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Benutzername: dorli
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Bewertungen

Insgesamt 772 Bewertungen
Bewertung vom 06.07.2020
Wie backe ich mir einen Mann?
Witemeyer, Karen

Wie backe ich mir einen Mann?


ausgezeichnet

Texas, 1896. Abigail Kemp hat sich zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau gemausert und führt die von ihrem Vater geerbte Bäckerei mit Freude und großem Engagement. Ein antiquiertes Gesetz besagt jedoch, dass es einer Frau verboten ist, in Honey Grove ein eigenes Geschäft zu besitzen, so dass der Stadtrat sich genötigt sieht, die Bäckerei zu schließen. Abby will sich dem Beschluss des Rates nicht fügen und sieht nur einen Ausweg aus ihrem Dilemma: sie muss heiraten und zwar sofort. Als potentielle Ehemänner hat sie drei Junggesellen ins Auge gefasst, wobei Zacharias Hamilton ihre erste Wahl wäre. Doch Zach geht seine Freiheit über alles und er lehnt Abbys Antrag zunächst einmal ab…

„Wie backe ich mir einen Mann?“ ist der zweite Band aus Karen Witemeyers „The Patchwork Family“-Reihe – obwohl ich den ersten Teil der Serie nicht gelesen habe, war ich ruckzuck mittendrin im Geschehen und schnell mit den Akteuren und ihren Eigenarten vertraut.

Karen Witemeyer hat einen frischen, humorvollen Schreibstil. Die Autorin erzählt die Geschichte im lockeren Wechsel mal aus Abbys, mal aus Zachs Sicht, so dass man als Leser bestens mitverfolgen kann, was beide über den jeweils anderen und die Situation, in die sie sich so holterdiepolter hineinmanövriert haben, denken.

Neben der Liebesgeschichte zwischen Abby und Zach spielen wie in allen Romanen von Karen Witemeyer auch christliche Werte wie zum Beispiel Vergebung und Barmherzigkeit eine wichtige Rolle. Außerdem ist für reichlich Spannung gesorgt, denn Abbys ehemals beste Freundin Sophia, die sich nach einem viele Jahre zurückliegenden tragischen Unglücksfall zu einer fiesen Intrigantin entwickelt hat, wird nicht müde, Abby das Leben schwer zu machen, wo es nur geht.

„Wie backe ich mir einen Mann?“ hat mir sehr gut gefallen - eine muntere Geschichte, bei der die Liebe im Vordergrund steht, aber auch Spannung und Humor nicht zu kurz kommen.

Bewertung vom 29.06.2020
Nordsee-Nacht
Häffner, Hannah

Nordsee-Nacht


sehr gut

Hulthave, ein kleiner Küstenort an der Nordsee. Hier verschwindet 1987 die 6-jährige Friederike Baumgart spurlos aus einem Zeltlager. Trotz fieberhafter Suche und intensiven Ermittlungen der Polizei bleibt das Mädchen verschwunden. Zeitsprung in das Jahr 2012. Am Strand von Hulthave wird eine Frau aufgefunden, der jegliche Erinnerung an ihr bisheriges Leben fehlt. Schon nach kurzer Zeit werden Stimmen laut, dass es sich bei der Frau um Friederike handeln könnte…

Hannah Häffner beginnt diesen Roman mit einem sehr spannenden Prolog: Friederike hat keinen Spaß in dem Zeltlager und beschließt auszubüxen. Mitten in der Nacht klettert sie über den Zaun und wird von dem Licht eines näher kommenden Autos geblendet… Mehr erfährt der Leser an dieser Stelle nicht. Die kleine Szene hat allerdings eine ungeheure Sogwirkung im Gepäck - gespannt verfolgt man Seite um Seite das weitere Geschehen, weil man unbedingt mehr über Friederikes Schicksal erfahren möchte.

