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Benutzername: Lettercrubler
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Bewertungen

Insgesamt 42 Bewertungen
Bewertung vom 11.10.2021
Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr
Geda, Fabio;Akbari, Enaiatollah

Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr


gut

Der Roman „Im Winter Schnee, nachts Sterne“ von Fabio Geda und Enaiatollah Akbari ist eine Mischung aus Erzählung und Dokumentation.
Enaitollah muss als Kind aus Afghanistan fliehen und kommt so in Italien an, wo er sich ein eigenes Leben aufbaut. Er erzählt in diesem Buch sehr gefühlvoll die Probleme seines Alltags und sein neues Leben in Europa. Fabio Geda kommt dabei nur in wenigen Abschnitten selbst zu Wort und fungiert wohl eher als Autor im Hintergrund.

Dass es sich bei diesem Buch um die Fortsetzung des ersten Romans von Fabio Geda handelt, war mir nicht bewusst. Der Vorgänger berichtet über Enaitollahs Flucht aus Afghanistan und wie es ihm damit ergangen ist. Vielleicht werde ich dieses nun auch noch lesen. Das Vorwissen daraus ist jedoch nicht erforderlich. „Im Winter Schnee, nachts Sterne“ fungiert als eigene Erzählung und führt die Lesenden erneut in alle Handlungsstränge ein.
Sehr gewöhnen musste ich mich an die Erzählweise. Sie wirkt wie ein direkter Bericht, z.T. mit direkter Ansprache der Lesenden. Dies entspricht nicht dem Stil, den ich sonst zu lesen pflegte und störte mich zu Beginn des Romans doch sehr. Hat man sich daran gewöhnt, so viel es mir gar nicht so sehr auf. Es hat auch etwas Persönliches und Realistisches.
Zu Beginn des Buches wird die afghanische Geschichte aufgeschlüsselt. Dies geschieht z.T. in etwas flappsigen Ton. Auch wenn man sich evtl. nicht alle Gegebenheiten sofort merkt, so ist es doch interessant, so viel über die Geschichte eines Landes zu lesen, was man größtenteils aus den Medien mit Schreckensnachrichten kennt.

Neben dem Erzählstil musste ich mich auch an die Erzählstruktur sehr gewöhnen. Anfangs, nach Aufzählung der historischen Gegebenheiten, wartete ich über viele Seiten, wann die eigentliche Geschichte losgehe. Tatsächlich wird die Handlung bewusst als Rückblende erzählt, was es mir erschwerte, in diese einzutauchen. Angesichts der Hintergründe und des Inhalts ist dies aber auch nicht unbedingt notwendig.
Was der Roman einem auf jeden Fall eindrücklich bewusst macht, ist wie sehr das Leben des Autors von dem eigenen abweicht und wie anders die Kindheit hätte verlaufen können. Im Endeffekt habe ich das Buch nach Startschwierigkeiten mit Stil und Sprache verschlungen, einfach weil mich Enaitollahs Geschichte interessiert hat und einen guten Einblick in das Leben einer direkten Person gibt zu einem Thema, über das man schon so viel gehört hat.

Zusammenfassend würde ich den Roman „Im Winter Schnee, nachts Sterne empfehlen“, jedoch mit dem Hinweis, dass es sich weniger um eine seichte Erhaltungslektüre als um eine biographische Erzählung handelt und man sich an den Erzählstil erst gewöhnen muss.

Bewertung vom 23.08.2021
Raumfahrer
Rietzschel, Lukas

Raumfahrer


sehr gut

Der Roma "Raumfahrer" von Lukas Rietzschel erzählt in Zeitsträngen die Familien- und Lebensgeschichte von Jan, einem jungen Erwachsenen, der in einer verlassenen Stadt in der ehemaligen DDR aufwächst.
Er arbeitet als Patienten-Transporteur in einem bald geschlossenen Krankenhaus. Jan wohnt mit seinem Vater zusammen. Im Krankenhaus transportiert der des öfteren Herrn Kern, der ihm eine Box mit alten Unterlagen überreicht, die Jan mit dem Maler Baselitz in Verbindung bringen. Doch Jan hat keine Ahnung, was dies bedeuten soll...

