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Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 753 Bewertungen
Bewertung vom 19.10.2018
Fredy flunkert
Kauer, Jacqueline; Kauer, Daniel

Fredy flunkert


ausgezeichnet

Dass Flunkereien nach hinten losgehen können, muss Lama Fredy in der Geschichte “Fredy flunkert: Lügen haben lange Hälse” erfahren.

Lama Fredy und Faultier Fauli sind die besten Freunde, sie gehen gemeinsam durch dick und dünn. Dennoch traut sich Fredy seinem Freund nicht die Wahrheit zu erzählen, als die Auftritt mit seiner Band Dalai Lamas zum absoluten Flop wird, er eine totale Pleite auf der Arbeit erleidet und im Gegensatz zu Fauli und dessen Freundin Lola kein Date mit einer süßen Lamadame vorweisen kann. Statt dessen tischt er ihm faustdicke Lügen auf von einem ausverkauftem Konzert, einem Plattenvertrag, dem Geschäft seines Lebens und einem traumhaften Date mit gleich drei wundervollen Lamadamen. Zwar kommen Fauli die Storys von Mal zu Mal seltsamer vor, misstrauisch wird er jedoch erst, als Fredy einmal die Wahrheit sagt. Die Geschichte, mit der er in diesem Fall um die Ecke kommt, ist jedoch so schräg, dass Fauli sich veräppelt vorkommt und mit seinem ehemals besten Freund nichts mehr zu tun haben will…
Ob Fredy seine Freundschaft noch retten und Fauli davon überzeugen kann, dass er dieses Mal die Wahrheit sagt und ihm seine Lügen von Herzen Leid tun?

Wahrscheinlich kennt fast jeder das Sprichwort “Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.” und genau diese Erfahrung macht Fredy in dieser Geschichte. Vorlesende Erwachsene und zuhörende Kinder erfahren hier, dass es nach mehrmaligem Lügen Fredy nicht einmal hilft, dass er vor Fauli zu Kreuze kriecht, sein Freund glaubt ihm am Ende erst, als er mit eigenen Augen die Wahrheit sieht. Das mehrmalige Geflunker von Fredy hätte also sehr böse enden können, indem er durch seine unüberlegten Lügen die Freundschaft mit seinem besten Freund Fauli zerstört hätte.
Doch auch wenn Kindern hier vor Augen geführt wird, was Flunkereien im schlimmsten Fall anrichten können, so geschieht dies mit einem Augenzwinkern, den die Szenen sind überspitzt dargestellt und das tieftraurige Lama, dass vor Faulis Fenster steht und um Verzeihung bittet, zieht so einen extremen Flunsch, dass man bei dem Anblick einfach lachen muss!

Die Umsetzung ist ganz am Puls der Zeit. Die Freundschaft der beiden Tiere wird auf der ersten Doppelseite anhand von Selfies dargestellt, die die beiden mit dem Smartphone geschossen haben. Dazu sind Lama und Faultier zwei angesagte Tiere, die man aktuell auf Tassen, Kissenbezügen und vielen anderen Gebrauchs- und Dekogegenständen finden kann.
So ist “Fredy flunkert” nicht nur ein Buch für kleine Zuhörer ab 4 Jahren, sondern wird auch das Herz vieler Lama und/oder Faultier Fans höher schlagen lassen, zumal auf den Bildern und in den Texten witzige Details versteckt sind, die teils stärker den Humor von Erwachsenen als den von Kindern treffen. Das Buch bietet also breiten Content, der sowohl junge Bücherwürmer als auch erwachsene Liebhaber von schön gestalteten Büchern anspricht.
Auf den wimmeligen Bildern der Geschichte gibt es sehr viel zu entdecken, unter anderem einen alten Bekannten aus dem Buch “Kräuterhexe Thymiana beim Koboldkönig” des Autorenduos.

Seite für Seite merkt man den Spaß, den Jacqueline und Daniel Kauer beim Ausdenken und Umsetzen der Geschichte hatten und bei jedem erneuten Ansehen entdeckt man weitere Details, die die beiden in den ganzseitigen Illustrationen untergebracht haben, so dass es sicher nicht bei einem einmaligen (Vor)lesen und Anschauen der Geschichte der beiden ungleichen Freunde bleiben wird.
Ein nettes Extra sind zudem die Informationen auf den Vorsatzseiten:
Auf den vorderen Vorsatzseiten finden aufmerksame Leser coole Facts über Lamas, auf den hinteren Vorsatzseiten gibt es Spannendes über Faultiere zu entdecken.