Hannah Häffner lässt in „Nordsee-Nacht“ zwar die Polizei ähnlich wie in einem Krimi ermitteln, doch diese Ermittlungen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Hier geht es hauptsächlich um die Frage, was das Verschwinden des Mädchens in den anderen Beteiligten des Falls auslöst und wie sie die dramatischen Ereignisse über die Jahre hinweg verkraftet haben. Im Mittelpunkt steht dabei die Betreuerin Sascha Götz. Sascha hatte in der betreffenden Nacht Aufsicht und war für ein paar Minuten unaufmerksam. Sie gibt sich die Schuld an Friederikes Verschwinden – nicht enden wollende Selbstvorwürfe, die von der Autorin intensiv beleuchtet werden. Auch die zunehmende Hilflosigkeit des verantwortlichen Kommissars und sein Gefühl, versagt zu haben, als mit jedem Tag deutlicher wird, dass ein guter Ausgang des Falls unwahrscheinlich ist, wird mitreißend geschildert.

Der spannende Fall wird am Ende nachvollziehbar aufgelöst. Dennoch bleibe ich ein wenig unzufrieden zurück, weil ich gerne mehr über das Leben des Hauptschuldigen erfahren hätte. Seine Gedanken werden zwar in einem kurzen Epilog wiedergegeben, doch diese Ausführungen waren mir in einer Geschichte, in der es primär um die Auswirkungen von und den Umgang mit Schuldgefühlen geht, zu dünn (3,5/5).

Bewertung vom 18.06.2020
Goldsturm / Gut Greifenau Bd.4
Caspian, Hanna

Goldsturm / Gut Greifenau Bd.4


ausgezeichnet

„Gut Greifenau - Goldsturm“ ist der vierte Band der großen Familiensaga über die fiktive Grafenfamilie von Auwitz-Aarhayn aus der Feder von Hanna Caspian.

Da „Goldsturm“ direkt an den vorhergehenden Band anknüpft und Hanna Caspian weitestgehend auf Wiederholungen und Rückblenden verzichtet, halte ich es für ratsam, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da das Wissen über die vorherigen Ereignisse den Lesegenuss dieser Fortsetzung noch erhöht.

Die Handlung dieses Bandes beginnt am 02. Oktober 1919 und erstreckt sich über vier Jahre. Die Menschen leiden unter den Folgen des Krieges. Vor allen Dingen die wirtschaftliche Belastung aufgrund von Reparationszahlungen gemäß dem Vertrag von Versailles prägt den Anfang der 1920er Jahre in Deutschland. Man steuert auf eine Hyperinflation zu, die Arbeitslosigkeit, explodierende Preise, Löhne, die nichts mehr Wert sind und Hungersnot im Gepäck hat.

Hanna Caspian beleuchtet in „Goldsturm“ die Auswirkungen der Inflation für alle Bevölkerungsschichten und zeichnet damit ein facettenreiches und vor allen Dingen sehr glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit. Gekonnt verknüpft die Autorin viele wahre Begebenheiten aus den ersten Jahren der Weimarer Republik mit abwechslungsreichem fiktiven Geschehen und lässt ihre Figuren die Höhen und Tiefen der Zeit durchleben.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Kampf um den Erhalt des Gutes Greifenau – keine leichte Aufgabe für Konstantin, denn zusätzlich zu der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage setzen ihn sowohl die neuen Steuergesetze wie auch die Ansprüche seiner Brüder finanziell mächtig unter Druck.

Neben den der allgemeinen Situation geschuldeten Problemen spielen natürlich auch die persönlichen Angelegenheiten der Akteure wieder eine große Rolle. Hanna Caspian versteht es dabei ganz ausgezeichnet, die ganz unterschiedlichen Lebenswege ihrer Protagonisten mitreißend darzustellen. Katharina möchte trotz Mutterschaft ihren Traum vom Medizinstudium verwirklichen. Hausdiener Caspers versucht, seine Wettleidenschaft in den Griff zu bekommen. Eugen ist eifersüchtig und beschließt, neue Wege zu gehen. Julius’ Begeisterung für Autorennen endet fast mit einer Katastrophe. Diese und viele weitere mit Schicksalsschlägen, Konflikten und Intrigen gespickten Ereignisse halten das Geschehen lebendig und sorgen durchweg für spannende Unterhaltung.

„Gut Greifenau - Goldsturm“ hat mir sehr gut gefallen. Es hat wieder Spaß gemacht, die Greifenauer auf ihren Wegen zu begleiten und ihr Miteinander und ihr Gegeneinander zu beobachten.

