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Anne Lay

Bewertungen

Insgesamt 141 Bewertungen
Bewertung vom 30.10.2022
Mondschein, Flan und Winterherzen
Jensen, Stina

Mondschein, Flan und Winterherzen


ausgezeichnet

Carola lebt allein, nachdem ihr Sohn ausgezogen ist, arbeitet zu viel und bringt ihre kreisenden Gedanken mit einem Glas Wein zur Ruhe.

Genau damit habe ich zu Beginn gefremdelt. Aus der Ich-Perspektive lese ich von ihrer Überlastung, ihrem ständigen Da-Sein für die Gäste im Hotel, die Gestaltung, das Programm, ... Lese, wie sie ihre eigene Überlastung nicht als solche wahrnimmt und kann mich damit (leider) voll identifizieren. Dann kommt durch einige kleine Szenen der Verdacht auf, sie könne auch ein Alkoholproblem haben. Ist das wirklich so?

Nach einem Unfall nimmt sie den ernsten Rat ihrer Ärztin auf, sich eine Auszeit zu nehmen. Kurzfristig ist eigentlich kein Platz für eine Kur zu bekommen, aber ausgerechnet auf Mallorca ist jemand abgesprungen und so macht sich Carola auf den Weg dorthin und zu sich selbst.

Mit jeder Seite, die ich tiefer in die Geschichte eintauche, wird Caro mir sympathischer. Ihre Selbsterkenntnis, ihre Erfahrungen auf der Insel durch ihre Gespräche und Erlebnisse nehmen mich mit, lassen mich meinen eigenen Alltag vergessen. In einem Rutsch hatte ich das Buch ausgelesen.

Vielleicht ist es ein (zu?) ernstes Thema für einen Weihnachtsroman und eigentlich kommt Weihnachten auch nur am Rande vor, aber es ist die Geschichte einer bewundernswerten Frau, die sich selbst hinterfragt und einen Neuanfang startet. Absolut lesenswert, finde ich, und fast ein Muss, wenn ich an die anderen Geschichten im Allgäu denke, zu denen mich die Autorin bereits mitgenommen hat.

Bewertung vom 30.10.2022
Der Klang der Erinnerung (eBook, ePUB)
Browning Wroe, Jo

Der Klang der Erinnerung (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Im walisischen Aberfan rutscht eine Halde und begräbt eine Grundschule unter sich.

Diese furchtbare Szene habe ich in "The Crown" gesehen, dort natürlich aus einer anderen Blickrichtung beleuchtet, und als ich im Klappentext davon las und dass es um einen Einbalsamierer geht, musste ich dieses Buch unbedingt lesen.

William hat gerade seinen Abschluss als Einbalsamierter, als in die Feier die Nachricht vom Unglück in Aberfan platzt. Er macht sich sofort mit dem notwendigen Material, u.a. Särgen, auf den Weg. Vor Ort beginnt er sogleich mit seiner Arbeit und ich lese von seinem Mitgefühl, der allgegenwärtigen Trauer der Eltern und auch von Williams Schulzeit, in der er begeistert im Chor sang. Irgendetwas ist damals geschehen ...

Das unfassbare Leid dieser Katastrophe in Wales beeindruckt den jungen William nachhaltig und so habe ich die Szene des jungen Erwachsenen immer im Hinterkopf, wenn die Handlung in die Schul- und Ausbildungszeit Williams zurückspringt.

Es ist die Schilderung eines Erwachsen-Werdens unter ganz besonderen äußeren Umständen. Ist die Familiendynastie Lavery ist William nicht der erste Einbalsamierer, hierzulande wohl als Bestatter bezeichnet, was nicht ganz das Gleiche ist. Konflikte innerhalb der Familie, die nach und nach geschildert werden, Schulzeit, Freunde und schließlich das sich Stellen gegenüber den Geistern, die William nach dem Einsatz in Aberfan begleiten, sind eindrucksvoll und einfühlsam geschildert. Einerseits hatte ich mehr Musik erwartet, bin aber tief berührt von der besonderen Beziehung, die William dazu hat.

Es ist ein historischer Roman in meinen Augen, der 1966 spielt - also vor einem Menschenleben. Mir macht es große Freude, die Beziehungen, das Denken der damaligen Zeit in Wales nachzuvollziehen und gebe daher eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 14.09.2022
Gretas Geheimnis / Die Winzerin Bd.2
Engel, Nora

Gretas Geheimnis / Die Winzerin Bd.2


ausgezeichnet

Weiter geht es mit Greta, die ihr Erbe nur dann bekommt, wenn sie den Kellermeister des Guts heiratet: den schweigsamen Bruno.