Als ich das Buch in die Hand nahm, erwartete ich einen erneuten Post-DDR, Nachkriegszeitroman. Es dauerte ein bisschen, bis mir im Lesen klar wurde: der Handlungsstrang von Jan ist nicht so weit von unserer Gegenwart entfernt. Auch wenn die zeitlichen Abläufe von Mauerbau, DDR und Nachkriegszeit in jedem Geschichtsbuch zu finden sind, verknüpfte dieser Roman das Jetzt mit unserer Geschichte viel deutlicher als ich bei anderen Büchern das Gefühl vorher hatte. Die Lebensstränge der verschiedenen Protagonisten werden so detailliert und deutlich beschrieben, dass ich die Atmosphäre geradezu fühlen konnte. Diese werden aus verschiedenen Sichtweisen von verschiedenen Charakteren erzählt und spielen somit auch zu verschiedensten Zeitpunkten, beeinflusst durch die deutsche Geschichte.
Kleine Abzüge gibt es für die teilweise verwirrende Nutzung von Vor- und Nachnamen bzw. sehr ähnlich klingenden Vornamen. Vielleicht hätte eine Datumsüberschrift o.ä. an dieser Stelle geholfen, gerade da die Kapitel ohne Vorwarnungen in Zeit und Ort springen.
Geschrieben fand ich den Roman sehr überzeugend. Eine gute Mischung aus Beschreibung und Handlung mit relativ wenig Dialog. Eine sehr direktgehaltene, nicht großartig umschreibende Sprache.
Zusammenfassend habe ich das Buch "Raumfahrer" sehr schnell durchgelesen und bin immer noch von ihm beeindruckt. Ich bin nicht in dieser Zeit aufgewachsen und daher ist die derart detailgetreue, realistische Schilderung dieses Romans umso faszinierender, vor allem auch wenn man das Alter des Autors berücksichtigt, der gute Recherchearbeit geleistet hat.

Bewertung vom 31.05.2021
Die fremde Spionin / Die Spionin Bd.1
Müller, Titus

Die fremde Spionin / Die Spionin Bd.1


sehr gut

"Die fremde Spionin" von Titus Müller hat mich nach kleinen Startschwierigkeiten sehr überrascht und mit auf eine spannende Geschichtsfahrt genommen.

Die 21 jährige Ria lebt in Ostberlin im Jahre 1961. Sie steigt als Sekretärin im Ministerium für Außenhandel schnell auf. Hier wird sie als Informantin für den BND angeworben. Sie nimmt diese Stelle an, da sie so ihre Schwester zu finden hofft, von der sie als Kind getrennt wurde.
Zur gleichen Zeit erhält der KGB Spion Sorokin sich auf einen weiteren Auftrag vor.
Und die Lage in der geteilten Stadt Berlin spielt bald für beide eine entscheidende Rolle....