Bewertung vom 17.06.2020
Bretonisch mit Meerblick
Kasperski, Gabriela

Bretonisch mit Meerblick


ausgezeichnet

In ihrem Kriminalroman „Bretonisch mit Meerblick“ entführt Gabriela Kasperski den Leser nach Camaret sur Mer, ein kleines Fischerdorf auf der Presqu’île de Crozon ganz im Westen der Bretagne und wartet mit einer genauso spannenden wie unterhaltsamen Geschichte auf.

Die 40-jährige Buchhändlerin Tereza Berger hat in dem beschaulichen Küstenort ein Haus geerbt, das sie möglichst gewinnbringend verkaufen möchte. Doch die vermeintliche Villa mit Meerblick entpuppt sich als renovierungsbedürftige Bruchbude, ein Verkauf in dem Zustand wäre wenig einträglich. Auch die Tatsache, dass es aufgrund der tückischen Strömung in diesem Küstenabschnitt kürzlich zwei Todesfälle gegeben hat, wirkt sich nicht gerade verkaufsfördernd aus. Damit nicht genug, eine alte keltische Sage prophezeit, dass ein weiterer Mann in den Fluten umkommen wird…

Tereza beginnt mit den Instandsetzungsarbeiten und verliebt sich mehr und mehr in das alte Haus. Der Gedanke, sich hier den Traum von einer eigenen Buchhandlung zu erfüllen, wird dabei immer lauter. Als nach kurzer Zeit tatsächlich ein drittes Todesopfer zu beklagen ist, gerät Tereza in das Visier der Polizei und sieht sich deshalb genötigt, eigene Ermittlungen anzustellen…

In „Bretonisch mit Meerblick“ erwartet den Leser ein sehr stimmungsvoller Krimi - die Renovierungsarbeiten in der Villa und das Auftauchen von Familie und Freunden geben der Geschichte einen heimeligen Touch, die Ermittlungen und fiese Intrigen sorgen für reichlich Spannung und eine kräftige Portion Lokalkolorit bringt die für einen Regionalkrimi nötige Atmosphäre mit.

Besonders mit Letzterem konnte Gabriela Kasperski mich begeistern. Die Besonderheiten des idyllischen Landstriches werden hervorgehoben und auch die Eigenarten der Einheimischen fließen in die Handlung ein. Während die Ermittlungen Tereza in Atem halten, lässt die Autorin ihre Protagonistin auch an dem Alltag der Dorfgemeinschaft teilhaben. Alles, was die Küstenbewohner interessiert und bewegt, wurde in die Handlung integriert. Themen aus Tradition, Kultur und lokaler Politik werden genauso beleuchtet, wie regionale Feste und Projekte. Auch einige Spezialitäten und Leckereien der bretonischen Küche lernt man kennen. Französische Einsprengsel in den Dialogen sorgen für eine zusätzliche Dosis Authentizität und runden diesen Wohlfühlkrimi damit perfekt ab.

„Bretonisch mit Meerblick“ hat mir sehr gut gefallen – ein Krimi, der mit spannenden Ermittlungen und ganz viel bretonischem Flair daherkommt.

Bewertung vom 28.05.2020
Vardo - Nach dem Sturm
Hargrave, Kiran Millwood

Vardo - Nach dem Sturm


sehr gut

In ihrem historischen Roman „Vardø – Nach dem Sturm“ nimmt Kiran Millwood Hargrave den Leser mit in das 17. Jahrhundert nach Norwegen - genauer gesagt, in die ehemalige Provinz Finnmark auf die Insel Vardø - und erzählt zum einen von der tiefen Freundschaft zweier ungleicher Frauen und zum anderen sehr eindringlich von den Hexenprozessen, die hier bis in die 1690er Jahre stattgefunden haben und zum Tod von 91 Menschen führten.

Kiran Millwood Hargrave schildert die auf wahren Begebenheiten beruhenden Ereignisse aus zwei Perspektiven. Zunächst lernt man Maren Magnusdatter kennen, die bei einem verheerenden Sturm am Weihnachtsabend des Jahres 1617 nicht nur ihren Vater und ihren Bruder, sondern auch ihren Verlobten verloren hat. Insgesamt starben in der Nacht 40 Fischer, das waren bis auf zwei alte Männer und einen Geistlichen alle Männer des Dorfes. Durch Marens Augen erfährt der Leser, wie die Frauen die Regie auf der kargen Insel übernommen und selbst für ihr Überleben gesorgt haben.

