwähnt, haben mir die Passagen in der Vergangenheit sehr gut gefallen. Oder sagen wir mal so. Ich fand sie total interessant. Kinderhandel kann man ja nun wirklich nicht als schön bezeichnen. Jedoch konnte ich mich mit der beschwerliche Wanderung nicht anfreunden. Eine fast 90jährige, mit Schmerzen an den Hüften und Gehstock, soll so viele Kilometer überwiegend zu Fuß schaffen? Es gibt sehr alte Menschen, die noch Großes meistern und über eine größere Fitness verfügen, als manch junger Mensch. Aber dazu zählt Enda nun mal wirklich nicht. Und dann auch noch einen selbst gezimmerten Käfig auf Rädern mitziehen? Wirklich? Ich habe dieses Buch in einer Leserunde gelesen. Da fiel ein Satz, der mir aus der Seele spricht. Der lautete in etwa so: Eine Geschichte muss nicht real sein, aber glaubwürdig! Das hat mir in der Geschichte auf weiten Strecken gefehlt. Glaubwürdigkeit. Vor allem was der Papagei auf ihrer Wanderung mitmachen musste. Kein geeignetes Futter und meist in der engen Behausung, dürfte für Emil eine große Qual gewesen sein. Eine Edna, als Beifahrerin auf dem Motorrad, hat mein Verständnis dann total strapaziert.
Die Begegnungen von Edna kann ich ein ganzes Stück weit nachvollziehen. Auf einer Wanderung hat man wirklich viele tolle Begegnungen. Hilfsbereitschaft wird groß geschrieben. Doch auch hier fehlt es oftmals an Glaubwürdigkeit. Alleine die hanebüchenen Übernachtungen von Edna haben mich ungläubig den Kopf schütteln lassen. Edna nimmt keine Hilfe in Form von Geld an, obwohl ihr ganzes Geld geklaut wurde. Das war erst für mich nicht nachvollziehbar. Edna wollte Buße tun. Jacob seinen Papagei zurückbringen. Ich habe mich gefragt, welche Schuld ein kleines Mädchen auf sich genommen haben könnte.

Die Protagonisten sind gut gezeichnet. Ich hatte von jedem ein klares Bild im Kopf. Vor allem Adele habe ich ins Herz geschlossen. Ihren Mann Max wusste ich lange nicht einzuordnen. Das Setting ist wunderbar gewählt. Die Naturbeschreibungen haben mir Lust auf eine Wanderung gemacht. Der Schreibstil ist schön und flüssig. Der Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit hat mir gut gefallen. Trotz meiner Kritikpunkte hat mich das Buch dann doch noch richtig gepackt.


Diese Geschichte, die mich zwiegespalten zurück gelassen hat, kann ich nur bedingt empfehlen. Trotz meiner Kritikpunkte hat mich das Buch ab einem bestimmten Zeitpunkt richtig gepackt. Eine herzergreifende Story, die besonders in der Vergangenheit zu überzeugen weiß. In der Gegenwart leider oftmals nicht glaubwürdig daher kommt. Das emotionale Ende hat mich sehr berührt.

Bewertung vom 04.04.2021
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid (eBook, ePUB)
Schröder, Alena

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Emotionale Geschichte, sachlich erzählt, sticht aus der Masse, einfach nur genial.

Zum Inhalt

Hannah ist eine junge Frau, die ihre innere Mitte erst noch finden muss. Seit ihre Mutter an Krebs gestorben ist, lebt sie in den Tag hinein. Einmal in der Woche besucht sie ihre Großmutter Evelyn. Der kann sie kaum etwas Recht machen. Die alte Dame betont , dass sie eigentlich sterben möchte. Dennoch ordert sie stets bei ihrer Enkelin Vitaminpräperate.

Evelyn erhält einen Brief aus Israel. Sie soll Erbin eines wertvollen Gemäldes sein. Eines Gemäldes, welches einer jüdischen Familie genommen wurde. Hannah versteht die Welt nicht mehr. Sie wusste bis Dato nichts von einer jüdischen Verwandschaft. Evelyn will ihrer Enkelin nichts aus ihrer Vergangenheit erzählen. Auf ihre Mutter Senta ist sie nicht gut zu sprechen.

Meine Meinung

Der Buchtitel hat meine Kaufentscheidung sehr beeinflusst. "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" sticht aus der Masse heraus. Schon bald wusste ich, warum genau dieser Titel. Der Autorin ist der Spagat zwischen Emotionalität und Sachlichkeit ausgesprochen gut gelungen. Nie drückt sie bei ihren Erzählungen auf die Tränendrüsen. Mein Kopfkino hat mir das ganze traurige Ausmaß vor Augen geführt. Ich konnte manches Handeln der Protagonistinnen nicht nachvollziehen. Dennoch hatte ich nie eine negative Meinung über die Frauen in dieser Familie.

Evelyns Schweigen verstand ich immer besser. Von der eigenen Mutter allein gelassen, wuchs sie bei ihrer Tante auf. Trotzdem mochte ich Evelyns Mutter sehr. Sie konnte einfach nicht aus ihrer Haut raus und besaß ein gutes Herz. Evelyn ist in dieser Geschichte nicht die einzige Frau, die viele Dinge verschweigt.

