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Schmökerwürmchen

Bewertungen

Insgesamt 69 Bewertungen
Bewertung vom 20.07.2022
Jahre mit Martha
Kordic, Martin

Jahre mit Martha


ausgezeichnet

Zeljko, der von allen der Einfachheit halber Jimmy genannt wird, begegnet Martha zum ersten Mal mit 15, als seine Mutter ihren 40. Geburtstag feiert. Martha verkörpert Wohlstand und Bildung, Zeljko ist auf eine noch unbestimmte Art fasziniert von ihr. Denn er lebt mit seine Eltern und den beiden Geschwistern in einer Zweizimmerwohnung in Ludwigshafen, der Vater arbeitet unter der Woche auf diversen Baustellen, die Mutter hat mehrere Putzstellen. Als Gastarbeiterfamilie haben sie keinen einfachen Stand in der Gesellschaft, doch den Kindern soll es später besser gehen. Ursprünglich stammen sie aus der Herzegowina. Zeljko ist in Deutschland geboren und Inhaber eines deutschen Passes, doch seine Wurzeln legen ihm immer wieder Steine in den Weg und er muss um einiges mehr für seine Wünsche kämpfen. Martha dagegen ist Professorin, bewohnt eine Villa mit Pool in Heidelberg, besitzt Bildung und eine Bibliothek. Unter anderem putzt seine Mutter für Martha Gruber. In jenem Sommer, als Zeljko ihr zum ersten Mal begegnet, bietet sie ihm einen Ferienjob an. Dadurch eröffnet sich ihm eine völlig neue Welt, Martha ermöglicht ihm uneingeschränkten Zugang zur Bibliothek, nimmt ihn mit in die Oper und zeigt ihm ihre Welt. Sie unterstützt ihn. Doch inwieweit handelt es sich um tatsächliche Liebe?

Dieser Roman hat mir außerordentlich gut gefallen. Das Buch wird aus Zeljkos Sicht geschrieben und liest sich schon fast wie eine Autobiografie. Vor allem die poetische Sprache hat es mir angetan, der Autor versteht es wunderbar, immer im richtigen Moment die Emotionen an den LeserIn heranzutragen, ganz große Klasse. Man begleitet Zeljko bis in sein Erwachsenenalter, immer wieder kommt es zum Kontakt mit Martha, doch dazwischen vergeht immer wieder mal einige Zeit.
Es handelt sich nicht um einen reinen Liebesroman, viele Themen werden hier behandelt. Besonders die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der Bildungselite und den Einwanderern wird hier deutlich und hat mir nochmal eine andere Perspektive eröffnet und mich zum Nachdenken angeregt.
Der Protagonist ist auf der Suche nach sich selbst, begegnet immer wieder Vorurteilen und muss für Bildung deutlich mehr kämpfen als andere.
Besonders gefallen haben mir die immer wiederkehrenden Bezüge zur Literatur. Vor allem die Texte von Hertha Kräftner haben es nicht nur Zeljko angetan, beschreiben diese doch auf so wunderbare Weise den Lauf des Lebens.
Mir hat sich zwischendurch immer wieder die Frage gestellt, ob es sich um eine ernsthafte Liebe handelt. Sicher, Zeljko ist fasziniert von Martha, doch inwieweit spielt sie mit ihm, nutzt ihn aus, hält ihn für käuflich? Jedoch wird hier niemals der moralische Zeigefinger erhoben.
Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen, wollte immerzu wissen, wie es mit dem Protagonisten weitergeht, ob er seine Ziele erreicht, wie sich die Bindung zu Martha letztendlich entwickelt. Und auch das Ende war für mich absolut perfekt und setzt dem ganzen die Krone auf. Ein Buch, das sicherlich noch lange nachhallen wird.

