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Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 920 Bewertungen
Bewertung vom 25.05.2020
Bloom
Oppel, Kenneth

Bloom


ausgezeichnet

Kenneth Oppel ist einer der Autoren, zu dessen Büchern ich unabhängig vom Inhalt greife. Mit dem Auftakt der Bloom Trilogie betritt er ein Terrain, welches ich nur selten in literarischer Form bereise.
Die Geschichte der unheimlichen, schwarzen, grasförmigen Pflanzen, die seit einem weltweit aufgetretenen Regen Felder und Städte auf allen Kontinenten überwuchern, weist einen ordentlichen Schuss Horror auf und ist am ehesten dem Genre Science Fiction zuzuordnen.

Ein kurzer Prolog wirft den Leser in eine spannende Szene, die zwei Wochen nach dem eigentlichen Auftakt des Buches angesetzt ist. In dieser knappen Sequenz wird der Schrecken bereits deutlich spürbar, den die Figuren des Buches im Laufe der Handlung in Form der invasiven Pflanzen erwartet.
Hauptfiguren dieser Geschichte sind die drei Jugendlichen Anaya, Petra und Seth, die alle ungewöhnliche Krankengeschichten aufweisen. Mit Beginn der Pflanzeninvasion werden sie jedoch ihre heftigen Allergien los und scheinen die einzigen Menschen zu sein, die nicht auf die Säureabsonderungen und benebelnden Düfte der Pflanzen reagieren.
Hierin liegt ein Geheimnis verborgen, welches möglicherweise nicht jedem Leser zusagt. Ich fand den Mix aus Gesellschaftskritik, Invasion, Horror und einer Hommage an B-Movies der 50er und 60er Jahre jedoch äußerst spannend und fesselnd, manche Szenen sind sogar sehr nahe an der Ekelgrenze. Wenn Kenneth Oppel an diesen Stellen nicht einiges ungesagt beziehungsweise ungeschrieben gelassen hätte, da es ein Jugendbuch ist, wäre Bloom möglicherweise ein bildgewaltiger Horrorschocker für erwachsene Leser geworden – ein bisschen Spaß an Horror und Ekelszenen sollte man also mitbringen für dieses “schwarze Vergnügen” ;)

Zu Beginn der Geschichte liegt der Fokus auf der Reaktion von Umwelt und Gesellschaft auf die unbekannten und zerstörerischen Pflanzen. Ernteausfälle von unermesslichen Ausmaßen und Hungersnöte stehen im Raum, die Menschen klagen die Regierung an, dass ihnen etwas verheimlicht wird. Möglicherweise ist ein Experiment aus dem Ruder gelaufen und bei den Pflanzen handelt es sich um Bioterrorismus.
Als Licht ins Dunkel kommt, woher diese Pflanzen tatsächlich stammen, wird es echt abgefahren und richtig schön trashig! Ab diesem Zeitpunkt wird man die Geschichte entweder lieben oder hassen. Ich habe mich auf die Entwicklung eingelassen und mich abwechselnd gegruselt und geekelt, bevor ich mit einer leichten Gänsehaut den Buchdeckel über diesem Reihenauftakt zugeklappt habe, da Kenneth Oppel seinen Lesern einen fiesen Cliffhanger mit dem allerletzten Satz dieses Buches serviert.

Nach diesem Auftakt zu Kenneth Oppels neuer Trilogie bin ich mir zwar ziemlich sicher, dass sie nicht meine All-Time-Favourites aus seiner Feder von ihrem Thron stoßen wird, andererseits freue ich mich, dass er sich mit “Bloom” wie so oft zuvor ein weiteres Mal neu erfunden hat. Ich kann es nicht oft genug sagen: Kenneth Oppel kann einfach ALLES schreiben!
“Bloom – Die Apokalypse beginnt in deinem Garten” hat sich als spannender und kurzweiliger Pageturner entpuppt, der mich auf eine Reise in ein Genre entführt hat, zu dem ich normalerweise nur selten greife.
Da Kenneth Oppel den Spannungsbogen nie abreißen lässt, fliegt man nahezu durch die Seiten, bis er am Ende mit einem fiesen Cliffhanger den Köder für die Fortsetzung auswirft. Mich hat er damit am Haken ;) Ich bin gespannt, wohin die weitere Reise von Anaya, Petra und Seth gehen wird.

