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Benutzername: Yve
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Bewertungen

Insgesamt 21 Bewertungen
Bewertung vom 06.09.2019
Guglhupfgeschwader / Franz Eberhofer Bd.10 (6 Audio-CDs)
Falk, Rita

Guglhupfgeschwader / Franz Eberhofer Bd.10 (6 Audio-CDs)


gut

Der Eberhofer-Franz feiert 10-jähriges Dienstjubiläum. Und dann wird auch noch- ganz zum Unmut des Herrn Oberbürgermeisters - in Niederkaltenkirchen beschlossen, dass der neue Kreisel „Eberhofer-Kreisel“ heißen wird. Schön könnte er nun feiern, der Franz und seine Susi, doch da erscheint der Oskar, auch Lotto-Otto genannt, beim Franz, denn dieser wird erheblich bedroht und erbittet nun seine Hilfe. Aus und vorbei ist’s mit der Ruhe – im wahrsten Sinne des Wortes, denn bald darauf fliegt der Lotto-Laden vom Oskar in die Luft und die Ermittlungen beginnen.

Meine Meinung: Bisher kannte ich nur die Buch-Reihe von Rita Falk, hier auch nur die ersten drei Bände, die ich auch anfangs noch wirklich gut fand. Danach habe ich schnell die Lust verloren und eine Pause eingelegt. Das Hörbuch hat mich jedoch interessiert, vor allem der Sprecher Christian Tramitz weiß, wie man wieder Lust auf den Eberhofer-Franz bekommt, stilvoll und witzig mit bayrischem Akzent haucht er dem Eberhofer Franz wirklich Leben ein. Habe das Hörbuch gemeinsam mit meinem Freund gehört, der bisher keine der Eberhofer-Krimis kannte. Insofern hat mich auch seine Meinung interessiert, die ich hier mit einfließen lasse. Das Beste an dem Hörbuch bleibt daher Christian Tramitz ganz klar, man hätte keinen besseren Synchronsprecher finden können und bei dem ein oder anderen Witz mussten wir wirklich schmunzeln, weil wir uns gewisse Szenen sehr gut bildlich darstellen konnten. Doch nach über 8 Stunden wurde es dann schon irgendwann anstrengend: So wirklich kommt keine Krimi-Laune auf. Klar überlegt man an der ein oder anderen Stelle, wer hinter dem Verbrechen stecken könnte, doch ist mir aufgefallen, dass dieses Mal auch viel das Privatleben vom Franz in den Vordergrund gerückt wird. Auch die Zankereien mit seinem Kumpel Rudi, die anfangs noch witzig sind, werden zum Ende hin eher nervig. Klar ist, das Buch hätte ich mit Sicherheit nicht bis zum Ende durchgehalten, ich hätte es wohl irgendwann genervt zur Seite gelegt. Das Hörbuch ist gerade während einer langen Autofahrt eine nette Unterhaltung. Dennoch habe ich gemerkt, dass ich mit der Eberhofer-Reihe doch abgeschlossen habe. Irgendwann ist die Luft raus und man fiebert dem Ende entgegen. Kürzer ist manchmal besser!

Fazit: Das Hörbuch ist dankt Christian Tramitz klasse, er weiß, wie man die Geschichte vom Eberhofer Franz amüsant erzählt – reinhören lohnt sich - daher noch die drei Punkte - als Buch wäre es für mich definitiv zu langweilig, weil der Kriminalfall einfach dahindümpelt….