Bewertung vom 16.10.2018
Die Magischen Sechs - Mr Vernons Zauberladen
Harris, Neil P.

Die Magischen Sechs - Mr Vernons Zauberladen


ausgezeichnet

Nachdem Carters Eltern eines Tages spurlos verschwunden sind, wächst er in der Obhut seines zwielichten Onkel Slys auf. Genau wie Carters verschwundener Vater, kann auch sein Onkel Sly zaubern. Allerdings ist er kein Zauberer der Art, die Menschen mit ihren Tricks ein Lächeln auf die Lippen zaubern, sondern vielmehr um ihre Besitztümer erleichtern. Carter hat ein Händchen fürs Zaubern und kann bald alle Tricks seines Onkel. Doch ihm ist klar, dass er bei einem Menschen, der alle anderen belügt und betrügt nicht bleiben kann. Als dieser eines Tages sogar die alte Dame beraubt, die gemeinsam mit ihnen das Armenhaus bewohnt, nutzt er die Gunst der Stunde und flieht. Doch angekommen in dem kleinen Städtchen Mineral Wells stößt er auf das Rummelrambazamba des Zauberer und Betrügers B. B. Bosso, der gleich eine ganze Verbrecherbande um sich versammelt hat. Wie es aussieht ist Carter durch seine Flucht vom Regen in der Traufe gelandet…

“Mr Vernons Zauberladen” ist ein wahrhaft magischer Auftakt der Reihe “Die Magischen Sechs”, einer Gruppe aus Kindern, die aus Carter und seinen neu gewonnenen Freunden besteht, die er im Laufe seines ersten Abenteuers kennenlernt.
In Mineral Wells trifft Carter zunächst auf den mysteriösen Mr Vernon, der einen Zauberladen besitzt und dessen Adoptivtochter Leila, die ihm im Laufe der Geschichte im Streit gegen die Betrügerbande des Jahrmarkts zur Seite stehen. Am Ende steht zwar ein Happy End, doch wirft der Autor Informationen und Wendungen in den Raum, die die Neugierde auf die angekündigten weiteren Abenteuer der Magischen Sechs wecken.

Der Autor Neil Patrick Harris hat mit seinem Kinderbuchdebüt ein wahres Ass aus dem Ärmel gezaubert. Man merkt auf jeder Seite, dass er nicht nur vom Zaubern schreibt, sondern diese Kunst auch lebt, denn er war mehrere Jahre Präsident der Academy of Magical Arts und so ist Carter Lockes Geschichte nicht nur magisch zu lesen, sondern gleichzeitig gespickt mit Zaubertricks, die jeder Leser dank der detaillierten Anleitungen erlernen kann, sowie einem geheimen Code, den Neil Patrick Harris in dem Buch versteckt hat.
Zudem hat er seiner Geschichte neben der Zauberei weitere Details aus seinem eigenen Leben mitgegeben: so ist Leila die Adoptivtochter von Mr Vernon und seinem Lebenspartner, genau so, wie Neil Patrick Harris und sein Partner Adoptiveltern von Zwillingen sind.

Die Geschichte ist jedoch nicht nur spannend und kurzweilig zu lesen, sondern auch hübsch anzuschauen, denn die darin enthaltenen Illustrationen sind nicht minder bezaubernd.
Der Fall “Die Magischen Sechs” gegen B. B. Bossos Bande ist durchgehend spannend und lässt keine Langeweile aufkommen, so dass sie selbst Wenigleser an die Seiten fesseln dürfte. Als weiteren Stoff für die Folgebände streut Neil Patrick Harris eine persönliche Wendung aus Carters Leben ein, so dass man als Leser einerseits zufrieden aus dieser Geschichte entlassen wird, andererseits neugierig auf den nächsten Band ist, der einen gänzlich neuen Inhalt verspricht. Zumal er sich den Trick zu eigen macht den Leser direkt anzusprechen und immer wieder an spannenden Stellen für weitere Zaubertricklektionen zu unterbrechen. Ein Kunstgriff, der Neil Patrick Harris bestens aus Film und Fernsehen bekannt sein dürfte und den er für seine Buchreihe erfolgreich adaptiert hat.

