Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: urmeli
Danksagungen: 43 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 211 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2019
Stella
Würger, Takis

Stella


ausgezeichnet

Als Sohn eines wohlhabenden Konzerninhabers wächst Friedrich in der Nähe von Genf in der Schweiz auf. Immer die Wahrheit sagen, das hat er gelernt und das auch, wenn ihm persönlich Schwierigkeiten erwarten. Als Kind wurde er so zusammen geschlagen, dass seitdem seine Welt nur noch in Grautönen existiert. Seine Mutter, die in ihm einen zukünftig großartigen Maler sah konnte dieses nicht verwinden. Die Ehe seiner Eltern ging in die Brüche und Friedrich, der die Welt kennenlernen wollte, ging nach Berlin während des 2. Weltkrieges. Er wollte herausfinden, ob es wahr ist, dass Möbelwagen Menschen mitnahmen und diese verschwanden. Während einer Zeichenstunde lernt er das Aktmodell Kristin kennen und lieben, sie zeigt ihm das Berlin der Bars und Tanzdielen. Er lernt Tristan kennen, einen Judenhasser und SS-Angehörigen. Nach Tagen taucht Kristin wieder auf, der Kopf kahlrasiert und der Körper zerschunden. Sie beichtet ihm, wer sie wirklich ist, doch die ganze Wahrheit erfährt Friedrich dennoch nicht.
Takis Würger schreibt über die Judenverfolgung und -vergasung, die einzelnen Personen stehen bei ihm dabei im Mittelpunkt, die Einzelschicksale sind es, die bewegen. Einträge aus Gerichtsprotokollen ergänzen den teilweise wahren und teilweise fiktiven Roman, bei dem vieles anders ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Persönliche Rache, Hass auf sich selbst, der in andere Kanäle fließt, Korruption und Obrigkeitshörigkeit werden unter die Haut gehend beschrieben.

Bewertung vom 11.01.2019
Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2
Katzenbach, John

Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2


ausgezeichnet

Dr. Frederick Starks, Ricky, war ein anerkannter Psychiater als er vor 5 Jahren mit einem Profikiller zusammentraf. Anschließend tauchte er unter und lebte, weiterhin als Therapeut, in Miami. Nun hat ihn seine Vergangenheit wieder eingeholt. Mr R, den er meinte, erschossen zu haben, lebt und hat ihn gefunden. Seine Schwester Virgil bekam von einem Unbekannten den Auftrag, Merlin, den anderen Bruder zu töten. Dieser hat Fotos von Merlins Kindern und Frau geschossen und war in deren Haus und hat gefilmt wie er auf einen Paddington Bär einsticht. Ricky soll herausfinden, wer dieser Unbekannte ist damit Mr R ihn tötet um so seine Geschwister zu schützen. Da Rickys eigenes Leben bedroht wird, lässt er sich darauf ein. Er forscht in New York, wo er bis vor 5 Jahren gelebt hat, nach diesem "Jack, the Paddington Ripper" und versucht, mit seinen psychologischen Fähigkeiten, diesem auf die Spur zu kommen. Sie führt ihn in ein verschlafenes Nest in Alabama zu einem ermordeten Mädchen und einem nicht überführten Täter.
Sehr raffiniert wird eine wilde Verfolgungsjagd inszeniert, bei der nichts ist wie es auf den ersten Blick erscheint. Die ersten Seiten beschäftigen sich mit der Vorgeschichte Rickys und seinem alltäglichen Leben, die Handlung nimmt erst langsam an Spannung zu. Spätestens nach dem Treffen mit Mr R kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen und begibt sich selbst mit auf die Suche nach dem ominösen Jack.