Bewertung vom 03.09.2019
Manchmal kommt Glück in Gummistiefeln
Parr, Maria

Manchmal kommt Glück in Gummistiefeln


ausgezeichnet

Nachdem ich schon „Waffelherzen an der Angel“ als auch „Sommersprossen auf den Knien“ von Maria Parr gelesen habe – war ich schon sehr auf ihr drittes Buch „Manchmal kommt das Glück in Gummistiefeln“ gespannt. Allein die Buchtitel finde ich schon absolut witzig und gelungen.
Das Buch ist eine Fortsetzung von „Waffelherzen an der Angel“, welches man aber zuvor nicht gelesen habe muss. Die Protagonisten in diesem Buch sind wieder Trille und Lena. Beide leben auf der idyllischen norwegischen Insel Knert-Mathilde, sind seit jeher gute Freunde und haben immer tolle Einfälle und unternehmen spannende Abenteuer, zum Beispiel eine Bootstour auf der „Troll“ mit Trilles Opa, bei der sie nebenbei noch eine Flaschenpost nach Griechenland schicken. Doch diese wird wieder an Land gespült – und von Brigitte gefunden, die Neue auf der Insel. Trille ist von ihren blonden Locken und ihrer sympathischen Art sofort angetan. Und ohne es zu merken, verguckt er sich in die süße Holländerin. Nun steckt Trille auch noch mitten in der Pubertät und so kommt es, dass er plötzlich seine Prioritäten ungewollt anders setzt….
Meine Meinung: Das Buch ist dieses Mal, anders als bei beiden Vorgänger, beim Dressler Verlag erschienen. Die Aufmachung gefällt mir sehr gut, die Illustrationen von Barbara Korthues hübschen das Buch immens auf; bereits beim Durchblättern verliebt man sich in dieses Buch. Auch die Geschichten rund um Trille und Lena lassen keine Langeweile aufkommen. Insgesamt gibt es 4 Teile / Kapitel und so begleiten wir die beiden ein Jahr lang auf ihrer idyllischen Insel – erleben mit ihnen einen Orkan um die Weihnachtszeit herum, eine wilde Floßfahrt aber auch Ungerechtigkeiten beim Fußball. Viel wesentlicher ist jedoch die Gefühlswelt der beiden: So interessiert sich Trille nicht nur für die hübsche Brigitte, sondern auch vielmehr auch die Vergangenheit seiner bereits verstorben Großmutter, die auf einer Nachbarinsel mit einem Leuchtturm aufgewachsen ist. Das Buch hat mich einfach begeistert, weil man einfach mitfühlt und sich genau in die Situation von Trille – aber auch Lena - versetzen kann, die wiederum merkt, dass sie nicht mehr die erste Geige in Trilles Leben spielt. Doch wahre Freundschaft besteht jeden „Orkan. Habe mich durch das Buch sehr gut unterhalten gefühlt, für Kinder ab 9 Jahren (aber auch Erwachsene) ist das Buch absolut lesenswert und können sich vielleicht sogar mit der ein oder anderen Situation identifizieren, wenn sich Lena z.B. noch unbedingt ein Geschwisterchen wünscht. Das Buch spricht noch viele weitere Themen an, aber allzuviel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Es soll schließlich spannend bleiben. Besonders gut hat mir die Geschichte mit Trille und dessen Opa gefallen, doch lest das Buch selbst, um zu wissen, wie wunderschön all die Abenteuer und Geschichten geschrieben sind.

Fazit: Für mich gibt es eine klare Leseempfehlung! Das Buch hätte – wenn es nach mir ginge - noch viele weitere Seiten haben können und so kann ich an dieser Stelle nur auf eine weitere Fortsetzung von Trille und Lena hoffen.

Bewertung vom 10.05.2019
Finsteres Kliff / Liv Lammer Bd.3
Weiß, Sabine

Finsteres Kliff / Liv Lammer Bd.3


sehr gut

Sylt im Februar kurz nach dem Biikerennen: Ein Mann wird an den Hügelgräbern am Morsum Kliff tot aufgefunden. Der Tatort erweckt den Anschein, als habe es sich um einen Ritualmord gehandelt. Eine Frau verschwindet zur gleichen Zeit – Vanessa, die Freundin des Opfers. Wie hängen diese beiden Fälle zusammen? Kommissarin Liv Lammers von der Flensburger Mordkommission, ermittelt in ihrer alten Heimat Sylt. Schnell stellt sich heraus, dass das Opfer ein Hobby-Archäologe war, spezialisiert auf Schätze aus der Wikinger-Zeit. Doch das scheint nicht allein der Grund gewesen zu sein. Denn bei privaten Recherchen in Vanessas Umfeld stoßen die Ermittler auf völlig neue Hinweise, die den Fall in ein neues Licht rücken. Die Spannung steigt und die Suche nach dem Mörder beginnt.

