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Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 793 Bewertungen
Bewertung vom 19.02.2019
Das Geheimnis von Arranmore / Sturmwächter Bd.1
Doyle, Catherine

Das Geheimnis von Arranmore / Sturmwächter Bd.1


gut

Der elfjährige Fionn Boyle verbringt den Sommer gemeinsam mit seiner Schwester Tara auf der irischen Insel Arranmore. Dort lebt sein Großvater als Sturmwächter der Insel und beschützt deren Bewohner vor der dunklen Macht einer Zauberin, die in den Tiefen Arranmores schläft.
In diesem Sommer erfährt Fionn, dass aus seiner Familie bereits eine ganze Reihe Sturmwächter hervorgegangen sind und auch er dieses Erbe in sich trägt. Es beginnen Ferien, die geprägt sind von Magie, Gefahr und Reisen in vergangene Zeiten, welches den Sturmwächtern durch magische Kerzen, in denen Erinnerungen festgehalten sind, ermöglicht wird…

Der Auftakt der Sturmwächter-Reihe “Das Geheimnis von Arranmore” lässt mich zwiespältig zurück. Zum einen begeistert Catherine Doyle mit einem wunderbaren Setting und einer frischen Idee, von der ich so noch nie gelesen habe. Zudem gelingt es ihr schwierige Themen wie Verlust, Depression oder Demenz ganz beiläufg mit in die Handlung einzupflechten. Zum anderen konnte ich aber bis auf wenige Charaktere keine Verbindung zu dem Personal des Buches knüpfen. Sei es aus Antipathie oder weil die Autorin recht viele Personen nur am Rand präsentiert.
Fionn ist zu Beginn der Geschichte mit seiner trotzigen Art zwar noch nicht sonderlich sympathisch, aber er zieht den Leser im Laufe des Buches auf seine Seite, da er eine große Entwicklung durchmacht und charakterlich mit seiner Aufgabe, für die er vorherbestimmt scheint, wächst. Auch sein Großvater Malachy Boyle kann mit seiner ruhigen und besonnen Art überzeugen. Der Rest der Figuren ist für mich zumindest in diesem Auftaktband austauschbar.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und kindgerecht, man gleitet leicht durch die Seiten, zumal das Schriftbild angenehm groß ist und die Seiten somit nicht überladen von Text sind.
Für das angesprochene Lesepublikum sollte die Mischung aus Abenteuern und Rätseln passen, für ältere Leser fehlt es den Figuren an Tiefe. Andererseits bin ich mir etwas unsicher, ob die Geschichte für junge Leser an einigen Stellen nicht zu düster ist.
Das Ende von “Das Geheimnis von Arranmore” deutet an, dass es mit Fionn und den Sturmwächtern von Arranmore weitere Abenteuer zu bestehen gilt.

Bewertung vom 19.02.2019
Die kleine Hummel Bommel entdeckt die Wiese
Sabbag, Britta; Kelly, Maite

Die kleine Hummel Bommel entdeckt die Wiese


ausgezeichnet

Freunde von Bommel können ab sofort mit mit der abenteuerlustigen und aufgeweckten Hummel auf Entdeckungsreise gehen. Mit “Die kleine Hummel Bommel entdeckt die Wiese” liegt nun das erste Sachbuch vor, in dem uns die Hummel Bommel ihren Lebensraum – die Wiese – zeigt. Das Buch enthält zum einen viele Fotos, aber vor allem die bekannten und geliebten Illustrationen, wie der Leser sie aus den bisher erschienenen Abenteuern und Geschichten der Hummel Bommel kennt.

Dank hilfreichen Tipps können kleine Hummelfreunde deren Umfeld entdecken, dabei ist das Buch sehr gut untergliedert, so dass man den Lebensraum der Hummel Stück für Stück erforschen und verstehen kann und zahlreiche Pflanzen und weitere Tiere kennenlernt, die sich mit der Hummelfamilie die Wiese zum Leben teilen.