Was am Beginn in Rückblenden und aktuellem Geschehen berichtet wird, lässt mich wieder dort anknüpfen, womit der erste Band endet. Die Bedingung, an die Gretas Vater ihr Erbe geknüpft hat, ist aus meiner heutigen Sicht ein Unding. Greta unterwirft sich dem und heiratet Bruno, und zumindest Respekt voreinander steht am Beginn dieser Ehe.

Im Hintergrund wird deutlich, dass Familie Hellert, Gretas Ziehfamilie, noch nicht aus dem Spiel ist, welchen Einfluss deren Ränke auf Gretas Leben haben.

Über die Handlung will ich hier nicht mehr verraten. Es ist ein turbulentes Auf und Ab, neue Figuren und alte Bekannte treten auf, während Greta ihren Weg sucht und geht. Gleichzeitig kommt die Geschichte in der Zeit meiner eigenen Kindheit und Jugend an und vieles kommt mir wieder in Erinnerung. Ach ja, damals ... und ja, genau so war das ...

Dadurch wird das Buch für mich zu einer spanneden Zeitreise in ein Stück selbst erlebter westdeutscher Geschichte. Viele Erinnerungen werden heraufbeschworen und einige Male habe ich geahnt, was dann kurze Zeit später tatsächlich so erzählt wurde.

Es gab Passagen, die mich zu Tränen gerührt haben, die mich haben mitleiden lassen, so dicht und einfühlsam waren die Ereignisse geschildert.

Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und ich freue mich auf den dritten Teil von Gretas Geschichte.

Bewertung vom 28.08.2022
Findelmädchen (eBook, ePUB)
Bernstein, Lilly

Findelmädchen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Helgas großer Traum ist es, das Gymnasium zu besuchen. Sie liebt Literatur und hat sich in ihrer Zeit in Frankreich gegen alle Widerstände in die neue Sprache eingefunden. Dann ändert ein Brief alles: Der Vater ist aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt und will seine Kinder wieder bei sich haben. Helga und ihr älterer Bruder Jürgen machen sich also auf nach Köln, wo sie den Krieg zuletzt in einer Kinderbande überlebt haben.

Von der ersten Seite an tauche ich ein in die Atmosphäre, die die Autorin schafft. Natürlich kenne ich Bilder der zerstörten Stadt, habe die ein oder andere Dokumentation über die Nachkriegszeit gesehen und mich auch mit dem Teil der Ausstellung im "Haus der deutschen Geschichte" beschäftigt, die das Schicksal der Flüchtlinge 1945 und der vielen Kinder aufgreift, die in den Wirren von ihren Eltern getrennt worden waren.

Hier wird dieser Teil der deutschen Geschichte lebendig und die Vielzahl der elternlosen Kinder bekommt ein Gesicht, nämlich das von Helga und Jürgen, die Glück haben und von den Eltern eines anderen Mitglieds ihrer Kinderbande mitgenommen werden. Wobei das Leben in Frankreich, unmittelbar nach dem Krieg nicht einfach war, auch das erfahre ich durch Helgas Schilderungen.

Und nun kommt der Aufruf, zum Vater zu fahren, dem Vater, an den sich beide kaum erinnern können.

Die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg, die moralische Enge der neuen BRD und der Versuch des Vaters, seine Tochter vor Fehlern zu bewahren, werden zu einer spannenden Handlung verknüpft. Zeitweise kann ich das Buch kaum aus der Hand legen, bin berührt von Helgas Erlebnissen im Kinderheim, sehe die leitende Schwester meiner eigenen Kindergartenzeit vor mir, während ich entsetzt die Handlungen dieser fiktiven Frau verfolge. Auch hier gelingt es der Autorin, dem Unfassbaren, das in Dokumentationen aufgedeckt wurde, ein Gesicht zu geben, mich mitlfühlen zu lassen.