Bewertung vom 09.12.2018
Die Ballade von Max und Amelie
Safier, David

Die Ballade von Max und Amelie


ausgezeichnet

Max wird auf einer Müllkippe von verwahrlosten Kindern gejagt und geschlagen bis die Hündin Narbe, die mit ihren Geschwistern dort lebt, eingreift. Narbe selbst hat durch einen Kampf mit ihrem Bruder ein Auge verloren und einen schweren Stand in ihrem Rudel. Jetzt will sie mit dem verletzten Max fliehen, denn er möchte so schnell es geht zu seinem Frauchen und dem Kind Lilly zurück, die er über alles liebt. Narbe wurde noch von keinem geliebt, versteht überhaupt nicht, wie man Menschen lieben und sich denen unterordnen kann. Doch nach der Rettungsaktion kann sie nicht bleiben. Auf dem Weg haben sie nicht nur viele Gefahren in Form von Unwettern, anderen Tieren, Feuer, Kälte und Hunger zu überwinden, sie werden auch von einem Menschen gejagt. Bereits in Max Träumen taucht immer wieder ein böser Mensch auf aber auch immer wieder Narbe als seine Partnerin. Über viele Jahrtausende hinweg waren die beiden immer wieder ein Liebespaar. Jedes Mal, bevor ihre Welpen geboren wurden, wurden sie ermordet. Das kann diesmal nicht passieren, denn Max kann keinen Nachwuchs zeugen. Ändert sich damit ihr Schicksal?
Eine wunderschöne Ballade um zwei sehr unterschiedlichen Hunden, die mit vielen Gefahren zu kämpfen haben und nach ihren Toden sich immer wieder neu liebten. Eine fantasievolle Geschichte für jung wie alt, über das Leben und die Liebe. Wunderschön!

Bewertung vom 09.12.2018
Der Mann am Grund
Procházková, Iva

Der Mann am Grund


sehr gut

Zehn Jahre liegen seit dem Tod von Marek zurück. Er ist von einer Designertreppe im schicken Haus des erfolgreichen Architekten Radim gestürzt und alle in der Familie geben sich die Schuld am Tod. Der Vater hatte zu der Zeit Sex mit seiner Assistentin, die junge kubanischstämmige Stiefmutter Yadira traf sich mit dem Nachbarn und die ältere Schwester, die Mareks Angst in der Dunkelheit ernst nahm und ihn zur Toilette begleitete ganz besonders, denn durch eine Kitzelaktion ist Marek gestolpert. Mit dem Tod des Polizisten Zapletals, der in seinem Auto am Grund eines See gefunden wird, kommt alles wieder hoch. Viele wünschten seinen Tod und es gab mehrere Mordversuche an ihm. Wie passt dort der Drogen- und Alkoholkonsum, die seltsamen Geldeingänge und die sehr jungen Frauen, mit denen er sich traf zusammen?
Auch die Persönlichkeit des Ermittlers, Marian Holina, nimmt einen großen Raum in diesem sehr vielschichtigen Kriminalroman ein. Seine Liebesbeziehung mit der Frau eines Kollegen genauso, wie sein neu entfachtes Interesse an einer Täteranalyse durch Sternbilddeutungen. Die Ermittlungen führen auch den Leser immer wieder auf neue Spuren und neue Verdächtige, einzig die tschechischen Namen erschweren das Lesen ein wenig.

Bewertung vom 09.12.2018
Good Night Stories For Rebel Girls 2
Favilli, Elena; Cavallo, Francesca

Good Night Stories For Rebel Girls 2


ausgezeichnet

Es sind nicht unbedingt Gute-Nacht-Geschichten, doch die Kürze der Beschreibungen jede der vorgestellten 100 Frauen und Mädchen bieten sich dafür an. Jede dieser Frauen ist etwas Besonderes, sie haben einen Kampf gewonnen, sich für andere eingesetzt, in der Kunst oder im Sport für Aufsehen gesorgt oder für die Entwicklung der Menschheit Großes geleistet. Sie kommen aus allen Kulturkreisen und Ländern, was sie eint ist eine innere Stärke. Einige, wie die Brasilianerin Anita Garibaldi sind als Revolutionärin jung gestorben und haben dennoch ihre Fußspuren hinterlassen. Die Tennisspielerin Billie Jean King hat in einem aufsehen erregenden Tennisspiel für die gleiche Bezahlung von männlichen und weiblichen Tennisspielern gekämpft und gewonnen. Seitdem gibt es im Tennis gleiche Preisgelder für beide Geschlechter. Die Entdeckung der menschlichen DNA wäre ohne die Leistungen Rosalind Franklins länger unentdeckt geblieben, den Nobelpreis dafür haben ihre männlichen Kollegen erhalten.
Zusätzlich zu dem einseitigen leicht lesbaren Text gibt es, von unterschiedlichen Künstlern, eine Illustration, die nicht nur die Person sondern auch ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringt.
Ein wunderschönes Buch zum Selberlesen und Verschenken, ein echter Hingucker!