Nicht nur, dass die Frauen ihren Alltag allein verrichteten, nach eigenen Regeln und Gewohnheiten lebten und sogar aufs Meer zum Fischen gefahren sind, war dem König und seinem Lensmann John Cunningham ein Dorn im Auge, angetrieben von Machtgier und religiösem Fanatismus wollten die beiden auch einen Riegel vor die Riten und Bräuche der Samen schieben.

Aus Sicht der jungen Ursa aus Bergen erlebt man mit, wie das Grauen auf die abgelegene Insel zurollt. Ursas Vater hat bestimmt, dass sie den Commissioner Absalom Cornet heiraten soll. Cornet hat in Schottland Hexen verbrannt und wurde von Cunningham beauftragt, die Führung in Vardø zu übernehmen und dort für Ordnung zu sorgen.

Die Beschreibungen der Schauplätze und die Schilderungen der dramatischen Ereignisse sind Kiran Millwood Hargrave ganz ausgezeichnet gelungen, dennoch hat es mehrere Kapitel gedauert, bis mich das Geschehen richtig gepackt hat. Das lag vor allen Dingen an dem Schreibstil. Die Autorin verwendet über weite Strecken kaum Dialoge, was die Handlung weniger lebhaft macht. Einmal an diesen Stil gewöhnt, entwickelt die Geschichte dann aber einen Sog, dem man sich als Leser nicht mehr entziehen kann.

„Vardø – Nach dem Sturm“ hat mir sehr gut gefallen – der Roman bietet einen genauso interessanten wie aufwühlenden Einblick in ein dunkles Kapitel der norwegischen Historie.

Bewertung vom 26.05.2020
Und dann kamst du
Wade, Becky

Und dann kamst du


ausgezeichnet

Die 29-jährige Nora Bradford hat sich nach einer herben Enttäuschung von dem Gedanken verabschiedet, irgendwann die große Liebe zu finden und daher beschlossen, ihr Leben mit anderen Dingen auszufüllen, als mit romantischen Abenteuern. Die Genealogin und Historikerin leitet die Bibliothek eines Naturschutzmuseums und beschäftigt sich in ihrer Freizeit überwiegend mit Büchern, Filmen und Fernsehserien. Als Nora bei einem Training für Notfallsituationen dem attraktiven John Lawson begegnet, fährt ihre Gefühlswelt jedoch plötzlich wieder Achterbahn…

John hat sich nach seiner Zeit bei der Navy ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Als er erfährt, dass er an einer unheilbaren Erbkrankheit leidet, erwacht in ihm der Wunsch, seine leibliche Mutter zu finden. Gemeinsam mit Nora begibt er sich auf die Suche…

Becky Wade hat einen sehr humorvollen Schreibstil. Die Autorin erzählt die Geschichte im lockeren Wechsel mal aus Noras, mal aus Johns Sicht, so dass man als Leser beide sehr gut kennenlernt und ihre Gedanken und vielfältigen Emotionen intensiv miterlebt.

Nora und John fühlen sich schnell zueinander hingezogen, wehren sich aber gegen die von Tag zu Tag größer werdende Anziehungskraft - obwohl ihre Herzen sich bereits füreinander entschieden haben, plädiert der Verstand bei beiden auf eine Nur-Freundschaft, da John in einer glücklichen Beziehung mit der sympathischen Allie lebt.

Becky Wade hat nicht nur ein ausgesprochen gutes Händchen dafür, die inneren Konflikte darzustellen, die Nora und John im Verlauf der Handlung ausfechten, es gelingt der Autorin auch ganz hervorragend, das Gefühlschaos ihrer Protagonisten mit allerlei Turbulenzen und überraschenden Wendungen immer wieder aufs Neue zu befeuern.

Gut gefallen haben mir auch die sich am Ende eines jeden Kapitels befindenden Facebookeinträge, kurzen Chatverläufe, Tweets, Briefe oder E-Mails, die kleine Zusatzinfos zur eigentlichen Handlung enthalten und das Geschehen prima abrunden.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band der Bradford-Sisters-Serie. Sowohl die Folgebände wie auch eine Vorgeschichte zu diesem ersten Teil gibt es bisher nur im amerikanischen Original. Ich hoffe sehr, dass eine Übersetzung der weiteren Bände nicht allzu lange auf sich warten lässt, da ich schon sehr gespannt auf den Werdegang von Noras Schwestern Britt und Willow bin.