Wenn ich sehr kritisch auf das Werk schaue, so ist vielleicht zu viel in eine Geschichte gepackt worden, sind die "Zufälle" zu viel, aber im Hinblick auf eine spannende Geschichte und die Beschränkung auf eine übersichtliche Anzahl an Protagonisten, kann ich die Entscheidung verstehen. Zumal sie mich beim Lesen nicht gestört hat. Ich war mitten im Roman, habe mitgelitten, mich geärgert über ... Aber das sollte jede(r) selbst lesen.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 16.07.2022
Hinter den Dünen - Der Nordmann und die kleine Meerjungfrau (eBook, ePUB)
Jantzen, Nele

Hinter den Dünen - Der Nordmann und die kleine Meerjungfrau (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Kaum hat sich Sophie hat von Daniele getrennt, schon steht mit Thore ein neuer Mann auf dem Hof. Dieser entspricht genau ihrem Traum: Ein Nordmann wie er im Buche steht.

Schnell kommen die beiden in Kontakt, zumal Thore, einer der Architekten, die den Hof umgestalten sollen, quasi dienstlich auf den Darß kommt.

Es ist eine bisweilen klassische Liebesgeschichte, aber mit viel Liebe erzählt und ich treffe begeistert wieder auf die Menschen auf dem Künstlerhof Sommer, die ich schon durch andere Abenteuer begleitet habe. Wird es dieses Mal gutgehen mit dem Schmetterlingen in Sophies Bauch?

Mit gefällt die Umgebung, in der dieses Sommerabenteuer spielt. Begeistert begleite ich Sophie und vorher ihre Schwester Greta auf den Darß. Leider war ich noch nicht selbst dort, aber mit jedem Buch, das dort spielt, wird mein Interesse größer.

Frech und fröhlich lotst mich Sophie durch ihren "Alltag" zwischen ihrem Plan, ihr Studium nun doch nicht weiterzuführen, sondern es mit dem Bachelor gutsein zu lassen, und dem Kümmern um die Großeltern und den Künstlerhof. Ein Leben, das voller Aufbrüche steckt und mich wieder träumen lässt.

Bewertung vom 05.07.2022
Jahre im Wandel (eBook, ePUB)
Marienhagen, Elisabeth

Jahre im Wandel (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Beginnend mit dem Jahr 1924 begleite ich Magdalena, deren Geschichte ich noch nicht kenne - es war das erste Buch der Reihe für mich.

Das harte Leben auf dem Land mit viel Arbeit von früh bis spät, die auch durch Knechte und Mägde nur "so gerade" zu schaffen ist, beeindruckt mich. Ohne die vielen Kleinigkeiten, die unseren heutigen Alltag erleichtern, muss Magdalena auskommen und tagtäglich ihre Aufgaben meistern.

In diesem Band geht es um die Zeit, in die Hitlers Machtergreifung fällt. Erste Ereignisse, die ihn betreffen, aber noch als nebensächlich eingeschätzt werden, dann die Veränderungen in der Dorfgemeinschaft bis hin zum Krieg machen dieses Buch für mich zu einem Stück erlebbarer Geschichte. Dabei sind sowohl die Hauptcharaktere, wie auch die Nebenfiguren im Buch für mich sehr eindrücklich und liebevoll entworfen und gezeichnet. Ich leide mit ihnen, erlebe ihre Furcht und Sorgen und fühle mich an Erzählungen meiner Eltern erinnert, die - Jahrgang 20 - von früher erzählten, oder eben auch nicht erzählten, weil die Zeit für sie abgeschlossen war.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, immer gespannt, was nun folgen wird. Dabei habe ich einiges über jüdische Lebensweisen erfahren und darüber, wie diese unselige Zeit ihren Anfang nahm. Gerade habe ich mit Band 1 begonnen, weil mir der Erzählstil, lebendig und bildhaft, so gut gefällt. Auch finde ich es wunderbar, mir aus der Sicht einer fiktiven Figur ein Bild früherer Zeiten zu machen. Weil mich das seit jeher bei historischen Romanen fasziniert: Was machen die "großen" Ereignisse früherer Zeiten mit den einfachen Menschen? Wie haben sie gelebt und gedacht?

Bewertung vom 05.07.2022
Wie man sich einen Lord angelt (eBook, ePUB)
Irwin, Sophie

Wie man sich einen Lord angelt (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Katherine Talbot, Kitty, wird mir gleich im ersten Kapitel vorgestellt als Waise, deren Verlobter das nicht offiziell ausgesprochene Verlöbnis zurücknimmt. Eigentlich war alles geregelt, dachte sie bislang, hatte sich doch die Eheschließung bislang nur verschoben, weil zunächst ihre Mutter, dann ihr Vater gestorben war. Und nun steht sie plötzlich mit ihren Schwestern vor einem Schuldenberg da, der sie das Haus, in dem sie aufgewachsen sind, kosten kann, und ohne vermögenden Ehemann. Was tun?