Bewertung vom 24.05.2020
Helden-Atlas
Colombo, Miralda

Helden-Atlas


ausgezeichnet

101 Frauen und Männer, die die Welt verändert haben, sind in diesem Buch versammelt, wobei die letzte Person, die in diesem Buch vertreten ist, das Werk zu einem ganz besonderem und individuellen Buchschatz werden lässt.

Die Welt lässt sich auf ganz unterschiedlichen Arten verändern, so ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen, denen mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt wurde, aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und verschiedenen Berufsfeldern kommen.
In diesem Werk sind Künstler, Genies, Schriftsteller, Vordenker, Mutige und Visionäre vertreten. Davon sind einige bereits vor Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten verstorben, andere prägen immer noch unsere Zeit und die Gesellschaft.
Viele Personen in diesem Buch werden Kindern zunächst kein Begriff sein, selbst als Erwachsener war mir bei weitem nicht jede Persönlichkeit bekannt, die in diesem Buch präsentiert wird. Aber die Begleittexte, durch die dieser Mensch vorgestellt wird, schaffen Abhilfe. Davon abgesehen, sind Sachbücher – beziehungsweise Bücher allgemein – auch dazu da sich neues Wissen anzueignen und nicht nur vorhandenes Wissen zu reflektieren oder zu vertiefen.
Jede Heldengruppe, beispielsweise die Künstler, werden zu Beginn ihrer Rubrik komplett namentlich und mit einem Porträt auf einer Weltkarte aufgeführt, sodass man direkt sehen kann, wer aus welchem Land stammt und auf welche Steckbriefe man sich auf den nachfolgenden Seiten freuen kann.
Dank des übergroßen Formats genügt eine Seite, um jeden Helden mit zahlreichen Bildern, Texten und Höhepunkten aus seinem Leben vorzustellen, auch wenn ich von einigen gerne noch viel mehr Details erfahren hätte.
Die Auswahl der Frauen und Männer, die den Weg in dieses Buch gefunden haben, ist wirklich sehr vielfältig und durchaus auch zielgruppenorientiert gesetzt. Personen wie Hayao Miazaki, der Regisseur von “Chihiros Reise ins Zauberland”, Astrid Lindgren oder Joanne K. Rowling sind Helden unserer Kindheit oder Helden unserer Kinder.
Neben den zahlreichen Informationen, die dieses Werk beinhaltet, ist das Buch auch vom Layout und den Illustrationen absolut gelungen und ein wahrer Augenschmaus. Alle Seiten sind farbig unterlegt, die Steckbriefe enthalten neben einem Bild des porträtierten Helden zahlreiche Details und Symbole aus dessen Leben, sodass es immer wieder etwas zu entdecken gibt neben den Begleittexten.

“Helden-Atlas” lässt nicht nur die Herzen der anvisierten Zielgruppe höher schlagen. Die Auswahl der vertretenen Menschen in diesem Buch ist so vielfältig und gut ausgewählt, dass man dank diesem Buch auch als erwachsener Leser viel neues Wissen erlangen oder in Erinnerungen schwelgen kann, wenn man die Porträts von Menschen wie den Beatles, Audrey Hepburn oder Alfred Hitchcock durchschmökert.

Bewertung vom 19.05.2020
Psycho Rätsel
Ward, Jason

Psycho Rätsel


sehr gut

Das Buch “Psycho Rätsel” beinhaltet Denksportaufgaben, die von der Welt Alfred Hitchcocks inspiriert wurden. Um sie zu lösen, muss man seine Filme nicht kennen, allerdings kann ich mir vorstellen, dass einem die Geschichten, in denen die Rätsel verpackt wurden, mit etwas Hintergrundwissen noch mehr Spaß machen als ohne.

Die Aufmachung und das Konzept des Buches orientieren sich ebenso wie die Rätselgeschichten am Werk des großen Meisters. So ist das Layout in den typischen “Krimifarben” rot und schwarz gehalten und die Illustrationen muten an wie aus Filmen und Comics der 50er und 60er Jahre.
Die Kapitel tragen Namen von Hitchcocks Filmen. Die Rätsel sind unterteilt in “Psycho”, “Das Fenster zum Hof, “Die Vögel”, “Der unsichtbare Dritte” und “Vertigo”. Dem Rätselteil schließen sich die Lösungen an.

