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Benutzername: Elohym78
Wohnort: Horhausen
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Danksagungen: 65 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 242 Bewertungen
Bewertung vom 17.03.2019
Witchmark
Polk, C. L.

Witchmark


gut

(0)
Immer mehr gewalttätige Kriegsversehrte kommen im Beauregard Veteranenhospital an. Unter Hochdruck arbeitet Dr. Miles Singer nicht nur an einem Heilmittel, sondern vor allem an einer Diagnose! Woher kommen die plötzlichen Ausbrüche von Gewalt, die in Mord gipfeln? Doch Miles kann nicht offen diagnostizieren, denn er ist ein Hexer und alles was er feststellt, beruht auf Magie, die er nicht offen ausüben darf. Denn Miles gehört einer uralten Familie von Sturmsängern an, deren einziger Daseinszweck dazu bestimmt ist, das Land zu schützen. Doch wenn Miles zurück zu seiner Familie kehrt, droht ihm ein Schicksal, dass schlimmer ist als ein jahrelanges Versteckspiel.

Das Cover zeigt Dr. Miles Singer, wie er auf seinem Fahrrad durch das nächtliche Kingston fährt. Im Mondlicht spiegelt sich ein Schatten auf dem Pflaster, das nicht den radelnden Dr. Singer zeigt, sondern ihn und seine Schwester Grace in ihrer wahren Gestalt als Unsichtbare. Ich finde es wunderbar zu Titel und Inhalt des Buches gewählt, da es das geheimnisvolle zeigt, das direkt unter der Oberfläche zu lauern scheint.

C.L. Polk schreibt interessant und fesselnd. Sie vermischt die magische Welt gekonnt mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und politischen Intrigen. Ich persönlich fand es fast eine Idee zu überladen für ein einziges Buch, da ich oft den Geschehnissen hinterher hinkte und sich mir die Zusammenhänge erst spät erschlossen, so dass ich teilweise rätselte, warum die Geschichte in diese Richtung verlief und nicht in jene. Auch waren mir die Beweggründe oft schleierhaft, die die Personen zu ihren Handlungen antrieb.
Die bildlichen Ausführungen der Umgebung hingegen, fand ich magisch und wunderbar. Polk schildert und beschreibt die Stadt, das Hospital und die Wohnungen so eindringlich, dass ich mich ohne Probleme dorthin und mitten unter die Protagonisten mischen konnte. An ihrer Seite machte es Spaß, Kingston zu erforschen.
Viele Erzählstränge, die sich auffächern, wieder zusammenführen und neue Wege gehen. Leider verlor mich die Autorin an einigen Stellen, fing mich aber immer wieder ein.

Im Mittelpunkt steht der Mediziner Miles Singer, der sich gegen seine Familie auflehnte, um Arzt zu werden. Sein Weg führt ihn in den Krieg und anschließend nach in das Beauregard Veteranenhospital. Doch in Miles schlummert Magie, die er nicht offen anwenden darf. Denn die Magie wird öffentlich verpöhnt und die Hexer in Sanatorien untergebracht. Doch im Hintergrund beherrschen die Sturmsänger und die an sie gebundenen Sekundäre das Wetter und damit das Land. Alles könnte friedlich sein, wenn jeder seinen ihm zu gewiesen Platz einnehmen würde. Doch nicht nur Miles lehnt sich gegen sein Los als Sekundär auf, sondern kämpft auch für seine große Liebe Tristan Hunter. Dabei steht ihm seine Schwester Grace zur Seite, die er verloren geglaubt hatte. Doch Liebe scheint immer zu siegen und einen Weg zu finden.

Mein Fazit
Ein magisches Buch, voller Verstrickungen, Liebe und Hoffnung.

Bewertung vom 12.03.2019
Deathland Dogs
Brooks, Kevin

Deathland Dogs


ausgezeichnet

Jeet erhält von seinem Anführer Gun Sur den Auftrag, die Geschichte des Clans, oder viel mehr des Krieges zu schildern. Dafür erhält er Stift und Papier, da Jeet einer der Wenigen ist, die Lesen und Schreiben können. Mit dieser Aufgabe überfordert, sucht er Hilfe bei seinem Onkel und Ziehvater Starry, der ihm den Rat gibt, sachlich sie Abläufe zu schildern. Voller Elan stürzt sich der junge Mann in diese Aufgabe. Doch je mehr er berichtet, desto verzweifelter gestaltet sich sein Dasein plötzlich.