„Und dann kamst du“ hat mir sehr gut gefallen. Es war bewegend und amüsant zugleich, die Wege der Akteure zu verfolgen und ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten.

Bewertung vom 16.05.2020
Das Haus am Moor
Denzau, Heike

Das Haus am Moor


ausgezeichnet

Hauptkommissarin Lyn Harms kehrt nach einem Jahr Elternzeit an ihren Arbeitsplatz bei der Kripo Itzehoe zurück und bekommt es gleich an ihrem ersten Arbeitstag mit einem dramatischen Fall zu tun – das spanische Au-pair-Mädchen der Familie Fahrenkrug wurde bei dem Versuch, die Entführung des 11-jährigen Theo zu verhindern, erstochen…

Jana Roffler und ihre Freundin Neele Haack sind aus einem Kieler Kinderheim ausgebüxt. Die 14-jährigen Mädchen sind auf dem Weg ins Herrenmoor, wo ihnen das ehemalige Häuschen von Janas Uropa als Unterschlupf dienen soll. Was die beiden nicht ahnen - die abgelegene Kate wurde auch von Theos Kidnappern als Versteck auserkoren…

„Das Haus am Moor“ ist bereits der siebente Fall für Lyn Harms und ihre Kollegen, dieser Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

Heike Denzau wartet in „Das Haus am Moor“ mit einem Kriminalfall auf, der von Anfang an fesselnd ist und Seite um Seite immer dramatischer wird. Fast atemlos verfolgt man das Geschehen rund um den querschnittsgelähmten Theo, der im Dachzimmer der Kate festgehalten wird, und der Ausreißerin Jana, die sich aus Angst vor den gewalttätigen Kidnappern in der Abseite versteckt hat. Die Autorin treibt die Spannung hier durch laufend neue Ereignisse und überraschende Wendungen immer wieder in die Höhe, so dass man unaufhörlich um die Kinder bangt und mit ihnen mitfiebert.

Während die Entführer dem Leser von Anfang an bekannt sind, bleibt der Auftraggeber der Bande bis zum Schluss im Verborgenen. Klar ist nur recht schnell, dass es sich bei diesem Auftraggeber um jemanden aus Theos näherem Umfeld handeln muss, denn die Entführer wissen Dinge über ihn, die nur ein Insider kennen kann. In diesem Part des Krimis kann man prima miträtseln und mitgrübeln, wer aus Theos Familie für die abscheuliche Tat verantwortlich sein könnte – ein tolles Verwirrspiel, denn es könnte irgendwie jeder von ihnen gewesen sein.

Ab und an gönnt Heike Denzau dem Leser eine kleine Verschnaufpause von dem aufwühlenden Geschehen und man kann einen Blick auf die familiären Angelegenheiten der Kommissarin werfen. Hier geht es zwar manchmal auch ein wenig stürmisch zu, bleibt aber im Rahmen von Alltagsturbulenzen, wie sie eigentlich jeder kennt.

Die Autorin glänzt nicht nur mit der beeindruckenden Fähigkeit, Situationen und Emotionen überaus mitreißend zu schildern, sie hat auch ein ausgesprochen gutes Händchen für Figuren. Jeder einzelne der Akteure spielt die ihm zugedachte Rolle ausgezeichnet und handelt glaubwürdig. Selbst Nebenfiguren wie zum Beispiel Lyns Tochter Sophie wirken echt und tragen ihren Teil zur Unterhaltung bei.

„Das Haus am Moor“ hat mich durchweg begeistert – ein Krimi, der mit einer fesselnden Handlung, nervenkitzliger Spannung und ausdrucksstarken Figuren überzeugt. Ein Highlight!