Bewertung vom 16.01.2022
Das Loft
Geschke, Linus

Das Loft


ausgezeichnet

Sarah, Marc und dessen Freund Henning leben gemeinsam in einem exklusiven Loft in Hamburg. Eines Tages wird Hennings Blut in der gemeinsamen Küche gefunden, ein richtiges Massaker, doch von der Leiche fehlt jede Spur. Zunächst deutet alles auf Sarah und Marc, ein Paar Anfang 30. Haben die beiden gemeinsame Sache gemacht? War Henning das dritte Rad am Wagen und einfach nur ein Störfaktor? Oder war doch nur Marc der Täter, dessen Blut am Küchenmesser gefunden wurde? Doch auch Sarah hätte einige Gründe. Oder stecken doch weitergreifende Ereignisse dahinter? Denn irgendwie mussten sie ja schließlich ihren gehobenen Lebensstil finanzieren.

Wow. Was für ein exzellenter, intelligent geschriebener und durchdachter Thriller, gepaart mit Einblicken verschiedener Perspektiven. Doch wer erzählt die Wahrheit? Wem kann man trauen? Und wer möchte einfach nur rücksichtslos die eigene Haut retten? Abwechselnd erfahren wir die Ereignisse jeweils aus Sarahs und Marcs Sicht. Doch auch die polizeilichen Ermittlungen und Verhöre werden thematisiert. Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit. Als LeserIn erfährt man, wie sich die große Liebe zwischen Sarah und Marc entwickelt hat. Die Situation in der WG zwischen dem Paar und Marcs bestem Freund Henning gestaltet sich als immer schwieriger. Doch was zählt mehr im Leben? Zweisamkeit und die große Liebe oder doch eher die freundschaftliche Loyalität?
Marc und Sarah führen ein luxuriöses Leben, doch das muss ja irgendwie finanziert werden und Marc fühlt sich auch immer wieder verantwortlich gegenüber Henning, was sich natürlich auch auf seine Beziehung zu Sarah auswirkt, denn sie würde Hennings am liebsten so schnell wie möglich loswerden.
Sämtliche Ereignisse steuern dann schließlich auf den einen Schlüsselmoment auf Little Corn Island zu, dem ich absolut entgegengefiebert habe.
Dies ist mein erstes Buch von Linus Geschke, doch diesen Autor habe ich nun auf meinem Radar. Die Kapitel waren kurz und unfassbar spannend, man bekam immer nur kleine Häppchen vorgesetzt. Das Buch hat mich derart geflasht, ich konnte es kaum aus den Händen legen. Meine Theorien musste ich mehrfach verwerfen, aber auf diese Auflösung wäre ich niemals gekommen, ganz große Klasse!
Für mich zählt diese Story zu den absoluten Highlights unter den Thrillern.
Bitte mehr davon!

Bewertung vom 18.09.2021
Crave / Die Katmere Academy Chroniken Bd.1
Wolff, Tracy

Crave / Die Katmere Academy Chroniken Bd.1


sehr gut

Grace wächst im sonnigen San Diego in Kalifornien auf, doch nach dem tragischen Tod ihrer Eltern wird sie an der Katmere Academy in Alaska aufgenommen, die von ihrem Onkel geleitet wird. Die Jugendliche Grace hat dort keinen leichten Start. Sie hat nicht nur mit extremer, ungewohnter Kälte zu kämpfen, sondern auch mit der Feindseligkeit anderer Schüler. Einzig ihre Cousine Macy bereitet ihr einen herzlichen Empfang. Schon zu Beginn ist Grace ständig verletzt und kommt immer wieder knapp mit dem Leben davon. Doch ihr Retter Jaxon Vega ist stets zur Stelle, um sie aus brenzligen Situationen zu befreien. Grace fühlt sich auf Anhieb zu ihm hingezogen, sämtliche Warnungen schlägt sie In den Wind. Nichtsahnend, was es mit Jaxon tatsächlich auf sich hat…

Das Cover und die Leseprobe haben mich gleichermaßen angesprochen. Ich finde die Grafik wirklich gut gewählt und absolut passend zur Story. Auch unter dem Schutzumschlag kommt das gleiche Motiv zum Vorschein.
Ich habe schon längere Zeit kein Fantasy Buch mehr gelesen und Vampire kommen in meiner Lektüre eher selten vor. Doch der spannende und flüssige Schreibstil hat mich direkt in den Bann gezogen. Als Leserin war mir schon auf Anhieb klar, dass an der Katmere Academy einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Anfangs wirkte Grace noch etwas naiv auf mich, doch bald fängt sie an, Fragen zu stellen.
Jaxon mochte ich direkt auf Anhieb, er ist ja wirklich ein Vampir zum verlieben. Auf den ersten Blick gibt er den Bad Boy, vor dem sich alle fürchten. Doch im Grunde macht er alles, um Grace zu beschützen. Denn an der Katmere gibt es nicht nur Vampire und nicht alle Wesen sind sich grün untereinander.
Die einzelnen Charaktere wurden wirklich gut und authentisch beschrieben. Einiges wirkte etwas Klischee beladen, doch das hat den Unterhaltungsfaktor keineswegs gemindert.
Die Sprache war fließend und mitreißend, die Kapitel endeten spannend, jeweils mit Cliffhangern, so dass es mir leicht fiel, am Ball zu bleiben.
Allerdings wirkte es etwas merkwürdig auf mich, dass sich Grace Onkel sehr rar gemacht hat, vor allem angesichts der Gefahren. Auch wenn er als Schulleiter viel um die Ohren hat, wäre es doch seine Aufgabe gewesen, sich väterlich um Grace zu kümmern. Ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum Grace nach den ersten Tagen nicht nach San Diego zurückgekehrt ist, wo sie doch bei ihrer Freundin hätte unterkommen können. Aber gut, dann hätte es diese Geschichte und vor allem die Love Story mit Jaxon nicht gegeben.
Und leider waren mir auf wenigen Seiten die Gedankengänge etwas zu sehr in die Länge gezogen.
Das Buch mochte ich trotz der kleinen Kritikpunkte jedenfalls sehr, es handelt sich hier um eine wirklich spannende Akademie-Vampir-Geschichte mit manchmal unerwarteten Wendungen. Ständig wollte ich wissen, wie es weitergeht. Sowohl die Story als auch der Stil der Autorin entwickelten für mich ein wahres Suchtpotenzial. Vor allem das Ende macht neugierig auf die weiteren Teile, die ich definitiv verfolgen werde.

Bewertung vom 08.08.2021
Weiße Nacht
Suah, Bae

Weiße Nacht


weniger gut

Dieses kleine Büchlein spielt sich während einer Nacht in Seoul ab. Die Story beginnt in einem kleinen Hörspieltheater, das an diesem Tag für immer schließen muss. Ayami, eigentlich Schauspielerin, ist dort das Mädchen für alles. Nach der letzten Vorstellung zieht sie mit dem Direktor des Theaters durch das nächtliche Seoul, begleitet von Zukunftsängsten, Gespräche über das Leben und die Liebe. Immer wieder springt die Geschichte zurück in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Verschiedene Personen tauchen plötzlich in Ayamis Leben auf, wie z. B. Yoni, ihre Deutschlehrerin. Eines Tages soll sie einen Dichter am Flughafen abholen, schickt aber Ayami aus gesundheitlichen Gründen los.
Irgendwie hatte ich hier etwas völlig anderes erwartet. Manchmal habe ich mich wirklich nach dem Sinn gefragt. Überhaupt fand ich das Buch sehr anstrengend zu lesen, noch nie habe ich für 160 Seiten über mehrer Wochen gebraucht. Stellenweise konnte ich nicht mehr unterscheiden, welche Ereignisse denn nun der Realität entsprachen und welche einfach nur der wirren Fantasie der Protagonistin entsprungen sind. Vieles hat sich ständig wiederholt und verändert. Einige Szenen waren für meine. Geschmack einfach zu abgedreht, mit vielen Elementen in dieser Story konnte ich überhaupt nichts anfangen. Dabei fing das Buch so stark und vielversprechend an. Nur einige wenige Stellen ließen mich am Ball bleiben, weil ich dann doch wissen wollte, wie sich die Dinge entwickeln.
Die große Hitze ist immer wieder ein Thema, deshalb entspricht vieles wohl auch einfach nur einem wirren Fiebertraum.
Auch dem Ende konnte ich gar nichts abgewinnen, es hat mich ratlos zurückgelassen.
Leider hatte ich mir unter diesem Buch etwas völlig anderes vorgestellt. Es war überhaupt nicht meine Geschichte, was die Autorin damit ausdrücken wollte, wird mir leider nicht klar. Ayami blieb für mich schwammig und ungreifbar. Hätte das Buch mehr Seiten gehabt, dann hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen.

Bewertung vom 17.07.2021
Dein Herz in tausend Worten.
Pinnow, Judith

Dein Herz in tausend Worten.


ausgezeichnet

Schon das Buch „Rendezvous in zehn Jahren“ konnte mich absolut begeistern.
Auch dieses hier steht dem Vorgänger in nichts nach.
Einfühlsam erzählt die Autorin über die Verlagsmitarbeiterin Millie. In ihrem Job ist sie das sogenannte Mädchen für alles und im echten Leben eine introvertierte, gefühlvolle Träumerin. Die Protagonistin hat es sich zur Aufgabe gemacht, abgelehnte Manuskripte zu retten. Heimlich schmuggelt sie diese nach und nach vom Dachboden, wo sie ausgelagert und vergessen wurden. Ein Manuskript hat es ihr jedoch besonders angetan, „Dein Herz in tausend Worten“. Millie ist derart fasziniert und möchte unbedingt die Texte unter die Leute bringen, denn so eine wundervolle Geschichte muss doch ihrer Meinung nach zugänglich gemacht werden. Schon bald wird der Bestsellerautor William Winter auf die gestohlenen Zeilen aufmerksam und ist gar nicht begeistert. Mit Hilfe seines besten Freundes und Agenten Coren versucht er die „Diebin“ seines geistigen Eigentums ausfindig zu machen. Doch auch Millie bekommt Unterstützung von ihrer Kollegin Rebecca, die zu ihr langsam eine Freundschaft aufbaut. Auch ihr Bruder Felix, gleichzeitig ihr bester Freund, steht hinter ihr. Völlig ungeplant und unwissend begegnen sich Millie und William. Doch Millie ist zu schüchtern, läuft weg und flüchtet sich sowieso viel lieber in die Welt ihrer Bücher. Doch mit der richtigen Unterstützung kann auch ein Drachenmädchen fliegen lernen…

Dies ist der zweite Roman, den ich von Judith Pinnow gelesen habe und bin wieder genauso begeistert. Der wunderbare einfühlsame und emotionale Schreibstil hat mich auf anhieb gefesselt. Besonders im heutigen digitalen Zeitalter mag ich es sehr, wenn sich noch jemand für richtige Bücher begeistern kann. Millie ist so eine Person. Schüchtern, aber mit einem wirklich guten Herz, das beweist sie ja schon zu Beginn mit der Rettung der Manuskripte. Gelegentlich hätte ich Millie gerne aufgerüttelt, den ihre Zurückhaltung steht ihr oft im Weg, dabei hätte hier vieles einfacher ablaufen können, wenn sie nur an sich geglaubt hätte. Doch ich mochte Millie sehr, ihren Blick für Details. Besonders ihre Empathie, ihre emotionale Persönlichkeit haben es mir angetan. Aber auch die Nebencharaktere wurden besonders und einzigartig gezeichnet.
Williams empfindsame Art konnte mich ebenfalls überzeugen. Die Vergangenheit hat es auch nicht immer gut mit ihm gemeint.
Auch wenn man im vorher schon weiß, wie Geschichten dieser Art enden, fand ich es doch sehr spannend, den Weg zum Ziel zu erfahren. Die locker leichte, einfühlsame Sprache in Kombination mit den liebevollen, einzigartig gezeichneten Figuren machen diesen Roman für mich zu einem Highlight.

Bewertung vom 04.05.2021
Deluxe Dreams / Dumont Saga Bd.1
Halle, Karina

Deluxe Dreams / Dumont Saga Bd.1


ausgezeichnet

Die amerikanische Rucksachtouristin Sadie reist alleine weiter durch Südfrankreich, nachdem sie von dem Betrug ihres Freundes Tom erfahren hat. Auf dem Weg zum Bahnhof in Nizza wird sie jedoch überfallen und verletzt. Hilfe bekommt sie von Olivier, einem reichen, äußerst gutaussehenden, anziehenden Franzosen. Olivier Dumont verdient sein Vermögen als Hotelier, gleichzeitig ist er aber auch Erbe des Modeimperiums seiner Familie. Jeder kennt ihn in Frankreich. Nur Sadie weiß zunächst nicht, mit wem sie es zu tun hat. Olivier kümmert sich um sie und beide fühlen sich auf Anhieb zueinander hingezogen. Doch da gibt es eben noch die andere Seite der Dumont-Familie, die nicht immer nur Gutes im Schilde führt....

Mir hat die Geschichte um Sadie und Olivier richtig gut gefallen und bereits ab der ersten Seite durchgehend mitgerissen. Zunächst verfolgt man als Leser*in die Romanze der beiden, die sich schon fast wie im Märchen entwickelt, noch dazu an der wunderbaren Cote d´Azur. Es folgen unbeschwerte Tage voller Gefühle am sonnigen Mittelmeer. Die Beschreibungen waren derart bildhalft, dass bei mir gleich Urlaubsgefühle hochkamen. Und auch die Entwicklung der Liebesbeziehung hat mir trotz einiger Klischees wirklich gut gefallen. Doch man konnte bereits ahnen, dass sich das Leben der beiden nicht so glücklich fortsetzen würde, auch sonnige Tage im Süden Frankreichs finden irgendwann ein Ende. Nach dem ersten Drittel setzte dann nach und nach die Spannung ein, ich konnte kaum noch aufhören zu lesen. Denn der "dunkle" Teil der Familie Dumont möchte gerne das Modeimperium an sich reißen und schrecken vor nichts zurück. So entstanden einige Thrillermomente, die mich nicht mehr losgelassen haben.
Der Schreibstil lässt sich locker leicht weg lesen und gerade der dialogstarke Schlagabtausch zu Beginn der Story hat mich direkt ins Geschehen katapultiert. Zu keiner Zeit habe ich mich gelangweilt. Da aus beiden Perspektiven erzählt wurde, hatte ich den Eindruck, immer ganz nah an beiden Protagonisten dran zu sein. Sicherlich wird hier keine neue Geschichte erzählt, arme Studentin trifft auf ihren reichen Retter und beide verlieben sich, dennoch gab es besonders nach dem ersten Drittel einige unerwartete Wendungen und wer wünscht sich nicht manchmal so eine exklusive, märchenhafte Liebesgeschichte im eigenen Leben.
Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, die sicherlich auch von mir gelesen wird.

Bewertung vom 10.04.2021
Die Roseninsel
Reitner, Anna

Die Roseninsel


ausgezeichnet

Die junge Ärztin Liv braucht dringend eine Auszeit vom stressigen Klinikalltag der Berliner Charité. Doppelschichten und Überstunden sind in der Notaufnahme an der Tagesordnung. Liv fühlt sich ausgebrannt, nicht mehr leistungsfähig und beschliesst kurzerhand, die Krankheitsvertretung auf der Roseninsel im Starnberger See zu übernehmen. Hier, mitten in der Natur, möchte Liv wieder zu sich selbst finden und die Vergangenheit am liebsten vergessen. Die Einsamkeit der Roseninsel, die Ruhe und die Natur sollen ihr dabei helfen. Auf Anhieb fühlt sich Liv in diesem kleinen Stück Idylle wohl, das hektische Berlin rückt immer weiter in den Hintergrund. Einzige Bezugsperson ist Johannes, der ihr regelmäßig alles Lebensnotwendige auf die Insel liefert und zu dem Liv langsam eine Verbindung aufbaut.
Kurz nach ihrer Ankunft auf der Roseninsel entdeckt Liv ein altes Tagebuch. Schnell ist sie fasziniert von Magdalenas Erzählungen, die vor über 100 Jahren auf der Insel gelebt hat.

Die Autorin hat mich mit ihrer sanften, berührenden Schreibweise sofort in den Bann gezogen. Die Geschichte der Ärztin Liv und Magdalenas Erlebnisse werden hier abwechselnd erzählt. Beide Handlungsstränge konnten mich gleichermaßen fesseln. Man wollte immerzu erfahren, wie es mit beiden Frauen weitergeht. Und die Neugier auf Livs Vergangenheit machten für mich die Story durchaus spannend. Und auch Magdalenas Strang brachte eine gewisse Spannung mit sich, denn man konnte bereits ahnen, dass ihr Leben sich früher oder später ja ändern musste.
Überhaupt wirkte die Erzählweise sehr atmosphärisch auf mich. Die Autorin hat hier ein Talent für tolle Momentaufnahmen und stimmungsvolle Szenen bewiesen. Die Landschaft konnte ich mir durch die Beschreibungen bildhaft vorstellen und sogar den Duft der Rosen.
Mir hat das Buch richtig gut gefallen, es hatte eine beruhigende Wirkung auf mich, dennoch konnten mich sowohl beide Handlungsspielräume als auch die Atmosphäre fesseln.

Bewertung vom 22.11.2020
Aller guten Dinge sind zwei
McFarlane, Mhairi

Aller guten Dinge sind zwei


ausgezeichnet

Bereits 18 Jahre Dauer die Beziehung zwischen der Protagonistin Laurie und ihrem Freund Dan an. Kennengelernt haben sie sich schon zu Unizeiten und arbeiten inzwischen als Rechtsanwälte in derselben Kanzlei. Eigentlich fehlt zu Lauries Glück nur noch ein Kind, doch Dan zögert diese Entscheidung immer weiter hinaus. Weder möchte er heiraten, noch Vater werden. Aus heiterem Himmel will er stattdessen die Trennung, weil er nicht mehr glücklich ist und sich neu finden will, wie er behauptet. Doch eine neue Frau steht bereits in den Startlöchern, die auch sehr bald schwanger wird.
Für Laurie bricht eine Welt zusammen, hat sich doch ihr erwachsenen Dasein bisher nur um Dan gedreht. Laurie suhlt sich in ihrem Kummer und kann es nicht fassen. Wie soll sie mit Mitte 30 noch einen Mann finden, der ihren Kinderwunsch erfüllen kann?
Eines Tages steckt sie nach Feierabend mit ihrem Kollegen Jamie im Aufzug fest. Die beiden kommen ins Gespräch und einigen sich letztendlich auf einen Deal. Zum Schein wollen sie eine Beziehung eingehen, Laurie, um Dan eifersüchtig zu machen, Jamie verspricht sich dadurch berufliche Vorteile. Doch kann das gutgehen?

Dies ist bereits mein zweites Buch der Autorin und mir gefiel es noch besser als der Vorgänger. Ich denke, Mhairi McFarlane wird für mich zum must read.
Die Ausgangssituation an sich ist nichts Neues und wie solche Geschichten enden, kann man sich bereits vorher denken, doch für mich zählt bei solchen Büchern ausschließlich der Weg. Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr, locker leicht und doch tiefgründig mit der typischen Prise Humor. Eine absolut unterhaltsame Kombination. Laurie war mir auf Anhieb sympathisch. Besonders gefallen hat mir der Aspekt, dass es sich hier um eine dunkelhäutige Protagonistin handelt. Dies trägt zwar nicht wesentlich zum Inhalt bei, zeigt aber auf, dass die Welt eben bunt ist und dass die Wurzeln eben keine Rolle spielen, ob ein Mensch sympathisch wirkt oder eben nicht. Laurie jedenfalls mochte ich sehr gerne und vor allem hat es mir gefallen, ihre Entwicklung zu beobachten. Zunächst tat sie mir wirklich leid, wie sehr sie unter der Trennung gelitten hat. Doch Laurie rappelt sich auf und findet ihren Weg.
Auch Jamie, der bisher nichts von Liebe gehalten hat und wechselnde Frauenbekanntschaften pflegt, macht hier eine große, sympathische Entwicklung durch. Durch ihr Fake Beziehung lernen sich Laurie und Jamie von ganz anderen Seiten kennen. So manchen Kollegen in der Kanzlei ist Jamie ein Dorn im Auge und die beiden müssen so manche Hürde nehmen. Nach und nach lernt Laurie Jamies tiefgründige Seite kennen, die bisher nur wenige Menschen in seinem Leben zu sehen bekommen haben. Doch kann aus dem attraktiven Frauenheld tatsächlich der Mann werden, der Laurie für den Rest ihres Lebens zur Seite steht?
Ich habe das Buch wirklich geliebt, nach außen hin scheint es sich um einen leichten Chick-Lit-Roman zu handeln, doch die Autorin hat so viel mehr Tiefgang und auch ernsthafte Themen anzubieten. Besonders imponiert hat mir Lauries Umgang in der von den Männern dominierten Arbeitswelt.
Ein wirklich lesenswertes, amüsantes und unterhaltsames Buch, trotz der nicht ganz neuen Thematik.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.11.2020
Marigolds Töchter
Woolf, Julia

Marigolds Töchter


ausgezeichnet

In dem Roman „Marigolds Töchter“ geht es eigentlich eher um die 66-jährige Marigold selbst. Sie ist der Mittelpunkt der Familie Fane, von ihrem Ehemann Dennis liebevoll Goldie genannt. Marigold liebt es, ihre Familie zu versorgen, so hat sie das Gefühl, gebraucht zu werden und nützlich zu sein. Vor kurzem erst ist ihre motzende Mutter Nan zu ihnen gezogen. Die jüngste Tochter Suze hat es gar nicht eilig mit dem Auszug, sie genießt sämtliche Annehmlichkeiten im Hotel Mama und versucht sich als Influencerin. Als sich auch noch Tochter Daisy ankündigt, die nach einer gescheiterten Beziehung aus Italien heimkehrt in das kleine, englische Küstendorf, wird es eng in dem kleinen Haus.
Dreh- und Angelpunkt ist der kleine Dorfladen inklusive Poststelle, der von Marigold geführt wird Hier trifft man sich, hier wird der neueste Dorfklatsch ausgetauscht und Marigold hat ein offenes Ohr für jeden. Doch sie wird zunehmend vergesslicher, Nebel breitet sich in ihrem Kopf aus. Dies bleibt irgendwann auch den Dorfbewohnern nicht mehr länger verborgen.

Dieser Roman hat mich wirklich zutiefst beführt. Dabei kommt er eigentlich eher ruhg und unaufgeregt daher. Doch die Sprache ist so wunderbar berührend, empathisch und einfühlsam, mit einem kleinen nostalgischen Touch.
Ich mochte die Geschichte um Marigold sehr. Mehrmals kam mir der Gedanke, wie glücklich sich Marigold schätzen kann, von so einer liebevollen Familie umsorgt zu werden. Für alle Beteiligten ist es nicht leicht, mit der Demenz umzugehen und dem Verfall eines geliebten Menschen hilflos ausgeliefert zu sein. Marigold möchte niemanden zur Last fallen und tut sich sichtlich schwer damit, Dinge, die für sie immer selbstverständlich waren, abzugeben. Und auch den Familienmitgliedern fällt es nicht leicht, verständnisvoll damit umzugehen, dabei ihr eigenes Leben weiterzuleben. Trost findet Marigold in ihrem Garten, bei ihren Vögeln, die während der kalten Jahreszeit von ihr versorgt werden. Besonders gefallen hat mir das Lebensmotto ihres Vaters: Was ist falsch am Jetzt? Nämlich nichts. Zunehmend lassen sich Marigold und ihre Familie darauf ein, den Augenblick zu geniessen, sei es eine gute Tasse Tee, der Wechsel der Jahrenszeiten, den Blick auf das Mehr oder auf die Felder hinter dem Haus. Denn was nützt es, sich an die Vergangenheit zu klammern oder sich über die Zukunft zu sorgen, von der man noch gar nichts weiß?
Zudem werden auch die Entwicklungen der beiden Töchter Suze und Daisy beleuchtet. Beide finden ihren Weg, doch Daisy wird vor eine schwierige Entscheidung gestellt.
Auch die manchmal etwas schrulligen Dorfbewohner unterstützen Marigold, war sie selbst doch bisher immer eine Stütze für die Dorfgemeinschaft.
In diesem Roman geht es vor alle um Liebe, denn trägt man genug davon in sich, schafft man alles gemeinsam. Und auch zeigt das Buch auf, wie wichtig es ist, im Jetzt zu leben, jeden schönen Augenblick intensiv zu geniessen.
Die Autorin hat mich mit ihren liebevoll gezeichneten Figuren und die einfühlsame Beschreibung der Entwicklung einer Demzenz tief berührt und emotional gepackt.
Und hat man das Buch gelesen, erschließt sich auch das Cover, dem ich zunächst skeptisch gegenüberstand.