Das Cover zeigt den Schattenriss eines heulenden Hundes. In seinem Körper ist die zerstörte Erde abgebildet und ein rennender Junge, beleuchtet von der untergehenden Sonne. Ich finde es sehr auffallenden und spannend gewählt, da es die beiden Seelen zeigt, die in Jeet um die Vorherrschaft zu kämpfen zu scheinen. Ist er Hund oder Mensch? Oder vereint er gar von beiden Seiten das Beste in sich?

Kevin Brooks hat mich eiskalt mit seinem spannenden, packenden und mitreißenden Schreibstil erwischt. Ich dachte, dass ich einfach mal in die Leseprobe hineinschnuppere, aber dass sie so gut wird, damit habe ich wirklich nicht gerechnet und war dementsprechend auf das Buch gespannt! Habe ich die Leseprobe schon verschlungen, gab es bei dem Roman kein Halten mehr und die Seiten flogen wie nichts an mir vorbei. Selbst die Wahl der Sprache, bzw. auf Komma und die meisten Satzzeichen zu verzichten, merkte ich bald gar nicht mehr.
Denn Brooks schildert nicht nur absolut spannend das Leben der wenigen, noch verblieben Menschen und deren harten Kampf ums Überleben, sondern lässt auch ein gewisses Maß an Gefühl hineinfließen. Allerdings ohne Mitleid zu erzeugen, sondern eher trocken und regt mich gerade dadurch zum Nachdenken an. Ob die Spirale von Krieg und Gewalt irgendwann durchbrochen werden kann ist fraglich und nicht nur die Protagonisten haben daran ihre berechtigten Zweifel.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des jungen Hundskindes Jeet, der seine Geschichte und damit die Geschichte der letzten Überlebenden aufschreibt. Um sich und seine Vergangenheit und damit sein Jetzt besser zu verstehen, bittet er seinen Onkel um Hilfe. Starry schildert Jeet von dem harten Überlebenskampf durch die Deathlands und die Flucht vor den Dau. Und doch bleibt jetzt keine andere Wahl, als wieder in den Krieg zu ziehen, denn der Wassermangel setzt den wenigen noch verbliebenen Bewohnern zu. Sie sehen keine andere Möglichkeit, als in den Krieg zu ziehen, um ihr Überleben zu sichern. Ihr Überleben und den Tod der Dau. Vielleicht gelingt es Jeet, endlich eine neue Ordnung und ein Umdenken herbeizuführen, so dass ein Leben mit allen Parteien möglich ist. Doch dies scheint unmöglich, denn seine eigenen Leute machen Jagd auf ihn, liebt er das falsche Mädchen.

Mein Fazit
Ein Roman über das Anderssein; die Verbundenheit zu denen, die einen groß ziehen; die Familie und die Herkunft; über Vertrauen und Liebe.

Bewertung vom 10.03.2019
Sterne sieht man nur im Dunkeln
Werkmeister, Meike

Sterne sieht man nur im Dunkeln


ausgezeichnet

Als Thies Anni die Frage stellt, ob sie ihn heiraten möchte, ändert sich ihr Weltbild. Plötzlich stellt Anni ihr Leben in Frage, bzw. überlegt, was sie eigentlich will. Kurzentschlossen packt sie ihren Koffer und fährt zu ihrer Jugendfreundin Maria nach Norderney, die sich nach Jahren plötzlich gemeldet hat. Denn ohne die Vergangenheit geklärt zu haben, kann Anni nicht in eine Zukunft blicken.

Das Cover ist ein wahrer Blickfang und hat mich magisch zu dem Buch gezogen. Zusammen mit der Leseprobe war es ausschlaggebend, dass ich es unbedingt lesen wollte. Besonders gut gefällt mir der Widerspruch zwischen Titel und Bild: Sterne sieht man nur im Dunkeln assoziiere ich nicht mit hellen Farben und bunten Blumen und trotzdem hätte ich mir kein anderes Bild für dieses Buch vorstellen können!