Die ersten paar Kapitel wusste ich nicht so ganz, was ich von der Handlung halten sollte. Sie springt innerhalb eines Kapitels zwischen den verschiedenen Protagonisten, braucht jedoch eine Weile, um in den Fluss zu kommen. Zu viele Hintergründe waren mir anfangs unklar, was natürlich auch Spannung aufbauen sollte, jedoch erst ab der Mitte des Buches so richtig funktioniert hat. Auch wenn die Handlung eigentlich ohne geschichtliche Vorkenntnisse funktioniert, handelt es sich doch um ein komplexes politisches Konstrukt aus den verschiedenen Geheimdiensten und Ländern mit vielen verschiedenen Meinungen und deren Vertreter*innen. Nichtsdestotrotz sind diese verschiedenen Akteure auch ein großer Gewinn für die Handlung. Eingebettet in die wahren Ereignisse des Jahres 1961 (auch die Charaktere sind aus historischen Vorbildern gestrickt) erlebt der Leser oder die Leserin wie die Schicksale verschiedener Menschen durch die Zeitgeschichte beeinflusst wurden. War man erst einmal durch die ganzen Namen und Funktionen der Ämter durchgestiegen, wurde man mit einer spannenden, gut durchdachten Geschichte in unserer Geschichte belohnt.
Besonders gut gefallen hat mir die abschließende Erläuterung, welchen Vorbildern die Charaktere entlehnt sind.
Ich würde das Buch empfehlen, wenn man mit etwas konzentriertem Auge sich in die damaligen Geschehnisse hereinversetzen möchte. Klar, kann man es auch zwischendurch schnell Weglesen, jedoch funktioniert die Handlung meiner Ansicht nach deutlich besser, wenn man die einzelnen Fäden nachvollzieht und mit den damaligen Geschehnissen vergleicht.
Der Schreibstil liest sich flüssig und gut. Die Geschichte wird schnell vorangetrieben und enthält meiner Meinung nach wenig unnötige Schnörkel und Beschreibungen. Die Protagonisten wirken glaubhaft inszeniert mit dem nötigen Tiefgang.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzungen.

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Bewertung vom 05.04.2021
Der Morgen davor und das Leben danach
Napolitano, Ann

Der Morgen davor und das Leben danach


gut

Der Roman "Der Morgen davor und das Leben danach" von Ann Napolitano, eine Geschichte durch die ich mich gleichermaßen quälte wie hindruchflog.
Der zwölfjährige Eddie ist der einzige Überlebende eines Passagierflugzeugs. Seine ganze Familie und alle anderen Passagiere kamen bei dem Absturz ums Leben. Eddie wird nun schwerverletzt von seiner Tante und seinem Onkel aufgenommen. Hier lernt er die aufmüpfige Shay kennen und muss sich mit den Folgen des Absturzes auseinandersetzen. Was bedeutet es, der einzige Überlebende zu sein? Wie kann er mit dem schweren Verlust umgehen?
Das Buch ist in zwei Zeitzonen erzählt. Es werden die Stunden vor dem Absturz im Flugzeug selber dargestellt, sowie abwechselnd das Leben von Edward in den Jahren nach dem Absturz. Dabei wird das Leben der anderen Passagiere des Flugzeugs und ihre Gedanken kurz vor dem Absturz genauestens beleuchtet. Die Idee ist an sich sehr interessant, kam bei mir allerdings überhaupt nicht an. Die Autorin webt einen Teppich aus dem Schicksal verschiedenster Menschen und ihrer Angehöriger, die ebenfalls wie Eddie mit dem schweren Verlust umgehen müssen. Jedoch konnte ich mich überhaupt nicht auf diese anderen Personen einlassen. Ich hastete durch die Kapitel dieser Personen mit dem einzigen Gedanken, dass ich mich gar nicht auf sie einlassen brauchte, da sie ohnehin abstürzen würden (eine Tatsache, den der Klappentext schon vorwegnahm). Wie beschrieben, die Idee an sich ist gut und die Charaktere sind auf ihre unterschiedlichste Art und Weise sehr liebevoll gezeichnet, ich konnte mich auf diese allerdings nicht fokussieren und wollte lieber wissen, wie es Edward in Zukunft weiter erging. Eine Geschmacksfrage, mehr als eine Kritik an der Autorin. Diese hat einen schönen Schreibstil und hat für mich Edward sehr authentisch werden lassen. Auch die Personenbeschreibungen wirkten nicht aufdringlich, sondern gut vorstellbar. Die vielen Probleme und gerade auch die Unbarmherzigkeit von Presse und Öffentlichkeit fand ich sehr realistisch und gut dargestellt. Hätte das Buch nur aus Edwards Leben danach bestanden, wäre ich deutlich begeisterter gewesen. So habe ich die Geschichte dennoch sehr schnell durchflogen und gebe nur keine fünf Sterne, da mich dieses Stilmittel und die "vorher-Hälfte" des Buches einfach nicht wirklich abholen konnten.

