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Benutzername: Lettercrubler
Wohnort: Göttingen
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Danksagungen: 9 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 30 Bewertungen
Bewertung vom 26.12.2018
Der Himmel gehört uns
Allnutt, Luke

Der Himmel gehört uns


sehr gut

"Der Himmel gehört uns" fällt normalerweise nicht in die Kategorie Roman, die ich lesen würde. Bücher über Schmerz und Tränen rühre ich normal gar nicht erst an. Anders dieses Buch. Ich habe es innerhalb von einem Tag verschlungen und einige Taschentücher verbraucht.

Anna und Rob lernen sich in der Highschool kennen. Nach einer langen Zeit von Fehlgeburten bekommen sie ihr erstes Kind, Jack. Doch im Alter von sechs Jahren wird bei Jack ein Hirntumor diagnostiziert. Der Kampf gegen den Krebs bringt die Eltern an ihre eigenen Grenzen und die ihrer Beziehung.

Am Anfang habe ich mich etwas gelangweilt. Der Einband des Buches nahm die Geschichte quasi vorweg. Man erfuhr, wie sich das Paar kennenlernte und wie sie zu ihrem Kind standen. Der Roman an sich enthält keinen direkten Spannungsbogen. Das Ende wird bereits vorweggenommen.
Trotzdem war ich unheimlich gefesselt. Die Beziehung zu ihrem kranken Kind und auch die Beziehung des Paares wird rührend beschrieben und baut sich langsam auf. Man fühlt direkt mit den Eltern mit. Auch werden viele Facetten an Gefühlen angesprochen: die Hilfsforen im Internet, die Beziehung zu Freunden und Bekannten usw. Das Gesamtgeschehen wirkt sehr realistisch. Die Hoffnung, an die sich der Vater im Gegensatz zu seiner Frau immer noch (vielleicht zu unrecht) klammert, lässt einen als Leser direkt mit verzweifeln.
Aus einem medizinischen Hintergrund kommend kann ich sagen, dass auch die medizinischen Details für einen fiktionalen Roman gut beschrieben sind.
Besonders gut hat mir auch der Schreibstil des Romans gefallen. Beschreibend, aber ohne unnötig Schnörkel. Außerdem beginnt jedes Kapitel mit einem kleinen Brief vom Vater an seinen Sohn. Das Cover und der Titel passen gut zu dieser rührenden Geschichte über Kraft, Kämpfen, Hoffnung und Tod.
Generell hat mich das Buch nicht losgelassen und ich denke, ich werde noch langer an dieser Geschichte hängen.

Bewertung vom 08.10.2018
Die Prophezeiung des magischen Steins
Rother, Stephan M.

Die Prophezeiung des magischen Steins


gut

„Die Prophezeihung des magischen Steins“ von Stephan M. Rother deutet schon mit ihrem aufwendig gestalteten Cover an, dass es sich um einen Ausflug in die Welt der Fantasy handelt.
Die Geschichte spielt in einer fantasievollen Welt mit einem großen Königreich, in welchem Gnome, Elben, Zwerge und Menschen gleichermaßen wohnen.
Der junge Dafydd lebt als Bediensteter auf dem Schloss des Königs. Ihn verbindet eine innige Freundschaft mit der Prinzessin Livia, die schon bald Thronfolgerin des Landes werden soll. Doch bevor sich die Beziehung zwischen beiden intensivieren kann, wird Dafydd zusammen mit anderen Gefährten (einem Gnomen, einem Zwerg und einem Halbelb) auf eine Reise ins Land geschickt. Auf diesem Weg erhält Dafydd von einer Zauberin ein rätselhaftes Artefakt, den singenden Stein. Dieser hat verborgene Kräfte und hilft Dafydd fortan, den gefährlichen Weg zu beschreiten, den die Zukunft für in vorgesehen hat. Denn böse Mächte sollen erweckt werden…
Leider hatte ich den „Fehler“ gemacht und vorher das großartige Fantasyepos „Der Name des Windes“ von Rothfuss gelesen. Dagegen kam „die Prophezeihung des magischen Steins“ leider nur schwer weg.
Der Beginn der Geschichte wirkt etwas fahrig und gerade die sehr einfache, kindliche Sprache überzeugte mich eher weniger. Auch ist die Geschichte: verschiedenartige Gefährten versuchen die Welt mit Hilfe von einem kleinen Jungen zu retten, nicht besonders originell.
Ab der Mitte des Buches fängt sich die Handlung aber etwas und nimmt an Fahrt auf. Gerade die Welt der Elben ist sehr liebevoll gestaltet. Besonders hervorheben möchte ich die Tatsache, dass das Buch in sich abgeschlossen ist. Vielfach erwartet man ja doch, ewig auf eine Fortsetzung warten zu müssen. Die Handlung nimmt zum Ende noch mal an Spannung zu und endet dann jedoch relativ plötzlich. Aus dem Ende hätte man daher ein wenig mehr gewinnen können.
Gesamt handelt es sich um eine nette, kurzweilige Geschichte, die leider sehr durch ihren Schreibstil und unter der Tatsache leidet, dass man das Gefühl hat, die meisten Symbole schon mal irgendwo gelesen zu haben.

