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Benutzername: Gisela Simak
Wohnort: Landshut
Über mich: Bücher sind die schönste Unterhaltung
Danksagungen: 67 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 281 Bewertungen
Bewertung vom 15.09.2018
Der Platz an der Sonne
Torkler, Christian

Der Platz an der Sonne


ausgezeichnet

Ich lebe seit meiner Geburt in Deutschland. Als Deutsche habe ich mir bisher keine Gedanken über Flucht machen müssen, um ein besseres Leben zu haben. Man denke nur mal an die Sudetendeutschen, die nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben worden sind. Ab … zurück nach Deutschland. Diese Menschen dürften das Buch mit offenen Mund lesen. Das Gefühl haben, im verkehrten Film mitzuspielen. Auch ich musste mich beim Lesen immer wieder daran erinnern, dass diese Geschichte Fiktion ist. Was wäre wenn. Der Josua Brenner entführt uns in eine Welt, die wir so nicht für möglich halten. Aber mal ganz ehrlich. Es gibt einiges, das wir früher nicht für möglich gehalten hätten. Und nun?

Die Idee den Spieß umzudrehen ist dem Autor fabelhaft gelungen. Er hat die Thematik Flüchtlinge in Deutschland auf intelligente Weise auf’s Korn genommen. Die Geschichte regt zum Nachdenken an. Sie konnte mir einige Male ein Schmunzeln in’s Gesicht zaubern ob der Tatsache, dass Josua nach Afrika flüchtet um ein besseres Leben zu haben. Eben einen Platz an der Sonne. Ich habe mir bildlich vorgestellt, wie afrikanische Flüchtlinge in Deutschland reagieren würden, wenn viele Deutsche in ihre Heimat fliehen würden. Es macht wirklich sehr viel Spaß, das unglaublich skurrile und spannende Abenteuer von Josua zu erleben. Anderseits hofft man, dass dieses Buch weiterhin Fiktion bleiben möge. Berlin niemals zur “Neuen Preußischen Republik” mutiert. Schon gar nicht in Trümmern liegt. Mensch, das hatten wir doch alles schon. Mir ging beim Lesen das Märchen “Hans im Glück” durch den Kopf. Nein, Hans musste kein in Trümmer liegendes Berlin verlassen. Aber im ging es wie Josua. Er war auf der Suche nach Glück! Der Märchen-Hans und der Josua aus der “Neuen Preußischen Republik” haben eins gemeinsam: Sie machen aus jeder Situation das Beste. Da der Reichtum nun mal in Afrika liegt, geht die Reise halt dort hin. Verständlich! Man merkt, dass dem Autor Afrika nicht unbekannt ist.



Wenn Juli Zeh eine Empfehlung ausspricht, kann man sich wirklich auf eine tolle Geschichte gefasst machen. Nach einem dritten Krieg in den 50 igern lernen wir “Die Hauptstadt der Neuen Preußischen Republik” 1978 kennen. Einen Deutschen der nach Afrika flüchtet. Ob Josua in Afrika glücklich wird? Das fragt Ihr ihn am besten selber. Ich kann mich gerade nicht erinnern ob sein Antrag auf Integrierung genehmigt wurde. Na, eins weiß ich noch. Ich habe Abenteuer pur in Afrika erlebt. Was war das gleich wieder für ein Wärter, der Josua den Bescheid übergeben hat ….. ??? Besonders die Nachbemerkung hat mich traurig gemacht. Es handelt sich da um eine Begebenheit, mit der wir täglich in den Medien konfrontiert werden.

Ich empfehle dieses Buch und eine Reise nach Afrika. Danke Christian Torkler.

Bewertung vom 14.09.2018
Die andere Schwester (eBook, ePUB)
Hannah, Kristin

Die andere Schwester (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Diese emotionale Geschichte konnte mich von Anfang an mitnehmen. Meghann ist eine erfolgreiche Scheidungsanwältin. Ihr privates Leben ist jedoch von großer Einsamkeit geprägt. Meg versucht mit sämtlichen Affären ihr trauriges Leben zu übertünchen. Seit längerer Zeit geht sie zu einer Seelenklempnerin, der sie kein Vertrauen entgegen bringt. Mit allen Mitteln möchte sie ihre Fassade aufrecht erhalten. Will nicht darüber reden, was sie und ihre Schwester Claire so entfremdet hat.

