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Benutzername: dorli
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Bewertungen

Insgesamt 569 Bewertungen
Bewertung vom 13.02.2018
Black-Angel-Chroniken - Im Zeichen des schwarzen Engels
Orlando, Kristen

Black-Angel-Chroniken - Im Zeichen des schwarzen Engels


ausgezeichnet

Die 17-jährige Reagan Elizabeth Hillis ist anders als andere Jugendliche – Reagan lebt ein Leben zwischen normalem Teenager-Alltag und knallharter Geheimdienstausbildung. Seit ihrem vierten Lebensjahr wird sie auf ihre Zukunft als Black-Angel-Agentin vorbereitet. Die Black Angels sind eine Spezialeinheit, die Leben retten, Geisel befreien oder auch Terrorpläne abwehren. Eine aufregende, interessante Aufgabe, für die Reagan täglich intensiv Kampf- und Selbstverteidigungstechniken trainiert und den Umgang mit den unterschiedlichsten Waffen lernt. Obwohl ihr offiziell an ihrem 18. Geburtstag die Wahl zwischen einem normalen Studium und einer Ausbildung zur Agentin zugestanden wird, sieht die Realität anders aus. Denn auch Reagans Eltern sind Black Angels und es ist Tradition, dass Kinder von Black Angels in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.

Kristen Orlando beginnt dieses Jugendbuch mit einem spannenden Prolog, in dem man sich ein Bild davon machen kann, was Reagan erwartet, wenn sie den Weg einschlägt, der ihr seit ihrer Geburt vorbestimmt ist. Ständig von Gefahren umgeben sein. Täglich mit der Angst leben, dass die sorgfältig aufgebaute Tarnung auffliegt. Häufig die Identität wechseln. Immer wieder neue Freunde suchen und diese dann auch noch belügen müssen. Da ist es kein Wunder, dass Reagan Zweifel bekommt, ob dieser Weg das ist, was sie wirklich will. Besonders jetzt, wo sie das Teenager-Dasein in vollen Zügen genießt und zum ersten Mal verliebt ist…

Kristen Orlando hat einen angenehm zu lesenden, sehr fesselnden Schreibstil, so dass ich schnell mittendrin im Geschehen war und schon nach kurzer Zeit das Gefühl hatte, mit allen Akteuren gut vertraut zu sein.

Man kann sehr gut mit Ich-Erzählerin Reagan mitfühlen - es gelingt der Autorin ganz hervorragend, dem Leser Reagans Zwiespalt zwischen Pflichterfüllung und Realisierung ihrer persönlichen Ziele und Wünsche zu vermitteln, so dass man durchweg gespannt mitfiebert, für welchen Weg Reagan sich entscheiden wird.

Darüber hinaus ist dieser Roman auch eine rasante, actionreiche Geschichte, die besonders im zweien Teil des Buches richtig Fahrt aufnimmt und immer dramatischer wird. Hier kann bzw. muss Reagan dann alles zeigen, was sie bisher gelernt hat.

Kristen Orlando lässt diesen Auftaktband ihrer Black-Angel-Reihe ganz anders enden, als ich es erwartet habe, so dass ich jetzt schon gespannt bin, wie es für die Akteure im nächsten Band weitergehen wird.

„Black-Angel-Chroniken - Im Zeichen des schwarzen Engels“ hat mir sehr gut gefallen – eine mitreißende, actionreiche Agentengeschichte, in der auch der typische Highschool-Alltag nicht zu kurz kommt.

Bewertung vom 12.02.2018
Stumme Wut
Wood, Michael

Stumme Wut


sehr gut

Sheffield/South Yorkshire. Nach dem Tod ihres Mannes und einem Fall mit einer gescheiterten Lösegeldübergabe hatten schwere Depressionen Matilda Darke monatelang fest im Griff. Jetzt will sie in ihren Job als Leiterin der Mordkommission zurückkehren, doch der Wiedereinstieg verläuft nicht ganz so glatt, wie Matilda es sich vorgestellt hat.

Während ihr Stellvertreter DCI Ben Hales weiterhin die aktuellen Fälle bearbeitet, soll Matilda sich um einen alten Fall kümmern – das Harkness-Massaker. Der nie aufgeklärte Doppelmord an Miranda und Stefan Harkness jährt sich zum zwanzigsten Mal und wird zum Anlass für die Wiederaufnahme des Falls genommen.