Bewertung vom 17.07.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


ausgezeichnet

Der Thriller „Der Kreidemann“ von C. J. Tudor hält das, was der Titel schon verspricht: eine düstere Atmosphäre, die zeitweise die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt.

Die Handlung wird zu zwei Zeitpunkten erzählt: aus der Sicht des zwölfjährigen Eddies, sowie 30 Jahre später.
Als Junge muss Eddie -genannt Ed- mit ansehen, wie vor seinen Augen eine Jahrmarktsattraktion zusammenbricht und die Besucher z.T. schwer verletzt werden. Zusammen mit einem unbekannten Mann kann er ein Mädchen rettet und gilt ab sofort als Held. Dieser unbekannte stellt sich wenig später als sein Lehrer heraus und auch er ist es, der Ed das erste Mal auf die Idee bringt, sich mit seinen Freunden via Kreidezeichen zu verständigen.
Was als lustiges Kinderspiel beginnt, endet schließlich mit der Entdeckung einer Mädchenleiche und plötzlich geht von den Kreidefiguren eine Bedrohung aus, die niemand vorher erahnt hätte…

Beim ersten Lesen des Titels dachte ich direkt an den Slender Man, doch der Kreidemann berührt auf ganz andere Art und Weise die Nerven des Gruseligen. Überall, wo sowohl Erzähler wie auch Leser*in nicht mehr klar ist, was wahr und was Hirngespinst ist, tauchen die Kreidezeichen auf. Sowohl der Weg zur Leiche, wie zu anderen Verbrechen wird von Kreidezeichen begleitet, doch niemand weiß, woher sie kommen.
Überzeugend gruselig, mit der richtigen Mischung aus Verwirrung und Ahnung, leitet der Protagonist Ed durch die Geschichte. Die Veränderungen der Charaktere innerhalb der dreißig Jahre sind nachvollziehbar und geben der Handlung eine gute Authentizität. Viele Lücken werden erst spät und einige Rätsel sogar erst auf der letzten Seite entschlüsselt.

Ein super spannendes Buch, was durch gut aufgebaut Spannung überzeugt. Wer sich Sorgen macht, der Thriller könnte ins Blutige oder ins Horrorgenre abwandern, braucht sich allerdings nicht allzu viele Gedanken zu machen. Der Thriller tut genau das, was er soll, fesseln, unterhalten und den Leser tief in den Bann des Kreidemannes reißen. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 10.05.2018
The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?
Finn, A. J.

The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?


ausgezeichnet

„The woman in the window“ von J. A. Finn überzeugte als spannender Thriller und gut durchdachtes Katze-Maus-Spiel.

Der Thriller ist aus der Perspektive der Psychologin Anna Fox geschrieben, die unter Agoraphobie leidet. In mehreren Flashbacks erfährt der Leser/ die Leserin nach und nach wie es zu diesem psychologischen Trauma kam, was sie dazu veranlasst, das Haus nicht mehr zu verlassen. Anna lebt somit in ihrer eigenen Welt, die vor allem von Alkohol und Medikamenten bestimmt wird. Nebenbei beobachtet sie ihre Nachbarn. Als sie eines nachts mit ansehen muss, wie ihre neue Nachbarin unerwartet erstochen wird, versucht sie den Fall zu melden. Doch wer glaubt schon jemandem wie ihr?