Bewertung vom 06.03.2021
Stürme des Lebens / Die Insel der Wünsche Bd.1
Jessen, Anna

Stürme des Lebens / Die Insel der Wünsche Bd.1


ausgezeichnet

Der Roman "Die Insel der Wünsche" von Anna Jessen gehört normalerweise nicht zu den Büchern, die ich in meiner Freizeit in die Hand nehme. Das Cover erschien mir etwas kitschig und nach dem Lesen des Klappentextes erschien mir die Geschichte sehr offensichtlich. Ich sollte mich irren.

Die junge Tine lebt in einem elenden Hamburgerviertel mit ihren neun Geschwistern, ihrem alkoholabhängigen Vater und ihrer Mutter. Das wenige Geld treibt Tine über den Verkauf von Blumen ein. Durch ihre Höflichkeit und ihre Hilfsbereitschaft schlägt sie sich halbwegs gut durch ihr beschwerliches Leben. Eines Tages trifft sie einen jungen Mann, der ihr vorschlägt, nach Helgoland zu reisen und dort zu arbeiten. Doch die Ankunft eines Mädchens aus ärmlichen Verhältnissen ohne jegliche Besitztümer gestaltet sich für Tine überaus schwierig und sie beginnt sich zu fragen, ob ihre Reise nach Helgoland nicht in einziger Fehler war. Doch das Schicksal hat sich etwas besonderes für das junge Mädchen ausgedacht...

Wie bereits angemerkt begann ich diesen Roman mit einer gewissen Skepsis zu lesen. Da er doch eine beträchtliche Seitenzahl umfasst, sah ich mich schon Wochen an dem Buch lesen. Es wurden drei Tage. Ein mal von der Geschichte gefesselt, nutzt ich jede Gelegenheit, wieder zu lesen. Auch wenn der Klappentext wirklich viel Handlung vorweg nimmt, so verfolgt man als Leser*in die Wandlung von Tine doch sehr genau. Der Schreibstil hat mich sehr überzeugt und lässt einen tief in die Geschichte eintauchen. Ich sah sowohl das elende Gängeviertel, wie auch Helgoland vor meinem inneren Auge sehr genau. Am Ende war ich wirklich enttäuscht, als das Buch so schnell zu Ende war und ich nun auf die anderen Teile der Handlung warten muss. Die Charaktere sind überzeugend gezeichnet und ihre Entwicklung in sich schlüssig. Der Roman vermittelt Werte und zeigt einmal mehr, dass Fleiß und Freundlichkeit weit wichtiger sind, als der Ort, aus dem man kommt. Einzigen Abzug gibt es für das Ende des ersten Bandes, das doch sehr schnell kam und eine starke Wendung brachte. Das hätte vielleicht etwas länger aufgebaut werden können.
Für mich war das Buch eine wirkliche Überraschung und ich werde auch die anderen Teile mit Freunde lesen. Gespannt bin ich vor allem, da sich zu Ende des ersten Bandes eine gewisse politische Komponente durch die Stellung Helgolands im 19 Jhd. andeutete. Ich hoffe, Frau Jessen bringt dies auch in den weiteren Bänden erfolgreich ein.

Bewertung vom 04.01.2021
Reise mit zwei Unbekannten
Brisby, Zoe

Reise mit zwei Unbekannten


ausgezeichnet

Rezension „Reise mit zwei Unbekannten“

Der Roman „Reise mit zwei Unbekannten“ von Zoe Brisby hat mich sehr positiv überrascht. Das Cover gefiel mir gut und auch der Klappentext sprach mich an. Doch die ersten Kapitel fand ich sehr irritierend. Anfangs überkam mich somit nicht die größte Leselust, doch dies änderte sich sehr bald.