Matilda macht sich daran, die alten Akten zu studieren und stolpert dabei über ein Buch des Journalisten Charlie Johnson, der über ein auffälliges Detailwissen über den Harkness-Fall und die dazugehörigen Ermittlungen verfügt.

Besonders unter dem Attentat gelitten hat der damals 11-jährige Jonathan, der sich zur Tatzeit im Haus befand und alles mit ansehen musste. Jonathan - durch das schreckliche Erlebnis für lange Zeit verstummt - hat sich nie zu dem Erlebnis geäußert und ist zu einem Einzelgänger geworden.
Sein älterer Bruder Matthew war an dem Abend des Mordes bei einem Freund und blieb danach für mehrere Tage verschwunden.

Während Matilda Jonathan zu den damaligen Ereignissen befragt und versucht, den unbekannt verzogenen Matthew aufzuspüren, wird in Sheffields Innenstadt ein Toter gefunden. DCI Hales übernimmt diesen Fall, doch schon bald entdeckt Matilda Verbindungen zum Harkness-Fall und mischt sich, sehr zum Unmut des Kollegen, in dessen Ermittlungen ein…

„Stumme Wut“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe rund um Detective Chief Inspector Matilda Darke, wiedererstarkte Chefin der Mordkommission Sheffield.

Michael Wood versteht es ausgezeichnet, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Schnell ist man mittendrin im Geschehen und erlebt nicht nur die Ermittlungen, sondern auch die persönlichen Probleme sowie das Miteinander und besonders das Gegeneinander der Protagonisten hautnah mit.

Der Kriminalfall ist knifflig und bleibt durch einige unerwartete Ereignisse bis zum Schluss spannend. Geschickt lenkt der Autor den Blick des Lesers dabei in unterschiedliche Richtungen, so dass man prima über Motive, Zusammenhänge und Täter miträtseln und mitgrübeln kann.

Sehr gut gefallen hat mir die Darstellung der Akteure. Sowohl Haupt- wie auch Nebenfiguren bekommen schnell ein Gesicht und handeln entsprechend ihren Eigenheiten. Besonders Matildas langsames Zurückfinden zu alter Stärke wird gelungen präsentiert. Sie scheint zunächst mit der Situation überfordert, hat Schuldgefühle und Panikattacken, flüchtet immer wieder in den Alkohol und kämpft sich dennoch mit Hilfe ihrer guten Freundin Adele nach und nach zurück in die Spur.

„Stumme Wut“ hat mir gut gefallen, mich aber nicht gänzlich überzeugt – ich hadere ein wenig mit der Auflösung, die nicht ganz so einleuchtend und nachvollziehbar ist, wie ich sie mir für einen Krimi wünsche.

Bewertung vom 07.02.2018
Schlüssel 17 / Tom Babylon Bd.1
Raabe, Marc

Schlüssel 17 / Tom Babylon Bd.1


ausgezeichnet

Berlin, September 2017. Ex-Bischöfin und Dompredigerin Brigitte Riss wurde brutal ermordet. Ihre Leiche hat der Täter auf bizarre Weise zur Schau gestellt: Die Pfarrerin hängt in 15 Metern Höhe in der Kuppel des Berliner Doms, eine Augenbinde verdeckt ihre leeren Augenhöhlen, über die ausgestreckten Arme spannt sich das Pfarrgewand zu schwarzen Flügeln. Um den Hals trägt die Tote einen Schlüssel, der in Oberkommissar Tom Babylon umgehend schmerzhafte Erinnerungen wachruft, denn seine Schwester Viola ist vor 19 Jahren mit eben diesem Schlüssel spurlos verschwunden…

Stahnsdorf, Juli 1998. Der 14-jährige Tom trifft sich wie so oft mit seiner Clique auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke über dem Teltowkanal. Nach einem Mutprobe-Sprung von der Brücke ins Wasser entdecken die Jugendlichen am Grund des Kanals eine Leiche. Neben dem Toten liegt ein nummerierter Schlüssel, den Tom an sich nimmt. Die Überlegung, den Schlüssel zu behalten, um sein Geheimnis zu ergründen, spaltet die Gruppe. Sie beschließen daher, eine Nacht darüber zu schlafen, den Toten erst am nächsten Tag der Polizei zu melden und dann gegebenenfalls auch den Schlüssel abzugeben. Dass ihr Zögern weitreichende Folgen haben wird, ahnen die Fünf zu diesem Zeitpunkt nicht…