Das Buch ist untergliedert in die Rubriken:
– Willkommen auf der Wiese!
– Die Stockwerke einer Wiese
– Die Blumen auf der Wiese
– Werde Hummelexperte! Alles über uns Hummeln
– Warum wir Hummeln so wichtig sind
– Der Löwenzahn
– Meine Verwandten: die Bienen und die Wespen
– Die Schmetterlinge
– Die Marienkäfer
– Die Ameisen
– Die Schnecken
– Die Wiese in der Nacht
– Die Spinnen
– Die Feldlerche
– Welche großen Tiere leben noch auf der Wiese?
– Am Teich
– Es wird Herbst
– Die Wiese im Winter
– Wiesenquiz – Was gehört zusammen?

Wie ihr seht, gibt es in dem Buch unheimlich viel rund um Hummeln, deren Freunde, die Pflanzen, die sie zum Leben brauchen, und noch allerhand mehr zu entdecken!
In dem Buch steckt viel Wissen, aber auch Tipps zum Selbermachen, Ideen, wie man den Insekten helfen und ihren Lebensraum erhalten kann, und das erwähnte Wiesenquiz. Diese Dinge lockern das Design auf und unterbrechen die Texte, die Sachwissen vermitteln, spielerisch, so dass der Spaß an dem Buch lange erhalten bleibt.
Das Buch muss nicht von vorne noch hinten gelesen werden, man kann sich je nach Forscherdrang der Kinder einzelne Themen herauspicken und sie den kleinen Zuhörern näher bringen.
Ich finde es sehr gut, dass alle Tiere und Pflanzen neben den Darstellungen in den Illustrationen auch mit Foto abgebildet sind, da die Kinder diese Dinge ja auf der echten Wiese wiedererkennen sollen und nicht nur im Buch.

“Die kleine Hummel Bommel entdeckt die Wiese” ist ein wunderschön illustrierter Entdeckerspaß mit der beliebten Hummel für die kleinsten unter den Forschern! Dabei werden diese von der Hummel Bommel direkt angesprochen, so dass sie sich voll einbezogen fühlen.

Bewertung vom 14.02.2019
Das inoffizielle Harry-Potter-Backbuch
Grimm, Tom; Böhm, Katja

Das inoffizielle Harry-Potter-Backbuch


ausgezeichnet

Das inoffizielle Backbuch ist eine nette Geschenkidee für Potterheads. In den Rubriken “Wie frisch aus dem Honigktopf”, “Zauberhafte Kuchen und Torten”, “Muffin-Magie”, “Krasse Kekse”, “Brot und Brötchen”, “Desserts und Puddings” und “(Zauber)Tränke” findet man eine vielfältige Rezeptsammlung, die von Schokofröschen über Bananen-Toffee-Pie bis hin zu Butterbier reicht.

Vor jedem Rezept steht ein einleitender Text zu dem vorgestellten Rezept. Eine Erklärung, woher der Ursprung der Süßigkeit ist, oder ein Beispiel dafür, zu welchen Gelegenheiten diese Speise oder der Trank gereicht wurde. So ist das Buch nicht nur eine Fundgrube für – in erster Linie – süße Backerzeugnisse, sondern auch ein Rezeptsammlung, die zum Schmökern einlädt.

Die Rezepte werden alle mit Foto präsentiert, was vor allem bei den dekorativen Backerzeugnissen eine große Hilfe ist, da Motivgebäcke mit Fondant und anderen Verzierungen enthalten sind. Von der Rezeptauswahl sprechen mich diese jedoch weniger an, wenn es ums Nachbacken geht, wahrscheinlich würde ich diese Vorschläge höchstens für eine Mottoparty umsetzen. Beispielsweise machen die “Goldenen Schnatze2 optisch was her, aber von der Zutatenliste hören sie sich für mich geschmacklich nicht nach einem besonderen Genuss an.

Die Aufmachung erinnert mit dem sepiafarbenen Papier und der Zutatenliste auf einer Schriftrolle an ein Zauberbuch, das ist sehr stimmig in der Umsetzung und weckt sofort die Assoziation zu Harry Potter und hebt sich darüber hinaus von anderen Backbüchern ab.

Es sind alle wichtigen Angaben von Zutaten, Zubereitungszeit, entstehende Menge und Backtemperatur enthalten, die Zubereitungsfolge ist ausführlich beschrieben.
Ein Test erfolgte mit der Zubereitung des Bananen-Toffee-Pies, der gut gelungen ist und geschmacklich ebenfalls sehr gut war.
Etwas störend empfinde ich, dass gefühlt jeder Kuchen eine andere Größe von Backformen benötigt, beim bloßen Durchblättern habe ich allein die Größen mit Durchmesser 20, 22 und 26cm entdeckt.

