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kerstin_aus_obernbeck
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Ostwestfalen

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Insgesamt 102 Bewertungen
Bewertung vom 31.12.2025
Ayatsuji, Yukito

Die Morde im Dekagon-Haus


ausgezeichnet

Die Morde im Dekagon-Haus / Yukito Ayatsuji

Poe, Ellery, Carr, Leroux, Agatha und Orczy gehören dem Krimiklub ihrer Universität an.

„Es war seit der Gründung des Krimi Clubs der K-Universität Brauch, dass sich die Mitglieder gegenseitig bei ihrem Decknamen riefen.“ (S.50)

Die Studierenden machen sich am 26.3.1986 auf dem Weg zu der Insel Tsunojima. Sie gehörte einst einem exzentrischen Architekten, der dort die Blaue Villa sowie das geheimnisvolle Dekagon-Haus erbaute. Im Herbst 1985 kam es zu einem mysteriösen Vierfachmord, der nie aufgeklärt werden konnte. Neben dem Architekten verstarben seine Frau und das Verwalterehepaar. Die Villa ist abgebrannt, das Dekagon-Haus existiert noch.
Van, ein weiterer Student, hat durch seinen Onkel, der nun die Liegenschaft betreut, Zugang zu der Insel und so den Klubmitgliedern die Reise ermöglicht. Er ist vor den anderen dort angekommen und hat das Haus für den Aufenthalt vorbereitet.

Die jungen Leute möchten die Insel erkunden, prüfen, ob die Gruselgeschichten, die über den Ort erzählt werden, stimmen und jede*r soll einen Beitrag zu der Klubzeitschrift „Die Insel der Toten“ verfassen.

„Der Name unserer Zeitschrift wurde schließlich von Christies berühmtesten Werk inspiriert, das in der japanischen Erstübersetzung von 1939 den Titel „Die Insel der Toten“ trug.“ (S.52)

Nach der ersten Nacht liegen auf dem Esstisch Schilder auf denen „1. Opfer“ bis „5. Opfer“, „Detektiv“ und „Mörder“ stehen – sie halten das zunächst für einen Scherz oder ein Spiel – aber dies ändert sich schnell, als Orczy ermordet aufgefunden wird.

Die jungen Leute sind auf der Insel von der Außenwelt abgeschnitten und können keine Hilfe rufen. Wird es bei dem einen Opfer bleiben oder müssen sie alle fürchten, die Insel nicht lebend zu verlassen?

Klar, die Idee eine Gruppe von Menschen auf einer einsamen Insel ohne Aussicht auf Hilfe in eine mörderische Situation zu bringen ist nicht neu; Yukito Ayatsuji erzählt die Geschichte jedoch auf eine besondere Art und Weise und die Widmung

„Gewidmet in ehrenvollem Gedenken all meinen Vorgängern“

unterstreicht für mich den Respekt vor anderen Krimischaffenden, den ich auch im Text empfunden habe.

Der Aufbau ist klassisch, ein Prolog und Epilog bilden einen passenden Anfang und Abschluss. Die Geschichte selbst spielt nicht nur auf der Insel, es gibt auch zwei Klubmitglieder, die nicht an der Reise teilgenommen haben. Kavaminami und Morisu (das sind nicht ihre Klubnamen) erhalten einen mysteriösen Brief, der in Zusammenhang mit der Insel steht und beginnen ihrerseits etwas zu recherchieren. So wechseln sich in den Kapiteln die „Tag auf der Insel“ und „Tag auf dem Festland“ Passagen ab.

Der Autor beschreibt seine Figuren sehr lebhaft, ich habe sie mir bestens vorstellen und auch ihre persönlichen Befindlichkeiten untereinander nachvollziehen können. Der Krimi ist spannend, führt durch vielschichtige Handlungsstränge gelungen auf falsche Fährten und bietet eine schlüssige, für mich nicht vorhersehbare Auflösung.
Ein wirklich tolles Buch und eine großartige Umsetzung des klassischen „Whodunnit“-Szenarios.

An manchen Stellen gibt es Fußnoten, zum Beispiel zur Erklärung japanischer Lyrik oder zur Erläuterung von Gedichtsammlungen. Mir gefällt so etwas immer sehr gut.

Großartig, absolut großartig! Ich habe die Geschichte gebannt und mit Begeisterung gelesen, Vermutungen angestellt und verworfen und war von der Auflösung überrascht! Ich bin wirklich begeistert und freue mich auf kommende Bücher des Autors.

Allergrößte Leseempfehlung!

Bewertung vom 31.12.2025
Yokomizo, Seishi

Die Spatzenmorde von Onikobe / Kosuke Kindaichi ermittelt Bd.5


ausgezeichnet

Die Spatzenmorde von Onikobe / Seishi Yokomizo

Kosuke Kindaichi ist wieder da und ich habe mich sehr auf den fünften Fall des eigenwilligen Ermittlers gefreut.