Neben den aktuellen Ermittlungen und den Rückblenden in die 1990er Jahre gibt es noch einen weiteren Handlungsstrang, in dem man Klara Winter kennenlernt. Klara lebt schon seit vielen Jahren in einer psychiatrischen Privatklinik in Kladow und hat eine tiefe Abneigung gegen die Zahl 17…

„Schlüssel 17“ ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe rund um den LKA-Ermittler Tom Babylon und die Psychologin Sita Johanns, die als externe Gutacherin die polizeilichen Ermittler unterstützt.

Marc Raabe versteht es ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein hohes Level zu katapultieren. Der Thriller wird mitreißend erzählt und entwickelt dabei einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.

Der Kriminalfall ist knifflig und mit einigen Wendungen und Überraschungen gespickt.
Immer neue Fakten und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und haben mir genauso wie die zahlreichen im Handlungsverlauf auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln über Zusammenhänge und Hintergründe, mögliche Motive und die Identität des Täters gegeben.

Die Figuren werden interessant und vielschichtig präsentiert. Die beiden Hauptakteure haben Ecken und Kanten und lassen sich von niemandem an die Leine legen. Nicht nur Tom hat während der Ermittlungen mit Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen, auch Sita trägt Altlasten mit sich herum, die ihr immer noch zu schaffen machen. Die Begeisterung über die angeordnete Zusammenarbeit hält sich sowohl bei Tom wie auch bei Sita zunächst in Grenzen, doch die beiden raufen sich im Verlauf der Handlung zusammen und werden schließlich zu einem guten Team.

„Schlüssel 17“ hat mich durchweg begeistert – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Thriller, der mit einer fesselnden Handlung und ausdrucksstarken Figuren punkten kann und mir ein paar äußerst spannende Lesestunden beschert hat.

Bewertung vom 22.01.2018
Die Salzpiratin
Maly, Beate

Die Salzpiratin


sehr gut

In ihrem historischen Roman „Die Salzpiratin“ entführt Beate Maly den Leser in die 950er Jahre ins Salzkammergut und erzählt von den spannenden Erlebnissen einer jungen Frau, die plötzlich aus dem ihr bekannten Leben gerissen wird und sich in ihrer Not einer Gruppe Gesetzloser anschließt.

Die Autorin hat die wenigen historischen Fakten, die über die Salzpiraten vom Traunsee bekannt sind, mit einer spannenden fiktiven Geschichte verknüpft und lässt diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden.

Die 16-jährige Ursel lebt auf dem Gutshof ihres Vaters. Dieser bewirtschaftet nicht nur das große Anwesen auf der Halbinsel unterhalb des Traunsteins, er kassiert auch Zölle von vorbeischippernden Salzhändlern und hält als Gegenleistung die Salzpiraten in Schach.
Ursel selbst lässt sich nicht in eine vorbestimmte Rolle pressen und verbringt ihre Zeit im Gegensatz zu den anderen jungen Frauen in ihrem Umfeld am liebsten mit dem Bogenbau und der Jagd.
Am Abend der alljährlichen Sonnenwendfeier fällt das ganze Dorf einem Attentat des Grafen von Chiemgau zum Opfer – nur Ursel und ihr behinderter Bruder Nikolaus überleben das Massaker. Während Nikolaus in einem Kloster unterkommt, findet Ursel als Mann verkleidet Unterschlupf bei den Salzpiraten…

Beate Maly erzählt sehr unterhaltsam, jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd, so dass ich nicht nur ruckzuck mittendrin im Geschehen war und mir die Handlungsorte und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen konnte, ich konnte auch durchweg prima mit den Akteuren mitfiebern.

„Die Salzpiratin“ hat mir sehr gut gefallen. Die gut ausbalancierte Mischung aus Abenteuer, Historie und Romantik eingebettet in die malerische Landschaft des Salzkammergutes lässt sich angenehm flott lesen und hat mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert.