Meike Werkmeister schreibt wie aus dem Leben heraus: Wild, unbändig, frech, frei, lustig, traurig, mitreißend... kurz einfach wunderschön! Aus jeder Seite sprudelt das Leben. Besonders gut gefällt mir die Mischung aus Lebenslust und Nachdenklichkeit, die das Buch in mir auslöste. Ich denke, dass viele ihr Leben einfach Leben, ohne nach rechts und links zu blicken und damit zufrieden sind. Aber glücklich? Und wie viel Mut gehört dazu, alles in Frage zustellen, zu einem Ergebnis zu kommen und dann noch mal neu durchzustarten. Gerade dann, wenn eigentlich alles perfekt läuft? Eigentlich eben.
Stellvertretend für viele, geht Anni diesen Weg. Mal mit Hindernissen, mal verblüffend einfach, aber immer ist es ihr Weg! In Annis Leben läuft alles perfekt und ohne Ecken und Kanten. Sie hat einen tollen Job und lebt in einer gefestigten Beziehung. Ihr Hobby, das gestalten von Sprüchen, hat sie zu ihrem Nebenjob gemacht, hat Freunde und eine nette Familie. Doch wie aus dem Nichts, soll sich dies mit der Hochzeit ändern. Doch will Anni überhaupt heiraten? Ich fand es sehr spannend zu beobachten, wie Anni sich ihren Ängsten, Bedenken und Gefühlen stellt. Sie öffnet sich für was Neues, um gleichzeitig dem Alten eine Chance zu geben. Ihr Weg macht zwar den ein oder anderen Schlenker, aber sie nimmt es in Angriff, diesen zu beschreiten und dafür bewundere ich sie.

Mein Fazit
Ein wunderschönes Buch, dass einfach JA zum Leben sagt!

Bewertung vom 03.03.2019
1793
Natt och Dag, Niklas

1793


ausgezeichnet

Als die verstümmelte Leiche eines Mannes geborgen wird, nimmt das ungleiche Ermittlerpaar Jean Michael Cardell und Cecil Winge den Kampf gegen das Verbrechen auf. Der Zufall, oder eher das Schicksal bringen den traumatisierten Kriegsveteran und den an Schwindsucht erkrankten Juristen zusammen und der Tod besiegelt das Bündnis. Können sie die Bestie fassen, die für den grausamen Mord verantwortlich ist, oder muss der Tod ungesühnt bleiben? Die Abgründe, in die sich Cardell und Winge begeben, scheint grenzenlos zu sein.

Das Cover ist in schwarz gehalten. Die Jahreszahl 1793 prangt mitten darauf und zeigt einen Ausschnitt Stockholms. Ich finde es in seiner Düsternis sehr gut zu Titel und Inhalt des Buches gewählt. Es zeigt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Grausamkeit, die in den Seiten vereint sind.

Niklas Natt och Dag hat einen absolut grandiosen Krimininalroman geschaffen, der nicht nur mit Spannung glänzt, sondern auch mit fundiertem Hintergrundwissen der damaligen Zeit. Der Autor schaffte es, mich in eine düstere und zum Glück längst vergangene Epoche zu entführen. Er schilderte Stockholm dermaßen realistisch, dass mir ein Schauer über den Rücken ran. Nicht nur das Elend der armen Bevölkerung konnte ich nachempfinden, sondern auch den Dreck, der überall zu finden war; die Kanalisation steckte nicht nur in den Kinderschuhen, sondern war noch nicht vorhanden, Seuchen und Ansteckungsgefahr schwebten in der verpesteten Luft und das Elend quoll zwischen den Seiten hervor. Selten habe ich eine so realistische und glaubwürdige Schilderung einer Stadt gelesen. Dazu kam das Leben im Allgemeinen mit den drakonischen Strafen und der totalen Missachtung jeglichen armen Lebens: Stirbt ein Bettler, ist schon ein anderer da, um seinen Platz einzunehmen.
In dieser düsteren und beklemmenden Zeit spielt Niklas Natt och Dags Roman. Ein brutaler Mord ist geschehen, der kurzzeitig für Aufsehen sorgt. Nicht wegen der Leiche, sondern wegen den Ermittlungen, die manch einen Schurken ans Tageslicht zerrten; was ist schon ein Toter mehr oder weniger? Die Gleichgültigkeit ging mir sehr nah und war auch schwer nachzuvollziehen, aber die Menschen dachten und lebten nur von der Hand in den Mund.