Claire ist eine allein erziehende Mutter. Zu ihrem Vater Sam hat sie ein inniges Verhältnis. Sie leben in einer Wohnwagensiedlung und vermieten Blockhütten. Eigentlich fehlt ihr zu ihrem Glück nur noch der passende Mann. Bei einem Tanzabend mit ihren Freundinnen begegnet sie ihm. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Da meldet sich ihre Schwester Meg. Sie möchte zu Besuch kommen. So kann sie gleich mal Claires Freund unter die Lupe nehmen. Doch, kann man auf den Rat einer geschiedenen und unglücklichen Frau hören? Eine Scheidungsanwältin möchte das Schlimmste bei ihrer Schwester verhindern ….

Joe ist ein Vagabund, der ziellos durch die Straßen irrt. Ungepflegt wie er ist, ist er in keinem Speiselokal gerne gesehen. Joe läuft vor einem tragischen Ereignis davon. Diana. Doch, egal wie weit er läuft … Diana ist mit dabei. Als er krank wird, beschließt er wieder heimzukehren.

Die zwei Schwestern haben neun Jahre zusammen verbracht. Ich war sehr neugierig, was sie entzweit hat. Während Claire einen liebevollen Vater hat, weiß Meg nicht einmal wer ihr Vater ist. Die Mutter ist eine exzentrische Schauspielerin, die für ihre Kinder noch nie viel übrig gehabt hat. Ihre Enkelin hat sie kennengelernt, als diese vier Jahre alt war. Als Meg anbietet Claires Hochzeit auszurichten, nimmt diese das Angebot dankend an. Jedoch auch etwas skeptisch. Ihr Bräutigam ist ein armer Musiker. Claire ist eher der einfach gestrickte Typ. Für Meg spielt Geld keine Rolle. Ich musste sehr viel lachen, als Claire mit Freundinnen und ihrer Schwester das Brautkleid aussuchen ging. Megs Ehrlichkeit ist umwerfend. Meg mochte ich sehr gerne. Man spürt ihr sensibles Wesen. Nach einem beruflichen Zwischenfall nehmen ihre Ängste und Schlaflosigkeit noch mehr zu.

Joe ging mir sehr nahe. Man spürt seine Verzweiflung zwischen den Zeilen. Schritt für Schritt kommt man seinem Geheimnis näher. Er hat Angst vor den Menschen, die die Tragödie kennen. Ich war wirklich sehr gespannt, ob es dazu einen Grund gibt. Denn eins ist gewiss: Joe ist kein Vagabund. Joe ist traurig.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, sämtlichen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Der Schreibstil ist flüssig und wird abwechselnd aus der Sicht von Meg, Claire und Joe erzählt. Alle drei sind Sympathieträger. Ich gebe zu, ein paar Dinge habe ich schon ziemlich früh erahnt. Trotzdem war der Weg dorthin spannend, emotional und wunderschön. Überraschungen sind garantiert.



Zwei Schwestern wie sie verschiedener nicht sein können. Je näher man sie kennen lernt bemerkt man jedoch, dass sie in einigen Dingen sehr wohl gleich ticken. Die Geschichte weiß mit bezaubernden Protagonisten und einen wunderschönen Schreibstil zu überzeugen. Humor, Tragik, Liebe, Familiengeheimnisse und eine total bescheuerte Mutter. Klingt gut … oder?

Eine absolute Empfehlung von mir. Danke Kristin Hannah.

Bewertung vom 09.09.2018
Sie sehen dich / Pheromon Bd.2
Wekwerth, Rainer; Thariot

Sie sehen dich / Pheromon Bd.2


ausgezeichnet

Nahtlos geht es im Finale weiter. Der zweite Teil konnte mich noch mehr begeistern. Die Bekanntschaften mit den Huntern haben Spannung und jede Menge Aktion erzeugt. Besonders gut gefallen mir die Passagen in der Zukunft. Dort lernen wir die erfolgreiche Anwältin Giovanella kennen. Sie erhält einen gut bezahlten Auftrag, der ihr nicht ganz geheuer ist. Doch schon bald ist sie Feuer und Flamme für das Abenteuer, in welches sie hineinschlittert. Sie soll Jake aus dem Jahr 2018 finden.