Bewertung vom 19.01.2018
Letzte Worte
Siebenthal, Rolf von

Letzte Worte


ausgezeichnet

Bern. Die Ständerätin Eva Bärtschi wird in ihrem Haus erschossen. Alex Vanzetti von der Bundeskriminalpolizei übernimmt die Ermittlungen und wird aufgrund eines Zwischenfalls mit einem Fotografen von seiner Chefin zur informellen Zusammenarbeit mit Zoe Zwygart - Journalistin bei den Berner Nachrichten und immer auf der Jagd nach einer Exklusivstory - verdonnert…

Rätsel gibt den Ermittlern Bärtschis Computer auf. Auf dem PC befinden sich Dateien, die mit einer speziellen Art von Verschlüsselung gesichert sind. Ohne das entsprechende Passwort kein Zugriff auf die Dokumente…

Auch in den Fall involviert ist Zoes Großmutter Lucy Eicher. Lucy hat die ermordete Ständerätin nicht nur sehr gut gekannt, sie hat sie wegen einer Jahrzehnte zurückliegenden Geschichte abgrundtief gehasst…

„Letzte Worte“ ist bereits der zweite Fall für Alex, Zoe und Lucy – für mich war dieser Einsatz in Bern der erste, bei dem ich dem sympathischen Trio über die Schultern geschaut habe. Auch ohne Kenntnis des vorhergehenden Bandes war ich schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit den Akteuren gut vertraut zu sein.

Rolf von Siebenthal versteht es mit seinem angenehm zu lesenden Schreibstil ganz ausgezeichnet, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Der Kriminalfall ist von Anfang an spannend und wird im Verlauf der Handlung immer dramatischer.

Der Autor erzählt die Geschichte nicht nur aus Sicht der Ermittler, sondern präsentiert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man einen guten Einblick in die Ansichten und Beweggründe der Akteure bekommt.
So lernt man auch Bernhard Kohler kennen. Im Gegensatz zur Polizei weiß der Leser von Anfang an, dass Kohler der Mörder ist. Schnell wird jedoch klar, dass es sich bei ihm nur um einen Handlanger handelt. Wer wirklich für die Taten verantwortlich ist und geschickt im Hintergrund die Fäden zieht, erfährt man erst am Ende des Krimis – ich hätte von der Identität des Drahtziehers überraschter nicht sein können.

„Letzte Worte“ hat mich durchweg begeistert. Die abwechslungsreiche, gut durchdachte Handlung bietet von der ersten bis zur letzten Seite spannende, kurzweilige Unterhaltung.

Bewertung vom 17.01.2018
Die Eishexe / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.10
Läckberg, Camilla

Die Eishexe / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.10


ausgezeichnet

Fjällbacka. Die 4-jährige Linnea Berg ist vom Hof ihrer Eltern verschwunden. Eine große Suchaktion in den umliegenden Wäldern wird gestartet, doch die Hoffnung, das Mädchen gesund und munter wiederzufinden, erfüllt sich nicht. Genau an der gleichen Stelle, an der vor 30 Jahren die kleine Stella Strand ermordet aufgefunden wurde, wird jetzt die tote Linnea entdeckt…

„Die Eishexe“ ist bereits der zehnte Fall für Hauptkommissar Patrik Hedström und seine Frau, der Schriftstellerin Erica Falck – der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

Camilla Läckberg katapultiert den Leser direkt hinein in die Handlung - sofort hat mich die Autorin mit ihrem mitreißenden Erzählstil wieder in ihren Bann gezogen und schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, wieder mit den Akteuren vertraut zu sein. Trotz häufiger Perspektivwechsel, unterschiedlicher Schauplätze und diverser Nebenhandlungen konnte ich dem Geschehen durchweg bestens folgen.

Ich lese gern verzweigte Geschichten und mag es, wenn die Ereignisse umfassend dargestellt werden. Camilla Läckberg wartet nicht nur mit einer Vielzahl an Personen und einer Fülle an Details auf, sie beherrscht es auch ausgezeichnet, aktuelles Geschehen, vergangene Begebenheiten, familiäre Angelegenheiten der Ermittler, den Alltag der Einwohner von Fjällbacka und Flüchtlingspolitik miteinander zu verknüpfen und dem Leser eine vielfältige und reichhaltige Geschichte zu präsentieren. Einzig der historische Part aus dem 17. Jahrhundert um die vermeintliche Hexe Elin Jonsdotter - für sich gesehen durchaus eine interessante Geschichte - hat wenig mit dem eigentlichen Fall und den Ermittlungen zu tun und will nicht so richtig zur Handlung des Krimis passen.