Im August 1955 möchte der Privatdetektiv Kosuke Kindaichi ein paar Tage Urlaub machen.

„Er war nicht ständig auf Verbrecherjagd, sondern suchte auch hin und wieder Ruhe und Einsamkeit, um sich geistig und körperlich zu erholen.“ (S.20)

Sein Freund Kommissar Isokawa empfiehlt ihm eine kleine Pension am Rand des Dorfes Onikobe und gibt ihm ein Empfehlungsschreiben an die Wirtin Rike Aoike mit. Isokawa kennt die Gegend von dem Mord an Rike Aoikes Mann, der sich 1932 ereignete und nie vollständig aufgeklärt werden konnte.

Kosuke Kindaichi gefällt es in Onikobe, er lernt den Dorfvorsteher Hoan Tatara kennen und erfährt viel über die Geschichte des Dorfes und dem Einfluss, den die Familien Yura und Nire auf die Gemeinde und ihre Bewohnenden genommen haben und noch heute nehmen.

Doch die Idylle wird jäh zerstört, als eine junge Frau ermordet aufgefunden wird. Sie liegt unter einem Wasserfall mit einem Trichter im Mund. Die groteske Szene erschüttert die Dorfgemeinschaft, doch es bleibt nur wenig Zeit für Trauer und Ermittlungen, schon bald gibt es ein weiteres Opfer.

„Die … jungen Frauen … waren … auf grausame Weise ermordet worden. Der Mörder schien sich auf ein altes Temari-Lied zu beziehen, das früher in Onikobe gesungen wurde, dass inzwischen aber kaum noch jemand kannte.“ (S.313)

Dann wird auch noch Dorfvorsteher vermisst und es scheint, dass die Verbrechen nicht nur einen Bezug zu dem alten Temari-Lied haben, sie weisen auch auf den Mord im Jahr 1932 hin.

Kommissar Isokawa kommt nach Onikobe, wird er zusammen mit Kosuke Kindaichi die Verbrechen von damals und heute auflösen?

Ein allerfeinster klassischer Krimi, ganz im Stil von Agatha Christie – und hier hat mich besonders die Parallele begeistert, dass die Morde sich an einem Kinderlied orientieren, so wie die Queen of Crime auch immer wieder ihre Geschichten auf einen auf Lieder und Gedichte für Kinder zurückführt.

Die Geschichten von Seishi Yokomizo leben von einer Vielzahl an Personen, zur Orientierung gibt es ein Personenregister. Ein Glossar gibt Hinweise zur japanischen Kultur, zu Land und Leuten und eine Landkarte erläutert die örtlichen Gegebenheiten.

Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren, dadurch wird wunderbar ein klassisches Gefühl transportiert und gleichzeitig erscheint die Erzählung zeitlos. Der Autor hat eine besondere Art, das Unheimliche und Böse zu erzählen, so dass es zunächst leise und unauffällig daherkommt, umso mehr erschüttern dann mitunter die bildhaften Details.

In der Geschichte blickt Kosuke Kindaichi auf vorherige Fälle zurück, zieht Parallelen zu den Morden auf der Insel Gokumon und nimmt den Lesenden mit in seine Welt. Mir hat das ebenso gut gefallen wie der Hinweis auf die „Geschichten am Kamin“ von Arthur Conan Doyle.

Ich habe den Krimi kaum aus der Hand legen können, weil ich unbedingt wissen musste, welche Lösung der Privatdetektiv präsentieren wird – und ich war auf der richtigen Fährte, das Motiv war jedoch viel ausgeklügelter, als ich es ahnen konnte.

Wer klassische Krimis mag und dafür nicht unbedingt den berühmten Nebel in London oder einsame Herrenhäuser auf der britischen Insel braucht, der ist mit den Geschichten von Seishi Yokomizo wirklich bestens bedienst. Ich bin von Buch zu Buch mehr begeistert und freue mich nun schon auf das nächste Abenteuer von Kosuke Kindaichi.

„Die Spatzenmorde von Onikobe“ ist ein brillanter, geistreicher und spannender klassischer Kriminalroman der alten Schule, der mich wirklich begeistert hat.
Seishi Yokomizo hat eine spannende Art zu erzählen, christie-like legt er falsche Fährten, um dann seinen Ermittler eine absolut schlüssige Lösung präsentieren zu lassen.

Ganz große Leseempfehlung!

Bewertung vom 31.12.2025
Korn, Carmen

In den Scherben das Licht


ausgezeichnet

In den Scherben das Licht / Carmen Korn

Carmen Korn hat mich mit ihrer Jahrhundert Trilogie begeistert. Nun gibt es ihren neuen Roman „In den Scherben das Licht“

Die Geschichte beginnt im Oktober 1946 in Hamburg.
Die Stadt liegt in Trümmern, die Zeiten sind hart, es gibt von allem zu wenig.
Nach dem großen Bombenangriff auf Eimsbüttel im April 1945 schlägt sich die 14-jährige Gisela Ladelund allein durch. Sie hat in der Nacht ihre Mutter und Schwester verloren, ihr Vater war Fotograf und gilt als verschollen.
Gert Endes ist 16, hat seine Familie ebenfalls verloren und lebt bei der ehemaligen Schauspielerin Friede Wahrlich im Keller.
Da sie den Keller als unbewohnt ansieht klettert Gisela hinein, Gert und Friede entscheiden jedoch, dass sie bleiben darf.