Wir erleben wieder abwechselnd Gegenwart und Vergangenheit mit. Besonders die Abenteuer von Giovanella verpassen der Story Abenteuer pur. Die sympathische Frau spürt, dass die Vergangenheit mit ihrer Gegenwart verwoben ist. Der Schreibstil lässt einen wieder durch die Seiten rasen. Man möchte unbedingt wissen, was mit unserer Erde passiert. Ob die Aliens die Oberhand gewinnen. Die Organisation HFP wird von den Autoren auch dieses mal ziemlich realistisch dargestellt. Überzeugend führen sie den Leser durch das Geschehen. Wie die Hunter zueinander finden ist genial. Alle Protagonisten sind hervorragend ausgearbeitet. Die Abenteuer die sie zusammen bestehen lassen keine Wünsche offen. Die Fähigkeiten sehen, riechen und spüren sind nicht immer von Vorteil. Im New York 2018 und 2118 ist einiges geboten.

Traurig war ich ein bisschen über ein paar Protagonisten, die ich dieses mal nicht mehr treffen durfte.



Es ist dieses mal wirklich schwer, über dieses ScFi Abenteuer zu schreiben. Jedes Wort könnte ein Wort zuviel sein. Die Gefahr lauert auch beim Lesen. Ihr glaubt mir nicht? Dann überzeugt Euch bitte selber. Ich lege Euch diese Dilogie sehr an’s Herz.

Herzlichen Dank Rainer Wekwerth & Thariot. Darf man auf einen 3. Teil hoffen? Das Ende birgt Möglichkeiten …..

Bewertung vom 09.09.2018
Neujahr
Zeh, Juli

Neujahr


ausgezeichnet

Kleiner Henning-Großer Henning.
Henning ist ein Mann, der ein gutes Leben führt. Trotzdem plagt ihn seit Jahren ES! ES macht sich als Panikattacken bemerkbar. Schweißausbrüche und Herzstolpern rauben ihm den Schlaf. Henning arbeitet halbtags für einen Sachbuchverlag. Mit seiner Frau Theresa teilt er sich die Kindererziehung. Alles ist gut. Alles ist wunderbar. Doch ES ist immer dabei. Bei einem Urlaub in Lanzarote kommt Henning ES auf die Spur. Henning ist ein etwas unscheinbarer Charakter. Ich konnte lange nicht einschätzen, ob er sein Leben mag, wie es ist. Bei seiner anstrengenden Radeltour nach Femes kommt er seinem wahren Ich immer näher. Mit jedem Tropfen Schweiß findet er mehr zu sich. Mit der falschen Kleidung, einem geliehenen Rad, welches ungeeignet ist für den steilen Aufstieg ist und ohne Getränk, landet er bei einem Haus. Völlig dehydriert bekommt er einen Schwächeanfall. Die Besitzerin des Hauses lädt ihn ein zu Speis und Trank.

In dieser Geschichte macht Henning Bekanntschaft mit seinem inneren Kind. Die Autorin beschreibt, mit ihrem unnachahmlichen Schreibstil, was Kindheitserlebnisse mit einem Menschen anstellen können. Die Idee mit der Radeltour finde ich total passend. Gerade körperliche Anstrengung hilft oftmals seelische Blockaden zu lösen. Seine Vergangenheit annehmen und im Jetzt leben funktioniert jedoch nur dann, wenn man die Wahrheit kennt. Dem Grund für seine Ängste bewusst begegnen kann. Es mutet oftmals unheimlich an, mit Henning diese Wahrheit zu ergründen. Die Geschichte spielt aus der Sicht von Henning. Mal in der Gegenwart-, mal in der Vergangenheit. Man fragt sich, wohin die Geschichte einen führen wird. Welches Drama sich dahinter verbirgt.



Mit knapp 200 Seiten hat die Autorin eine Geschichte erzählt, die nichts vermissen lässt. Spannung ist hier mehr gegeben, als bei manchem Thriller. Wir lernen einen Mann kennen. Henning! Das besondere an dieser Story: Henning lernt sich selber kennen. Er lernt den kleinen Henning kennen und verstehen. Es handelt sich hier um ein Familiendrama. Es hätte keins sein müssen. Eigentlich hätte man die Dinge nur beim Namen nennen brauchen! Der Vergangenheit ein Gesicht geben.

Das ist der dritte Roman, den ich von Juli Zeh gelesen habe. Neujahr ist wieder eine Glanzleistung. Auch der Humor findet wieder seinen Platz. Zeh-Humor! Ich liebe die direkte Art.

Danke Juli Zeh. Ich habe jedes einzelne Wort genossen.





Silvester. Henning telefoniert mit seiner flippigen Schwester Luna:

Natürlich war Luna auf einer Party. Laute Musik im Hintergrund, Stimmengewirr. Gelegentlich wehrte sie sich kichernd gegen jemanden, der etwas von ihr wollte, vielleicht tanzen oder Raketen abschießen oder vögeln.

Bewertung vom 29.08.2018
Die Abenteuer der Cluny Brown (eBook, ePUB)
Sharp, Margery

Die Abenteuer der Cluny Brown (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Was braucht man eigentlich, um einen guten Roman zu schreiben? Einen fabelhaften Schreibstil und charmante Protagonisten mit Erkennungswert. Das ist in diesem wunderschönen Klassiker alles gegeben. Hier hat die Übersetzerin ganze Arbeit geleistet.

Diese Geschichte besticht durch Ehrlichkeit. Mr. Porritt liebt seine Nichte Cluny aufrichtig. Einer wildfremden Frau erzählt er auf einer Parkbank um die Probleme mit derselbigen. Die Antwort der fremden Frau regt ihn zum Nachdenken an. Hat sie vielleicht recht? Sollte er Clunys Charaktereigenschaften unterstützen? Die junge Cluny ist nicht mit Schönheit gesegnet. Weibliche Kurven sucht man bei ihr vergeblich. Ihr Haar bindet sie zu einem lächerlichen Pferdeschwanz. Trotzdem findet sie Anklang bei den Männern. Nicht auf den ersten Blick. Aber auf den Zweiten. Cluny ist eine total aufrichtige Person mit Köpfchen. Auch handwerklich ist sie nicht ohne. Ihr handwerkliches Geschick ist jedoch dafür verantwortlich, dass Klempner Mr. Porritt seine Nichte in Lohn und Brot schickt. Es schickt sich nicht für eine junge Dame, allein mit einem fremden Mann in einer Wohnung zu sein. Noch dazu, wenn der Onkel Nichtchen orangenessend im Bett wähnt. Auf geht’s nach Friars Carmel. Dort ist die Hauherrin glücklich, nun ein unaktraktives Hausmädchen eingestellt zu haben. Wenn die wüsste ……

Die Geschichte beginnt im Jahre 1938. Ein Jahr vor dem zweiten Weltkrieg.



Cluny ist eine junge Frau, die man nicht so schnell vergisst. Sie musste in ihrem Leben auch Verluste hinnehmen. Mr. Porritt konnte ich auch sehr gut leiden. Nicht jeder Onkel kümmert sich um seine Nichte. Alle Protagonisten haben Erkennungswert. Der Schreibstil passt wunderbar zu der damaligen Zeit. Man fliegt nur so durch die Seiten.

Dieser wunderbare Klassiker ist der beste Beweis dafür, dass man auf ruhige Art unterhalten kann. Das nenne ich Literatur vom Feinsten!

Ich bedanke mich.

Bewertung vom 27.08.2018
Sie riechen dich / Pheromon Bd.1 (eBook, ePUB)
Wekwerth, Rainer; Thariot

Sie riechen dich / Pheromon Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Diese Geschichte spielt abwechselnd in der Gegenwart und Zukunft. Jake ist ein schüchterner Junge, der in Mathe schlecht ist, Kontaktlinsen trägt und ein Footballspiel total vermasselt. Von einigen seiner Mitspieler nun gemobbt, muss er sich nun in der Schule behaupten. Unschwer ist zu erkennen, dass wir uns mit Jake im Jahr 2018 befinden. Jake fand ich total süß. Der hübsche Junge war sich seiner Anziehungskraft bei Mädchen überhaupt nicht bewusst. Auf einmal riecht er die Launen der Menschen. Sieht auch ohne Kontaktlinsen gut. Braucht keine Medikamente mehr gegen seinen Heuschnupfen. In Mathe verunsichert er seinen Lehrer. Auf einmal ist ihm keine Aufgabe zu schwer.

