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Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 946 Bewertungen
Bewertung vom 18.04.2021
Die Erfindung von Alice im Wunderland
Hunt, Peter

Die Erfindung von Alice im Wunderland


sehr gut

“Die Erfindung von Alice im Wunderland” ist alles in allem eine recht wissenschaftliche Abhandlung, die in Teilen des Textes sehr trocken und mit schlechtem Lesefluss daherkommt, da der Text immer wieder Unterbrechungen erfährt durch Zitate oder Verweise auf weiterführende Literatur.
Nichtsdestotrotz lohnt sich das Werk auch für Leser der beiden berühmten Bücher “Alice im Wunderland” und “Hinter den Spiegeln” von Charles Dodgson alias Lewis Carroll, denn die Bebilderung des Werkes ist zauberhaft. Nicht nur die Illustrationen von John Tenniel wissen zu begeistern, auch die zahlreichen Fotografien aus der Zeit, in der die beiden Werke entstanden, beeindrucken und vermitteln viel Wissenswertes rund um die Schaffensphase, den Autor und die damalige Zeit.

Der Inhalt umfasst Folgendes:
Charles und Lewis
Vorwort
Zwei Männer und drei Mädchen in einem Boot
Vor Alice
Was Alice wusste
Die Außenwelt von Charles Dodgson
Das Innenleben von Charles Dodgson
Von Oxford hinaus in die Welt

Im Anhang befinden sich Anmerkungen, weiterführende Literatur, Abbildungsnachweis, sowie ein Register, gerade dies finde ich als Leser sehr hilfreich, wenn man im Buch einzelne Dinge nachschlagen und nachlesen möchte, denn wie eingangs erwähnt ist das Buch für den normalen Leser vom Text häufig nur bedingt interessant.

Die Ausstattung dieses Buches ist sehr hochwertig. Schweres, glattes Papier in großem Format, so kommen die Illustrationen und Fotografien perfekt zur Geltung. Die Anschaffung lohnt meines Erachtens allein dafür – ganz unabhängig vom Text -, sodass ich das Buch zumindest großen Fans der Alice Bücher empfehlen kann, auch wenn Peter Hunts Werk stellenweise doch recht trocken daherkommt und man gefühlt an manchen Stellen von Fakten erschlagen wird, die nicht immer zwingend mit seinem berühmtesten Werk zu tun haben, sondern unabhängig davon mit seiner Person, seinem Leben und weiteren seiner Veröffentlichungen.

Bewertung vom 18.04.2021
Schitt's Creek - Staffel 1
Schitt'S Creek

Schitt's Creek - Staffel 1


ausgezeichnet

Nach einer Pleite bleibt dem einstigen Videothekenmagnat Johnny Rose und seine Familie kein anderer Ausweg als ein heruntergekommenes Motel der Stadt Schitt’s Creek zu beziehen, welche sie einst als Scherz gekauft haben.
Hier prallen zwei Welten aufeinander – auf der einen Seite Familie Rose, auf der anderen Seite die Bewohner der kleinen Stadt. Zwar werden jede Menge Klischees bedient und die Figuren sind maßlos überzogen, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bereitet die Serie jedoch unheimlich viel Spaß und man beginnt gerade die extremen Charaktere zu schätzen. Neben den Hauptdarstellern sind es auch verschiedene Nebenrollen, die hervorragend konzipiert und ausgearbeitet sind und auf ganzer Linie überzeugen.
Familie Rose setzt sich aus Vater Johnny zusammen, der trotz der Pleite versucht das Beste aus der Situation zu machen und Finanzen und Familie wieder aufzubauen. Mutter Moira ist ein Ex-Soap-Star, der alles überdramatisiert und einen hohen Hang zur Selbstdarstellung hat. Sohn David hat sich im Laufe der ersten Staffel zu meinem Liebling der Familie entwickelt, auch wenn er manchmal so daherkommt, als würde er sich allen überlegen fühlen, so steckt in ihm ein herzensguter Mensch, den man einfach lieben muss. Seine Schwester Alexis scheint der Inbegriff des High-Society-Püppchens, aber hinter ihren hübschen Fassade steckt doch mehr als es der erste Eindruck vermittelt.
Die Bewohner von Schitt’s Creek stehen den Charakteren der Familie Rose in nichts nach, eher im Gegenteil stiehlt der Bügermeister der Stadt Roland N. Schitt noch allen anderen die Show.

Kleiner Kritikpunkt für mein Empfinden ist die deutsche Synchronisation.
Ich finde es nicht witzig, sondern vielmehr nervig, wenn man der Meinung ist, dass man überzogene (weibliche) Charaktere mit nervtötenden oder piepsigen Synchronstimmen ausstatten muss. Ich bin immer wieder erstaunt, wie anders und angenehmer die Stimmen im Original klingen.
Außerdem sind manche Witze nicht gut übersetzt, manchmal liegt das in der Natur der Dinge, dass Witze in unterschiedlichen Sprachen nicht immer funktionieren, einige Szenen hätte man jedoch durchaus gelungener ins Deutsche transferieren können.
Jedoch sehe ich das nicht als Kritik an der Serie an sich, da sowohl die Stimmen als auch die Gags im Original besser passen beziehungsweise besser zünden.

Auch wenn ich zu Beginn eine kurze Eingewöhnungsphase benötigt habe – kein Wunder bei den durchweg skurrilen Charakteren :D – sind mir bis zum Ende der Eröffnungstaffel alle Figuren irgendwie ans Herz gewachsen, selbst die anstrengende Moira. Und da sich notgedrungen High Society und Bewohner Schitt’s Creek zusammenraufen müssen, bahnen sich im Laufe der Zeit recht ungewöhnliche Freundschaften und Beziehungen an. Allein was deren weitere Entwicklung angeht, bin ich auf den weiteren Verlauf der Serie gespannt.

Wer auf verrückte Figurenzeichnung steht und ab und an einen Witz verträgt, der unter die Gürtellinie geht, wird mit “Schitt’s Creek” seinen Spaß haben.
Dank der vielfältigen und durchweg gelungenen Charaktere wird die Serie zu keiner Minute langweilig, auch wenn die Autoren Eugene und Daniel Levy das (Humor)Rad sicher nicht neu erfunden haben, kommt sie dennoch erfrischend und urkomisch daher.

Bewertung vom 18.04.2021
Fred im alten Rom, 2 Audio-CD
Tetzner, Birge

Fred im alten Rom, 2 Audio-CD


ausgezeichnet

In seinem mittlerweile achten Abenteuer verschlägt es Fred und seinen Großvater Alfred nach Rom, wo sie die Bauforscherin Flavia besuchen, die ihnen mit dem Kolosseum wohl eines der berühmtesten Bauwerke Roms zeigt.
Wer bereits anderen Abenteuern Freds gelauscht hat weiß, dass es nicht bei der Erzählung in der Gegenwart bleiben wird. Sehr bald wird Fred in die Vergangenheit katapultiert und erlebt dort das Kolosseum zu seinen Blütezeiten.
Es ist spannend, aber auch grausam zu hören, dass das, was für die oberen Schichten Roms “Brot und Spiele” waren, ein Zeitvertreib und eine Belustigung, für andere auf einen bitteren Kampf auf Leben und Tod hinauslief.
Durch seine Kenntnisse in der Ersten Hilfe erlangt Fred eine Anstellung als Gehilfe des Medicus und erlebt die Ereignisse im Kolosseum hautnah, erfährt persönliche Schicksale und kann es nicht lassen, in das eine oder andere Schicksal aktiv einzugreifen, was ihm zum Ende der Geschichte hin beinahe zum Verhängnis wird…

Ich habe mit “Fred im alten Rom” erst meinem dritten Abenteuer von Fred gelauscht und bin wiederholt begeistert, wie fesselnd man Geschichte einer jüngeren Generation nahebringen kann. Die Geschichte Roms an sich, wird zu Beginn durch den Erzähler angerissen und durch die Figur der Flavia, sowie im beiliegenden Booklet vertieft, bevor man Fred auf seinem ganz persönlichen Abenteuer begleitet.
Natürlich reicht Freds Abenteuer in Rom bei weitem nicht aus, um alles über Rom und die damalige Zeit auch nur annähernd zu erzählen, aber das Interesse ist geweckt, zumal auch heute noch viele Artefakte und Bauwerke aus der Römerzeit zu bewundern sind, tatsächlich werden bei Ausgrabungen und aktuellen Baustellen sogar immer wieder neue entdeckt. Da ich in der Nähe von Mainz lebe und dort arbeite, bekomme ich diese von den Bauträgern teilweise ungeliebten Überraschungen schnell durch die Tagespresse mit.

Faszinierend und beängstigend zugleich, wie eine Hochkultur gleichzeitig solch einem brutalen Vergnügen wie den Kämpfen in einer Arena frönen kann.
Leider hat sich dahingehend bis heute nichts geändert, in mancher Hinsicht lernt die Menschheit wohl nichts oder nur langsam dazu.

Bewertung vom 10.04.2021
Indiens Dosa-Küche
Patel, Nash; Scheintaub, Leda

Indiens Dosa-Küche


ausgezeichnet

Dieses Buch war für mich eine Offenbarung, nachdem es zunächst lange Zeit unbeachtet im Regal stand und auf seine Verwendung wartete.
Ich mag die indische Küche schon seit vielen Jahren und habe bereits einiges aus diversen indischen Kochbüchern nachgekocht, doch Dosas waren mir unbekannt, bis mir dieses Buch unter die Nase kam. Es hat mich zwar von Anfang an gereizt, aber lange Zeit konnte ich die Hemmschwelle nicht überwinden mich an den Versuch zu wagen Teig aus Reis und Linsen zu fermentieren.
Im Nachhinein muss ich sagen: so entging mir lange Zeit ein unheimlicher Genuss! Also: ran ans Werk! Schlimmstenfalls geht die Fermentation schief und man startet einen neuen Versuch, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen ;) Allerdings sind die Anweisungen und Tipps in diesem Buch so genau und anschaulich, dass kaum etwas schieflaufen kann.

Zu Beginn sollte man sich mit den in der indischen Küche verwendeten Gewürzen auseinandersetzen. Dies habe ich schon vor diesem Buch getan, aber Neulingen werden hier viele Informationen an die Hand gegeben, sodass es sich erübrigt sich das Wissen aus anderen Quellen zusammensuchen zu müssen.
Bevor es ans Eingemachte geht – also die Dosas, ihre Füllungen, Chutneys oder Soßen, wird der Leser umfassend in das Thema eingeführt. Abschließend geben die beiden Autoren zudem noch weitere Tipps und Tricks an die Hand.

Der Rezeptteil umfasst folgende Kapitel:
Vegane Dosas
Dosas mit Fleisch, Geflügel und Meeresfrüchten
Dosas mit Eiern und Milchprodukten
Süße Dosas
Getränke
Chutneys

Ich habe mit einem Freund parallel einen Teig fermentiert, orientiert haben wir uns an dem klassischen Dosarezept in diesem Buch, bei dem eine Mischung von Reis zu Linsen im Verhältnis von 2:1 verwendet wird.
Es werden zwar Reis- und Linsensorten empfohlen, wir haben jedoch unterschiedliche Sorten verwendet, funktioniert haben beide Teige.
Abweichend von den angegebenen Zeiten im Buch haben unsere Teige jedoch länger zum Fermentieren benötigt und beim nächsten Mal würden wir Reis und Linsen zudem noch länger einweichen, damit der Mixvorgang nicht allzu schwerfällig vonstattengeht. Denn selbst nach 8 Stunden waren Reis und Linsen immer noch relativ hart und schwer zu zerkleinern.
Gebacken haben wir in einer Pfanne und auf einer Gastrocrepeplatte. Es funktioniert beides, wobei es sich auf der Crepeplatte einfacher gestaltet richtig dünne und knusprige Dosas zu zaubern.

Alle Rezepte werden sehr ausführlich und anschaulich erklärt, aber nicht alle sind mit einem Foto vertreten. Dafür enthält das Buch noch einige andere Fotos, welche auf jeden Fall dazu beitragen, dass man das Buch voller Neugier und Lust durchschmökert.

Die vorgestellten Rezepte decken viele Geschmäcker und Vorlieben ab und regen gleichzeitig dazu an selbst kreativ zu werden, sei es bei der Teigherstellung oder den Füllungen bis hin zu begleitenden Dingen wie Chutneys und Soßen.
Wir sind nun zumindest richtig angefixt und haben noch viele Pläne unseren Teig zu perfektionieren und mit den Füllungen zu experimentieren. Bei Dosas gibt es kein richtig oder falsch, so lässt sich der Teig auch ausbacken vom dünnen Crêpe bis hin zu dickeren Pancakes.

“Dosa-Küche“ ist ein Buch für experimentierfreudige Köche, die mit einem köstlichen und gesunden Essen für den (zeitlichen) Aufwand der Fermentation belohnt werden.

Bewertung vom 10.04.2021
Lieblingsplätze Frankfurt am Main
Köstering, Bernd;Thee, Ralf

Lieblingsplätze Frankfurt am Main


ausgezeichnet

In sechs Rubriken stellen die Autoren ihre 80 Lieblingsplätze in Frankfurt vor:
– Früher und heute
– Kunst und Kultur
– Essen und Trinken
– Natur und Grün
– Fluss und See
– Bankgeheimnisse

“Frankfurt am Main” ist nicht der erste Lieblingsplatz, den ich mithilfe von Gmeiner erkundet habe, aber der Erste, den ich vermeintlich im Vorfeld gut kannte. Falsch gedacht! Natürlich habe ich hier einige bekannte Orte entdeckt, aber vieles war selbst mir neu, obwohl ich jahrelang in Frankfurt gearbeitet habe und auch in der Freizeit dieser Stadt häufiger einen Besuch abstatte. Von daher kann ich dieses Buch nicht nur Touristen, sondern auch Einheimischen empfehlen.
Zumal es neben den vorgestellten Lieblingsplätzen darin auch von Anekdoten und historischen Details wimmelt, die ich nur zu gerne kennengelernt habe, machen diese Geschichten Sehenswürdigkeiten und Plätze doch oftmals noch interessanter, als sie es sowieso schon sind.

Jeder Platz wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Eine Seite präsentiert ein formatfüllendes Foto, die andere Seite stellt den Platz in einem informativen und doch persönlichen Text vor. Man kann herauslesen, dass die Autoren diese Plätze tatsächlich kennen und lieben.
Natürlich fehlt die Adresse nicht, unter der man den Lieblingsplatz finden kann. Hier hätte ich mir zumindest bei den innerstädtischen Lieblingsplätzen als Zusatz gewünscht, dass die nächstgelegene Straßenbahn- oder S-Bahnhaltestelle genannt wird, aber diese kann man sich natürlich auch selbstständig heraussuchen.
Allerdings bekommt man einen groben kartografischen Überblick über die vorgestellten Plätze in den Umschlagklappen des Buches. Vorne über die innerstädtischen, hinten über jene in den weiter außerhalb gelegenen Stadtteilen und im Umfeld von Frankfurt.

Das Papier hat eine gute und schwere Qualität, die es einfach macht in dem Buch zu stöbern. Dank dem Inhalt vorangestellten Verzeichnis kann man auch gezielt nach bestimmten Ausflugszielen suchen.
Kleine Piktogramme im Inhaltsverzeichnis an einzelnen Punkten weisen aus, welche Sehenswürdigkeiten familiengeeignet sind oder welche Restaurants und Kneipen besonders empfohlen werden.

Insgesamt ist die Reihe mit Liebe zum Detail konzipiert. Ich habe bislang noch jedes Buch, das ich daraus kennengelernt habe von vorne bis hinten durchgelesen und nicht nur einzelne Punkte herausgepickt, da die Mischung aus persönlicher Erfahrung, gespickt mit historischen Details und ausreichendem Informationsgehalt sehr kurzweilig zu lesen ist und es Spaß macht auf diese Art eine Stadt oder eine Gegend zu erkunden.

Bewertung vom 07.03.2021
Die zwölf Heldentaten des Herkules
Kindermann, Anna

Die zwölf Heldentaten des Herkules


ausgezeichnet

Das Buch “Die zwölf Heldentaten des Herkules” ist der erste Band in der neuen Reihe “Sagen für Kinder” im Programm des Kindermann Verlags und gleichzeitig das Debüt als Autorin der Verlagsleiterin Anna Kindermann.
Sie erzählt die Heldentaten des Herkules nach Gustav Schwab neu in einer kindgerechten, moderneren und einfacheren Sprache.
Jede seiner Heldentaten geht hier kaum über eine komplette Seite vom Umfang hinaus, der Inhalt ist komprimiert und zudem entschärft, sodass Kinder weder von der Menge an Text noch von zu anschaulichen brutalen Schilderungen überfordert sind oder verängstigt werden. Dennoch bieten die Texte einen guten und gelungenen Einblick in die klassischen Sagen.

Mit Timo Becker wurde ein Illustrator gefunden, der einen perfekten Stil für das klassische Thema einbringt. Seine Bilder empfinde ich gleichermaßen klassisch wie modern, kindgerecht, aber nicht kindlich.
Besonders hervorheben möchte ich hier die Gestaltung der Vorsatzseiten. In der vorderen Klappe findet man eine Karte des antiken Griechenlands mit einer Übersicht, wo die zwölf Heldentaten stattfanden, in der hinteren Klappe findet man zahlreiche Charaktere, die in diesem Buch eine Rolle spielen.

Die verjüngten Sagen sind mitnichten ausschließlich interessant für Kinder, auch Erwachsene werden ihre Freude an dieser modernisierten Neuinterpretation haben.
Es ist ein gelungener Ausflug in die Welt klassischer Sagen, die für mich in gewisser Weise zur Allgemeinbildung gehören.
Ich denke zu einer Variante mit abgespecktem Text und passender und überaus gelungener Untermalung mit Illustrationen werden sich mehr Leser einen Zugang zu diesem Zweig der Literatur verschaffen, als wenn ihnen nur die klassische, altmodisch anmutende und anstrengender zu lesende Version zur Verfügung stehen würde.

Im Anhang sind einige Anmerkungen aufgeführt.
Kurze Vita von Gustav Schwab, Anna Kindermann und Timo Becker, sowie Bemerkungen zur vorliegenden Nacherzählung sowie dem Mythos Herkules.

Anna Kindermann legt mit ihrem Debüt ein gelungenes Buch für die ganze Familie vor.

Bewertung vom 07.03.2021
Der fleißige Mistkäfer und die Träume der Anderen
Nüsch, Julia

Der fleißige Mistkäfer und die Träume der Anderen


ausgezeichnet

Die traumhaft schönen Illustrationen von Julia Nüsch kannte ich im Vorfeld nicht zuletzt dank der Titel, die sie für den Kindermann Verlag illustriert hat, ganz besonders liegt mir hier “Der Panther” von Rainer Maria Rilke am Herzen. So stand es für mich außer Frage, dass ich ihr Debüt als Autorin unbedingt lesen muss, und sei es nur wegen weiterer Illustrationen aus ihrer Feder, da bereits die Covergestaltung einen zauberhaften Eindruck auf den Inhalt vermittelt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der kleine Mistkäfer Johann Wolfgang, der sich nach einem anstrengenden Arbeitstag gemütlich auf seiner Mistkugel zusammenrollen und ins Reich der Träume begeben möchte. Auf seinem Weg durch das Traum-Universum nimmt er jedoch mehr als einmal den falschen Weg, sodass er sich in Träumen anderer Tiere verirrt und diese sogar versehentlich stibitzt. Wie die Tiere wohl auf seinen Traumdiebstahl reagieren und ob sie ihre Träume zurückerhalten?

“Der fleißige Mistkäfer und die Träume der Anderen” ist eine unheimlich fantasievolle und im wahrsten Sinne des Wortes traumhafte Geschichte.
Neben den Illustrationen ist auch die verspielte Typografie erwähnenswert, wobei diese ihre Vor- und Nachteile aufweist. Denn so schön sie aussieht, so schwer ist sie zu lesen, wenn man das Buch gemeinsam mit Kindern genießt, da das Schriftbild für ein Vorlesebuch teilweise recht klein ausfällt.

Die Geschichte nimmt zum Ende hin einen wunderschönen Verlauf, der zeigt, so unterschiedlich manche Wesen sind, so teilt man doch auch Gemeinsamkeiten. Beziehungsweise, dass Freundschaften auch entstehen können, wenn Tiere (oder Menschen) unterschiedliche Charaktereigenschaften aufweisen oder von unterschiedlicher Herkunft sind.
Ich für meinen Teil bin nach dieser zauberhaften Geschichte sehr neugierig darauf, wer im nächsten Band dieser neuen Reihe träumt.

Nicht zuletzt wartet die Geschichte mit einigem (Sprach)Witz auf.
So sind die Tiere nach Dichtern und Schriftstellern benannt. Man kann diese Tatsache gut als gemeinsames Ratespiel mit seinen Kindern nutzen. Wer wohl für Johann Wolfgang, Annette, Rainer Maria und die anderen Tiere Namenspate gestanden hat?
Und warum sich am Ende der Geschichte gerade die Fliege so gut mit dem Mistkäfer angefreundet hat, dürfte so schwer nicht zu erraten sein, oder ;)

Im Anschluss an die Geschichte folgen noch einige wissenswerte Fakten über Mistkäfer:
Was hat ein Mistkäfer eigentlich mit der Milchstraße zu tun?
Warum ist die Tätigkeit des Mistkäfers so wichtig?
Mistkäfer können fliegen?

Bewertung vom 23.02.2021
Bodyguard - Staffel 1
Bodyguard

Bodyguard - Staffel 1


sehr gut

Nachdem der psychisch labile Kriegsveteran David Budd auf einer privaten Zugreise ein Selbstmordattentat verhindern kann, wird er zum Bodyguard der Innenministerin Julia Montague befördert. Nun erhält er immer mehr Einblick in die windigen Machenschaften der Politik, wodurch es ihm nicht leicht fällt seine Loyalität gegenüber der Innenministerin nicht infrage zu stellen.
Nach einem Attentat verändert sich die Verbindung zwischen den beiden jedoch, was es mir wiederum nicht einfach gemacht hat der Serie zu Beginn neben der hohen und sehr fesselnden Spannung, die mich durchaus an den Fernseher gefesselt hat, sehr gewogen zu sein. Zu extrem wurden mir hier die Klischees bedient von dem durch den Krieg deutlich psychisch gezeichneten Mann, dessen Ehe dadurch in die Brüche ging, und einem beruflichen Verhältnis, welches nach einer Katastrophe zu einer erotischen Liaison führt.
Nach und nach zeichnet es sich jedoch ab, dass die derart gezeichneten zwischenmenschlichen Beziehungen unabdingbar für den weiteren Verlauf der Serie und deren Handlung sind, sodass ich mich mit der vermeintlich oberflächlichen Klischeebedienung nach einer Weile ausgesöhnt habe. Wer ähnliche Bedenken bei der Figurenzeichnung hegt wie ich, dem kann ich versichern, dass es sich lohnt an der Serie dranzubleiben!
Zwar lässt es sich nicht abstreiten, dass die Handlung durchaus Logikfehler aufweist, wenn man alles Revue passieren lässt, aber dank der permanent hohen Spannung und einigen Entwicklungen und Offenbarungen, die einen eiskalt erwischen, konnte ich das verschmerzen und entschuldigen.

“Bodyguard” startet spannend und kann die Spannung über den Verlauf der Serie permanent steigern bis zum überraschenden Ende.
Auch wenn sich phasenweise über die Logik der Handlung streiten lässt und zu Beginn einige Klischees bedient werden, so weiß die Serie dennoch durch eine großartige Besetzung und eine fesselnde Handlung, die leider beängstigend nah an der Realität ist, zu überzeugen.

Bewertung vom 05.02.2021
Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough
Dautremer, Rébecca

Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough


sehr gut

Dieses großformatige Bilderbuch beeindruckt mit wunderschönen Illustrationen, die manches Mal in ihrer Detailliertheit und Opulenz an Gemälde erinnern.
Es erzählt tiefgründig und poetisch aus dem Leben des Jacominus Gainsborough, eben ein “Stundenbuch”.

Sowie der Titel eher nicht dem alltäglichen Sprachgebrauch zuzuordnen ist, so ist dies auch häufiger beim begleitenden Text der Fall. Nicht nur aus diesem Grund tue ich mich schwer dieses Buch als Kinderbuch einzuordnen.
In meinen Augen ist es was Inhalt und Text angeht eher ein Buch für erwachsene Leser. Der Text setzt zum einen voraus, dass man zwischen den Zeilen lesen kann, da er zeitweise eher stockend und sprunghaft die Illustrationen begleitet. Zum anderen einen guten Wortschatz, da die Sprache anspruchsvoll und gehoben ist.
Zudem sind die Themen nur bedingt für jüngeres Publikum geeignet. Wie jedes Leben wird auch das von Jacominus Gainsborough von Verlust und Tod begleitet, unter anderem spielen Krankheiten oder Krieg eine Rolle in seinem Leben. Dementsprechend wirken einige Bilder in diesem Buch recht düster und bedrückend, da die angesprochenen Themen natürlich auch visuell umgesetzt werden.
Noch besser als die gemäldeartigen großformatigen Illustrationen, haben mir jene Seiten gefallen, die wie Fotowände in einem Haus anmuten und ganz unterschiedliche Eindrücke und Momentaufnahmen aus dem Leben des Protagonisten präsentieren.

Empfehlenswert auf jeden Fall für Liebhaber besonders schön gestalteter Bücher, ist es für mich kein Buch, das (unbegleitet) in die Hände von Kindern gehört. Tatsächlich denke ich, dass das Buch Kindern selbst dann nicht zusagt, wenn sie es gemeinsam mit Erwachsenen lesen und darüber diskutieren.
Die Bilder hingegen werden eher auf Liebe stoßen, insofern die tierischen Charaktere den Kindern zusagen – nicht alle Wesen sind so niedlich in ihrer Darstellung wie der Hase Jacominus – da es auf den Bildern sehr viele Details und die unterschiedlichsten Darsteller zu entdecken gibt.

Das Leben Jacominus Gainsboroughs ist ein Leben wie jedes andere und wie jedes Leben etwas Besonderes.
Für Erwachsene ist seine Geschichte berührend und beeindruckend und bietet Lesestunden für mehr als eine Begegnung, da es in den Illustrationen unheimlich viel zu entdecken gibt und auch der begleitende Text viele Informationen rund um den Protagonisten bereithält.

Bewertung vom 28.01.2021
Pur genießen
Naessens, Pascale

Pur genießen


sehr gut

Die Einleitung zu Pascale Naessens Kochbuch nimmt einen weiten Raum ein. Sie schreibt unter anderem darüber, worauf ihre Küche basiert, und geht darauf ein, warum wir Heißhunger auf Fett und Zucker haben und schreibt über Kohlenhydrate aus Weizen, Kartoffeln, Reis und Co. Die Küche Pascale Naessens verzichtet auf diese Nährstofflieferanten und konzentriert sich auf Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch.

Für dieses Kochbuch sollte man auf jeden Fall eine große Liebe zu Fischgerichten mitbringen, denn diese nehmen reichlich Platz in diesem Buch ein, obwohl die Autorin zu Beginn schreibt in diesem Buch spielt Gemüse die Hauptrolle. Ich will nicht bestreiten, dass Gemüse EINE Hauptrolle spielt, aber dem Gemüse ist die Rolle der Fischgerichte in diesem Buch mindestens ebenbürdig.

Dem Rezeptteil ist nicht nur ein Register der Rezepte angestellt, sondern auch eines der Zutaten. So findet man sich schnell in dem Buch zurecht.

Die Aufmachung ist auf jeden Fall ein Hingucker und die Fotos der Speisen sind ein wahrer Augenschmaus und appetitanregend.
Neben der Foodfotografie sind auch ansprechende Landschaftsaufnahmen in dem Buch enthalten. Wer gerne in Kochbüchern schmökert, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

“Pur genießen” ist hier wirklich Programm, allerdings muss man Fisch lieben, um mit diesem Kochbuch voll auf seine Kosten zu kommen. Auch ist das Buch sehr augenscheinlich ein Buch, welches die Person der Autorin in den Fokus rückt, das muss man mögen, für mich ist es etwas zu viel Selbstinszenierung, auch wenn die Rezepte an sich gelungen sind.