Ein spannendes Buch mit zwei komplett überraschenden Trendwendungen an Stellen, an denen man glaubt, das Rätsel gelöst zu haben. Ich habe den Thriller an einem Wochenende verschlungen. Gerade aufgrund der Überraschungen innerhalb des Plots würde ich das Buch sogar ein zweites Mal lesen, um die stets logischen Seitenhinweise dieses Mal zu beachten.

Besonders hat mir die Erzählweise gefallen. Die Protagonisten ist aufgrund ihrer Erkrankung aber vielleicht auch als Person an sich für mich etwas schwer nachvollziehbar gewesen. Der Autor ruft hier auf gekonnte Weise Spannung hervor, in dem der Leser nicht weiß, ob er der Erzählerin komplett vertrauen kann oder ob auch sie vielleicht einem Trug zum Opfer gefallen ist.
Wenn vielleicht auch nicht in erster Intention erlebt man dennoch in dem Buch ein gesellschaftliches Problem, was auch durch die zu schnelle Stigmatisierung der Protagonistin geschieht: niemand glaubt ihr, da sie ohnehin an einer psychischen Erkrankung leidet.
Ich empfand das Szenario als gut dargestellt und würde den Thriller auf jeden Fall weiterempfehlen.

Bewertung vom 01.02.2018
Was bleibt, sind wir
Santopolo, Jill

Was bleibt, sind wir


sehr gut

"Was bleibt sind wir" ist ein Roma von Jill Santopolo, der von Liebe und Gefühlen voll ist.
Besonders auffällig ist hierbei die Erzählperspektive. Ein Ich -Lucy- richtet ihre Worte an ein "Du" namens Gabe.
Die junge Lucy trifft in einem Studienkurs auf den ungewöhnlichen Gabe. Er fällt ihr sofort ins Auge und sie beschließen, den Nachmittag miteinander zu verbringen, ohne zu wissen, was an diesem Tag, dem 11.09.2001, nicht nur in ihren Leben sondern in der Welt passieren sollte. In New York City müssen sie den Sturz des World Trade Center miterleben, doch säht dies zugleich den ersten Funken einer stürmischen Liebe.
Lucys Welt gerät jäh aus den Fugen, als Gabe sie verlässt, um in Kriegsgebieten als Fotograf zu arbeiten. Wahnsinnig vor Verlust und verlorener Liebe, kann sie kaum in die Zukunft sehen. Auch ein neuer Mann kann sie nicht ihre große Liebe auf der anderen Seite der Welt vergessen lassen. Nach einiger Zeit entscheidet sich Lucy für ein neues Leben, doch nichts kann Gabe vollends von ihr fernhalten, oder?
An die ungewöhnliche Erzählperspektive musste ich mich zuerst gewöhnen. Gerade in den ersten Kapiteln empfand ich es als sehr anstrengend, als dritte Person das Schreiben zwischen einem Ich und einem Du zu verfolgen. Allerdings gewöhnte ich mich daran und konnte mich am Ende sogar noch besser darin hineinversetzen. Insgesamt erzeugt die Erzählperspektive eine ganz besondere Stimmung, die sehr emotional wirkt.
Die Handlung des Romans ist eine Liebesgeschichte durch und durch. Dennoch wird sie von den Entscheidungen der Protagonisten getragen, von denen man nicht voraussagen kann, was sie als nächstes tun werden. Auch zeigt der Roman, wie äußere Einflüsse sich auf das Schicksal einzelner auswirken können. Allen voran sind jedoch die eigenen Entscheidungen diejenigen, die die Lebensgeschichte beeinflussen können.
Zu Beginn des Buches bin ich nicht gut vorangekommen. Zum Ende nahm die Geschichte jedoch Fahrt auf. Gerade das Ende hat mich überrascht und ich empfand es als mit das Genialste an diesem Buch. Tatsächlich würde ich sagen, dass der Roman zum Nachdenken anregt und auf wunderbare Weise das Schicksal zweier Liebenden erzählt, um zu zeigen, dass manche Entscheidungen weder richtig oder falsch sind, aber das Leben für immer verändern können.