Und doch schaffen es der Mut und die Ehrlichkeit, die Selbstlosigkeit und die Liebe ihren Platz zu verteidigen. Als der Jurist Cecil Winge sein Todesurteil Schwindsucht erhält, ist sein einziges Ziel, seine geliebte Frau versorgt und glücklich zu wissen. Und nebenher, seinen Beruf erfolgreich auszuüben und das Verbrechen zu bekämpfen. Ungewollt schlittert der Kriegsveteran und Säufer Jean Michael Cardell mit in diesen Kampf. Sein Leben war beendet und der Alkohol der einzige treue Begleiter. Doch nach und nach nimmt er Cardell den Kampf auf. Mit der Wahrheit um den Mord gelangt er in ein lebenswertes Leben zurück. Ich fand es sehr faszinierend und bewegend, den beiden ungleichen Männern bei ihren Ermittlungen folgen zu dürfen. Auch wenn sich mir hin und wieder der Magen hob, ob der detaillierten Beschreibungen, mit denen der Autor nicht sparte.

Mein Fazit

1793 hat mich von der ersten Seite an begeistert! Düster, spannend und originell!

Bewertung vom 10.02.2019
Die Mauer
Lanchester, John

Die Mauer


gut

Zum Schutz des Landes, der Menschen und des Lebens muss jeder Bürger zwei Jahre Dienst auf der Nationalen Küstenverteidigungsbefestigung - der Mauer - verrichten. Diese Zeit ist jetzt für Joseph Kavanagh gekommen. Schweren Herzens tritt er seinen Dienst an. Neben schier unendlicher Zeit zum Nachdenken in der Einsamkeit der Mauer, lernt er Kameradschaft, Freundschaft und sogar die Liebe kenne.

Das Cover besteht aus zwei Dingen: Unten das unendliche Meer in blauen Strichen gezeichnet und oben der unendliche Nachthimmel in schwarzen Punkten. Es ist schlicht und doch reizte es mich und machte mich zusammen mit dem Klapptext neugierig auf das Buch, da es auf der einen Seite zwar Unendlich wirkt, auf der anderen Seite zu gleich bedrohlich und einengend.

John Lanchester schreibt flüssig, aber zugleich bedrückend; wie kann man unter freiem Himmel, mit Sicht auf die unendlichen Weiten des Meeres nur so ein beklemmendes Gefühl in seinen Lesern hervorbringen? Ich denke, es sind nicht die Beschreibungen der Landschaft, auch wenn diese schon nicht einladend, sondern eher kalt und feindlich wirkt, sondern eher die innere Einstellung. Statt Freude und Zuversicht, ruft der Autor Zweifel und Widerwillen hervor, die mich berühren und zum Nachdenken anregen. Natürlich möchte jeder sein Leben und vor allem seine Lebensgewohnheiten schützen, aber zu welchem Preis?

Diese Frage und noch viel existentiellere stellt sich der junge Joseph Kavanagh, als er den Dienst auf der Mauer antritt und mit seinen Gedanken und Gefühlen alleine ist. Die Generation seiner Eltern ist Schuld am Klimawandel und hat Massenflucht, Erderwärmung und steigende Meeresspiegel verursacht. Oder zumindest nicht versucht, diese Entwicklung aufzuhalten. Was im Einzelnen geschehen ist, erfährt man nicht und auch nicht, wie es tatsächlich auf der Welt aussieht; ob Leben überhaupt möglich ist. Ich denke, dass der Autor dies mit Absicht unerwähnt, oder nur mit Andeutungen unterfüttert hat, um seinen Lesern die geschehene Katastrophe sich selbst vorstellen zu lassen.
Es wird zwar schnell deutlich, dass die Mauer zum Schutz vor Flüchtlingen gebaut wurde, damit das bewohnbare Land nicht überrannt wird, aber Regierung und Bevölkerung entmenschlichen diese und nennen sie schlicht, die Anderen. Es sind keine Männer, Frauen und Kinder, die da kommen, sondern irgendwelche Andere, die das Leben zerstören wollen. So zumindest mein Eindruck. Denn wenn es ihnen tatsächlich gelingt, die Mauer zu überwinden, werden sie entweder eingeschläfert, ausgesetzt oder als Dienstlinge gehalten.

Auch wenn Lanchester nicht urteilen, sondern eher zum Nachdenken anregen wollte, hätte ich mir mehr Intensität gewünscht; und dies in allen Bereichen seines Buches. Ich hätte es schön gefunden, mehr auf die äußeren Gegebenheiten einzugehen und mehr Hintergrundwisssen zu bekommen, statt in die Seelenqualen eines Einzelnen einzutauchen, die stellenweise recht langatmig waren. Warum hasst Kavanagh seine Familie, sein Leben und alles so dermaßen und hat dennoch keinerlei Zukunftsvorstellung oder Wünsche?

