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Lettercrubler
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Göttingen
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 48 Bewertungen
Bewertung vom 04.12.2022
In unserem Universum sind wir unendlich
Sprinz, Sarah

In unserem Universum sind wir unendlich


sehr gut

"In unserem Universum sind wir unendlich" - ein Roman zum Weinen und Lächeln.
Der 18jährige Ansel hat schon lange den Wunsch, Medizin zu studieren. Deshalb arbeitet er als FSJler auf einer Intensivstation des örtlichen Krankenhauses. Dort trifft er auf den gleichaltrigen Emil, Sohn der Oberärztin der Neurologie. Schon bevor die beiden sich kennenlernen, erfährt Ansel, dass Emil an einem unheilbaren Hirntumor leidet und bald sterben wird. Nichtsdestotrotz verlieben sich die beiden Jungen ineinander. Für sie ist es die erste große Liebe und gerade für Ansel, der sonst aufgrund seiner Homosexualität gemobbt wurde, etwas ganz besonderes. Doch die Zeit spielt gegen die Beiden.

Als ich den Roman in der Hand hielt und den Klappentext las, war ich wenig begeistert. "Emil wird sterben". Damit war das Ende klar und ich gehöre nicht zu den Menschen, die gerne traurige Romane lesen. Nichtsdestotrotz konnte ich mich in die Geschichte der beiden Jungen vertiefen und habe ab der Hälfte des Romans einige Tränen gelassen. Die Emotionalität der Geschichte ist wirklich beeindruckend. Die Autorin lässt durch die Augen ihres Protagonisten verschiedene Fragestellungen aufkommen: was denkt Emils Familie, wie sollte man sich in bestimmten Situationen benehmen. Dabei bleiben die medizinischen Schilderungen stets wahrheitsgetreu. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und irgendwie hofft man doch bis zum Ende auf die glückliche Lösung. Dem Protagonisten muss man jedoch etwas Zeit geben. Am Anfang hat er mich das ein oder andere Mal mit seiner Zurückhaltung auf die Palme gebracht. Seinem Bruder zum Beispiel gegenüber verhält er sich ziemlich idiotisch und manchmal hatte ich das Bedürfnis, ihn zu schütteln und zu sagen: jetzt mach doch mal! Damit steht er ganz im Gegensatz zu Emil, den man sich sehr gut vorstellen kann und der lebendig wird, egal wie schlecht es ihm geht.
Weiterhin gestört hat mich ein wenig der Konflikt um Ansels Homosexualität, die von seinen Eltern ignoriert und von seinen Mitschülern verspottet wird. Ganz und gar nicht, weil dieses Thema nicht wichtig sei. Dass ist es mit Sicherheit, nur gerade deshalb hätte es vielleicht einen eigenen Roman verdient. So erschien mir die ganze Geschichte an manchen Stellen etwas überladen. Natürlich muss auch dieses Problem nicht fernab aller Realität stehen, mir persönlich war es so aber etwas viel.

Zusammenfassend hat mich die Geschichte überzeugt. Vor allem die komplexen emotionalen Fragestellungen wurden meiner Ansicht nach sehr gut beleuchtet. Einen Stern Abzug gibt es, weil ich diese Art von Büchern einfach persönlich nicht so mag. Für jemanden, der aber gerne mit einem Taschentuch neben dem Buch sitzt und eine romantische, emotionale Geschichte lesen möchte, dem würde ich dieses Buch sehr empfehlen.

Bewertung vom 18.09.2022
Die Familie
Krupitsky, Naomi

Die Familie


weniger gut

Der Roman "Die Familie" von Naomi Krupitsky konnte mich leider so gar nicht begeistern und schleppte sich so dahin.
Kurz zum Inhalt: Die beiden Nachbarstöchter Antonia und Sofia wachsen zusammen in New York auf. Charakterlich unterscheiden sie sich sehr und sind trotzdem beste Freundinnen. Auch als sie noch klein sind, fällt ihnen auf, dass ihre Väter von anderen mit Angst angesehen werden und dass sie fern von anderen Kinder aufgezogen werden. Sie leben innerhalb "der Familie", die sie beschützt. Als Antonias Vater verschwindet, stellt sich jedoch die Frage, ob "die Familie" nicht auch weit mehr bedeutet als nur Schutz.
Die beiden Mädchen wachsen heran und beginnen sich immer mehr und mehr auseinander zu leben. Doch die Familie bleibt, denn man kann ihr nicht entkommen, oder?