Im Jahr 2118 lernen wir den Arzt Travis kennen. Der trockene Alkoholiker hat mit seiner Vergangenheit zu kämpfen. Er und seine patente Kollegin behandeln Menschen, die sich kein normales Krankenhaus leisten können. Travis wird von Jugendlichen attackiert. Die Polizei erscheint. Travis verrät nicht, wie die Jugendlichen ausgesehen haben. Er verrät nicht, dass ein schwangeres Mädchen mit dabei war. Eines Tages erscheint das Mädchen in seiner Praxis. Travis will ihr helfen. Travis will damit einen großen Fehler aus seiner Vergangenheit gutmachen. Doch das Mädchen verschwindet von der Bildfläche. Die Suche nach ihr ist gefährlich und bringt Dinge ans Tageslicht, die wir alle nicht wirklich wollen.

Den Schreibstil der beiden Autoren fand ich magisch. Einmal zu lesen begonnen, konnte ich nicht mehr aufhören. Die beiden harmonieren sehr gut zusammen. Hätte ich nicht gewusst dass zwei Autoren am Werk waren, wäre es mir nicht aufgefallen. Die Protagonisten sind gut gezeichnet. Ich war sehr gespannt, was Jake und Travis denn miteinander zu tun haben. Ob überhaupt eine Verbindung besteht.

Ich bin sehr überrascht, von diesem außergewöhnlichen Sci-Fi-Roman. Obwohl weit von der Zielgruppe entfernt, konnte mich das Jugendbuch von der ersten Seite an fesseln. Handlung und Protagonisten wissen zu überzeugen. Der Schreibstil ist flüssig. Die Zukunftsszenarien könnte ich mir leider auch in der realen Zukunft vorstellen. Man denke nur mal an Raumschiff Enterprise. Wie viele Dinge aus dieser Serie sind heute ganz normal in unserem Alltag? Das Ende war fies. Ich habe es nicht anders erwartet. Es gibt ja schließlich eine Fortsetzung. Ich bin dabei!

Danke Rainer Wekwerth & Thariot. Ihr konntet mich von Anfang an mitnehmen.

Bewertung vom 22.08.2018
Das rote Adressbuch
Lundberg, Sofia

Das rote Adressbuch


ausgezeichnet

Die einzig wahre Liebe.

Eben habe ich das Buch beendet und bin noch ganz gefangen in der Geschichte. Doris hat ein wunderbares Leben geführt. Sie hat ihr ganzes Leben lang von Herzen geliebt. Hat aus jeder Situation das Beste gemacht. Das war mit Sicherheit nicht leicht. Schon früh musste sie lernen was es heißt, die Familie zu verlassen. Tragik zieht durch ihr ganzes Leben. Doch auch eine große Liebe.

Die Geschichte beginnt mit der 96 jährigen Doris. Von ihrer Nichte Jenny liebevoll Dotti genannt. Doris lebt alleine in ihrer Wohnung. Der Pflegedienst kommt mehrmals täglich, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Das Alter konnte Doris Geist nichts anhaben. Sie besitzt einen Laptop und skypt regelmäßig mit ihrer Nichte in Amerika. Kann so ein bisschen an deren Familienleben teilhaben. Man spürt förmlich die Einsamkeit, wenn Doris den Laptop wieder ausschaltet. Es ist wieder still. Doris ist einsam und hängt ihren Gedanken nach. Lässt uns an ihrem ereignisreichen Leben teilnehmen. Durch sie lernen wir wunderbare Menschen kennen. Doris hält ihre Gedanken in einem roten Adressbuch fest, welches ihr ihr Vater vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt hat. Besonders traurig fand ich die Namenseinträge mit dem Vermerk: TOT! Die Autorin hat ihre Idee zu dem Buch aus genau so einem Adressbuch ihrer Großmutter Doris. Einfühlsam erzählt sie die Geschichte der Protagonistin Doris. Nach dem Tod ihres Vaters muss sie bald ihren Lebensunterhalt selber verdienen. Ihr Weg führt sie von Schweden nach Paris, Amerika, England und wieder zurück nach Schweden. Die 20iger Jahre kommen in der Geschichte voll zu tragen. Ebenso der zweite Weltkrieg. Am glücklichsten ist Doris, nach anfänglichen Schwierigkeiten, in Paris. Dort lernt sie ihre einzige wahre Liebe Allan Smith kennen. Als Allan spurlos verschwindet, funktioniert Doris nur noch. Sie arbeitet und trauert um ihre große Liebe. Ein Freund aus der Künstlerszene ist ihr viele Jahre eine große Stütze.