Mein Fazit
Interessantes Thema, dem für mich etwas Tiefgang fehlte.

Bewertung vom 04.02.2019
Schattenchronik 2: Feuerblut / Das Erbe der Macht Bd.4-6
Suchanek, Andreas

Schattenchronik 2: Feuerblut / Das Erbe der Macht Bd.4-6


sehr gut

Nachdem die Prophezeiung endlich entschlüsselt ist, machen sich die Lichtkämpfer auf die Suche nach den Sigilsplittern. Sie müssen diese unbedingt vor den Schattenkriegern finden und unschädlich machen, da diese ansonsten den Wall zerstören und sich den Nimags nicht nur offenbaren, sondern auch die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Eine gnadenlose Jagd beginnt, deren Ende völlig offen ist!

Andreas Suchanek hatte mit seiner Schattenchronik-Saga ein faszinierendes, spannendes und süchtig machendes Werk geschaffen! Schon Teil eins begeisterte mich und so freute ich mich ganz besonders auf die Fortsetzung. Leider lag zwischen den Bänden eine geraume Zeit, so dass ich mich schwer tat, in die Handlung und vor allem die Charaktere zurückzufinden. Trotz des kurzen Rückblicks, der am Anfang des Buches zu finden war und den ich bitter nötig hatte, fiel es mir denkbar schwer, die ganzen Personen auseinander zu halten.
Besonders gut gefällt mir die Mischung des Buches: Nicht nur spannende Action, die mich mit ihrer Geschwindigkeit, dem Wortwitz und der Rätsel an Indiana Jones erinnerten, sondern auch an magischen Momenten fehlt es nicht; von gefühlvollen Liebesgeschichten und Freundschaft, sowie Verrat ganz zu schweigen. Man könnte meinen, dass das Buch, oder vielmehr die Serie damit überladen sei, aber dem ist absolut nicht so, da Handlungen und Charaktere perfekt aufeinander abgestimmt sind und wie kleine Zahnrädchen ineinander greifen.
Der Schreibstil des Autors schwankt von rasanter Spannung, hinzu Rätsel raten und nachdenklich stimmenden Begebenheiten unter Freunden. Verrat, Liebe und Vertrauen sind ebenso an der Tagesordnung wie Freundschaft und Hass. Der Spannungsbogen schwankt je nach Begebenheit und hielt mich stets gefangen. Mal rast die Handlung unaufhaltsam vor ran, mal gibt Suchanek mir die Möglichkeit, alles zu überdenken und eigene Schlüsse zu ziehen. Diese Mischung gefällt mir gut!
Ebenso die Schilderungen der magischen Welt, in die ich mich gerne verlor. Zauberei, magische Wesen und die Schilderung der vorherrschenden Ordnung ist spektakulär. Natürlich hat der Autor das Rad nicht neu erfunden und dass eine Welt neben der unseren existiert ist nicht neu, aber die Umsetzung ist einfach grandios.

So vielfältig wie die Orte der Handlungen sind, so schillernd gestaltet Suchanek seine Protagonisten. Auf der einen Seite sind die Lichtkämpfer: Magier, Neuerweckte und Unsterbliche, die den Wall, also den Schutz der Menschen vor den Magiern, erhalten wollen. Ihr Ziel ist eine friedliche Coexistenz aller Lebewesen, egal ob magisch oder nicht.
Dem gegenüber stehen die Schattenkrieger mit deren Unsterblichen, deren einziges Ziel es zu sein scheint, die Weltherrschaft an sich zu reißen, da Magier eindeutig an der Spitze der Nahrungskette stehen.
Doch ganz so einfach ist es nicht, wie sich im Laufe des Buches immer mehr herauskristallisiert. Schwarz ist nicht immer schwarz und weiß nicht immer weiß. Andreas Suchanek hat diesen Band dazu genutzt, seinen Charakteren mehr Tiefe zu verleihen und mit mehr Hintergrundwissen auszustatten, so dass ich mich mit ihnen noch enger verbunden fühlte.

Mein Fazit
Einfach toll und von Grund auf magisch!