Friede war einst eine gefeierte Schauspielerin, die vom Ruhm vergangenen Zeiten erzählt und zehrt und zu dieser Vergangenheit gehören auch der reiche Karl Palutke und der Journalist Viktor Franke, die zu den glanzvollen Zeiten beide ein Auge auf die große Salondame des Altonaer Stadttheater geworfen hatten. Beide Männer sind nun nicht mehr Bestandteil von Friedes Leben, es war ihr nie möglich herauszufinden, inwiefern Palutke für Frankes Deportation verantwortlich gewesen war.

Gisela, Gert und Friede haben jeweils eine eigene Geschichte, ein eigenes Schicksal und Schatten, die aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart reichen. Was wurde aus Friedes Männern? Wo ist Giselas Vater und lebt noch jemand von Gerts Familie?

Die drei bilden eine besondere Gemeinschaft, die gemeinsam das, was war zu verarbeiten versucht und voller Tatendrang, Einfallsreichtum und Geschick nach vorne schaut.

Die Geschichte endet im Dezember 1955, Carmen Korn erzählt teilweise in Rückblenden aus den Leben der Figuren und die Charaktere sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen, denn ihre jeweiligen Geschichten werden nachvollziehbar erzählt; und ich mag sehr, dass das Buch eine extra Portion Hamburg vermittelt.

„All die Zufälle, die entschieden, was blieb und was verloren ging.“ (S.96)

Natürlich sind es auch materielle Verluste, die in einer Zeit, in der es wenig gibt, beklagt werden. „In den Scherben das Licht“ schafft es jedoch auf berührende Weise auch immaterielle Verluste, wie Verbundenheit, Hilfsbereitschaft und Loyalität zu erzählen.

Es ist eine wunderbare Geschichte über Freundschaft in vielen Facetten, dies wird ganz großartig durch die Künstler-Pension, die Friede in ihrem Haus eröffnet, verdeutlicht. Es wird ein Zuhause für verschiedene Menschen, eine Gemeinschaft voller Respekt und ein Ort, an dem ich mich sehr wohlgefühlt habe.

Richtig gut gefallen mir auch die geschichtlichen Einordnungen und Hinweise, wie zum Beispiel „Emil und die Detektive“ oder die Berlinale, sie ergänzen die Geschichte ganz großartig und machen die Zeit, in der das Buch spielt, noch greifbarer.

Ein wunderbares Buch, eine ganz tolle Geschichte.

Ganz große Leseempfehlung!

Bewertung vom 31.12.2025
September, Wolf

Hunter B. Holmes - Mord unter dem Weihnachtsbaum


ausgezeichnet

Hunter B. Holmes – Mord unter dem Weihnachtsbaum / Wolf September

In London weihnachtet es sehr ✨ und Hunter B. Holmes freut sich auf das erste gemeinsame Weihnachten mit Steven – auf eine wunderschöne Weihnachtsdeko, einen festlich geschmückten Baum 🎄, auf „All I want for Christmas is you“ und fabelhafte Feiertage. 💫

„Und jetzt war ein halbes Jahr vergangen und sie waren gemeinsam hier – vor einem Baum, der größer und schöner war, als Hunter es sich je hätte vorstellen können.“ (S.6)

🌟 Eben jener wunderbare Baum steht in dem noblen Kaufhaus „Bradleys“ – und zum Zeitpunkt des Christmas-Shoppings ahnt Hunter in keiner Weise, dass er schon wenige Stunden später erneut dort sein wird.

„Wir haben einen neuen Fall. Eine Leiche in der Spielwarenabteilung von Bradleys. Der Kaufhausweihnachtsmann.“ (S.18)

Tom Carter aus der Marketingabteilung 🎅🏻 übernimmt Jahr für Jahr die Rolle des Weihnachtsmannes, nun wird er vom Sicherheitsdienst tot und grausam verunstaltet aufgefunden🍬

Wer hat Interesse, den Weihnachtsmann zu töten? ⭐️
Seine Marketing-Kollegin Fiona Lancaster, da beide gern in Zukunft die Leitung der Abteilung übernehmen würden?
Leo Caldwell, der kurz zuvor erfahren hat, dass seine Verlobte Jenna Hawkins eine Affäre mit Tom Carter hatte?
Oder der Inhaber George Baines, denn Tom war kein einfacher Mitarbeiter. ✨

„Tom machte es Spaß, Streit zu säen, und er war überaus geschickt darin, die Leute für seine Zwecke zu manipulieren. Er stachelte sie auf, schickte sie los und freute sich, wenn sie in ein Messer liefen.“ (S.38)

Es scheint einige Tatverdächtige zu geben, Hunter B. Holmes und David Cloverfield stehen immer wieder vor neuen Rätseln. 💂🏻‍♂️💂🏼‍♀️

„Gier, Erpressung, Lügen und Intrigen, und das alles zur besinnlichsten Zeit des Jahres.“ (S.231)

Als Christie-Ultra bin ich krimierprobt – aber auf die Lösung wäre ich so nicht gekommen. Ich fand sie überraschend und wirklich gelungen und die vielen falschen Fährten, all die möglichen Verdächtigen haben mich munter Miträtseln lassen.

