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Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
Wohnort: Sulzheim
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Bewertungen

Insgesamt 719 Bewertungen
Bewertung vom 24.06.2018
Der Schein
Blix, Ella

Der Schein


ausgezeichnet

Alina muss während eines längeren beruflichen Aufenthalts ihres Vaters ein Internat auf der abgelegenen Ostseeinsel Griffiun besuchen. Dieser Besuch heißt für sie monatelange Trennung von ihrer besten Freundin und von ihrem Freund. Auch der Zugriff auf Kommunikationsmittel wie Email, Skype und WhatsApp ist auf der dünnbesiedelten Ostseeinsel nur eingeschränkt möglich und erschwert den Kontakt zu Freunden und Familie zu halten.
Obwohl sie zu Beginn sehr ablehnend gegen die Insel, das Internat und dessen Bewohner ist, und ihr Verhalten sowie ihre Gedanken vor Vorurteilen nur so strotzen, findet sie doch schnell Anschluss an eine Gruppe Schüler, die aus unterschiedlichen Gründen genau wie sie an den Wochenenden im Internat verweilen muss. Durch den bunt gemischten Haufen lernt Alina ihre Vorurteile zu überdenken. Ella Blix aka Antje Wagner und Tania Witte spielen hier mit Klischees. So assoziiert Alina beispielsweise die Namen ihrer Mitschüler mit Stereotypen was Aussehen oder Gesellschaftsschichten angeht – und fällt damit ziemlich auf die Nase… Ebenso wird das Thema Gender groß aufgezogen, was wenig verwundert, da Antje und Tania aus der queeren Szene kommen und bereits andere Titel veröffentlicht haben, in denen diese Thematik eine mehr oder weniger große Rolle einnimmt.
Auf sprachlich hohem Niveau wird dennoch eine astreine Jugendsprache gepflegt, die sich zum Teil gewaschen hat! Dieses Stilmittel passt aber zum restlichen Spiel mit Klischees und man sollte sich dadurch auf keinen Fall abschrecken lassen.

Vordergründig hat der Leser es also mit einer Freundschaftsgeschichte zu tun, die mit Vorurteilen spielt und diese nach und nach widerlegt. Das Buch hieße aber nicht “Der Schein”, wenn sich hinter der Geschichte von Alina nicht weit mehr verbergen würde. Durch zahlreiche Rückblenden in Alinas Kindheit erfährt der Leser vom Verlust ihrer Mutter. Versponnen mit Sagen um ein dunkles Schiff, welche auf Griffiun herumgeistern, webt das Autorinnenduo so ein düsteres und geheimnisvolles Netz, welches den Leser gemeinsam mit den Figuren der Geschichte rätseln lässt, jedoch bekommt er genau wie diese kaum eine Chance die Zusammenhänge vor dem Ende zu lüften.

Im Gegensatz zu Antje Wagners Alleingängen im Bereich Jugendbuch “Unland” und “Vakuum”, deren Auflösungen im psychologischen Bereich anzusiedeln sind, hält das Ende von “Der Schein” zwar auch psychologische Facetten parat, es driftet aber zudem deutlich in das Genre Science Fiction, so dass man dieser Gattung nicht gänzlich abgeneigt sein sollte, um sich durch die Auflösung nicht vor den Kopf gestoßen zu fühlen.
Mein persönlicher Favorit nach mehreren Titeln von Antje Wagner ist zwar immer noch “Unland”, dennoch bin ich jedes Mal aufs Neue begeistert davon, welchen Ideenreichtum sie birgt und wie sie sich mit jedem Projekt neu definiert. Auch von Tania Witte habe ich im Vorfeld mehrere Sachen gelesen, im Bereich Jugendbuch gibt sie mit “Der Schein” jedoch ihr Debüt.
Die beiden Autorinnen schreiben gemeinsam so homogen, dass man unmöglich eine Stimme herauslesen kann, und das sage ich, obwohl mir beider Schreibstil mittlerweile recht vertraut ist. Müsste ich mich äußern, ob ich nun mehr Antje oder mehr Tania aus dem Buch gelesen habe, dann würde ich rein thematisch zu Antje tendieren, weil “Der Schein” mehr Ähnlichkeit zu ihren Jugendromanen hat als zu den Stoffen, die ich bislang von Tania kenne.

Wer jetzt denkt, dass er mit meiner Rezension recht wenig vom Inhalt erfahren hat… Stimmt ;) Bei Antjes Büchern habe ich es schon immer so gehalten um den heißen Brei herumzureden, da ihre Bücher ganz stark von den Überraschungsmomenten und unvorhersehbaren Entwicklungen leben. Auch wenn mir die Auflösung von “Der Schein” zwar nicht ganz so zusagt wie beispielsweise das Ende von “Unland”, so haben sich mit Antje und Tania zwei starke Stimmen gefunden, die sich durch ihre Sprache, den Hang zu mysteriösen Entwicklungen und ihrem Sinn für Humor wunderbar ergänzen.