Eine nette Geschenkidee für Harry Potter Fans, bei der es allerdings bei der Rezeptauswahl kleinere Kritikpunkte gibt.

Bewertung vom 14.02.2019
Seltene Tiere
Jenkins, Martin

Seltene Tiere


ausgezeichnet

“Seltene Tiere” ist bei weitem nicht das einzige (Bilder-)Buch auf dem Markt, welches sich mit vom Aussterben bedrohten Tierarten beschäftigt, es gibt aber wohl kaum ein zweites, welches einen solchen Eyecatcher darstellt durch das geniale Konzept, das Autor und Illustrator hier umgesetzt haben.
Die Tiere werden als großformatige Briefmarken präsentiert, wodurch man direkt Vergleiche zieht zu der Seltenheit und Kostbarkeit einiger dieser Wertzeichen. Die hier aufgeführten Tiere sind sozusagen die “Blaue Mauritius” der Fauna.

Die Gestaltung ist sehr graphisch und stilisiert, die Farbgestaltung bewegt sich in einem natürlichen Farbspektrum von Grün-, Braun- und Gelbtönen. Obwohl hier nichts verniedlicht dargestellt oder durch aufregende Farbgebung nach Aufmerksamkeit gehascht wird, ziehen die Seiten die Aufmerksamkeit fast magisch an. Durch das Briefmarkenkonzept werden die vorgestellten Tiere formatfüllend präsentiert, keine Hintergründe lenken von ihnen ab und oftmals scheinen sie den Betrachter direkt anzusehen, so dass man den Blick kaum von den Seiten nehmen kann.
Der Autor und Biologe Martin Jenkins wendet sich im Vorwort per Brief direkt an die Leser des Buches und versucht so ihre Aufmerksamkeit auf die Gefährdung der Tierwelt zu fokussieren und appelliert zur gleichen Zeit an sie, dass die Menschheit achtsamer werden muss.
Darauf folgend präsentiert das Inhaltsverzeichnis eine graphische Übersicht über die 30 vorgestellten Tierarten in diesem Buch. Das Inhaltsverzeichnis passt perfekt zum Rest der kongenialen Gestaltung: statt die 30 Tiere einfach mit zugehöriger Seitenzahl aufzuführen, bekommt man auf einer Doppelseite die “Briefmarken” im Kleinformat gezeigt.
Die Doppelseiten sind derart gestaltet, dass auf der rechten Seite jeweils die Briefmarke abgebildet ist mit dem Namen des Tieres, sowie seinem wissenschaftlichen Namen und dem Land, in dem es vorkommt. Auf der linken Seite findet man in einer Infotafel – wie man sie aus Zoologischen Gärten kennt – weitere Angaben wie Klasse, Familie, Status, Bestand und nochmals das Vorkommen. Der Rest der Informationen ist ausformuliert und höchst interessant zu lesen. Man erhält nicht einfach trockene Informationen, Martin Jenkins besitzt eine große Gabe Fakten derart in historische Hintergründe zu verpacken, dass sich dieses Sachbuch genauso kurzweilig wie ein Roman liest. Mit einer Schlagzeile erweckt er Aufmerksamkeit, zudem sind die Seiten durch graphische Muster des Illustrators Tom Frost aufgelockert.

“Seltene Tiere” ist eines dieser Bücher, das sich von Gestaltung und Informationsgehalt für alle Altersklassen eignet. Bei den kleinsten Lesern kann man das Interesse für die Tierwelt erwecken, Schulkinder können sich Informationen für den Unterricht daraus ziehen oder einfach ihre Neugier bezüglich seltenen Tierarten stillen und Erwachsene werden nicht an der außergewöhnlich schönen Aufmachung vorbeigehen können und erfahren selbst noch viel Wissenswertes über die hier präsentierten Tierarten, von dem sie vorher garantiert noch nie gehört oder gelesen haben.
Ich würde mir sehr wünschen, dass das Duo Jenkins/Frost noch weitere Bände dieser Art veröffentlicht. Das Buch ist einfach ein Traum!