Und nicht nicht das: der Roman vermittelt auch noch ganz viel Weihnachts-Gefühl.

„Der Duft von gerösteten Mandeln, Zuckerwatte und frisch gebackenem Pfefferkuchen umhüllte ihn wie eine warme Decke.“ (S.9)

Das Cover ist wunderschön und ich mag diese kleine London Zeichnung zu Beginn der Kapitel – insbesondere das mit Hinweis auf den schönsten aller Weihnachtsfilme.

Es hat mir viel Spaß gemacht all die inzwischen lieb gewonnenen Charaktere wiederzutreffen, mit ihnen die Vorweihnachtszeit zu erleben und sie bei „Weihnachten in der Bakers Lane“ zu sehen.
Wenn ihr die Hunter B. Holmes-Reihe noch nicht kennt, dann lege ich sie euch sehr gerne ans Herz!

💫 Cosy Christmas Crime pur – ich habe diese Geschichte sehr gerne gelesen und bin auf das Allerfeinste unterhalten worden! Große Leseempfehlung!

Bewertung vom 31.12.2025
Meyer, Kai

Das Antiquariat am alten Friedhof


ausgezeichnet

Das Antiquariat am alten Friedhof - Kai Meyer
 
Leipzig, 1930. Felix, Vadim, Eddie und Julius, Söhne aus gutem Hause, haben ein feines Leben. Als „Club Casaubon“ verbringen sie viel Zeit in Vadims Antiquariat, lesen, diskutieren und begehen ab und an Bücherdiebstähle. Diese sorgen nicht nur für ein bisschen Nervenkitzel, der Verkauf der gestohlenen Bücher dient dem Erhalt des Antiquariats.
Eddies Schwester Eva schließt sich den Freunden an. Durch ihre Arbeit in einem renommierten Antiquariat hat sie Zugang zu besonderen Objekten und verkehrt in den besten Kreisen. Felix und Vadim sind von der selbstbewussten jungen Frau fasziniert.
 
Die Diebstähle der Freunde werden immer gewagter, doch dann geraten sie in falsche Kreise und ein Coup endet in einem Desaster.
 
1945 – Felix ist vor 15 Jahren in die USA ausgewandert und arbeitet inzwischen als Bibliothekar für eine amerikanische Behörde. Er wird nach Leipzig beordert, denn das amerikanische Militär hat einen Mann festgenommen, der behauptet, Hitlers Vorleser gewesen zu sein und zu wissen, wo die geheime Bibliothek des Führers sei. Felix soll von ihm diese Information beschaffen, doch schon die erste Befragung bringt neue Rätsel, denn der Mann, dessen Gesicht aufgrund einer Verbrennung nicht mehr erkennbar ist, behauptet, Vadim zu sein.
Felix nutzt den Aufenthalt in Leipzig auch, um zurückliegende Ereignisse aufzuarbeiten, alte Freunde zu finden und vor allen Dingen, um den Verbleib von Eva zu klären. Doch das gestaltet sich in den Nachkriegswirren als sehr schwierig.
 
Ist der Vorleser wirklich Vadim, was ist mit Eva im Lazarettzug passiert und was hat es mit den Toten auf sich, denen „Ich starb von Hoffmanns Hand“ in die Haut geritzt wurde?

„Und wer Bücher liebte, der versetzte sich Tag für Tag in die Köpfe anderer.“ (S.187)
 
Kai Meyer erschafft Charaktere, die es einem nicht leicht machen, sie zu durchschauen und in der ersten Begegnung einzuschätzen – aber gerade das den Reiz der Geschichte aus.

Wer ist Eva wirklich? Einfach nur die Tochter aus gutem Haus – oder eine junge Frau, die den Nervenkitzel einfach nur ein wenig zu sehr mag?
Was hat es mit dem Gewächshaus im Garten von Evas und Eddies Eltern auf sich?
Welche Rolle spielt Magnus Heiden? Gehört der Journalist zur High Society oder ist er gar ein russischer Spion?
Warum ist Felix in die USA ausgewandert, sind nach seinem Besuch in der Bibliothek auf Patmos noch alle Bücher vorhanden oder ist er nach wie vor ein Bücherdieb?
 
Kai Meyer gelingt es hervorragend, vielschichtige Handlungsstränge klug und nachvollziehbar miteinander zu verbinden – es passiert viel in der Geschichte, zu keiner Zeit ist sie dabei jedoch überladen, sondern genau richtig, so wie sie ist.
 