Bewertung vom 30.10.2020
All das Ungesagte zwischen uns
Hoover, Colleen

All das Ungesagte zwischen uns


ausgezeichnet

Dies ist bisher nach „Verity“ mein zweites Buch von Colleen Hoover und sie entwickelt sich absolut zu meiner Lieblingsautorin. Wie gut, dass diese Frau schon so viele Bücher geschrieben hat, die noch auf mich warten.

Die 16-jährige Clara wächst wohlbehütet auf. Morgan und Chris sind bereits in jungen Jahren Eltern geworden. Schon während der eigenen Teenagerzeit bestand eine mentale Verbindung zwischen Morgan und Jonah, der mit ihrer Schwester Jenny liiert war. Ein schwerer Schicksalsschlag beeinflusst das Leben von Morgan und Clara gewaltig, die Beziehung der beiden zueinander wird immer schwieriger und droht zu eskalieren. Geborgenheit findet Clara bei ihrem neuen Freund Miller, der jedoch von ihrer Mutter nicht akzeptiert wird. Aber auch Morgan empfindet Nähe, die nicht sein dürfte.

Colleen Hoovers rasanter Schreibstil hat mich von der ersten Seite an bis zum Schluss absolut gefesselt. Ich mochte das Buch kaum zur Seite legen und habe es in jeder freien Minute regelrecht verschlungen. Trotz der leichten Schreibweise entwickelt sich das Geschehen als tiefgründig. Die Autorin versteht es hervorragend, die Emotionen glaubwürdig zu transportieren. Die Schicksalsschläge haben mich definitiv berührt, so dass ich mit den Protagonistinnen gut mitfühlen konnte.
Durch den Perspektivenwechsel, die Kapitel wurden abwechselnd aus Morgans und Claras Sicht geschildert, bekam man als LeserIn tiefe Einblicke in die Gedanken von Mutter und Tochter. Es geht hier um Liebe, Loyalitäten und vor allem um die Mutter-Tochter-Beziehung. Durch die tragischen Ereignisse wird das Leben der beiden komplett auf den Kopf gestellt und nichts ist mehr, wie es war. Nach und nach werden Familiengeheimnisse aufgedeckt, die schwer an die Substanz gehen. Clara muss mit ihren Schuldgefühlen klarkommen und sucht Zuflucht bei Miller. Morgan hatte bisher ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten angestellt und sich aufopferungsvoll um ihre Familie gekümmert. Um Clara zu schützen, behält sie auch einiges für sich.
Das spannende an der Sache ist ja, dass man als LeserIn genau weiß, wie die Dinge aus jeweils Claras und Morgans Sicht geschehen sind, doch die beiden wissen eben nicht voneinander, was da los ist. Dies führt zu starken Konflikten, die zu eskalieren drohen. Auch Morgan empfindet Gefühle, die nicht sein dürfen. Manchmal möchte man am liebsten ins Geschehen eingreifen und die Protagonistinnen schütteln.
Mir hat das Buch richtig gut gefallen, es war packend, spannend, emotional und die Thematiken wurden tiefgründig verarbeitet. Die Konflikte zwischen den Charakteren wirkten absolut glaubwürdig. Und auch die Figuren entwickelten sich realistisch. Selbst die Nebencharaktere waren entsprechend ausgearbeitet. Und auch der ganz eigene Humor und die Insider zwischen Clara und Millter haben mich mehrmals schmunzeln lassen und machten die Story absolut rund.
Die Story war für mich etwas ganz Besonderes, für dieses Genre eher untypisch. Das Buch bietet die ganze Palette an Emotionen und konnte mich durchweg mitreißen. Ganz große Leseempfehlung!