Der junge Alex leidet an Depressionen und beschließt als sein einziges Ziel, nach Brüssel zu fahren. Durch ein Mitfahrerportal stößt er auf die fast hundertjährige Maxine, die ebenfalls aus einem bestimmten Grund nach Brüssel fahren möchte. Was Alex nicht weiß, sie ist aus dem Altenheim entflohen. Die beiden Weggefährten könnten unterschiedlicher nicht sein, doch über verschiedene Umwege lernen sie einander kennen und vertrauen. Wenn da nur nicht die Polizei auf ihren Fersen wäre…

Wie oben beschrieben irritieren mich die ersten Seiten. Maxine erschien mehr sehr exzentrisch und die Unterhaltungen übertrieben gekünstelt. Als ich jedoch diesen Teil hinter mir und mich etwas mehr auf die Geschichte eingelassen hatte, war ich begeistert. Der Roman beschreibt die Lust am Leben, die Sorgen verschiedenster Menschen und auf geradezu philosophische Art und Weise, wie wir mit unserem Denken unsere Haltung verändern können. Alex und Maxine sind zum Teil vielleicht etwas überspitzt dargestellt, auf der anderen Seite bringt einen gerade diese Tatsache häufig zum Schmunzeln. Die Geschichte ist kurzweilig. Zwar kann man die Handlung relativ knapp darstellen, doch der Roman lebt von den spritzigen Dialogen und den kurzen nachdenklichen Passagen zwischendrin. Und doch tauchen auch immer wieder einige Handlungsüberraschungen auf.
Ich habe den Rest des Buches regelrecht verschlungen. Musste lächeln und hatte am Ende doch vielleicht sogar eine Träne im Auge. Mich hat dieser Roman wirklich sehr zum positiven überrascht. Ein schöner Zeitvertreib für zwischendurch, der zum Denken anstößt, das Leben -egal in welcher Position- durch andere Augen zu betrachten.

Bewertung vom 19.11.2020
Black Sun / Alexander Wassin Bd.1
Matthews, Owen

Black Sun / Alexander Wassin Bd.1


gut

Bei "Black Sun" handelt es sich um einen Politthriller aus der Feder von Owen Mattews.
Eine packende Geschichte mitten im Kalten Krieg in der Sowjetunion basierend auf wahren Gegebenheiten.

Wir schreiben das Jahr 1961. Kurz vor dem Test der größten Wasserstoffbombe ihrer Zeit wird der Physiker Fjodor Petrow tot aufgefunden. Zuerst sieht alles nach einem Selbstmord aus, doch dann taucht KGB Agent Wassiv auf und versucht die Wahrheit hinter der Geschichte aufzudecken. Diese führt ihn in ein tiefes Netz aus Geheimnissen, tief in die Vergangenheit verschiedenster Personen. Jeder scheint etwas zu verbergen in der Stadt mit der heilen Fassade. Auch Wassiv...

Der Politthriller hat etwas gebraucht, um mich in den Bann zu ziehen. Mehrere Abschnitte vergingen, ohne die Handlung wirklich voran zu treiben. Auch die Charaktere haben mich eher enttäuscht. Man erfährt zwar viel über ihre Vergangenheit, doch reicht dies oft nicht aus, um sie mit entsprechendem Tiefgang zu füllen. Nach dem ersten Viertel nahm die Handlung jedoch spürbar an Fahrt auf. Die Schnitzel auf Wassivs Enthüllungsjagd waren gut gelegt und Ausschnitte aus Verhören und Beschreibungen von Situationen ließen den Leser durchaus in eine ganz andere Welt abtauchen.
Dennoch verliert das Buch meiner Meinung nach vor allem durch die Charakterbeschreibungen. Trotzdem eine spannende Unterhaltung für einen dunklen Herbsttag.

Bewertung vom 08.06.2020
Ein halbes Herz
Lundberg, Sofia

Ein halbes Herz


sehr gut

Der Roman „Ein halbes Herz“ von Sofia Lundberg berührt trotz einiger Hänger das Herz und liest sich leicht weg.