Die Lesenden reisen an die Amalfi Küste, nach Patmos und Rumänien, aber vor allem in das Graphische Viertel in Leipzig.
Die Orte werden lebhaft beschrieben, ich habe die Straßen, das Antiquariat und auch den alten Friedhof vor mir gesehen habe, bin mit Felix und Suse an den Ruinen vorbeigefahren, war mit Eva im Gewächshaus und habe die Schritte gehört, von denen Eddie erzählt.
 
„Authentizität ist eines der größten Missverständnisse der Literatur.“ (S.259)
 
Mag sein, für mich ist „Das Antiquariat am alten Friedhof“ jedoch eine sehr gut erzählte, glaubhafte Geschichte, die mich auch überzeugt und begeistert, weil es ein Wiedersehen mit bekannten Figuren wie z.B. Cornelius Frey und Gregori gibt und in kleinen Momenten an vorherige Romane aus dem Graphischen Viertel erinnert.
 
Das Nachwort des Autors hat mir gefallen, danke für den Einblick in die Entstehung der Geschichte.
 
Großartig, einfach nur großartig!
Ich bin maximal begeistert von dieser spannenden und genial erzählten Geschichte.

Bewertung vom 29.11.2025
Uketsu

HEN NA IE - Das seltsame Haus


sehr gut

HEN NA IE - Das seltsame Haus / Uketsu
 
„Im Obergeschoss habe ich Schritte gehört, aber eigentlich dürfte dort niemand sein.“
„Immer wenn ich allein im Wohnzimmer bin, spüre ich Blicke, die auf mich gerichtet sind.“
„Im Wandschrank sind Stimmen zu hören.“
– solche und ähnliche Begebenheiten in sogenannten Spukhäusern gibt es wie Sand am Meer. Aber das, was ich nun über dieses Haus erfuhr, unterschied sich doch ein wenig von all diesen Geschichten. (S.15)
 
Der Erzähler, ein Journalist, wird von seinem Bekannten Yanaoka um einen Rat zu einem Hauskauf gebeten. Es ist ein relativ neues Haus in guter Lage zu einem vernünftigen Preis – und doch hat Yanaoka Zweifel. Der Erzähler bittet den Architekten Kurihara – ein Freund von Horror und Mystery - um Unterstützung, die beiden beginnen den Grundriss des Hauses zu analysieren. Zunächst sieht alles völlig normal aus, aber beim genaueren Hinsehen fallen seltsame Dinge auf:
 
„Außerdem hat das Kinderzimmer kein einziges Fenster.“ (S.22)
 
Und es ergeben sich weiter Ungereimtheiten, die zu der Frage führen, ob hier eine Existenz verborgen, gar ein Kind eingesperrt wurde? Ist in dem Haus ein Verbrechen geschehen?
 
Nachdem ein Journalist einen Artikel über das Haus veröffentlicht hat, meldet sich Yuzuki Miyae. Obwohl der Bericht keine Details enthielt, wirkt es, als hätte sie tiefergehendes Wissen und eine Verbindung zu dem Haus.
 
„Dieses Haus beinhaltet zwei Aspekte. Licht und Dunkelheit – so könnte man es beschreiben.“ (S.99)
 
Doch damit nicht genug – es gibt ein weiteres Haus mit einem ähnlich verstörenden Grundriss.

Eine komplexe Familiengeschichte, lang zurückliegende Ereignisse, mysteriöse Kinder und eine Familie, die plötzlich verschwindet.
 
„Dieses Haus ist vom Groll einer Frau erfüllt.“ (S.182)
 
Ein großartiger Satz in einem spannenden Mystery-Roman.
 
... und dann sind da ja noch die Leichenteile, die in der Nähe eines der Häuser in einem nahen Wald gefunden werden und der verschwundene Herr Miyae.
 
„Die linke Hand der Leiche ist samt Handgelenk abgetrennt worden“ – Diese Worte hakten sich bei mir fest. (S.65)
 
Der Journalist und der Architekt nehmen bei der Betrachtung der Bauzeichnungen immer neue Perspektiven ein und mit jedem anderen Blickwinkel scheint es weitere, unvorstellbare Erklärungen für die Unstimmigkeiten in den Grundrissen zu geben.
 
Kann eine Bauzeichnung nicht nur Wände, sondern auch Verbrechen zeigen?
Was verbirgt sich hinter der Fassade?

Nach und nach ergibt sich ein vielschichtiges Bild und es wird klar, dass die Vergangenheit bis in die Gegenwart wirkt. Aber:
 
„Nun, auch das sind alles nur Spekulationen. Nehmen Sie es daher nicht so ernst!“ (S.215)
 
Das Buch hat mich begeistert, gefesselt, fasziniert, zum Miträtseln eingeladen – aber auch in die Irre geführt, nicht wieder auf den richtigen Weg gebracht und am Ende war ich etwas lost, habe die Auflösung nicht direkt greifen können, sie war für mich zunächst nicht schlüssig, es schien, dass die Ungereimtheiten der Grundrisse ebenso auch in der Geschichte und sowieso alles zu komplex war.
Es hat also einen Moment gebraucht, „Das seltsame Haus“ ist nicht einfach ein Roman – das Buch fordert den Lesenden und genau das macht den Reiz aus.
 