Die Rätsel sind sehr vielfältig, so dass man sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit diesem Buch beschäftigen kann. Es gibt Aufgaben, die mathematisches Denken erfordern, bei einigen muss man um die Ecke denken, manches Mal ist es tatsächlich von Vorteil das Werk Alfred Hitchcocks zu kennen.
Man kann die Aufgaben alleine lösen, aber auch Teams bilden. Bei den Matheaufgaben kann man beispielsweise auf Zeit spielen, bei den kreativen Aufgaben könnte man über einen Spielführer nachdenken, da es sonst stellenweise beinahe aussichtslos erscheint alleine auf die Lösung zu kommen. Dies ist für mich auch der Grund leichte Kritik am Inhalt des Buches zu üben, denn manche Geschichten offenbaren Lösungen, denen mit keinerlei Logik beizukommen ist, selbst nicht mit Wissen um das Werk Hitchcocks.

Bis auf die Kritik an den wenigen in meinen Augen unlogischen Rätselgeschichten, die man besser mit einem Spielleiter gemeinsam in Angriff nehmen sollte, um eine Chance zu haben auf ihre Lösung zu kommen, ist “Psycho Rätsel” ein kurzweiliges und vielfältiges Rätselbuch, welches man sowohl alleine als auch gemeinsam mit Freunden in Angriff nehmen kann.
Die Idee, das Konzept des Buches auf das Leben und Werk Alfred Hitchcocks auszurichten, finde ich großartig, da ich seine Filme fantastisch finde und meine Lust sie wieder einmal zu sehen durch die Rätsel wieder geweckt wurde.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Leser und Ratefüchse, die vor diesem Buch Hitchcocks Filme noch nicht kannten, durch dieses Buch Interesse bekommen sie sich anzusehen.

Bewertung vom 16.05.2020
Fantastic Stories for Fearless Girls
Ganeri, Anita

Fantastic Stories for Fearless Girls


ausgezeichnet

“Fantastic Stories for Fearless Girls” ist nicht nur, wie der Titel es bereits sagt, eine Sammlung fantastischer Geschichten für und über furchtlose Heldinnen, sondern gleichermaßen eine bunte Schatztruhe internationaler Sagen und Märchen. Sehr inspirierend und lesenswert ist zudem die Einleitung.
Die fünfzehn gesammelten Geschichten stammen unter anderem aus Griechenland, Japan, Norwegen, Indien oder Kanada und bereits ihre ungewöhnlichen Titel wecken die Lust daran jede einzelne von ihnen kennenzulernen.
Die Titel geben allesamt Hinweise auf die Hauptfigur, sei es “Atalante, die flinkfüßige Jägerin” oder “Wie die kleine Molly Whuppie einen Riesen übertölpelte”, doch auch klassische Märchengestalten sind vertreten, beispielsweise in “Prinzessin Imani und der magische Fächer”. Nur dass die Prinzessinnen in dieser Geschichtensammlung oftmals ganz anders handeln und agieren, wie man es aus klassischen europäischen Märchen gewohnt ist.
Die Inhalte sind so vielfältig wie die Titel, die Figuren und die Länder, in denen sie spielen. So überzeugt eine Geschichte mehr, die andere weniger, da dies immer eine Frage des persönlichen Geschmacks ist und die enthaltenen Erzählungen nun mal sehr unterschiedlich sind. Manche Märchen sind sehr außergewöhnlich und fremdartig, andere erinnern in ihren Motiven durchaus an klassische Weisen, wie man sie von europäischen Märchenerzählern kennt.
Neben dem Inhalt punktet diese Sammlung vorrangig auch mit ihrer wunderschönen Aufmachung. Bereits das Cover, auf dem verschiedene Heldinnen der enthaltenen Märchen vertreten sind, sowie die floral gestalteten Vorsatzseiten sind bezaubernd und ziehen einen in ihren Bann. Alle Märchen sind farbig illustriert, neben kleineren Illustrationen auf den Seiten mit Text, sind zudem viele ganzseitige Illustrationen im Buch enthalten. Darüber hinaus wurde jeder Geschichte ein Symbol – meistens eine Pflanze – zugeordnet, welches immer am oberen Rand des Buches zu finden ist.
Im Inhaltsverzeichnis sind alle enthaltenen Geschichten mit ihrem Titel, sowie dem Herkunftsland aufgeführt.