Die Handlungsmöglichkeiten einer Frau im 19. Jahrhundert waren begrenzt. Es gab nur wenige "Berufe", denen eine Tochter aus gutem Haus - und das scheint es zu sein - nachgehen kann. Gouvernante? Aber Kitty entsinnt einen anderen Plan: Sie will mit Hilfe einer Nenn-Tante Dorothy in London dort einen neuen Gatten finden. Gesagt getan, mit ihrer Schwester Cecily macht sich Kitty auf nach London.

Mit großem Vergnügen begleite ich die Vorbereitung der jungen Damen auf die Saison in London, das Abwägen, wer in Frage käme für ernstere Bemühungen, ihre Einkäufe und die Einführung in die gesellschaftlichen Dos und Don'ts ... Was mich vor allem begeistert, sind freche Formulierungen, Andeutungen und vor allem später, als sie immer wieder mit Lord Radcliff aneinandergerät, die gegenseitigen Sticheleien. Ich habe das Gefühl, dass sich die Autorin hier gut auskennt und mit spitzer Feder die Geschehnisse beschreibt.

Das rückt sogar die Abgebrühtheit, mit der Kitty agiert, die sie mich als Protagonistin in schlechterem Licht sehen lassen sollte, in den Hintergrund.

Natürlich ist klar, wie es ausgeht, aber der Weg dorthin hat mich an einigen Stellen überrascht, was mir sehr gut gefallen hat.

Das Ende hingegen ist recht schnell erzählt. Schade, hätten dem Buch hier noch zwei oder drei zusätzliche Szenen gutgetan. Aber das ist "Jammern auf hohem Niveau". Insgesamt fühle ich mich sehr gut unterhalten und habe zeitweise das Buch kaum aus der Hand legen mögen.

Bewertung vom 01.07.2022
Dänische Brandung / Gitte Madsen Bd.4
Gronover, Frida

Dänische Brandung / Gitte Madsen Bd.4


ausgezeichnet

Gitte hat deutsche und dänische Wurzeln, so erfahre ich zu Beginn dieses Krimis, ist in Deutschland aufgewachsen, hat sich aber seit einigen Jahren ihrem dänischen Erbe zugewandt und lebt auf der Insel Falster. Sie hat eine Stelle als Bestatterin und in dieser Funktion entdeckt sie eine Auffälligkeit, nachdem ihr gleich mehrere Bekannte bestätigt haben, dass ... vollkommen überraschend so früh verstorben sei. Sie informiert die Behörden über ihren Verdacht und der Krimi beginnt.

Ich selbst liebe Dänemark und die Menschen dort, daher musste ich diesen Krimi lesen. Gitte ist in Deutschland aufgewachsen und damit ergibt sich eine nächste Parallele, nämlich ihre Herkunftsstadt Münster. Eine WestfälIn ermittelt in diesem Krimi und ich habe schon zwei Gründe, gespannt weiterzulesen.

Wie es sich gehört, gibt es Gute und Böse, scheibchenweise Hintergründe und Informationen zum Fall und zu Gittes Vergangenheit. Ich erfahre, dass Mads, ihr dänischer Vater, überraschend wieder aufgetaucht ist und erlebe mit ihr die Annäherung, das Fremdsein dieses Menschen, der vor Jahren aus ihrem Leben verschwunden ist.

Der Krimi ist spannend erzählt und es gibt einige unerwartete Wendungen für mich. Dies zu lesen, während ich in meinem Urlaub in Dänemark vor dem Ferienhäuschen sitze, hatte einen besonderen Reiz.

Schade fand ich, dass die Beschreibungen von Marielyst sehr sparsam gesetzt waren, da hätte ich mir noch etwas mehr dänische Lebensart und Landschaft gewünscht, auch um nach Unterschieden zwischen Nord- und Ostsee zu schauen - so es diese denn gibt. Auch nach zwanzig Dänemarkurlauben war ich noch nicht auf Falster. Auch das Knistern zwischen Ole, dem örtlichen Polizisten, und Gitte kam etwas kurz. Vielleicht war das in den vorangegangenen Bänden anders, das müsste ich dann einmal nachlesen. Denn "Dänische Brandung" war für mich der Einstieg in die Reihe um Gitte und ihre Umsiedlung nach Dänemark, aber sicher nicht das letzte Buch, das ich von der Autorin lesen werde.