Bewertung vom 26.01.2019
Zwischen uns die Sterne
Sivec, Tara

Zwischen uns die Sterne


weniger gut

Einst waren sie beste Freunde. Doch als die drei Kinder Everett, Aiden und Cameron älter werden und die Liebe in ihr Leben einzieht, wird die Freundschaft schwierig. Schließlich bricht Everett aus seinem Leben aus und zieht mit Ärzte ohne Grenzen um die Welt, um Kranken zu helfen. Als ein Brief von Aiden ihn mit der Nachricht erreicht, dass dieser sterben muss, reist er endlich in die Heimat zurück. Für seinen besten Freund ist es zu spät, aber finden er und Cameron endlich zueinander?

Das Cover zeigt die beiden Protagonisten Cameron und Everett unter einem glitzernden Sternenhimmel. Sie halten sich an den Händen und blicken sich erwartungsvoll an. Zusammen mit dem Klapptext und der Leseprobe hat es den Ausschlag gegeben, dieses Buch unbedingt lesen zu wollen.

Tara Sivec schreibt flüssig und gut strukturiert. Sie schildert die mühselige Liebe zwischen zwei Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen und Dank vieler Missverständnisse ihre Liebe zueinander nicht eingestehen können und wollen. Manchmal erscheint es mir wie ein merkwürdiger Tanz, den Everett und Cameron aufführen, da sie stets umeinander schleichen und doch nicht zueinander finden. Aber es ist auch ein Buch über Freundschaft, die sich von Kindesbeinen an, weiter entwickelt.
Auf mich wirkt das Buch leider wenig romantisch, sondern zäh und die Handlung verfahren. Zwei erwachsene Menschen, die nicht fähig sind, offen und ehrlich miteinander umzugehen, sind nicht meins. Everetts Beweggründe konnte ich teilweise nachvollziehen, da er durch seine fünfjährige Abwesenheit, den plötzlichen Tod seines besten Freundes und seiner Alkoholsucht, eh schon aus dem Gleichgewicht geworfen wurde, ist unsicher und vorsichtig. Cameron hingegen, die von ihren Eltern eine heile und glückliche Ehe vorgelebt bekam, fand ich eher anstrengend. Sie weinte viel, ärgerte sich, war bockig und mir wenig sympathisch. Anfangs rührte mich ihre Gefühlsdusselei, wenn sie in einem Meer aus Tränen schier zu versinken drohte, aber dann wurde es zu viel des Guten.

Mein Fazit
Leider nicht mein Buch.

Bewertung vom 25.12.2018
Deadlands - Ghostwalkers
Maberry, Jonathan

Deadlands - Ghostwalkers


sehr gut

Nach dem alles zerstörenden Erdbeben 1868 ist so gut wie nichts mehr von Kalifornien übrig. Das Land liegt nicht nur in Schutt und Asche, sondern es wurde regelrecht entzwei gerissen. Tiefe Spalten ohne erkennbaren Grund, zerteilen das Land, aus dem merkwürdige Kreaturen empor kommen. Von alldem hat der Auftragskiller Grey Torrance zwar gehört, aber es mit eignen Augen zu sehen und am eigenen Leib zu erleben, sind völlig verschiedene Dinge. Durch einen Zufall verschlägt es ihn nach Paradise Falls. Es scheint, dass nur Grey zusammen mit seinem neuen Freund, dem Sioux Thomas Schaut-Weg, die Bevölkerung vor habgierigen Großgrundbesitzern, Geistern, Untoten und den schier unendlichen Möglichkeiten von Geisterstein retten können...