Bewertung vom 08.10.2018
Kompass ohne Norden
Shusterman, Neal

Kompass ohne Norden


ausgezeichnet

“Kompass ohne Norden” zu rezensieren, fällt mir nicht leicht.

Für den Autor Neal Shusterman war es eine Herzensangelegenheit dieses Buch, welches sich mit psychischen Erkrankungen befasst, zu schreiben, denn ein sehr guter Freund von ihm ist auf Grund einer psychischen Erkrankung aus dem Leben geschieden und bei seinem Sohn Brendan wurde im Alter von 16 Jahren eine schizoaffektive Störung diagnostiziert (die schizoaffektive Störung ist eine psychische Störung, die sowohl Symptome der Schizophrenie als auch der bipolaren affektiven Störung in sich vereint). “Kompass ohne Norden” trägt also deutlich biographische Züge, da sich der Inhalt sowohl mit Brendans Krankheitsverlauf beschäftigt, als auch damit, inwiefern seine Krankheit Familie und Freunde getroffen hat.
Neal Shusterman gelingt es mit seinem Sohn als Co-Autoren ein Bild der Schizophrenie zu zeichnen, dass man sich auch als Nichtbetroffener ein ungefähres Bild der Krankheit und ihrer Auswirkungen auf den Kranken sowie sein Umfeld machen kann. Untermalt wird das Ganze von Zeichnungen Brendans, die er während akuter Krankheitsphasen angefertigt hat.
Die Geschichte wechselt zwischen dem realen Leben Cadens – dem Protagonisten und Alter Ego Brendans – sowie seiner Gedankenwelt. Im Laufe der Handlung verschwimmen die Grenzen zwischen Sein und Schein immer mehr, und man muss konzentriert lesen, um nicht selbst in dem Strudel unterzugehen, gegen den Caden Tag für Tag kämpft. Ich war überwältigt, wie gut Neal Shusterman Schizophrenie für Außenstehende greifbar gemacht hat!
Genauso wichtig wie das Buch an sich, sind Vorwort und Nachwort des Autors. Genau wie er hoffe ich, dass das Buch viele Leser erreichen wird, um die Gesellschaft mehr und mehr für psychische Erkrankungen zu sensibilisieren.

Warum ich zu diesem Buch gegriffen habe? Neal Shusterman ist ein großartiger Autor, vor allem aber war es das Thema, mit dem ich mich näher auseinandersetzen wollte. Ich selbst habe mal einen Menschen kennengelernt mit Schizophrenie und wäre froh gewesen, ich hätte das Buch von Neal Shusterman und seinem Sohn Brendan bereits zu diesem Zeitpunkt gekannt. Die Freundschaft ist zerbrochen… Der Kontakt hatte mich zu stark belastet. Von daher gilt mein Mitgefühl den Menschen, die an dieser Krankheit leiden, meine Bewunderung all jenen, die Rückhalt bieten und diese Menschen begleiten und stärken, egal, ob es sich dabei um Familie, Freunde oder Ärzte handelt.

Bewertung vom 01.10.2018
Die kleine Hummel Bommel und die Zeit
Sabbag, Britta; Kelly, Maite

Die kleine Hummel Bommel und die Zeit


ausgezeichnet

Wer war nicht selbst schon in der Situation auf die Ankunft eines Zuges warten zu müssen? Eine denkbar undankbare Weise etwas über die Zeit zu lernen…
So ergeht es der kleinen Hummel Bommel, als sie gemeinsam mit ihren Eltern am Bahnhof sitzt und auf das Eintreffen der Bahn mit seiner Oma Hummel an Bord wartet.
Auf seine Nachfragen, wann Oma endlich da ist, antworten seine Eltern immer mit “bald”. Aber wann ist “bald” und warum kommt einem die Zeit manchmal so unendlich lang vor?
Bommel beobachtet verschiedene Leute am Bahnhof und einige seiner neuen Bekannten erklären ihm die Zeit.
So erklärt ihm Kofferträger Kalle Kakerlake, dass man nie die ganze Kofferschlange ansehen soll, sondern immer nur Koffer für Koffer, so vergeht die Zeit schneller. Dahingegen erzählt ihm Marie, dass bei Keksen und Kindern die Zeit wie im Flug vergeht. Das versteht Bommel nicht – warum vergeht Zeit manchmal schnell und manchmal langsam?
Anhand einer verwelkten Rose muss Bommel erkennen, dass mein Zeit nicht festhalten kann, das man manchmal zu wenig Zeit hat, und das Zeit umso kostbarer ist, je weniger davon zur Verfügung steht. Als Bommel das versteht, hört er auf zu warten und geht lieber zu seinem Freund Ricardo zum Spielen. Und sieh einer an! Da ist auch schon der Zug mit seiner Oma eingetroffen und die Wiedersehensfreude ist groß auf beiden Seiten!

