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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Gurke
Wohnort: Berlin
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Danksagungen: 72 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 148 Bewertungen
Bewertung vom 11.11.2020
Rache, auf ewig / Grall und Wyler Bd.3
Schütz, Lars

Rache, auf ewig / Grall und Wyler Bd.3


sehr gut

Ein Mann erwacht fast splitternackt auf einer Pritsche in einem Gewächshaus. Ein Mädchen besucht ihn und erklärt, dass unter ihm Bambuspflanzen unerbittlich in die Höhe wachsen und ihn gnadenlos durchbohren werden. Kurz darauf ist der Mann tot. Er gehört zu den Bestverdienern in Deutschland und steht bei einer Gruppe Umweltaktivisten ganz oben auf der „Dislike-Liste“ und es sieht so aus, als ob das Morden getreu der Liste weitergeht. Eigentlich ganz einfach oder doch nicht?

Die Morde des „Erlösers“ sind sehr ausgefeilt und punkten mit großer Finesse. Trotz ihrer Brutalität hatten die widerlichen Praktiken dennoch auf ekelhafte Weise Hand und Fuß und zielten nicht nur auf sinnloses Blutvergießen ab. Ich konnte mir regelrecht den Trailer zu der Buchverfilmung bei RTL oder anderen TV-Sendern vorstellen – am Sonntag zur besten Sendezeit.
Allerdings lockte der Täter seine Opfer insgesamt drei Mal für meinen Geschmack schlichtweg zu einfach in seine Fänge, da wir es hier beispielsweise auch mit erfahrenen Ermittlern zu tun haben, welche die Falle erahnen sollten. Ein kleiner Wehrmutstropfen und natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Einen Punkt muss ich abziehen, weil ich aus unverständlichen Gründen statt mit den Protagonisten tatsächlich am ehesten mit dem Täter sympathisiert habe. Bei einem Serienmörder mit diesem Gewaltpotenzial fast unmöglich zu begreifen, aber die Naturliebe hinter seiner kranken Psyche haben mich dann doch eher gefesselt, als Rabea mit ihren plötzlichen Wutausbrüchen oder der grüblerische Jan, der insgesamt zu blass blieb. Ein Ableben von einem der Duo-Partner hätte ich nicht weiter dramatisch gefunden und bei einer Thriller-Reihe gilt es ja eben genau dort den Leser zu fesseln. Den Autor und seine weiteren Veröffentlichungen werde ich trotzdem sehr gerne weiter im Auge behalten.

Bewertung vom 31.10.2020
Verlorenes Vernègues / Capitaine Roger Blanc Bd.7
Rademacher, Cay

Verlorenes Vernègues / Capitaine Roger Blanc Bd.7


ausgezeichnet

Capitaine Roger Blanc wird im kalten Winter zu einem morgendlichen Tatort gerufen. Es handelt sich dabei um eine Weide und die Opfer sind Schafe. Der Täter - ein Wolf - ist flüchtig und die Gendamerie denkt sie sei im falschen Film. Bis sich die Lage zuspitzt..

"Verlorenes Vernègues" ist der siebte Band der Krimi-Reihe von Cay Rademacher rund um Roger Blanc und sein Team. Obwohl ich mit diesem Band eingestiegen bin, habe ich mich sofort heimelig gefühlt und die Vorgänger ruckzuck auf meine Wunschliste gesetzt.

Der Schreibstil strahlt trotz der Brisanz der Lage in Vernègues eine gewisse Ruhe aus.
Ich vermute, dass dies einerseits an der ruhigen Art des Protagonisten und andererseits an der friedlichen Landschaft und deren malerischen Beschreibung lag. Dieses Zusammenspiel löste vermutlich den ungewöhnlichen Effekt in mir aus. Ich war selten beim Lesen eines Krimis gleichzeitig so tiefenentspannt und doch so gefesselt.

Viele Tote haben wir im Grunde auch nicht zu verzeichen, dafür ein Dutzend gerissene Schafe und reichlich schräge Charaktere, die mir allesamt ans Herz gewachsen sind.