Besonders gereizt hat mich an Jonathan Maberrys Buch die Mischung aus romantischer Wild West Cowboy Atmosphäre und Untoten. Horror trifft auf den Pistolenschuss-Romantik. Und ich muss gestehen, enttäuscht hat mich der Autor nicht!
Auf der einen Seite ist der knallharte Auftragskiller Grey Torrance. Doch noch nur auf den ersten Blick wirkt er so hart, denn tief in seinem Inneren wird er von den Geistern seiner Vergangenheit gejagt. Umso mehr erschreckt es ihn, dass seine Geister plötzlich Gestalt anzunehmen scheinen und ihn als Untote verfolgen. Durch das zerstörende Erdbeben entließ das Land nicht nur Kreaturen der Hölle, sondern auch Geistersteine. Von den einen als Heilsbringer verehrt, die die Moderne voranbringen und eine technische Zukunft ohne Grenzen verspricht, werden sie von den anderen als Waffe verehrt. Gerade diesen Gegensatz von ich spannend und ließ mich gerne von Maberry in diese gegensätzliche Welt ziehen.
Vor meinen Augen ließ der Autor ein zerstörtes Land entstehen, dass unter Hitze, Dürre und Armut leidet. Doch nicht nur dass, denn die Natur ist aus den Angeln gerissen und jagt mit zerstörerischen Unwettern über das gepeinigte Land. Ätzender Regen, schreiende Winde und Tiere, die nie an die Oberfläche gelangen hätten dürfen, um nur ein paar Dinge zu nennen. Dazu kommen die Schrecken, welche die Menschheit Dank gnadenloser Gier heraufbeschwor. Spannend geschrieben, keine Frage, aber auf mich wirkte alles zusammen genommen überladen. Egal an welcher Ecke ich mit den Helden der Geschichte auftauchte, ein nie geahntes Grauen war garantiert schon dort. Was anfangs spannend und fesselnd war, kippe leider zu nervig. Zumindest in meinen Augen. Ich wurde den Schrecken bald müde, denen sich meine Helden stellen mussten.

Im Mittelpunkt der Geschehnisse ist der Auftragskiller Grey Torrance. Als gefragter Killer, gibt es kaum einen zweiten, der so präzise töten kann wie er: Ein Schuss, ein Treffer. Und dieses Können ist auch dringend erforderlich, als er in Paradise Falls eintrifft, denn die zerstörte Stadt benötigt dringend einen Revolverhelden. Schien Grey anfangs kalt und unnahbar, wurde er schnell zu meinem Helden mit dem weichen Kern. Es scheint fast, dass er unabsichtlich in die Rolle des Killers gedrängt wurde, durch persönliche Verluste und Schläge des Schicksals. Ich beobachtete ihn gerne und folgte den Wendungen, die er nahm.
An Greys Seite, der Sioux Thomas Schaut-Weg. Auch er widerwillig in die Rolle des Helden gedrückt, wollte er eigentlich Forscher sein und damit der Welt helfen.
Beide zusammen geben ein interessantes Paar ab, denen ich gerne folgte und ihre Abenteuer beobachtete.

Mein Fazit
Ein spannender Helden-Horror-Cowboy-Roman, der hier und da überfrachtet wirkte. Trotzdem lesenswert.

Bewertung vom 10.12.2018
Die Schneeschwester
Lunde, Maja

Die Schneeschwester


ausgezeichnet

Nach dem Tod seiner Schwester Juni ist für Julian und seine Familie nichts mehr, wie es früher war. Ein Schleier hat sich über das Leben der Familie gelegt, den selbst die fröhliche Vorweihnachtszeit nicht zerreißen kann. Erst als Hedvig mit ihrer Unbeschwertheit in Julians Leben purzelt, wird aus Dunkelheit wieder Licht.

Allein die Cover- und Bildgestaltung dieses Buches ist ein Highlight! Jedes Bild ist auf das Buch abgestimmt, einzigartig und so liebevoll, dass es mein Herz berührt. Die Harmonie zwischen geschriebenem Wort und Seitengestaltung ist einmalig und wunderschön!

Ich habe das Gefühl, dass das Buch erst durch die Bilder lebt und umgekehrt. Nur zwei Menschen, die wirklich wissen, was Leben, Tod, Familie und Freundschaft wirklich bedeuten, können so etwas Bezauberndes gemeinsam schaffen!
Das Buch ist in 24 Kapitel unterteilt, passend zur Vorweihnachtszeit. Es lässt sich wie ein Adventskalender lesen, jeden Tag eins. Oder für Ungeduldige wie mich, in einem Rutsch.

Maja Lunde schafft es mit einfachen Worten, mich in die Geschichte des kleinen Julian zu ziehen. Er hat im Sommer seine Schwester Juni verloren und jetzt steht die schönste Zeit des Jahres - Weihnachten - vor der Tür. Ein Fest der Liebe und der Freude! Doch in seiner Familie gibt es dies nicht mehr. Selbst Julian ist gefangen in seiner Trauer, die erst durch Hedwigs Erscheinen zu bröckeln beginnt. Selbst ich musste schmunzeln, als ich Hedvig sah, die voller Leben ist, lacht und mit ihrer breiten Zahnlücke, ihren roten Locken und den Sommersprossen aus jeder Pore Freude sprudeln lässt. Angesteckt davon, findet auch Julian die ungetrübte Freude, die jedes Kind erleben sollte, endlich wieder! Die Vorfreude auf Weihnachten, das wunderbare Prickeln von Schnee, der Geschmack von heißer Schokolade, die Bauchschmerzen nach hemmungslosem Lachen, kurz das Leben genießen, ohne Sorgen und ohne an Morgen zu denken. Diese Schilderung des Wechsels von Trauer hin zu Freude, ist der Autorin meisterhaft gelungen. Ich habe selten bei einem Buch so gelacht, geweint und mich so lebendig gefühlt.