Obwohl Zeit ebenso wie Glück für Kinder ein recht abstraktes Thema ist, schafft das Kreativtrio es kindgerecht zu erklären.
Man soll Zeit nicht einfach ungenutzt verstreichen lassen, sondern immer versuchen das beste aus ihr zu machen, dann kommt sie einem nicht lang vor und Langeweile ist ein Fremdwort!
Mir hat sehr gut gefallen, dass die Autorinnen immer wieder neue Umgebungen für die Abenteuer der kleinen Hummel Bommel entdecken und mit jeder Geschichte weitere Charaktere eingeführt werden.
So gibt es mit jedem aktuellen Buch viele neue Details zu entdecken, selbst wenn man alle vorangegangenen Abenteuer der Hummel Bommel kennt.

Bewertung vom 01.10.2018
Kölner Persönlichkeiten
Keller, Stefan

Kölner Persönlichkeiten


ausgezeichnet

Die Kölner Persönlichkeiten sind zwar in der Reihe Lieblingsplätze im Gmeiner Verlag erschienen, dennoch geht es in diesem Band nicht nur um Plätze als auch, wie der Name schon sagt, um Persönlichkeiten, die eng mit der Stadt Köln verbunden sind oder waren.
Natürlich werden dennoch zahlreiche Orte, Plätze und Gebäude in und um Köln vorgestellt, auch wenn der Aufhänger dafür die berühmten Personen aus der nahen und fernen Vergangenheit sind.
So lernt man in diesem Band eben nicht nur sehenswerte Plätze kennen, sondern eben auch namhafte Kölner, was diesen Band auch für historisch interessierte Leser interessant macht und nicht nur für Leser, die an der Stadt an sich interessiert sind.

Der Inhalt ist aufgeteilt in die Kölner Gebiete Altstadt, am Rheinufer, Kölsche Straßen, ostwärts, den Grüngürtel entlang und Neustadt.
Diese Rubriken sind im Inhaltsverzeichnis mit den einzelnen Kapiteln aufgeführt, so dass man gezielt nach Personen und Plätzen suchen kann, über die man etwas in Erfahrung bringen möchte. Wem das Inhaltsverzeichnis dennoch zu unübersichtlich ist, findet Hilfe im alphabetischen Register am Ende des Buches.
Auch ein Stadtplan ist Inhalt des Buches, anhand dessen man einen Überblick bekommt, wo welche in dem Buch vorgestellten Orte innerhalb Kölns zu finden sind.

Das Buch ist reich bebildert mit aktuellen Fotos, sowie der Zeit entsprechenden Portraitfotos der vorgestellten Personen, was die ausführlichen Texte auflockert und das Schmökervergnügen noch ungemein erhöht.

Die Reihe Lieblingsplätze des Gmeiner Verlags verbindet aktuelle Informationen und wissenswerte Hintergründe zur vorgestellten Region.
Im Kölner Band erfährt man zudem sehr viel über Menschen, deren Leben eng mit der Stadt Köln verbunden ist oder war. Wahrscheinlich macht ihn dies vor allem für Kölner interessant, aber auch Touristen und Besucher dieser Stadt werden hier fündig!

Bewertung vom 26.09.2018
Hygge, Lykke und Lagom
Johannson, Lotta

Hygge, Lykke und Lagom


sehr gut

“Hygge, Lykke und Lagom” ist ein Buch rund um die skandinavische Lebensphilosophie und die angesagten Lifestyle Trends aus Dänemark, Norwegen und Schweden.
So ist das Buch auch zunächst grob in drei Abschnitte aufgeteilt – nämlich in die drei genannten Länder – und darin befinden sich im Wechsel atemberaubende und stimmungsvolle Fotos von Land und Leuten, landestypische Rezepte, Bastel- und Kreativideen sowie Lebensweisheiten. Das kunterbunte “Durcheinander” hindert den Leser jedoch nicht daran bestimmte Dinge im Buch schnell und einfach wiederzufinden, denn im Inhaltsverzeichnis ist alles namentlich aufgeführt. Da Rezepte und Bastelvorschläge kursiv gedruckt sind, fallen sie sofort ins Auge.