Bewertung vom 24.06.2018
Cleo und der total (un)coole Gartenclub
Polák, Stephanie

Cleo und der total (un)coole Gartenclub


ausgezeichnet

Cleo und ihre Freundinnen aus dem Kuchenclub entdecken in dieser Geschichte ihre Liebe zum Gärtnern und gewinnen neue Freunde, auch wenn es zu Beginn nach dem kompletten Gegenteil aussieht…
Ein neuer Mitschüler macht den Mädchen das Leben schwer. Toni, die gerne Skateboard fährt und lieber mit Jungsklamotten und Kurzhaarfriseur herumläuft, hatte sich in den Ferien mit Jayden befreundet, bis zu dem Moment, als Jayden klar wurde, dass er es nicht mit einem Jungen, sondern mit einem coolen Mädchen zu tun hatte. Ab diesem Moment macht sich Jayden gemeinsam mit seinen Freunden über Toni lustig. Zu allem Übel ist Jayden nach den Ferien neu an der Schule, so dass sie ihm kaum noch aus dem Weg gehen kann. Der Gartenclub, der händeringend nach neuen Mitgliedern sucht, kommt da gerade richtig, um für Ablenkung zu sorgen. Doch der Spaß scheint leider von kurzer Dauer zu sein. Jaydens Vater macht nicht nur mit seiner Kaffeehauskette Cleos Eltern und ihrem Tortenparadies Konkurrenz, er will Jaydens neuer Schule eine Halfpipe spendieren, doch um dafür Platz zu schaffen, müsste der Schulgarten weichen!

Nach dem Kuchenclub, dank dem Cleo in ihrem ersten Abenteuer neue Freundinnen gefunden hat, entdeckt sie nun gemeinsam mit ihren Clubmädels den Spaß am Gärtnern. Wie aus dem vorhergehenden Band mit den Backrezepten bekannt, finden sich hier zwischen den einzelnen Kapiteln Anregungen und Anleitungen zum Gärtnern und zum Basteln.
Nach den Schwierigkeiten aus dem “uncoolen Kuchenclub” sehen sich Cleo und ihre Freundinnen hier neuen Herausforderungen gegenübergestellt, so dass man den Gartenclub problemlos ohne Kenntnis ihres ersten Abenteuers lesen kann. Es kommen zwar Charaktere vor, auf die nicht mehr so ausführlich eingegangen wird, da sie in dieser Geschichte keine so große Rolle wie im Kuchenclub spielen, aber das tut dem Spaß an diesem Buch keinen Abbruch.
Stephanie Polák setzt sich mit dem Thema Mobbing auseinander, sowie Konkurrenz im Arbeits- aber auch im Schulleben, ohne, dass diese zu aufgezwungen wirken und den Spaß an der leicht und schwungvoll erzählten Geschichte nehmen.
Mittlerweile versteht sich Cleo mit ihrer ehemals besten Freundin Emma wieder, und selbst Fee – mit der Cleo nie wirklich grün geworden ist – eilt zu guter letzt zu Hilfe, als Not am Mann ist und Ideen zur Rettung sowohl des Gartenclubs als auch dem Tortenparadies von Cleos Eltern gefragt sind.

Wiederum ist Stephanie Polák eine schöne Schulgeschichte gelungen, die auch vor ernsten Themen nicht Halt macht, was dem Lesespaß dennoch keinen Abbruch tut.
Die Garten- und Basteltipps bieten einen tollen Mehrwert, so dass man die Geschichte auch nachdem man sie gelesen hat, noch häufiger zur Hand nehmen wird. Zumal Kindern mit Cleos Geschichten aufgezeigt wird, dass man so viel andere Sachen machen kann als am Computer oder am Smartphone Zeit zu verbringen. Und im Gegensatz zu verzockter Zeit kann man mit Backen, Gärtnern oder Schneidern tolle Sachen für sich oder Geschenke für Freunde herstellen!

Reihen-Info:
Cleo und der total uncoole Kuchenclub
Cleo und der total uncoole Gartenclub

Bewertung vom 23.06.2018
Sprichst du Schokolade?
Lester, Cas

Sprichst du Schokolade?


ausgezeichnet

Josys Klasse bekommt Zuwachs: Nadima, ein Mädchen aus Syrien, dass bislang kaum Englisch spricht, so dass die Kinder aus ihrer Klasse nicht wissen, wie sie sich mit der neuen Mitschülerin verständigen sollen. Josy hat ebenfalls ein Sprachproblem, durch ihre Legasthenie macht sie viele Fehler. Nadima bekommt ausgerechnet Josy an ihre Seite gestellt, dann dadurch, dass Josys ehemals beste Freundin Lilly sich mit einer weiteren Mitschülerin angefreundet hat, ist der Platz neben Josy frei.
Vielleicht ist es gerade die Legasthenie, durch die Josy so viel Erfindungsreichtum aufweist, denn ihr fällt schnell ein Weg ein, wie man sich trotz Sprachbarriere verständigen kann: mit Emojis! Es dauert nicht lange und die beiden werden die besten Freundinnen. Neben der Sprachbarriere führen jedoch noch andere Umstände dazu, dass die neu entstandene Freundschaft so schnell wie sie entstanden ist, auch wieder in die Brüche geht. Ob es Josy gelingt, ihre Freundschaft mit Nadima zu retten?

Die Sprache des Buches ist locker leicht und einfach verständlich für das angesprochene Zielpublikum gehalten. Der Autorin gelingt es jedoch hervorragend in einer einfachen Sprache sowohl Josys als auch Nadimas Sprachbarrieren darzustellen, ohne dass das Buch dadurch anspruchslos wirken würde oder auf einem niedrigen Sprachniveau angesiedelt wäre.
Gerade durch die Zeitlosigkeit der enthaltenen Botschaften und der immer noch aktuellen Flüchtlingsthematik hat es mir selbst als erwachsener Leser ausnahmslos gut gefallen und mich gegen Ende fast zu Tränen gerührt. Die Autorin stellt gut da, wie schnell auch gut gemeinte Dinge gegenüber unseren Mitmenschen falsch verstanden werden können, wie wichtig Kommunikation ist und wie schnell Freundschaften kaputt gehen können, weil man sich nicht ausreichend mitteilt. Dies alles sind Messages, die sich nicht nur Kinder und Jugendliche vor Augen halten sollten. Obwohl es stellenweiser harter Tobak ist, mit dem Cas Lester ihre Leser konfrontiert, wirkt die Geschichte an keiner Stelle rührselig oder künstlich dramatisiert.