Mein Fazit
Ein Kleinod von einem Buch! Danke!

Bewertung vom 02.12.2018
Die Ballade von Max und Amelie
Safier, David

Die Ballade von Max und Amelie


ausgezeichnet

Als eines Tages ein fremder Hund auf Narbes Müllkippe auftaucht, traut sie ihrem Auge nicht. Denn dieser große, starke Hund, setzt sich gegen die Menschenkinder nicht zur Wehr, sondern lässt sich fast von ihnen töten. Wäre Narbe nicht eingeschritten...
Und mit dieser mutigen Tat beginnt für die beiden so ganz und gar unterschiedlichen Hunde ein Reise ins Ungewisse und in die Tiefen ihrer unsterblichen Seelen. Immer auf der Suche nach Liebe, Freundschaft und Geborgenheit, erleben die beiden viele Gefahren, um hoffentlich am Ende das wahre Glück zu finden.

Das Cover zeigt die beiden Hunde Max und Narbe. Von einem Grashügel aus blicken sie in eine gerade erwachende Zukunft und lassen die Schwärze der Vergangenheit hinter sich. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch den Sonnenaufgang, den die beiden beobachten und deren vorsichtige Strahlen den beiden Wärme und Hoffnung zu versprechen scheint. Ich finde es wunderschön zu Titel und Inhalt des Buches gewählt.


Auch mit seinem neuen Werk berührt mich David Safier tief. Er schreibt über innige Liebe, Freundschaft und die unsterbliche Seele, die selbst über Jahrtausende so eng mit einer anderen Seele verbunden sein kann, dass sie sich stets wiederfinden. Dies alles schildert die Autor in einem gewohnt ruhigen und sehr berührenden Schreistil, der mir nah ging und die Tränen in die Augen trieb. Allerdings sind auch lustige, verrückte und das Leben bejahende Stellen dabei, die mich schmunzeln ließen.

Ich darf die beiden Hunde Max und Narbe auf ihrem Weg begleiten. Sie lernen sich auf einer Müllkippe kennen, auf der Narbe mit ihrem Rudel aufwächst. Nach einem verlorenen Kampf, ist sie eine Außenseiterin und muss jeden Tag auf's neue für Leben und ihr Überleben kämpfen. Max hingegen, der nach einem tragischen Zwischenfall quasi vor ihren Füßen landet, ist bei Menschen aufgewachsen und liebt diese und auch die Sicherheit, die sie ihm bieten. Sein größter Wunsch ist es, den Weg nach Hause zu finden. Narbe begleitet ihn auf seinem Weg.

Beide Charaktere wachsen an dem jeweils anderen und an den Begebenheiten der Reise. Sie sehen in dem anderen das Beste und können nur schwer verstehen, was das sein könnte. Wer könnte schon einen Hund lieben, der nur ein Auge hat und auf einer Müllkippe wie Dreck aufgewachsen ist? Wer könnte einen kastrierten Hund lieben, der von Menschen abhängig ist? Doch das sehen sie nicht. Max sieht eine willensstarke Hündin, die das Leben zu meistern gelernt hat. Narbe ist stark, unbeugsam und tritt ohne Zögern für andere ein. Narbe hingegen sieht einen wunderschönen, großen Rüden, der mit seinem Sanftmut und seiner Besonnenheit nicht blind voran stürmt, sondern überlegt handelt.

Ich fand es wahnsinnig berührend, die beiden begleiten zu dürfen und ihre Veränderungen zu beobachten. Sie sind nicht blind für das Wachsen, nicht blind für Veränderung, sondern offen und begierig nach Leben.

Mein Fazit
Ein Buch zum Weinen. Ein Buch zum Lachen. Ein Buch zum Wundern. Ein Buch zum Lieben. Kurz, ein Buch, dass das Leben schreibt.