Die Starfotografin Ein hat alles, was man sich wünschen kann. Einen gut laufenden Job, der ihr Spaß macht, einen erfolgreichen Mann und eine junge Tochter. Doch so sehr sie auch in erstem aufgeht, so wenig ist sie Zuhause und so sehr leidet ihre Familie unter ihrer stetigen Abwesenheit. Ein Schatten scheint zeitweise über ihr zu hängen. Erst nach und nach lässt sie Erinnerungen wieder zu, die sie fern in ihre Vergangenheit in einem anderen Land, abseits von Glamour und Fröhlichkeit führen. Ihre Geheimnisse sind gut vergraben, doch wie lange kann man eine Lüge leben?

Unterteilt in zwei geschichtliche Stränge erfährt der Leser*in nach und nach von Elins schwieriger Kindheit und lebt zeitlich mit der erwachsenen Elin im Hier und jetzt in den USA. Die Geschichte ist gut verwoben und in sich schlüssig. Sie bricht immer genau im richtigen Moment ab und springt in die andere Zeit, um trotzdem spannend zu bleiben. Die Beschreibungen von Landschaft und Stimmung sind schön gezeichnet und lesen sich gut dahin. Die Charaktere sind nicht immer Sympathieträger. Ich hatte meine Schwierigkeiten, mich mit der älteren Elin zurecht zu finden. Rückblickend ist es eigentlich gerade das Realistische an diesem Roman, dass die Protagonistin nicht fehlerfrei ist und zeigt sich im Verlauf als schlüssig.
Etwas Mühe hatte ich mit der Auflösung des Geheimnisses aus der Vergangenheit. Dieses vorantreibende Element wurde meiner Meinung nach zu früh und zu ernüchternd aufgelöst, sodass ich nach 3/4 des Buches etwas enttäuscht war. Es dauerte einige Kapitel, um zu zeigen, dass die Geschichte hier noch nicht zu Ende war. Gegen Ende kam es zu ein paar cleveren Wendepunkten, die dem Roman wieder genügend Fahrt gaben. Gefühle weckte Elias Geschichte auf jeden Fall in mir und außer dem angesprochenen Hänger konnte ich mich gut in der gezeichneten Landschaft und dem Leben der Protagonistin verlieren.
Ein kurzweiliges Buch, das zeigt, dass nicht alles im Leben so ist wie es scheint und es Entscheidungen gibt, die das Leben komplett verändern können.

Bewertung vom 12.01.2020
Todesmal / Sabine Nemez und Maarten Sneijder Bd.5
Gruber, Andreas

Todesmal / Sabine Nemez und Maarten Sneijder Bd.5


ausgezeichnet

Der Thriller „Todesmal“ von Andreas Gruber überzeugte mich überraschend. Ich war eigentlich nicht richtig in Stimmung für einen Thriller, doch dann fiel mir dieses Buch in die Hände. Die gekonnt inzinierte Schnitzeljagd ließ mich den Thriller kaum mehr aus der Hand legen.

Nachdem Kommissar Martin S. Sneijder -bekannt für sein unkonventionelles Vorgehen- sich mit dem Chef angelegt hat, kündigt er fristlos und ab sofort. Ungünstiger Weise taucht genau an diesem Tag eine ältere Nonne auf, die angibt, in den nächsten sieben Tag sieben Morde zu verüben. An wen und warum gibt sei nicht preis. Außerdem möchte sie nur mit Herrn Sneijder sprechen. Das BKA steht vor einer gekonnt gestellten Aufgabe. Denn obwohl die Nonne in Gewahrsam sitzt, beginnen die Morde. Doch die Hinweise für die Morde sind alle vorhanden. Bleibt nur noch, sie früh genug zu lösen und die grausame Lösung des Rätsels zu enthüllen.