Bewertung vom 03.12.2017
Acht Berge
Cognetti, Paolo

Acht Berge


sehr gut

Der Roman „Acht Berge“ von Paolo Cognetti erzählt in gefühlvoller Weise eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die Beziehung zur Natur.
Pietros Vater liebt die Berge. Manchmal scheint es so, als würde er das Gipfelstürmen mehr lieben als alles andere. Mit der Natur verbunden zieht die Familie in ein kleines Bergdorf, in dem Pietro den etwa gleichalten Jungen Bruno kennenlernt. Obwohl beide charakterlich sehr verschieden sind, verstehen sie sich fast auf Anhieb und beginnen daraufhin ihre Welt der Berge zu erkunden. Doch die Jahre gehen ins Land und sowohl die Beziehung zu seinem Vater, zu Bruno, aber auch zu der Natur um ihn herum beginnt sich immer weiter zu verändern bis Pietro selbst nicht mehr weiß, wo er eigentlich hin gehört.

Ein Buch für Menschen, die die Berge lieben und genau nachvollziehen können, was hier aus der Sicht Pietros beschrieben wird und auch für solche, die sich von den sanften Schilderungen Cognettis mitziehen lassen wollen. Das Buch erzählt sanft, wie Beziehungen einen Menschen formen und Entscheidungen das Leben verändern können. Die Leselust entsteht hier weniger durch einen steilen Spannungsbogen, als durch die Wärme und Detailliertheit mit dem Personen und Natur dieses Buches entstehen.

Gerade für den Winter ist dieses Buch ideal, um sich in eine Ecke zu kuscheln und von den Bergen zu träumen. Wer eine packende Abenteuergeschichte erwartet, der ist hier verkehrt. Was das Buch aber jedem zeigt, egal, ob Bergfreund oder –feind, unsere Entscheidungen etwas zu tun oder von etwas abzulassen markieren nicht nur unseren Weg, sondern machen auch aus, wer man ist und wie man wird.

Bewertung vom 20.08.2017
Das Vermächtnis der Familie Palmisano
Nadal, Rafel

Das Vermächtnis der Familie Palmisano


sehr gut

„Das Vermächtnis der Familie Palmisano“ von Rafel Nadal ist ein Roman, der den Leser weit mitnimmt in das Leben einer jungen Familie in Italien, das vom Krieg düster überschattet wird.

Donata Palmisano erlebt wie kurz vor Kriegsende ihr Mann und dessen bester Freund Oper dieser Schlacht werden. Damit ist ihr bis dahin ungeborener Sohn der letzte männliche Palmisano. In dem Glauben, auf der Familie liege ein Fluch, der schon 21 männlichen Familienmitgliedern während der Schlacht das Leben gekostet hat, gibt sie ihren Sohn als den ihrer Cousine aus. Da diese zur gleichen Zeit ein Mädchen gebährt, ziehen die beiden Witwen fortan die Kinder gemeinsam als Zwillinge auf. Beide wachsen in einem wohlbehüteten Umfeld auf, das durch den Beginn des zweiten Weltkrieges jäh zerstört wird. Kann Donatas einstige Verzweiflungstat ihren Sohn vor dem Fluch der Palmisano retten und ihn den Krieg überleben lassen?

Italien zwischen den Weltkriegen und das Schicksal einer Familie: Natürlich hatte ich mich mit unserer Geschichte beschäftigt und kannte Italiens Rolle in den Weltkriegen. Hier aber exemplarisch die Situation einer Familie dargestellt zu bekommen, war etwas anderes. Auch wenn die Charaktere fiktiv überlegt sind, so sind die Geschehnisse gut recherchiert. Die Geschichte und die Figuren des Romans weisen ihre Ecken und Kanten auf, was die Handlung und auch das Hereinversetzen umso einfacher macht. Zu Beginn des Buches war ich nicht so gepackt. Das Heranwachsen der beiden Kinder war zwar unterhaltsam, doch auch langweilig. Ab der Hälfte setze dann ein regelrechter Rausch ein und ich habe das Buch an einem Tag verschlungen, mit den Charakteren gelitten und mich mitten in den Kriegstrümmern befunden. Die Geschichte hat durchaus ihre düsteren Stellen, doch ist damit auch gut der damaligen Zeit angepasst. Ich würde das Buch generell weiterempfehlen, aber auf jeden Fall mit dem Hinweis, dass man den Anfang erst mal überlesen muss.

