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Benutzername: Lettercrubler
Wohnort: Göttingen
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Danksagungen: 9 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 35 Bewertungen
Bewertung vom 03.12.2017
Acht Berge
Cognetti, Paolo

Acht Berge


sehr gut

Der Roman „Acht Berge“ von Paolo Cognetti erzählt in gefühlvoller Weise eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die Beziehung zur Natur.
Pietros Vater liebt die Berge. Manchmal scheint es so, als würde er das Gipfelstürmen mehr lieben als alles andere. Mit der Natur verbunden zieht die Familie in ein kleines Bergdorf, in dem Pietro den etwa gleichalten Jungen Bruno kennenlernt. Obwohl beide charakterlich sehr verschieden sind, verstehen sie sich fast auf Anhieb und beginnen daraufhin ihre Welt der Berge zu erkunden. Doch die Jahre gehen ins Land und sowohl die Beziehung zu seinem Vater, zu Bruno, aber auch zu der Natur um ihn herum beginnt sich immer weiter zu verändern bis Pietro selbst nicht mehr weiß, wo er eigentlich hin gehört.

Ein Buch für Menschen, die die Berge lieben und genau nachvollziehen können, was hier aus der Sicht Pietros beschrieben wird und auch für solche, die sich von den sanften Schilderungen Cognettis mitziehen lassen wollen. Das Buch erzählt sanft, wie Beziehungen einen Menschen formen und Entscheidungen das Leben verändern können. Die Leselust entsteht hier weniger durch einen steilen Spannungsbogen, als durch die Wärme und Detailliertheit mit dem Personen und Natur dieses Buches entstehen.

Gerade für den Winter ist dieses Buch ideal, um sich in eine Ecke zu kuscheln und von den Bergen zu träumen. Wer eine packende Abenteuergeschichte erwartet, der ist hier verkehrt. Was das Buch aber jedem zeigt, egal, ob Bergfreund oder –feind, unsere Entscheidungen etwas zu tun oder von etwas abzulassen markieren nicht nur unseren Weg, sondern machen auch aus, wer man ist und wie man wird.

Bewertung vom 20.08.2017
Das Vermächtnis der Familie Palmisano
Nadal, Rafel

Das Vermächtnis der Familie Palmisano


sehr gut

„Das Vermächtnis der Familie Palmisano“ von Rafel Nadal ist ein Roman, der den Leser weit mitnimmt in das Leben einer jungen Familie in Italien, das vom Krieg düster überschattet wird.

Donata Palmisano erlebt wie kurz vor Kriegsende ihr Mann und dessen bester Freund Oper dieser Schlacht werden. Damit ist ihr bis dahin ungeborener Sohn der letzte männliche Palmisano. In dem Glauben, auf der Familie liege ein Fluch, der schon 21 männlichen Familienmitgliedern während der Schlacht das Leben gekostet hat, gibt sie ihren Sohn als den ihrer Cousine aus. Da diese zur gleichen Zeit ein Mädchen gebährt, ziehen die beiden Witwen fortan die Kinder gemeinsam als Zwillinge auf. Beide wachsen in einem wohlbehüteten Umfeld auf, das durch den Beginn des zweiten Weltkrieges jäh zerstört wird. Kann Donatas einstige Verzweiflungstat ihren Sohn vor dem Fluch der Palmisano retten und ihn den Krieg überleben lassen?

Italien zwischen den Weltkriegen und das Schicksal einer Familie: Natürlich hatte ich mich mit unserer Geschichte beschäftigt und kannte Italiens Rolle in den Weltkriegen. Hier aber exemplarisch die Situation einer Familie dargestellt zu bekommen, war etwas anderes. Auch wenn die Charaktere fiktiv überlegt sind, so sind die Geschehnisse gut recherchiert. Die Geschichte und die Figuren des Romans weisen ihre Ecken und Kanten auf, was die Handlung und auch das Hereinversetzen umso einfacher macht. Zu Beginn des Buches war ich nicht so gepackt. Das Heranwachsen der beiden Kinder war zwar unterhaltsam, doch auch langweilig. Ab der Hälfte setze dann ein regelrechter Rausch ein und ich habe das Buch an einem Tag verschlungen, mit den Charakteren gelitten und mich mitten in den Kriegstrümmern befunden. Die Geschichte hat durchaus ihre düsteren Stellen, doch ist damit auch gut der damaligen Zeit angepasst. Ich würde das Buch generell weiterempfehlen, aber auf jeden Fall mit dem Hinweis, dass man den Anfang erst mal überlesen muss.