Ich hatte vorher noch nie einen Thriller von Andreas Gruber gelesen und hatte daher wenig Erwartungen. Er steigt sehr direkt ein und zack befindet man sich in mitten der Handlung. Trotzdem findet sich genug Gelegenheit direkt oder auch zwischen den Zeilen die handelnden Charaktere mit einer besonderer Eigennote zu versehen, was für mich den Thriller sehr anschaulich gemacht hat.
Die Handlung ist in sich schlüssig und sehr gut konzipiert. Die vorkommenden Straftaten sich kreativ in Szene gesetzt, wenn auch zum Teil auf sehr schauerliche Art und Weise. Der Thriller ist angenehm geschrieben und lässt sich gut runterlesen. Ein paar Perspektivwechsel und Zeitsprünge erleichtern, das Gesamtkonzept zu erklären, ohne zu viel vorweg zu nehmen.
Ein wenig gewünscht hätte ich mir, dass die Reaktion auf den Hintergrund der Nonne und den Umgang der Polizei damit mehr beleuchtet wird. Das kam mir am Ende etwas zu kurz (lässt sich aber ohne Spoiler nicht genauer erläutern).
Insgesamt war ich sehr angetan von dem Thriller und habe ihn in wenigen Stunden verschlungen. Ein schönes Buch für kalte Wintertage und natürlich auch darüber hinaus.

Bewertung vom 04.08.2019
Ultimatum / Kommissar Eugen de Bodt Bd.5
Ditfurth, Christian von

Ultimatum / Kommissar Eugen de Bodt Bd.5


gut

Der Thriller „ULTIMATUM“ von Christian von Ditfurth ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Polit-thriller, der aktuelle Thematiken aufgreift, ohne dabei belehrend zu wirken.

Hauptkommissar de Bodt und seine Kollegen werden zu einem Erpressungsfall hinzugezogen. Der Mann der Kanzlerin wurde entführt. Die Kanzlerin soll nun einen Profistrategen aus der Haft entlassen. Doch das ist erst der Anfang.
Schließlich findet sich die deutsche Regierung einer professionellen Verbrecherbande gegenüber, die unmöglich zu erfüllende Forderungen an die Kanzlerin stellen. Doch was soll damit erreicht werden?
Als schließlich die Frau des französischen Präsidenten ebenfalls entführt wird, glabut Kommisar de Bodt die volle Tragweite verstanden zu haben. Doch da gibt es noch die Entführung einer Familie eines Atomkraftwerkmitarbeiters von der noch niemand etwas ahnt. Die Verbrecherband ist etwas größerem hinterher. Es könnte die Welt für immer verändern…

Der Thriller ließ sich einmal angefangen nur schwer aus der Hand legen. Die Spannungskurve baute sich sehr schnell dadurch auf, dass einem als Leser, ebenso wie den Protagonisten nicht ersichtlich war, was der letztendliche Plan der Verbrecher darstellen sollte. Eine spannende Hetzjagd verblüffte mit immer neu auftretenden unvorhergesehenen Ereignissen.

Gerade der ständige Perspektivenwechsel in die verschiedenen Protagonisten steigerte die Spannung. Durch das interessant gebaute Intrigennetz konnte der Leser selbst aus der Sicht der Verbrecher sich der Rätsellösung nur wenig nähern. So wurde die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten.
Die aktuelle politische Situation wurde dabei in den Thriller eingebaut. Auch wenn dieses Verbrechen natürlich keinerlei Realitätsbezug hat, so tauchen doch viele Personen des öffentlichen Lebens -speziell der Politik auf. Dadurch wirkt der Thriller aktuell und ermöglicht mehr Einfühlungsvermögen.
Einzige Abzüge erhält der Thriller aufgrund der am Ende doch sehr komplexen Hintergrundauflösung. Ein schön gewundenes Netz aus Ideen ist zwar schön, doch die letztendliche Auflösung erfolgte mir zu schnell und erfordert meiner Meinung nach etwas Hintergrundwissen.

Ansonsten gefiel mir der Thriller gerade auch aufgrund der interessanten Figur des Hauptermittlers, der clever und ohne jegliche Angst vor der politischen Obrigkeit agiert, sehr gut. So kam man um den ein oder anderen Schmunzler nicht drum herum und war bis zu Ende gefesselt von diesem Fall. Ich würde diesen weiterempfehlen.