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkel von den verschiedenen Protagonist*innen erzählt und springt dabei in einem Kapitel zwischen den verschiedenen Sichtweisen. Dass an sich gefiel mir gut, doch der Schreibstil strengte mich auf Dauer sehr an. So schreibt die Autorin im Präsenz, springt dann aber ins Futur II. Sicherlich ein Stilelement, das man nutzen kann, aber in der Häufigkeit las es sich für mich sehr anstrengend. Auch fehlte mir der komplette Spannungsbogen. Die Charaktere sind authentisch aufgebaut, mit Tiefe und bleiben sich im Rahmen ihrer Entwicklung treu. Doch aufgrund des Hintergrundes, in dem die Charaktere aufwachsen hätte ich mehr Spannung, mehr Handlung erwartet. Stattdessen zieht sich der Bericht über das Heranwachsen der Frauen hin. Vielleicht wollte die Autorin auch genau das Ausdrücken, die Atmosphäre die das Aufwachsen im Rahmen "der Familie" trotz allen Vorurteilen ein halbwegs normales Aufwachsen bedeuten kann.
Zusammengefasst war mir die Handlung zu langsam, der Schreibstil konnte mich nicht abholen und damit kann ich trotz der guten Charakterbeschreibung und -entwicklung leider nur zwei Sterne vergeben.

Bewertung vom 12.06.2022
Lass mal an uns selber glauben
Engelmann, Julia

Lass mal an uns selber glauben


gut

"Lass mal an uns selber glauben" von Julia Engelmann gehört nicht zu den Bücher, die ich normalerweise lese. Der Band enthält die schönsten Gedichte der Poetry-Slamerin Engelmann. Ich kannte den Namen schon von mehreren Freundinnen, die total begeistert von dieser Künstlerin waren. Für ein richtiges Buch kam dieses jedoch nicht richtig bei mir an. Dies mag zum einen daran liegen, dass ich nicht wirklich häufig Gedichtbände lese und auch, dass mich die Texte nur bedingt fesselten.
Generell schwankt das Thema, sowie der Stil der Gedichte sehr. Manche beschreiben das Lebensgefühl eines jungen Erwachsenen, mehr aus seiner Zeit zu machen. Manche richten sich an die Familie der Künstlerin und handeln von Liebe. Einige wenige konnte ich nicht wirklich fassen. Allgemein handelt es sich bei diesen Versen auch weniger um Poesie mit einem Vermaß und einem Jambus. Wer schon mal auf einem Poetry-Slam war, kennt den Schreibstil und ich finde die aneinander gereihten Zeilen nicht unbedingt immer angenehm zu lesen.
Zu gute Halten muss man, dass das Buch wirklich liebevoll gemacht ist. Der Einband ist wirklich hübsch und in dem Buch sind viele kleine niedliche Zeichnungen enthalten. Viele Texte gefielen mir in den Bilder, die sie malten.
Zusammengefasst muss man sagen, wer Poesie und diese Art der Texte mag, ist hier an einem schönen Werk angekommen und wird viel Freude daran haben. Wer lieber Prosa liest und eine richtige Geschichte verfolgt, der ist hier an der falschen Ecke.

Bewertung vom 05.05.2022
In fünf Jahren
Serle, Rebecca

In fünf Jahren


gut

"In fünf Jahren" beworben als ein romantischer Roman über eine Frau, die über ihr Leben in fünf Jahren träumt und dies nie ganz vergessen kann. Damit zerstört sie ihr sonst so durchgeplantes, getacktetes Leben. Ein Roman darüber, wie sich das Leben ungeplant komplett verändern kann und über Liebe, vor allem aber über Freundschaft.