Die Charaktere haben mich ausnahmslos überzeugt. Josy, voller Erfindungsreichtum und Tatendrang, die mit ihrer ungestümen und impulsiven Art die Probleme wie ein Magnet anzieht, muss man einfach in ihr Herz schließen! Man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen, wie schnell man manchmal Fehler begeht, und wie schwer es dann fällt diese wieder gutzumachen. Auch Nadima kommt einem schnell nahe, ebenso wie ihre Familie, obwohl die Sprachbarriere im Raum steht. Daneben sind Josys alleinerziehende Mutter, ihre drei Brüder, ihre Freundin Lilly und deren neue Freundin Kara, mit der sich Josy anfangs spinnefeind ist, ebenfalls wichtige Figuren in diesem Buch. Durch diese unterschiedlichen Charaktere werden verschiedene Blickwinkel und Aspekte ausgeleuchtet, so dass man sich auch gut in die anderen Figuren hineinfühlen kann, trotz dessen das Buch aus der Ich-Perspektive von Josy erzählt wird.

Wie schön, dass zwei Mädchen die Sprachbarrieren überwinden, indem sie ihre Lieblingssüßigkeiten teilen. Neben den Emojis ist Schokolade eine Sprache die weltweit gesprochen wird. Auch das Cover ist wunderschön "schokoladig" und zeitlos vom Design und weckt neben dem Titel wahnsinnigen Appetit auf Süßes ;) Im letzten Kapitel finden sich abschließend drei der im Buch enthaltenen Rezepte, so dass man neben Josys und Nadimas Freundschaftsgeschichte noch einen schönen Mehrheit hat.

"Sprichst du Schokolade?" ist ein wunderschönes Buch über Freundschaft und Familie. Es setzt sich mit der Flüchtlingsthematik kindgerecht auseinander, so dass ich mir dieses Buch besonders deswegen, aber auch auf Grund der anderen enthaltenen Themen sehr gut als Schullektüre vorstellen kann.

Bewertung vom 11.06.2018
Löwenfreunde leben länger
Baltscheit, Martin

Löwenfreunde leben länger


ausgezeichnet

Im dritten Band der Erstlesereihe über den Löwen und seinen Freunden setzt sich Martin Baltscheit kindgerecht mit dem Thema Tod auseinander.

Der Löwe schließt Freundschaft mit einer kleinen, fetten Raupe. Er spielt den ganzen Tag mit der Raupe, bringt ihr Kunststücke bei und Abends singt er ihr zur Schlafenszeit sogar ein selbsterdachtes Liedchen vor. Er hat so viel Spaß mit seiner neuen Freundin, dass er darüber sogar seine Löwin vernachlässigt, die abends alleine ihr Abendbrot verspeisen muss.
Doch am nächsten Morgen ist die Raupe tot… Der Löwe, der im Gegensatz zu seiner intelligenten Frau nicht den Kreislauf des Lebens betrachtet, geht davon aus, dass hinter dem Tod der Raupe eine Straftat stehen muss. Gemeinsam mit einem Vogel, den alle nur den Sekretär nennen, geht er in bester Holmes und Watson Manier auf Verbrecherjagd.
So machen sich Löwe und Sekretär auf den Weg die Tiere des Dschungels zu befragen. Fans der anderen Löwenbücher treffen hier auf viele alte Bekannte wie beispielsweise das Nilpferd oder den Mistkäfer. Diese Querverweise zwischen den einzelnen Löwengeschichten finde ich immer sehr lustig und einfallsreich integriert.
Selbst seine Löwin verdächtigen die beiden, nachdem die anderen Tiere alle ein Alibi für die Tat vorweisen konnten. Auf Grund von Eifersucht, da der Löwe sie am Tag zuvor so sträflich vernächlässigt hat. Der Verdacht gegen die Löwin zerschlägt sich zum Glück jedoch ebenfalls schnell. Der Löwe entschuldigt sich daraufhin bei seiner Frau, und die beiden kommen gemeinsam mit dem Sekretär zu dem Schluss, dass es viel wichtiger ist zu wissen, wie einer gelebt hat, als zu wissen, wie einer gestorben ist.

'Denn auch das ist der Tod:
Eine Erinnerung an die
Schönheiten des Lebens.'

Nach dieser schönen und weisen Erkenntnis schließt sich der Kreis zu der Vorahnung, die die kluge Löwenfrau bereits zu Beginn der Geschichte hatte. Sagte sie doch zu ihrem Mann, er solle bloß aufpassen, dass ihm die Raupe nicht eines Tages davonfliegt. Na… könnt ihr euch nun denken, wie die Geschichte ausgeht?
“Löwenfreunde leben länger” setzt sich kindgerecht und, trotz der Ernsthaftigkeit des Themas, voller Humor mit dem Tod auseinander. Möglicherweise könnte Erwachsenen diese Art den Tod zu thematisieren bitter aufstoßen, aber Kinder verarbeiten ernste Themen oft ganz anders als Erwachsene, und so finde ich die Annäherung mit Witz in Form eines Kriminalsfalls sehr gelungen! Trotzdem empfehle ich von Fall zu Fall zu entscheiden, ob dieses Buch angemessen ist.
Bevor man es – idealerweise – gemeinsam mit einem Kind liest und diskutiert, sollte man es sich alleine ansehen und lesen. Generell ist das bei Kinderbüchern, die Themen wie Tod, Gewalt, Mobbing oder ähnliches zum Inhalt haben, die beste Herangehensweise.