“Fantastic Stories for Fearless Girls” ist eine vielfältige und multikulturelle Märchensammlung, die einen in fremde Länder entführt und mit starken Frauenfiguren, sowie zauberhaften Illustrationen begeistert. Inhalt und Aufmachung sind sowohl für junge als auch erwachsene Märchenliebhaber konzipiert.

Bewertung vom 12.05.2020
Über den Tellerrand

Über den Tellerrand


ausgezeichnet

In “Über den Tellerrand” präsentiert Gregg Segal ungewöhnliche Porträts von Kindern aus verschiedenen Ländern der Erde.
Jedes der porträtierten Kinder hat eine Woche lang ein Essenstagebuch geführt und wurde anschließend in einem Arrangement mit sämtlichen Mahlzeiten dieser Woche von Gregg Segal fotografiert.

Neben den Porträts beinhaltet das Buch ein Vorwort von Bee Wilson, sowie ein Nachwort von Gregg Segal. Beide sind sehr interessant zu lesen und liefern Hintergründe zu dem Projekt und allgemein zur Esskultur verschiedener Länder oder armen und reichen Gesellschaftsschichten, sowie den Einfluss, den Essen auf unseren Körper nimmt.

Die Porträts umfassen jeweils eine Doppelseite.
Auf der linken Seite sind der Name des Kindes, das Alter, sein Wohnort, sowie das Datum der Aufnahme erfasst. Darunter befindet sich ein ausführlicher Text, der nicht nur die Essgewohnheiten des Kindes beschreibt, sondern auch sein Umfeld, seinen Berufswunsch, oder die familiäre Struktur, in dem es aufwächst.
Auf der rechten Seite befindet sich ein formatfüllendes Farbfoto des Kindes inmitten aller Mahlzeiten, die es in der Woche zu sich genommen hat, in der es sein Essenstagebuch geführt hat.

Durch das große Format kommen die Fotos sehr gut zur Geltung und alle Details sind gut erkennbar. Das Covermotiv ist im Übrigen eines der im Buch enthaltenen Porträts, so dass man von der Verpackung, also dem Cover, direkt auf den Inhalt des Buches schließen kann.

Es ist nicht nur interessant, wie sich die Ernährungsgewohnheiten von Land zu Land unterscheiden, sondern auch bemerkenswert, dass aufgrund der immer weiter fortschreitenden Globalisierung einige Snacks bekannter Marken länderübergreifend vertreten sind oder man immer wieder den gleichen Fast-Food-Ketten begegnet.
Das Betrachten der Fotos führt unter anderem dazu eigene Essgewohnheiten zu überdenken beziehungsweise die der eigenen Kinder. Denn teilweise ist es erschreckend zu registrieren, welche Lebensmittel hauptsächlich in unserer Ernährung auftauchen. In einigen Ländern werden erfreulich viele frische, gesunde Nahrungsmittel gegessen, wodurch zudem wenig Verpackungsmüll entsteht. Auf anderen Bildern hingegen sieht man weitaus mehr Fast Food und Snacks, bereits zubereitete Lebensmittel, die immer mit vermeidbarem Verpackungsmüll einhergehen. So wirkt sich die Wahl der Lebensmittel nicht nur auf die Gesundheit unseres Körpers aus, sondern auch auf die Umwelt.
In einigen Begleittexten wird erwähnt, dass auch einige porträtierte Kinder und Jugendliche sich nach dem Schreiben ihres Essenstagebuches und dem Betrachten ihres Fotos sich bewusster mit gesunder Ernährung auseinandersetzen wollen, da sie zuvor gar nicht in dem Ausmaß registriert hatten, wie viel Junkfood und Süßigkeiten sie im Laufe einer Woche zu sich nehmen.

