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Benutzername: Schmökerwürmchen
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Bewertungen

Insgesamt 62 Bewertungen
Bewertung vom 22.11.2020
Aller guten Dinge sind zwei
McFarlane, Mhairi

Aller guten Dinge sind zwei


ausgezeichnet

Bereits 18 Jahre Dauer die Beziehung zwischen der Protagonistin Laurie und ihrem Freund Dan an. Kennengelernt haben sie sich schon zu Unizeiten und arbeiten inzwischen als Rechtsanwälte in derselben Kanzlei. Eigentlich fehlt zu Lauries Glück nur noch ein Kind, doch Dan zögert diese Entscheidung immer weiter hinaus. Weder möchte er heiraten, noch Vater werden. Aus heiterem Himmel will er stattdessen die Trennung, weil er nicht mehr glücklich ist und sich neu finden will, wie er behauptet. Doch eine neue Frau steht bereits in den Startlöchern, die auch sehr bald schwanger wird.
Für Laurie bricht eine Welt zusammen, hat sich doch ihr erwachsenen Dasein bisher nur um Dan gedreht. Laurie suhlt sich in ihrem Kummer und kann es nicht fassen. Wie soll sie mit Mitte 30 noch einen Mann finden, der ihren Kinderwunsch erfüllen kann?
Eines Tages steckt sie nach Feierabend mit ihrem Kollegen Jamie im Aufzug fest. Die beiden kommen ins Gespräch und einigen sich letztendlich auf einen Deal. Zum Schein wollen sie eine Beziehung eingehen, Laurie, um Dan eifersüchtig zu machen, Jamie verspricht sich dadurch berufliche Vorteile. Doch kann das gutgehen?

Dies ist bereits mein zweites Buch der Autorin und mir gefiel es noch besser als der Vorgänger. Ich denke, Mhairi McFarlane wird für mich zum must read.
Die Ausgangssituation an sich ist nichts Neues und wie solche Geschichten enden, kann man sich bereits vorher denken, doch für mich zählt bei solchen Büchern ausschließlich der Weg. Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr, locker leicht und doch tiefgründig mit der typischen Prise Humor. Eine absolut unterhaltsame Kombination. Laurie war mir auf Anhieb sympathisch. Besonders gefallen hat mir der Aspekt, dass es sich hier um eine dunkelhäutige Protagonistin handelt. Dies trägt zwar nicht wesentlich zum Inhalt bei, zeigt aber auf, dass die Welt eben bunt ist und dass die Wurzeln eben keine Rolle spielen, ob ein Mensch sympathisch wirkt oder eben nicht. Laurie jedenfalls mochte ich sehr gerne und vor allem hat es mir gefallen, ihre Entwicklung zu beobachten. Zunächst tat sie mir wirklich leid, wie sehr sie unter der Trennung gelitten hat. Doch Laurie rappelt sich auf und findet ihren Weg.
Auch Jamie, der bisher nichts von Liebe gehalten hat und wechselnde Frauenbekanntschaften pflegt, macht hier eine große, sympathische Entwicklung durch. Durch ihr Fake Beziehung lernen sich Laurie und Jamie von ganz anderen Seiten kennen. So manchen Kollegen in der Kanzlei ist Jamie ein Dorn im Auge und die beiden müssen so manche Hürde nehmen. Nach und nach lernt Laurie Jamies tiefgründige Seite kennen, die bisher nur wenige Menschen in seinem Leben zu sehen bekommen haben. Doch kann aus dem attraktiven Frauenheld tatsächlich der Mann werden, der Laurie für den Rest ihres Lebens zur Seite steht?
Ich habe das Buch wirklich geliebt, nach außen hin scheint es sich um einen leichten Chick-Lit-Roman zu handeln, doch die Autorin hat so viel mehr Tiefgang und auch ernsthafte Themen anzubieten. Besonders imponiert hat mir Lauries Umgang in der von den Männern dominierten Arbeitswelt.
Ein wirklich lesenswertes, amüsantes und unterhaltsames Buch, trotz der nicht ganz neuen Thematik.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.11.2020
Marigolds Töchter
Woolf, Julia

Marigolds Töchter


ausgezeichnet

In dem Roman „Marigolds Töchter“ geht es eigentlich eher um die 66-jährige Marigold selbst. Sie ist der Mittelpunkt der Familie Fane, von ihrem Ehemann Dennis liebevoll Goldie genannt. Marigold liebt es, ihre Familie zu versorgen, so hat sie das Gefühl, gebraucht zu werden und nützlich zu sein. Vor kurzem erst ist ihre motzende Mutter Nan zu ihnen gezogen. Die jüngste Tochter Suze hat es gar nicht eilig mit dem Auszug, sie genießt sämtliche Annehmlichkeiten im Hotel Mama und versucht sich als Influencerin. Als sich auch noch Tochter Daisy ankündigt, die nach einer gescheiterten Beziehung aus Italien heimkehrt in das kleine, englische Küstendorf, wird es eng in dem kleinen Haus.
Dreh- und Angelpunkt ist der kleine Dorfladen inklusive Poststelle, der von Marigold geführt wird Hier trifft man sich, hier wird der neueste Dorfklatsch ausgetauscht und Marigold hat ein offenes Ohr für jeden. Doch sie wird zunehmend vergesslicher, Nebel breitet sich in ihrem Kopf aus. Dies bleibt irgendwann auch den Dorfbewohnern nicht mehr länger verborgen.

Dieser Roman hat mich wirklich zutiefst beführt. Dabei kommt er eigentlich eher ruhg und unaufgeregt daher. Doch die Sprache ist so wunderbar berührend, empathisch und einfühlsam, mit einem kleinen nostalgischen Touch.
Ich mochte die Geschichte um Marigold sehr. Mehrmals kam mir der Gedanke, wie glücklich sich Marigold schätzen kann, von so einer liebevollen Familie umsorgt zu werden. Für alle Beteiligten ist es nicht leicht, mit der Demenz umzugehen und dem Verfall eines geliebten Menschen hilflos ausgeliefert zu sein. Marigold möchte niemanden zur Last fallen und tut sich sichtlich schwer damit, Dinge, die für sie immer selbstverständlich waren, abzugeben. Und auch den Familienmitgliedern fällt es nicht leicht, verständnisvoll damit umzugehen, dabei ihr eigenes Leben weiterzuleben. Trost findet Marigold in ihrem Garten, bei ihren Vögeln, die während der kalten Jahreszeit von ihr versorgt werden. Besonders gefallen hat mir das Lebensmotto ihres Vaters: Was ist falsch am Jetzt? Nämlich nichts. Zunehmend lassen sich Marigold und ihre Familie darauf ein, den Augenblick zu geniessen, sei es eine gute Tasse Tee, der Wechsel der Jahrenszeiten, den Blick auf das Mehr oder auf die Felder hinter dem Haus. Denn was nützt es, sich an die Vergangenheit zu klammern oder sich über die Zukunft zu sorgen, von der man noch gar nichts weiß?
Zudem werden auch die Entwicklungen der beiden Töchter Suze und Daisy beleuchtet. Beide finden ihren Weg, doch Daisy wird vor eine schwierige Entscheidung gestellt.
Auch die manchmal etwas schrulligen Dorfbewohner unterstützen Marigold, war sie selbst doch bisher immer eine Stütze für die Dorfgemeinschaft.
In diesem Roman geht es vor alle um Liebe, denn trägt man genug davon in sich, schafft man alles gemeinsam. Und auch zeigt das Buch auf, wie wichtig es ist, im Jetzt zu leben, jeden schönen Augenblick intensiv zu geniessen.
Die Autorin hat mich mit ihren liebevoll gezeichneten Figuren und die einfühlsame Beschreibung der Entwicklung einer Demzenz tief berührt und emotional gepackt.
Und hat man das Buch gelesen, erschließt sich auch das Cover, dem ich zunächst skeptisch gegenüberstand.

Bewertung vom 30.10.2020
All das Ungesagte zwischen uns
Hoover, Colleen

All das Ungesagte zwischen uns


ausgezeichnet

Dies ist bisher nach „Verity“ mein zweites Buch von Colleen Hoover und sie entwickelt sich absolut zu meiner Lieblingsautorin. Wie gut, dass diese Frau schon so viele Bücher geschrieben hat, die noch auf mich warten.

Die 16-jährige Clara wächst wohlbehütet auf. Morgan und Chris sind bereits in jungen Jahren Eltern geworden. Schon während der eigenen Teenagerzeit bestand eine mentale Verbindung zwischen Morgan und Jonah, der mit ihrer Schwester Jenny liiert war. Ein schwerer Schicksalsschlag beeinflusst das Leben von Morgan und Clara gewaltig, die Beziehung der beiden zueinander wird immer schwieriger und droht zu eskalieren. Geborgenheit findet Clara bei ihrem neuen Freund Miller, der jedoch von ihrer Mutter nicht akzeptiert wird. Aber auch Morgan empfindet Nähe, die nicht sein dürfte.

Colleen Hoovers rasanter Schreibstil hat mich von der ersten Seite an bis zum Schluss absolut gefesselt. Ich mochte das Buch kaum zur Seite legen und habe es in jeder freien Minute regelrecht verschlungen. Trotz der leichten Schreibweise entwickelt sich das Geschehen als tiefgründig. Die Autorin versteht es hervorragend, die Emotionen glaubwürdig zu transportieren. Die Schicksalsschläge haben mich definitiv berührt, so dass ich mit den Protagonistinnen gut mitfühlen konnte.
Durch den Perspektivenwechsel, die Kapitel wurden abwechselnd aus Morgans und Claras Sicht geschildert, bekam man als LeserIn tiefe Einblicke in die Gedanken von Mutter und Tochter. Es geht hier um Liebe, Loyalitäten und vor allem um die Mutter-Tochter-Beziehung. Durch die tragischen Ereignisse wird das Leben der beiden komplett auf den Kopf gestellt und nichts ist mehr, wie es war. Nach und nach werden Familiengeheimnisse aufgedeckt, die schwer an die Substanz gehen. Clara muss mit ihren Schuldgefühlen klarkommen und sucht Zuflucht bei Miller. Morgan hatte bisher ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten angestellt und sich aufopferungsvoll um ihre Familie gekümmert. Um Clara zu schützen, behält sie auch einiges für sich.
Das spannende an der Sache ist ja, dass man als LeserIn genau weiß, wie die Dinge aus jeweils Claras und Morgans Sicht geschehen sind, doch die beiden wissen eben nicht voneinander, was da los ist. Dies führt zu starken Konflikten, die zu eskalieren drohen. Auch Morgan empfindet Gefühle, die nicht sein dürfen. Manchmal möchte man am liebsten ins Geschehen eingreifen und die Protagonistinnen schütteln.
Mir hat das Buch richtig gut gefallen, es war packend, spannend, emotional und die Thematiken wurden tiefgründig verarbeitet. Die Konflikte zwischen den Charakteren wirkten absolut glaubwürdig. Und auch die Figuren entwickelten sich realistisch. Selbst die Nebencharaktere waren entsprechend ausgearbeitet. Und auch der ganz eigene Humor und die Insider zwischen Clara und Millter haben mich mehrmals schmunzeln lassen und machten die Story absolut rund.
Die Story war für mich etwas ganz Besonderes, für dieses Genre eher untypisch. Das Buch bietet die ganze Palette an Emotionen und konnte mich durchweg mitreißen. Ganz große Leseempfehlung!

Bewertung vom 11.10.2020
Die Stimme
Tremayne, S. K.

Die Stimme


sehr gut

Die Protagonistin Jo ist nach ihrer Scheidung von Simon mehr oder weniger mittellos und kommt bei ihrer Freundin Tabitha in deren schicker Londoner Wohnung in Camden unter. Als freie Journalistin ist es heutzutage für Jo nicht mehr so einfach, genügend Geld zu verdienen. Der elitären Tabitha ergeht es da als Naturreporterin beim Fernsehen wesentlich besser. Ihre Wohnung ist super stylisch ausgestattet und mit dem Home Help System Electra technisch auf dem aktuellsten Stand. Da Tabitha sich die meiste Zeit bei ihrem reichen Freund Arlo aufhält, fühlt sich Jo oft einsam. Eines Tages gibt Electra merkwürdige Dinge von sich und entwickelt zusehends ein Eigenleben. Sie weiß einige schlimme Dinge aus Jos Vergangenheit und setzt sie zusehends unter Druck. Jo fühlt sich hilflos und niemand glaubt ihr. Nach und nach zerstört Electra auf übelste Weise Jos Leben. Doch wie soll man sich gegen einen unsichtbaren Feind wehren? Oder wird sie langsam psychisch krank, wie ihr Vater vor langer Zeit?

Die Idee, einen Psychothriller um ein außer Kontrolle geratenes Home Help System hat mich auf Anhieb begeistert. Jos momentane Situation bietet kaum Perspektiven und sie ist oft allein. Doch irgendwie konnte ich schon von Beginn an nicht glauben, dass sie schizophren wird, auch wenn ihr Vater daran erkrankt ist und Stimmen gehört hat, wie Jo jetzt über Electra.
Erzählt wird die Story größtenteils aus Jos Perspektive. Doch auch andere Personen aus ihrem Umfeld kommen gelegentlich zu Wort. Wer hätte ein Interesse daran, Jo aus dem Weg zu räumen und verfügt über das technische know-how? Scheinbar besteht Jos Umfeld quasi aus IT Spezialisten.
Vor einiger Zeit hatte Jo einen fundierten, kritischen Artikel über die IT Branche verfasst und ist damit einigen mächtigen Leuten gehörig auf den Schlips getreten, allen voran Tabithas Freund Arlo. Oder steckt doch ihr Ex Mann Simon dahinter, die einzige Person neben Tabitha, der über die dunkle Vergangenheit Bescheid weiß? Ist er derjenige, der sich rächen will?
Vielleicht spielen Jo aber auch ihr Tabletten- und Alkoholkonsum einen Streich? Doch der Obdachlose Autos hat ebenfalls etwas bemerkt.
Die Kapitel sind kurz gehalten und enden jeweils mit einem fiesen Cliffhanger, so dass man kaum aufhören mag zu lesen. Die Sprache ist flüssig und eindringlich. Die Beschreibungen des winterlichen Londons unterstreichen die düstere Stimmung.
Jo als Protagonistin ist mir nicht immer sympathisch, manches Mal wirkt sie mir einfach zu passiv und fügt sich in ihre Situation. Lange weiß man nicht, was man ihr glauben soll. Gefühlt jeder in ihrem Umfeld könnte Electra manipuliert haben. Und Tabitha hat sich nicht wirklich wie eine Freundin verhalten, von ihr hätte man doch wirklich mehr Unterstützung erwartet.
Aber um ein Buch zu mögen, müssen mir Personen ja nicht unbedingt sympathisch sein. Hier wurde die Spannung nach und nach aufgebaut, Jos Situation wirkte immer auswegloser und bis zum Schluss habe ich meine Verdachtsmomente immer wieder überworfen. Mit der Auflösung und dem Motiv jedenfalls hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
Nur zwischendurch kam die Story gelegentlich ins Stocken und die Beschreibungen der Wetterverhältnisse waren mir an einigen Stellen etwas zu langatmig.
Auf jeden Fall regt aber die Story zum Nachdenken an und man betrachtet sein eigenes technisches Equipment doch mit etwas anderen Augen.

Bewertung vom 05.09.2020
Zeiten des Sturms / Sheridan Grant Bd.3
Neuhaus, Nele

Zeiten des Sturms / Sheridan Grant Bd.3


sehr gut

Die junge Sheridan Grant hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich gebracht und steht nun kurz vor der Hochzeit mit dem reichen, angesehenen Arzt Paul Sutton. Doch ihr fällt es schwer, ihre Freiheit, ihre Liebe zur Musik für ein Leben im sogenannten goldenen Käfig aufzugeben. Und dann wird sie auch noch von ihrer Vergangenheit eingeholt... Sheridan flieht in ihre Heimat, um sich bei ihrer Familie auf der Willow Creek Farm neu zu sortieren. Mit neuem Mut widmet sie sich voller Herzblut der Musik und begegnet zudem der großen Liebe. Doch zwei verschiedene Welten unter einen Hut zu bringen, erscheint nicht so einfach.

Schon gleich auf den ersten Seiten ging es spannend los, als Ethan Dubois, eine Begegnung aus ihrer Vergangenheit, sie plötzlich wieder aufspürt. Doch Sheridan Grant hat Glück und kehrt nach vier Jahren Abwesenheit heim zu ihrer Familie.
Die ersten beiden Teile habe ich nicht gelesenen, von daher fiel es mir zunächst schwer, einen Überblick über die genannten Personen und vorangegangene Ereignisse zu bekommen. Deshalb zog es sich nach dem rasanten Einstieg etwas in die Länge. Doch die verschiedenen Charaktere wurden mir nach und nach vertrauter und auch einige Schicksalsschläge aus der Vergangenheit kristallisierten sich immer klarer heraus. Und dann wurde es richtig spannend und mitreißend.
Dieses Buch würde ich keinem bestimmten Genre zuordnen, hier ist von allem etwas enthalten. Spannende Krimielemente, Liebe, Familiengeschichte aber auch der Umgang mit Ruhm und Einsamkeit. Die Musikindustrie spielt eine entscheidende Rolle, der 11. September wird hier ebenfalls angeschnitten. Das sind schon ziemlich viele Themen für einen Roman, aber Nele Neuhaus hat es geschafft, alles zu einem wirklich emotionalen, bildhaften Epos zu verweben. Der Kontrast zwischen der schillernden Welt in Los Angeles und der Weite, das Farmleben in Nebraska wurden gut und glaubhaft dargestellt
Für ihre jungen 22 Jahre hat Sheridan Grant für meinen Geschmack schon zu viele Schicksalsschläge erlebt, manchmal läuft es gut für sie doch die nächste niederschmetternde Phase in ihrem Leben lässt nicht lange auf sich warten. Manchmal war mir das alles doch ein wenig zu viel, so dass es gelegentlich etwas zu konstruiert auf mich wirkte.
Dennoch habe ich dieses Buch wirklich gerne gelesen, spannend und mitreißend war es trotz der kleinen Kritik allemal. Nach den anfänglichen vielen Namen, mit denen ich nichts anfangen konnte, hat es mich ziemlich gepackt. Im Nachhinein bedaure ich, dass mir die ersten beiden Teile entgangen sind. Wer Interesse an der Geschichte über das Leben der Sheridan Grant hat, dem würde ich wohl empfehlen, mit dem ersten Teil zu beginnen.

Bewertung vom 16.08.2020
Wings of Silver. Die Rache einer Frau endet nie / Golden Cage Bd.2
Läckberg, Camilla

Wings of Silver. Die Rache einer Frau endet nie / Golden Cage Bd.2


sehr gut

Eigentlich war für mich der erste Teil, Golden Cage, zu Ende erzählt und abgeschlossen. Umso mehr war ich gespannt, was es noch über Faye und ihre Rachepläne zu erzählen gibt.
Faye hat ihre Kosmetikfirma Revenge erfolgreich aufgebaut, die Expansion in die USA steht kurz bevor. Ihr Exmann Jack sitzt wegen Mord an seiner Tochter Julienne im Gefängnis, die jedoch an einem sicheren Ort in Italien lebt, ebenso Fayes Mutter. Doch dann geraten die Dinge aus dem Ruder. Jack gelingt die Flucht und die Revenge Aktionärinnen verkaufen nach und nach ihre Anteile. Offensichtlich will irgendjemand das Unternehmen an sich reißen und Faye ruinieren. Doch Faye schmiedet ihre eigenen Pläne und sinnt auf Rache...

Auch die Fortsetzung ließ sich wirklich spannend lesen, kam jedoch nicht ganz an den ersten Teil heran. Faye ist für mich absolut keine Sympathieträgerin, doch das ist für mich nicht immer ein ausschlaggebendes Kriterium, um mir eine Story schmackhaft zu machen.
In Rückblenden wird aus Fayes Kindheit und Jugend erzählt, die alles andere als idyllisch war. Liebe bekam sie einzig von ihrer Mutter, die jedoch zu schwach war, um Faye zu schützen. Anhand der Rückblicke versteht man immerhin, warum Frau zu der Frau geworden ist und erklärt zumindest ein wenig ihr Verhalten. Denn Faye musste schon früh lernen, stark zu sein und sich zu wehren. Notfalls geht sie auch über Leichen, um sich und andere zu schützen.
Zurück in Stockholm, setzt Faye alles daran, um die feindliche Übernahme ihres Unternehmens zu verhindern. Zur Seite stehen ihr Alice und Ilya, sie haben sich verbündet und treten gemeinsam gegen die feindliche Männerwelt an. Während dieser schwierigen Phase lernt Faye den erfolgreichen David kennen und schnell ist sie verliebt, obwohl sie ja vorsichtig sein wollte. Doch David scheint perfekt und trägt sie auf Händen. Schon zu Beginn habe ich mich bereits gefragt, wo der Haken liegt, denn alles mit David erscheint zu leicht und wirkt einfach nur zu gut.
Der Stil ist absolut fesselnd und lässt sich leicht weglesen, auch die ökonomischen Aspekte kommen hier sehr verständlich rüber, ohne dass man sich langweilt.
Faye ist eine taffe, starke Frau, die sich mit einstigen Rivalinnen solidarisiert und mit viel Frauenpower durchstartet. Wer ihr in die Quere kommt, wird eiskalt aus dem Weg geräumt. Manchmal fiel es mir wirklich schwer, Fayes Handlungen gutzuheißen, obwohl man anderseits auch nachvollziehen kann, warum sie so und nicht anders agiert.
Die letzten Sätze lassen definitiv Raum für einen dritten Teil, den ich mir keinesfalls entgehen lasse.
Insgesamt habe ich diese Fortsetzung sehr gerne gelesen, der erste Teil hat mir allerdings noch einen Ticken besser gefallen.

Bewertung vom 02.08.2020
Nur noch ein bisschen Glück
Ahrnstedt, Simona

Nur noch ein bisschen Glück


sehr gut

Stella Wallin führte bisher ein scheinbar perfektes Leben in Stockholm. Sie liebt Mode, Design und das Nähen, ihre Leidenschaft wurde zum Beruf. In einer Boutique verkauft sie ihre eigenen Kreationen. Und auch privat ist sie glücklich mit ihrem smarten Freund. Doch eines Tages verliert sie sämtliche Lebensgrundlagen. Ihr Freund betrügt sie und so steht Stella ohne Job und Wohnung da. Um ihr Studium an dem New Yorker Institut of Fashion zu finanzieren, fährt sie aufs Land, in das kleine Örtchen Laholm, um dort den Verkauf der alten Kate abzuwickeln, die sie von ihren Großeltern geerbt hatte. Seit ihrer Kindheit ist sie nicht mehr dort gewesen, ihre Mutter hat sämtliche Verbindungen zu Laholm abgebrochen. Und wer weiss, vielleicht finden sich in der Kate ja Hinweise zu ihrem indischen Vater? Um den hat ihre Mutter nämlich immer ein großes Geheimnis gemacht, bis sie plötzlich viel zu jung stirbt.
Kaum in Laholm angekommen, trifft sie auf ihren Nachbarn, den Biobauer Thor, der ihr zunächst etwas unter die Arme greift. Schnell fühlen sich die beiden zueinander hingezogen, doch sie sind sich einig, dass es nichts Ernsthaftes werden kann, zu groß sind die Unterschiede zwischen dem schicken Großstadtmädchen in ihren teuren High Heels und dem Naturburschen, der seine eigene Vergangenheit bewältigen und sich zugleich um seine beiden Teenager kümmern muss.
Zwischen Stella und Thor sprühen die Funken, doch kann das gut gehen?

Wie solche Geschichten enden, kann man ja meist zu Beginn bereits erahnen, doch der Weg dorthin liess sich sehr unterhaltsam und prickelnd lesen.
Die ersten 100 Seiten schleppten sich noch gemächlich dahin, als Leser hat man sich schnell mit dem Sonnenblumenhof und Laholm bekannt gemacht, so dass ich ständig alles sehr real vor mir gesehen habe. Bis die Story Tempo aufnahm, hat es etwas gedauert, doch dann konnte ich das Buch kaum noch zur Seite legen. Stella und Thor kommen sich immer näher. Erzählt werden die Situationen aus beiden Perspektiven, so dass man von beiden Protagonisten Einblicke in deren Gedanken und Gefühlswelt bekommt.
Stella ist eine toughe, starke Frau, die schon früh auf eigenen Beinen stehen musste und sich gut behaupten kann. Eigentlich will sie nur schnell den Kauf abwickeln, um hoffentlich bald nach New York gehen zu können.
Schon bald ergeben sich erste Verbindungen zu den Dorfbewohnern, in Nawals Laden richtet Stella sich ihr Atelier ein und ändert die ersten Hosen und Kleider für ihre Kundinnen um. Schon bald ist sie in ihrem Element und erfreut sich an dem Glück der anderen, denn Stella hat ein Auge für Kleidung, dafür, aus anderen das Beste hervorzuholen.
Auch zu den beiden Teenagern von Thor, Frans und Juni, bekommt Stella langsam Zugang.
Ihre Bindung zu Thor wird ebenfalls immer enger. Die erotischen Szenen fügen sich passend in die Handlung ein, ohne dass man das Gefühl hat, man müsste schnell weiterblättern. Diese Teile der Story werden immer wieder abwechslungsreich beschrieben. Doch ist es wirklich nur eine erotische Anziehung zwischen Stella und Thor? Soll sie ihren Traum von der NIF in New York schon wieder für einen Mann aufgeben, den sie gerade erst ein paar Tage kennt?
Und dann gibt es noch die bösen Widersacher, die nebenbei für das richtige Maß an Spannung sorgen.

Dieser neue Roman war leicht und unterhaltsam zu lesen, mit vielen prickelnden Augenblicken, ein schöner Liebesroman, der im sommerlich ländlichen Schweden angesiedelt ist und viele überraschende Momente und unvorhergesehene Ereignisse mit sich bringt.

Bewertung vom 13.06.2020
Wozu wir fähig sind
El Omari, Laila

Wozu wir fähig sind


sehr gut

Im Mittelpunkt dieses Jugendromans stehen unter anderem Alina und Patrick, die schon lange Zeit ein Paar sind. Alles läuft perfekt, sowohl das Studium als auch ihre Beziehung. Dann tauchen eines Tages wie aus dem Nichts Alexander und Leonora auf dem Campus auf. Die beiden umgibt eine geheimnisvolle Aura, niemand weiß genaueres über die beiden. Auch die Schülerin Hannah und ihr Freund Maximilian gehören dieser Clique an. Vor allem Alina fällt es schwer, sich dem Dunstkreis Alexanders zu entziehen. Was hat es bloß mit diesem geheimnisvollen Pärchen auf sich?

Dies gilt es herauszufinden. Zunächst werden die Charaktere eingeführt, die Sprache ist absolut spannend, dramatisch und mitreißend. Doch leider werden viel zu häufig die Perspektiven gewechselt, vor allem, wenn es gerade interessant wird. Lange Zeit wird man als LeserIn hingehalten, man bekommt immer nur kryptische Happen vorgesetzt, es erfolgt ein ständiger Szenenwechsel. Das hat für mich die Story nach dem spannenden Einstieg dann doch etwas träge werden lassen, hier hätte ich mir mehr Ausarbeitung gewünscht. Zwischendurch kommt Nico zu Wort, der in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt hat. Doch auch hier rätselt man lange herum, bis die Zusammenhänge klar werden. Und doch konnte ich nicht aufhören zu lesen, weil ich immerzu wissen wollte, wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht und wie alles miteinander verknüpft wird. Doch auch normales Alltagsleben der Charaktere wird hier gut dargestellt, mit allem was dazu gehört. Es werden Unmengen an Kaffee und Tee getrunken, was den Wunsch bestimmter Personen nach Normalität und Behaglichkeit unterstreicht.
Alles in allem war dieser Jugendroman spannend, dramatisch und gespickt mit Intrigen. Nicht nur Alexander verleiht dem Buch eine mysteriöse Aura, diese zieht sich komplett durch das gesamte Buch. Nur gelegentlich hätte ich mir etwas mehr gewünscht als immer nur kryptische Andeutungen.

Bewertung vom 06.04.2020
Rendezvous in zehn Jahren
Pinnow, Judith

Rendezvous in zehn Jahren


ausgezeichnet

Die 30-jährige Valerie verbringt mit ihrer jüngeren Schwester ein Wochenende in Amsterdam. Während Anne noch nicht im Hotel eingetroffen ist, schaut Valerie sich in wenig um und landet im Café „Bake my day“. Der Holländer Ted läd sie zu sich an seinem Tisch ein und die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch. Sie unterhalten sich über ihre Sehnsüchte. Valerie liebt das Meer, Ted die Berge. Doch statt ganz klassisch Nummern auszutauschen, verabreden sie sich spontan in zehn Jahren am selben Ort. Ob sich ihre Träume bis dahin erfüllt haben? Doch Ted und Valerie können sich gegenseitig nicht vergessen, zu spät merken sie, dass sie sich jeweils in den anderen verliebt haben. Doch Ted wohnt in Amsterdam, Valerie dagegen München, wie soll man sich da nur wiederfinden?

Wie solche Geschichten ausgehen, kann man eigentlich bereits zu Beginn erahnen. Doch hier ist der Weg das Ziel. Wir begleiten Ted und Valerie über einen Zeitraum von zehn Jahren. Und es wurde auf keiner Seite langweilig, die Bemühungen der beiden, den jeweils anderen wiederzufinden, wurde absolut spannend und mitreißend erzählt. Nicht eine Szene hat mich gelangweilt und ich konnte es kaum erwarten, immer wieder in die Story abzutauchen.
Abwechselnd werden die Ereignisse und Emotionen aus der Sicht von Valerie und Ted geschildert. Man erlebt deren Alltag, lernt ihre Bezugspersonen kennen, die auch am Rande ihre eigene Geschichte bekommen. Valerie reist immer wieder nach Amsterdam, während Ted sein Glück in München versucht. So viele Momente, in denen sie sich nur knapp verpassen, haben mich nur so durch die Seiten fliegen lassen.
Natürlich lernen sie jeweils auch andere Menschen kennen, das Leben der beiden bringt durchaus Veränderungen mit sich. Am liebsten hätte ich manchmal direkt ins Geschenk eingegriffen.
Zudem besticht das Buch durch tolle, authentische Nebencharaktere, wie z. B. Valeries Schwester Anne, die mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat. Und Valeries Freundinnen Lena und Elli. Ted dagegen bekommt Unterstützung von seinem besten Freund Roman, der seine ganz eigene Sichtweise auf die Frauen hat.
So begleiten wir diese Charaktere durch ihr Leben, mit allen seinen Höhen und Tiefen, bis es am Ende zum großen Showdown kommt, den ich so spektakulär gar nicht erwartet hätte.
Das Buch konnte mich absolut begeistern und verströmte eine perfekte Wohlfühlatmosphäre, niemals wurde es langweilig, irgendwie ist immer etwas geschehen. Permanent wollte man wissen, wie es mit den Protagonisten, aber auch mit den Nebencharakteren weiter geht.
Am Ende gibt es noch eine Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden könnte, laut der Autorin. Drauf kann ich nur hoffen, denn ich wäre definitiv wieder dabei. „Rendezvous in zehn Jahren“ zu einem meiner Highlights unter den Liebesromanen geworden.

Bewertung vom 15.03.2020
Zu wahr, um schön zu sein
Engelmann, Gabriella

Zu wahr, um schön zu sein


ausgezeichnet

Caro wird schon lange nicht mehr von ihrem Mann Matthias richtig wahrgenommen und ausgerechnet die zwanglose Party am Elbstrand zur Silberhochzeit wartet mit einer bösen Überraschung auf, die zur Trennung führt. Caros Leben wird erstmal ordentlich durcheinander gerüttelt. Zudem verliert sie durch Einsparungsmassnahmen ihren Teilzeitjob in der Bücherei. Und Sohn Felix zieht sich immer mehr zurück, während er zeitgleich ordentlichen Mist baut baut. Caro fällt es immer schwerer, an ihren Teenager Sohn heranzukommen. Wohin soll dieses Chaos nur führen?

Schon gleich zu Beginn war ich direkt vom Stil und der Story eingenommen. Die Autorin schreibt hier so herzerwärmend und humorvoll, immer genau auf den Punkt. Und die einzelnen Kapitel sind durchweg mit überaus passenden, maritimen Titeln bezeichnet.
Für Caro bricht ihre heile Welt zusammen, doch so schnell lässt sie sich nicht unterkriegen. Ihre Freundin Sylvia steht ihr immer zur Seite und ist für sie da. Doch auch bei der Freundin läuft es in der Liebe nicht rund, dabei führt sie doch ein erfolgreiches Online Dating Portal.
Auch die Vermieterin, die Lotsenwitwe Hedwig, hat jederzeit ein offenes Ohr für Caro und gute Ratschläge parat. Besonders aber mochte ich die Entendame Daisy, die Hedwig keinen Schritt von der Seite gewichen ist und scheinbar die Geschehnisse auf ihre eigene Entenart kommentiert hat.
Dann wäre da noch Caros Muttee Flora, die sich ungefragt in alles einmischt und versucht, die Dinge auf ihre Weise zu lösen, was sich schon manches Mal
als ziemlich anstrengend erweist.
Das Buch besticht durch die nicht perfekten Frauencharaktere wie aus dem echten Leben, die trotz ihrer Unterschiedlichkeiten zusammenhalten und gemeinsam durch den Sturm des Lebens schippern.
Herrlich amüsant waren die Zwiegespräche mit der Espressomaschine. Der gute Renato Bialetti fand immer genau die richtigen Worte und sorgte zugleich für den perfekten Kaffee.
Und schon bald beginnt Caro sich wieder mit dem ein oder anderen Mann zu Daten. Doch ob das immer so gut läuft?
Das gilt es herauszufinden. Das Buch ist mit so viel Herz und Wärme geschrieben, manchmal scheint die Sonne, andere Tage wiederum sind nordisch grau, wie eben das echte Leben. Auch der Humor war alles andere als platt und brachte mich manches Mal zum Schmunzeln.
Und dazu gibt es jede Menge Hamburger Atmosphäre, so dass man am liebsten sofort auf Caros Spuren wandeln würde.
Absolut herzerwärmend, ich habe mit Caro mitgefiebert, geweint, gelacht und mich von der Stimmung mitreißen lassen. Für mich war es das perfekt Wohlfühlbuch.

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