Der aktuelle Fall und der Fall von vor 30 Jahren haben mich gleichermaßen gefangen genommen und ich habe mich gefragt, ob der damalige Täter wieder zugeschlagen hat, ob es einen Nachahmer gibt oder ob die Übereinstimmungen in beiden Mordfällen nur Zufall sind. Die Ermittler rund um Patrik Hedström machen sich daran, Hintergründe aufzudecken und die Wahrheit zwischen aufkommenden Gerüchten und alten Geschichten zu finden. An den Ermittlungsarbeiten beteiligt ist auch Patriks Frau. Erica recherchiert schon länger in dem nie wirklich aufgeklärten Stella-Strand-Fall und die Ermittler erhoffen sich von ihrer Mitarbeit wertvolle Impulse für die gegenwärtige Spurensuche.

„Die Eishexe“ hat mir sehr gut gefallen – ein Krimi, der mit einem abwechslungsreichen Geschehen punkten kann und mir ein paar spannende Lesestunden beschert hat.

Bewertung vom 15.01.2018
Angstmörder
Stassen, Lorenz

Angstmörder


ausgezeichnet

Köln. Nicholas Meller, ein Strafverteidiger, dessen Kanzlei bisher mehr schlecht als recht läuft, bekommt seinen ersten Mordfall auf den Tisch: Wolfgang Rölscheid, ein früherer Mandant, soll seine Frau brutal ermordet haben und hätte Meller gern als Pflichtverteidiger an seiner Seite.

Neben Ich-Erzähler Meller schickt der Autor auch die Jurastudentin Nina Vonhoegen ins Rennen. Nina, gerade erst von Meller als Referendarin eingestellt, strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Sie ist gewitzt, wartet mit einer großen Portion Sachverstand auf und lässt sich bei den Ermittlungen von ihrer körperlichen Behinderung – ihr rechter Arm ist zurückgebildet – keineswegs ausbremsen.

Lorenz Stassen hat mich mit seinem Thrillerdebüt „Angstmörder“ von der ersten bis zur letzten Seite fest im Griff gehabt. Schnell war ich mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit den Akteuren gut vertraut zu sein.

Der Autor erzählt die Geschichte nicht nur aus Sicht der beiden Ermittler, sondern präsentiert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man einen guten Einblick in die Ansichten und Beweggründe der Akteure bekommt. In einem zweiten Handlungsstrang lernt man neben der leichtgläubigen Krankenschwester Christine Thalberg auch den Mörder und seine Vorgehensweise kennen. Der Angstmörder ist jemand, der jeden seiner Schritte bis ins Kleinste austüftelt. Er lässt seinen Opfern nicht die geringste Chance, sich aus seinen Fängen zu befreien. Er plant vorausschauend, hält sorgsam alle Fäden in der Hand und verwischt seine Spuren perfekt, denn nichts fürchtet er mehr, als erwischt zu werden.

Der Kriminalfall rund um diesen raffiniert und präzise agierenden Mörder ist von Anfang an spannend und wird im Verlauf der Handlung immer dramatischer. Zahlreiche auftauchende Fragen und unerwartete Wendungen haben mir dabei viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Täter, Motiv und Hintergründe gegeben.

„Angstmörder“ hat mir sehr gut gefallen - ein fesselnder Thriller, der durchweg kurzweilige, spannende Unterhaltung bietet.

Bewertung vom 11.01.2018
Abschied in Prag
Richman, Alyson

Abschied in Prag


ausgezeichnet

New York im Jahr 2000. Als Josef beim Probedinner vor der Hochzeit seines Enkelsohnes der Großmutter der Braut vorgestellt wird, glaubt er einen Geist zu sehen – vor ihm steht Lenka, die Frau, die er vor 60 Jahren in Prag geheiratet hat…

In „Abschied in Prag“ erzählt Alyson Richman die Geschichte zweier Liebenden, die durch die Wirren des beginnenden Zweiten Weltkriegs getrennt werden und einander über sechs Jahrzehnte hinweg für tot halten. Die Autorin lässt Lenka und Josef abwechselnd zu Wort kommen und von ihren jeweiligen Erlebnissen vor diesem überraschenden Wiedersehen auf der Hochzeit ihrer Enkelkinder berichten.