Mir persönlich hat „Seltsame Bilder“ etwas besser gefallen, nichtsdestotrotz ist „Das seltsame Haus“ ein großartiger, origineller, ungewöhnlicher Roman, der mich begeistert und mit seiner besonderen Atmosphäre und der subtilen Spannung in den Bann gezogen hat. Die Skizzen laden zum Miträtseln ein und ich habe unbedingt wissen wollen, was es mit den Häusern auf sich hat.
 
Große Leseempfehlung!

Bewertung vom 21.11.2025
Kaiser, Vea

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels


sehr gut

Fabula Rasa _ Vea Kaiser

„Aber gute Laune war auch eine Haltung. (S.34)

Angelika Moser wohnt mit ihrer Mutter Erna im Veza-Canetti-Hof in Wien, wo ihre Mutter als Hausmeisterin arbeitet. Die 20-Jährige genießt das Wiener Nachtleben der 1980er Jahre und träumt von einem besseren Leben. Sie will der einfachen Umgebung entkommen und wünscht sich ein Leben auf der Sonnenseite.

Die junge Frau bekommt eine Stelle in der Verwaltung des exklusiven Grand Hotels Frohner. Angelika arbeitet strukturiert, ist klug, gewissenhaft und weiß sich gut zu positionieren.
Schon bald wird der Hoteldirektor auf Angelika aufmerksam; er vertraut ihr und ihren buchhalterischen Fähigkeiten und aus einer besonderen Situation heraus bittet er sie, die Bilanzen „zu überarbeiten“. Dies erledigt Angelika mit viel Geschick und als Dank erhält sie eine Zuwendung, für die auf Anweisung des Inhabers ebenfalls eine nicht allzu legale Buchung getätigt wird.

In einem Club lernt Angelika den Musiker Freddy kennen, die beiden führen eine komplizierte Beziehung, feiern oft, viel und wild. Das Leben ist teuer, die junge Frau hat Träume und Wünsche, möchte ein anderes, erstklassiges Leben führen – ein Leben, dass mit dem Gehalt einer Hotelmitarbeiterin nicht finanzierbar ist.
Aber hat nicht der Chef selbst Angelika Wege aufgezeigt, um entsprechende Mittel zu beschaffen?
Eine Einmaligkeit wird mehr und mehr zur Gewohnheit, Angelika betrachtet das Geld als Darlehn und hat den festen Vorsatz es zurückzugeben, sobald die Umstände es zulassen.

Wie lange kann so etwas gutgehen?

„Der Direktor würde nie etwas merken.“ (S.355)

Es ist der Direktor des Hotels, der Angelika die „kreativen Buchführung“ näher bringt, geschickt gelingt es ihr, die Interessen des Hotels in den Bilanzen abzubilden – ebenso geschickt berücksichtigt sie auch ihre eigenen Belange und letztlich verleiten sie ihre Ambitionen zu immer gewagteren Transaktionen.

„Das der Fiat Panda vom Hotel bezahlt worden war, wusste zwar außer Angelika niemand, aber sie war zu dem Schluss gekommen, dass es so besser war.“ (S. 343)

Und bei einem Auto ist wahrlich nicht Schluss. Alle Buchungen zu ihren Gunsten notiert sie in ihrem Filofax – und es kommt eine stattliche Summe zusammen. In einem Rausch zwischen Notwendigkeit und Gelegenheit wird sie mutiger und maßloser, sie hat Angst entdeckt zu werden und plant gleichzeitig die nächste Buchung. Kalkuliert, kaltschnäuzig und dabei aber auch nachvollziehbar und gewinnend: Angelika Moser ist sympathische Heldin und egoistische Diebin in einer Person. Vea Kaiser erzählt die Geschichte lebhaft, wortgewandt und ausdrucksstark, mit ganz viel Wien, gutem Humor und nachdenklichen Momenten.

Zwischen den einzelnen Kapiteln gibt es die „Unterhaltungen in der Josefstadt“, in denen Angelika Kaiser selbst aus ihrem Leben erzählt.

Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite aller bestens unterhalten, ich war neugierig, wie es weitergeht, habe Angelika ebenso verstanden wie verurteilt. Die Momente, in denen es um das Älterwerden und die damit verbundenen Veränderungen bei Angelikas Mutter geht, waren für mich schlüssig. Das Buch zu lesen fühlt sich an, als ob eine gute Freundin / ein guter Freund eine Geschichte erzählt.