Bewertung vom 11.06.2017
Die Geschichte der Bienen
Lunde, Maja

Die Geschichte der Bienen


ausgezeichnet

Bei „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde handelt es sich um eine ganz hervorragende Mischung aus Roman, Drama und einer packenden Erzählung über wirkliche Gegebenheiten, die ich kaum einem Genre zuzuordnen vermag.
Gesamt gibt es drei Handlungsstränge, die anfangs formal unabhängig an verschiedenen Handlungsorten zu verschiedenen Zeiten beginnen.
Tao, die in China 2098 als Bäumebestäuberin arbeitet, versucht sich mit dem niedrigen Lohn über Wasser zu halten, um ihrem Sohn ein besseres Leben bieten zu können. Die Geschehnisse überschlagen sich, als ihr kleines Kind eines Tages bewusstlos aufgefunden wird und eine Jagd gegen die Zeit beginnt.
In England im Jahre 1852 lebt der Samenhändler William. Von seinem Leben und seiner gescheiterten Forschung enttäuscht, liegt er mit einer schweren Depression im Bett und lässt sich auch durch seine Kinder nicht zum Aufstehen bewegen bis ihm plötzlich eine neue Idee kommt…
In Ohio 2007 lebt der Imker Georg. Seit sein Sohn studiert, ist dieser nicht mehr von dem Lebenstraum seines Vaters, der Übernahme des Hofes überzeugt. Sein Vater hat schwer damit zu kämpfen, wie die Zeiten sich verändern.
Diese drei kurzen Umrisse sollen von der Handlung erst einmal nicht viel vorweg nehmen. Gesagt sei nur, dass die verschiedenen Stränge dem Titel immer mehr ihre Ehre machen: „Die Geschichte der Bienen“.
Ich betrachtete diesen Titel anfangs mit einer gewissen Skepsis. Irgendwie erwartete ich eher ein Naturkundebuch und nicht einen derart cleveren Roman. Die Charaktere sind gut gezeichnet und lassen das innere Auge aufleben. Besonders interessant wurde die Geschichte für mich, als ich herausfand, dass viele Details nicht erfunden, sondern tatsächlich so geschehen (gerade die Blütenbestäubung hatte ich als eine geniale Science-Fiction-Idee angenommen). Generell hatte ich als Leserin anfangs wenig Ideen, worauf das Ganze hinauslaufen würde. Ich mochte die Art der Erzählung mit vielen Beschreibungen, doch erst ab Mitte des Buches riss es mich förmlich mit. Verschiedene Handlungen gewannen an Fahrt und Spannung.
Gesamt kann ich somit sagen, dass mich dieser Roman wirklich sehr überzeugt hat. Er richtet sich meiner Meinung nach vor allem an Personen, die Wert auf eine gut skizzierte Kulisse legen und auch die Details nicht außer Acht lassen. Mit überdurchschnittlicher Liebe zu Bienen oder der Imkerei hat dieses Buch jedenfalls nichts zu tun. Es weckt Interesse, ist aber keineswegs ein Sach- oder Biologiebuch. Viel mehr weist diese Geschichte nachdrücklich daraufhin, wie der Menschen mit seiner Natur umgeht bzw. was passiert, wenn sich diese Beziehung verändert. Sehr empfehlenswert!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.01.2017
Das Gedächtnis der Insel
Buder, Christian

Das Gedächtnis der Insel


ausgezeichnet

Der Roman „Das Gedächtnis der Insel“ von Christian Buder reißt den Leser in einen tiefen Strudel aus Intrigen, Begehren und menschlichen Entscheidungen.