Die Geschichte spielt abwechselnd in der Gegenwart und Vergangenheit. Wie der Klappentext schon verrät, geht es um Judenverfolgung. Ein Thema, das im Moment Hochkonjunktur hat. Viele Bücher gibt es zu dieser Thematik. Dieses ist so ganz anders vom Erzählstil her.

Fazit

Über vier Generationen erleben wir eine Familie, die zu viel verschwiegen hat. Eine junge Frau, die ihre Trauer auslebt und ihrer Großmutter hilft, das nun endlich auch zu tun. Ein Gemälde ist der Anstoß dazu. Traurige Geschichten um den Holocaust gibt es wie Sand am Meer. Diese ist so ganz anders. Einfach nur genial. Das Ende? Irgendwie auch ganz anders! Hätte ich so nicht erwartet.

Danke Alena Schröder. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.

Bewertung vom 03.04.2021
Die Betrogene / Polizistin Kate Linville Bd.1 (eBook, ePUB)
Link, Charlotte

Die Betrogene / Polizistin Kate Linville Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Authentische Protagonisten und eine wahnsinnig spannende Handlung.

Zum Inhalt

Der erste Teil dieser Reihe ist ein absoluter Pageturner. Kate Linville ist Polizistin bei Scotland Yard. Als ihr Vater brutal ermordet wird, kehrt sie zu ihrem Heimatort Scalby zurück, um den Nachlass zu regeln und auf eigene Faust zu ermitteln. Damit macht sie sich keine Freunde bei der zuständigen Polizei in Scalby.


Kate muss sich mit der Vergangenheit ihres Vaters auseinandersetzen. Er war ihr bester und einziger Freund. Doch hat sie ihn wirklich gekannt? Mit dem Ermittler DCI Caleb Hale hat sie eine Bezugsperson. Er versteht die unscheinbare einsame Frau.


Der Drehbuchautor Jonas Crane steuert einem Burnout zu. Auf Rat seines Arztes macht er mit seiner Frau Stella und seinem 5jährigen Sohn Urlaub in den Hochmooren von Yorkshire. Ohne Fernsehen, Telefonanschluss und Handyverbindung. Das sollte ihnen noch zum Verhängnis werden ….


Meine Meinung


Ich frage mich, warum ich bisher so wenige Bücher von Charlotte Link gelesen habe. Die Spannung in diesem Thriller beginnt mit der ersten Silbe und steigert sich kontinuierlich. Die Charaktere kommen ohne Weichzeichner aus. Kate ist nicht das typische Superweib. Vielmehr eine schüchterne einsame Frau, von Selbstzweifeln geplagt. Sie kleidet sich zweckmäßig und ist nicht mit Schönheit gesegnet. Dennoch kommt sie sehr sympathisch rüber. Mir hat sie sehr leid getan. Die Dinge, die sie über ihren Vater erfahren hat, zerstören das tadellose Bild, das sie von ihrem Vater gehabt hatte.


Caleb spürt die Einsamkeit von Kate. Kann verstehen, dass der Tod ihres Vaters das Schlimmste ist, was Kate passieren konnte. Er füttert sie mit Informationen, die er ihr gar nicht geben dürfte. Sieht Kates Verzweiflung, ob des heimlichen Lebens, das ihr ermordeter Vater geführt hatte. Caleb ist trockener Alkoholiker, für den jeder Tag ohne Alkohol eine Herausforderung bedeutet.


Mehrere Morde geschehen. Alle tragen die gleiche Handschrift wie der Mord an Kates Vater. Besonders die Familie Crane hat mich mit ihrem Urlaub in der Einsamkeit in Atem gehalten.


In diesem Thriller wird deutlich, dass nicht jeder Mensch der gegen das Gesetz verstößt, ein Krimineller sein muss. Es gibt Lebensumstände, die aufrichtige Menschen dazu verleiten, einen nahestehenden Menschen zu schützen. Anderseits fand ich es sehr verwerflich, wie eine Straftat vertuscht wurde, die sämtlichen Menschen das Leben gekostet hat ….

Fazit

Ein Pageturner der Seinesgleichen sucht, hat mir unheimlich spannende Lesestunden beschert. Authentische Charaktere und viele ungeahnte Wendungen, haben mich durch die Seiten rasen lassen. Im Prolog steht die Lösung. Doch, so einfach ist es wahrlich nicht. Man muss den Prolog verstehen lernen. Das habe ich nun.

Ich wusste Anfangs nicht, dass es sich hier um eine Reihe handelt. Mit dem 3. Teil „Ohne Schuld“ hatte ich begonnen. „Die Betrogene“ ist der Auftakt der Krimireihe. Den 2. Teil „Die Suche“ habe ich noch vor mir. Man kann alle drei Teile unabhängig voneinander lesen. Der Lesegenuss ist jedoch größer, wenn man sie der Reihe nach liest. Ich werde Kate-Linville auf alle Fälle weiter verfolgen.


Danke Charlotte Link. Sie haben nun einen Fan mehr