Bewertung vom 16.05.2020
Schatten des Zorns / Baltimore-Team Bd.3
Pettrey, Dani

Schatten des Zorns / Baltimore-Team Bd.3


sehr gut

FBI-Agent Declan Grey versucht seit zwei Monaten, den Mördern seines Kollegen Steven Burke auf die Spur zu kommen. Im Zuge seiner Ermittlungen ist er auf Hinweise gestoßen, die einen terroristischen Anschlag in absehbarer Zeit vermuten lassen. Obwohl Declans Vorgesetzter Alan King die Befürchtung hat, dass sie Gespenstern hinterherjagen, gewährt er Declan eine Frist, um Beweise für seine Vermutung zu finden und stellt ihm dafür die attraktive Krisenberaterin Tanner Shaw zur Seite…

Zur gleichen Zeit wird Griffin McCray von dem Investmentberater Haywood Grant gebeten, Beweise dafür zu finden, dass sein Geschäftspartner Kundengelder veruntreut. Als Haywood während einer Tagung tot in der Badewanne seines Hotelzimmers gefunden wird und sich selbst in einem Abschiedsbrief der Veruntreuung sowie eines Doppelmordes bezichtigt, glaubt Griffin nicht an einen Selbstmord und will den Dingen gemeinsam mit der Privatdetektivin Kate Maxwell auf den Grund gehen…

„Schatten des Zorns“ ist bereits der dritte Teil der „Das Baltimore-Team“-Reihe. Auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände war ich schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit allen Figuren gut vertraut zu sein.

„Schatten des Zorns“ bringt alles mit, was man von einem amerikanischen Agententhriller erwartet. Die Spannung ist durchgehend auf einem hohen Niveau, es gibt rasante Action mit dramatischen Verfolgungsjagden und dem einen oder anderen Schusswechsel. Die Schurken sind immer zur Stelle, und attackieren die Guten, wenn diese sicheres Terrain verlassen, werden aber von den Helden durch Umsichtigkeit, Geschick und Durchhaltevermögen ein ums andere Mal zurückgedrängt.

Obwohl mich der Part, in dem es um die Zerschlagung des Terrornetzwerks geht, durchaus gefesselt hat, empfand ich den Teil, in dem Griffin und Kate die Umstände rund um den vermeintlichen Selbstmord Haywoods aufklären, wesentlich spannender.

Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen in diesem Thriller eine große Rolle, sowohl die Liebe wie auch die enge Freundschaft der „Chesapeake Pirates“ nehmen einen wichtigen Part ein.

Ein bisschen schade finde ich, dass Dani Pettrey ihren Protagonisten nicht mit mehr Ecken und Kanten ausgestattet hat. Die Frauen sind alle atemberaubend schön, intelligent, selbstbewusst und agieren zielgerichtet. Und auch die Männer strotzen nur so vor positiven Eigenschaften und sind unglaublich attraktiv, superintelligent und kampferprobt, gleichzeitig aber auch einfühlsam und fürsorglich.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Akteure sich nicht allein auf ihr Können verlassen, sondern in schwierigen Situationen immer wieder Kraft und Unterstützung in einem Gebet suchen.

„Schatten des Zorns“ hat mir insgesamt gut gefallen – Freunde von Geschichten mit spannungsgeladener, actionreicher Handlung kommen hier voll auf ihre Kosten.

Bewertung vom 13.05.2020
Blutige Düne / Liv Lammers Bd.4
Weiß, Sabine

Blutige Düne / Liv Lammers Bd.4


ausgezeichnet

Sylt. René „Rocco“ Höpen wird in der sog. Mörderkuhle zwischen Tinnum und Keitum brutal ermordet. Eine besondere Tätowierung lässt die Polizei vermuten, dass der Geschäftsführer einer Tabledance-Bar über Kontakte zum Rockermilieu verfügte. Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass das Motiv für den Mord im Umfeld der Organisierten Kriminalität zu suchen ist. Als kurze Zeit später bei einem zweiten Mordanschlag, der augenscheinlich von dem selben Täter verübt wurde, der Umweltschützer Tobias Schulke schwer verletzt wird, gerät diese Vermutung allerdings ins Wanken, denn es gibt keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Opfern...

„Blutige Düne“ ist bereits der vierte Fall für Liv Lammers von der Mordkommission Flensburg - für mich war dieser Einsatz auf Sylt der erste, den ich mit der sympathischen Kommissarin und ihren Kollegen erleben durfte. Auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände war ich schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit allen Figuren gut vertraut zu sein.

Den Leser erwartet ein vielschichtig angelegter Krimi - mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze, viele Personen und häufige Perspektivewechsel sorgen für eine lebhafte und abwechslungsreiche Handlung.