Bereits die Covergestaltung bietet einen ersten Eindruck auf den Schatz im Inneren, den es zu erforschen gilt: der Eisbär und die Details der Briefmarke auf der Vorderseite sind in den Buchdeckel geprägt, auf der Rückseite sind 18 der 30 enthaltenen “Briefmarken” im Miniformat aufgeführt. Wer sich wie ich auf den ersten Blick in das Cover verliebt, sollte nicht lange überlegen, sondern sofort zugreifen.
Ein opulent ausgestatteter und mit Herzblut geschriebener Buchschatz zum Lesen, Lernen und Lieben!

Bewertung vom 07.02.2019
Januarrot
Liertz, Martina-Marie

Januarrot


ausgezeichnet

“Januarrot” ist ein lesbischer Frauenkrimi, der in Berlin wenige Jahre nach der Wende spielt.

Deborah Gronwalds Leidenschaften sind Frauen und Schuhe. Als sie sich eines Tages an die verführerischen Schuhe einer nicht minder verführerischen Passantin heftet, ahnt sie nicht, dass sie bald in zwei Mordfälle verwickelt sein wird.
Schnell keimt in Deborah der Verdacht, dass Louise – die attraktive Passantin – in den ersten Mordfall verwickelt ist, mit dem Deborah in Kontakt kommt. Dennoch kann sie weder ihr Verlangen nach Louise noch ihre Neugierde auf die Aufklärung des Mords zügeln, so dass sich nicht nur Deborahs und Louises Wege immer wieder kreuzen, sondern sich ernsthaftes Interesse zwischen den beiden entwickelt. Doch nicht nur Louise hat sich in Deborahs Leben und Herz gestohlen. Schon bald buhlt eine zweite, nicht minder geheimnisvolle Dame um einen festen Platz an Deborahs Seite, und mit der zweiten Frau zieht auch ein zweiter Mordfall einher…

Die Geschichte um Deborah, Detektivin wieder Willen, besticht vor allem durch eine ausgefeilte Sprache und einen feinen Wortwitz. Martina-Marie Liertz gelingt sowohl eine überzeugende Figurenzeichnung aller ihrer Charaktere, als auch eine geradezu greifbare Kulisse, so dass man sich beim Lesen beinahe Seite an Seite mit Deborah im Berlin der 90er Jahre wähnt.

Neben den beiden Mordfällen, die zwar nur bedingt Spannung erzeugen, da man sich unter anderem auf Grund des überschaubaren Personals recht schnell auf ein bis zwei Tatverdächtige beschränken kann, ist es vor allem Deborahs lakonische und neugierige Art, die einen an den Seiten kleben lässt. Zu witzig ist es, wie sie sich plötzlich im Dilemma wiederfindet, dass gleich zwei Frauen ihr Herz erobern wollen. Diese Dreiecksgeschichte ist mitnichten nur für queere Leser interessant, die vertrackte und dennoch irgendwie witzige Situation passt auf alle Konstellationen in Liebesdingen und Beziehungslagen.

Es gab einmal eine Frau, die tat immer wieder, was andere von ihr wollten. Bis einmal jemand sagte: “Spring doch mal eben von der Klippe!” Danach gab es keine Frau mehr. (S.81)

Mit “Januarrot” hat Martina-Marie Liertz weniger einen spannungsgeladenen Kriminalfall als viel mehr interessante Charakterstudien und eine spritzige Liebesgeschichte erschaffen.
Deborah ist meistens neugieriger als gut für sie ist, und mit ihrer Art stiehlt sie sich nicht nur in die Herzen von Louise und Katrin, sondern sicher in die Herzen aller Leser, die im Berliner Winter mit ihr die grauroten, blutbespritzten Schuhe einer geheimnisvollen Passantin verfolgen.

Für den Sommer ist mit “Julipläne” eine Fortsetzung angekündigt, die ich allein schon wegen Deborah ebenfalls lesen möchte.
Trotz der Länge – oder Kürze – gibt Martina-Marie Liertz jedem Charakter ausreichend Raum sich zu entwickeln und bringt gleich zwei Handlungsstränge zu einem runden Ende. Wenn der Spruch “in der Kürze liegt die Würze” jemals gepasst hat, dann bei diesem Krimi von Martina-Marie Liertz.
Witzige und originelle Unterhaltung auf einem sprachlich hohen Niveau – was will Frau mehr?