"Ich finde Wölfe sexy" erwiderte Fabienne.
"Sie züchten auch keine Schafe, Mademoiselle" (S.60)

Dialoge und Sätze wie jene bleiben mir mit einem Schmunzeln im Gedächtnis.
Der Autor hat eine grandiose Mischung aus den Prophezeiungen von Nostradamus, leuchtenden Ufos, mysteriösen Wölfen und gefährlichen Erdbeben geschaffen, die mich beim Lesen einer Rezension wohl niemals zum Kauf ermutigt hätte und deshalb bin ich froh, dass ich völlig unvoreingenommen in dieses kleine Wunderwerk eintauchen durfte.

Nach der Lektüre habe ich die Provence auf meine Urlaubsliste ganz nach oben geschrieben, um mir die eindrucksvollen Ruinen einmal selbst ansehen zu können - hoffentlich ohne wölfische Zwischenfälle.

Bewertung vom 04.06.2020
Ein halbes Herz
Lundberg, Sofia

Ein halbes Herz


sehr gut

Elin ist eine gefeierte Starfotografin im hippen New York City und hat alles erreicht – hübsche Ehefrau, elegante Mutter, keinerlei Geldsorgen und doch schrecklich unglücklich. Im Grunde ist sie nämlich noch immer die naturverbundene Schwedin, die mit Fredrik, ihrem besten Freund, barfuß zum Strand läuft, um dort beim träumerischen Gucken in den Sternenhimmel die Kindersorgen zu vergessen. Doch ein schreckliches Drama entzweite ihre Familien vor rund 35 Jahren bis ins Mark und ließ Elin fast ans andere Ende der Welt fliehen. Die Zeit heilt alle Wunden sagt man, doch wie viel Zeit ist genug für den Verlust von geliebten Menschen?

Die Autorin hat sich für die Erzählform auf zwei Zeitebenen entschieden, wobei sich das Gotland der frühen 80er Jahre und das New York der Jetztzeit abwechseln und später noch durch Passagen aus dem Paris der 90er ergänzt werden. Die Protagonistin ist in allen Ebenen sehr omnipräsent mit ihrer schweren Melancholie, die jeweils an die verschiedenen Lebensphasen einer Heranwachsenden bis zum 40Plus Alter angepasst sind. Trotzallem gelingt es für mein Empfinden auch den Nebencharakteren wie Gerd und Alice unaufdringlich zu glänzen.
Elins Trübsinn ist in der Masse manchmal nicht ganz einfach zu tragen, weil es (als Leser so einfach gesagt) so leicht zu überwinden wäre. Sympathie wird deshalb aber nur schwer zu der Starfotografin aufgebaut. Hin und wieder streut Sofia Lundberg aber sehr malerische Dialoge in den Plot, wie zum Beispiel die Erklärung für den Titel „Ein halbes Herz“, den ich mir auf Grund seiner puren Kraft glatt herausgeschrieben habe und hoffentlich den ein oder anderen jetzt neugierig macht.

Mein persönlicher Wermutstropfen liegt in der doch recht langen Zeitspanne, das sich zwischen dem Drama der Vergangenheit und dem Treffen in der Gegenwart befindet. Ich kann nachvollziehen, dass es für beide Seiten eine große Überwindung gekostet haben muss, einen ersten Schritt zu wagen. Mit Hilfe des Internets gelingt es doch heutzutage kinderleicht verschollene Verwandte, Schulfreunde und Co. zu finden und auch über den Ozean hinweg (sogar fast anonym) zu kontaktieren. Von Fredrik – na eigentlich sogar von allen Beteiligten - hätte ich da definitiv eine frühere Reaktion erwartet, zumal ein Teil der Handlung im Jahr 2017 spielt. Hier wäre es logischer gewesen, wenn die Autorin diesen Handlungsstrang in eine weniger vom Internet beherrschte Zeit verfrachtet hätte – 50 Jahre zurück beispielsweise. Insgesamt war es aber trotzdem ein schöner Roman, der die Freundschaft und die Landschaft Schwedens gebührend feiert.

Bewertung vom 25.04.2020
Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich, Von einer Begegnung, die alles veränderte
Randau, Tessa

Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich, Von einer Begegnung, die alles veränderte


sehr gut

Warum sind wir mit unserem Alltag manchmal unzufrieden, obwohl doch eigentlich alles perfekt zu sein scheint – von außen betrachtet zumindestens? Die Antwort zu diesem Dilemma sind die „Vier Fragen des Lebens“, welchen die Erzählende gemeinsam mit einer Spaziergängerin im Wald auf den Grund geht.

Nach der Hälfte der Lektüre war ich leider etwas enttäuscht, weil für meinen Geschmack die beiden ersten Fragen des Lebens viel zu kurz abgehandelt wurden. Es wirkte an manchen Stellen tatsächlich für mich so, als ob Seiten fehlen würden. Ich hätte mir da eindeutig mehr Tiefgang gewünscht, da wir durch das Leben der Protagonistin im Einfluss der Kernfragen wie im Schnelldurchgang gezogen werden, um schnell einen Haken dahinter zu setzen. Bei der dritten Frage ändert sich dieser Eindruck dann glücklicherweise wieder und die Autorin schmückte die Handlung gut aus! Aus diesem Grund ziehe ich bei der Bewertung einen Punkt ab.
Besonders schön finde ich dagegen, dass sich bei mir beim Lesen das Bild gebildet hat, dass die Protagonistin eigentlich nur ihrer inneren Stimme folgt und die alte Dame gar nicht existiert. Ich weiß nicht, ob das so gewollt war, aber den Eindruck finde ich noch immer faszinierend.

Die Gestaltung des kleinen Büchleins ist wunderbar! Mit kleinen, unaufdringlichen Skizzen und bunten Blättern, die durch die Seiten schweben, hat der dtv Verlag genau die richtige Dosierung gewählt, um das Geschriebene bestmöglich zu unterstützen.

Tessa Randaus Erstlingswerk wird einen besonderen Platz bei mir im Bücherregal einnehmen. Wenn ich eine kleine Blockade habe und einen positiven Denkanstoß benötige, werde ich mich mit der alten Dame in meinen Garten zurückziehen und neue Kraft tanken.

Bewertung vom 29.02.2020
Ein Sommer auf Sylt
Wolf, Lena

Ein Sommer auf Sylt


ausgezeichnet

Julia Hirschfeldt hat den Kontakt zu ihrem Vater Ralf wegen unüberbrückbarer Differenzen vor einigen Jahren abgebrochen. Nun ist ihr Vater tot und Julia die Erbin eines wunderschönen Friesenhauses auf Sylt. Sie und ihr Freund Jo sehen anhand dieser unverhofften Schenkung sofort die Eurozeichen in den Augen aufblitzen und planen mit dem Erlös eine Expansion ihrers kleinen Architekturbüros in den Nahen Osten. Um die Fomalitäten zu klären, reist Julia mit ihren beiden Tanten Annegret und Christiane und ihrer Mutter an die Nordsee und plötzlich fängt der glasklare Plan an zu bröckeln.

Die Autorin hat mit ihrem Handlungsgerüst zwar nicht das Rad neu erfunden, nichtsdestotrotz wollte ich den Roman vor lauter Lesevergnügen gar nicht weglegen.

Mit der Protagonistin konnte ich mich prima identifizieren und ihre beiden Tantchen brachten mich regelmäßig mit ihrer tüdeligen Art zum Schmunzeln.
Sie erzählen von den Höhen und Tiefen im täglichen Wahnsinn zwischen liebevollen Familienbanden und einem Lagerkoller, der sich bei so viel gebündelter Frauenpower breit macht – ohne dabei albern oder überspitzt zu wirken.
Ich wurde bei der Lektüre sogar ein wenig rührselig und sehnte mich danach, selbst mal wieder an das Meer zu fahren und den eigen Gedanken nachzufühlen sowie die frische Seeluft zu schnuppern.
Julia gelingt es jedenfalls sich nach Startschwierigkeiten der Entschleunigung auf Sylt hinzugeben und die Autorin garniert ihre Gefühlsreise mit einem gelungenen Schreibstil, der teilweise mit sehr malerischen Verben garniert wurde (z.B. unken), die dem verträumten Frauenroman das i-Tüpfelchen aufsetzen.
Über Mats, den schnieken Hotelbesitzer, gäbe es noch einiges zu berichten, aber davon sollten sich interessierten Damen lieber selbst ein Bild machen. Nur so viel: es darf geschmachtet werden bei so viel charmanter Männlichkeit.
Abschließend lernt man nach den knapp 380 Seiten wieder den Blick für das Wesentliche zu richten und dass man sich nicht scheuen sollte, auch mal im gesunden Maße egoistisch zu sein.