„Angelika hatte den Aufstieg geschafft, den ihre Mutter ihr niemals zugetraut hatte. Von dem zu träumen sie ihr sogar verboten hatte. Angelika war Mitglied der Führungsriege eines Traditionsbetriebs, Eigentümerin einer Villa und einer Garçonnière, Mutter eines Sohnes, der den Opernball eröffnete, auf dem auch sie heute tanzen würde - als Teil der besten Wiener Gesellschaft.“ (S.467)

Vea Kaiser erzählt die Geschichte einer klugen Frau zwischen Mut und Übermut, Loyalität und Moral. Die Protagonistin ist für mich gleichermaßen nachvollziehbar und unverständlich. Eine spannende, unterhaltsame, mitreißende und einfach großartige Erzählung!

Große Leseempfehlung!

Bewertung vom 21.11.2025
Austen, Jane

Liebste Freundin!


ausgezeichnet

Liebste Freundin – sämtliche Briefe / Jane Austen
 
Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Ott
Kommentiert von Beatrix Hesse und Horst Lauinger
Mit einem Nachwort von Adriana Altaras
 
Jane Austen war eine eifrige Briefeschreiberin und stand in regem Austausch mit Freunden, Verwandten und der Familie, vor allem aber mit ihrer Schwester Cassandra, wenn die beiden voneinander getrennt waren.
 
„Liebste Freundin“ beginnt mit einem Brief aus dem Januar 1796 von Jane an ihre Schwester, der letzte erhaltene Brief ist aus dem Mai 1817 an James Edward Austen.
Das Buch endet mit einem 164. Brief, dieser ist von Cassandra Austen an ihre Nichte Fanny Knight.
 
Die Briefe sind in zeitlicher Reihenfolge sortiert. Jedes neue Kapitel startet mit Angaben zum jeweiligen Jahr, darunter die Geburt und der Tod einer bekannten Persönlichkeit, die Hochzeit eines berühmten Paares sowie ein bedeutendes Werk, das in diesem Jahr entstanden ist.
 
Austens Briefe wurden von Deirdre Le Faye für eine englische Ausgabe editiert und kommentiert, darauf basierend ist die deutsche Übersetzung entstanden. Es gibt zu den einzelnen Briefen viele Fußnoten, um das Geschriebene einordnen zu können. So kann der Lesende die Personen nachvollziehen und erfährt mehr über die Orte und die jeweilige Zeit.
 
Zwischen den einzelnen Briefen wird vermerkt, wenn Schriftwechsel fehlen und sich daraus möglicherweise Zusammenhänge weniger gut ergeben.

In den Briefen geht es um familiäres und alltägliches, ein bisschen Klatsch und Tratsch – und manch Brief hätte auch wunderbar Teil einer der großen Romane von Jane Austen sein können, denn die Schriftwechsel lesen sich ein wenig, als ob sich die Jane und Elizabeth Bennet unterhalten oder Elinor Dashwood von einer Abendgesellschaft berichtet.
 
Jane Austen schreibt vorwärts und manchmal aus Spaß auch rückwärts, sie erzählt von Federball- und Kartenspielen, mal erlebt der Lesende sie fröhlich und heiter, dann wieder nachdenklich und immer wieder gibt es diese feinen, ironischen Momente, kleine Sticheleien und ein Augenzwinkern. Geistreich und lebhaft erzählt Jane Austen aus ihrem Leben, und die Briefe zeigen, wie liebevoll sie zu den Menschen war, die ihr nahestanden.
 
Besonders berührt haben mich die letzten Briefe des Buches, die Cassandra nach dem Tod von Jane geschrieben hat. Sie ordnet den Nachlass, erzählt von der Trauer und findet liebevolle Worte für ihre Schwester.
 
Die großartige Übersetzung ist von Andrea Ott und Adriana Altaras hat ein wunderbares Nachwort in Form eines Briefes verfasst.
 
Karten der Orte, an denen Jane Austen gelebt hat, ein ausführliches und informatives Personenglossar, eine Leseliste sowie eine sehr aufschlussreiche editorische Notiz ergänzen dieses wunderbare Buch mit dem hübschen Leineneinband.
 
Sie muss ein besonderer Mensch gewesen sein, ich mag ihren Humor, ihre Ironie und ihre Art zu erzählen – sei es in großen Werken, aber auch in den Briefen und diese zu lesen ist ein wenig, als ob sie zu einem spricht.
Dieses Buch ist ein wahres Schmuckstück, ich bin sehr begeistert.
 
Dieses Buch ist ein wahrer Schatz! Es ist wunderschön, informativ und es gibt einzigartig Einblicke in das Leben der Autorin.
 
Ganz große, herzliche Leseempfehlung! 💕

Bewertung vom 02.11.2025
Dische, Irene

Prinzessin Alice


weniger gut

Der Titel, das wirklich hübsche Cover und natürlich auch mein Interesse an Geschichte und an den Royals von der Insel haben mich neugierig gemacht. Nach einem Besuch im Buchladen durfte das Buch „Prinzessin Alice“ von Irene Dische schließlich mit mir nach Hause kommen. Ich war gespannt, mehr über Alice von Battenberg (später Mountbatten), die Schwiegermutter von Königin Elizabeth II. und Großmutter von König Charles III., zu erfahren.