Lenka Maizel, die nach einer sehr glücklichen Kindheit in Prag Kunst studiert, verliebt sich in Josef Kohn, den Bruder ihrer Freundin und Mitstudentin Veruška. Da das Leben in der Tschechoslowakei Ende der 1930er Jahre aufgrund der politischen Lage für Juden immer schwieriger wird, beschließen die beiden, schnell zu heirateten, damit Josefs Eltern auch für die Maizels Ausreisevisa und Schiffspassage nach Amerika organisieren können. Als Lenka erfährt, dass es für ihre Eltern und ihre Schwester keine entsprechenden Papiere geben wird, entschließt sie sich, zunächst bei ihrer Familie in Prag zu bleiben und Josef nachzureisen, sobald es Visa für alle gibt. Doch es sollte alles anders kommen…

Lenka und ihre Familie landen in Theresienstadt. Alyson Richman erzählt äußerst anschaulich und eindringlich von Lenkas Erlebnissen in dem Konzentrationslager und beschreibt das Grauen, das unsägliche Leid, die Schikanen und Misshandlungen, die die Juden erdulden mussten, sehr ausführlich und realistisch. Es ist immer wieder erschütternd zu lesen, mit wie viel Kälte und Brutalität Menschen einander begegnen können.

Josef kommt nach einem mehrmonatigen Aufenthalt mit seiner Familie in England allein in New York an. Er beendet sein Medizinstudium und wird Geburtshelfer, er trifft Amalia, heiratet sie und gründet mit ihr eine Familie. Dennoch sind seine Gedanken immer bei Lenka. Er träumt von ihr. Da seine Briefe ungeöffnet zurückkamen, hat er nach Kriegsende versucht, Lenka über einen Suchdienst zu finden, musste jedoch erfahren, dass ihr Name auf einer Liste aus Auschwitz steht…

Alyson Richman besitzt die beeindruckende Fähigkeit, die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten mitreißend darstellen und auf den Leser zu übertragen. Ich habe mit den Akteuren gelebt und gelitten, gebangt und gehofft. Habe Kummer und Furcht genauso mit ihnen geteilt, wie die kleinen Glücksmomente. „Abschied in Prag“ lässt mich ergriffen zurück – eine tiefgründige, berührende Geschichte, die nach dem Lesen noch lange nachklingt.

Bewertung vom 09.01.2018
Karolinas Töchter
Balson, Ronald H.

Karolinas Töchter


ausgezeichnet

Chicago 2013. Die 89-jährige Lena Woodward bittet den Privatdetektiv Liam Taggart und die Anwältin Catherine Lockhart ihr bei der Suche nach den während des Zweiten Weltkriegs in Polen verschollenen Zwillingstöchtern ihrer längst verstorbenen Freundin Karolina zu helfen. Liam und Catherine nehmen den Auftrag an und lassen sich Lenas Geschichte erzählen…

Die 1924 geborene Lena wächst als Tochter des wohlhabenden jüdischen Kaufmanns Jacob Scheinmann im polnischen Chrzanów auf. Das Leben des fröhlichen, aufgeweckten Mädchens ändert sich jäh, als ihre Heimatstadt am 4. September 1939 von deutschen Truppen besetzt wird. Lena und ihre Familie versuchen, sich der neuen Situation so gut es geht anzupassen, doch nur anderthalb Jahre später bricht Lenas bisherige Welt völlig zusammen: ihre Familie wird abgeholt und umgesiedelt, während sie selbst sich auf Geheiß ihres Vaters auf dem Dachboden ihres Hauses versteckt hält…

Ronald H. Balson erzählt diesen auf wahren Begebenheiten beruhenden Roman sehr eindringlich. Seine Beschreibungen und Schilderungen sind detailreich und präzise, sie sind mitreißend und haben mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.

Es gelingt dem Autor ganz hervorragend, die Lage in dem vom Krieg zerrütteten Polen darzustellen und die vorherrschende Stimmung in Chrzanów sowie in den Lagern der Konzentrationslager Groß-Rosen und Auschwitz-Birkenau wiederzugeben. Besonders die Skrupellosigkeit der Besatzer und die unwürdigen Bedingungen, denen die polnische Bevölkerung damals ausgesetzt war, werden intensiv geschildert, so dass man als Leser eine recht genaue Vorstellung davon bekommt, was die Menschen alles durchmachen mussten.