Die Ermittlungsarbeit ist spannend und wird durch immer neue Hinweise und Ereignisse lebendig gehalten. Geschickt lenkt Sabine Weiß den Blick des Lesers in unterschiedliche Richtungen, so dass man prima über Motiv, Hintergründe und Täter miträtseln und mitgrübeln kann.

Nicht nur der undurchsichtige Mordfall hält Liv in Atem, auch die Beziehung zu ihrem despotischen Vater ist und bleibt schwierig. Ocke Lammers sorgt mit seinem furchtbaren Verhalten für Aufregung und Fassungslosigkeit und lässt damit die Kluft zwischen Vater und Tochter noch tiefer werden.

Punkten kann Sabine Weiß auch mit einer großen Portion Lokalkolorit – die Insel Sylt wird mit ihrer Vielfalt und ihren Besonderheiten interessant dargestellt, so dass man sich die Schauplätze alle sehr gut vorstellen kann und schnell von der Nordseeküsten-Atmosphäre eingefangen wird.

„Blutige Düne“ hat mir sehr gut gefallen - ein kurzweiliger Krimi, der mich mit spannenden Ermittlungen und einer vielschichtigen Handlung durchweg gefesselt hat.

Bewertung vom 12.05.2020
Die Muskatprinzessin
Driessen, Christoph

Die Muskatprinzessin


sehr gut

In seinem historischen Roman „Die Muskatprinzessin“ nimmt Christoph Driessen den Leser mit in das 17. Jahrhundert und erzählt aus dem Leben von Eva Ment. Die Tochter eines Amsterdamer Bierbrauers war von 1625 bis 1629 die Ehefrau des ehemaligen Generalgouverneurs der Niederländischen Ostindien-Kompanie Jan Pieterszoon Coen.

Christoph Driessen hat die wenigen historischen Fakten, die über das gemeinsame Leben des Ehepaars Ment/Coen bekannt sind, in eine spannende fiktive Handlung eingeflochten und diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden lassen.

Eva ist 19 Jahre alt, als ihr Vater in große finanzielle Schwierigkeiten gerät und sie den doppelt so alten, sehr wohlhabenden Coen heiraten muss. Als Coen kurz nach der Hochzeit seinen Posten als Generalgouverneur in Ostindien antritt, muss Eva ihre Heimat verlassen und mit ihrem Mann nach Batavia reisen. Begleitet wird die junge Frau von ihrem Bruder Gerrit und ihrem Kater Jasper.

Die Schiffspassage von Amsterdam nach Niederländisch-Ostindien wird spannend geschildert, man kann sich sehr gut vorstellen, wie es damals an Bord eines Segelschiffes zugegangen sein muss. Sehr anschaulich beschreibt Christoph Driessen auch die Gegebenheiten, die Eva nach acht Monaten Überfahrt in Batavia erwarten - die Stadt selbst, die Menschen mit ihren ganz anderen Sitten und Bräuchen, die Vielfalt von Fauna und Flora und auch die Gefahren, die dort lauern. Alles ist neu für Eva. Was wie ein großartiges Abenteuer klingt, wird für sie jedoch schnell zu einer riesigen Last - sie soll das Leben einer Königin führen, doch sie hat große Schwierigkeiten, sich an die mit ihrer hohen gesellschaftlichen Stellung einhergehenden Rechte und vor allen Dingen an ihre neuen Pflichten zu gewöhnen. Sie sehnt sich nach Vertrautem und wird oft von Heimweh geplagt. Dass Coen, dessen größtes Ziel es ist, Batavia zu einer blühenden niederländischen Kolonie auszubauen, nicht nur in der Hafenstadt mit harter Hand herrscht, sondern Eva seine Brutalität auch am eigenen Leib zu spüren bekommt, macht ihr das Leben in den tropischen Gefilden nicht gerade leichter.

Auch die Darstellung der weiteren Akteure ist dem Autor sehr gut gelungen. Sowohl fiktive Figuren wie auch die zahlreichen historischen Persönlichkeiten bekommen schnell ein Gesicht und wirken in ihrem Tun überzeugend. Es war äußerst spannend, ihre Wege zu verfolgen und ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten.

„Die Muskatprinzessin“ hat mir sehr gut gefallen - die gut ausbalancierte Mischung aus historischen Fakten, Spannung und Abenteuer wird anschaulich und lebendig erzählt und hat mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert.