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Benutzername: Schmökerwürmchen
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Bewertungen

Insgesamt 39 Bewertungen
Bewertung vom 12.04.2019
Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem.
Läckberg, Camilla

Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem.


ausgezeichnet

Faye und Jack haben es geschafft, sie gehören zur Stockholmer High Society. Gemeinsam mit Jacks Feund Hendrik gründeten sie das inzwischen sehr erfolgreiche Unternehmen Compare. Die gemeinsame Tochter Julienne scheint die Krönung in Fayes und Jacks Ehe zu sein. Doch in Wahrheit sieht alles völlig anders aus. Jack ist nicht der liebevolle Ehemann und treusorgende Vater. Vor allem Faye wird massiv von ihm gedemütigt und klein gehalten. Faye dagegen unternimmt alles, um Jack zu gefallen, unterwirft sich seinem Willen. Bis ihr durch eine böse Überraschung die Augen geöffnet werden. Mittellos und erniedrigt steht sie nun da, doch Faye lässt sich nicht unterkriegen und nimmt nun selbst die Fäden in die Hand. Und was hat es mit Juliennes angeblichem Tod auf sich? Will Jack sich damit an ihr rächen?

Völlig unvoreingenommen bin ich in diese Geschichte eingestiegen, denn bisher habe ich noch nichts von Camilla Läckberg gelesen. Eigentlich hatte ich einen Psychothriller erwartet, in dem Juliennes Tod eine große Rolle einnimmt und die Ausgangssituation darstellt. Doch es kommt ganz anders, denn es handelt sich um ein familiäres Psychodrama. Gegliedert ist das Buch in drei Teile. Im ersten Teil steht die Ehe und das Leben von Faye und Jack im Vordergrund. In Rückblenden erfährt man als LeserIn einiges aus Fayes Vergangenheit, über ihre Familie, was sie nach Stockholm verschlagen hat und wie sie Jack kennen und lieben lernte. Im zweiten Teil steht Faye plötzlich mittellos da und versucht aus eigener Kraft, wieder auf die Beine zu kommen. Dabei hat sie nur ein Ziel im Blick: Nämlich Rache an Jack zu nehmen. Ob und wie ihr das gelingt, erfährt man dann im letzten Teil.
Wow, was für ein spannendes Buch. Der Plot hat mich direkt von Anfang an begeistert und die Story fand ich unfassbar spannend erzählt. Die Seiten flogen nur so dahin und ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich immerzu den Drang hatte zu erfahren, wie es mit Faye weitergeht. Nicht eine Seite konnte auch nur annähernd eine Länge vorweisen.
Keine der Charaktere waren mir sympathisch. Zunächst hatte ich noch Mitleid mit Faye, konnte aber irgendwann ihre demütige Unterwerfung nicht mehr ertragen. Ihre rasante Entwicklung jedoch fand ich unglaublich spannend zu verfolgen. Einzig Chris, ihre Freundin, konnte mich mit ihrer Persönlichkeit überzeugen. Gerade ihre direkte, frische Art lag mir sehr, Chris hatte das Herz am rechten Fleck. Und ausgerechnet ihr musste das Schicksal so grausam mitspielen...
Doch sympathische Charaktere sind für mich nicht erforderlich, damit mir ein Buch rundum gefällt. Gerade die Psychodramatik und die dunklen Seiten der Figuren trugen zu einem spannenden Plot bei.
Das Ende kam dann nochmal ganz anders als gedacht und gerade die letzten Seiten brachten nochmal ordentlich Herzrasen.
Für mich kam „Golden Cage“ zwar anders daher als ich es zunächst erwartet hatte, dennoch entfaltete die Story eine absolute Sogwirkung, sowohl die aktuellen Ereignisse als auch die Rückblenden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses hier nicht mein letztes Buch der Autorin bleibt.

Bewertung vom 21.03.2019
Kaschmirgefühl
Aichner, Bernhard

Kaschmirgefühl


ausgezeichnet

Die Story beginnt mit einem Anruf bei der Sexhotline. Gottlieb, der sich zunächst als Joe ausgibt, hat seinen Job als Krankenpfleger im Hospiz an den Nagel gehängt, weil er so viel Leid nicht mehr ertragen konnte. Sein Sozialleben sieht eher mau aus, bis vor Kurzem hatte er sich noch um seine Mutter gekümmert. Noch heute lebt der schüchterne Gottlieb in seinem Kinderzimmer.
Gottlieb und Marie sprechen miteinander. Dabei bleibt der eigentliche Zweck eines solchen Anrufs auf der Strecke. Marie versucht zwar gelegentlich, ihn aus der Reserve zu locken, doch Fehlanzeige. Gottlieb möchte lieber nur reden. Gegenseitig erzählen sie sich Geschichten und kommen sich ein wenig näher.

Bernhard Aichner hat mit „Kaschmirgefühl“ bewiesen, dass er auch Liebesromane schreiben kann, der hier so ganz anders daherkommt und mich absolut überzeugen konnte. Seine Stärke liegt definitiv in den Dialogen, die ich auch in den Thrillern geliebt habe.
Dieser kleine, feine Roman besteht ausschließlich aus Dialogen und dem Telefongespräch zwischen Gottlieb und Marie, dass eine ganze Nacht lang andauert.
Auf den ersten Blick handelt es sich um völlig verschiedene Persönlichkeiten, Gottlieb, der Träumer und Romantiker, während Marie die Sache eher realistisch betrachtet und nicht mehr an die Liebe glaubt. Doch die Einsamkeit verbindet. Sie erzählen sich Geschichten und als LeserIn rätselt man mit, was der Wahrheit entspricht. Der Sprecherwechsel ist nur durch Bindestriche gekennzeichnet. Unterbrochen werden die Telefonate durch kleine Pausen, doch Gottlieb bleibt hartnäckig und greift immer wieder erneut zum Hörer, dies ist jeweils durch Angabe der Uhrzeit gekennzeichnet.
Dieser feine Liebesroman hat mich wunderbar unterhalten, die stakkatoartigen Dialoge wirken herrlich erfrischend und haben mich ständig zum Schmunzeln gebracht. Ich fand es spannend, den beiden Protagonisten während ihres Telefonats zu folgen und herauszufinden, wohin das Ganze führt. Ungefähr nach der Hälfte hatte ich eine leise Ahnung, wie die Dinge zusammenhängen. Doch zum Schluss hat mich Bernhard Aichner völlig überrascht, denn das Ende kam für mich absolut unerwartet daher.
Auch die heute altmodische Art der Kommunikation wirkte in dieser kurzen Geschichte schon wieder innovativ.
Bernhard Aichner konnte mich mit dem Wechsel des Genres vollkommen überzeugen, die Dialoge sind definitiv seine große Stärke, das Gespräch zwischen Gottlieb und Marie bleibt mir sicherlich noch lange im Gedächtnis und ich bin völlig begeistert von diesem Liebesroman, abseits vom Mainstraim.
Großartig, bitte weiter so, Bernhard Aichner.

Bewertung vom 18.03.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden


sehr gut

Normalerweise ist die Kriminalpsychologin Holly Wakefield in einer forensischen Psychiatrie tätig und hält Vorlesungen am College. Ihr exzessives Interesse gilt den Serienmördern, mit Fakten kann sie nur so um sich werfen. Als der eigentliche Profiler ausfällt, holt Detective Inspector Bishop Holly Wakefield in sein Team. Kaum jemand kann sich annähernd so gut in die Psyche von Serienkillern hineinversetzen. Ein älteres Ehepaar wurde bestialisch ermordet und in Szene gesetzt. Anhaltspunkte oder gar ein Motiv sind nicht in Sicht. Doch sehr schnell stellen sich Parallelen zu einem älteren Fall heraus.
Es beginnt ein Rennen gegen die Zeit. Können DI Bishop und Holly Wakefield den Mörder stoppen? Und wie passen ungeklärte Fälle aus der Vergangenheit ins Bild?

Der Inhalt klingt nach einem Psychothriller ganz nach meinem Geschmack. Doch bis es soweit ist, steht zunächst jede Menge Ermittlungsarbeit an, die ausgiebig und detailliert beschrieben wird. Jede Menge Akten und Protokolle werden gelesen, Fakten über frühere Serienmörder werden ins Spiel gebracht.
Nach und nach werden Puzzleteile zusammengesetzt. Doch hatte ich als Leserin das Gefühl, dass man nach einem Schritt vorwärts wieder zwei Schritte rückwärts macht. Streckenweise wurden mir die sicherlich erforderlichen Ermittlungsarbeiten zu sehr in die Länge gezogen. Doch nach der Hälfte wurde es immer spannender. Zunächst hatte ich den Eindruck, eher einen typischen Krimi zu lesen, aber dann entwickelte sich die Story zu einem absolut fesselnden Psychothriller, so wie ich es erwartet hatte. Mit unvorhersehbaren Wendungen, die mir manchmal gefühlt den Atem nahmen.
Das Leben hat es mit den beiden Protagonisten nicht immer gut gemeint. Vor allem Holly wird durch diesen Fall mit ihrer dunklen Vergangenheit konfrontiert, die sich dem Leser in der zweiten Hälfte nach und nach offenbart.
Holly hat einiges erlebt, das Leben hat sie stark gemacht und am Ende kann man ihre Obsession für Serienmörder absolut nachvollziehen. Doch trotz allem verbirgt sich unter ihrer Schale ein empfindsamer Kern.
Im letzten Drittel nimmt das Geschehen nochmal richtig Fahrt auf und das Buch wurde zum wahren Pageturner. Gerade die Wendungen zum Schluss hatten es in sich und haben letztendlich die Story rund abgeschlossen.
Der Schreibstil war recht eingängig und konnte mich trotz einiger Längen gut durch den ersten Teil bringen, nach der zweiten Hälfte flogen die Seiten fast von selbst.
Besonders gefallen haben mir die privaten Einblicke in das Leben und die Vergangenheit der Protagonisten, mit allen Höhen, Tiefen und den dazugehörigen Empfindungen. So etwas mag ich ja generell gerne an Thrillern, dadurch wirken die Ermittler auf mich nur menschlicher. In diesem Fall ist mir gerade Hollys Geschichte sehr nahe gegangen.
Trotz einiger Schwierigkeiten in der ersten Hälfte würde ich sehr gerne erfahren, wie es im nächsten Teil mit DI Bishop und Holly Wakefield weiter geht.

Bewertung vom 09.02.2019
Ich bringe dir die Nacht
Howard, Catherine Ryan

Ich bringe dir die Nacht


gut

Seit nunmehr zehn Jahren lebt Alison in den Niederlanden und hat sich dort ein neues Leben aufgebaut. Seit den Vorfällen von damals meidet sie ihre Heimat Dublin. Doch eines Tages wird ihre Vergangenheit neu aufgerollt. Ihr damaliger Collegefreund Will sitzt in einer psychiatrischen Klinik und soll bald ins Gefängnis verlegt werden. Fünf Studentinnen soll er ermordet und im Kanal ertränkt haben. Doch stoßen die Ermittler erneut auf eine tote Studentin, auf dieselbe Weise ermordet wie die anderen von damals. Handelt es sich bei Will tatsächlich um den sogenannten Kanalkiller? Hatte er einen Komplizen? Oder macht sich gerade ein Nachahmungstäter ans Werk? Gegenüber der Polizei schweigt Will sich aus. Die einzige Person, mit der er sprechen würde, ist seine frühere Freundin Alison. Doch wie steht sie zu dieser Situation?

Sowohl die Ausgangssituation als auch der Inhalt haben mich überzeugt. Eigentlich konnte es sich hierbei nur um einen Thriller nach meinem Geschmack handeln, doch komplett überzeugt wurde ich nicht. Der Beginn hat sich noch recht spannend dargestellt. Auch wurde die gedankenlose Freizügigkeit junger Frauen im Umgang mit den sozialen Medien thematisiert, denn diese war dem Täter ein Dorn im Auge und er wollte durch seine Morde junge Frauen auf ihre Unachtsamkeit aufmerksam machen. Doch gerade der mittlere Teil hat sich streckenweise gezogen. Oft hatte ich das Gefühl, die Autorin wiederholt sich ständig und man dreht sich nur im Kreis. Dies hat mir etwas von meinem Lesefluss genommen.
Durch immer wiederkehrende Rückblenden erfährt man einiges über die Vergangenheit, wie sich die Beziehung zwischen Will und Alison entwickelte, ihre erste Zeit am College und auch Alisons toxische Freundschaft zu Liz wird thematisiert. Diese Rückblicke haben mir gut gefallen, so konnte ich mir ein umfassendes Bild über Alison machen, die in dieser Story im Mittelpunkt steht.
Der Sprache war okay, allerdings blieb der erwartete Thrill aus. Gefühlt habe ich eher ein Drama mit Krimielementen gelesen.
Alles in allem handelt es sich um einen soliden Krimi, der meine Erwartungen leider nicht vollends erfüllen konnte. Die Story selbst hätte einiges an Potential zu bieten gehabt.

Bewertung vom 27.12.2018
Stella
Würger, Takis

Stella


ausgezeichnet

Der junge Schweizer Friedrich kommt 1942 nach Berlin, nachdem seine Familie auseinandergebrochen ist. Er möchte sich selbst ein Bild über die Gerüchte machen, die ihm zu Ohren kommen und außerdem die Kunsthochschule besuchen. Gleich am ersten Tag lernt er dort Kristin kennen und verliebt sich in diese unkonventionelle Frau. Kristin ist Aktmodell aber auch Sängerin, mit einer Vorliebe für Jazz. Sie zeigt Friedrich das Nachtleben, wickelt ihn mit ihrem Charme und ihrer Dominanz um den Finger und lässt sich von ihm aushalten. Friedrich ist ihr sehr schnell verfallen. Doch dann verschwindet Kristin wortlos und taucht erst nach mehreren Tagen wieder bei Friedrich im Hotel auf, in dem er während seines Aufenthaltes lebt. Die Haare abgeschoren und misshandelt. Denn Kristin ist nicht ihr richtiger Name, Stella Goldschlag wurde als Jüdin geboren. Sie konnte sich gerade noch aus den Fängen der Nazis retten, doch um welchen Preis?

Wow!!!!! Dieses Buch hat mich zutiefst beeindruckt und mir keine Ruhe gelassen, bis ich es in einem Rutsch durchgelesen hatte. Um mich nicht zu spoilern, bin ich direkt angefangen, ohne vorherige Hinweise, ohne das Nachwort zu lesen. Stella Goldschlag war mir eine bisher unbekannte Person und ich habe sie erst im Anschluss gegoogelt.
Man ahnt bereits, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen kann. Während des Lesens hatte ich ständig das Gefühl, mir gefriert das Blut in den Adern. Dabei schreibt Takis Würger hier in einem sachlich nüchternen Ton und doch hat es mich emotional gepackt. Ihm ist es großartig gelungen, die reale Figur Stella Goldschlag in diesem Roman einzubinden. Zu Beginn eines jeden neuen Monats werden verschiedene historische Ereignisse erwähnt.
Kursiv abgedruckt liest man Auszüge aus den gerichtlichen Protokollen, deren Zusammenhang und Grausamkeiten sich schon bald entfalteten.
Besonders an Einzelschicksalen wurden die schrecklichen Machenschaften umso deutlicher dargestellt und wirkten dadurch noch emotionaler. Insgesamt ging mir das Buch richtig nahe und Stella hat mich absolut erschüttert. Wieweit würde man tatsächlich gehen, um das eigene Leben zu schützen?
Takis Würger ist es absolut großartig gelungen, Fiktion und historische Begebenheiten sachlich, spannend und zugleich emotional zu transportieren.
Ich finde es ein sehr wichtiges Buch, gegen das Vergessen. Und für ein Miteinander, unabhängig von Religion oder Nationalität.
Einziger Kritikpunkt aus für mich der Preis, 22 € für knapp über 200 Seiten finde ich im Verhältnis eher unangemessen. In der Buchhandlung hätte ich es aus eben diesen Gründen wohl nicht mitgenommen, was sehr schade gewesen wäre. Und dennoch wünsche ich dieser Geschichte ihren verdienten Erfolg.
Sicherlich wird das Buch noch lange in meinem Kopf hängen bleiben und definitiv mit ein bisschen Abstand nochmals von mir gelesen werden.
Dafür gibt es von mir eine ganze Hand voll extra Sterne!!!!

Bewertung vom 18.12.2018
Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9
Neuhaus, Nele

Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9


sehr gut

Wer mordet pünktlich zum Muttertag und was steckt eigentlich dahinter? Dies gilt es in dem neuesten Krimi von Nele Neuhaus herauszufinden.
Im Prolog wird die junge Nora von einem Teenager ermordet. Doch schon hier ist nichts so, wie es scheint.
Danach geht es in die Schweiz, nach Zürich. Fiona Fischer macht nach dem Tod ihrer Mutter eine alles verändernde Entdeckung und sie begibt sich auf Spurensuche.
Anschließend geht es los mit dem eigentlichen Fall. Der 84-jährige Theo Reifenrath wird tot aufgefunden. Offensichtlich ist er schon vor einigen Tagen verstorben. Handelt es sich um Mord? Oder ist er nur unglücklich gestürzt und seinen Verletzungen erlegen? Pia Sander und Oliver von Bodenstein beginnen mit ihrem Team zu ermitteln und stossen auf Knochen weiterer Verstorbener. Hilfe bekommt das Ermittlerteam von Dr. Harding vom FBI. Ist der alte Mann etwa ein Serienmörder gewesen? Oder doch eher eines der vielen Pflegekinder, die Familie Reifenrath vor langer Zeit regelmässig aufgenommen haben? Aber auch außenstehende Personen geraten in Verdacht.

Zunächst gibt es die volle Punktzahl für die folienfreie Verpackung. Nur durch ein Siegel bekommt man hier die Garantie, das Buch als erster Leser in der Hand zu halten. Dafür ein ganz grosses Lob an den Verlag, ich würde mir wünschen, dass dies zukünftiger Standard wird.
Aber nun zum Buch:
„Muttertag“ war mein bisher zweiter Krimi der Autorin und Vorkenntnisse sind nicht nötig. Der Fall ist in sich abgeschlossen und der private Stand wird verständlich dargestellt.
Der Prolog und das Geschehen um Fiona zu Beginn fand ich unglaublich spannend. Ebenso die Entdeckungen auf dem Grundstück der Reifenraths. Doch die Ermittllungsarbeiten begannen nur schleppend und ich hatte gerade während der ersten Hälfte den Eindruck, dass es kaum vorangeht. Auch die Wiederholungen der Ermittlungsstände waren mir persönlich manchmal etwas zu zäh. Ebenso die ausführlichen Wegbeschreibungen. Dafür hat mich die zweite Hälfte des Buches absolut gepackt und ich konnte nicht mehr aufhören.
Die Autorin legt einen wirklich gut durchdachten und äußerst komplexen Kriminalfall vor. Bis kurz vor Schluss hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder ist. Jeder Verdacht wurde irgendwann wieder von mir verworfen. Auch die Motive erschließen sich nur langsam, nach und nach. Und selbst als man den Täter bereits kannte, nahm der fulminante Showdown unerwartete Wendungen, der mein Herz zum Rasen brachte.
Zwischendurch wird Fionas Geschichte erzählt und als Leser hat man zunächst überhaupt keine Ahnung, wie ihre Geschichte mit dem Fall zusammenhängt. Die Auflösung fand ich absolut genial.
Auch der Täter kommt gelegentlich zu Wort und schildert seine Gedankengänge, die kursiv gehalten sind.
Der Schreibstil ist bildhaft und eingängig, genau passend zum Geschehen.
Da hier sehr viele Charaktere mitspielen, gibt es zur besseren Orientierung ein Personenregister.
Nachdem die Ermittlungen etwas in Schwung gekommen sind, hat mich „Muttertag“ begeistert. Fionas Strang dagegen habe ich schon direkt zu Beginn gerne gelesen.
Beim nächsten Fall wäre ich sicherlich wieder dabei und vor allem Fiona würde ich zu gerne wiederbegegnen.

Bewertung vom 17.11.2018
Sowas kann auch nur mir passieren
McFarlane, Mhairi

Sowas kann auch nur mir passieren


sehr gut

In Georginas Leben läuft es nicht gerade rund. Nahezu prädestiniert für Schlamassel, gerät sie von einem Fettnäpfchen in das nächste. Auf Grund ihrer Ehrlichkeit, die bei ihrem eh schon miesen Job im „Thats Amore“ nicht gut ankommt, wird sie gnadenlos gekündigt. Als sie sich im Anschluss spontan auf den Weg zu ihrem Freund Robin macht, erwischt sie ihn auch noch mit seiner Assistentin im Bett. Auch mit ihrer Familie hat sie es nicht leicht, in deren Augen Georgina mit ihren 30 Jahren für einen Kellnerjob doch langsam zu alt wird. Doch sie lässt sich so leicht nicht unterkriegen und versucht mit Witz, Humor und einer positiven Einstellung ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Als sie ihren neuen Job im „The Wicker“ antritt, begegnet sie Lucas, ihre einstige große Liebe aus Schulzeiten. Doch Lucas erkennt sie ganz offensichtlich nicht. Hat er sie denn völlig vergessen? Dann erscheint auch noch Robin auf der Bildfläche und mischt ihr Leben auf...

Der Inhalt hat mich direkt angesprochen, doch zu hundert Prozent konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Vor allem der Einstieg ist mir nicht leicht gefallen, das Geschehen, dass sich zum größten Teil um ihre Probleme, Freunde und Familie gedreht hatte, plätscherte etwas vor sich hin. Doch spätestens, als Lucas auftauchte, kam Schwung in die Geschichte und ich habe gerne weitergelesen. Obwohl ich Georgina am liebsten manchmal gerne zugerufen hätte, doch endlich offen zu reden, mochte ich sie sehr, vor allem ihre positive Art, mit negativen Erlebnissen in ihrem Leben umzugehen. Und auch ihren einzigartigen Humor, ihre Schlagfertigkeit sorgten für gute Unterhaltung. Und je mehr ich Lucas kennenlernte, konnte ich zunächst seine Zurückhaltung verstehen. Auch die Nebencharaktere wurden hier authentisch dargestellt. Besonders ihre Freunde, die bedingungslos hinter Georgina standen.
Die Schreibweise ist leicht zugänglich, besonders besticht dieses Buch durch einige amüsante Szenen, aber auch ernste Momente und Nachdenklichkeit bekamen einen Raum, so dass die Story alles andere als platt herüberkam.
Wie solche Bücher letztendlich enden, lässt sich bereits im Voraus erahnen. Doch vor allem Georginas Entwicklung und der Weg zum Ziel machten diesen Chic-Lit-Roman durchaus lesenswert.

Bewertung vom 07.10.2018
Bösland
Aichner, Bernhard

Bösland


ausgezeichnet

Die Geschichte beginnt damit, dass der 10-jährige Protagonist Ben seinen Vater erhängt auf dem Dachboden findet, das titelgebende Bösland. Immer wieder wurde Ben von seinem Vater dazu aufgefordert, mit ihm ins Bösland zu kommen. Dort erlebte er seine schlimmste Zeit, er wurde misshandelt und verprügelt. Von seiner Mutter kam weder Hilfe, noch hat Ben jemals Liebe und Wärme erfahren. Nur einer hält offensichtlich zu ihm, Felix Kux, der einzige Freund, den Ben jemals hatte. Drei Jahre später wird aus diesen beiden Freunden eine Dreierkonstellation, die nicht lange gut geht. Mathilda wird ermordet auf dem Dachboden gefunden, in Bens Armen. Alles deutet darauf hin, dass ja nur er der Mörder sein kann, doch Ben kann sich nicht erinnern... 30 Jahre später geschieht der nächste Mord, auf die gleiche Art und Weise. Wiederum steht Ben als Täter im Fokus. Doch was hat sein angeblicher Freund Kux mit der ganzen Sache zu tun?

Wow, ich bin hin und weg. Dieser unfassbar geniale, intelligente und gut durchdachte Thriller der anderen Art konnte mich vollends überzeugen. Hier gibt es kein klassisches Ermittlerteam, die Hauptrollen sind in diesem Buch ganz klar verteilt an Ben und Kux. Ich konnte kaum aufhören zu lesen. Die durchgehende Spannung und die kurzen Kapitel haben es mir leicht gemacht. Ben richtet sich in Kux‘ Zuhause ein, so beginnt ein absolut fesselndes Katz- und Mausspiel. Auch Soy, die thailändische Frau von Kux, nimmt in diesem Kammerspiel eine entscheidende Rolle ein.
Erzählt wird das Geschehen aus Ben‘s Perspektive im Wechsel mit Kapiteln in Dialogform. Zuerst mit der Therapeutin, später auch mit Kux, Soy und einem Ermittler. Die Dialoge sind kurz, stakkatoartig, aber eindringlich mit einer unglaublichen Dynamik. Nur Bindestriche kennzeichnen den Wechsel des Sprechers. Ich dachte immer nur, das kann doch jetzt nicht sein...
Jedes Kapitel ist durch eine wie mit Blut geschriebene Überschrift gekennzeichnet.
Die ohnehin schon dramatischen Ereignisse bekommen ständig neue Wendungen, das Ende des Buches fand ich genial gelöst und setzt dem Ganzen zusätzlich die Krone auf.
Bernhard Aichner ist es hervorragend gelungen, in die tiefsten Abgründe seiner Figuren einzudringen und die psychologischen Hintergründe gekonnt zu durchleuchten. Wer auf der Suche nach einem spannenden Thriller ist, der sich aus der Masse hervorhebt, ist mit „Bösland“ wirklich gut beraten.

Bewertung vom 19.09.2018
Ein Winter in Paris
Blondel, Jean- Philippe

Ein Winter in Paris


sehr gut

„Ein Winter in Paris“ beschreibt rückblickend das Leben des heutigen Englischlehrers Victor. Zum Studium zieht es ihn nach Paris, damit beginnt auch die Abkapselung vom Elternhaus und aus der Provinz. Während der Protagonist aus eher einfachen Verhältnissen stammt, in dessen Familie keine großen Emotionen gezeigt wurden, kommen seine Kommilitonen aus einer völlig anderen Welt. Dies macht Victor zum Außenseiter. Die Anforderungen sind hart und so konzentriert er sich voll auf sein Studium. Doch im zweiten Jahr begegnet ihm Mathieu, mit ihm raucht er gelegentlich eine Zigarette. Doch leider besteht keine Gelegenheit mehr, die zarten Bande enger zu knüpfen, denn Mathieu nimmt sich das Leben. Von nun an steht Victor im Zentrum der Aufmerksamkeit, alle Welt scheint sich plötzlich für ihn zu interessieren.

Wunderbar feinfühlig und sensibel beschreibt der Autor diesen Lebensabschnitt des Victor. Heute ist Victor als Englischlehrerin tätig und nebenbei erfolgreicher Schriftsteller. Eines Tages erreicht ihn ein Brief, der die Erinnerungen wieder lebendig werden lassen. Rückblickend befindet sich der Leser mit Victor im Paris der achtziger Jahre und erlebt mit ihm diesen Winter, der ihn sein Leben lang prägen soll.
Ausschließlich wird dieser Roman aus Victors Perspektive erzählt. Und das besonders eindringlich, gefühlvoll und auf den Punkt gebracht. Verschiedene Personen interessieren sich nach Mathieus Tod für Victor, doch die Beziehungen zu seinen Kommilitonen bleiben eher oberflächlich, Affären sind bedeutungslos. Einzig zu Mathieus Vater entsteht eine engere Bindung, zunächst ungewollt, da dieser sich hartnäckig auf die Suche nach dem Warum begibt. Doch langsam entwickelt sich dieser zu einer Vaterfigur, wie Victor sie nie persönlich erlebt hat.
Nur einige wenige Passagen waren mir zu lakonisch und ein wenig in die Länge gezogen. Ansonsten hat der Autor hier einen wunderbaren kleinen, aber intensiven, feinfühligen Roman vorgelegt, den ich gerne gelesen habe.

Bewertung vom 26.08.2018
Das rote Adressbuch
Lundberg, Sofia

Das rote Adressbuch


ausgezeichnet

Die 96-jährige Doris lebt allein in Stockholm und ist auf die Hilfe von Pflegepersonal angewiesen. Die einzige Verbindung besteht zu ihrer Grossnichte Jenny, die mit ihrer Familie in San Francisco lebt und mit der sie regelmäßig skypt. Für Jenny schreibt sie ihre Lebensgeschichte nieder, mit Hilfe des roten Adressbuches, das sie zum 10. Geburtstag von ihrem Vater geschenkt bekam. Darin sollte sie die Menschen verewigen, die ihr noch im Laufe des Lebens begegneten. Doch nach und nach werden die Namen durchgestrichen und mit tot gekennzeichnet. Eines Tages wird Doris ins Krankenhaus eingeliefert. Jenny macht sich gegen alle Wiederstände auf den Weg nach Stockholm, um Doris während ihres Lebensendes beizustehen. Denn Doris war für sie wie eine Mutter, die sie über alles geliebt und ihr in schweren Zeiten Halt gegeben hat.

Ich bin immer noch völlig beeindruckt von diesem wunderbaren Buch. Es regt zum Nachdenken an, hallt nach und hat mich auch während der Lesepausen beschäftigt. Doris‘ Geschichte hat mich absolut gecatcht, sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit.
Abwechselnd wird dieses Buch auf zwei Zeitebenen erzählt. Die Rückblicke in die Vergangenheit sind mit „Das rote Adressbuch“ und den Namen der jeweiligen Personen gekennzeichnet. Als Leser blickt man gemeinsam mit Doris auf ein bewegtes Leben zurück, geprägt von Liebe aber auch von Schicksalsschlägen und verpassten Chancen. Wir erfahren einiges über Doris‘ Kindheit in Stockholm und bgleiten sie über viele Jahre nach Paris, wo sie ihre große Liebe findet, die sie ihr Leben lang beschäftigen soll. Wir folgen Doris in die USA, über England wieder zurück in ihre Heimat, nach Stockholm.
Ich konnte kaum aufhören zu lesen, immerzu wollte ich erfahren, wie es mit Doris weitergeht. Und auch der gegenwärtige Teil hat mich gleichermaßen mitgenommen. Eindringlich und bildhaft erzählt die Autorin Doris‘ Geschichte, die mich nicht mehr losgelassen hat. Zum Schluss hin wird es richtig emotional und hat mich zutiefst berührt. Mich hat es wirklich für Doris gefreut, dass ihre Großnichte Jenny für sie da war, dass Doris auch im hohen Alter noch geliebt wurde.
Ich hoffe, dass dieser zauberhafte Debütroman nicht das einzige Werk der Autorin bleibt. Für mich gehört es zu den absoluten Herzensbüchern.