Zunächst wird jedes Land in wenigen Worten anhand von Daten vorgestellt (u.a. Fläche, Hauptstadt und Einwohnerzahl), bevor der Text weit in die Tiefe geht und vom Leben im Norden, der Arbeitsplatzsituation, dem Stellenwert der Familie und anderen interessanten Dingen erzählt, die das nordische Lebensgefühl prägen.
Die Texte sind interessant zu lesen und man versteht nach der Lektüre sehr gut, warum die Nordeuropäer einen entspannteren Lebenstil führen und eine bessere Work-Life-Balance haben als das restliche Europa.

Sowohl die enthaltenen Fotos als auch das Layout sind wunderschön und passen zu den behandelten Themen. Eingestreute Lebensweisheiten in einem ansprechenden Design lockern die längeren Texte zwischendurch immer wieder auf.
Dazu kommen die leckeren Rezepte, wie beispielsweise Heiße Schokolade, Suppen oder Waffeln. Alles Wohlfühlrezepte, die einem beim Lesen schon warm ums Herz werden lassen und die Lust zum Nachkochen wecken.
An Kreativideen sind solche Sachen wie der Bau eines Iglus oder das Falten von Flechtherzen zu finden. Die Rubrik “Kreatives” ist für mich ein (klitze)kleiner Wermutstropfen in diesem Buch. Zum einen, da sie nicht wie die enthaltenen Rezepte ausschließlich Dinge beinhaltet, die von jedem jederzeit und überall umgesetzt werden können (Iglu!), zum anderen, weil bei eins, zwei Sachen die Anleitung etwas dürftig ausfällt und ich mir hier genauere Anweisungen gewünscht hätte.

Ansonsten findet man mit “Hygge, Lykke und Langom” jedoch ein wunderschönes und sehr ausführliches Buch zum nordischen Lebensgefühl, von dem man sich gar keine Scheibe abschneiden kann, die dick genug wäre, um seinem Leben mehr Qualität zu verleihen. Ich wünsche mir sehr, dass dieses Buch die richtigen Leser findet, die daraus entnehmen, wie wichtig es ist sich im Leben vorrangig um die Dinge zu kümmern, die uns glücklich machen, und dass dies einfacher zu bewerkstelligen ist, als man manches mal meint.
Außerdem hat dieses Buch wirklich ein großartiges Preis-Leistungsverhältnis bezüglich Ausstattung und Inhalt, so dass man mit seiner Anschaffung nichts falsch machen kann.

Bewertung vom 26.09.2018
Zehn Jahre musst du opfern / Dark Palace Bd.1
James, Vic

Zehn Jahre musst du opfern / Dark Palace Bd.1


ausgezeichnet

Die Menschheit besteht aus einer Zweiklassengesellschaft. Zum einen ist dies die privilegierte Schicht, die über “Geschick”, eine Art von Magie, verfügt, zum anderen sind dies Menschen, denen diese Fähigkeit abgeht.
In den meisten Ländern der Welt wurde das Zweiklassensytem im Laufe der Jahre abgeschafft oder gestürzt, in England besteht jedoch noch immer das Gesetz der Sklaverei, das dem normalem Volk die Pflicht auferlegt zehn Jahre Dienst für die so genannten Ebenbürtigen zu leisten. Dies geschieht entweder in einer der Sklavenstädte oder auf einem herrschaftlichen Landsitz.


Lukes Eltern und seine ältere Schwester Abi haben geplant, dass die Familie komplett ihren Sklavendienst antritt und die zehn Jahre auf dem Anwesen der Familie Jardine ableistet. Jedoch kommt es anders als gedacht. Lukes Eltern, seine Schwester Abi und das Nesthäkchen der Familie Daisy treten ihren Dienst wie geplant für die Familie Jardine an, Luke jedoch wird von ihnen getrennt und in die Fabrikstadt Millmoor verfrachtet, wo körperliche harte Arbeit, aber auch neue Freunde und Herausforderungen auf ihn warten.
Auf dem Landsitz Kyneston ist die Arbeit zwar körperlich leichter, was den Sklavendienst jedoch nur unwesentlich einfacher macht. Die Familie ist dort den Launen der drei Jardine-Brüder ausgesetzt, von denen zwei nur sehr schwer einzuschätzen sind… Man kann kaum abschätzen, wer größerer Gefahr ausgesetzt ist. Luke in der Fabrikstadt oder seine Familie auf dem Anwesen einer der mächtigsten Familien Englands?