Vorsicht Spoiler!

Ich kann dieses Buch nicht bewerten, ohne einen Hauptpunkt daran zu spoilern. Die ersten Seiten fand ich wenig überzeugend. Die Idee, dass die Protagonistin fünf Jahre in der Zukunft aufwacht und ein anderes Leben lebt, als das was sie sich geträumt hat, fand ich wenig überzeugend. Dann aber spielte sich die Handlung ein. Die Geschichte ließ sich gut lesen und mir gefiel die Tatsache, dass die Handlung in Zeitsprüngen erzählt ist, bis die fünf Jahre vorbei sind. Nun aber kommt der springende Punkt, ab der Hälfte des Buches ändert sich die Handlung vollständig. Die beste Freundin der Protagonistin erkrankt an Krebs und fortan dreht sich der Roman fast ausschließlich um diese Erkrankung. Dem zugute halten muss man, dass 1) die medizinischen Tatsachen überzeugend geschildert sind und 2) die Freundschaft der beiden Freundinnen wunderschön beschrieben ist mit allen Höhen und Tiefen. Der Roman wird beworben mit den Sätzen: eine Liebesgeschichte, aber nicht die, die du erwartest". Nun, dies ist zutreffend, es geht um die Liebe der beiden Freundinnen zueinander und diese Geschichte ist wirklich schön geschrieben. Wer jedoch eine schöne Liebesgeschichte mit Happy End erwartet, ist bei diesem Buch hier völlig falsch.

Insofern fasse ich zusammen, das Buch hat in mir große Emotionen ausgelöst. Ich habe die Hälfte der Handlung nur noch geheult. Dies ist nicht per se negativ, ich hatte nur nach der Beschreibung des Buches mit etwas völlig anderem gerechnet. Daher kann ich keine volle Punktzahl geben, obwohl die Handlung nicht schlecht geschrieben ist. Die Botschaft, die das Buch sendet, ist mit Sicherheit ebenfalls richtig, man weiß nie, was als nächstes passiert und jeder Plan ist nur so gut, wie die Liebe, die man in ihn steckt. Nichtsdestotrotz der fünf Jahres Sprung war mir etwas weit hergeholt und wie gesagt, die Beschreibung des Buches passte nicht zu dem, was ich erwartet habe. Ein schönes Buch, was sich gut liest, jedoch mit den genannten Einschränkungen.

Bewertung vom 05.04.2022
Zurück nach Übertreibling / Vikki Victoria Bd.1
Gray, Gloria;Felder, Robin

Zurück nach Übertreibling / Vikki Victoria Bd.1


weniger gut

"Zurück nach Übertreiblingen" von Gloria Gray, schon beim Anblick des Covers war ich irritiert. Dies sollte sich nach Einlesen nicht wirklich ändern.
Vikki Victoria wohnt im tiefen Bayern, liebt ihr Styling und ist generell eine schrille Persönlichkeit. Als der Mann, an dessen Gang ins Gefängnis sie die Schuld tragen soll, ausbricht, bricht auch ihre heile Welt zusammen. Zusammen mit ihrem Freund Wolf, Mitglied einer Motorradgang, versucht sie die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Das könnte interessant werden.
Als ich das Buch bei mir liegen hatte, tat ich mich bereits schwer, es in die Hand zu nehmen. Das Cover empfand ich als übertrieben und lächerlich und der Schreibtext des Klappenstücks packte mich gar nicht. Während des Lesens erlebte ich Hoch- und Tiefpunkte. Die Geschichte ist aus Sicht von Vikki Victoria geschrieben, die einen sehr eigentümlichen Erzählstil hat. Sie schweift ab, landet mit ihren Gedanken in der Vergangenheit, redet mit sich selbst und ist dann wieder mitten im Geschehen. Größtenteils fand ich die Ausschweifungen viel zu lang, unnötig und gezwungen witzig. Einen Pluspunkt gibt es dabei für den Einbau des Genderthemas v.a. der Transsexualität. Die Autorin gibt hier interessante Einblicke und diskutiert das Thema aus ihrer eigenen Erfahrung. Abgesehen davon fand ich den Schreibstil weniger gelungen. Auch die Geschichte an sich fand ich etwas seltsam. Zwischenzeitlich kam an der ein oder anderen Stelle etwas Fahrt auf, doch die nächste Ausschweifung beendete dies sofort wieder. Noch dazu war die Handlung im Endeffekt ohne große Überraschungen und Wendungen. Im Endeffekt quälte ich mich durch die Handlung, nahm das Ende in Kauf und legte das Buch dann auch ganz schnell weit weg.
Insgesamt kann ich dem Romandebüt von Gloria Gray daher leider wenig positives abgewinnen. Die zweiten Stern gibt es für besagte Diskussionen und nicht aufgesetzte Einbindung des Thema Gendern. Dies liest sich flüssig mit, wirkt authentisch (die Autorin scheint hier ihre eigene Erfahrung mit zu verarbeiten) und ist interessant. Dennoch würde ich für diesen Punkt dann eher ein anderes Buch bevorzugen.