Wie in den beiden vorherigen Löwe-Erstlesebüchern hängt der Geschichte ein Glossar an, in dem Martin Baltscheit schwierige und unbekannte Begriffe erläutert. Hier findet man außerdem eine ausführliche Erklärung über den Lebenskreislauf eines Schmetterlings, so dass Leser, die allein durch die Geschichte noch nicht verstehen, warum die Raupe gestorben ist, spätestens hier auf des Rätsels Lösung kommen.

Löwen-Erstleser-Reihe:
Löwenherzen weinen nicht!
Löwenväter singen nicht!
Löwenfreunde leben länger

Bewertung vom 11.06.2018
Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete / Räuber Hotzenplotz Bd.4
Preußler, Otfried

Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete / Räuber Hotzenplotz Bd.4


sehr gut

Ein neuer Räuber Hotzenplotz, obwohl sein Erschaffer, der Autor Otfried Preußler, vor einigen Jahren verstorben ist?

Ursprünglich von Otfried Preußler als Puppenspiel geschrieben, wurde der Stoff vor Kurzem wiederentdeckt, von Susanne Preußler-Bitsch zur Vorlesegeschichte ergänzt und von Thorsten Salaina üppig mit farbigen Illustrationen untermalt:

Erneut ist der Räuber Hotzenplotz ausgebrochen und Kasperl und Seppl machen sich auf den Weg den Unhold wieder dingfest zu machen. Da hat Kasperl einen guten Einfall… Mit Hilfe von Kartons und Silberband bastelt er gemeinsam mit seinem Freund Seppl eine Mondrakete, um den Räuber Hotzenplotz auf den Mond zu schießen, der bekanntermaßen komplett aus Silber besteht. Ob es den beiden wohl gelingt den dummen Räuber in ihre Rakete zu locken?

Man sollte “Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete” nicht auf eine Stufe mit den drei Hotzenplotz-Büchern stellen, diese Anforderung kann und will diese Geschichte gar nicht erfüllen.
In meinen Augen ist sie eine wunderbare Ergänzung zu den alten Abenteuern, mit denen die Generation vor uns, und teilweise auch wir, aufgewachsen sind. Zum Appetitmachen für Leser, die bislang noch nicht in Berührung mit dem dummen Räuber kamen oder als ein Wiedersehen für langjährige Fans.

Thorsten Salaina bringt mit seinem Zeichenstil frischen Wind in die alte Geschichte. Dennoch erinnern seine Illustrationen an die traditionellen Bilder von F. J. Tripp, die die ursprünglichen Erzählungen des Räuber Hotzenplotz noch heute schmücken.
Für mich ist das Bilder- und Vorlesebuch “Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete” eine gelungene Gratwanderung zwischen alt und neu, ideal als generationenübergreifendes Vorlesebuch, aber auch zum Selbstlesen geeignet für Erstleser, da die knapp 60 Seiten in einer angenehmen Schriftgröße bedruckt sind und zu einem großen Anteil aus Thorsten Salainas tollen Illustrationen bestehen.

Sowohl der Wortwitz Preußlers kommt durch, als auch die liebevollen Details in der Ausstattung der Figuren, sei es bei Großmutters kleinem Häuschen oder der Kleidung von Kasperl und Seppl.
Für mich wurde das Maximum aus der kleinen Geschichte herausgeholt und das Lifting, das der Sprache und den Illustrationen widerfahren ist, schadet dem Räuber Hotzenplotz ganz und gar nicht. Im Gegenteil hat man hier die Chance ergriffen den Räuber Hotzenplotz einer weiteren Generation Leser ins Bewusstsein zu rufen.
Die Moral der Geschichte ist die gleiche wie die der bekannten Abenteuer: Witz und Einfallsreichtum der Guten siegen über die Dummheit des bösen Räubers.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.06.2018
Gar nichts von allem
Duda, Christian

Gar nichts von allem


sehr gut

Mit “Gar nichts von allem” hat C. Duda ein Buch mit autobiographischen Zügen geschrieben. Es geht um eine Kindheit in Deutschland Mitte der 70er Jahre.
Magdi wächst gemeinsam mit drei Geschwistern in einer deutsch-arabischen Familie auf. Damit ihre Kinder nicht unangenehm auffallen, erwarten die Eltern sehr viel von ihrem Nachwuchs. Genau wie die beiden älteren Geschwister besucht Magdi das Gymnasium, wobei er im Gegensatz zu den beiden anderen weniger Lust auf die Schule und zum Lernen hat. Trotzdem geht er gerne in die Schule, denn in der Schule ist er unter Freunden und weg von Zuhause. Einem Zuhause, in dem der Vater mit der Faust nachhilft, wenn seine Kinder nicht so reagieren, wie er es wünscht.

Magdi ist ein glühender Verehrer von Mohammed Ali, denn im Gegensatz zu seinem Vater ist er stark, fair und unbesiegbar. Wenn Magdi erwachsen wäre, würde er nach Amerika reisen und Mohammed Ali darum bitten gegen seinen Vater zu boxen.

Der Vater schlägt seinen ältesten Sohn Joe und Magdi teilweise so stark, dass die Kinder mit blauen Flecken und Handabdrücken im Gesicht der Schule fernbleiben müssen, damit niemand davon erfährt, was bei ihnen Zuhause passiert.
Vorurteile gegenüber Ausländern gibt es in den 70ern genug, auch ohne das zusätzliche Stigmata eines gewalttätigen Vaters. Zumal die Mutter voll hinter ihrem Mann steht und die Kinder von keiner Seite Unterstützung erwarten können. So ist es nicht verwunderlich, dass der älteste Sohn seine Mutter im Streit als Verräterin beschimpft und genau wie Magdi seinem Elternhaus den Rücken kehren will, sobald er volljährig ist.

Trotz aller Widrigkeiten spürt man zwischen den Zeilen die Unbeschwertheit eines Kindes, was man als Erwachsener einfach nur beneidenswert findet! An Lebensumständen, an denen man als Erwachsener möglicherweise zerbricht, bewahrt sich ein Kind immer noch seinen Lebenswillen und seinen Sinn für Humor.
Da “Gar nichts von allem” im Tagebuchstil geschrieben ist, kommt dies besonders gut zur Geltung. Der Tagebuchstil findet sich nicht nur im Text C. Dudas wieder, sondern ebenfalls in den Illustrationen Julia Frieses, die wie spontane Kritzeleien eines Kindes wirken und weniger wie geplante Illustrationen in einem Buch.

Erschreckend sind nicht nur die Anfeindungen, die Magdi auf Grund seiner arabischen Abstammung erfahren muss. So ordnet ihn beispielsweise eine Verkäuferin auf Grund seiner Vergesslichkeit direkt als Haupt- oder Sonderschüler ein. Weitaus schlimmer finde ich, dass sich seit den 70ern gefühlt nichts verändert hat! Die Vorurteile, mit denen Magdi in dieser Geschichte konfrontiert wird, könnten genauso gut in der heutigen Zeit stattfinden.

Obwohl die Geschichte in einem eng gesteckten Rahmen und Zeitraum spielt, erfasst sie dennoch sehr gut den damaligen Zeitgeist. Die Begrenzung geschieht durch den Umstand, dass sie aus der direkten Sicht eines Kindes erzählt wird, dessen Aktionsraum nicht viel mehr umfasst als sein Zuhause und die Schule. So werden die Schwierigkeiten, mit denen sich ein heranwachsendes Kind generell herumschlagen muss, jedoch sehr gut in den Fokus gestellt. In diesem Fall verstärkt durch den multikulturellen Hintergrund und den familiären Problemen.

Ich denke, das ein Erwachsener Magdis Geschichte möglicherweise bedrückender findet als ein Kind in Magdis Alter, da man mehr noch zwischen den Zeilen herausliest als ein Kind dies vermag.
Ich finde das Buch und die enthaltenen Themen sehr empfehlenswert als Schullektüre, um Dinge wie Ausländerhass oder Gewalt in Familien zu diskutieren. Zumal besitzt das Buch dafür mit 160 Seiten die ideale Länge. Die kurzen Kapitel und der Schreibstil, der tatsächlich wie die Stimme eines Kindes tönt, kommen Weniglesern zusätzlich zu Gute.
Da Kinder und Jugendliche sicher einige Anekdoten und damalige Persönlichkeiten fremd sein werden, die in der Geschichte vorkommen, hat C. Duda ein Glossar angefügt, in dem alle Begrifflichkeiten umfassend und mit viel Humor erklärt werden.

Bewertung vom 05.06.2018
Feuerwerk mit Todesfolge
Stevens, Robin

Feuerwerk mit Todesfolge


ausgezeichnet

Nach den beiden Abstechern in Daisys Zuhause und an Bord des Orient Express, ist der Ort des aktuellen Verbrechens, und dem mittlerweile vierten Fall für die Detektei Daisy Wells und Hazel Wong, ihre Mädchenschule Deepdean, an der die beiden ihren ersten Fall lösten und der die Wiege für die Detektei war.

Die jüngeren Klassen des Mädcheninternats werden von einer Gruppe älterer schikaniert – der Schulsprecherin Elizabeth und den ihr unterstellten Aufsichtschülerinnen. In der Bonfire Night, die in einem großen Feuerwerk ihren Abschluss findet, wird Elizabeth tot neben einem Rechen aufgefunden. Ist es tatsächlich nur ein unglücklicher Unfall, wie es im ersten Moment den Anschein hat oder steckt mehr dahinter?
Tatsächlich gibt es etliche Schülerinnen an der Schule, die Elizabeth den Tod gewünscht hätten, und mit ihren Aufsichtschülerinnen sogar fünf Verdächtige, die die Gelegenheit zum Mord gehabt hätten.
Neben den täglichen Schikanen, die Elizabeth in ihrer Tätigkeit als Schulsprecherin an den jüngeren Schülerinnen ausgeübt hat, taucht kurz nach ihrem Ableben Zettel für Zettel ein Buch übler Geheimnisse auf, in dem Elizabeth intime Details ihrer Mitschüler gesammelt hat. Damit ist für Daisy und Hazel klar, es muss Mord gewesen sein und dieser muss schnell aufgeklärt werden, bevor das Netz aus Intrigen und Geheimnissen ein mögliches zweites Opfer fordert!

Zunächst dachte ich, dass mich der vierte Fall von Daisy und Hazel möglicherweise nicht so stark fesseln könnte wie die bisher erschienenen Geschichten rund um ihre Detektei, da mit Deepdean zum ersten Mal ein Schauplatz zum zweiten Mal als Tatort in dieser Buchreihe herhalten muss.
Dies hat sich zum Glück als unberechtigte Befürchtung herausgestellt, da Robin Stevens zum einen auf altbewährte Mittel der Vorgänger zurückgreift, aber auch neue Impulse ins Spiel bringt.
Die Detektei Wells & Wong ist im Gegensatz zu den ersten Alleingängen der beiden Mädchen gewachsen. Hazel schreibt in ihren Briefen an Alexander – ihrer Bekanntschaft aus “Mord erster Klasse” – Details zum aktuellen Fall, so dass die Sichtweise eines außenstehenden zu ihren eigenen hinzukommt, des weiteren beziehen Daisy und Hazel nun ihre Freundinnen und Zimmergenossinnen Küks, Kitty und Lavinia in ihre Ermittlungen mit ein.
Daisy fällt es sichtlich schwer mit anderen zusammenzuarbeiten, und auch die Freundschaft zu Hazel sieht sich in diesem Fall einer schweren Probe unterzogen, aber Daisy ist sichtlich reifer und vernünftiger in ihrer Denkweise geworden und es macht Spaß der Entwicklung der jungen Heldinnen innerhalb dieser Buchreihe zu folgen.

Obwohl es von Beginn an nur fünf Verdächtige für den Mord an der Schulsprecherin Elizabeth Hurst gibt, rätselt man bis zum Ende mit, wer die Tat begangen hat. Denn nicht nur, dass alle fünf ein Motiv für die Tat hätten, lässt Robin Stevens lange offen, wer vom Verdacht ausgeschlossen werden kann. Und als es dann endlich soweit ist, dass Verdächtige nach und nach ein Alibi erhalten, schafft sie es mehrfach von eigentlichen Täter abzulenken und die Auflösung fast bis zur letzten Seite hinauszuzögern.

Trotz dessen die Reihe nun mittlerweile vier Bände umfasst, begeistert sie mich immer wieder von neuem. Seien es die Fälle oder die Weiterentwicklung der Charaktere, das englische Flair der dreißiger Jahre, oder die historischen Fakten, die Robin Stevens in die fiktive Geschichte ihrer Figuren einbezieht. Zum Ende erhält der Leser einen kleinen Einblick in den Handlungsort des fünften Falls. Auf eine Einladung Alexanders hin werden die beiden Mädchen nach Cambridge reisen und wer die beiden von Anfang an begleitet hat, weiß eins mit absoluter Sicherheit: egal wo es Wells & Wong hin verschlägt, der nächste Fall, der gelöst werden muss, ist nicht weit entfernt!

Bewertung vom 04.06.2018
Lizzy Carbon und die Wunder der Liebe / Lizzy Carbon Bd.2
Fesler, Mario

Lizzy Carbon und die Wunder der Liebe / Lizzy Carbon Bd.2


ausgezeichnet

Seit Lizzys Erfahrung mit dem “Klub der Verlierer” ist eine Weile ins Land gegangen. Mittlerweile ist Lizzy 15 Jahre alt und in ihrem Umfeld hat sich einiges verändert. So spielt in dem Thema “Liebe”, welches Mario Fessler in den Fokus des zweiten Bandes rund um Lizzy und ihre Freunde und Familie gestellt hat, nicht nur die Liebe in ihrer Altersklasse eine Rolle, vielmehr hat Mario Fessler es geschafft alle möglichen Arten von Liebe auszuleuchten, so dass dieses Buch tatsächlich für eine breitgefächertere Leserschaft geeignet ist als das noch bei “Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer” der Fall war, da Mobbing während der Schulzeit doch mehr auf die betreffende Altersgruppe abzielt.

Negative Kritik an “Lizzy und die Wunder der Liebe” kann ich weder selbst üben noch bei anderen nachvollziehen. Selten hat es ein Buch geschafft mich emotional so stark zu berühren und über eine längeren Zeitraum intensiv zu beschäftigen. Tatsächlich fällt es mir sogar nach Monaten noch schwer eine Meinung zu diesem Buch zu verfassen, ohne, dass bei mir Gefühle wie Wut oder Trauer hochkochen.
Jetzt könnte man fast meinen, ich werde wütend oder traurig, weil mich das Buch nicht hunderprozentig überzeugen konnte ;) Tatsächlich ist es aber so, dass Mario Fessler viele Arten der Liebe darstellt, die eben nicht in “… und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage!” münden. Statt dessen schreibt er von Liebe, die ihr Ende gefunden, oder von Liebe, die auf Grund einer Krankheit keine Chance zum Fortbestehen hat. Zwei Themen, die ich leider selbst schon erfahren musste, so dass ich zu meinem Leidwesen bestätigen kann, dass Mario Feslers Charaktere menschlich und lebensnah handeln. Sicher ist es nicht toll, dass sich Eltern, wenn ihre Partnerschaft in die Brüche geht, in Alkohol flüchten oder ihren Kindern in dieser Situation nicht beistehen, aber he… das ist leider die Realität!
Man… ich beneide Menschen, die diese Erfahrungen nicht sammeln müssen und hoffentlich nie sammeln werden, und übt deswegen meinetwegen Kritik an Mario Fesslers schonungsloser Art alle unschönen Facetten der Liebe – neben den schönen, die es in diesem Buch natürlich auch gibt – in diesem Buch zusammenzutragen. Dem Rest kann ich dieses Buch wärmstens ans Herz legen, die anderen mögen meinetwegen in ihrer rosaroten Blase weiterleben.
Das Buch heilt zwar keine Wunden, aber man fühlt sich etwas weniger allein mit seinen Problemen, auch wenn man sie hier nur mit fiktiven Charakteren teilen kann.

Lizzy ist einerseits wiederum der Mittelpunkt in dieser neuen Geschichte, andererseits auch wieder nicht. Denn tatsächlich ist Lizzy die einzige, die hier eine klassisch schöne Liebesgeschichte erleben darf, die bestenfalls von überwindbaren Problemchen überschattet wird, während um sie herum alles in die Brüche geht, was natürlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Dadurch, dass Lizzys Eltern und ihr älterer Bruder Max zu den “Problemkindern” in Sachen Liebe gehören, lernt man ihre Familie sehr viel besser kennen als es in “Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer” der Fall war. Was mir ausnehmend gut gefallen hat, auch wenn diese zwei Erzählstränge der Grund für meine Wut und Trauer waren, die ich während des Lesens empfunden habe.
Aber mit den Gefühlen ist es wie mit der Liebe… Wahrscheinlich ist es schlimmer keine zu empfinden als negative?! Manchmal weiß ich keine Antwort auf diese Frage…

“Lizzy Carbon und die Wunder der Liebe” macht auf Grund Lizzys schonungslos ehrlicher Art, ihrem speziellen Humor und ihrer verpeilten Freundin Krissy sicher nicht weniger Spaß als der Auftaktband “Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer”, dennoch empfehle ich in hauptsächlich wegen Mario Fesslers Mut das Thema Liebe von Seiten auszuleuchten und Facetten dieses Gefühls darzustellen, die einige Menschen sicher lieber unter den Tisch kehren würden. Da diese Themen aber der Realität entsprechen, gehören sie auf jeden Fall in Jugendbücher, egal, wie manche Leser das sehen mögen.

Bewertung vom 04.06.2018
Das Chaos kommt selten allein / Lil April Bd.3
Gessner, Stephanie

Das Chaos kommt selten allein / Lil April Bd.3


ausgezeichnet

Schon bald heißt es für Lil und ihre Familie: Neubeginn in England, wo ihr Vater nach den Sommerferien eine neue Stelle antritt. Bevor es jedoch an das Abenteuer Umzug in ein anderes Land geht, steht Lil noch ein anderes bevor:

Trotz ihres jungen Alters hat sie den zweiten Platz für den Designworkshop der StyleIn in Berlin gewonnen und in den Sommerferien ist es nun soweit, dass sie dort auf die anderen Gewinner der Ausschreibung treffen wird und hoffentlich viele neue Erfahrungen sammeln kann. Nur leider fährt sie zu ihrem Leidwesen weder allein oder nur in Begleitung ihrer Eltern nach Berlin. Da es die letzten Sommerferien vor dem großen Umzug sind, haben Lils Eltern den Berlinaufenthalt kurzerhand zum Familienurlaub erklärt. So geht es nun mit Kind und Kegel in der größten Sommerhitze per Bahn in die Hauptstadt und die chaotische Großfamilie sorgt bereits für Trubel und Aufregung noch bevor ihr Zug den Bahnhof in München verlässt.

Im mittlerweile dritten Band der Reihe ist zwar Lils Workshopteilnahme der Aufhänger für die Story, trotzdessen kommt das “normale” Leben der Großfamilie auch in dieser Geschichte nicht zu kurz. Ganz im Gegenteil habe ich in diesem Band insbesondere Pego und Arti noch weitaus besser kennenlernen können.
Nachdem die Beziehung zwischen Lil und Dennis nun schon eine Weile beendet ist, lernt sie auf der Fahrt nach Berlin einen Jungen kennen, der vielleicht ihr Herz erobern könnte. Doch bis es soweit ist, sorgen viele Misserständnisse und Zerwürfnisse innerhalb von Familie und Freunden beinahe dafür, dass aus der zufälligen Begegnung nicht einmal eine Freundschaft geworden wäre…

Mit dem Ortswechsel von München nach Berlin bringt Stephanie Gessner viel frischen Wind in die Geschichte rund und Lil und ihre Großfamilie, zudem hat es mir unheimlich gut gefallen, dass der Fokus außer auf Lil auch stark auf ihrem Bruder Pego, ihrer Schwester Arti und den beiden Jungs Jari und Mats liegt, die die Familie auf der Zugfahrt nach Berlin kennengelernt hat. Obwohl Lils Familie wirklich groß ist und einige neue Charaktere eingeführt werden, gibt es nie Probleme alle Figuren auseinander zu halten, da Stephanie Gessner eine sehr liebevolle und detailgetreue Figurenzeichnung zu eigen ist. Auch wenn dieser Geschichte bereits zwei Bände vorausgegangen sind, lernt man noch ganz neue Facetten und Eigenschaften an den Figuren kennen, so ist mir Pego in diesem Band tatsächlich ans Herz gewachsen, ungeachtet dessen, dass ich bis dahin ab und an meine Schwierigkeiten mit seinem Charakter hatte.

Die Story ist sehr abwechslungsreich. Im Designworkshop erfährt man nicht nur viel Wissenswertes rund um Lils liebstes Hobby, man bekommt dort auch hautnah Konkurrenzdenken mit, dass heutzutage schon in jungen Jahren viel zu sehr eines jeden Leben bestimmt. Es zählen nur noch Ergebnisse, es zählt nur noch der erste Platz, viele vergessen darüber, wie wichtig Freundschaft und Hilfe untereinander ist. Dieses Denken und Handeln erlebt man jedoch nicht nur zwischen den Workshopteilnehmern, sondern auch anderen in den Workshop invovierten Figuren, worüber ich aber nichts weiter verraten möchte, da vieles erst gegen Ende des Buches ans Tageslicht kommt.
Dieses Thema und noch sehr viel mehr, bringt Stephanie Gessner dem Leser nicht nur über den Designworkshop nahe, sondern auch durch das Verhalten der April-Geschwister untereinander und der Jungsfreundschaft zwischen Jari und Mats. Es geht um Vertrauen, Zusammenhalt, Pflichtbewusstsein oder auch darum für andere Zurückzustecken, beziehungsweise darüber nachzudenken, wie das eigene Verhalten, oder das Durchboxen eigener Ziele, sich (negativ) auf das Leben der Mitmenschen auswirken kann.

Stephanie Gessner hat mich wiederholt damit begeistert, dass eine so liebenswerte und humorvolle Jugendbuchreihe gleichermaßen so tiefsinnig und lehrreich sein kann.
Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Bewertung vom 16.04.2018
Mord erster Klasse
Stevens, Robin

Mord erster Klasse


ausgezeichnet

Nach "Mord ist nichts für junge Damen" und "Teestunde mit Todesfall" ermitteln Daisy und Hazel mittlerweile in ihrem dritten Fall. Nach Morden in ihrem Mädcheninternat Deepdean und Daisys Zuhause Fallingford hat Robin Stevens die beiden in ihrem dritten Abenteuer in ihrer persönlichen Hommage an Agatha Christies "Mord im Orient Express" in ebendiesen Zug gesetzt, wo sie im Laufe der Reise mit ihrem dritten Fall konfrontiert werden. Hazels Vater hat die beiden in den Ferien unter seine Fittiche genommen und will mit ihnen eine abenteuerliche Reise unternehmen, wobei diese jedoch keine detektivischen Ermittlungen einschließen sollte... Für junge Damen geziemt sich ein solches Verhalten schließlich nicht und Hazels Vater hat einen strengen Blick auf die standesgemäße Erziehung seiner Tochter. Doch Daisy und Hazel wären nicht sie selbst, wenn sie es nicht sogar in der Enge eines Zuges schaffen würden an ihrer Aufsichtsperson vorbei ihrer Detektivarbeit nachzugehen, zumal sie doch bereits zweimal bewiesen haben, dass die Erwachsenen einfach nicht in der Lage sind Mordfälle ohne ihre fachmännische Hilfe zu lösen.
Ein teils seltsames Volk treibt auf der Fahrt im Orient Express sein Wesen. Die beiden treffen auf alte Bekannte sowie neue Figuren wie einen berühmten Entfesselungskünstler, einen Kriminalautoren, ein Medium, eine russische Adelige, sowie ein reiches Ehepaar, und allesamt scheinen Motive für den Mord zu haben, der bald an Bord des Orient Expresses geschieht... Können Daisy und Hazel zum wiederholten Male ihr detektivisches Können unter Beweis stellen oder stellt die Enge des Tatorts die beiden vor ein unlösbares Problem?

Mit "Mord erster Klasse" huldigt Robin Stevens einem ihren größten Vorbilder. Im Nachwort erzählt sie davon, mit welcher Begeisterung sie im Teenageralter zum ersten Mal "Mord im Orient Express" gelesen hat. Mit Bravour setzt sie einen Fall in Szene, der vom Tatort eng abgesteckt ist, doch ist es in solchen Fällen gerade der begrenzte Spielraum der Figuren, der für Spannung und Nervenkitzel sorgt. Auch wenn durch die Gegebenheiten die Zahl der Verdächtigen begrenzter ist als es an anderen Handlungsorten der Fall sein mag, so sorgen die ebenso zahlreich vorhandenen Tatmotive dafür, dass der Leser bis zum Ende miträtseln kann, wer wohl dieses Mal der Tat schuldig ist. Nicht alleine der inszenierte Mordfall sorgt für ein großes Lesevergnügen, auch die außergewöhnlichen Figuren, die für dieses Szenario der Feder Robin Stevens entsprungen sind, sowie die historischen Bezüge zu den 30er Jahren, in denen die Reihe spielt.

Auch im dritten Fall von Wells und Wong weiß Robin Stevens mit ihren beiden jugendlichen Ermittlerinnen die Leserschaft zu begeistern. Jedesmal ein anderer Handlungsort und historische Bezüge bringen mit jedem Fall frische Reize, so dass ich mich schon sehr auf die weiteren Fälle der beiden Mädchen freue und gespannt bin, mit welcher Tat an welchem Ort sie es beim nächsten Mal zu tun haben!

Reihen-Info:
Murder most unladylike (Mord ist nichts für junge Damen)
Arsenic for tea (Teestunde mit Todesfall)
First class murder (Mord erster Klasse)
Jolly foul play (Feuerwerk mit Todesfolge)
Mistletoe and murder
Cream buns and crime: A murder most unladylike collection
A spoonfull of murder
BOOK 7 COMING SOON