Bewertung vom 20.06.2022
Das kleine Atelier am Fjord (eBook, ePUB)
Feger, Nadine

Das kleine Atelier am Fjord (eBook, ePUB)


sehr gut

Livi ist in tiefer Trauer. Seit dem Tod ihrer Familie hat sie an nichts mehr Freude und in einem Akt der Verzweiflung kehrt sie Oslo den Rücken und zieht in das Haus ihres Großvaters nach Bergen. Aber dort findet sie als erstes die Bilder ihres Mannes, ihrer Eltern und Großeltern vor, so dass sie kopflos aus dem Haus flüchtet.

Verstört landet sie vor einem Schaufenster und verliert sich in einem Bild eines tosenden Meeres. Mattis, der Künstler, sieht sie vor dem Laden stehen und geht hinaus, um sie anzusprechen ...

Was aus Trauer und Verzweiflung beginnt, entwickelt sich zu einem Neubeginn in Bergen. Von Hoffnungen und Rückschlägen werden erzählt und ich lese gebannt.

Leider kommt dann eine eher klassische Wendung (welche verrate ich nicht, ich will niemandem die Freude nehmen), die mich eher hat mit den Augen rollen lassen und das Ende war mir - ehrlich gesagt - zu kitschig.

Trotzdem habe ich bis dahin mit großer Begeisterung gelesen und die Annäherung von Livi und Mattis verfolgt, bin durch die Landschaft Norwegens gewandert. Die Ideen im Buch haben mir gefallen.

Bewertung vom 20.06.2022
Arnulf. Der Herr der Elbe
Focken, Robert

Arnulf. Der Herr der Elbe


ausgezeichnet

Für mich war es der Einstieg in die Reihe über Arnulf, einen Krieger, der eine Burg am Lauf der Elbe errichtet hat und dort nun wie ein Fürst über die Seinen und das Land wacht.

In einem ausgewogenen Mix aus privatem und den Geschehnissen der Zeit, erlebe ich ein Stück Geschichte und tauche ein in längst vergangene Tage.

Arnulf, so erfahre ich, hat einst König Karl gedient. Inzwischen ist er sein eigener Herr und leitet umsichtig eine Schar von Kriegern und auch seine eigene Familie. Von zwei Söhnen und einer Tochter wird berichtet, die so unterschiedlich sind. Während der Erstgeborene Arthur sich als Krieger beweisen will und diesbezüglich einige Fähigkeiten und Erfahrungen hat, schlägt sein Bruder Grimbald in eine vollkommen andere Richtung. Er liest und schreibt an einer Saga, ein Fersari ... Roswith ist eine intelligente junge Frau, über die ich einiges über das damalige Leben, die Aufgaben in einem Haushalt und die Träume erfahre ...

In einem anderen Erzählstrang erlebe ich, was am Hof Karls des Großen beraten und beschlossen wird. Noch ist dieser "nur" König, doch am Ende des Buches zeichnet sich ab, wie er an die Kaiserkrone zu kommen hofft. Auch er hat Söhne, die seine Interessen im Reich vertreten, ihren Aufgaben nachkommen.

Was mich bei historischen Romanen fasziniert, ist eben diese Mischung aus Historie und Fiktion, die mir ermöglicht, mich in die Vergangenheit hineinzudenken und zu fühlen. Junge Menschen mit ihren Träumen zu erleben, anders als heute natürlich, aber auch ähnlich, wenn es um erste Beziehungen geht, um Zukunftsträume, eingeordnet in die "große Politik" jener Zeit. Intrigen und Ränke - ob am Hof Karls oder in der Heimat Arnulfs - oder das Streben nach tragfähigen Bündnissen mit den Nachbarn, Dänen und Slawen, haben mich gespannt weiterlesen lassen.

Ich habe großen Respekt vor den Recherchen, die hinter einem solchen Werk stehen. Wenn es dann noch gelingt, all das in einer gut verwobenen Geschichte zu erzählen, begeistert mich das so, dass ich nun beginnen werde, die anderen Teile der Reihe zu lesen. Schließlich muss ich wissen, was es mit der Irminsul - jener Himmelssäule der Sachsen - auf sich hat.