Der Einstieg war gar nicht schlecht: Irene Dische lässt Prinzessin Alice ihre eigene Geschichte aus der Ich-Perspektiveerzählen. Das liest sich anfangs recht gut, doch je weiter ich kam, desto schwieriger fiel es mir, der Erzählung zu folgen. Mitunter war ich durch die ungewöhnliche Erzählweise sogar etwas verwirrt. Gelegentliches Hin- und Herblättern half zwar, die komplexen Familienverhältnisse zu entwirren, doch schon bald war klar, dass dieses Buch für mich kein „easy read“ werden würde.
Im Mittelpunkt stehen die Jahre im Exil in Paris, der Aufenthalt in einer Klinik am Bodensee sowie die Zeit während des Zweiten Weltkriegs. Ab und zu gibt es Rückblicke auf Alices Jugend in England oder ihre Ehe mit dem griechischen Prinzen Andreas. Schnell wird deutlich, dass sie ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Familie hatte, die mit ihrer Erkrankung nur schwer umgehen konnte.

Einige Passagen fand ich schwer nachvollziehbar, etwa Alices angebliche Wiedererlangung ihres Gehörs oder die Episode, in der sie sich im Nachbarhaus einmietet, um das Leben einer ihrer Töchter zu beobachten. Handelt es sich hier um Fakt oder Fiktion? Leider bleibt das auch im Nachwort unklar.

Eine faszinierende Persönlichkeit und ein spannender biografischer Hintergrund – und doch hat mich das Buch nicht wirklich erreicht. Ich empfand die Lektüre stellenweise als anstrengend und distanziert. Prinzessin Alice hat viel erlitten und durchlebt, doch ihre Erzählung wird im Verlauf zunehmend sprunghafter und weniger greifbar. So sehr ich es mir gewünscht hätte: Ich habe keinen Zugang zu dieser Geschichte und ihrer Protagonistin gefunden.

Halbherzig habe ich die rund 150 Seiten zu Ende gelesen – wissend, dass mich diese außergewöhnliche Frau eigentlich hätte fesseln können, wenn mich die Erzählung nur ein wenig mehr berührt hätte.

Bewertung vom 02.11.2025
Bowen, Marjorie;Dickens, Charles;Lovecraft, H. P.

Gruselige Weihnacht überall. Klassische Horror- und Geistergeschichten


sehr gut

Gruselige Weihnacht überall – Klassische Horror- und Geistergeschichten

„Dann herrschte wieder Stille. Nach einer Weile hörte ich abermals Geräusch, wie Schritte auf dem Flur, hohe Absätze und über den Boden schleifende Seidenschleppen.“ (S.83)

Na, wie hört sich das für euch an?
Macht es euch neugierig, was da auf dem dunklen Flur des alten Hauses vor sich geht? Möchtet ihr wissen, wer oder was gleich an der Tür klopfen oder ohne diese zu öffnen in das Zimmer kommen wird?

Oder seid ihr der Meinung:

„Es mag sie geben oder auch nicht, aber solange ihre Existenz nicht zweifelsfrei geklärt ist, weigere ich mich, etwas so Unangenehmes wie den Glauben an Gespenster zu übernehmen.“ (S.14)

Ein auf den Ruinen eines Klosters gebautes, altes Herrenhaus und ein nicht zur Ruhe kommender Mönch; Liebe weit über den Tod hinaus; Rache und tödliche Scherze; vom Weg abkommende Reisende und grausame Heimsuchungen; Brautjungfernkleider, die zu Totengewändern werden – und immer wieder Dunkelheit, Kälte und Schnee:

„Überall lagen sechs Zoll feiner Schnee, trocken wie Salz, der Himmel ein bleierner Deckel, und alles deutete darauf hin, dass noch mehr fallen würde.“ (S.10)

Mit „Gruselige Weihnacht überall“ präsentiert Jochen Veit zehn spannende Geschichten, die für schaurige Unterhaltung und echte Gänsehautmomente sorgen.
In dem Buch finden sich unter anderem Erzählungen von Charles Dickens, H. P. Lovecraft und B. M. Croker, es sind alle Sorten Grusel und für jeden Geschmack etwas dabei und gerade in der mitunter hektischen Vorweihnachtszeit sind Kurzgeschichten doch eine tolle Alternative und wunderbare vorweihnachtlich-gruselige, schneeankündigende und unterhaltsame Zwischenmahlzeit.

Verlassene Häuser, ein unerwartetes Klopfen an der Tür, eine gespenstische Gesellschaft – ich habe die Geschichten gern gelesen, mich gegruselt und finde die Zusammenstellung der Geschichten sehr gelungen!

Das Buch ist ausdrücklich nicht nur zum Selberlesen und -gruseln, sondern auch zum Vorlesen und ein tolles Geschenk!