Der Archäologe Yann reist nach zwanzig Jahren das erste Mal in seine Heimat zurück. Eine kleine Insel, auf der jeder jeden kennt und jedes Gerücht schnell die Runde macht, war der Ort seiner Kindheit. Zur Beerdigung seines Vaters kommt er nun zurück. Ungewollt wirbelt der Besuch Gedanken an seine tote Mutter und längst verdrängte Vergangenheiten auf. Als er seine ehemalige Liebe Gwenn wiedertrifft, erfährt er, dass diese den Mord seines Vaters aufklären will. Davon bestärkt beginnt er Nachforschungen an zu erstellen und gelangt so auch an Wissen über den Tod seiner Mutter. Als ein grässlicher Sturm alle Beteiligten auf der Insel gefangen hält, beginnen sich bald die Ereignisse zu überschlagen und Yann muss um weit mehr als sein Leben fürchten…

Der Roman hat mich unheimlich gefesselt. Durch die detaillierte Beschreibung der Insel und ihrer Umwelt wurde eine düstere Stimmung erzeugt, die die Spannung der Handlung deutlich untermalt hat. Die Figur Yanns ist in großer Tiefe gezeichnet. Besonders überzeugt haben mich, die Charakterdetailliertheit und die klare Struktur, die hier verfolgt werden. Jede Person scheint ein Geheimnis zu haben, was nach und nach aufgedeckt wird. Die Handlung ist stringent und logisch aufgebaut und besitzt doch immer wieder feine Wendepunkte. Auch wenn der Leser anfangs manche Dinge erahnen kann, so wird er/sie doch immer wieder überrascht. Auch wenn das Cover mich zuerst auf einen Anteil von Mysterie und Fantasie hat schließen lassen, würde ich dies allerdings eher in das Genre Krimi einordnen.

Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, wenn man gerne spannende Krimis liebt. Man kann sich damit wirklich gut in eine schöne Ecke verkriechen und das Buch in einem Stück weglesen. Auch wenn es viel um persönliche Beziehungen geht, so sollte man sich nicht auf eine „schöne Liebesgeschichte“ o.ä. versteifen. Es handelt sich meiner Ansicht nach wirklich eher um einen Krimi, aber einen wirklich guten.

Bewertung vom 08.12.2016
Im ersten Licht des Morgens
Baily, Virginia

Im ersten Licht des Morgens


ausgezeichnet

Virginia Baily liefert mit „Im ersten Licht des Morgens“ einen wunderbaren Roman über das Leben zu der Besetzerzeit Roms, Familie, Freundschaft und das Erwachsenwerden.
Abwechselnd zwischen den Kapiteln wird die Geschichte einer jungen Frau im Jahre 1943 und 1973 erzählt. Chiara, die mit ihrer an Epilepsie leidenden Schwester zusammenlebt, schlägt sich Tag für Tag durch, um während der Besetzung Roms noch an Lebensmittel und andere Gegenstände zu kommen. Obwohl sie als Christin nicht von den Judenghettorisierung betroffen ist, kann sie eines Tages nicht länger hinsehen und rettet einem kleinen Jungen das Leben. Fortan wohnt Daniele bei ihr. Obwohl er ihr das Leben nicht leicht macht, beginnt sie ihn aufopferungsvoll zu lieben.
Dreißig Jahre später lebt Chiara immer noch in Rom. Allerdings wohnt sie nun alleine und versucht die vergangenen Jahre zu vergessen. Plötzlich meldet sich eines Tages ein junges Mädchen, das behauptet, die Tochter Danieles zu sein. Chiaras kleine Welt bricht für einen Moment zusammen und sie muss sich ihren Erinnerungen stellen.
Ein wirklich schöner Roman, der mich durchgehend im Lesefluss gehalten hat. Man kann sich sehr gut in die verschiedenen Charaktere herein versetzen und spürt die düstere Zeit der Besetzung wie am eigenen Leib. Durch die zeitlichen Sprünge wird eine gute Spannung aufgebaut, da der Leser*in vorerst nicht erfährt, was genau in der Zwischenzeit passiert ist und wieso sich gewisse Dinge so verändert haben. Der Schreibstil ist flüssig und lässt eine schöne kleine Welt entstehen. Es wird nicht zu viel und nicht zu wenig beschrieben. Auch die Atmosphäre Roms kommt sehr gut zum Tragen, sodass man sich die Umgebung gut vorstellen kann.
Lediglich enttäuschend fand ich das etwas abrupte Ende, das zwar schon früh zu erwarten, jedoch dann viel zu plötzlich kam.
Gesamt wird eine schöne Geschichte gezeichnet, die über Zeit, Menschen und eine schöne Stadt berichtet. Eine wirklich gelungene Lektüre.