Für mich war der dritte Band der Sylt-Krimireihe von Sabine Weiss ein „Neueinstieg“ in die Fälle von Liv Lammers. Der Einstieg ist mir nicht schwergefallen, dennoch wäre vielleicht die eine oder andere Hintergrundinformation zu Liv Lammers wünschenswert, um das Verhalten der Protagonistin besser zu verstehen. Für mich war der Fall dennoch gut aufgebaut. Man rätselt mit, wer der Mörder sein könnte und wird von der Autorin gerne mal auf eine falsche Fährte geführt. Die Landschaft wurde gut beschrieben, auch wenn für mich nicht so wirklich das Sylt-Feeling aufkam, wie ich es von anderen Sylt-Krimis kenne. Vielleicht lag es auch an der generell düsteren Stimmung. Gut fand ich den kleinen Exkurs für die Hügelgräber auf Sylt, man hat hier sehr viel über die Wikinger-Zeit erfahren, ohne, dass es die Handlung „belastet“ hätte. Der Autorin ist es auf jeden Fall gelungen, den Spannungsbogen zu halten.

Fazit: Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, weil das Buch durchaus spannend geschrieben ist. Einen Punkt Abzug, weil ich mir vielleicht ein paar Informationen über Liv Lammers gewünscht hätte. Dennoch kann man das Buch durchaus lesen, ohne die vorherigen Bände zu kennen, da jede Geschichte für sich (bis auf die von Liv) für sich abgeschlossen ist.

Bewertung vom 07.05.2019
Glück am Morgen
Smith, Betty

Glück am Morgen


ausgezeichnet

Annie und Carl Anfang der 20-er Jahre: Sie ist gerade mal 18 und verlässt heimlich die Wohnung ihrer Mutter in Brooklyn, um in einer Universitätsstadt im Mittleren Westen den gerade mal 20 Jahre alten Jurastudenten zu heiraten. Für beide scheint es die große Liebe. Doch die Eltern von Annie und Carl sind gegen diese Verbindung und so heiraten beide heimlich – so auch der Beginn der Geschichte. Doch der Alltag holt die beiden schnell ein: Carl hat durch das Studium kaum Zeit für Annie – und Annie, die selbst keine Ausbildung genießen konnte, zieht es vor Langweile ebenfalls in die Universität, um heimlich an den Hörsälen der Literaturvorträge zu lauschen. An Liebe mangelt es den beiden nicht, doch an Geld: Carl übernimmt ein paar Nebenjobs mehr, Annie findet neue Freunde, die beiden immer wohlgesonnen sind. Auch wenn die Zeiten teilweise sehr hart für beide sind, wissen sie, dass sie diese meistern werden: Denn sie lieben und haben sich - das ist das größte Gut überhaupt und übersteht jede schwere Zeit.

Meine Meinung: Annie erscheint in diesem Buch teilweise sehr naiv, andererseits hat sie so eine herzliche Seite, die den Leser wirklich rührt. Ihre ersten Versuche als Schriftstellerin sind wirklich nett zu lesen und ihre Art, neue Freunde zu finden, sehr liebevoll, da sie ohne Vorurteile an die Menschen herangeht und diese so nimmt, wie sie eben sind. Carl hingegeben ist sehr smart, wirkt ab und zu etwas schroff (z.B. wenn er beim Lernen ständig von Annie gestört wird), aber im nächsten Moment wieder so herzallerliebst, dass sich jede Frau einen solchen Mann wünscht. Voller Liebe und Verständnis – aber auch verantwortungsbewusst stemmt er jede schwierige Phase im Leben der beiden. Er steht immer hinter Annie, egal was passiert und unternimmt alles, damit es beiden gut geht und sie glücklich sind. Das Buch schildert vor allem das erste Jahr nach deren Ehe. Teilweise mag es für den einen nicht so spannend sein, weil nicht so viel passiert. Doch das Buch lebt von den Dialogen und den Geschehnissen: Die Diskussionen der beiden sind teilweise zu köstlich. Man möchte ich sich am liebsten alle Passagen markieren, weil es ein Genuss ist, diese immer wieder mal zu lesen. "Also, glücklich ist, wenn man einen Riesenbatzen von was Wunderbarem kriegt, den man fast nicht halten kann. Also nimmt man immer wieder ein Stück davon und hält es in der Hand. Das ist dann zufrieden.“ Oder Annie über ihre Schwiegermutter: „Glaubt sie etwa, 'Entschuldigung' ist ein Wort wie ein Radiergummi, mit dem sie den Schmutz, für den sie mich gehalten hat, und das, was sie über mich gesagt hat, ausradieren kann?“ Für die Zeit, in der das Buch geschrieben wurde, wirkt es recht modern. Betty Smith holt durch ihren Erzählstil den Leser ab und entführt ihn in ihre Welt. In der Tat scheint die Geschichte ein bisschen dem Leben von Betty Smith zu ähneln. „Sie liebte Bücher. Sie liebte sie mit ihren Sinnen und ihrem Verstand. Wie sie rochen und aussahen, wie sie sich in ihrem Händen anfühlten, wie die Seiten zu murmeln schienen, wenn sie sie umblätterte. Alles was es auf der Welt gibt, dachte sie, steht in Büchern“.

Und ich liebe dieses Buch von Betty Smith. Ich werde auf jeden Fall auch noch ihr erstes Buch lesen: Ein Baum wächst in Brooklyn.

Ich mag den Schreibstil der Autorin, er ist flüssig, leicht zu lesen und bringt einen gern mal zum Schmunzeln. Für mich gibt es auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 09.04.2019
Eine Freundin fällt vom Himmel / Sternschnuppenmädchen Bd.1
Frixe, Katja

Eine Freundin fällt vom Himmel / Sternschnuppenmädchen Bd.1


sehr gut

Manchmal werden Wünsche wahr!! In Stellas Familie ist es Tradition, die Sternschnuppennacht zu feiern. Gemeinsam mit ihrem Vater, dem großen Bruder Theo, Opa Alwin und dem Hund Jupiter freut sie sich schon sehr auf das Fest, das ihre verstorbene Mutter einst ins Leben gerufen hat. Nach diesem sonderbaren Ereignis bleibt Stella noch alleine in ihrem Baumhaus zurück. Als sie etwas rascheln hört, entdeckt sie im Garten die etwa gleichaltrige und etwas sonderbare Vega. Diese behauptet, ein Sternschnuppenmädchen zu sein. Was Stella anfangs für einen Scherz hält, wird mit der Zeit immer sonderbarer. Warum kribbelt es immer wieder mal in den Füßen von Vega und warum glitzert ihr Kleid dann auch noch so sonderbar? Kann sie etwa wirklich Wünsche erfüllen? Als sie Vega ihrer Familie vorstellt, erscheint die seltsame Frau Cassis und nimmt Vega mit. Stella ist das nicht geheuer und macht sich auf den Weg, um ihre neue Freundin zu suchen. Sie findet sie in einer Sternwarte. Ist vielleicht doch etwas daran, dass Vega Wünsche erfüllen kann? Davon hat sie nämlich reichlich in den Himmel geschickt.

Meine Meinung: Das Buch überzeugt erst einmal von seinem wunderschön gestalteten Cover der Illustration Erica-Jane Waters. Auch im Innenteil des Buches begegnet uns diese immer wieder und haben wirklich etwas Anziehendes. Man verweilt schonmal ein paar Sekunden auf der Seite und blättert nicht direkt weiter. Die Autorin Katja Fricke, deren „Wunschbuchladen-Reihe“ mir ebenfalls bekannt ist, hat auch hier wieder gute Arbeit geleistet und eine tolle Figur erschaffen. Stella, Vega und ihre Freundin Pauline zeigen beispielhaft, wie wichtig Freundschaft, Zusammenhalt und Vertrauen ist. Kindgerecht nimmt sich die Autorin auch dem Thema „Trauerbewältigung“ an. Es ist vor allem schön zu sehen, wie der Vater aus seinem Schneckenhaus kommt und wie dadurch auch Stella wieder glücklicher wird. Für mich waren an der einen oder anderen Stelle noch ein paar Fragen offen, aber das klärt sich sicher in den Folgebänden.

Fazit: Für mich gibt es eine klare Leseempfehlung für Kinder ab Jahre 8 – und für Erwachsene auch – und freue mich schon auf Band Nr. 2.

Bewertung vom 05.04.2019
Inselluft mit Honigduft
Schmidt, Kerin

Inselluft mit Honigduft


ausgezeichnet

Wo andere Urlaub machen und viel Geld für Immobilien und Luxus ausgeben, wächst Kerin Schmidt gut behütet als Bauerntochter einer altfriesischen Familie auf einer Insel auf. SYLT! In ihrem Debütroman schildert sie ihre Kindheit zwischen Schafen und Kühen auf dem familienbetriebenen Bauernhof, von wunderschön blühendem Heidekraut, von Sand, Strand und dem Meer und mit einem Augenzwinkern von dem einen oder anderen Dorftratsch. Sie lässt uns Einblick nehmen in die Geschichte von Sylt – und eine liebevolle aber doch warnende Art erzählt sie uns, wie sich Sylt in all den Jahren gewandelt hat, wie die Insel immer mehr dem Tourismus zugeführt wurde und was es mit Sylt und den Einwohnern gemacht hat. Wir erleben Kerin als Jugendliche, erleben sie mit Freuden, Oma und Opa, begleiten sie in ihrem ersten Urlaub in den Bergen, lässt uns aber auch an einen schlimmen Schicksalsschlag teilhaben, der den Leser sehr berühren wird. Sie wagt einen Neuanfang, um auf eigenen Füßen zu stehen, kehrt Sylt den Rücken um später wieder mit ihrer großen Liebe zurückzukommen.

Fazit: Das Buch lebt von den Eindrücken, Emotionen und Sehnsüchten, man spürt die Liebe zur Heimat und ist fast ein bisschen neidisch, nicht die eigene Kindheit auf dieser Insel verbracht zu haben. ;) Die Autorin schreibt so wunderschön und voller Poesie, dass man das Gefühl hat, Kerin sammelt all die Worte und Gedanken, die das Meer über Nacht an den Strand spült, bei ihren morgendlichen Spaziergängen am Morsum Kliff in einem Korb ein und schreibt sie dann in ihre Bücher nieder. Man lacht, man weint, man hofft und fühlt mit der Autorin mit. Soooooo schön! Wer Sylt noch nicht kennt, wird es nach diesem Buch kennenlernen wollen, wer Sylt kennt, der wird voller Sehnsucht an die eigenen wundervollen Momente auf dieser Insel zurückdenken. Für mich ein absolutes Lesehighlight und ich hoffe, noch viel von der Autorin zu lesen.

Bewertung vom 28.03.2019
Zum Glück gibt es Umwege
Simsion, Graeme; Buist, Anne

Zum Glück gibt es Umwege


sehr gut

Um den Tod ihres Mannes zu verarbeiten reist Zoe von Kalifornien nach Cluny/Frankreich, um ihre langjährige Freundin Camille zu besuchen. Bei einem Souvenirladen entdeckt sie eine Muschel…. und ändert spontan ihre Pläne. Mit wenig Gepäck begibt sie sich auf den Jakobsweg. Zur gleichen Zeit entwickelt Martin, ein Technikfreak aus England, einen Wanderkarren für Rückengeschädigte. Kurzentschlossen entscheidet er sich, diesen persönlich auf dem Camino zu testen; gut vorbereitet mit GPS, Zelt, entsprechender Bekleidung etc. Als sich beide dann schließlich auf dem Jakobsweg begegnen sind sie sich alles andere als sympathisch, denn unterschiedlicher können sie zu dieser Zeit nicht sein. Zudem machen es ihnen die schlechten Wetterbedingungen nicht einfacher. Doch der Weg schweißt zusammen und so begeben sich beide auf eine Reise, die ihr Leben verändern wird...

Wer das Buch zu lesen beginnt, der begibt sich gedanklich direkt mit auf den Camino und begleitet Zoe, Martin und deren Weggefährten bis zum Ende. Leicht ist das durch die kleine Karte, die sich am Anfang des Buches befindet und anhand der man sehen kann, wo man sich gerade im Kapitel befindet und welcher Weg noch vor beiden liegt. Die Landschaft wird an manchen Stellen schön beschrieben und man merkt, dass der Autor selbst vor Ort gewesen sein muss. Man überlegt, wie man selbst an der ein oder anderen Stelle vielleicht reagieren würde, sei es, wenn es um eine Unterkunft für die Nacht geht oder die schlechten Wetterverhältnisse oder was man selbst auf die Reise mitnehmen würde. Man soll sich schließlich von all seinem Ballast befreien. (S. 216 "Und ich lerne, was ich festhalten und was ich loslassen muss") Das Buch ist packend, man fühlt vor allem mit den Protagonisten mit, durch die recht kurzen Kapitel, abwechselnd aus der Sichtweise von Martin und Zoe, ist es für den Leser amüsant zu sehen, wie beide die jeweilige Situation sehen und wie sie diese meistern. Das Buch lebt durch seine wunderschönen Zitate"...ich muss spüren, was ich wirklich will, damit ich nicht verschwinde, bevor ich rausgefunden habe, wer ich eigentlich bin" und am Ende hat man einerseits das Gefühl, diesen Weg gemeinsam mit Zoe und Martin gegangen zu sein, anderseits möchte man die Erfahrung und die Erlebnisse der Zugehörigkeit, des Teamgeistes (der mich immer wieder fasziniert hat) und der Selbstfindung einmal selbst erleben. Für mich auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 12.03.2019
Der Tote im Schnitzelparadies / Ein Fall für Arno Bussi Bd.1
Fischler, Joe

Der Tote im Schnitzelparadies / Ein Fall für Arno Bussi Bd.1


gut

Der Autor der „Veilchen-Krimi-Reihe“, Joe Fischler, wagt sich mit seinem Buch „Der Tote vom Schnitzelparadies“ an eine neue Krimiserie ran: Einen Alpenkrimi, gespickt mit einer großen Portion Humor:
Es geht um Arno Bussi, ein junger, aufstrebender Polizist, der von der großen Karriere in Wien, London oder Paris träumt, um internationale Verbrecherbanden zu jagen. Doch sein „Jagdtrieb“ hat ihn ausgerechnet ins Bett der Frau vom Innenminister getrieben, was eine Strafversetzung zur Folge hat. Und zwar nach Hinterkitzlingen, ein Dorf, in dem, wenn man einen Blick auf das Dienstgebäude, Technik, Dienstwagen etc. wirft, die Zeit stehengeblieben ist. Und dann wartet auch schon direkt sein erster Fall auf ihn: Einen abgetrennter Kopf in der Tiefkühltruhe vom Schnitzelparadies. Und als sei das noch nicht genug, werden seine Ermittlungen durch die aufkommenden schlechten Wetterbedingungen noch zusätzlich erschwert. Arno ist ab sofort auf sich allein gestellt. Ob er es schafft, den Mörder ausfindig zu machen?
Meine Meinung:
Der Protagonist, Arno Bussi, wird als junger aufstrebender Polizist beschrieben. Allerdings kommt er auch für mich etwas tollpatschig rüber. Die weiteren handelnden Personen erschienen mir auch manchmal etwas zu chaotisch, hektisch, schräg, skurril… ab und zu habe ich mich gefragt, wer in dieser Runde eigentlich noch normal ist? ;) Joe Fischler hat hier wirklich stark auf Humor gesetzt, was mir manchmal schon zuuuuu übertrieben war und mich vom eigentlichen Fall abgelenkt hat.
Beim Lesen hat die Erzählstimme für mich diesen typischen österreichischen Dialekt, das ist dem Autor gut gelungen. Jedoch erinnert es auch etwas an den Eberhofer Franz, der nicht so mein Fall ist, weshalb ich auch mit Arno Bussi am Ende nicht so richtig warm wurde. Beim Arno hätte ich mir einen cooleren Kommissar gewünscht, der den Leuten mal einen passenden Spruch an den Kopf haut, wenn es ihm zuviel wird oder er nur von Chaoten umgeben ist (was ab und zu passierte, jaaaa, aber er selbst durch seine zu arg betonte Schwärmerei für Eva und seine tollpatschigen Aktionen wieder an Sympathie verloren hat). Vielleicht lag es aber auch an den Dialogen?
Das Cover erinnerte ebenfalls sehr an die Eberhofer –Reihe, passt aber wieder zu den typischen Covern der Alpenkrimis (warum eigentlich mal nicht was anderes wagen?). Schön fand ich jedoch die liebevoll gestaltete Karte im Buch von Hinter- und Vorderkitzlingen. Das hilft der Leserin /dem Leser, sich in dem kleinen beschaulichen Dörfchen bildlich zurechtzufinden. ;) Nett!