“Über den Tellerrand” ist ein Buch, welches einen ganz ungewöhnlichen Blickwinkel einnimmt, um sich mit verschiedenen Kulturen zu befassen und welches zudem auf interessante Art und Weise aufzeigt, wie Essen unser Leben und unsere Umwelt beeinflusst.
Es ist sehr lehrreich, unterhaltsam, aber auch kurzweilig zu lesen, und ich kann es sowohl jungen als auch erwachsenen Lesern uneingeschränkt empfehlen.

Bewertung vom 08.05.2020
Frida und der NeinJa-Ritter
Löhle, Philipp

Frida und der NeinJa-Ritter


sehr gut

“Frida und der Neinja-Ritter” ist ein Buch vom Verlieren, Suchen und Finden und gleichzeitig ein sprachlicher Geniestreich.
Entsprechend der Altersgruppe ist es bei Frida ein Schneidezahn, mit dessen Verlust ihr auch gleichzeitig das “F” abhandengekommen ist. Denn beim Sprechen pfeift es durch ihre Zahnlücke und sie bringt nur noch einen “phhh”-Laut hervor.
Doch Frida ist nicht der einzige Charakter in diesem Buch, der etwas verloren hat. Aus ihrem Kleiderschrank kommt plötzlich ein seltsamer Ritter hoch zu Ross herausgaloppiert. Der Ritter vertauscht Nein und Ja, und sein Ross ist gar kein Pferd, sondern ein Zebra, welches seine Streifen und damit die Orientierung verloren hat.
Ob die drei ungleichen Gefährten es wohl gemeinsam schaffen ins Land der verlorenen Dinge zu gelangen und dort ihre verlorenen Sachen wiederfinden?

Der ganze Spaß des Buches entwickelt sich meiner Meinung nach nur zur Gänze, wenn man es nicht selbstliest, sondern vorliest. Beim Selbstlesen fand ich die ersten Kapitel etwas zäh, zumal der Witz hier beinahe ausschließlich durch den Sprachfehler Fridas und die Nein-Ja-Verwechslungen des Ritters erzeugt wird.
Nachdem sich Frida, der Ritter und sein Zebra Tornado auf den Weg ins Land der verlorenen Dinge aufmachen, entfaltet sich der Witz der Geschichte jedoch vollends und das Aufeinandertreffen der drei mit allerlei skurrilen Figuren ist spannend und führt zu unerwarteten Situationen.
Außerdem kommen hier nun auch die erwachsenen (Vor-)Leser auf ihre Kosten, denn die Reise der drei in das geheimnisvolle Land der verlorenen Dinge erinnert an Figuren oder Szenen aus Klassikern wie “Alice im Wunderland” oder “Der Zauberer von Oz”.
Ich finde es immer toll, wenn ein Vorlesebuch auch Erwachsene begeistern kann, denn es ist schrecklich ein langweiliges Buch immer und immer wieder vorlesen zu müssen ;)
Philipp Löhles Ideen zeugen von höchster Fabulierkunst und Gloria Jasionowskis farbenfrohe und teils ganzseitige Illustrationen sind einfach zauberhaft!

Obschon ich die ersten Kapitel gebraucht habe, um mit der Geschichte warm zu werden, so ist sie letzten Endes ein wunderbarer und höchst fantasievoller Schmökerspaß, der Erwachsenen Spaß beim Vorlesen bereitet und der dank der großen Schrift auch von Erstlesern gut bewältigt werden kann.

Bewertung vom 04.05.2020
Mama - 20 Postkarten
Delforge, Hélène

Mama - 20 Postkarten


ausgezeichnet

Dieses Postkartenbuch enthält 20 Postkarten mit Motiven aus dem Bilderbuchbestseller “Mama” von Hélène Delforge, den Quentin Gréban kongenial illustriert hat.
Je Motiv sind zwei Karten enthalten, so dass man von jedem Motiv eine Karte für sich selbst behalten kann, sollte man sich von den traumhaften Motiven nicht trennen wollen. Denn außer zum Verschicken eignen sich die Karten unter anderem auch gut zum Bestücken von Bilderrahmen.