Bewertung vom 05.12.2019
#KillTheRich - Wer Neid sät, wird Hass ernten
Fassnacht, Lucas

#KillTheRich - Wer Neid sät, wird Hass ernten


gut

Die Welt steht am Abgrund! Ein Instagram Post mit dem epischen Aufruf #killtherich sorgt dafür, dass in jedem Winkel der Erdbevölkerung der Hass auf die Besserverdiener und das soziale Ungleichgewicht steigt. Der Neid entlädt sich in sagenhaften Straßenschlachten und Bürgerkriegen.
In Brasilien startet das emotionale Feuer und zieht sich stetig weiter bis hin nach Europa.
Die Diplomatin Conrada van Pauli versucht mit aller Kraft den Untergang der Demokratie aufzuhalten, doch leider stolpert sie ununterbrochen über die harten Brocken von Korruption und Machtgefügen! Schafft sie es die Welt zu vereinen und wieder lebenswert zu machen?

Ich habe mich streckenweise doch sehr durch den Plot gekämpft, weil Politthriller so gar nicht in mein Beuteschema passen. Hinzukommt, dass ich auf dem politischen Parkett einen eher schlechten Durchblick habe und ich von den zahlreichen Abkürzungen á la EAD, COREU, UNASUR und Co. nicht mal nach der Lektüre weiß, worum es schlussendlich geht.
Der Autor bietet ein wahres Potpourri an hohen Vertretern, Gesandten, Diplomaten etc. die meine Fragezeichen in Bezug auf Verstrickungen und Verbindungen nur noch mehr ausreizten, da war dann auch die Übersicht im hinteren Teil des Buches keine Hilfe mehr.

Kapitelweise wird der Blickwinkel geändert und von einem Ort der Erde zum nächten Hotspot gesprungen. Diese Dynamik wirkte gegenüber der verstaubten Ansehen von wirtschaftlichen Rednern und langatmigen Diskussionsbeiträgen sehr erfrischend. Genossen habe ich besonders die Kapitel, in denen es mal um die Töchter von Conrada oder anderen Charakteren ging, die nicht bei der EU oder der UN im direkten Arbeitsverhältnis stehen. Lucas Fassnacht hat nämlich einen runden Schreibstil, der auch manchmal witzige Paraden einstreut.

Für eine faire Bewertung war ich schlichtweg zu weit weg vom Thema und wegen meines eigenen Desinteresses an der Thematik zu gelangweilt. Ich vergebe daher ein gutes Mittelmaß an drei Punkten und denke, dass es für Lesefreunde mit mehr politischen Background schon spannend und interessant sein kann.

Bewertung vom 21.07.2019
Fünf Tage in Paris
Rosnay, Tatiana de

Fünf Tage in Paris


gut

Linden Malegarde erzählt uns in „Fünf Tage in Paris“ die Geschichte seiner berühmten Familie, die sich anlässlich eines runden Geburtstages in der franzözischen Hauptstadt einfindet, um zu feiern. Leider macht ihnen die Natur da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, denn in Paris erwartet sie ein Jahrhundertregen par excellence, der die Seine über die Ufer treten lässt und Paris langsam in Wasser und Schlamm versinken lässt. Anfangs lassen sich die Malegards davon nicht die Freude verderben, doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf und die Familie gerät in einen Strudel aus Dramatik, Krankheit und Trübsinnigkeit.