Fazit: Wer einen heiteren, lockeren Krimiroman mit reichlich Humor sucht, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Der Fall ist gut durchdacht und recherchiert, und am Ende bleiben keine Fragen offen. Somit hat der Arno Bussi seine Arbeit gut gemacht.
Freunde von Alpenkrimis in dieser Art werden das Buch liiiiieben! Davon bin ich überzeugt – auch, dass dies nicht Arno Bussis letzter Fall gewesen sein wird! ;)

Bewertung vom 07.03.2019
Das schönste Mädchen Havannas
López Rubio, Susana

Das schönste Mädchen Havannas


ausgezeichnet

Aus seiner Heimat Asturien wegen des Spanischen Bürgerkriegs geflüchtet, erreicht der der junge Asturier Patricio 1947 den Hafen von Havanna, um dort ein besseres Leben führen zu können. Schnell hat es ihm der Charme der kubanischen Hauptstadt angetan: Rhythmische Klänge, Sonnenschein, leckere Cocktails und gute Laune. Mittelos in Kuba angekommen, muss sich Patricio zunächst als Schuhputzer etwas dazuverdienen – und gerät direkt ins Schussfeuer von Mafiaboss Carlos. Dank seiner neu gewonnen Freunde geht die Sache gerade nochmal glimpflich für ihn aus – und dank seines guten Verkaufsgeschicks hat er auch schon bald einen Shop im berühmten Kaufhaus El Encanto. Durch seine sympathische Art und seinem guten Aussehen, klettert er bald die Karriereleiter nach oben, was nicht bei allen Kollegen gut ankommt. Mit der hübschen Nely freundet er sich ab dem ersten Tag, er findet sie ebenfalls sympathisch. Doch dann tritt Gloria in sein Leben. Von der ersten Sekunde hat es ihm die hübsche schwarzhaarige Kubanerin mit den vielen Sommersprossen angetan. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie – was sein Leben ab diesem Moment völlig auf den Kopf stellen wird. Denn Gloria ist die Frau von Carlos Valdes, und wie alle aus Havanna wissen, sollte man sich mit ihm nicht anlegen. Doch auch Gloria ist dem Charme von Patricio verfallen und schon bald nimmt deren heimliche Liebe ein Ausmaß an, das sich beide hätten nicht vorstellen können. Ob sie je zusammen finden werden?
Meine Meinung:
Das Buch hat mich von Beginn an gefesselt. Die Autorin beschreibt die Umgebung Kubas, das El Encanto als auch die Protagonisten so detailverliebt, dass man das Gefühl hat, man befindet sich direkt am Schauplatz, umgeben von kubanischer Musik, leckeren Cocktails…und dem Duft von Schmetterlingslilien! ;) Man leidet und zittert mit Patricio und Gloria, aber auch mit Nely. Selbst mit der teils boshaften Schwester von Valdes überkommt einem manchmal ein Hauch von Mitgefühl. Beeindruckend sind die Charaktere von Lala (Glorias Großmutter) und auch Daniela (Tochter von Gloria), die noch später eine beeindruckende "Rolle" übernehmen wird. Auch die "Nebendarsteller" wie die Freunde von Patricio oder Tina wachsen einem mit der Zeit ans Herz und zeigen, wie wichtig Zusammenhalt, Vertrauen und Freundschaft im Leben sind. Selten habe ich bei einem Buch so mitgefühlt. Die Autorin hat prominente Persönlichkeiten, wie Frank Sinatra, Ava Gardner, Einstein oder auch Che Guevara so geschickt eingefügt, dass das Buch absolut lebendig und authentisch wirkt. Warte schon sehr gespannt auf die Verfilmung. Ich kann diesem Buch eine absolute Leseempfehlung geben, der etwas zur geschichtlichen Entwicklung Kubas erfahren möchte und mal wieder Lust hat, in eine spannende Geschichte voller Gefühl und Poesie einzutauchen. Für mich schon jetzt ein Lesehighlight 2019. Ein paar kleine Fehler seitens des Lektorats haben sich in das Buch geschlichen, eigentlich gibt dies bei mir Punktabzug, aber die Rüge habe ich an den Verlag weitergeleitet. Es wäre schade, wenn dieses großartige Buch von Susanna Lopez Rubio dadurch an Glanz verlieren würde.

Bewertung vom 13.02.2019
Hinter Glas
Rabinowich, Julya

Hinter Glas


ausgezeichnet

Wer auf der Suche nach einem tiefgründigen Jugendbuch ist, das sich mit Problemen wie Mobbing, Vertrauen, Alkohol, Gewalt, Angst und vor allem auch Emanzipation beschäftigt, dem kann ich den neuen Roman von Julya Rabinowich nur ans Herz legen:
Manchmal scheinen die Dinge nicht so, wie sie sind: Nach außen hin wirkt Alice Welt perfekt, es scheint ihr an nichts zu fehlen. Die Eltern sind reich, leben in einem großen prachtvollen Haus. Doch diese Welt liegt eigentlich in tausend (Glas-)Scherben, denn hinter der Fassade brodelt es: Der cholerische Großvater macht der Familie das Leben zur Hölle, in der Schule wird Alice von ihren Mitschülern gemobbt, weil sie so oft krank ist. Doch dann tritt Niko, Alice neuer Klassenkamerad, in ihr Leben und als er für sie in der Schule Partei ergreift, ist sie von ihm fasziniert. Nach einem Streit zu Hause jedoch flieht Alice gemeinsam mit Niko – in der Hoffnung auf ein neues, besseres Leben. Doch der Schein trügt und so muss sie schließlich feststellen, dass Wegrennen nicht immer der beste Weg ist.
Anfangs hatte ich Probleme, mich auf das Buch einzulassen. Die Sätze waren sehr kurz und abgehackt (diese beschreiben jedoch Alice Gedanken). Doch nach einer gewissen Zeit war ich einfach nur angetan von diesem Roman. Julya Rabinowich hat es geschafft, mit viel Gefühl und Poesie auf Probleme aufmerksam zu machen, die gerade bei Jugendlichen nach wie vor noch (leider) aktuell sind: MOBBING und Gewalt. Spannend zeigt sie auf, wie schnell wir unser gegenüber missverstehen, Personen einen Stempel aufdrücken, ohne sie genau zu kennen, und wie schnell man Menschen vertraut und hinterher enttäuscht feststellt, dass man sich in diesem getäuscht hat. Das Buch zeigt, dass es wichtig ist, sich den Problemen zu stellen, sich jemanden anzuvertrauen der bessere Weg ist, als davon wegzulaufen und man zu seinen Taten stehen muss, statt sie zu leugnen und man auch mal hinter die Fassade blicken muss um zu verstehen, warum jemand ist, wie er ist. Es geht um Gerechtigkeit, um Liebe und Zusammenhalt. Und vor allem zeigt es, dass es immer Hoffnung gibt. Am Ende ist alles gut und ist es nicht gut, war es noch nicht das Ende. So oder so ähnlich würde das Zitat von Oscar Wilde zu diesem Buch passen. Eine geballte Ladung voller Emotionen, die so wunderbar auf 196 Seiten auf den Punkt gebracht werden und über das Geschriebene man noch nach der letzten Seite eine Weile nachdenken lässt.
Besonders gelungen fand ich die Idee, einen „ Beobachter“ von Alice’s in das Buch mit einfließen zu lassen, der sie sehr gut zu kennen scheint und deren Worte absolut spannend und packend sind. Bis zum Ende rätselt man mit, um wen man sich hier handeln könnte.
Schon in der Mitte des Buches wusste ich, dass sich das Buch hervorragend als Schullektüre eignen würde, weil es einfach so viel Diskussionspotenzial bietet.
Das Cover finde ich übrigens sehr gut gelungen, weil dies auch den Inhalt der Geschichte gut wiederspiegelt.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ein großes Kompliment an die Autorin, die sich diesen Problemen angenommen hat und somit vielen Lesern, die diese Problematik kennen, vielleicht Mut macht, in ihrem Leben etwas zu ändern.