Vic James wirft ihre Leser schnell in das Geschehen hinein, durch einen schlimmen Vorfall auf Kyneston und die unmittelbaren Vorbereitungen von Lukes Familie kurz bevor sie ihren Sklavendienst antreten. Dennoch gibt es im späteren Verlauf der Geschichte immer wieder kleine Längen, da das politische Treiben der Ebenbürtigen einen großen Raum einnimmt und teilweise Tempo aus der eigentlichen Handlung herausnimmt. Im Endeffekt passiert trotzdem so viel in diesem Auftaktband und durch den ständigen Orts- und Perspektivwechsel erhält man viele verschiedene Einblicke, dass diese Durststrecken zu verschmerzen sind.

Trotz phantastischer Elemente, steht im Vordergrund ganz klar die politische und gesellschaftliche Entwicklung. Vic James’ Dystopie regt auf vielfältige Art und Weise zum Nachdenken an.
In welchem Alter man selbst wohl seinen Dienst antreten würde? Würde man sich für eine der Sklavenstädte entscheiden oder für den Dienst in einer herrschaftlichen Familie?
Vic James leuchtet die beiden gegnerischen Lager von verschiedenen Blickwinkeln aus. Trotzdem steht man als Leser ganz auf der Seite der Gegner der Sklaverei, den Menschen ohne Geschick beziehungsweise den wenigen Ebenbürtigen, die dieses Gesetz ebenfalls als überholt und menschenunwürdig erachten.
Die Spannung innerhalb der Handlung erzeugt die Autorin in erster Linie durch einige undurchschaubare Charaktere, bei denen man teilweise selbst zum Ende hin seine Hand nicht dafür ins Feuer legen möchte, welche Ziele sie verfolgen.

Die letzten Kapitel gipfeln in einem Show Down, der die Karten für einige Charaktere mischt und sie dadurch vor völlig neue Herausforderungen stellt. Vic James lässt den Auftaktband “Zehn Jahre musst du opfern” mit einem Cliffhanger enden, der schlecht voraussagen lässt, was auf die einzelnen Figuren im zweiten Band zukommen wird. Nach diesem Schluss wird kaum ein Leser des ersten Bandes die Finger von der Fortsetzung lassen können!

Die Dark Palace Trilogie ist eine Dystopie mit einem interessanten politischen Thema, das leider gar nicht so fantastisch ist wie es anmutet, sondern auch in der heutigen Welt teils bittere Realität ist. Zudem hat Vic James einige interessante Charaktere geschaffen, die den Leser in den Bann ziehen. Es geht meiner Meinung nach nichts über gut ausgearbeitete Antagonisten, gerade bei einer düsteren Thematik wie der in Dark Palace.

Bewertung vom 26.09.2018
Die kleine Hummel Bommel und die Liebe
Sabbag, Britta; Kelly, Maite

Die kleine Hummel Bommel und die Liebe


ausgezeichnet

Ich mochte von der kleinen Hummel Bommel bereits die beiden Titel „Du bist du!“ und „Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück“ sehr, aber im Gegensatz zum Thema Glück ist das Thema Liebe leichter zu erfassen für kleine Zuhörer als es das für Kinder doch noch recht abstrakte Thema Glück war.
Von daher können auch (Vor-)Leser, die vom Vorgängerband eher enttäuscht waren, hier wieder bedenkenlos zugreifen, da diese Geschichte kindgerechter umgesetzt ist.

Am Morgen verabschieden sich die Eltern von ihren Kindern mit Küsschen und lieben Worten, denn die Erwachsenen müssen zur Arbeit und die Kinder in den Kindergarten oder zur Schule. Als Bommel die ganzen Liebesbekundungen hört, fragt er sich, was lieben denn eigentlich bedeutet.
Auf dem Weg zum Kindergarten wird er Zeuge verschiedener Situationen, die unterschiedliche Interpretationen von Liebe aufzeigen.
Er lernt, dass Liebe bedeutet, dass man aufeinander aufpasst. Liebe kann süß sein und manchmal braucht Liebe eine Portion Geduld. Auch ein Professor kann der kleinen Hummel keine eindeutige Antwort zur Bedeutung von Liebe geben. So braucht es einige Begegnungen mehr, bis Bommel endlich versteht, was Liebe eigentlich ist und in welcher Vielfalt Liebe auftreten kann.
Bei den Begegnungen im Buch ist eine sehr lustige dabei, die den kleinen Zuhörern sicher besonders viel Spaß machen wird, aber das müsst ihr schon selbst entdecken ;)

Und wieder einmal ist es dem Hummel-Team um Britta Sabbag, Maite Kelly und Joëlle Tourlonias gelungen eine sehr schöne und herzerwärmende Geschichte zu erzählen, welche durch einen weiteren Song von Maite Kelly abgerundet wird.
Man freut sich am Ende dieser Geschichte, bei dem Bommel seinem Teddy und seinem Freund Ricardo sagt, wie liebt er die beiden hat, schon auf weitere Themen, die die kleine Hummel in ihren nächsten Abenteuern erforschen wird.

Bewertung vom 26.09.2018
Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst
Rühle, Alex

Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst


ausgezeichnet

Paul ist ein Schlüsselkind. Da sowohl sein Vater als auch seine Mutter arbeiten, kommt er meistens vor den beiden nach Hause und besitzt deshalb seinen eigenen Schlüssel. Doch eines Tages passiert etwas Seltsames, als er seinen Schlüssel ins Türschloss steckt, um es aufzuschließen. Er entdeckt darin Zippel, ein Schlossgespenst, das sein Zuhause im alten Türschloss zu Pauls Wohnung hat.
Die beiden freunden sich schnell an und haben schon bald eine wichtige Mission zu erfüllen. Zippels Zuhause ist in Gefahr! Da sein Türschloss schon alt ist und nicht mehr den neusten Sicherheitstandards entspricht, soll der Hausmeister das Schloss austauschen, wodurch Zippel sein Zuhause verlieren würde. Doch dieser Umstand ist nicht das einzige, was Paul und Zippel auf Trab hält und nach einer Lösung verlangt.
Was ist mit Pauls Vater los, der nach Zippels Aussage zurück ins Haus geschlichen kommt, sobald seine Frau und Paul auf der Arbeit beziehungsweise in der Schule sind?
Zum Glück haben sich Paul und Zippel gefunden und können mit der Unterstützung des jeweils anderen und der Verkettung glücklicher Umstände Lösungen für beide Probleme finden.


“Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst” ist ein Buch, welches unheimlich viel Spaß macht, selbst wenn man dem empfohlenen Lesealter schon lange entwachsen ist. So viel Spaß wie mit Zippel hatte ich seit den Helden meiner eigenen Kindheit wie dem Sams oder Pumuckl nicht mehr.
Stellenweise hat mich das liebenswerte Gespenst an die beiden erinnert, als hätte Alex Rühle eine Hommage an seine eigenen Kinderbuchhelden schreiben wollen. Ungewollt gerät Zippel manchmal in kniffelige Situationen, und genau wie früher Pumuckl oder das Sams liebt er das Reimen.
Zippel kennt viele Dinge aus der Menschenwelt nicht. Beispielsweise trinkt und isst er ja nicht wie die Menschen dies tun, und so kommt es zu absurd witzigen Situationen wie einer, in der Paul ihm zu erklären versucht, was eine Toilette ist und warum Menschen diese benötigen.


"Kacka und Pipi, die gingen in die Welt.
Kacka war der Braune und Pipi war ganz gelb.
Das Pipi war sehr flüssig, das Kacka eher fest,
beide aber waren vom Essen nur der Rest." (S. 58)

Neben den verrückten Situationen und dem Wortwitz, dem sich Alex Rühle bedient, besticht die Handlung jedoch mit nicht nur einer, sondern mit mehreren schönen Familien- und Freundschaftsgeschichten und am Ende hat Paul nicht nur einen neuen Freund gefunden, sondern einen weiteren, mit dem wohl kein Leser gerechnet hätte.

Es ist kaum zu glauben, dass “Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst” das Kinderbuchdebüt von Alex Rühle ist. Ich hoffe, diesem großartigen Debüt werden noch viele weitere Bücher im Kinder- und Jugendbuchbereich folgen. Alex Rühle hat ein wunderbares Erzähltalent und wer weiß… auch wenn Pauls und Zippels Geschichte ein schönes Ende findet, vielleicht warten ja noch weitere Abenteuer auf die beiden?