Lindens Vater Paul ist ein anerkannter Dendrologe, der sein Leben den Bäumen gewidmet hat und auf dem Familiensitz in Südfrankreich ein kleines Paradies rund um den großen Lindenhain erschaffen hat. Als Vater war er dagegen eher eine Niete, wodurch Linden auch nie den Mut fand ihm von seiner Homosexualität zu erzählen. Die Erzählungen rund um die Kindheit in dem beschaulichen Familiensitz waren sehr interessant zu lesen und für meinen Geschmack der optimale Ort für die kleine Familiengeschichte. Leider hat sich die Autorin dann lieber für das hektische Paris entschieden, was durch das schreckliche Unwetter noch unpersönlicher wurde und mich nicht fesseln konnte. Ich wartete sehnsüchtig darauf, dass sich der Handlungsort endlich verlagerte, was leider erst auf den letzten 50 Seiten der Fall war.

Insgesamt wurde viel zu viel Input in das kleine Büchlein gequetscht, denn jede kleine Nebenfigur erwacht durch Tatiana de Rosnay zu einer großen problembeladenen Figur. Im Zusammenspiel mit dem ziemlich getragenden Schreibstil, der streckenweise zäh anmutete und durch den trübsinnigen Grundton zusätzlich schwächelt , war es kein Roman, der mir Freude bereitet.
Die Bäume waren für mich der heimliche Star der Geschichte und reichen vollkommen aus für eine gelungende Story, deshalb vergebe ich nur drei Sterne.

Bewertung vom 14.03.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1


gut

Das winterliche Leipzig steht Kopf! Ein Anwalt liegt brutal ermordet in seinem Auto. Ein neuer Pädophilenring treibt sein Unwesen. Junge Mädchen verschwinden spurlos und die Russenmafia der sächsischen Großstadt hält sich bedeckt. Das Ermittlerduo Seiler und Novic muss schnell Ergebnisse liefern, denn die Zeit rennt.

Der Autor hat einen einnehmenden Schreibstil, der die Leser durch die Einführung der neuen Charaktere in den Bann zieht. Für meinen Geschmack wurden sowohl Milo Novic als auch Hanna Seiler aber im weiteren Verlauf des Krimis etwas stiefmütterlich behandelt. Es wurden die Eigenheiten der beiden angeschnitten, aber nicht genug im Zusammenhang mit ihrem bisherigen Leben ausgeführt, sodass ihre „Macken“ eher störend, als sympathisch wirkten und sich nicht optimal in den Plot einfügten.
In der Kombination mit der linkischen Russenmafia konnte der Autor mich leider nicht so packen, wie gehofft. Die Thematik ist für mich schlichtweg zu abstrakt und erinnert an politische Irrungen und Wirrungen, um die ich bei Belletristik sowieso einen Bogen machen.
Da ich ein Fan von Psychothrillern bin, waren mir die beschriebenen Erlebnisse der beteiligten Mädchen auch eindeutig zu lasch und geben Raum zur Steigerung. Wahrscheinlich ist man als tatkräfigte Leseratte einfach etwas abgestumpft und braucht den Wahnsinn der Täter direkter statt nur wage angetippt.
Ansonsten ist „Eisige Tage“ eine nette Lektüre für zwischendurch, die sich schnell wegliest, aber mir nicht als Highlight im Gedächtnis bleibt.

Bewertung vom 17.11.2018
Der Schatten
Raabe, Melanie

Der Schatten


sehr gut

CUT! Raus aus Berlin und einen Neuanfang in Wien wagen!

Norah ist guter Dinge, als sie ihre Habseligkeiten packt und nach einigen persönlichen Tragödien endlich ein neues Kapitel beginnen möchte. Mit einer Mischung aus Einsamkeit, Stolz und Neugierde stromert Norah durch die Straßen ihrer neuen Heimat und wird prompt von einer Bettlerin mit wahrsagerischen Fähigkeiten auf ihr Schicksal angesprochen – sie wird zur Mörderin; freiwillig und ziemlich bald!

Geschickt konstruiert die Autorin um die Protagonistin ein dichtes Netz, wobei sich das weiße Blatt Papier, das Norah sprichwörtlich mit nach Österreich brachte, rasent schnell mit allerlei Input für uns Leser füllt.
Für meinen Geschmack prischt die Autorin aber in Bezug auf den Kern ihres Thrillers leicht über das Ziel hinaus. Melanie Raabe weist eine gewisseTheaterleidenschaft auf, die der Plot nicht leugnen kann und genau dort liegt für mich die kleine Schwäche in ihrer Geschichte, die auch den Punktabzug in der Gesamtbewertung erklärt. Wie Shakespeare damals sagte, ist wahrscheinlich wirklich die ganze Welt schlichtweg eine Bühne und bei „Der Schatten“ wäre für mein Empfinden etwas mehr Realität und weniger künstlerischer „Irrsinn“ (Herr Balder) hilfreich gewesen.
Zusätzlich ist Norah für meinen Geschmack etwas zu bissig, da sie mich in manchen Episoden fast an eine rigorose Kriminalkommissarin erinnerte und nicht an eine pfiffige Journalistin. Frauenpower wird hier großgeschrieben, doch auch Thrillerprotagonistin dürfen ihre weiche Seite haben.

Der Schreibstil ist dagegen ein Genuss und sicherlich werde ich mir nach dieser angenehmen Lektüre auch noch die anderen Werke der Autorin kaufen.

Bewertung vom 22.05.2018
Für immer ist die längste Zeit
Fabiaschi, Abby

Für immer ist die längste Zeit


gut

Maddy ist Mutter von Eve – sportlich, hübsch, beliebt - und Ehefrau von Brady - ein Workaholic par exellence. Sie leben in einem schönen Haus und sind von außen betrachtet die perfekte Familie - bis Maddy in den Selbstmord stürzt und damit die heile Welt zerbricht. Aber sie ist nicht fort, sondern wie ein geisterhafter Engel in himmlischer Mission für ihre Lieben unterwegs.

Die Idee des Romans gefällt mir sehr, dass unsere verstorbenen Familienangehörigen wie heimliche Lebensbegleiter aus einer Zwischenwelt zu uns herabschauen und mitmischen, aber die Umsetzung hat mich nicht komplett überzeugt.

Eve wirkt auf mich mit ihren 17 Jahren leider nicht glaubwürdig und taugt als Sympathieträgerin leider nur mangelhaft. Natürlich ist es für die junge Frau eine unfassbar schwierige Situation, aber insgesamt wirkt sie viel zu bockig und verzickt. Ihre Wandlung vollzieht sich sehr langsam und schwenkt dann beinahe mit einem Ruck um. Wobei mich die gesamte Geschichte sowieso sehr an einen Jugendroman erinnert und da bin ich leider kein Fan von. Ich hätte dagegen gerne mehr von Paige, Maddys bester Freundin, oder Rory, der taffen Nachhilfelehrerin, gelesen, welche starke Charaktere waren, die mir im Gedächtnis bleiben. Desweiteren hätte ich gerne mehr im Tagebuch der Protagonistin gestöbert. Der Roman wird nämlich aus drei Erzählperspektiven wiedergegeben und die Einschübe aus den Gedanken der Verstorbenen bringen ein paar Schmunzler oder regen zum Nachdenken an, wohingegen Bradys oder Eves Kapital teilweise langatmig sind.

Den Erzählstil würde ich als solides Mittelmaß bezeichnen, ohne nennenswerte Höhe- oder Tiefpunkte, was für ein Debüt aber vollkommen in Ordnung war.

Ich schwankte in meiner Bewertung zwischen zwei und drei Sternen und habe mich für die höhere Wertung entschieden, weil ich das Buch kurz vor dem Muttertag gelesen habe und es für diesen Anlass optimal ist, um auf unkoventionelle Art und Weise „Danke“ zu sagen. Mamas sind die Besten und genau das ist die gelungene Kernaussage von der Autorin, sodass man „Für immer ist die längste Zeit“ auch gerne an Heranwachsende in der schwierigen Pubertät als kleinen Wink mit dem Zaunpfal verschenken kann. Denn nach der Lektüre weiß man die kleinen Dinge wieder etwas mehr zu schätzen.