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.02.2019
Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens
Malone, Jen

Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens


sehr gut

Aubree ist ein richtiges Mamakind. Sie fühlt sich Zuhause pudelwohl und hat noch nie das Verlangen verspürt zu reisen. Sie ist pingelig mit dem Essen und äußerst unselbstständig. Im Gegensatz zu Aubree ist Elizabeth perfektionistisch veranlagt. Sie stattet Aubree mit einem Ordner aus, der jedes kleinste Detail über die Reise enthält, außerdem wollen die beiden in regelmäßigem telefonischen Kontakt bleiben. Aubrees Chaosgen setzt sich jedoch durch, sobald sie außerhalb des Wirkungskreises ihrer Schwester ist. Kaum in Europa gelandet, vergisst Aubree sowohl den Ordner ihrer Schwester als auch ihr Handy an Bord des Flugzeuges…

Die Geschichte von Aubree als Globetrotter wider Willen, die in die Rolle ihrer perfektionistisch veranlagten Schwester schlüpft ist sehr witzig und kurzweilig zu lesen. Als Leser hat man von Anfang an ein ungutes Gefühl, dass die chaotische und unselbstständige Aubree ihrer Aufgabe als Reiseleiterin gewachsen sein wird und dies scheint sich schnell zu bewahrheiten. Zu unvorstellbar ist es, dass eine Siebzehnjährige, die von ihrer Mutter als Nesthäkchen verhätschelt und umsorgt wird, ganz alleine auf sich gestellt einen derart verantwortungsvollen Job stemmen kann. Doch Aubree wächst zum einen in ihrer Notlage über sich hinaus, zum anderen hat sie einfach Riesenglück, auf mehrere Personen zu treffen, die ihr helfen wollen.
Trotz aller Widrigkeiten kann nun eine aufregende Reise durch die Metropolen Europas starten. Wider Erwarten findet Aubree Gefallen an der Reise und an ihren Schützlingen. Die Senioren sind einfach herzig! Ein Schock ist für Aubree allerdings, dass sich unter den Senioren die Mutter der Reiseveranstalterin befindet, die nichts davon weiß, dass Aubree die Rolle ihrer Schwester Elizabeth übernommen hat.
Neben den liebenswerten, aber grundverschiedenen Senioren spielt ein Mitarbeiter des Reiseunternehmens eine große Rolle. Zunächst lernen sich Sam und Aubree nur übers Telefon kennen. Sam arbeitet im heimischen Büro des Veranstalters und telefoniert täglich die Reiseleitungen in Europa ab, um sich ein Bild der aktuellen Lage zu verschaffen. Von Anfang an stimmt die Chemie zwischen Aubree und Sam und es dauert nicht lange, und die beiden verlieben sich in ihr Telefongegenüber. Im Traum hätte Aubree nicht daran gedacht, dass sie eines Tages Sam in Fleisch und Blut gegenübersteht und es damit immer schwieriger wird die Rolle als Elizabeth aufrecht zu erhalten. Schlimmer kann es nicht kommen… oder?

Das Buch konnte ich einmal angefangen nicht mehr aus der Hand legen. Jen Malone schreibt witzig, kurzweilig, hat einmalige Charaktere erschaffen und hat Wendungen in die Geschichte eingebaut, die zwar teilweise überzogen sind, dafür aber für Situationskomik sorgen und sicherlich nicht vorhersehbar sind.
Zudem fesselt das Sightseeing durch die Städte, egal, ob man diese Städte bereits selbst besucht hat oder nicht. Entweder schwelgt man in Erinnerungen an vergangene Besuche oder bekommt Lust darauf diese Städte zu erkunden.

Dennoch gab es einen beziehungsweise zwei Punkte, die mich an der Geschichte gestört haben:
Die “Sound of Music” Tour in Wien funktioniert nur bei Fans in den USA wirklich gut. In den USA hat der Film Kultstatus, in Deutschland ist er recht wenig bekannt.
Und nun zu dem Punkt, den ich wirklich als störend empfunden habe und mir den Spaß an der Lektüre etwas getrübt hat. Die Klischees, die Jen Malone beinahe zu Tode geritten hat, die typisch deutschen Eigenheiten, beliebig erweiterbar auf die anderen Städte und Länder, wie Holland, in der natürlich jeder Holzschuhe trägt… Es war irgendwann einfach zu viel des Guten!

Jen Malones Geschichte über Aubree, der Reiseleiterin wider Willen, die in Europa sowohl die Liebe zu einem Jungen als auch die Liebe zum Reisen entdeckt, ist schräg, witzig und liebenswert. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Klischeereiterei der Autorin, doch auch die konnte mir den Lesespaß letztendlich nicht nehmen!

Bewertung vom 03.02.2019
Warum der Elefant einen Rüssel hat
Kipling, Rudyard; Woollard, Elli

Warum der Elefant einen Rüssel hat


ausgezeichnet

Das Buch enthält fünf Geschichten, die Rudyard Kipling ursprünglich als Gutenachtgeschichten für seine Tochter Josephine erfand. Er erzählte sie immer auf dieselbe Art, wodurch der originale Titel “Just so stories” entstand:

Warum der Wal einen engen Hals hat
Warum das Kamel einen Höcker hat
Warum das Nashorn ein Dickhäuter ist
Warum der Elefant einen Rüssel hat
Warum die Katze ihre eigenen Wege geht

Rudyard Kipling erzählt in Reimform, wieso Wal, Kamel, Nashorn, Elefant und Katze bestimmte Körperformen besitzen oder charateristische Wesenszüge. Seine Erklärungen sind jedoch nicht biologisch korrekt, sondern fantasievoll und witzig. Wer die Zeichentrickserie “Tao Tao” kennt, kann sich vielleicht ein besseres Bild davon machen.
Da es unter Kindern im empfohlenen Vorlesealter ab 4 Jahren sicher welche gibt, die logische Erklärungen zur Tierwelt fantasievollen Geschichten den Vorrang geben, sollte man sich als Erwachsener vorher ein Bild davon machen, ob das eigene Kind Spaß an den Inhalten und der Reimform hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass manch ein Vorleser einen gänzlich anderen Inhalt bei diesem Buch erwartet.
Wem diese Art der Geschichten zusagt, findet hier fünf inhaltlich sehr unterschiedliche Geschichten, die aber allesamt reich an Humor und Fantasie sind.
Die Reimform eignet sich hervorragend zum Vorlesen und der Inhalt fordert die kleinen Zuhörer heraus eigene Erklärungen für das Aussehen von Tieren zu erfinden.
Die Illustrationen sind großzügig und frabenfroh, die Darstellungen von Tieren und Menschen kindgerecht und auf das Wesentliche reduziert, dennoch gibt es in allen Bildern viel zu entdecken. Besonders gut gefallen mir die tapetenartigen “Wimmelbilder” am Ende und zu Anfang jeder Geschichte, auf denen die Darsteller der jeweiligen Story abgebildet sind.

“Warum der Elefant einen Rüssel hat” – “Just so stories” ist ein humorvoller Vorlesespaß in Reimform für alle großen und kleinen Tierfreunde, die Spaß an verrückten und fantasievollen Geschichten haben!

Bewertung vom 03.02.2019
Wie sagt man eigentlich: Ich liebe dich
Engler, Michael

Wie sagt man eigentlich: Ich liebe dich


ausgezeichnet

Das Bilderbuch “Wie sagt man eigentlich: Ich liebe dich” von Michael Engler und Martina Matos wird beworben mit dem Satz ‘Für alle Fans von “Die große Wörterfabrik” ‘. Da dieses Bilderbuch auch nach Jahren immer noch zu meinen liebsten Bilderbuchschätzen gehört, musste ich zu Englers und Matos’ Buch greifen, um mir selbst ein Bild davon zu machen, ob dieser Vergleich naheliegend ist und die Geschichte in diesem Fall eine Gegenüberstellung nicht scheuen muss.

Falls Leser und Fans der großen Wörterfabrik zu “Wie sagt man eigentlich: Ich liebe dich” greifen sollten, werden sie meines Erachtens eine Geschichte finden, die auf eine mehr oder weniger gleiche Aussage hinausläuft, aber dennoch mit neuem Content gefüllt ist und sich vom Text und den Illustrationen gänzlich unterscheidet.
Eins haben die beiden Bücher neben der Aussage aber doch noch gemeinsam: es sind beides ganz zauberhafte Bilderbücher über die Macht der Liebe, die weit über das empfohlene Lesealter hinaus begeisterte Fans finden wird!

Roberto ist zum allerersten Mal verliebt. Isabella ist für ihn das schönste Mädchen. Doch wie soll er ihr sagen, was er für sie empfindet? Er könnte es laut in die Welt hinausrufen, an Wände oder den Himmel schreiben oder auf den Mond malen. Doch irgendwie scheint all das nicht richtig, vielleicht auch in Anbetracht der Tatsache, dass es Isabella jedes Mal unberührt lässt, wenn andere Jungen ihr “Ich mag dich” oder “Hab dich lieb” hinterherrufen. Es muss einen anderen Weg geben als bloße Worte. Ob Roberto den Weg in Isabellas Herz finden wird?

Die berühmte Metapher der Schmetterlinge im Bauch bildet den roten Faden in Englers und Matos’ Geschichte. Durch dieses Bild wird das Gefühl “Liebe” greifbar und schon für die kleinsten Leser verständlich vermittelt. Nicht nur Roberto, auch der Leser lernt, dass der Weg zum Herzen der großen Liebe nicht mit Worten, sondern durch Taten beschritten wird.

Die Gesichter der Figuren sind fein gezeichnet, die Schmetterlinge zart und filigran, in der Typografie der Buchstaben drücken sich die vorherrschenden Gefühle oder Taten aus. Die Farbgebung übermittelt zusätzlich die Stimmungen.
Insgesamt gehen Text und Illustrationen eine zauberhafte Symbiose ein und bilden eine Liebeserklärung an das stärkste aller Gefühle: der “Liebe” selbst!

Mit dem Vergleich zur großen Wörterfabrik wurde die Messlatte sehr hoch gelegt, aber tatsächlich ist Robertos und Isabellas Geschichte nicht minder zauberhaft und herzerwärmend als die von Paul und Marie.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.02.2019
Mama
Delforge, Hélène; Gréban, Quentin

Mama


ausgezeichnet

Das Buch ist eine derart zauberhafte Liebeserklärung an alle Mütter der Welt, dass es sich kaum in Worte fassen lässt, wie magisch sowohl die Texte von Hélène Delforge als auch die Illustrationen von Quentin Gréban sind.

Das Buch ist ein großformatiges Bilderbuch mit formatfüllenden Illustrationen auf jeder Doppelseite, so dass die intimen Szenen zwischen Mutter und Kind den Leser regelrecht in ihren Bann ziehen. Quentin Gréban gelingt es tatsächlich nicht nur Gesichter und Augen Geschichten erzählen zu lassen, tatsächlich vermögen dies sogar seine Zeichnungen von Händen oder Füßen. Ich bin regelrecht beeindruckt von dieser Aussagekraft und Wirkung!

Sowohl Texte als auch Illustrationen sind ausdrucksstark und halten Momentaufnahmen zwischen Mutter und Kind fest, die eine große Bandbreite an Kulturen, Epochen sowie Gefühlen umfassen. Die Zeit der Schwangerschaft, das Aufwachsen, das Flügge werden, selbst der Verlust wird nicht ausgespart… Jeder Text, jedes Bild in diesem Buch berührt, jede Zeile, jeder Pinselstrich ist eine Liebeserklärung an die Mutter.

Die Texte zeugen von den Gefühlen, die Mütter gegenüber ihren Kindern hegen, sie erzählen aber auch von den unterschiedlichsten Situationen, in denen Mutter und Kind leben können, so dass sich jede Mutterrolle und jede Generation in diesem Buch wiederfindet. Beziehungsweise kann man sich nicht nur selbst oder die eigene Mutter, sondern auch seine Großmutter darin finden. Es ist unfassbar, welches breite Spektrum diese Hommage an alle Mütter der Welt umfasst.

Das Buch ist so wunderschön – zum Selbstlesen und Bestaunen oder als Geschenk an andere Mütter!

Bewertung vom 03.02.2019
Mein ganz normaler Wahnsinn / Lil April Bd.4
Gessner, Stephanie

Mein ganz normaler Wahnsinn / Lil April Bd.4


ausgezeichnet

Nach dem Zwischenstopp in Berlin, wo Lil an einem Designworkshop teilgenommen hat, führt es Familie April nun von München ins verregnete Cambridge. Als würden die beiden ältesten Aprilkinder Pego und Lil nicht sowieso schon eine Grabesmiene zu Schau tragen angesichts des Umzugs nach England, zeigt sich das Wetter in ihrem neuen Zuhause von seiner schlechtesten Seite und macht damit seinem Ruf alle Ehre.
Kaum eingezogen, lebt der alltägliche Trubel unter den Kindern schnell wieder auf, sei es bei der Zimmervergabe oder dem Gezicke und Gepiesacke beim gemeinsamen Essen. Doch die Aussicht auf den bevorstehenden Schulwechsel trübt die Stimmung. Fast scheint es so, als hätten Pego und Lil den schlechten Einstieg mit ihrer negativen Haltung heraufbeschworen, denn insbesondere Lil scheint in den ersten Tagen an der neuen Schule von einem Fettnäpfchen ins nächste zu stolpern. Die Trennung von Helli, beziehungsweise Jari, trübt zusätzlich Pegos und Lils Stimmung. Obwohl Helli ebenfalls nach England umgezogen ist, scheint es für Lil einfacher zu sein, die Verbindung mit Jari zu halten, auch wenn dieser im nun so fernen Nürnberg weilt. Pego, Lil, Helli und Jari sind nun in dem Alter, wo das Leben nicht mehr so einfach ist wie für die jüngeren Aprilgeschwister. Wo Lils kleine Geschwister noch problemlos Anschluss und neue Freunde in dem fremden Land finden, merkt man bei Lil wie schwierig es fällt auf andere zuzugehen. Diese Probleme sind jedoch nicht nur dem Neuen und Unbekannten geschuldet. Dass es mit fortschreitendem Alter immer schwerer fällt sich anderen gegenüber zu öffnen, wird tatsächlich zum Problem zwischen Lil und ihrer besten Freundin Helli.
“Mein ganz normaler Wahnsinn” ist ein erster Schritt Richtung Erwachsensein, und damit werden auch die alltäglichen Probleme größer und der Grundton der Geschichte ernster. Auch wenn der “normale” Wahnsinn der Großfamilie immer noch der Dreh- und Angelpunkt der Reihe ist, so beschäftigt sich dieser Teil verstärkt mit Veränderungen, Neuanfängen, aber auch Verlusten.

Man kann sich sehr gut in Lil hineinversetzen. Es muss kein Umzug in ein fremdes Land sein, aber einen Schul- oder Arbeitsplatzwechsel hat wohl jeder schon hinter sich, und dass es schwierig ist als Einzelperson zu einer Gemeinschaft zu stoßen, ist leicht nachvollziehbar. In Lils Fall kommt zusätzlich die Sprachbarriere hinzu, die als erschwerendes Element dazu führt, dass sie es sich beinahe nachhaltig mit einer Klassenkameradin verdirbt. Am Ende kommt heraus, dass es immer besser ist Probleme von Anfang an anzusprechen, bevor sich Kleinigkeiten durch Missverständnisse auf beiden Seiten hochschaukeln. Stephanie Gessner macht aber auch klar, dass eine positive Grundhaltung einen Neustart einfacher gestalten kann als alles von vorneherein schwarz zu malen.

Stephanie Gessners Reihe um Lil April und ihre chaotisch-liebenswerte Großfamilie begeistert mich nicht nur von Band zu Band durch das abwechslungsreiche Setting, sondern vor allem durch die lebensnahen Schilderungen und alltäglichen Schwierigkeiten, denen sich wohl jeder junge Mensch in der einen oder anderen Abwandlung irgendwann gegenübergestellt sieht. Lils Geschichten sind nicht nur humorvolle Unterhaltung, sie machen auch Mut Veränderungen positiv gegenüber zu treten.

Reihen-Info:
Lil April 1: Mein Leben und andere Missgeschicke
Lil April 2: Eine Katastrophe jagt die nächste
Lil April 3: Das Chaos kommt selten allein
Lil April 4: Mein ganz normaler Wahnsinn