Neben der wunderbar witzigen und herzerwärmenden Geschichte fallen auch Axel Schefflers großartige Illustrationen ins Auge, die Seite für Seite füllen und Alex Rühles Schilderungen untermalen und den Witz der Geschichte gekonnt aufgreifen.

“Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst” mag als Erstleserbuch ausgelobt sein, meiner Meinung nach ist es jedoch ein Buch für jedes Lesealter und hat das Potential zum Klassiker, da die Schilderungen zeitlos sind und man das niedliche Gespenst einfach ins Herz schließen muss!

Bewertung vom 26.09.2018
Short
Sloan, Holly Goldberg

Short


sehr gut

Auch wenn Julia, die Protagonistin in “Short” tatsächlich zu kurz für ihr Alter geraten ist, so ist es doch in erster Linie der Umstand, dass sie für nichts ein besonderes Talent aufweist – beziehungsweise in der Vergangenheit kein Durchhaltevermögen hatte, um Ballett oder Klavierspielen zu lernen – unter dem sie leidet. Als ihr jüngerer Bruder Randy in den Sommerferien für eine Inszenierung des Zauberers von Oz vorsingen will, ermutigt ihre Mutter Julia dazu ebenfalls für eine Rolle vorzusprechen. Und… welch ein Wunder! Julia wird nicht nur für das Stück engagiert, sie wächst in diesem Sommer weit über sich hinaus.


Die ersten Kapitel hatte ich noch meine Schwierigkeiten mit dieser Geschichte. Warum auch immer hatte ich nach der Kurzbeschreibung eine etwas ältere Protagonistin erwartet und muss mich zunächst darauf einstellen, dass die Handlung aus der Perspektive einer ungefähr Zehnjährigen erzählt wird. Zudem ist Julia ziemlich sprunghaft in ihren Gedanken und Ausführungen, diesen Schreibstil muss man mögen, um Gefallen an “Short” zu finden. Dazu kommt noch, dass Julia extrem unter ihrer Mittelmäßigkeit leidet und ab einem bestimmten Punkt in der Geschichte versucht eine Sonderrolle auszufüllen. Würde sie sich nicht teilweise selbstkritisch hinterfragen und ihren egoistischen Standpunkt erkennen, hätte dies beim Lesen schnell in Antipathie umschlagen können. So kann man sich jedoch gut in ein kleines Mädchen hineinversetzen, dass dank der Provinzinszenierung eines Klassikers endlich die Chance hat gesehen zu werden, und erkennt sich in manchen Punkten vielleicht selbst wieder.
Das soll aber nicht heißen, dass Julia aneckt beim Leser. Gleich zu Beginn sammelt sie Sympathiepunkte, als sie über den Verlust ihres geliebten Hundes Ramon berichtet und herrlich verschroben ist es, als sie beginnt sich ein Erinnerungsalbum ähnlich einem Tagebuch anzulegen.
Man kann aber nur schwer den Finger darauf legen, welche Altersgruppe an Lesern Julia tatsächlich anspricht. Für Leser ihrer Altersgruppe spricht sie oftmals zu altklug und denkt recht erwachsen, für erwachsene Leser ist sie jedoch noch zu kindlich.
Julias Familie kommt in der Geschichte zwar etwas kurz, dafür lernt man andere Personen gut kennen, die Julia über das Theater kennenlernt. Beispielsweise ihre Nachbarin Mrs Chang, die früher fürs Theater gearbeitet hat und nun anbietet für den Zauberer von Oz die Kostüme zu schneidern. Oder die kleinwüchsige Schaupielerin Olive, mit der Julia sich anfreundet, sowie den Intendanten des Stücks Shawn Bar, der etwas in Julia sieht, bevor sie sich selbst über ihr Talent klar wird.

Auch wenn man sowohl mit dem Schreibstil als auch mit der ungewöhnlichen Protagonistin erst warm werden muss, so ist “Short” dennoch ein herzlicher Roman, der zum einen den Zauber der Bühne zum Leben erweckt, als auch dem Leser mit auf den Weg gibt, dass in jedem von uns versteckte Talente schlummern, die nur entdeckt werden müssen. Wer denkt, dass er nur mittelmäßig ist, hat vielleicht seine Bestimmung nur noch nicht entdeckt.