Ronald H. Balson zeichnet das Bild einer mutigen jungen Frau, die als Näherin in einer Kleiderfabrik arbeitet und sich gemeinsam mit ihrer Freundin Karolina durch die Kriegsjahre kämpft. Es geht für die beiden einfach nur darum, die Schrecken und das Leid zu überleben. Auch als Karolina schwanger wird, halten sie zusammen und kümmern sich nach der Geburt gemeinsam um die Zwillinge Rachel und Leah. Als das jüdische Ghetto in Chrzanów aufgelöst wird und ihre Deportation erfolgt, lassen Lena und Karolina die Kinder zurück, um deren minimale Überlebenschance zu wahren.

Neben dem historischen Geschehen hat auch die aktuelle Handlung in Chicago einiges an Spannung zu bieten. Nicht nur, dass Lenas Sohn Arthur absolut gegen die Suche nach den Zwillingen ist und nicht davor zurückschreckt, einen Prozess gegen seine Mutter anzustrengen, um sie entmündigen zu lassen, auch über die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte sowie über die Frage, warum Lena so viele Jahre mit ihrer Suche nach den Kindern gewartet hat, wird diskutiert.

„Karolinas Töchter“ lässt mich tief beeindruckt zurück. Diese mitreißend erzählte Mischung aus Historie und Fiktion hat mich durchweg fest im Griff gehabt und mir nicht nur Einblicke in ein dunkles Kapitel europäischer Geschichte gewährt, sondern mich zudem intensiv an dem Schicksal der Akteure teilhaben lassen. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 05.01.2018
Dezembermord
Frech, Jochen

Dezembermord


ausgezeichnet

Göppingen. Im Stauferbrunnen wird die Leiche eines Mannes entdeckt. Kleidung und erste Befragungen lassen vermuten, dass der Mann, bei dem es sich laut seinem Pass um den 58-jährigen Henry Foret handelt, dem Obdachlosenmilieu angehört, doch es gibt auch Hinweise, die dieser Annahme widersprechen. Die Ermittlungen der Kripo kommen mangels Spuren nicht richtig in Gang, alle Überlegungen verlaufen im Sande und die Frage wird laut, ob es sich womöglich gar nicht um Mord, sondern um einen tragischen Unglücksfall handelt…

Ein weiterer Toter wird aufgefunden, der erkennbar einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Da dieser Mord, abgesehen von der Tatsache, dass der Mann auch durch Ertrinken ums Leben gekommen ist, auf dem ersten Blick keine Verbindungen zum Fall Foret aufweist, gehen die Ermittler davon aus, dass die beiden Fälle nicht zusammenhängen…

„Dezembermord“ ist bereits der zweite Fall für den ehemaligen SEK Ermittler Moritz Kepplinger und die Polizeiobermeisterin Lea Thomann, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis des vorherigen Bandes bestens verständlich.

Jochen Frech versteht es ausgezeichnet, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Spannung wird schnell aufgebaut und bleibt durchgehend auf einem hohen Level. Zahlreiche im Handlungsverlauf auftauchende Fragen haben mir viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Täter, Motive, Zusammenhänge und Hintergründe gegeben.

Die Krimihandlung ist vielschichtig und realitätsnah. Eine Vielzahl an Personen, häufige Perspektivwechsel, unterschiedliche Schauplätze und diverse Nebenhandlungen verlangen konzentriertes Lesen, um nicht den Faden zu verlieren. Auch wenn es nicht immer ganz leicht ist, den Überblick zu behalten, haben mir das abwechslungsreiche Geschehen und der komplexe Handlungsaufbau besonders gut gefallen. Jochen Frech wartet mit einer Fülle von Details auf. Der Autor schildert nicht nur die Ermittlungsarbeit in den aktuellen Fällen sehr ausführlich - man ist als Leser bei allen Ermittlungsschritten dabei, hat Anteil an den Ideen, Überlegungen und Bedenken der Kommissare und bekommt sowohl die Erfolge wie auch die Fehlschläge präsentiert - auch den Polizeialltag und die privaten Angelegenheiten der Ermittler erlebt man intensiv mit.

„Dezembermord“ hat mich durchweg gefesselt. Ein spannender Krimi, der den Leser umfassend an den Höhen und Tiefen des Ermittleralltags teilhaben lässt.