Die Ideen für geheimnisvolle Familiengeschichten gehen nicht aus. Wer älteren Menschen zuhört, kann viele interessante Geschichten erfahren. Für Jenny empfand ich große Sympathie. Als ihre Tante bei einem Sturz einen Beckenbruch erleidet, fliegt sie kurz entschlossen nach Schweden, um ihrer Tante beizustehen. Ihr Mann macht es ihr nicht leicht. Stellenweise wurde ich richtig wütend auf ihn. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und in der dritten Person geschrieben. Fast jedes Kapitel spielt in einer anderen Zeitebene.

Ich habe schon viele Romane mit Familiengeheimnissen gelesen. Dieser hier ist jedoch etwas ganz Besonderes. Ich bin überzeugt, dass es solche Adressbücher bei vielen alten Menschen gibt. Vielleicht hat der eine oder andere auch eine Geschichte dazu geschrieben.

Das ereignisreiches Leben von Doris ist Unterhaltung vom Feinsten. Trotz vieler Schicksalsschläge mutet die Geschichte nicht eine Sekunde trostlos an. Sie zeigt uns die verschiedenen Arten der Liebe. Viele Höhen und Tiefen begleiten Doris auf ihrem Lebensweg. Ihren beruflichen Werdegang fand ich besonders spannend. Ihr Humor ist einfach nur köstlich! Im Fokus steht immer Liebe, Freundschaft und Hoffnung. Mut zum Leben. Mut zur Veränderung. Mut zum Überleben. Das emotionale Ende hält eine große Überraschung bereit.

Was mich glücklich macht? Ich besitze auch so ein rotes Adressbuch.

Ich gratuliere Sofia Lundberg zu ihrem Debut. Herzlichen Dank für diese wunderschöne Geschichte.

Bewertung vom 13.08.2018
Zwischen uns ein ganzes Leben
Levensohn, Melanie

Zwischen uns ein ganzes Leben


ausgezeichnet

Jede Krise kann ein neuer Anfang sein.

Die Geschichte hat mich mit Menschen zusammengebracht, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Meine größte Sympathie gilt Béatrice. Ihr Job in einer Weltbank passt nicht wirklich zu ihr. Ihr Chef ist ein ekelhafter Zeitgenosse. Für ihren Freund zählen nur die Bedürfnisse seiner Tochter. Ich habe mich oft gefragt, ob er Béatrice überhaupt als Frau wahrnimmt. Als sie die Sozialarbeiterin Lena kennenlernt, verändert sich Béatrices Leben. Sie kommt ihrer wahren Bestimmung näher. Sie besucht ehrenamtlich eine griesgrämige alte Frau. Was selbst Lena nicht für möglich gehalten hat: Béatrice und die alte Dame Jacobina entwickeln einen guten Draht zueinander. Jacobina hat einst ihrem sterbenden Vater ein Versprechen abnehmen müssen. Sie sollte herausfinden, ob ihre Halbschwester Judith den Holocaust überlebt hat. Nun bittet sie Béatrice darum. Die findet Gefallen an dem Auftrag. Hängt ihr ganzes Herzblut in die Suche. Das ist genau das, was mir an Béatrice so gut gefällt. Egal wie übel das Leben ihr mitspielt. Béatrice hat Interesse an den Bedürfnissen andere Menschen.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen. Mühelos gelingt der Autorin der Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit. In Montreal 1982 nimmt Jacobina ihrem sterbenden Vater ein Versprechen ab. In Washington 2006 beginnt die liebenswerte Béatrice ihr Leben zu ordnen. In Paris 1940 erleben wir die junge bezaubernde jüdische Judith. Vom Vater verlassen kümmert sie sich um ihre depressive Mutter. Sie jobt als Bibliothekarin. Dort lernt sie den gut situierten Christian kennen.

Paris wird von deutschen Soldaten besetzt.

In dieser wunderschönen Familiengeschichte ist leider auch wieder der Holocaust ein Thema. Sie zeigt jedoch auch, dass jede Krise ein neuer Anfang sein kann. Nachdem Béatrice angefangen hat sich um Jacobina zu kümmern, hat ihr Leben eine positive Wende genommen.

Jede Krise kann ein neuer Anfang sein. Auch griesgrämige alte Menschen haben eine Geschichte zu erzählen. Oftmals lassen sie ihre Fassade etwas bröckeln, wenn man sich Zeit für sie nimmt. Von der sinnlosen Judenverfolgung liest man in sehr vielen Romanen. Immer wieder lernt man besondere Menschen dadurch kennen. Noch heute werden Menschen gesucht.

Diese emotionale Geschichte beschreibt verschiedene Schicksale, deren Ursprung überwiegend dem Holocaust geschuldet sind. Auch wenn viele Jahre vergangen sind. Manche Dinge verjähren einfach nicht. Das ist auch gut so! Starke Frauen und Männer geben der Geschichte das, was wir zu jeder Zeit brauchen. Empathie. Ja, es gibt auch miese Charaktere in dieser Story. Aber, denen möchte ich in meinem Fazit keine große Beachtung mehr schenken. Lieber widme ich einer besonderen Begegnung am Ende ….

Danke Melanie Levensohn, für die wunderschönen Lesestunden!

Bewertung vom 11.08.2018
Hochsensibel geboren
Märtha Louise, Prinzessin von Norwegen; Nordeng, Elisabeth

Hochsensibel geboren


ausgezeichnet

Beim Stöbern im Buchladen bin ich auf dieses Buch gestoßen. Da ich nie Klatschzeitungen lese, wusste ich nicht viel über die norwegische Prinzessin. Hochsensibel schien für mich wieder mal ein neues Modewort zu sein. Achtsamkeit und Hochsensibel. Was kommt denn als nächstes bitte?
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mit dem Wort Hochsensibel meine Witze gerissen habe. Nach dem Lesen dieses wertvollen Buches hat sich jedoch meine Sichtweise geändert.

Märtha Louise erzählt aus ihrer Kindheit im norwegischen Königshaus. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte mit der Erbse hat mich zum Schmunzeln gebracht. Auch ich wollte als Kind immer den Erbsentest machen. Der Sinn hinter diesem Märchen passt zur Thematik.
Die Prinzessin hat sehr früh gespürt, was es heißt, hochsensibel zu sein. In ihrem Buch beschreiben Märtha und Elisabeth, wie man diese Begabung nutzen kann. Wie man regelmäßig auftankt und seine Kräfte richtig einsetzt. Abwechselnd erzählen Märtha Louise und Elisabeth aus ihrem Leben. Während Märtha mehr die Temperamentvolle ist, scheint Elisabeth eher der introvertierte Typ zu sein. Bei beiden fand ich den beruflichen und privaten Werdegang sehr spannend.
Für die Prinzessin war es nicht leicht, beruflich ihren eigenen Weg zu gehen. Eine spirituelle Prinzessin? Geht das? Ja, das geht. Lest das Buch.

Du möchtest wissen ob du hochsensibel bist? Das weißt du längst! Du möchtest wissen, wie du diese Eigenschaft zum Positiven nutzen kannst? Dann bist du bei Märtha Louise und Elisabeth richtig. HSP ist keine Störung. Richtig eingesetzt sogar ein richtiger Schatz.
Sei doch nicht so überempfindlich. Doch, sei es und nutze es richtig.


Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Ich war überrascht. Habe nicht mit so einer interessanten Lektüre gerechnet. Introvertierte oder extrovertierte Menschen? Das hat damit nichts zu tun. Beide können HSP sein.

Eine absolute Empfehlung von mir
Danke Märtha Louise und Elisabeth Nordeng

Bewertung vom 05.08.2018
Libellenschwestern (eBook, ePUB)
Wingate, Lisa

Libellenschwestern (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Rill Foss ist ein Mädchen, welches dem Leser seine Geschichte erzählt. Mich hat sie ratlos zurückgelassen. Ich weiß, dass es Kinderhandel gibt. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es in Amerika über Jahre hinweg praktiziert wird. Politiker, Ärzte und Krankenhäuser die Augen vor dem Verbrechen verschließen.

1939

Rill ist ein Flußkind. Mit ihren Eltern und Geschwistern lebt sie auf dem Hausboot Arcadia. Als ihre Mutter Queenie Zwillinge erwartet, wird sie unter qualvollen Schmerzen in ein Krankenhaus gebracht. Der Vater erteilt Avery den Auftrag gut auf die Geschwister aufzupassen. Sie sollen das Hausboot nicht verlassen. Da kommt die Polizei und bringt die Kinder in ein Heim. Nur so lange, bis ihre Eltern zurückkommen. Sagen sie. Sie dürfen ihre Elten bald besuchen. Behaupten sie. Skrupellose Lügen zerstören eine Familie. Die Kinder werden in ein Heim gebracht, das Georgia Tann führt. Diese Frau genießt großes Ansehen, da sie ja armen Kindern ein gutes Zuhause vermittelt. Das Schlimme: Dieses Miststück gab es wirklich!

Jetzt

Avery Stafford ist eine Frau, für die ich von Anfang an eine große Sympathie empfand. Ihr krebskranker Vater ist Politiker. Pflegeheime sind stark in Verruf geraten. Oma Judith lebt in einem teuren Pflegeheim. Avery ist sich bewusst, dass sich das ungünstig auf das Ansehen ihres Vaters auswirken kann, sobald die Presse davon Wind bekommt. Bei einem Besuch in einem etwas ärmlichen Pflegeheim, lernt Avery die demente May Crandall kennen. Die alte Dame geht auf sie zu und packt sie am Handgelenk. Die 90 jährige verhält sich, als ob sie Avery kennen würde. Avery muss feststellen, dass die alte Dame ihr das Libellenarmband entwendet hat. Normalerweise würde Avery es auf sich beruhen lassen. Da es sich jedoch um ein Erbstück handelt, besucht sie May. Sie fühlt sich zu der Dame hingezogen. Sie stellt fest, dass May gar nicht so dement ist. Die erfolgreiche Anwältin entdeckt ein Foto bei May. Darauf ist ihre Oma zu sehen …..

Mir war von Anfang an klar, dass May ein großes Geheimnis hat, welches mit der Familie Stafford zusammenhängt. Dennoch habe ich viele Überraschungen erlebt. Konnte nicht fassen, was mit den Kindern im Heim passiert ist. Ein Hausboot auf dem Mississippi hatte eine behagliche Atmosphäre verbreitet. Die Familie Foss war arm, aber glücklich. Der Vater hat Geschichten erzählt und Fische gefangen. Die Mutter hat gekocht und sich um die Kinder gekümmert. Die Kinder konnten Freiheit und die Liebe ihrer Eltern genießen. Dann zerstört Georgia Tann alles. Macht eine Familie kaputt. Quält hilflose Kinder und gaukelt der Öffentlichkeit ein gutes Herz vor. Ich kann einfach nicht fassen, über wieviele Jahre hinweg dieses grausame Biest das praktizieren konnte.



Es ist kein Geheimnis. Ich liebe Familiengeschichten. “Libellenschwestern” enthält eine wahre Begebenheit. Die Geschichte an sich ist fiktiv. Der Hintergrund real. Sie beginnt mit Avery. Einer taffen Frau, die den Mut hat, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Eine Frau, die dadurch reichlich belohnt wird. Von Averys Eltern konnte ich mir kein genaues Bild machen. Ihre Mutter kam etwas arrogant rüber. Dann geht es weiter mit Riff. Das Mädchen bekommt eine Verantwortung aufgebürdet und zerbricht fast an dieser Last. Vor diesem Mädchen ziehe ich den Hut! Zuletzt bringt May Licht ins Dunkel.

Eine Geschichte, die trotz der traurigen Thematik, das Herz aufgehen lässt. Eine Frau, die durch ihren Mut so vieles zum Positiven ändert. Eine Heimleiterin, die den Ruf einer herzensguten Frau hatte und alles hatte. Nur eins nicht: HERZ! Eine Geschichte, die sämtliche Emotionen in mir ausgelöst hat. Ich habe gelacht, hatte feuchte Augen und wurde oftmals sehr sehr wütend. Das Ende empfinde ich positiv. Zumindest wenn man bedenkt, wie vor vielen Jahren die Geschichte ihren Anfang genommen hat. Enttäuscht hat mich, dass nicht jeder an der Wahrheit interessiert war!

Herzlichen Dank Lisa Wingale. Ihre Geschichte hat mich sehr berührt.