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Benutzername: Schmökerwürmchen
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Bewertungen

Insgesamt 51 Bewertungen
Bewertung vom 12.02.2020
Je tiefer das Wasser
Apekina, Katya

Je tiefer das Wasser


sehr gut

Die beiden Schwestern Edith und Mae wachsen bei ihrer alleinerziehenden Mutter Marianne in Louisiana auf. Doch Marianne ist aufgrund ihrer psychischen Erkrankung nicht gerade die fürsorgliche Mutter, die man sich wünschen würde. Nach einem Selbstmordversuch wird Marianne in einer Klinik aufgenommen und die Mädchen müssen im Alter von 14 und 16 Jahren nach New York zu ihrem Vater Dennis Lomack umziehen, den sie seit 12 Jahren nicht mehr gesehen haben und sich so gut wie gar nicht an ihn erinnern können. Dennis hat sich inzwischen zu einem etablierten Schriftsteller entwickelt, der auch nicht gerade frei von psychischen Störungen lebt. Dieses neue Leben nehmen beide Schwestern sehr unterschiedlich auf. Während Mae sich schnell einlebt und einfach nur froh ist, sich aus den erdrückenden Fängen der Mutter befreien zu können, fühlt sich Edith hilflos und möchte am liebsten sofort zurück, zu ihrem Freund und für ihre Mutter da sein. Dafür setzt sie sämtliche Hebel in Bewegung.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich von dem Ganzen halten soll. Definitiv hat mich die Geschichte auf Anhieb gefesselt. Der Stil ließ sich angenehm lesen und die Ahnung, dass sich die Protagonisten auf eine Katastrophe zu bewegen, brachte für mich die entsprechende Sogwirkung mit sich.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen, wobei die einzelnen Kapitel recht kurz gehalten wurden. Auch Nebenfiguren schilderten ihre Sicht der Dinge, so dass sich die Ereignisse wie ein Puzzle zusammenfügten, das für mich aber gelegentlich nicht so richtig passen wollte. Vor allem zum Ende hin konnte ich mit einigen Passagen überhaupt nichts anfangen. Als Leser erfährt man auch nicht die Grundlagen, welche zu den psychischen Störungen geführt haben, obwohl die Autorin auch Blicke in die Vergangenheit wirft. Dabei werden das Kennenlernen und die ungesunde Beziehung, die obsessive Hörigkeit von Marianne und Dennis ausführlich thematisiert. Man erfährt jeweils die Emotionen, die Gedanken der erzählenden Person, so bekommt man als LeserIn eine Art Sozialstudie der gestörten Protagonisten, jedoch keine Hintergründe, wieso, weshalb, warum. Und genau darauf hatte ich irgendwann gehofft. Auch mit dem Ende konnte ich leider nicht so viel anfangen. Und dennoch hat mich Katya Apekinas Debütroman auf eine besondere Art gefesselt und die Figuren haben mich so schnell nicht losgelassen.

Bewertung vom 12.01.2020
Diabolic - Fatales Vergehen / Wyoming Bd.2
Jackson, Lisa; Bush, Nancy; Noonan, Rosalind

Diabolic - Fatales Vergehen / Wyoming Bd.2


sehr gut

Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert.
Die Story beginnt vor 15 Jahren. Die 3 Teenager Shiloh, Kat und Ruth schleichen sich in der Nacht heimlich von zu Hause weg, um nackt in einem nahe gelegenen See zu baden. Vor einiger Zeit sind bereits zwei Mädchen verschwunden und bislang nicht wieder aufgetaucht, was diesem nächtlichen Ausflug den zusätzlichen Kick verleiht. Doch schnell ist es mit dem Spaß vorbei, sie werden von einem Fremden beobachtet, heimlich fotografiert und Ruthie, die nicht schnell genug fliehen konnte, vergewaltigt. Ihre Freundinnen können ihr gerade noch zur Hilfe eilen und nur knapp entkommen sie dem Täter.
15 Jahre später führen die Wege der Frauen erneut in Prairie Creek zusammen. Wieder verschwindet ein junges Mädchen, eine Frau wird tot aufgefunden und die Freundinnen fühlen sich bedroht, insbesondere, als sie unabhängig voneinander Nacktaufnahmen vom damaligen Badeausflug erhalten. Offensichtlich treibt der Täter von damals immer noch sein Unwesen in Prairie Creek.

Nach dem Prolog bekommen jeweils Shiloh, Ruth und Kat ihren Teil der Geschichte. Zunächst wird über deren Leben erzählt, dass sie sich seit dem Vorfall am See aufgebaut haben, bis dann aus der jeweiligen Perspektive das Geschehen erzählt wird. Keine der drei Frauen hatte es leicht in ihrem Leben, keine der Frauen wuchs in einer intakten, fürsorglichen Familie auf. Als diese drei Frauen nach 15 Jahren wieder aufeinander treffen, begegnen sie zufälligerweise nebenbei dem richtigen Mann, der sie jeweils beschützt und zu dem sie sich hingezogen fühlen. An Sexszenen wurde nicht gespart. Das ganze Liebesgedöns war mir für einen Thriller doch etwas zu viel. Zwar mag ich es auch bei spannenden Büchern, wenn man etwas aus dem Privatleben der Protagonisten erfährt, doch hier hatte ich das Gefühl, dass der Thriller selbst mehrmals in den Hintergrund rückte. Zudem wirkten die Männer in diesem Buch auf mich eher stereotyp und austauschbar. Die Sprache war sehr einfach gehalten und mir für dieses Genre gelegentlich zu derb und unpassend.
Allerdings ging es wirklich spannend und rasant los. Diese Spannung hielt lange an, doch zum Ende hin zog sich die Story eher in die Länge. Zu viele oberflächliche Nebencharaktere tauchten auf und überhaupt wirkte die Männerwelt in Prairie Creek eher grob und hinterwäldlerisch.
Doch trotz der Kritikpunkte konnte mich das Buch über die Hälfte fesseln. Bis fast zum Schluss hatte ich keine Ahnung, wer der Täter sein könnte. Dann jedoch spielte sich das Geschehen zu schnell und für meinen Geschmack zu überzogen ab. Alles in allem konnte mich der Thriller dennoch gut unterhalten.

Bewertung vom 08.12.2019
Draussen
Klüpfel, Volker; Kobr, Michael

Draussen


sehr gut

Die beiden Teenager Cayenne und Joshua leben mit ihrem Ziehvater Stephan draußen in der brandenburgischen Wildnis. Immer auf der Flucht, bereitet Stephan die beiden auf den Ernstfall vor. Sie lernen von ihm, wie man schießt, richtig kämpft und überlebt. Doch die Gefahr ist zu Beginn noch unsichtbar. Gerade Cayenne stellt ihre Lebensweise immer mehr in Frage. Sie sehnt sich nach einem völlig normalen Teenagerleben. Doch Stephan weicht ihren Fragen aus. Nebenbei verdient er sich etwas Geld mit Survivalkursen dazu. Eines Tages jedoch wird Cayenne angegriffen und verletzt. Ist nun der Ernstfall eingetreten, auf den Stephan seine Ziehkinder vorbereitet hat?

Das Buch ist wirklich sehr spannend geschrieben, der Stil flüssig und bildhaft, so dass es leicht fällt, am Ball zu bleiben. Das Leben im Wald konnte ich förmlich vor mir sehen, die Gerüche einatmen und die typischen Waldgeräusche klangen in meinen Ohren. Zudem enden die kurzen Kapitel mit Cliffhängern. Ständig hat mich die Frage beschäftigt, weshalb die kleine Gruppe nicht in Zivilisation lebt und vor wem sie sich eigentlich verstecken müssen. Und was ist mit den Eltern der Kinder? Diese Fragen machten die Story fesselnd und ließen mich am Ball bleiben.
Hinzu kommen kursive Einschübe, hierbei handelt es sich um die Tagebucheinträge des Fremdenlegionärs Étienne Lefevre.
Und dann gibt es noch den Erzählstrang um den Lobbyisten der Energiekonzerne Jürgen Wagner und seinen vietnamischen Handlanger Chu.
Zunächst hat man als Leser/In keine Ahnung, wie diese Stränge zusammenhängen. Erst zum Schluss führen die Fäden zusammen.
Die Kluftinger Krimis kenne ich bisher nicht, doch dieser Thriller war rasant und hat mich wirklich gut unterhalten. Einzig die politischen Debatten, internen Ränke- und Machtspiele haben mich etwas gelangweilt, damit konnte ich zunächst gar nichts anfangen und letztendlich wäre die Story auch ohne dem ausgekommen. Thematisch wurde hier einiges von dem Autorenduo geboten. Das Überleben im Wald, die sogenannte Prepper Szene, der große Blackout, die Machenschaften der Fremdenlegion.
Zum Ende hin kam es dann actionreich zum großen Showdown. Letztendlich konnten alle Fragen geklärt werden. Allerdings hätte ich zu gerne noch mehr über Cayenne erfahren.

Bewertung vom 24.11.2019
Das Geheimnis von Shadowbrook
Fletcher, Susan

Das Geheimnis von Shadowbrook


gut

Das Buch ist optisch wunderschön gestaltet und ein absoluter Hingucker im Bücherregal, was ich vom Inhalt jedoch leider nicht behaupten kann. Erwartet hatte ich eine gruselige, mysteriöse Story, die mich mit Spannung und entsprechend geisterhafter Atmosphäre in den Bann zieht. Dies war leider gar nicht der Fall. Dabei ging es es zu Beginn vielversprechend los. Doch das Geschehen plätscherte immer weiter vor sich hin, Clara beteiligte sich kaum an den Ermittlungen. Von der Wissenschaft überzeugt, änderte sie mir für meine. Geschmack viel zu schnell ihre Ansichten und ließ sich auch kaum anderweitig überzeugen. Die Aufklärung erfährt man als LeserIn durch die Aussage eines Nebencharakters. Überhaupt hat mir die Auflösung gar nicht zugesagt und die Hintergründe waren mir doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Obwohl ich schon neugierig war, was sich hinter den mysteriösen Vorgängen verbirgt, mochte Spannung nicht so recht aufkommen, da sich die Autorin immer wieder ausschweifend in Nebensächlichkeiten verlor. Immer wenn ich das Gefühl hatte, jetzt kommt endlich Fahrt auf, schweifte die Autorin wieder viel zu blumig, aufwendig und langwierig ab, so dass ich manches Mal zum weiterlesen zwingen musste
Einzig die Protagonistin selbst war für mich ein kleines Highlight. Für die damalige Zeit doch recht ungewöhnlich, gab sie sich forsch, direkt und blieb sich selbst treu, unabhängig davon, was die Dorfbewohner von ihrer unverblümten Art halten mögen.
Behandelt werden hier viele Themen wie Krankheit, Familienzugehörigkeit, Verstoß gegen die Konventionen. Vor allem aber der Glaube und die Seele im Kontrast zur Wissenschaft spielen die tragende Rolle. Leider konnte mich keines davon in diesem Zusammenhang komplett überzeugen.
Alles in allem empfand ich persönlich die Story als durchschnittlich, es fehlte mir an Spannung und der erwartete Gruselfaktor, den Titel und Klappentext versprachen, blieben dabei vollkommen auf der Strecke.

Bewertung vom 06.10.2019
Tagebuch meines Verschwindens / Profilerin Hanne Bd.2
Grebe, Camilla

Tagebuch meines Verschwindens / Profilerin Hanne Bd.2


sehr gut

Mittelpunkt des Geschehens ist das kleine, schwedische Örtchen Omberg. Seitdem die Industrie verschwunden ist, blieb nicht mehr viel übrig. Arbeitslosigkeit, Trostlosigkeit, Resignation und Langeweile prägen den Ort. Warum ausgerechnet in der alten Fabrik eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wurde, kann niemand nachvollziehen. Die vor Ort gebliebenen Einheimischen stehen dem misstrauisch gegenüber. Selbst von der Regierung vernachlässigt und nicht mehr wahrgenommen, bekommen die Geflüchteten genau die Hilfe vom Staat, die sich die Gebliebenen gewünscht hätten. Dies führt zu einigen Spannungen. Schon bald wird auf der Geröllhalde eine tote Frau entdeckt. An gleicher Stelle, wo in der Vergangenheit das Skelett eines Kindes aufgefunden wurde, das niemand vermisste. In welchem Zusammenhang steht dieser Cold Case mit dem aktuellen Mord? Malin, die damals das Skelett entdeckte, konnte Omberg entfliehen und hat sich als Polizistin ein neues Leben aufgebaut. Doch in Verbindung mit ihrer Rückkehr muss sie sich auch der Vergangenheit stellen. Hanne und Peter sollen gemeinsam mit ihr den Fall lösen, doch Peter ist spurlos verschwunden und Hanne kann sich nicht mehr erinnern, sie flüchtet aus dem Wald und wird von Jake, einem Teenager aus dem Ort, aufgegriffen. Schon bald wird Jake zufällig in dem Fall involviert und stellt ganz eigene Nachforschungen an.

Alles in allem hat mir die Story richtig gut gefallen. Die düstere Stimmung transportiert ganz hervorragend die Dunkelheit und Trostlosigkeit dieses Ortes. Perspektiven gibt es nicht für die Einheimischen. Malin hat den Absprung noch rechtzeitig geschafft, kommt aber während der Ermittlungen bei ihrer Mutter unter und wird zugleich mit Vergangenheit und der Gestaltung ihrer Zukunft konfrontiert.
Die Kapitel werden abwechselnd aus Jakes und Malins Perspektive erzählt, in späteren Kapiteln erfahren wir als LeserIn auch Hannes Sichtweise. Jedes einzelne Kapitel endet mit einem Cliffhanger. Nach und nach fügen sich die einzelnen Abschnitte wie ein Puzzle zusammen.
Die Sprache selbst wirkt mitreißend und spannend, man möchte als LeserIn unbedingt erfahren, was mit Peter geschehen ist und ob Hannes Erinnerungen zurückkehren. Doch während des mittleren Teils verliert die Story an Spannung, vieles wiederholt sich, vor allem die Einöde und Trostlosigkeit des Ortes wird permanent hervorgehoben. Ich denke, als aufmerksamer LeserIn hat man es schon gleich zu Anfang begriffen.
Dann sind da noch Manfred und Andreas an den Ermittlungen beteiligt.
Andreas und auch Malins Mutter stimmen Malin nachdenklich, was ihr Leben betrifft.
Im letzten Drittel nimmt die Story rasant an Fahrt auf, ich konnte das Buch dann kaum noch aus den Händen legen. Unerwartete Wendungen bringen hier genau die Spannung auf, die ich mir schon etwas früher gewünscht hätte.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Nicht nur die Ermittlungen spielen hier eine Rolle, sondern auch gesellschaftskritische Themen werden angesprochen und runden diesen Thriller, der ohne viel Blutvergiessen daherkommt, in genau der richtigen Mischung ab.

Bewertung vom 12.09.2019
Es wird Zeit
Kürthy, Ildikó von

Es wird Zeit


ausgezeichnet

Bisher habe ich alle Romane der Autorin mit Genuss gelesen und so habe ich mich auf ihr neuestes Werk gefreut. Ildikó von Kürthy hat einen einzigartigen Schreibstil, der mich bisher in jedem ihrer Bücher voll berühren konnte.
In „Es wird Zeit“ geht es um Judith, die kurz vor ihrem 50. Geburtstag steht. Für sie Anlass genug, ein Resümee über ihr Leben zu ziehen. In ihrer Ehe mit Joachim ist sie lange nicht mehr glücklich, in Wedel, vor den Toren Hamburgs, hat sich Judith nie richtig wohl gefühlt und ihre drei erwachsenen Söhne haben bereits das Haus verlassen. Was hat die Zukunft da noch an Aufregung zu bieten? Judith steckt in einer Lebenskrise, ihre Gedanken drehen sich ständig um die paar Kilos zu viel auf den Hüften, Essen und welche Lebensweise doch die gesündere wäre. Der Tod ihrer Mutter ändert alles. Judith reist nach 20 Jahren in ihre rheinländische Heimat und trifft dort auf ihre Jugendfreundin Anne. Genau vor dieser Begegnung hatte sie sich die letzten Jahre gedrückt, denn Judith hat ein großes Geheimnis. Doch sie ist nicht die einzige. Anne ist an Krebs erkrankt und Judith steht ihr bei, die beiden kommen sich wieder näher. Können sie die alte Vertrautheit aus Kindertagen wieder aufbauen? Und findet Judith Erfüllung in ihrem Leben?

In diesem Roman dreht es sich um die großen Themen wie Liebe, Heimat, Vergangenheitsbewältigung und Neuanfänge. Gleichzeitig begibt man sich als LeserIn auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. In Rückblicken wird über die Kindheit und Jugendzeit der beiden Freundinnen erzählt, immer wieder verknüpft mit der Gegenwart. Ildiko von Kürthy hat mich mit ihrem unnachahmlichen Stil wieder genauso eingenommen wie in ihren vorherigen Romanen. Hier bekommt man wirklich die gesamte Palette an Emotionen, gerade noch spürte man die Melancholie über Vergangenes, schon muss man im nächsten Moment wieder schmunzeln. Jeden Gedankengang der Protagonistin bekommt man schonungslos mitgeteilt, wobei sie ständig abschweift und die Gedanken sich überrollen, aber im positiven und humorvollem Sinne. Ständig dachte ich, ja, genauso ist es, ja, genauso war es früher in meiner Kindheit und Jugend.
Nur manchmal hätte ich Judith gern ein bisschen geschüttelt, dass sie doch endlich handelt, ihr Leben in die Hand nimmt und nicht nur melancholisch zurückblickt und lamentiert. Doch so ist eben ihr Charakter und schließlich macht sie gemeinsam mit Anne eben doch eine Entwicklung durch.
Zudem nimmt die Geschichte ihren ganz eigenen Verlauf, es gibt Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte, was diesem Buch eine gewisse Spannung verleiht, möchte man doch zu gerne wissen, wie einzelne Figuren auf die Begebenheiten reagieren.
Besonders über die Nebencharaktere Erdal und Karsten habe ich mich gefreut. Erdals divenhafte Art war mir bereits schon aus den vorherigen Romanen bekannt und so war er mir auf Anhieb wieder vertraut. Was habe ich mich gefreut, als er mit Pauken und Trompeten wieder auf der Bildfläche erschien.
Besonders schön an den Romanen der Autorin finde ich, dass die Protagonisten mit meinem zunehmenden Alter genauso mitwachsen und ich mich desöfteren, wenn auch nicht in allen Punkten, mit den Charakteren identifizieren kann.
Auch von der Aufmachung her ist das Buch ein Highlight. Eigentlich ist mir der Inhalt wichtig, die Optik spielt für mich eher eine untergeordnete Rolle. Doch hier ist die Story mit wundervollen Zeichnungen gespickt, angepasst an den Inhalt.
Ganz große Klasse, dieser Roman besticht gleichzeitig durch Leichtigkeit und Trauer, Melancholie und wirkt doch so lebensbejahend. Man sollte nie die Hoffnung aufgeben und das Leben in vollen Zügen und all seinen Facetten genießen, Nächte durchtanzen und sich keine Gedanken über das nächste Glas Wein nach Mitternacht machen.
Zum Schluss kann ich nur noch hoffen, dass sich die Autorin bis zu ihrem nächsten Roman nicht so viel Zeit lässt.

Bewertung vom 01.09.2019
The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld
Oakes, Colleen

The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld


sehr gut

Die Protagonistin Thea hat vor kurzem ihre Cousine und beste Freundin Nathalie durch eine Gewalttat verloren. Seitdem fühlt sie sich einsam und ist an ihrer Schule eine Außenseiterin. Ihr Leben verläuft wie in Trance und das Laufen, das sie immer liebte, hat sie aufgegeben. Ohne Nathalie sieht sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Bis sie eine Einladung der Black Coats erhält. Diese geheime Organisation verübt Rache an Männer, die Frauen in jeglicher Form Gewalt zufügen und vom System der Polizei und Justiz aus diversen Gründen ihrer Strafe entkommen. Seit langer Zeit fühlt sich Thea verstanden und sich im Laufe der Zeit mit ihren Genossinnen bei den Black Coats verbunden. Denn sie alle teilen das gleiche Schicksal. Zum Zeitpunkt der Anwerbung lernt Thea Drew Porter kennen, zu dem sie sich ebenso hingezogen fühlt. Doch ihr Geheimnis stellt die Freundschaft auf eine harte Probe und Thea merkt schon bald, dass etwas mit dieser Organisation nicht stimmt.

Die Autorin hat es auf Anhieb geschafft, mich mit ihrem rasanten Schreibstil in den Bann zu ziehen. Bereits auf den ersten Seiten möchte man erfahren, was es mit den Black Coats auf sich hat. Zunächst beginnt alles ganz harmlos. Die Mädchen werden an ihren Schwachstellen gepackt und zunächst sanft manipuliert. Teambereitschaft und Kampfgeist werden gefördert. Schon bald kommt es zu ersten harmlosen Einsätzen. Doch inwieweit ist Rache und Selbstjustiz an gewalttätigen Männern moralisch vertretbar? Um diese Frage dreht sich der vorliegende spannende Jugendthriller. Doch Gewalt und Missbrauch gegenüber Frauen geht alle etwas an, deshalb ist das Buch für Erwachsene genauso gut geeignet.
Erzählt wir die gesamte Story ausschließlich aus Theas Sicht. Und sie blickt hinter die Fassade, stellt Nachforschungen an und merkt schon bald, das irgendetwas bei den Black Coats nicht richtig läuft. Nur gelegentlich an einigen wenigen Stellen kam ein kurzes Gefühl von Länge auf, ich hatte den Eindruck, dass sich Theas Gedanken und die Ereignisse wiederholen und nicht von der Stelle kommen, was sich nach ein paar Seiten aber direkt gelegt hat.
Im zweiten Teil geht es richtig zur Sache, die Methoden der Black Coats wurden immer brutaler. Während mancher Szenen stellte sich mir die Frage, inwieweit das Vorgehen noch mit Gerechtigkeit zu tun hat und ab welchem Grad ist es überhaupt erlaubt, moralische Grundsätze über Bord zu werfen, nur für einen gewissen Zweck?
Während des Showdowns überschlagen sich die Ereignisse, einiges wirkte währenddessen doch eher unglaubwürdig. Doch immerhin ist die Auflösung schlüssig und das Ende abgeschlossen, so dass man als LeserIn nicht auf einen Folgeband warten muss, wie es in diesem Genre ja oft üblich ist.
Alles in allem konnte mich die Story aufgrund der Thematik und der rasanten Spannung überzeugen.

Bewertung vom 11.08.2019
Show me the Stars / Leuchtturm-Trilogie Bd.1
Mohn, Kira

Show me the Stars / Leuchtturm-Trilogie Bd.1


gut

Liv hatte es bisher nicht leicht in ihrem noch jungen Leben. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist nicht gerade das Beste und Freunde hat sie auch nicht. Ihr Studium hat sie in kürzester Zeit absolviert. Karriereorientiert, blieb für Freunde und Spaß nicht viel Zeit übrig. Mit dem Ergebnis, dass sie für den Globus Klatschgeschichten über Prominente schreibt. Doch nach einem verpatzten Interview steht sie plötzlich ohne Job da. Auf der Suche nach Verdienstmöglichkeiten springt ihr eine Anzeige ins Auge und spontan bewirbt sie sich für eine Stelle in Irland. Liv soll für ein halbes Jahr lang Leuchtturm Matthew auf der Insel Caorach bewohnen. Schon gleich zu Beginn ist sie von dem Lebensmittellieferanten Kjer angetan. Doch Kjer hat seine eigene Last zu tragen, kann er sich überhaupt fest binden?

Wie diese Story ausgeht, kann man schon gleich zu Beginn erahnen. Auch was es mit dem verpatzten Interview auf sich hat, war mir auf Anhieb klar. Doch Liv braucht einige Zeit länger. Die Sprache ich locker und flüssig, die Beschreibungen der Umgebung sehr bildhaft, so dass man am liebsten selbst direkt nach Irland reisen möchte. Die kleine Insel Caorach und den Leuchtturm Matthew hatte ich förmlich vor Augen und das Rauschen des Meeres in den Ohren. Die Ortsbeschreibungen waren für mich definitiv das Beste an dem Buch. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, Liv‘s Leben in Hamburg und auch später auf Caorach plätscherte nur so vor sich hin. Manchmal musste ich mich wirklich zum Weiterlesen zwingen. Erst im letzten Drittel kam dann doch etwas mehr Fahrt auf. Liv war mir zwar sympathisch, aber manches Mal doch ein wenig zu naiv, was sich aber mit ihren 22 Jahren noch entschuldigen lässt.
Kjer dagegen wirkte auf mich eher stereotyp und unnahbar. Der typische Frauenheld mit einer tragischen Vergangenheit. Ganz warm bin ich mit ihm allerdings nicht geworden.
Meine liebste Figur war für mich definitiv Airin, die allein ein Bed & Breakfast führt und sich gleich mit Liv anfreundet. Ihr offenes, ehrliches und herzliches Wesen hat mich direkt eingenommen, so jemanden hat man wirklich gern zur Freundin, bei ihr habe ich mich sofort wohl gefühlt.
Im Brady‘s, der Pub und Treffpunkt in Castledunns würde ich jedenfalls gerne mal ein Guiness trinken gehen und einige der Charaktere dort antreffen.
Alles In allem hat mir die Story eher durchschnittlich gefallen und die Ereignisse waren doch sehr vorhersehbar. Ständig wusste ich bereits im Voraus, was auf den nächsten Seiten auch tatsächlich eingetreten ist. Das hat mir viel von der Spannung genommen. Doch die Atmosphäre, die die Autorin geschaffen hat und auch einige der Charaktere haben das Buch für mich doch noch lesenswert gemacht. Ob ich allerdings zum nächsten Teil greifen werde, weiß ich noch nicht. Schade, dass Airin erst im dritten Teil ihre Geschichte bekommt, sonst würde ich definitiv weiterlesen wollen.

Bewertung vom 20.06.2019
Find mich da, wo Liebe ist
Harris, Anstey

Find mich da, wo Liebe ist


sehr gut

Die Geigenbauerin Grace hatte als junge Frau eine vielversprechende Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere als Cellistin. Die Musikhochschule musste sie verlassen. Cello spielt sie nur noch für sich. Heute lebt sie in einem kleinen Ort in der Grafschaft Kent. Sie hat sich selbständig gemacht und repariert Streichinstrumente. Doch der eigentliche Sinn ihres Lebens ist ihre große Liebe David. David lebt in Paris, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Grace hofft schon bald auf eine gemeinsame Zukunft. Wird es diese geben? Und welche dramatischen Ereignisse sind dafür verantwortlich, dass Grace panisch reagiert bei dem Gedanken, vor anderen Menschen zu spielen, selbst vor David?

Schon gleich zu Beginn ereignet sich eine spannende Begebenheit, die in einer Kettenreaktion das Leben von Grace verändert. Dadurch bin ich sofort in die Geschichte hineingekommen. Auch der flüssige Schreibstil, der später sehr emotional wird und unter die Haut geht, hat mich direkt mitgenommen.
Doch leider wurde gelegentlich mein Lesefluss etwas gehemmt, da die Reparaturen und der Bau von den Streichinstrumenten für meinen Geschmack zu detailliert und sachlich beschrieben wurden. Auch die klassische Musik wurde manches Mal fachlich sehr genau erörtert, womit ich als Laie nicht so viel anfangen konnte. Doch die eigentliche Story, wie sich um das Leben von Grace und David dreht, hat mich sehr gefesselt. Zudem konnte ich es kaum abwarten zu erfahren, welche dramatischen Ereignisse dazu geführt haben, dass Grace nur noch für sich spielt.
Bereichert wurde die Geschichte zum einen durch Mr. Williams, ein charmanter, aufmerksamer, älterer Herr, der sich zu einem wahren Freund für Grace entpuppt. Und zum anderen durch den Teenager Nadia, eine Teilzeit Aushilfe in ihrem Laden. Auch Nadia hat es nicht immer leicht in ihrem Leben und hinter ihrer manchmal stacheligen Fassade verbirgt sich letztendlich doch ein guter Kern. Das Leben dieser beiden sympathischen, authentischen Nebencharaktere lernt man als LeserIn ebenfalls kennen.
Gerade zum Ende hin wurde dieses Buch sehr emotional, gespickt mit einigen Highlights und unerwarteten Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Zwar waren es ein paar Zufälle zu viel, doch das hat zum Ende hin mein Lesevergnügen in keinster Weise beeinträchtigt.
Besonders gefallen hat mir übrigens, dass es sich hier mal um eine Protagonistin in mittleren Jahren handelt.
Zwar ist das Buch in sich abgeschlossen und doch bietet es noch Raum für eine Fortsetzung.

Bewertung vom 10.06.2019
Die Zarin und der Philosoph / Sankt-Petersburg-Roman Bd.2
Sahler, Martina

Die Zarin und der Philosoph / Sankt-Petersburg-Roman Bd.2


sehr gut

Den ersten Teil kenne ich nicht, doch man konnte diesen Teil hier unabhängig davon lesen, ich hatte zu keinem Zeitpunkt Verständnisschwierigkeiten.
Nach dem Sturz von Zar Peter wird Katharina die Große zur Alleinherrscherin über Russland. Zwar ist sie europäisch orientiert, besonders für Bildung setzt sie sich ein, doch hapert es in Russland an vielen Ecken. Gerade was die Leibeigenschaft betrifft, redet sie zwar viel, doch letztendlich folgen keine Taten. Anhand von Darija und Andrej, denen wir später begegnen, wird deren Elend realistisch ohne Beschönigung dargestellt. Katharina hat mich letztendlich zwiegespalten zurückgelassen.
Besonders ihre Ziehtochter Sonja, die mit geschätzten 5 Jahren zu ihr an den Hof kommt, ist ihr ans Herz gewachsen. Doch Sonja entwickelt sich zu einer intelligenten, jungen Frau, die sich für mehr interessiert als nur Prunk und schöne Kleider. Schon in jungen Jahren stellt sie die politische Situation Russlands in Frage.
Regelmäßígen Kontakt pflegt Katharina zu dem Philosophen Stephan Mervier, der von dem preußischen König Friedrich als Spion an den Hof geschickt wurde. Mit seiner jungen Frau Johanna siedelt er nach St. Petersburg über. Schnell trifft Sephan auf Gleichgesinnte und tritt einem philosophischen Zirkel bei, der die Politik und die Zarin sebst in Frage stelt. Johanna dagegen fühlt sich zunächst vernachlässigt, kann sich aber als Künslerin etablieren und trifft auf die schwermütige, russische Seele Boris. Politische Intrigen werden geschmiedet, Aufstände werden geplant.
St. Petersburg wurde hier als schillernde Stadt dargestellt, ich hatte ständig das Gefühl, mich mit den Figuren durch die Straßen und zwischen den vielen Prachtbauten zu bewegen. Diese Beschreibungen waren bildhaft und wirklich schön zu lesen.
Auch die Charaktere wurden vielschichtig ausgearbeitet. Es gab kein schwarz und weiß, jede Figur hatte ihre guten Seiten, aber auch Schwachstellen. Vor allem der ständige Perspektivenwechsel hat mir gefallen, so bekam man in verschiedenen Situationen jeweils Einblick in die Gedanken der agierenden Personen.
Auch das Leben am Hof wurde hier eindrückich beschrieben. Im Gegensatz dazu stand die Armut der Leibeigenen und einiger der anderen Einwohner, die es nicht so gut getroffen haben. Allein die Zarin Katharina entscheidet über Not und Wohlstand. Gerade zum Ende hin entwickelt sich das Geschehen noch mal richtig dramatisch.
Bisher hatte ich Katharina die Große eher weniger auf dem Schirm. Verbunden mit den Schicksalen und Erlebnissen der einzelnen Charaktere wurde hier die russische Historie wirkich lesenswert dargestellt und ich konnte einiges Wissen hierüber mitnehmen. Einzg die politischen Geschehnisse wurden für mich an manchen Stellen zu trocken und detailliert geschildert. Doch die authentisch ausgearbeiteten Figuren machten diesen Roman spannend und mitreißend. Und auch die Beschreibungen über St. Petersburg haben mir ausgesprochen gut gefallen, so dass ich laufend bewegende Bilder vor meinen Augen hatte. Ich habe mitgefiebert, mitgefühlt, gehofft und gebangt, vor allem das Ende hat noch nachgwirkt. Meine Lieblingscharaktere waren hier definitiv Sonja und Johanna und die Entwicklung von Boris hat mich am meisten gefesselt.
Positiv anzumerken sind definitiv die Karten, auf die ich immer wieder schauen musste, um die Schritte der Charaktere zu verfolgen und auch das Personenregister war äußerst hilfreich.