Bewertung vom 21.11.2018
Die Stille im Dorf
Blaser, Karl

Die Stille im Dorf


gut

Der 2. Weltkrieg neigt sich dem Ende entgegen und Johann als eingeschworener Nationalsozialist sieht seine Felle schwimmen. Bevor die Amerikaner im kleinen Dorf in der Eifel ankommen, verbrennt er alles Verdächtige. Leichter wird das Leben nicht für die Dörfler, besonders den Frauen erwarten Schläge und Willkür der Väter und Ehemänner. Magdalene, Johanns Tochter, möchte gerne das Dorf verlassen, sieht jedoch keine Möglichkeit dazu. Ihr Mann Theo, den sie einst aus Liebe geheiratet hat, schlägt und betrügt sie. Ihr Bruder Micha wird als Kriegsgefangener mitgenommen und verschwindet spurlos. Jahre später, nach einer Schlägerei in der Schule, ist auch ihr Sohn Alexander verschwunden. Erst Jahrzehnte später hört sie von ihm. Die Stille im Dorf wird immer greifbarer.
Karl Blaser schafft es, die Gefühle der Menschen näher zu bringen. Man kann sich gut in die Menschen dieser Dorfgemeinschaft hineinversetzen. Sachlich gibt es einige Ungereimtheiten, wie die Altersangabe Alexanders, der demnach bereits während des Krieges geboren sein müsste oder die Bezahlung mit Euro im Jahr 1987. Hinzu kommen unzählige Tipp- und Rechtschreibfehler, grauenhafte Zeilenumbrüche und fehlende Buchstaben oder Worte im Text. Ein genaueres Schreiben hätte der an sich interessanten Geschichte gutgetan.

Bewertung vom 21.11.2018
Alligatoren
Spera, Deb

Alligatoren


ausgezeichnet

Gertrude gehört der ärmeren Bevölkerungsschicht in Brancheville im Süden Carolinas an. Ihre vier Töchter haben immerzu Hunger und ihr Mann versäuft das Geld. Sie selbst ist seit längerem seinen Schlägen ausgesetzt, als er jedoch auch die Kinder schlägt muss etwas passieren. Genau wie das Alligatorenweibchen ihre Jungtiere beschützt versucht sie, eine Arbeit zu finden und ohne ihren Mann zu leben.
Oretta führt, wie einst ihre Mutter und Großmutter, den Haushalt der wohlhabenden Familie Coles. und hat als Hebamme allen Kindern zur Welt verholfen. Die Sklaverei ist seit langem vorbei, dennoch weiß Oretta, wo ihr Platz ist. Ihr Mann ist sehr liebevoll zu ihr doch der Tod ihrer einzigen Tochter ist nur schwer zu verwinden.
Annie Coles hat von ihrem Yankeevater eine Näherei vermacht bekommen, die sie nicht an ihren Ehemann weitergeben darf. Inzwischen ist ihr Sohn sehr erfolgreich mit neuen Modellentwürfen und die Näherei erwirtschaftet mehr als die Plantage des Mannes. Seit Jahrzehnten hat Annie nichts mehr von ihren beiden Töchtern gehört, die nach einem Familienstreit um die Schuld des Selbstmordes ihres erst zwölfjährigen Bruders das Haus verließen.
Drei sehr unterschiedliche Frauentypen werden in diesem Roman um das Leben in den Südstaaten miteinander verwoben. Sehr emotional werden die Lebenswege beschrieben und die Kraft dieser Frauen, über Ängste und Gewalt hinwegzukommen.