Bewertung vom 21.02.2022
Als wir Tanzen lernten
Yoon, Nicola

Als wir Tanzen lernten


weniger gut

"Als wir tanzen lernten" von Nicola Yoon handelt von dem Glauben an die Liebe und wie sich diese im Leben verändert.

Evie ist eigentlich eine Romantikerin und liebt Liebesromane. Als sie ihren Vater jedoch mit einer anderen erwischt, schwindet ihr Vertrauen in die Liebe und sie glaubt nicht mehr an das "glücklich bis ans Ende aller Tage". Frustriert will der Zufall es, dass ihr ein Buch über das Tanzen lernen in die Hände fällt. Von diesem Moment an meldet sie sich in einer Tanzschule an und kann fortan die Liebesgeschichte von Liebespaaren in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen. Und all diese Liebesgeschichten gehen schlecht aus. Dann trifft Evie auf Xavier und beginnt mit ihm zu tanzen. Aber sich in jemand neuen verlieben, dass ist nichts für Evie. Schließlich weiß sie ja, dass alle Liebesgeschichten schlecht enden, oder?

Mich konnte der neue Roman von Nicola Yoon leider überhaupt nicht überzeugen. Ich fand die Geschichte absolut vorhersehbar und offensichtlich. Was eigentlich bis zu 4/5 des Buches passiert, kann man sich vom Klappentext her denken und das Ende empfand ich auch als eher offensichtlich. Außerdem gefiel mir der Schreibstil nicht. Die Autorin legt sehr viel wert auf die äußerliche Beschreibung ihrer Charaktere, welche Kleidung sie tragen usw. Das war mir eindeutig zu viel. Ist aber auch Geschmacksache, wie viel man hier seiner Fantasie überlassen möchte und wie viel nicht. Es gibt immer wieder Kapitel, in denen beschrieben wird, wie in anderen romantischen Büchern z.B. der "Love-Interest" dargestellt wird. Für mich klangen diese Kapitel in gewisser Weise so, als wollte sich das Buch davon abheben und hier einen Unterschied machen. Tatsächlich verkörpert dann Evies "Love-Interest" aber genau eben genannte Eigenschaften. Vielleicht war das auch gerade der besondere Sinn, mir gefiel es jedenfalls nicht.
Hingegen mehrere Kapitel mit Chatverläufen der Protagonisten fand ich gut eingebaut. Auch die Dialoge fand ich schön geschrieben. Natürlich ist es auch sehr erfrischend, dass Bücher einer jamaikanischen Autorin, deren Charaktere äußerlich nicht die "klassisch Weißen" sind, erfolgreich ist.
Man kann sich mit dem Roman gut die Zeit vertreiben und unterhalten lassen. Allerdings traf er meinen Geschmack nur wenig aufgrund der Vorhersehbarkeit und der Kapitelauflistungen. Daher leider nur 2/5 Sternen.

Bewertung vom 11.10.2021
Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr
Geda, Fabio;Akbari, Enaiatollah

Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr


gut

Der Roman „Im Winter Schnee, nachts Sterne“ von Fabio Geda und Enaiatollah Akbari ist eine Mischung aus Erzählung und Dokumentation.
Enaitollah muss als Kind aus Afghanistan fliehen und kommt so in Italien an, wo er sich ein eigenes Leben aufbaut. Er erzählt in diesem Buch sehr gefühlvoll die Probleme seines Alltags und sein neues Leben in Europa. Fabio Geda kommt dabei nur in wenigen Abschnitten selbst zu Wort und fungiert wohl eher als Autor im Hintergrund.

Dass es sich bei diesem Buch um die Fortsetzung des ersten Romans von Fabio Geda handelt, war mir nicht bewusst. Der Vorgänger berichtet über Enaitollahs Flucht aus Afghanistan und wie es ihm damit ergangen ist. Vielleicht werde ich dieses nun auch noch lesen. Das Vorwissen daraus ist jedoch nicht erforderlich. „Im Winter Schnee, nachts Sterne“ fungiert als eigene Erzählung und führt die Lesenden erneut in alle Handlungsstränge ein.
Sehr gewöhnen musste ich mich an die Erzählweise. Sie wirkt wie ein direkter Bericht, z.T. mit direkter Ansprache der Lesenden. Dies entspricht nicht dem Stil, den ich sonst zu lesen pflegte und störte mich zu Beginn des Romans doch sehr. Hat man sich daran gewöhnt, so viel es mir gar nicht so sehr auf. Es hat auch etwas Persönliches und Realistisches.
Zu Beginn des Buches wird die afghanische Geschichte aufgeschlüsselt. Dies geschieht z.T. in etwas flappsigen Ton. Auch wenn man sich evtl. nicht alle Gegebenheiten sofort merkt, so ist es doch interessant, so viel über die Geschichte eines Landes zu lesen, was man größtenteils aus den Medien mit Schreckensnachrichten kennt.

Neben dem Erzählstil musste ich mich auch an die Erzählstruktur sehr gewöhnen. Anfangs, nach Aufzählung der historischen Gegebenheiten, wartete ich über viele Seiten, wann die eigentliche Geschichte losgehe. Tatsächlich wird die Handlung bewusst als Rückblende erzählt, was es mir erschwerte, in diese einzutauchen. Angesichts der Hintergründe und des Inhalts ist dies aber auch nicht unbedingt notwendig.
Was der Roman einem auf jeden Fall eindrücklich bewusst macht, ist wie sehr das Leben des Autors von dem eigenen abweicht und wie anders die Kindheit hätte verlaufen können. Im Endeffekt habe ich das Buch nach Startschwierigkeiten mit Stil und Sprache verschlungen, einfach weil mich Enaitollahs Geschichte interessiert hat und einen guten Einblick in das Leben einer direkten Person gibt zu einem Thema, über das man schon so viel gehört hat.

Zusammenfassend würde ich den Roman „Im Winter Schnee, nachts Sterne empfehlen“, jedoch mit dem Hinweis, dass es sich weniger um eine seichte Erhaltungslektüre als um eine biographische Erzählung handelt und man sich an den Erzählstil erst gewöhnen muss.

Bewertung vom 23.08.2021
Raumfahrer
Rietzschel, Lukas

Raumfahrer


sehr gut

Der Roma "Raumfahrer" von Lukas Rietzschel erzählt in Zeitsträngen die Familien- und Lebensgeschichte von Jan, einem jungen Erwachsenen, der in einer verlassenen Stadt in der ehemaligen DDR aufwächst.
Er arbeitet als Patienten-Transporteur in einem bald geschlossenen Krankenhaus. Jan wohnt mit seinem Vater zusammen. Im Krankenhaus transportiert der des öfteren Herrn Kern, der ihm eine Box mit alten Unterlagen überreicht, die Jan mit dem Maler Baselitz in Verbindung bringen. Doch Jan hat keine Ahnung, was dies bedeuten soll...

Als ich das Buch in die Hand nahm, erwartete ich einen erneuten Post-DDR, Nachkriegszeitroman. Es dauerte ein bisschen, bis mir im Lesen klar wurde: der Handlungsstrang von Jan ist nicht so weit von unserer Gegenwart entfernt. Auch wenn die zeitlichen Abläufe von Mauerbau, DDR und Nachkriegszeit in jedem Geschichtsbuch zu finden sind, verknüpfte dieser Roman das Jetzt mit unserer Geschichte viel deutlicher als ich bei anderen Büchern das Gefühl vorher hatte. Die Lebensstränge der verschiedenen Protagonisten werden so detailliert und deutlich beschrieben, dass ich die Atmosphäre geradezu fühlen konnte. Diese werden aus verschiedenen Sichtweisen von verschiedenen Charakteren erzählt und spielen somit auch zu verschiedensten Zeitpunkten, beeinflusst durch die deutsche Geschichte.
Kleine Abzüge gibt es für die teilweise verwirrende Nutzung von Vor- und Nachnamen bzw. sehr ähnlich klingenden Vornamen. Vielleicht hätte eine Datumsüberschrift o.ä. an dieser Stelle geholfen, gerade da die Kapitel ohne Vorwarnungen in Zeit und Ort springen.
Geschrieben fand ich den Roman sehr überzeugend. Eine gute Mischung aus Beschreibung und Handlung mit relativ wenig Dialog. Eine sehr direktgehaltene, nicht großartig umschreibende Sprache.
Zusammenfassend habe ich das Buch "Raumfahrer" sehr schnell durchgelesen und bin immer noch von ihm beeindruckt. Ich bin nicht in dieser Zeit aufgewachsen und daher ist die derart detailgetreue, realistische Schilderung dieses Romans umso faszinierender, vor allem auch wenn man das Alter des Autors berücksichtigt, der gute Recherchearbeit geleistet hat.

Bewertung vom 31.05.2021
Die fremde Spionin / Die Spionin Bd.1
Müller, Titus

Die fremde Spionin / Die Spionin Bd.1


sehr gut

"Die fremde Spionin" von Titus Müller hat mich nach kleinen Startschwierigkeiten sehr überrascht und mit auf eine spannende Geschichtsfahrt genommen.

Die 21 jährige Ria lebt in Ostberlin im Jahre 1961. Sie steigt als Sekretärin im Ministerium für Außenhandel schnell auf. Hier wird sie als Informantin für den BND angeworben. Sie nimmt diese Stelle an, da sie so ihre Schwester zu finden hofft, von der sie als Kind getrennt wurde.
Zur gleichen Zeit erhält der KGB Spion Sorokin sich auf einen weiteren Auftrag vor.
Und die Lage in der geteilten Stadt Berlin spielt bald für beide eine entscheidende Rolle....

Die ersten paar Kapitel wusste ich nicht so ganz, was ich von der Handlung halten sollte. Sie springt innerhalb eines Kapitels zwischen den verschiedenen Protagonisten, braucht jedoch eine Weile, um in den Fluss zu kommen. Zu viele Hintergründe waren mir anfangs unklar, was natürlich auch Spannung aufbauen sollte, jedoch erst ab der Mitte des Buches so richtig funktioniert hat. Auch wenn die Handlung eigentlich ohne geschichtliche Vorkenntnisse funktioniert, handelt es sich doch um ein komplexes politisches Konstrukt aus den verschiedenen Geheimdiensten und Ländern mit vielen verschiedenen Meinungen und deren Vertreter*innen. Nichtsdestotrotz sind diese verschiedenen Akteure auch ein großer Gewinn für die Handlung. Eingebettet in die wahren Ereignisse des Jahres 1961 (auch die Charaktere sind aus historischen Vorbildern gestrickt) erlebt der Leser oder die Leserin wie die Schicksale verschiedener Menschen durch die Zeitgeschichte beeinflusst wurden. War man erst einmal durch die ganzen Namen und Funktionen der Ämter durchgestiegen, wurde man mit einer spannenden, gut durchdachten Geschichte in unserer Geschichte belohnt.
Besonders gut gefallen hat mir die abschließende Erläuterung, welchen Vorbildern die Charaktere entlehnt sind.
Ich würde das Buch empfehlen, wenn man mit etwas konzentriertem Auge sich in die damaligen Geschehnisse hereinversetzen möchte. Klar, kann man es auch zwischendurch schnell Weglesen, jedoch funktioniert die Handlung meiner Ansicht nach deutlich besser, wenn man die einzelnen Fäden nachvollzieht und mit den damaligen Geschehnissen vergleicht.
Der Schreibstil liest sich flüssig und gut. Die Geschichte wird schnell vorangetrieben und enthält meiner Meinung nach wenig unnötige Schnörkel und Beschreibungen. Die Protagonisten wirken glaubhaft inszeniert mit dem nötigen Tiefgang.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzungen.

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Bewertung vom 05.04.2021
Der Morgen davor und das Leben danach
Napolitano, Ann

Der Morgen davor und das Leben danach


gut

Der Roman "Der Morgen davor und das Leben danach" von Ann Napolitano, eine Geschichte durch die ich mich gleichermaßen quälte wie hindruchflog.
Der zwölfjährige Eddie ist der einzige Überlebende eines Passagierflugzeugs. Seine ganze Familie und alle anderen Passagiere kamen bei dem Absturz ums Leben. Eddie wird nun schwerverletzt von seiner Tante und seinem Onkel aufgenommen. Hier lernt er die aufmüpfige Shay kennen und muss sich mit den Folgen des Absturzes auseinandersetzen. Was bedeutet es, der einzige Überlebende zu sein? Wie kann er mit dem schweren Verlust umgehen?
Das Buch ist in zwei Zeitzonen erzählt. Es werden die Stunden vor dem Absturz im Flugzeug selber dargestellt, sowie abwechselnd das Leben von Edward in den Jahren nach dem Absturz. Dabei wird das Leben der anderen Passagiere des Flugzeugs und ihre Gedanken kurz vor dem Absturz genauestens beleuchtet. Die Idee ist an sich sehr interessant, kam bei mir allerdings überhaupt nicht an. Die Autorin webt einen Teppich aus dem Schicksal verschiedenster Menschen und ihrer Angehöriger, die ebenfalls wie Eddie mit dem schweren Verlust umgehen müssen. Jedoch konnte ich mich überhaupt nicht auf diese anderen Personen einlassen. Ich hastete durch die Kapitel dieser Personen mit dem einzigen Gedanken, dass ich mich gar nicht auf sie einlassen brauchte, da sie ohnehin abstürzen würden (eine Tatsache, den der Klappentext schon vorwegnahm). Wie beschrieben, die Idee an sich ist gut und die Charaktere sind auf ihre unterschiedlichste Art und Weise sehr liebevoll gezeichnet, ich konnte mich auf diese allerdings nicht fokussieren und wollte lieber wissen, wie es Edward in Zukunft weiter erging. Eine Geschmacksfrage, mehr als eine Kritik an der Autorin. Diese hat einen schönen Schreibstil und hat für mich Edward sehr authentisch werden lassen. Auch die Personenbeschreibungen wirkten nicht aufdringlich, sondern gut vorstellbar. Die vielen Probleme und gerade auch die Unbarmherzigkeit von Presse und Öffentlichkeit fand ich sehr realistisch und gut dargestellt. Hätte das Buch nur aus Edwards Leben danach bestanden, wäre ich deutlich begeisterter gewesen. So habe ich die Geschichte dennoch sehr schnell durchflogen und gebe nur keine fünf Sterne, da mich dieses Stilmittel und die "vorher-Hälfte" des Buches einfach nicht wirklich abholen konnten.