Bewertung vom 11.06.2017
Die Geschichte der Bienen
Lunde, Maja

Die Geschichte der Bienen


ausgezeichnet

Bei „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde handelt es sich um eine ganz hervorragende Mischung aus Roman, Drama und einer packenden Erzählung über wirkliche Gegebenheiten, die ich kaum einem Genre zuzuordnen vermag.
Gesamt gibt es drei Handlungsstränge, die anfangs formal unabhängig an verschiedenen Handlungsorten zu verschiedenen Zeiten beginnen.
Tao, die in China 2098 als Bäumebestäuberin arbeitet, versucht sich mit dem niedrigen Lohn über Wasser zu halten, um ihrem Sohn ein besseres Leben bieten zu können. Die Geschehnisse überschlagen sich, als ihr kleines Kind eines Tages bewusstlos aufgefunden wird und eine Jagd gegen die Zeit beginnt.
In England im Jahre 1852 lebt der Samenhändler William. Von seinem Leben und seiner gescheiterten Forschung enttäuscht, liegt er mit einer schweren Depression im Bett und lässt sich auch durch seine Kinder nicht zum Aufstehen bewegen bis ihm plötzlich eine neue Idee kommt…
In Ohio 2007 lebt der Imker Georg. Seit sein Sohn studiert, ist dieser nicht mehr von dem Lebenstraum seines Vaters, der Übernahme des Hofes überzeugt. Sein Vater hat schwer damit zu kämpfen, wie die Zeiten sich verändern.
Diese drei kurzen Umrisse sollen von der Handlung erst einmal nicht viel vorweg nehmen. Gesagt sei nur, dass die verschiedenen Stränge dem Titel immer mehr ihre Ehre machen: „Die Geschichte der Bienen“.
Ich betrachtete diesen Titel anfangs mit einer gewissen Skepsis. Irgendwie erwartete ich eher ein Naturkundebuch und nicht einen derart cleveren Roman. Die Charaktere sind gut gezeichnet und lassen das innere Auge aufleben. Besonders interessant wurde die Geschichte für mich, als ich herausfand, dass viele Details nicht erfunden, sondern tatsächlich so geschehen (gerade die Blütenbestäubung hatte ich als eine geniale Science-Fiction-Idee angenommen). Generell hatte ich als Leserin anfangs wenig Ideen, worauf das Ganze hinauslaufen würde. Ich mochte die Art der Erzählung mit vielen Beschreibungen, doch erst ab Mitte des Buches riss es mich förmlich mit. Verschiedene Handlungen gewannen an Fahrt und Spannung.
Gesamt kann ich somit sagen, dass mich dieser Roman wirklich sehr überzeugt hat. Er richtet sich meiner Meinung nach vor allem an Personen, die Wert auf eine gut skizzierte Kulisse legen und auch die Details nicht außer Acht lassen. Mit überdurchschnittlicher Liebe zu Bienen oder der Imkerei hat dieses Buch jedenfalls nichts zu tun. Es weckt Interesse, ist aber keineswegs ein Sach- oder Biologiebuch. Viel mehr weist diese Geschichte nachdrücklich daraufhin, wie der Menschen mit seiner Natur umgeht bzw. was passiert, wenn sich diese Beziehung verändert. Sehr empfehlenswert!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.01.2017
Das Gedächtnis der Insel
Buder, Christian

Das Gedächtnis der Insel


ausgezeichnet

Der Roman „Das Gedächtnis der Insel“ von Christian Buder reißt den Leser in einen tiefen Strudel aus Intrigen, Begehren und menschlichen Entscheidungen.

Der Archäologe Yann reist nach zwanzig Jahren das erste Mal in seine Heimat zurück. Eine kleine Insel, auf der jeder jeden kennt und jedes Gerücht schnell die Runde macht, war der Ort seiner Kindheit. Zur Beerdigung seines Vaters kommt er nun zurück. Ungewollt wirbelt der Besuch Gedanken an seine tote Mutter und längst verdrängte Vergangenheiten auf. Als er seine ehemalige Liebe Gwenn wiedertrifft, erfährt er, dass diese den Mord seines Vaters aufklären will. Davon bestärkt beginnt er Nachforschungen an zu erstellen und gelangt so auch an Wissen über den Tod seiner Mutter. Als ein grässlicher Sturm alle Beteiligten auf der Insel gefangen hält, beginnen sich bald die Ereignisse zu überschlagen und Yann muss um weit mehr als sein Leben fürchten…

Der Roman hat mich unheimlich gefesselt. Durch die detaillierte Beschreibung der Insel und ihrer Umwelt wurde eine düstere Stimmung erzeugt, die die Spannung der Handlung deutlich untermalt hat. Die Figur Yanns ist in großer Tiefe gezeichnet. Besonders überzeugt haben mich, die Charakterdetailliertheit und die klare Struktur, die hier verfolgt werden. Jede Person scheint ein Geheimnis zu haben, was nach und nach aufgedeckt wird. Die Handlung ist stringent und logisch aufgebaut und besitzt doch immer wieder feine Wendepunkte. Auch wenn der Leser anfangs manche Dinge erahnen kann, so wird er/sie doch immer wieder überrascht. Auch wenn das Cover mich zuerst auf einen Anteil von Mysterie und Fantasie hat schließen lassen, würde ich dies allerdings eher in das Genre Krimi einordnen.

Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, wenn man gerne spannende Krimis liebt. Man kann sich damit wirklich gut in eine schöne Ecke verkriechen und das Buch in einem Stück weglesen. Auch wenn es viel um persönliche Beziehungen geht, so sollte man sich nicht auf eine „schöne Liebesgeschichte“ o.ä. versteifen. Es handelt sich meiner Ansicht nach wirklich eher um einen Krimi, aber einen wirklich guten.

Bewertung vom 08.12.2016
Im ersten Licht des Morgens
Baily, Virginia

Im ersten Licht des Morgens


ausgezeichnet

Virginia Baily liefert mit „Im ersten Licht des Morgens“ einen wunderbaren Roman über das Leben zu der Besetzerzeit Roms, Familie, Freundschaft und das Erwachsenwerden.
Abwechselnd zwischen den Kapiteln wird die Geschichte einer jungen Frau im Jahre 1943 und 1973 erzählt. Chiara, die mit ihrer an Epilepsie leidenden Schwester zusammenlebt, schlägt sich Tag für Tag durch, um während der Besetzung Roms noch an Lebensmittel und andere Gegenstände zu kommen. Obwohl sie als Christin nicht von den Judenghettorisierung betroffen ist, kann sie eines Tages nicht länger hinsehen und rettet einem kleinen Jungen das Leben. Fortan wohnt Daniele bei ihr. Obwohl er ihr das Leben nicht leicht macht, beginnt sie ihn aufopferungsvoll zu lieben.
Dreißig Jahre später lebt Chiara immer noch in Rom. Allerdings wohnt sie nun alleine und versucht die vergangenen Jahre zu vergessen. Plötzlich meldet sich eines Tages ein junges Mädchen, das behauptet, die Tochter Danieles zu sein. Chiaras kleine Welt bricht für einen Moment zusammen und sie muss sich ihren Erinnerungen stellen.
Ein wirklich schöner Roman, der mich durchgehend im Lesefluss gehalten hat. Man kann sich sehr gut in die verschiedenen Charaktere herein versetzen und spürt die düstere Zeit der Besetzung wie am eigenen Leib. Durch die zeitlichen Sprünge wird eine gute Spannung aufgebaut, da der Leser*in vorerst nicht erfährt, was genau in der Zwischenzeit passiert ist und wieso sich gewisse Dinge so verändert haben. Der Schreibstil ist flüssig und lässt eine schöne kleine Welt entstehen. Es wird nicht zu viel und nicht zu wenig beschrieben. Auch die Atmosphäre Roms kommt sehr gut zum Tragen, sodass man sich die Umgebung gut vorstellen kann.
Lediglich enttäuschend fand ich das etwas abrupte Ende, das zwar schon früh zu erwarten, jedoch dann viel zu plötzlich kam.
Gesamt wird eine schöne Geschichte gezeichnet, die über Zeit, Menschen und eine schöne Stadt berichtet. Eine wirklich gelungene Lektüre.