Bewertung vom 03.10.2016
Loney
Hurley, Andrew Michael

Loney


sehr gut

Der Roman „The Loney“ von Andrew M. Hurley spiegelt das wieder, was das Cover schon verdeutlicht: ein verwirrender, unheimlicher Weg, von dem man nicht weiß, wohin es gehen wird.
Der Junge Tonto wird von seiner Mutter streng religiös aufgezogen. Sie lebt fest in dem Glauben, dass sein fast erwachsener Bruder Andrew das Sprechen nicht erlernen kann, da die Familie einer Probe Gottes unterzogen wird. Ganz in diesem Gedanken gefangen kann sie einen Teil der engsten Anhänger des neuen Fathers überzeugen, eine Reise zu ihrem ehemaligen Wallfahrtsort zu unternehmen. Diesem Ort „The Loney“ hängt etwas Düsteres an und erinnert Tonto an die damalige Zeit, als sie noch mit ihrem alten Father diese Ort bereisten. Bald schon geschehen seltsame Dinge, die die Gemeinde als Gottessymbole versteht, doch erst den Anfang einer unheimlichen Serie von Schauerlichkeiten darstellt.
Ich wusste von Anfang an nicht ganz, wie ich das Buch zu verstehen hatte. Auf der einen Seite erfährt man Tontos jetzige Welt und doch gibt es immer wieder Einblicke in das frühere Leben. Die Zusammenführung dieser beiden Seiten, lässt den Leser bald ein paar Erkenntnisse über die verschiedenen Charaktere gewinnen. Trotzdem vermag ich nicht ganz einzuordnen, wie weit ich dieses Buch dem Gerne des Horrors verschreiben würde. Die Atmosphäre ist sehr düster und führte schon zu manchem Erschauern meinerseits. An sich sind die Charaktere ausführlich dargestellt und sorgen so für eine durchgehende Spannung. Der Schreibstil ist sehr beschreibend und sorgt für ein gutes Einfühlungsvermögen. Generell würde ich das Buch allerdings nur dem Leser empfehlen, der auch gerne mystische, gruselige Geschichten liest und sich durch ein paar leichte Horrorelemente nicht verschüchtern lässt.

Bewertung vom 28.08.2016
Auf Null
Junk, Catharina

Auf Null


ausgezeichnet

Der Roman "Auf Null" von Catharina Junk hat bei mir bewirkt, was schon lange kein Buch mehr geschafft hat: ich habe geweint und musste ein paar Seiten wieder lächeln. Eine Geschichte über den Kampf gegen eine Leukämie-Erkrankung und dem Einfluss auf das gesamte Umfeld. 

Obwohl die zwanzigjährige Nina von ihrer Leukämie vorerst gesundet ist, lebt sie in ständiger Angst vor einem Rückfall. Die Beziehung zu ihrer Familie hat sich stark verändert und auch ihre Freundschaften gelitten. Als sie dann den KFZ-Mechaniker Erik kennenlernt, will sie eigentlich auch diesen nicht an sich heranlassen. Gefangen in einem Strudel aus Angst und Misstrauen muss sie erst lernen, was es heißt, zu leben. Doch inwieweit soll sie sich das erlauben, wenn sie bald einen Rückfall haben könnte? 

Die Handlung wird abwechselnd nach Kapitel zum Zeitpunkt ihrer Klinikentlassung bzw. ihrer Leukämie-Diagnose geschildert, sodass der Leser auch einen Einblick in Ninas Klinikleben und -leiden erhält. Gleichzeitig versteht man so, ihr Verhalten gegenüber bestimmten Personen. 
Als mir das Buch in die Hand fiel, war ich zuerst nicht so begeistert, es zu lesen. Eigentlich mag ich ungern Bücher, die sich mit sehr ernsten Themen beschäftigen und da ich mich auch beruflich in der Medizin tätig bin, nehme ich beim Lesen gerne Abstand davon. Allerdings wurde ich positiv überrascht. Das Buch beschreibt voller Emotionen Ninas Gedankenwelt und lässt den Leser in ihrer Welt versinken. Auch wenn diese natürlich von Trauer und dem Thema der Krebsdiagnose gespickt ist, war es zugleich spannend, die Entwicklung der Charaktere zu verfolgen. Ninas Frustration und Verbissenheit endet oft in einer Ironie, die den Leser schmunzeln lässt. 
Dieser Roman zeigt eindrucksvoll, wie eine Krankheit das Leben und die Personen darin aus der Bahn werfen kann. Es werden keine direkten Antworten gegeben, wie man handeln sollte, sondern viel mehr gezeigt, dass es oft kein richtig oder falsch gibt. Vielmehr geht es hier um die Aufforderung, dass Leben zu genießen und zu vertrauen. Dies alles liest der Leser aber eher zwischen den Zeilen, sodass es sich nicht um einen Seelenratgeber, sondern um eine konsequente Erzählung -Liebesgeschichte inklusive- handelt. 
Ich kann diesen Roman wirklich jedem empfehlen, der oder die sich für mehrere Stunden in eine Geschichte verlieren will, die eine Realität des Lebens schildert, wie sie nicht jedem bekannt ist. Auf jeden Fall konnte ich mich kaum davon lösen und war so gefangen, dass entgegen meines sonstigen Lesens doch die eine oder andere Träne verloren ging. Ein tolles Buch! 

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.07.2016
Bühlerhöhe
Glaser, Brigitte

Bühlerhöhe


ausgezeichnet

Der Roman "Bühlerhöhle" von Brigitte Glaser ist ein sehr spannendes Buch in einem Geflecht aus politischen Intrigen vor einem historisch begründeten Hintergrund.

Rosa Silberband kommt aus Israel und wird hier damit beauftragt, nach Deutschland zu reisen, um einen eventuellen Anschlag auf den Bundeskanzler Adenauer zu verhindern. Doch anfänglich läuft nichts so, wie es geplant war. Ihr Partner Ari erscheint nicht und so steht Rosa allein vor der Aufgabe, sich in dem Hotel „Bühlerhöhle“ im Schwarzwald einzuleben und die Personen dort auf potentiell gefährliche Aktivitäten abzuklopfen. Doch die misstrauische Haushälterin Sophie beginnt direkt Rosa hinterher zu spionieren und auch das Hausmädchen Agnes ist aus ganz anderen Gründen durch Gäste in diesem Hotel beunruhigt. Und alle warten spannungsgeladen auf die Ankunft des Kanzlers...

Der Roman ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, was die Handlung unglaublich lebendig wirken lässt. Obwohl der Leser relativ bald weiß, welcher von den erzählenden Personen welche Rolle spielt, bleiben noch genügend Charaktere, deren Rolle man nicht einschätzen kann. Auch die verschiedenen historischen Hintergründe wie die Verfolgung der Juden und die Besetzung Deutschlands werden gekonnt in die Handlung eingeflochten. Es findet ine plausible Entwicklung statt, die den Leser stetig im Lesebann hält. Ich würde das Buch jedem empfehlen, der sich für spannende Intrigenromane interessiert. Historisches Wissen ist nicht von Nöten. Ein wirklich tolles Buch mit einer großartigen Entwicklung.

Bewertung vom 14.06.2016
Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen
Scheler, Ulla

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen


ausgezeichnet

Der Roman „Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen“ von Ulla Scheler beinhaltet weit mehr als der Titel vielleicht vermuten lässt.
Die Geschichte der Abiturientin Hanna hat mich tief in den Bann gerissen. Am Tag nach ihrem Abiball beschließt ihr bester Freund Ben, dass sie zusammen wegfahren sollten. Ohne genauen Plan lässt sich Hanna darauf ein. Ben ist für seine schräge, etwas andere Art bekannt und niemand versteht ihn so wie sie es tut. Die beiden fahren ans Meer in einen kleinen Ort. Hier erfahren sie von einer seltsamen Legende, der zufolge jedes Jahr in einer Sturmnacht ein junger Mann im Meer ertrinkt. An sich glaubt Hanna nicht an solche Geschichten, doch die Fahrt lässt die abenteuerlustiger werden als zu vor und bald sind nicht nur ihre Gefühle, sondern auch ihr ganzes Leben in einem heillosen Chaos.
Obwohl die Handlung als Roman beschrieben wird, empfand ich dies als eine Mischung aus Spannung- und Liebesgeschichte. Der Leser meint sehr bald zu glauben, wie das Buch ausgehen wird, doch dann verändert sich alles. Die Vorgänge werden aus der Perspektive von Hanna beschrieben, die zwischenzeitlich kurze gedankliche Listen aufführt. Eine interessante Idee, die mich zwar nicht sonderlich überzeugt, aber auch keineswegs gestört hat. Auch sehr gut gefiel mir die Kapiteleinteilung, die jeweils kurz genug erscheinen, um weiterzulesen und so spannend enden, dass man es auch eigentlich stets tut.
Aufgrund des Alters der Protagonistin würde ich das Buch eher jugendlichen Leserinnen und Lesern empfehlen.
Gesamt hielt mich der rasante, lebendige Schreibstil in der Geschichte gefangen. Die Charaktere machen eine nachvollziehbare Entwicklung durch, sodass ich das etwas abrupte Ende doch sehr schade fand. Ein tolles Buch, um sich mal wieder ganz in einer Geschichte zu verlieren.

Bewertung vom 29.05.2016
Im unwahrscheinlichen Fall
Blume, Judy

Im unwahrscheinlichen Fall


sehr gut

Der Roman „Im unmöglichen Fall“ von Judy Blume spiegelt in beeindruckender Weise den Umgang verschiedener Menschen mit schweren Unglücken wieder. In diesem Fall handelt es sich um den Absturz dreier Personenmaschinen auf eine Kleinstadt, wobei insgesamt über 100 Menschen versterben. Die Handlung beruht auf wahren Ereignissen und enthält Zeitungsausschnitte, um den Realitätsbezug zu verdeutlichen.

„Im unmöglichen Fall“ ist schwer als ganze Geschichte zusammenzufassen. Die Handlung springt alle paar Seiten in die Sicht eines anderen Charakters. Dabei ist es möglich, dass diese Personen selbst von der Katastrophe betroffen sind und somit verschwinden, als dass auch neue auftauchen.
So erlebt die 14jährige Miri inmitten der Abstürze ihre erste große Liebe kennen, während ihre Mutter Rusty versucht, mit dürftigen Mitteln ihr Leben zu finanzieren. Miris beste Freunde Natalie erlebt durch den ersten Absturz eine psychische Krise und fantasiert fortan über weitere Abstürze. Miris Onkel Henry ist Reporter und berichtet über die Unglückfälle. Noch viele weitere Charaktere kommen zur Sprache, die in ihrem Denken mehr oder weniger durch die Vorfälle betroffen sind. Besonders schön fand ich hierbei, dass alle Personen irgendwie miteinander zusammenhängen oder im Laufe der Handlung Begegnungen erfahren.

Ich muss sagen, dass ich das Buch als sehr spannend empfunden habe. An sich war ich etwas skeptisch, einen Roman über Flugzeugunglücke anzufangen, da ich selbst sehr ungern mit dem Flugzeug reise. Es sei also daraufhin gewiesen, dass einer Person mit Flugangst diese nicht gerade genommen wird. Allerdings lag für mich der Schwerpunkt dieses Buches eher in der Charakterentwicklung der verschiedenen Protagonisten. Diese ist in meinen Augen wirklich sehr gelungen dargestellt. Wie auch in der Realität läuft das Leben weiter, egal, was für Katastrophen um einen herum passieren und man muss lernen, weiterzumachen.
Einzigen Makel an dem Buch sehe ich den beschreibenden Aspekt des Umfelds. Obwohl die Handlung in einer Zeit vor gut 60 Jahren spielt, wirkt der Roman eher als würde er zur Jetzt-Zeit spielen. Dies beeinflusst meines Erachtens aber nicht die Handlung an sich, sondern fällt nur der oder aufmerksamen, geschichtsfokussierten Leser*in ins Auge.
Insgesamt also ein interessanter Roman, den ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde.