Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 686 Bewertungen
Bewertung vom 28.09.2017
Mein tierischer Faltspass

Mein tierischer Faltspass


ausgezeichnet

"Mein tierischer Bastelspaß" beinhaltet 28 tolle Tiere zum Falten, die dank der Perforation und den Einsteckschlitzen ohne Schere und Kleber gebastelt werden können.
Das Buch ist sehr hochwertig gestaltet, es besitzt sogar einen Schutzumschlag und eine Möglichkeit, um den Namen des Besitzers einzutragen.
Alle Seiten sind aus einer stabilen Kartonage, damit die Tiere später einen sicheren und stabilen Stand haben.
Auf der ersten Doppelseite im Buch sind alle Tiere in klein abgebildet, so hat man auf einem Blick die Übersicht, welche Tiere im Buch enthalten sind und wie man die Gesichter gestalten kann. Denn eine Besonderheit haben die Tiere: die Grundform ist zwar vorgegeben, aber ein gewisses Maß an Kreativität fließt dennoch in den Faltspaß hinein, denn die Fellmuster und Gesichter müssen noch aufgemalt werden. Dank des stabilen Materials geht das auch sehr gut, denn hier scheinen keine Stifte auf die Rückseite durch. Neben Filzstiften kann man auch Stempel oder Wachsmalstifte zum Gestalten der Tiere verwenden. Dies wird bei einigen Tieren sogar explizit empfohlen und erklärt. Zum Beispiel, wie man Stempel aus Radiergummis selbst herstellen kann oder dass Korken tolle Stempel darstellen, um einen Schildkrötenpanzer zu bestempeln oder großformatige Flächen wie ein Hunde- oder ein Pandafell.
Das Buch bietet also nicht nur 28fachen Faltspaß, sondern darüber hinaus einige kreative Ideen, die man noch anderweitig anwenden kann, wenn man alle Tiere aus dem Buch gebastelt hat.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich überaus gelungen. Preislich ist das Buch in einem Segment angesiedelt, dass es sich gut zum Verschenken eignet, ich kann es mir aber auch als Bastelspaß für einen Kindergeburtstag sehr gut vorstellen.
Die fertig gebastelten Tiere kann man entweder zur Dekoration aufstellen oder sich Geschichten ausdenken und mit ihnen nachspielen.
Dank der Umsetzung ohne Schere und Kleber ist "Mein tierischer Faltspaß" eine kreative Idee, die schon mit kleinen Kindern im Kindergartenalter umgesetzt werden kann. Trotz der Vorgaben kann man sich dennoch kreativ austoben und da insgesamt 28 Modelle enthalten sind, hält der kreative Spaß eine ganze Weile vor!

Bewertung vom 16.09.2017
Deine letzte Nachricht. Für immer.
Trunko, Emily

Deine letzte Nachricht. Für immer.


sehr gut

Nach "Ich wollte nur, dass du noch weißt...: Nie verschickte Briefe" ist "Deine letzte Nachricht. Für immer." das zweite Buch der Bloggerin Emily Trunko. In diesem Buch hat sie diesemal die letzten Nachrichten gesammelt, die Leser ihres Blog von geliebten Menschen erhalten und an Emily eingesendet haben.
Wie schon das erste Buch mit nie abgeschickten Briefen ist auch diese Sammlung wieder aufwendig illustriert, wobei mir der Stil von Lisa Congdon - der Illustratorin von "Ich wollte nur, dass du noch weißt..." - etwas mehr zusagt als der von Zoe Ingram, die "Deine letzte Nachricht. Für immer." illustriert hat.
Im Vorwort geht Emily Trunko auf den Inhalt des Buches ein, im Nachwort ist nachzulesen, wohin man seine letzten Nachrichten einsenden kann, falls die vorliegende Sammlung einen dazu inspiriert hat, ebenfalls Teil der stetig wachsenden Online-Community zu werden und dort Unterstützung finden möchte.

Oftmals sind die Erklärungen unter den eigentlichen letzten Nachrichten länger als die Nachricht selbst. Das Traurige liegt eben häufiger nicht in der Nachricht an sich begründet, sondern an dem Umstand, dass es die letzten Worte eines geliebten Menschen waren. So berühren die Nachrichten mal mehr und mal weniger, aber die Umstände, warum diese Nachricht zu einer letzten Nachricht geworden ist, umso mehr. Hier gibt es die unterschiedlichsten Umstände. Tod durch Unfall oder Krankheit eines geliebten Menschen, eine Freundschaft, die in die Brüche ging, eines Beziehung, die per SMS oder WhatsApp beendet wurde. Die Geschichten, bei denen jemand durch den Tod die letzten Worte eines geliebten Menschen erreicht haben, haben mich in der Regel meist mehr berührt als die anderen Geschichten. Unter diesen fanden sich zwar auch emotionale und bewegende Ereignisse, aber einige Storys fand ich auch belanglos, hin und wieder wiederholten sich auch die Umstände, auch wenn die letzten Worten andere waren.

Auch wenn mich die Nachrichten, beziehungsweise die Hintergründe dazu, nicht immer emotional abholen konnten, so ist diese Sammlung letzter Worte dennoch ein beeindruckendes und empfehlenswertes Buch, was nicht zuletzt dank der liebevollen und hochwertigen Aufmachung ein Schatz im Regal ist.
Zudem regt es zum Nachdenken an, dass man seine Worte immer mit Bedacht wählen sollte... Es könnten jederzeit die letzten sein! Und ganz ehrlich... so praktisch es oft ist in der heutigen Zeit dank SMS, Messenger und WhatsApp schneller kommunizieren zu können als zu Zeiten der analogen Post - ist das eine Entschuldigung dafür nicht ein Mindestmaß an Anstand bewahren zu können und den Mut aufzubringen gewisse Dinge einem Menschen von Auge zu Auge sagen zu können? Neben den berührenden Nachrichten von verstorbenen Menschen war es vor allem das Entsetzen darüber, dass heutzutage anscheinend so viele den schriftlichen Weg wählen Kritik zu üben oder gar Beziehungen ein Ende zu setzen, was mich an diesem Buch am meisten bewegt hat.
Ich für meinen Teil versuche in jedem Fall für mich aus der Lektüre die Konsequenz zu ziehen, dass ich das geschriebene Wort bewusster und im besten Fall mit einem positiven Inhalt einsetzen werde, wenn ich Nachrichten an Freunde und Familie verschicke.

Bewertung vom 16.09.2017
Almost a Fairy Tale
Lang, Mara

Almost a Fairy Tale


sehr gut

"Verwunschen" ist der Auftakt der "Almost a Fairy Tale" Dilogie von Mara Lang, in der die Autorin eine hoch technisierte Welt mit Märchenelementen erschaffen hat.
Zu Beginn der Geschichte stürzen die Ereignisse nur so auf den Leser herein und man lernt sehr schnell die meisten der hauptsächlich agierenden Personen kennen, so dass ich eine Weile gebraucht habe, um richtig in die Story hineinzufinden, eine Bindung zu den Figuren zu entwickeln und komplett hinter das gesellschaftliche und politische Gefüge von Mara Langs erschaffener Märchenwelt zu steigen. Wenn man jedoch erstmal richtig in der Geschichte Fuß gefasst hat, kann man sich Mara Langs Ideenreichtum und Weltengefüge sowie ihrem lockeren Schreibstil nicht mehr entziehen. Wobei die Geschichte zwar viele witzige Elemente, aber auch erstaunlich viele ernste und teilweise düstere Szenen enthält. Nach dem lockeren Beginn, der ein wenig wie "Sex in the City" im Märchenland anmutete, hätte ich mit so viel Tiefgang und einer höchst komplexen Handlung kaum gerechnet und wurde auf das Angenehmste überrascht!

Eine der Hauptfiguren ist die junge Magische Natalie, die ihr Herz an Prinz Kilian verloren hat. In einer brenzligen Sitution, in der Natalie Kilian unterstützen will, als er mit einem Einsatz als Agent der OMB an seine Grenzen zu geraten droht, benutzt sie jedoch verbotenerweise Magie und damit gerät sie in einen Strudel unangenehmer, teilweise lebensgefährlicher Ereignisse, die nicht nur ihr eigenes Leben auf den Kopf stellen, sondern auch das ihrer Familie und Freunde beeinflussen oder gar zerstören. Damit komme ich zu dem großen politischen Thema, dass sich wie ein roter Faden durch die Storyline zieht - den beiden Völkern, die Mara Langs Welt bevölkern. Dies zum zum einen Magische, wie Natalie, und die Menschen, zu denen Prinz Kilian, aber auch ihre beste Freundin Jolly und deren Schwester Paige gehören. Da die Geschichte abwechselnd aus Sicht der drei Figuren Natalie, Killian und Paige erzählt wird, kann man sich in beide Seiten sehr gut hineinversetzen und erhält einen umfassenden Einblick in die Intrigen und Machenschaften beider Seiten, wobei die Autorin den Spannungsbogen gekonnt bis zum - vorläufigen - Ende erhöht und immer wieder Elemente einbringt, die für neue Überraschungen sorgen.
Durch die drei Erzählperspektiven fällt es nach und nach auch leichter mit der doch recht hohen Anzahl an wichtigen Figuren zurechtzukommen, mit denen ich in den ersten Kapiteln doch heillos überfordert war. Wem es genauso geht, sollte sich nicht entmutigen lassen, die Verwirrung legt sich wirklich schnell und weicht einer uneingeschränkten Begeisterung für die erschaffene Märchenwelt.

Auch wenn der Einstieg in die Dilogie für meinen Geschmack etwas zu schnell und überbordend war, so bietet der Auftaktband letzten Endes doch alles, was man sich von einer Geschichte, die in der Urban Fantasy angesiedelt ist, wünschen kann: eine leicht nachvollziehbare Welt mit modernen, gut konzipierten Elementen, einen fesselnden und sich bis zum Ende hin stetig steigenden Spannungsbogen, so dass man froh sein kann, dass der Abschlussband des Zweiteilers nur ein halbes Jahr auf sich warten lässt, und interessante und grundverschiedene Figuren, die den Plot mit Leben füllen und für jede Menge Abwechslung und Lesevergnügen sorgen!
Da ich jetzt alle Personen dieses Romans und die anspruchsvolle und mit einem höchst aktuellen politischen Hintergrund versehene Gesellschaftsstruktur kenne und verstehe, freue ich mich sehr auf den zweiten und abschließenden Band der Dilogie und könnte darauf schwören, dass dieser den Auftaktband noch überbieten wird!

Reihen-Info:
Almost a Fairy Tale:
Verwunschen
Vergessen (16. Februar 2018)

Bewertung vom 13.09.2017
Blütenpracht und Schmetterlingszauber
Jones, Rebecca

Blütenpracht und Schmetterlingszauber


ausgezeichnet

"Blütenpracht und Schmetterlingszauber" unterscheidet sich von der Vielzahl an Ausmalbüchern, die in den letzten Monaten den Buchmarkt überschwemmt haben. Denn hier findet man nicht nur Motive zum Ausmalen, die ausgemalten Seiten können im Anschluss an die kreative Auszeit als Postkarten und Umschläge aus dem Buch herausgetrennt und versendet werden.
Zum Thema Blumen und Schmetterlinge befinden sich je 24 Postkarten, Umschläge und Sticker darin. Sehr gut gefällt mir, dass die Briefumschläge beidseitig bedruckt sind, so dass das Optimum an Ausmalvergnügen garantiert ist.
In der vorderen Umschlagklappe befindet sich eine kurze Anleitung zum Heraustrennen der Karten und Umschläge sowie zum Falten der Umschläge.
Die Postkarten entsprechen von der Papierqualität einer dünnen Kartonage, die Umschläge sind jedoch wesentlich dünner, daher empfehle ich diese nicht mit Filzstiften auszumalen, sondern mit Buntstiften, da die Farbe der Filzstifte je nach Stiftqualität auf die Rückseite der Papiere durchgeht.

Außer dem frühlingshaften "Blütenpracht und Schmetterlingszauber" sind weitere Ausmalbücher mit Postkarten und Umschlägen zum Verschicken von Rebecca Jones erschienen, in ihrem deutschen Verlag zwar nur "Farbenfrohe Weihnachtspost", welches in der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit sicher für den einen oder anderen interessant sein dürfte, auf englisch gibt es jedoch noch weitere Titel von ihr.

Wer die Karten nicht persönlich überreicht, beispielsweise als Zugabe zu einem Präsent, oder als Glückwunschkarte in einem Paket mitversendet, der sollte darauf achten, dass auf Grund des Formats von 14cmx14cm Porto für einen Großbrief fällig wird.

Für Leute, die sich gerne beim Ausmalen eine kreative Auszeit nehmen, aber zuätzlich einen Nutzen aus ihren Werken ziehen wollen, bietet "Blütenpracht und Schmetterlingszauber" die richtige Wahl!

Bewertung vom 23.08.2017
Schandglocke
Weichmann, Helge

Schandglocke


ausgezeichnet

Im neuen Roman von Helge Weichmann erwartet den Leser nach dem Stand-Alone "Schwarze Sonne Roter Hahn" in "Schandglocke" endlich ein neues Abenteuer der beiden ungleichen Ermittler Ernstine "Tinne" Nachtigall und Elmar "Elvis" Wissmann.

Tinne besucht in einem Seniorenheim einen früheren Dozenten aus ihrer Studienzeit, der Mann leidet an Demenz und ihr Besuch ist von der Krankheit überschattet. Scheinbar wirres Zeug erzählt er Tinne, zusammenhanglose Satzfetzen, die nichts miteinander zu tun haben, trotzdem oder gerade deswegen, notiert sich Tinne während dem Besuch alles stichwortartig. So kennt sie ihren damaligen Lehrer nicht und sie ist dementsprechend mitgenommen von ihrem Besuch. Nur kurz darauf verschwindet der alte Mann aus dem Seniorenheim und wird wenig später tot in der Stephanskirche in Mainz aufgefunden. Die Ermittlungen der Polizei ergeben jedoch, dass weder ein Unfall noch ein Selbstmord die Ursache dafür gewesen sein kann, wie man den Professor aufgefunden hat und schon befinden sich Tinne und Elvis mitten in einem kriminalistischen Puzzle, das sie zurück in die Zeit Napoleons führt. Doch was haben der Schinderhannes, die Kupferbergterrassen und eine Schrebergartenanlage mit dem Geheimnis zu tun? Immer tiefer graben sich Tinne und Elvis in das Geheimnis, welches für Tinne letzten Endes tatsächlich unter die Erde führt und beinahe tödlich endet...

Auch im vierten Teil der Schand-Reihe gelingt es Helge Weichmann einen aktuellen Kriminalfall mit geschichtlichen Hintergründen zu verknüpfen, die zum größten Teil tatsächlich belegt sind und den Leser auf eine historische und geologische "Rheinhessenrundfahrt" mitnehmen. Für den humorvollen Aspekt sorgen diesesmal die Vorbereitungen für die 200 Jahre Rheinhessen Festivitäten, die im Jahre 2016 stattfanden, und bei denen Elvis zum Gesicht Rheinhessens gekührt wurde, als das er für verschiedene Werbespots und Plakate öffentlich in Erscheinung treten muss. Auch Tinnes WG-Kommune hat zahlreiche Auftritte in "Schandglocke" und die dringend notwendige Renovierung des Hauses, in der die WG ihr Zuhause hat ist ein weiterer Erzählstrang im vierten Abenteuer der beiden ungleichen Helden, der einerseits für Ablenkung vom eigentlich Fall sorgt, andererseits aber genau die 200 Jahre Rheinhessenfeier auch ein Puzzleteilchen für Weichmanns Gesamtkonzeption des Falles darstellt.
Ich war am Ende wieder einmal sehr begeistert davon, mit welcher Sorgfalt und welchem Einfallsreichtum Helge Weichmann historische, rheinhessische und selbst kreierte Puzzleteilchen Stück für Stück zusammenträgt und zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft. Zudem waren mir zwar einige geschichtliche Ereignisse vor der Lektüre von "Schandglocke" bekannt, aber es gab doch so einiges, was ich erst durch diesen Roman erfahren habe.
Die Romane der Schand-Reihe sind dank Weichmanns Schreibstil locker zu lesen und auf Grund der unkonventionellen Hauptfiguren und seines Humors auch oftmals sehr witzig, gleichzeitig sind sie aber auch durchaus anspruchsvoll, weil er versucht seine künstlerische Freiheit auf ein notwendiges Minimum zu beschränken und fast alles auf historisch belegten Fakten beruht und die Geschehnisse meistens in drei verschiedenen Zeitebenen aufeinander aufbauen: aus einem Fall, der lange zurückliegt, einem Ereignis aus der jüngeren Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen.
Ich hoffe sehr, dass Tinne und Elvis auch in Zukunft in Kriminalfälle verwickelt werden, auch wenn Kommissar Pelizaeus sicherlich etwas dagegen hat, wenn sich Tinne weiterhin in Lebensgefahr begibt ;) Außerdem möchte ich doch zu gerne weiterlesen, wie sich die Beziehung zwischen Tinne und "ihrem" Kommissar weiterentwickelt - also bitte weiterschreiben Herr Weichmann!

Reihen-Info:
Schandgrab
Schandgold
Schandkreuz

Bewertung vom 21.08.2017
Amrita. Am Ende beginnt der Anfang
Khorana, Aditi

Amrita. Am Ende beginnt der Anfang


sehr gut

Amrita, die sechszehnjährige Prinzessin von Shalingar soll mit dem despotischen Herrscher von Makedon verheiratet werden, damit der Frieden bewahrt bleibt. Sikander spielt jedoch falsches Spiel und Amritas Herz ist an einen anderen vergeben. Als Sikander ihr die Seherin Thala zum Geschenk macht, wird offensichtlich, dass er mit falschen Karten spielt und Amrita ergreift mit ihrer Liebe Arjun und der Seherin Thala die Flucht. Sikander braucht nur Augenblicke, um Amritas Welt zu zerstören. Nun liegt die Hoffnung in der "Bibliothek des Seins", in der für jeden Menschen ein Buch steht, welches neu geschrieben werden kann. Ob Amrita es schafft die "Bibliothek des Seins" zu finden und die Zerstörungen und Morde durch Sikander rückgängig zu machen?

Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine magische Reise, die mit Wendungen aufwartet, die man zu Beginn der Geschichte nicht für möglich gehalten hätte. Denn was zu Beginn wie eine bloße Geschichte ähnlich 1001 Nacht wirkt mit authentisch orientalischem Flair, entpuppt sich mehr und mehr als eine magische Reise, die zwar auch im weiteren Verlauf diesen morgenländischen Touch beibehält, aber fantastische Elemente offenbart, die frisch und unverbraucht sind. Von den auftretenden fantastischen Figuren habe ich noch in keiner anderen Geschichte gelesen und die Entwicklung und insbesondere das Ende der Geschichte fand ich überraschend und kaum vorhersehbar.

Leider bin ich nicht ohne Kritik, auch wenn mich die erfrischenden Ideen und der lockere Schreibstil flott durch das Buch getrieben haben. Die Emotionen kamen mir bei den meisten Figuren zu kurz, so konnte ich nicht einmal zu Amrita eine tiefe Bindung entwickeln, obwohl sie mir durchaus sympathisch war. Arjun und ein weiterer männlicher Charakter hätten für meinen Geschmack eine größere Rolle in der Geschichte einnehmen dürfen. Des Weiteren lösten sich einige Probleme auf der Flucht Amritas und Thalas zu schnell in Luft auf, Schwierigkeiten wurden fast auf Anhieb gelöst, Hürden ohne großen Einsatz umgangen, das nahm der Geschichte einiges an Spannung.

Wer gerne fantastisch angehauchte Geschichten mit orientalischem Flair liest, liegt mit "Amrita: Am Ende beginnt der Anfang" goldrichtig. Die Ideen sind unverbraucht und der Schreibstil wunderbar zu lesen. Trotz der Kritik an der Charakterausarbeitung und dem stellenweise zu reibungslosen Ablauf, was das Auffinden der "Bibliothek des Seins" durch die beiden Heldinnen Amrita und Thala angeht, ist die Geschichte empfehlenswert!

Bewertung vom 14.08.2017
Hannover - unterm Schwanz und ümme Ecke
Hänel, Wolfram; Gerold, Ulrike

Hannover - unterm Schwanz und ümme Ecke


ausgezeichnet

Neben Regionen, die in der Reihe "Lieblingsplätze" in einer Mischung aus persönlichem Reisebericht und Reiseführer vorgestellt werden, gibt es auch Bände, die sich einzelnen Städten widmen.
In "Hannover unterm Schwanz und ümme Ecke" stellt das Autorenduo Hänel und Gerold 66 Lieblingsplätze und 11 Kneipen aus der - wie sie selbst sagen - liebenswerten Provinzhauptstadt mit kleinen Macken vor.
Alle Punkte sind mit einer bildhaften Überschrift übertitelt, gleichzeitig wird in vorangestellten Inhaltsverzeichnis aber auch aufgeführt, um welchen Lieblingsplatz es sich handelt, denn außer Einheimischen dürften wohl die wenigsten etwas mit Aussagen wie "Der Bauch von Hannover", "Das Versailles des Nordens" oder aber "unterm Schwanz" anfangen können.
Der Inhalt besteht aus Tipps, die sich direkt in Hannover befinden, also "unterm Schwanz" und Lieblingsplätzen aus dem Umland, eben "ümme Ecke". Abgerundet wird das Ganze durch eine Karte und ein Register im Anhang, so dass sich auch Urlauber und Besucher der Stadt schnell und einfach zurechtfinden.
Wie ich es schon von anderen Titeln aus der Reihe Lieblingsplätze kenne, werden die einzelnen Plätze und Lokationen in Text und Bild vorgestellt. Die Mischung aus geschichtlichen Hintergründen, Entstehungsgeschichten einzelner Plätze und aktuellen Informationen ist auf jeden Fall für Einheimische als auch für Besucher der Stadt interessant, denn gerade die Kneipentipps oder Plätze wie Altstadt, Maschsee oder Markthalle sind ja Plätze, die man sowohl als Bewohner der Stadt als auch als Besucher derselbigen aufsuchen möchte. So ist "Hannover unterm Schwanz und ümme Ecke" sowohl ein Stück Reiseliteratur, um Lust auf einen Besuch zu wecken und dabei erste Informationen zu sammeln und Plätze zu entdecken, die einen Besuch lohnen, als auch ein schönes und interessantes Buch für Hannoveraner und Bewohner des Umlandes, die sich für die Hintergründe einzelner Gebäude und Plätze interessieren und vielleicht noch die eine oder andere Ecke entdecken möchten, die sich ihnen bislang verschlossen hat, denn eines haben die Lieblingsplätze gemein: hier werden viele Seiten einer Region oder einer Stadt aufgezeigt, die man in anderen Reise- oder Stadtführern oftmals vergeblich sucht.
Trotz einzelner und voneinander unabhängigen Topics liest sich das Buch sehr homogen und kurzweilig, die beiden Autoren schreiben nämlich nicht nur Sachbücher, sondern auch erzählende Literatur, und das merkt man diesem Buch auch sehr positiv an.

Bewertung vom 14.08.2017
Stadt der tanzenden Schatten
Older, Daniel J.

Stadt der tanzenden Schatten


sehr gut

Sierra Santiago verbringt die Ferien damit ein Kunstprojekt umzusetzen. An die Fassaden eines großen Turmes sprüht sie einen riesigen Drachen. Doch plötzlich fangen die vorhandenen Graffiti an zu weinen, bevor sie allmählich verblassen. Über ihren Großvater, der seit einem Schlaganfall eigentlich nur noch verständnisloses Zeug vor sich hinbrabbelt, erfährt sie in einem klaren Moment, dass sie einer Familie von "Shadowshapern" (Schattenbildnern) entstammt, die die Fähigkeit besitzt den Geist von Verstorbenen in die Bilder hineinfließen zu lassen und diese somit zum Leben erweckt. Ihr Großvater gibt ihr zu verstehen, dass er sehr dringend ist den Drachen fertig zu stellen, und dass sie sich dafür Hilfe eines Mitschülers holen soll, der ebenfalls Schattenbildner ist. Schon bald wird Sierra von unheimlichen Wesen verfolgt und gemeinsam mit Robbie, der die bei der Arbeit an ihrem Drachen unterstützt hat und sie in die Gemeinschaft der Schattenbildner eingeführt hat, versucht sie nicht nur ihr Leben zu retten, sondern den Geheimnissen dieses urbanen und magischen Totenkults auf die Spur zu kommen.

Die Idee hinter "Stadt der tanzenden Schatten" ist erfrischend und genial, trotzdem konnte Daniel José Older mich mit seinem Debüt nicht vollständig abholen.
Die Geschichte startet gleich zu Beginn sehr rasant mit den weinenden Graffiti und den geheimnisvollen Fragmenten, die sowohl bei Sierra als auch beim Leser Angst und Spannung schüren. Da die Geschichte aus Sierras Sicht erzählt wird, ist der Leser immer nur genauso schlau, was die Geheimnisse der Shadowshaper angeht wie sie, und nur nach und nach kommt man diesen auf die Spur, so dass man dank der anhaltenden Spannung und des flüssigen Schreibstils durch die bildhaften und kurzen Kapitel getrieben wird. Langeweile kommt an keiner Stelle auf, dennoch hätte ich mir manches Mal eine Atempause gewünscht, da die Schauplätze zwar zum Anfassen realistisch und detailliert geschildert werden, die Figuren aber recht oberflächlich und blass bleiben.
Außer Sierra, ihrer engsten Familie und Robbie, konnte ich ihre Freunde bis zum Ende kaum auseinanderhalten und habe die meisten Namen bereits kurz nach dem Lesen vergessen. Sierras Bruder Juan kommt bei weitem am authentischsten rüber, da der Autor ihm sein eigenes Hobby auf den Leib geschneidert hat, so singt Juan in einer Band und schreibt auch Songs und Texte, worunter einer ist, der Sierra gegen Ende des Buches auf die richtige Spur bringt, das Geheimnis um die Schattenbildner zu lösen.
Die Schauplätze Brooklyn und Coney Island werden jedoch sicher das Herz jedes New York Liebhabers höher schlagen lassen und das Manko der unzureichend ausgearbeiteten Figuren eher verzeihen können.
Die Passagen, in denen der Autor spanisches Vokabular verwendet, sind zwar sehr authentisch, leider stolpert man beim Lesen aber auch darüber, wenn man keine Kenntnisse in dieser Sprache besitzt, da die Bedeutung der eingesetzten Wörter weder als Fußnote noch in einem Glossar erklärt wird.
So fällt mir die Bewertung des Titels wirklich schwer, da viele Pluspunkte gleichzeitig einen Minuspunkt ergeben. Der rasante, durch die Erzählung treibende Stil sorgt für konstante Spannung, geht aber zu Lasten der Charaktere. Das verwendete Vokabular lässt Sierras puertorikanische Abstammung noch authentischer wirken, sorgt aber für Stolpersteine beim Lesen.
Insgesamt ist Older so ein Debüt gelungen, welches mit einer erfrischenden Idee punkten kann und eine stimmungsvolle, den Leser komplett vereinnahmende Atmosphäre erzeugt, nur in der Ausarbeitung der Charaktere hapert es noch, sowie den Leser an den richtigen Stellen "Atem holen" lassen, damit er eine Bindung zum Personal aufbauen und ab und an einen Moment innehalten kann, um die erlangten Informationen zu verarbeiten. Denn ich merke schon beim Schreiben: so schnell ich die Geschichte gelesen habe, so schnell werde ich den Inhalt auch vergessen.

Bewertung vom 11.08.2017
Halli Galli Party (Spiel)

Halli Galli Party (Spiel)


ausgezeichnet

Halli Galli Party ist eine neue Version des Spieleklassikers, die mehr Konzentration fordert als die altbekannte Variante.
Die Spielkarten sind zusammen mit der Spieleanleitung in einem Becher untergebracht, dessen Deckel gleichzeitig die benötigte Klingel für das Spiel darstellt. Der Becher ist stabil und platzsparend.
Im Gegensatz zu der klassischen Halli Galli Variante sind nicht Früchte in unterschiedlicher Anzahl auf den Karten abgebildet, sondern jeweils eine Frucht, die in unterschiedlichen Farben auftreten kann, d.h. nicht nur Bananen in gelb oder Erdbeeren in rot, sondern auch grüne Bananen oder gelbe Erdbeeren, und auf jeder Karte ein anderes Musikinstrument spielt.
Es gibt also drei Merkmale, die eine Karte auszeichnet: Frucht, Farbe, Instrument.
Wie beim klassischen Halli Galli muss geklingelt werden, wenn zwei aufgedeckte Karten ein bestimmtes Kriterium erfüllen: Entweder weisen sie mindestens zwei gleiche Merkmale auf oder eine der aufgedeckten Karten ist eine singende Pflaume, die in diesem Spiel die Funktion eines Jokers besitzt.
Durch die detailliertere Darstellung der Früchte und das Gegenchecken von gleich drei Merkmalen, ist Halli Galli Party eine viel größere Herausforderung an die Konzentration, dadurch können einem leichter Fehler unterlaufen beim Klingeln. Damit bleibt der Spielspaß von Halli Galli länger erhalten und es ist auch für ältere Kinder und Erwachsene weitaus interessanter als die einfachere klassische Variante.
Zudem ist es durch die pfiffige Verpackung noch besser als Reisespiel geeignet, denn der Becher ist kompakter und stabiler als die Pappverpackung des klassischen Halli Gallis.
Bis jetzt haben wir Halli Galli Party nur zu zweit gespielt und fanden es schon sehr herausfordernd, mit drei oder vier Spielern steigt die Anforderung meiner Meinung nach noch um einiges, da man statt zwei Stapel aufgedeckter Karten drei beziehungsweise vier im Auge behalten muss.
Wer Halli Galli mag und dennoch an einem Punkt angelangt ist, dass er von dem Spieleklassiker nicht mehr gefordert wird, dem empfehle ich zu Halli Galli Party zu greifen, denn der Spielespaß ist weiterhin groß, aber die Konzentration der einzelnen Spieler wird weit mehr gefordert!

Bewertung vom 06.08.2017
Vom Suchen und Finden
Oppel, Kenneth

Vom Suchen und Finden


ausgezeichnet

Mit "Vom Suchen und Finden" hat Kenneth Oppel eine Geschichte geschrieben, welche von der Arbeit der beiden zukunftsweisenden Paläontologen Edward Drinkwater Cope und Othniel Charles Marsh inspiriert wurde. Oppel führt die historischen Hintergründe, die als Grundlage für die Handlung seines aktuellen Romans gedient haben, in seiner Danksagung auf.

"Vom Suchen und Finden" spielt in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und erzählt den Konkurrenzkampf zweier amerikanischer Paläontologen mit unterschiedlichem Bildungs- und Arbeitshintergrund. Während Professor Bolts Ruhm und Bekanntheit in erster Linie auf seinen zahlreichen Publikationen beruht, kann sich Professor Cartland dafür auf eine renommierte Anstellung berufen. Zwischen den beiden kommt es zu einer Eskalation, als Professor Bolt einen neu entdeckten Dinosaurier der Öffentlichkeit präsentiert und Professor Cartland einen Fehler in dessen Arbeit vor versammeltem Publikum aufdeckt. Neben dem Konkurrenzkampf zweier Wissenschaftler kommt jedoch von Beginn an eine Liebesgeschichte ins Spiel, die von Romeo und Julia inspiriert ist: wie es bei diesen beiden zwei verfeindete Familien waren, die sich gegen eine Verbindung ausgesprochen haben, so sind es hier die miteinander konkurrierenden Paläontologen Bolt und Cartland, denn die beiden jungen Erwachsenen, die sich ineinander verlieben sind Bolts Sohn Samuel und Cartlands Tochter Rachel.

Kaum zurück von der für Professor Bolts Ansehen desaströsen Veranstaltung, findet Sam in dem Durcheinander ihrer Wohnung eine Kiste, in dem sich ein großartiger fossiler Fund befindet, ein riesiger Zahn eines fleischfressenden Dinosauriers, ein Fund, wie es bis dato noch keinen vergleichbaren gab!
Bolt telegrafiert dem Finder und Sender des Zahns zwar postwendend zurück, dass er an Ausgrabungen interessiert sei und er den Fund nicht weiter publik machen soll, dummerweise lag das Paket jedoch über Wochen in seiner vollgestellten Wohnung und in der Zwischenzeit weiß auch sein ärgster Konkurrent um den bahnbrechenden Fund...

Kenneth Oppel gelingt mit "Vom Suchen zu Finden" eine fesselnde Geschichte zwischen einem wissenschaftlich inspirierten Abenteuer und einer Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des späten neunzehnten Jahrhunderts. Besonders Rachel Cartland hat hier mit Widrigkeiten zu kämpfen, da es zu dieser Zeit weder üblich ist, dass Frauen studieren und einen wissenschaftlichen Beruf ergreifen, noch, dass sie Entgegen der Zustimmung ihrer Eltern ihren Partner frei wählt. Auch Sam ist ein sympathischer Charakter, wirkt aber lange nicht so stark und fest in seinem Beschluss wie Rachel.
Die Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht dieser beiden erzählt, da die Sicht auch innerhalb eines Kapitels hin und her springt, wurden zwei unterschiedliche Schrifttypen gewählt, so dass man zu jeder Zeit weiß, aus wessen Sicht die Geschichte gerade erzählt wird.
Neben der interessanten Arbeit der Paläontologen und der Liebesgeschichte zwischen Rachel und Samuel spielt auch die Geschichte und die Tradition der Ureinwohner Amerikas eine Rolle. In diesem Teil der Handlung wird es durchaus mysteriös und es lässt sich nicht immer alles mit der Naturwissenschaft erklären!

Mit vom "Vom Suchen und Finden" ist Kenneth Oppel wieder ein fesselnder, abenteuerlicher Roman gelungen, der sowohl mit seinem hervorragend recherchierten geschichtlichen Hintergrund punkten kann, als auch mit den gut ausgearbeiteten Charakteren, die einen sehr guten Einblick in die damalige Gesellschaft vermitteln. Hier möchte ich vor allem noch einmal Rachel hervorheben, die für ihre berufliches und privates Glück kämpft und für vieles steht, was heute für die Frauen so selbstverständlich erscheint.
Durch das Alter der beiden Protagonisten und die Beschreibung der Beziehung zwischen den beiden ist "Vom Suchen und Finden" um einiges erwachsener als Kenneth Oppels Abenteuerroman "The Boundless" (dt. Danger Express).

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