Die Qualität der Karten ist sehr gut und stabil.
Für die Adresse des Empfängers sind zarte Linien zum Beschriften aufgedruckt, ansonsten ist die Rückseite frei beschreibbar.
Die Motive auf der Vorderseite sind randlos auf die komplette Fläche gedruckt und halten von der Qualität problemlos mit den Vorlagen aus dem gleichnamigen Buch mit.

Auf der Innenseite des Postkartenbuchrückens werden noch weitere Artikel vorgestellt, die es zum Bilderbuchbestseller “Mama” zu erwerben gibt. Neben diesem Postkartenbuch gibt es unter anderem auch ein Notizbuch und ein Schwangerschafts-und-Mama-Tagebuch.

Wunderschöne Karten in toller Qualität zum Selbstbehalten oder zum Verschicken und Verschenken an andere Mütter.

Bewertung vom 02.05.2020
Der Katze ist es ganz egal
Orghandl, Franz

Der Katze ist es ganz egal


ausgezeichnet

“Ich bin niemand anderer als früher”, sagt sie. “Außer, dass ich einer Verwechslung auf die Spur gekommen bin.” (S.93)

Als Leo seiner Familie erzählt, dass er einen neuen Namen hat und jetzt ein Mädchen ist, ruft dies die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Verständnis und Nachfragen fehlen darunter jedoch. Eltern und Großeltern entgegen bloß, dass man den eigenen Vornamen doch nicht wechselt, und dass Leo verwirrt sei.
Doch Leo ist nicht verwirrt, er ist ein Mädchen, ein Mädchen mit Penis, und das Outing am Esstisch ist der Beginn der witzigen und zugleich einfühlsamen Transgendergeschichte eines kleinen Mädchens aus ihrer Sicht und der Reaktionen ihres Umfelds darauf.

Was sich zu Beginn abzeichnet, zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Wie der Titel “Der Katze ist es ganz egal” schon andeutet, sind es in erster Linie die Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben Jennifers tatsächliches Geschlecht zu akzeptieren, der Katze ist es egal und Jennifers Klassenkameraden reagieren im ersten Moment vielleicht etwas albern, verwundert oder gar frech, insgesamt können sich die Kinder jedoch schneller und einfacher auf ihre “neue” Klassenkameradin einlassen.

Die innere Zerrissenheit Leos/Jennifers wird gut dargestellt durch die wechselnden Pronomen, die in der Geschichte verwendet werden. Da Leo zu Beginn noch versucht seiner biologischen Rolle nachzukommen, um seine Eltern nicht zu enttäuschen, wird die Figur als “er” bezeichnet.
Im späteren Verlauf wird Jennifer jedoch immer selbstsicherer, nicht zuletzt durch den Rückhalt ihrer Freunde und so tritt im Buch immer häufiger das soziale Geschlecht in den Vordergrund und die Figur erscheint als “sie”.

Das Buch erklärt Transgender kindgerecht und einfach, einfühlsam und mit Humor. Statt wie ein Sachbuch daherzukommen, um den kleinen Lesern Begrifflichkeiten nahe zu bringen, übernimmt diesen Part Jennifers schlaue Freundin Anne. Sie erklärt, was man unter einem biologischen oder sozialen Geschlecht versteht, ohne diese Begriffe überhaupt ins Spiel zu bringen.

Die Geschichte ist trotz, oder auch wegen ihrer Thematik, sehr lustig, was nicht zuletzt auf das Konto der Illustratorin Theresa Strozyk geht, die Franz Orghandls Kinderroman mit genialen Bildern untermalt und ihren Figuren ein Gesicht gegeben hat. Verrückte Szenen werden so noch überspitzter dargestellt und Figuren, die zu Beginn eher engstirnig und ablehnend auf Leos/Jennifers Outing reagieren, auch mal auf die Schippe genommen.

Sehr charmant ist auch das Wiener Flair der Geschichte, welches durch das besondere Vokabular noch hervorgehoben wird. Diese Begriffe wurden für den deutschen Markt unverändert übernommen, aber mit Randbemerkungen innerhalb der Illustrationen für das hiesige Lesepublikum übersetzt.

“Der Katze ist es ganz egal” ist witzig, warmherzig, rührend und stürzt den Leser in ein Wechselbad der Gefühle. Zumindest aus Sicht eines erwachsenen Lesers. Meistens muss man sich die Lachtränen aus den Augen wischen, aber einige Szenen sind so schön und herzerwärmend, dass sich durchaus die eine oder andere “echte” Träne in die Augen verirren kann.
Ich empfehle das Buch allen, die Kinder haben, denen sie das Thema näher bringen möchten, aber auch allen, die selbst mehr Verständnis für Gender entwickeln wollen.
Es ist ein tolles Buch, das Aufklärungsarbeit für ein wichtiges und sensibles Thema leistet, ohne die Moralkeule zu schwingen, sondern stattdessen auf Spaß und Humor setzt.

Bewertung vom 22.04.2020
Die Vanderbeekers und der versteckte Garten / Vanderbeekers Bd.2
Glaser, Karina Yan

Die Vanderbeekers und der versteckte Garten / Vanderbeekers Bd.2


ausgezeichnet

Familie Vanderbeeker ist zurück! In der ersten Geschichte rund um die liebenswerte Familie haben die Kinder es geschafft ihr Zuhause und damit Weihnachten zu retten. Seitdem besteht ein gutes Verhältnis zwischen ihnen und dem etwas griesgrämigen Vermieter Mister Beiderman. Doch leider währt die Ruhe im Haus nicht allzu lange bevor die Sorge um einen anderen Nachbarn das Leben der Kinder überschattet.
Über den Vanderbeekers wohnen Miss Josie und Mister Jeet. Die beiden sind schon recht alt und Mister Jeet seit einem Schlaganfall gesundheitlich angeschlagen. Nun erleidet er ein zweites Mal einen Schlaganfall und muss auf Grund dessen auf die Intensivstation des Krankenhauses. Sein Zustand ist so kritisch, dass die Kinder ihn nicht besuchen dürfen.
Die Vanderbeekers wären jedoch nicht die Vanderbeekers, wenn ihnen nicht eine Möglichkeit einfallen würde, wie sie Mr Jeet spätestens bei seiner Rückkehr aufmuntern können. Diese Idee hat mit der Leidenschaft Mister Jeets und Miss Josies für Pflanzen zu tun und einem alten, vermüllten Grundstück neben der Kirche. Doch ob sich die Vision eines geheimen Gartens tatsächlich umsetzen lässt?
Das wenige Geld für die benötigten Gartengeräte und Pflanzen und die immense Arbeit, die in einem heruntergekommenen Grundstück steckt, sind Lappalien im Vergleich dazu, dass sie nicht die einzigen sind, die plötzlich Interesse an dem versteckten Garten zeigen…

Nach dem Abenteuer um das gerettete Weihnachtsfest habe ich mich unheimlich gefreut eine weitere Geschichte mit den Vanderbeeker-Kindern erleben zu dürfen. Im Gegensatz zum ersten Teil treten sie diesesmal nur zu viert auf, da Jessies Zwillingsschwester Isa in einem Musikcamp weilt, doch man nimmt von Zeit zu Zeit teil am Austausch mit ihr per Telefon, so dass sie in dieser Geschichte nicht gänzlich fehlt.
Außerdem bleiben die Kinder nicht lange zu viert, denn alte und neue Wegbegleiter sind bald in das Abenteuer um den versteckten Garten involviert.
Auch wenn das Abenteuer vom versteckten Garten eigenständig gelesen werden kann, macht es noch mehr Freude, wenn man die Vorgeschichte vom geretteten Weihnachtsfest kennt, zumal die Lebensgeschichte des Vermieter Mister Beidermans hier vertieft wird.
Wie im ersten Band fallen den Kindern oftmals Dinge ein, um ihre Idee in die Tat umzusetzen, die bei den Erwachsenen nicht immer auf Gegenliebe stoßen. Die Eltern von Jessie, Isa, Oliver, Hyacinth und Laney können einem manchmal fast leid tun ;) Aber man kann den Kindern nie wirklich böse sein, denn die Verrücktheiten, die sie anstellen, machen sie ja aus dem einzigen Grund, um ihren Nachbarn eine Freude zu bereiten.