Bewertung vom 13.11.2018
Manhattan Beach
Egan, Jennifer

Manhattan Beach


sehr gut

Im New York der Vorkriegs- und Kriegszeit des 2. Weltkrieges wächst Anna Kerrigan auf. Ihr Vater arbeitet für den zwielichtigen Dexter Styles, der legale wie illegale Spielsalons und diverse andere Aktivitäten ausführt. Anna wächst sehr liebevoll auf auch wenn die Aufmerksamkeit der Mutter hauptsächlich ihrer behinderten Schwester gilt. In Annas Teenagerzeit verschwindet ihr Vater urplötzlich, ist wie vom Erdboden verschwunden. Durch ihre Fürsorge an ihrer Schwester ist Anna zu einer physisch wie psychisch starken jungen Frau herangewachsen und möchte in den Kriegszeiten da immer mehr junge Männer eingezogen werden ihren Wunsch, Taucherin zu werden, verwirklichen. Viele Hindernisse stehen ihr bevor, bis sie es schafft, als erste Frau diese körperlich sehr anstrengende Arbeit zu verrichten. Anfeindungen bestimmen zu Beginn ihr Leben bis sie den Respekt ihrer Kollegen und des Chefs erlangt. Das Verschwinden ihres Vater hingegen lässt ihr keine Ruhe und als sie Dexter Styles trifft sieht sie eine Chance, mehr über ihren Vater herauszufinden.
Der Roman ist sprachlich ganz hervorragend geschrieben, die Arbeiten als Marinetaucher werden sachlich interessant näher gebracht und das Leben und die Beweggründe Annas sind nachvollziehbar. Einzig beim Lebenslauf Eddies, Annas Vater, wird extrem dick aufgetragen. Hier scheinen mehrere Lebensläufe, die so während des 2. Weltkrieges möglich waren, in einem vereint.

Bewertung vom 13.11.2018
Harte Landung
Tanner, Simon

Harte Landung


sehr gut

Seit vielen Jahren arbeitet Heiko Anruth bereits in der Nerma AG in leitender Position. Nach seinem Empfinden leistet er sehr gute Arbeit, doch befördert wird er nicht. Daher fühlt er sich umschmeichelt als ein Headhunter auf ihn zu kommt und ihm die Leitung eines angeschlagenen Konzerns anbietet. Doch er muss sich schnell entscheiden, das Unternehmen steht vor dem Ruin. Fördergelder der EU könnten das Unternehmen retten. Heiko meint wirklich, dass er nur auf Grund seines Könnens eingestellt werden soll. Zweifel werden von seiner Kollegin Alexandra Keres gesät, die er trotz seiner Ehe und Familie lieben gelernt hat. Aber auch Alexandra hat ihre Probleme. Für den Vater ihrer Zwillinge, einem verheirateten Geschäftsmann hat sie eine Bürgschaft hinterlegt, die nun gezogen wird. Sie steht vor der Privatinsolvenz.
Aus mehreren Sichtweisen wird der Alltag in den Führungsetagen großer Unternehmen geschildert, die Probleme und Verstrickungen werden eindrucksvoll geschildert. Hinzu kommen die privaten Probleme der Protagonisten, die den Roman eine weitere Ebene hinzufügen. Sehr spannend und sprachlich hervorragend wird die harte Landung aus den oberen Etagen eines Konzern geschildert.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.11.2018
Black Hand
Talty, Stephan

Black Hand


sehr gut

Stephan Taltys Black Hand ist ein Sachbuch über den Beginn der Mafia in New York, die Ende des 19. Jahrhunderts/ Anfang des 20. unter dem Namen Black Hand entstand. Die Mitglieder dieser Vereinigung waren bereits in Italien straffällig geworden, die Luft dort für sie zu dünn und ihre Rettung bestand in der Überfahrt in die neue Welt, nach New York, in der bereits eine große Gemeinde Italienischstämmige wohnten. Ihre Gewalttaten bestanden aus Schutzgelderpressung der Ladenbesitzer und Hausvermieter und den Raub mit Lösegeldforderungen der Kinder. Die Behörden sahen über diese Taten und die toten Italiener hinweg, für sie war es eine andere Kultur und sie fühlten sich nicht zuständig. Bis der aus sehr einfachen Verhältnissen stammende Joseph (Guiseppe) Petrosino sich den Black Hands entgegen stellte. Unter größten persönlichen Entbehrungen hat er mit allen Mittel versucht der Gewalt ein Ende zu bereiten, doch auch er kämpfte gegen die Obrigkeit im Polizeiwesen wie auch der Justiz an.
Der Bericht handelt zwar von längst vergangenen Zeiten, die Art, wie mit den Einwanderern aus Italien in Amerika umgegangen wurde, zeigt Parallelen zur heutigen Flüchtlingswelle und dem Umgang damit auf.
Der Inhalt ist hoch interessant, die Fakten und die Aufarbeitung der vielen kurzen Episoden mit unzähligen Namen erschweren den Lesefluss.