Das Abenteuer um den versteckten Garten steht der Geschichte um das gerettete Weihnachten in nichts nach. Es ist unheimlich schön den Tatendrang zu verfolgen, den die Kindern an den Tag legen, um ihre beiden Nachbarn zu überraschen. Außerdem zeigt die Geschichte auf, dass es sich fast immer lohnt für etwas zu kämpfen, auch wenn die Erfolgschancen noch so gering sind.
Wer mit Herzblut für eine Sache kämpft, findet fast immer Unterstützer oder Mitstreiter, zumal die Kinder in diesem Fall so selbstlos handeln und auf vieles verzichten, um anderen eine Freude zu bereiten.

Wer das erste Abenteuer der verrückten Familie mochte, wird auch das zweite lieben, wer die Vanderbeekers noch nicht kennt, sollte das Versäumnis schnellstmöglich nachholen.
Ich habe auch diese Geschichte wieder von Herzen geliebt und hoffe sehr, dass ein Wiederlesen mit den liebenswerten Vanderbeeker-Kindern nicht allzu lange auf sich warten lässt!

Reihen-Info:
Die Vanderbeekers retten Weihnachten
Die Vanderbeekers und der versteckte Garten
Band 3 noch ohne deutschen Titel
Band 4 noch ohne deutschen Titel

Bewertung vom 21.04.2020
Das Rätsel von Ainsley Castle
Rahlens, Holly-Jane

Das Rätsel von Ainsley Castle


sehr gut

Seit kurzer Zeit wohnt Lizzy mit ihrem Vater und dessen neuer Frau an der schottischen Küste im Hotel Ainsley Castle. Lizzy fühlt sich dort nicht wohl, denn sie versteht sich überhaupt nicht mit ihrer Stiefmutter.
Was zu Beginn wie eine Neuinterpretation des Aschenputtelmotivs anmutet, wandelt sich schnell in eine mysteriöse Richtung, denn Lizzy erhält Emails von einem unbekannten Absender. Sie selbst ist für den Verfasser der Emails jedoch keine Unbekannte. Der Absender weiß nicht nur, was Lizzy tut, sondern kennt auch ihre Gedanken. Wie kann das sein?
Hilfe erhält Lizzy von dem computerversierten Jungen Mack und einem Mädchen namens Betty, welches Lizzy bis aufs Haar gleicht. Spätestens ab diesem Moment ist Lizzy klar, dass ihre Geschichte ganz und gar nicht normal ist. Können sie und ihre neuen Freunde das Geheimnis lösen?

Mit "Das Rätsel von Ainsley Castle" legt Holly-Jane Rahlens eine mysteriöse und spannende Geschichte vor, die auf Grund ihrer Entwicklung und der Auflösung nicht nur das junge Lesepublikum an die Seiten fesselt. Ich finde die Idee hinter diesem Roman sehr interessant und toll konzipiert. Es bleibt selbst dann noch spannend und rätselhaft, wenn sich der Schleier des Geheimnisses langsam lüftet. Allein der Gedanke an Emails eines Fremden, der alles weiß, was man tut oder denkt, kann einem eiskalte Schauer über den Rücken jagen...
Die Gegend, in der die Geschichte spielt, ist sehr schön beschrieben und die Charaktere toll ausgearbeitet. Dreh- und Angelpunkt ist natürlich Lizzy, aber auch Mack, Betty und Lizzys Stiefmutter spielen große Rollen. Besonders interessant ist es die Figuren von Lizzy und Betty im Vergleich zu sehen.
Einzig gegen Ende hat sich die Handlung etwas zu rasant auf das Ende zubewegt, nachdem Holly-Jane Rahlens vorher die Fäden so behutsam gesponnen und allen Figuren Raum zur Entwicklung gegeben hat. Gerade junge Leser könnten sich so von der Auflösung etwas überrumpelt oder überfordert fühlen.

Die Autorin punktet wie so oft in ihren Romanen mit ihrem ganz speziellen Humor und der für sie typischen Erzählstimme.
Das Rätsel, um das es in dieser Geschichte geht, ist außergewöhnlich, spannend und schlüssig aufgezogen und kann sowohl junge wie erwachsene Leser an die Seiten bannen.