Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Furbaby_Mom

Bewertungen

Insgesamt 342 Bewertungen
Bewertung vom 06.08.2022
Tweet Cute
Lord, Emma

Tweet Cute


sehr gut

Eigentlich hätte diese süße Young-Adult-Romance, deren Story-Grundlage (Haters-to-Lovers + Online-Flirt mit einer anonymen Person) mich entfernt an den Film "e-m@il für Dich" erinnert hat, durchaus das Zeug zum 5-Sterne-Read gehabt; insbesondere der Einstieg in die Handlung war mehr als vielversprechend - ein flotter, humorvoller Schreibstil, der nicht zu übertrieben mit vermeintlichem Jugend-Slang zu punkten versucht, sympathische Hauptfiguren und eine kreative Hintergrundgeschichte. Kurzum: Zunächst war ich sehr happy mit dem Buch.

Mit voranschreitender Handlung offenbarten sich jedoch ein, zwei kleine Schwächen.

Die Glaubwürdigkeit hat etwas gelitten. Natürlich kommen bei Unterhaltungsliteratur Fiktion und Fantasie ins Spiel, das ist mir bewusst und auch völlig okay (mehr als das sogar, ansonsten würde ich statt Romanen schlichtweg die Tageszeitung lesen und das Fantasy-Genre hätte gar keine Daseinsberechtigung). Es geht mir nicht darum, dass die Handlung eines Werkes 1:1 realistisch sein soll. Aber das Verhalten der Figuren sollte - im Hinblick auf die Welt, in der sie leben, und die Umstände, mit denen sie dort konfrontiert werden - Sinn ergeben. Dass Peppers nicht unfreundliche, doch toughe, gewinnorientierte Mutter (Typ ehrgeizige Boss-Lady) all about Business und Unternehmenserfolg ist, aber gleichzeitig Angestellte (wie z.B. Taffy) beschäftigt, die nicht fähig sind, eigenständig die mit ihrem Job einhergehenden Aufgaben zu erfüllen, und dass sie deren kontinuierliche, offensichtliche Überforderung lieber als gegeben hinnimmt, anstatt sie durch qualifiziertere Mitarbeiter:innen zu ersetzen oder ihnen zumindest professionelle Unterstützung ins Team zu holen, war in meinen Augen enorm unglaubwürdig. Stattdessen überträgt sie elementare Marketing-Aufgaben des Großunternehmens an ihre Teenager-Tochter - ist klar. (Jene Tochter, die eigentlich rund um die Uhr in Prüfungsvorbereitungen und Hausaufgaben vertieft sein sollte, weil sie auf eine knallharte Eliteschule geht, wo Bestleistungen vorausgesetzt werden.) Pepper wird im Minutentakt mit Nachrichten und Anrufen bombardiert, denn die PR-Abteilung von Big League Burger ist scheinbar komplett aufgeschmissen ohne die Ideen des jungen Mädchens. … - I don’t think so. Da es sich um einen Jugendroman handelt, sehe ich darüber hinweg, die Heldin braucht immerhin eine wichtige Rolle. ABER: Es wäre nicht nötig gewesen, dermaßen dick aufzutragen. Pepper schläft angeblich seit Monaten maximal 5 Stunden am Tag, ist allerdings fit genug für regelmäßigen Hochleistungssport und brilliert im Unterricht. - Als frischgebackene Mama, die selbst höchstens 5 Stunden Schlaf am Stück bekommt, habe ich mich bei dieser putzig-weltfremden Behauptung vor Lachen fast am Kaffee verschluckt.

Ich mag es nicht, wenn Figuren nicht mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert werden. Jacks allseits beliebter Zwillingsbruder Ethan macht ständig Versprechungen, deren Einhaltung er Jack überlässt, drückt sich konsequent vor der Arbeit im Familienunternehmen und kommt permanent ohne Konsequenzen davon. Über das elterliche Verhalten konnte ich nur den Kopf schütteln; wenn ich mehrere Kinder habe, behandele ich sie alle gleich, Punkt. Auch Jack hätte ich gerne mal ins Gewissen geredet, damit er seinem Bruder nicht andauernd zur Rettung eilt, sondern auch mal an sich selbst denkt. So was ärgert mich einfach.

Gut gefallen hingegen haben mir der Aspekt des modernen Romeo-und-Julia-Hintergrundes (die Familien der beiden Hauptfiguren sind zwar verfeindet, allerdings nur auf geschäftlicher Ebene, nicht auf tragische "Westwell"-Weise), die Weazel-App, das NYC-Setting sowie die eingestreuten Tweets und Chatverläufe. Peppers legendären Monster-Cake hätte ich außerdem zu gerne mal probiert.

Bewertung vom 26.07.2022
Prinzessin auf Probe / Tokyo ever after Bd.1
Jean, Emiko

Prinzessin auf Probe / Tokyo ever after Bd.1


gut

Mega Idee, Umsetzung hat noch Luft nach oben
Eine moderne Cinderella Story mitten in Japan - wie cool ist das denn?! Allein diese kreative Story-Idee verdient 5 Sterne!
Auch wenn es nichts Neues ist: Das Thema "Plötzlich Prinzessin" gefiel mir super, solche Geschichten liebe ich einfach und lese sie immer wieder gerne.
Der Hof der japanischen kaiserlichen Familie war eine äußerst clevere Setting-Wahl. Zum einen übt die japanische Kultur ohnehin eine Faszination auf mich aus und ich fand es total spannend, mehr darüber zu erfahren. Zum anderen bin ich ein Fan von royalen Settings, wo es neben all dem Prunk und Protz stets auch Intrigen und jede Menge Geheimnisse gibt, die für Spannung sorgen.
Ich mag es, wenn kleine Extras wie z.B. Karten, Rezepte oder Personenregister in einem Werk inkludiert sind, und war daher sehr happy über den übersichtlichen Stammbaum, der mir noch vor Beginn der Handlung Aufschluss über das Who is Who der japanischen Royals gab. Die vielen aus unserer Sicht ungewöhnlich klingenden, langen Namen haben mich zwar zunächst etwas erschlagen, aber da die weibliche Hauptprotagonistin diese Figuren auch erst nach und nach kennenlernte, konnte ich dem Ganzen letztlich doch prima folgen.
Izzy bzw. Kronprinzessin Izumi, aus deren Perspektive in der Ich-Form erzählt wird, hatte mich von Anfang an auf ihrer Seite, noch ehe überhaupt die Rede war von dem ihr unbekannten Vater, Japan oder dem Adels-Background: Als Hundemama ging mir das Herz auf, als ich las, wie sehr sie ihren Terriermischling 'Tamagotchi' vergöttert, der unter einer Zwangsstörung leidet (er knabbert an seinen Pfötchen) und aufgrund einer seltenen Drüsenerkrankung streng müffelt.
Die Zerrissenheit und Identitätssuche Izumis wurde von der Autorin gut hervorgehoben. Im sehr weißen amerikanischen Kaff Mount Shasta passt Izzy optisch nicht ins Bild; sie sieht eben anders aus als die Mehrheit der Kids, ist aufgrund ihres asiatischen Backgrounds eine Außenseiterin. In Japan gilt sie wiederum als kulturfremde Amerikanerin, deren westliche Lebensart absolut nicht zu den teilweise jahrtausendealten Traditionen des Adelshofes sowie generell zur japanischen gesellschaftlichen Haltung passt. Kein Wunder, dass sie sich verloren fühlt und eine besonders enge Bindung zu ihrer aufopferungsvollen Mutter hat, die das Wohl ihres Kindes über das eigene potentielle (Liebes-)Glück gestellt hatte, als sie sich vor vielen Jahren dazu entschloss, Izzy vor einer Kindheit im goldenen Käfig des japanischen Kaiserhofes zu bewahren. Neben Izzys Mutter gibt es außerdem drei gute Freundinnen, auf die unsere Heldin immer zählen kann, allen voran die quirlig-sympathische Noora.
Der humorvolle und teilweise stark von Jugendslang geprägte Schreibstil eignet sich hervorragend für einen lockeren Teenieroman. Auch bei der Covergestaltung wurde im Hinblick auf das Genre und die zu erwartende Zielgruppe alles richtig gemacht: eine Comiczeichnung in kräftig-knalligen Farben.
Die regelmäßig eingestreuten Artikel eines japanischen Klatschmagazins sorgten für Abwechslung und trieben die Handlung voran, ebenso die zahlreichen Nebenfiguren (wie die auf gruselige Weise unterkühlten Shining-Zwillinge, Izzys Cousin Yoshi oder ihre Zofe).
Der romantische Aspekt fiel in meinen Augen viel zu flach aus. Izzys Leibwächter Akio war solch ein charismatischer, vielversprechender Charakter; hier wäre deutlich mehr Herzklopfen möglich gewesen, wenn man der Story mehr Raum zum Entfalten (und ca. 50-100 zusätzliche Seiten) gegeben hätte.
Der Erzählton war mir oft einen Hauch zu seicht, wodurch viele (als wichtig angelegte) Szenen oberflächlich wirkten und den Roman insgesamt mehr und mehr in die Kategorie 'ganz nett für Zwischendurch' rutschen ließen (im Gegensatz zum Lesehighlight, welches die Geschichte durchaus hätte werden können).
Izumi hat das Herz am rechten Fleck (Stichwort: Krankenhaus-Szene), dennoch störte mich ihr unreifes, kindisches Verhalten oft. Sicher, je tollpatschiger und unbeholfe

Bewertung vom 22.07.2022
In your eyes / Catching up with the Carters Bd.1
Schaper, Fam

In your eyes / Catching up with the Carters Bd.1


ausgezeichnet

Ein weiteres Jahreshighlight!

"Er ist mein Ex-Vielleicht. Mein Ex-Fast. Wir waren nie wirklich. Nur fast. Nur vielleicht. Aber wieso fühlt es sich dann so verdammt furchtbar an, ihn mit ihr zu sehen? Weil fast ein so grausames Wort ist. Es folgt direkt hinter Was wäre, wenn in der Liste der Phrasen, die einen bis in alle Ewigkeit verfolgen."

Dieses Buch … just wow.

Noch während ich die Anfangspassage las, setzte dieses vertraute, wohlige Kribbeln ein, das mich jedes Mal erfasst, wenn ich ein Buchschätzchen in den Händen halte, das mit ziemlicher Sicherheit ein Highlight für mich werden wird. Kennt ihr dieses Gefühl? Es ist diese beglückende Ahnung von 'Ohhhh, das wird richtig, richtig gut', die sich mit jedem weiteren gelesenen Wort nach und nach zur seligen Gewissheit wandelt.

Kaum hatte ich die letzte Seite umgeblättert, ratterten die Gedanken in meinem Kopf los: so gut, so gut, so gut …! Gefolgt von: Hilfe, wie soll ich all diese unbedingt erwähnenswerten Punkte in eine einzige Rezension quetschen?!

♥ Tiefgründig ausgearbeitete, facettenreiche Charaktere: Ob Main Protas oder Nebenfiguren (Kat! Henry! Thomas! Lin! Chloe und Esme …), ich hatte sie vor Augen. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Aphrodite und Garett, die ich beide so sehr ins Herz geschlossen habe. Ich glaubte ihnen jedes Gefühl, jeden Gedanken.

♥ Der Schreibstil! Sprecht mir nach: "Sen-sa-tio-nell!" Emotional, lebendig, anschaulich, mitreißend! Realistische Wortwahl in den Dialogen, authentische Darstellung des Alltags an einem TV-Set, clever gesetzte Übergänge, gelungene Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden, herrlicher Spannungsaufbau - ich war und bin restlos begeistert! Teilweise wurde es schon beinahe poetisch schön:

"Auf einmal kommt es mir so vor, als wäre ich nostalgisch wegen einer Zeit, die es nie gegeben hat. Kann man etwas vermissen, was man nie erlebt hat?"

♥ Das Setting - wer schon immer mal bei einem TV-Dreh Mäuschen spielen wollte, wird hier seine wahre Freude haben. Nach der Lektüre hatte ich das Gefühl, gerade tatsächlich eine ganze Staffel von 'Celebrities in Love' angeschaut zu haben.

♥ Die wichtigen Botschaften, z.B. im Hinblick auf

»»» Selbstachtung, Akzeptanz, Toleranz
(von der Gesellschaft, aber auch innerhalb der Familie):

»»» Selbstreflexion - im Sinne von 'Was für ein Mensch möchte ich sein? Wie gehe ich mit anderen Menschen um? Welche Werte vertrete ich?':

"Wenn man jeden verletzen muss, der einem wichtig ist, um erfolgreich zu sein, kann man das überhaupt noch Erfolg nennen?"

»»» Kindness. Am meisten berührt hat mich die Message, dass wir niemals vergessen dürfen, dass hinter jeder im Rampenlicht stehenden Figur, ob TV-Legende oder Möchtegern-Star, eine reale Person steckt. Ein echter Mensch mit Familie, mit Freunden, mit Menschen, die ihn/sie lieben. Presse und Hater bzw. Trolle vergessen das.

Im Showbusiness rangieren Höflichkeit und Respekt ganz weit unten, weit hinter Einschaltquoten, (finanziellem) Erfolg, einem perfekten Image/dem schönen Schein, dem Ego. Wie extrem sich das für jemanden anfühlen muss, der mittendrin steckt, womöglich gar in diesem Umfeld aufgewachsen ist und nie etwas anderes kennengelernt hat, zeigt uns die Autorin hier eindringlich auf. Speziell Aphrodites Perspektive ging mir nahe.

♥ Die Background-Stories zu Kat und Henry haben sich nicht auf die Darstellung ihrer Wesensart ausgewirkt (was in vielen anderen Büchern leider häufig der Fall ist und sich in unerträglich übertriebenem Verhalten und aufgesetzt wirkender Wortwahl äußert), das fand ich ganz wundervoll.

Abschließend noch ein paar Worte zum Erzählton dieses traumhaften Romans: Ja, es kommen ernste Themen vor. Nein, es ist absolut und ausdrücklich KEINE traurige, deprimierende Geschichte, die einen runterzieht, sondern eine fesselnde, in vielerlei Hinsicht inspirierende New-Adult-Romance mit liebenswerten Figuren.

Bewertung vom 16.07.2022
Glücksfisch: Meine liebste Mama

Glücksfisch: Meine liebste Mama


ausgezeichnet

Dieses niedliche Pappbilderbuch ist ein großer Hit bei uns daheim - wann immer unser Spatz es entdeckt, strahlt er vor Begeisterung und streckt seine kleinen Händchen danach aus.

Bereits das Cover lädt mit seiner Drehscheibe am Seitenrand zum aktiven Begutachten ein (Herzchen und Blümchen wechseln ihre Farbe, auf der Rückseite krabbeln Käfer und Würmchen, es fliegen Schmetterlinge …), und es ist offensichtlich, dass sehr viel Liebe fürs Detail in diesem hochwertig verarbeiteten Werk steckt. Natürlich sind die Tier-Illustrationen der verschiedenen Mama-Kind(er)-Gespanne absolut entzückend (ein Muss bei Bilderbüchern, speziell bei jenen für die Allerkleinsten), aber auch die jeweiligen kurzen Vorlese-Reime lassen mich schmunzeln.

Dank des größeren Formats (ca. 21 x 21 cm) und der dicken Papierstärke können selbst Babys die Seiten problemlos alleine umblättern. Wenn das Buch mal runterfällt, ist das gar nicht tragisch, das robuste Material übersteht locker jeden Sturz (oder Wurf).

Was mir ausgezeichnet gefällt: angenehme Farben (bunt, aber nicht quietschbunt-grell), klare Linien und Konturen, und realistische Darstellungen (nicht zu künstlerisch, aber auch nicht verkitscht, also ohne große, comicartige Kulleraugen etc.).

Die Altersempfehlung des Verlags für "Meine liebste Mama" (Originaltitel "Mummy I love you") lautet 12 Monate, vermutlich aufgrund der Tatsache, dass einige der Mitmach-Elemente wie Klapp- oder Ziehlaschen/Schieber ansonsten von jüngeren Kindern beherzt herausgerupft werden könnten, aber da wir es ohnehin immer gemeinsam lesen und ich notfalls eingreifen könnte, ehe ein Entenflügel oder ein Känguru-Baby einer zu wilden Entdeckungsfreude zum Opfer fällt, hat unser Spatz es schon etwas früher geschenkt bekommen.

Apropos: Nicht nur zu 'typischen' Anlässen (wie zum Muttertag oder zur Geburt eines Babys), auch als liebes Geschenk zwischendurch eignet sich das Werk hervorragend.

Bewertung vom 12.07.2022
Heavy & Light / Westwell Bd.1
Kiefer, Lena

Heavy & Light / Westwell Bd.1


ausgezeichnet

Ich werde in dieser Rezension bewusst kein Zitat aus dem bezaubernden Auftakt zu Lena Kiefers Westwell-Trilogie verwenden, da ich mich aufgrund der zahlreichen wunderschönen Formulierungen schlichtweg nicht entscheiden konnte. Bei einem dermaßen emotional fesselnden, rundum überzeugenden Schreibstil ist es unmöglich, sich lediglich auf ein paar wenige Sätze zu beschränken.

Ich persönlich tendiere dazu, immer ein wenig skeptisch zu sein, wenn ich eine Rezi lese, in der es heißt, dass beim vorliegenden Werk einfach alles, vom Cover bis hin zur Danksagung, absolut supi-dupi-toll sei. Kennt ihr das? Versteht mich bitte nicht falsch, selbstverständlich gibt es solche Bücher (- ich sage nur: Yvy Kazi -), doch sie sind leider weitaus seltener, als mich die vielen Rezensionen dieser Art glauben machen wollen. Folglich gebe ich mir bei meinen eigenen Bewertungen immer besonders viel Mühe, all die positiven Elemente einer Story ausführlich darzulegen, wenn es denn tatsächlich mal wieder einen Roman gibt, der mich vollkommen überzeugen konnte. … so wie "WESTWELL - HEAVY & LIGHT".

Eine Liebe, die nicht sein darf … zwei Menschen, die einander (aus gutem Grund) hassen, ehe sie von der gegenseitigen Anziehungskraft überwältigt werden … Der romantisch-tragische Kern der Enemies-to-Lovers-Geschichte ist as old as time. Und funktioniert, wenn er denn so gut ausgearbeitet wird wie hier, immer wieder prima. Neu ist allerdings das Spannungselement um den mysteriösen Tod eines jungen Liebespaares, den es inmitten der High Society von New York City aufzuklären gilt. So Reich und schön die Elite Außenstehenden, die vielleicht selbst von einem Leben im Luxus träumen, erscheinen mag, so fake und shallow, rücksichtslos und gefährlich ist die ganze versnobte Partie, der es einzig um die Erlangung und Wahrung von Status geht. Kein Wunder, dass warmherzige, aufrichtige Menschen wie die beiden Hauptfiguren, Helena Weston und Jessiah Coldwell, mit ihren Ansichten anecken und wie Rebellen wirken. Beide leiden unter dem Verlust ihrer Geschwister, beide haben eine Familie zum Davonrennen, für beide ist die Zeit in Big Apple ein einziger Kampf - Helena, die New York einst geliebt hatte, muss sich dem kontrollsüchtigen Verhalten ihrer Eltern beugen, um nicht wieder nach England geschickt zu werden (sie war quasi direkt nach dem Tod ihrer Schwester Valerie nach Cambridge 'verbannt' worden), Jess hingegen hasst diese Stadt sowieso und ist nur deshalb zurückgekehrt, um seinen jüngeren Bruder (der ein schlimmes Trauma erlitten hat) zu unterstützen.

Was ich besonders geliebt habe:

- die authentische Entwicklung der Handlung (absolut realistisch, hier wird tempomäßig nichts übereilt, inhaltlich nichts übers Knie gebrochen)

- die facettenreichen, herrlich ausgearbeiteten Figuren - egal, ob liebenswerte (Haupt-)Charaktere oder z.T. fiese Nebenfiguren, die ich am liebsten an die Wand klatschen wollte (aber nicht in dem Sinne, dass sie mir das Leseerlebnis vermiest oder mich runtergezogen hätten)

- das Setting - endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich nicht nur im Klappentext lese, dass es in New York spielt, anschließend aber null Flair verspüre, sondern ein starker, atmosphärischer Roman, der mich direkt in diese einzigartige Stadt zurückversetzt und meine NYC-Sehnsucht weckt

- die Wortwahl in den Dialogen - dass der Schreibstil umwerfend ist, erwähnte ich ja bereits (feinfühlig, lebendig, einladend, mitreißend), ich möchte jedoch zusätzlich betonen, wie angenehm ich die Dialoge empfand: die Jugend wirft nicht mit Slangausdrücken um sich, die feinen Herrschaften wirken nicht komplett überzeichnet, kurzum: alles kommt sehr glaubwürdig rüber

- die Hintergrundstory um Eli, den jüngsten Coldwell-Spross - bin ich gespannt, was wir noch hinsichtlich seines Traumas erfahren werden!

- die Tatsache, dass der Cliffhanger nicht over the top ist

- das in zarten Farben gehaltene Cover: zeitlos schön und elegant, filigran und doch klar strukturiert - ein

Bewertung vom 08.07.2022
Winter im kleinen Cafe in den Highlands
Loistl, Birgit

Winter im kleinen Cafe in den Highlands


sehr gut

Theoretisch bringt "Winter im kleinen Café in den Highlands" die idealen Voraussetzungen mit, um ein 5-Sterne-Read für mich zu zu werden.

♥ Traumhaft schönes Cover, das mir eine kuschelige Feel-Good-Story verspricht: Check. (In diesem Café möchte man es sich gleich mit einer Tasse heißer Schokolade gemütlich machen.)

♥ Setting, das ein Wunschreiseziel von mir ist: Check. (Die Highlands! Dank Charlotte McGregor und ihrer Kirkby-Reihe möchte ich unbedingt mal nach Schottland reisen.)

♥ Winter-/Weihnachtszeitraum: Check. (Ich liebe Weihnachtsromane und verschlinge sie das ganze Jahr über, weil ich einfach nie genug davon bekommen kann!)

♥ Fake-Romance-Trope: Check. (Aus vorgetäuscht wird echt - immer wieder aufs Neue unterhaltsam!)

♥ Schauspiel-/Theater-Element: Check. (Dieses Thema reizt mich generell total.)

… dennoch konnte mich dieser romantische Wohlfühlroman trotz tiefgründiger Inhalte, interessanter Figuren und locker-umgangssprachlicher, realistischer Dialoge nicht gaaaanz so begeistern, wie ich es mir gewünscht hatte.

Zum einen zog sich der Einstieg in die Handlung, war für meinen Geschmack zu überladen mit erklärenden Formulierungen. Unabhängig von den zahlreichen Farbbezeichnung innerhalb der ersten zwei, drei Seiten (- pinkfarben, schwarz, zimtbraun, zitronengelb, himbeerfarben, weiß, mintgrün, … gefühlt wurde alles farblich beschrieben: Aussehen der Figuren, Kleidungsstücke, etc. -) waren es vor allem die vielen (etwas holprig eingefügten) Hintergrundinfos, wer in welchem Verhältnis zu wem steht, wer wie heißt und woher kommt, etc., die sich anstrengend lasen und den Beginn nicht nur etwas zäh wirken ließen, sondern mir auch das Gefühl vermittelten, a) enorm viel verpasst zu haben und b) dass ich mir die zig Namen und Zusammenhänge eventuell besser notieren sollte, bis ich die Figuren kennengelernt habe/mir einprägen konnte. Natürlich macht es Sinn, im zweiten Band einer Reihe (insbesondere für Reihen-Neueinsteiger:innen wie mich) nochmal die wichtigsten Eckdaten à la "was bisher geschah" grob zusammenzufassen, sodass jede:r on the same page ist. Allerdings habe ich schon etliche Folgebände gelesen, bei denen derlei Details deutlich geschmeidiger in die 'neue' Handlung eingepflegt worden waren. (Alternativ gab es sogar einen Roman, der auf der ersten Seite eine stichwortartige Zusammenfassung von Band 1 enthielt und sich anschließend ganz auf die neue Story konzentrierte, was ebenfalls absolut in Ordnung war.)

Zum anderen fielen Weihnachtsfeeling und Schottland-Flair recht flach aus, was ich so schade fand, denn beides hätte ein Highlight des Werkes werden können. Vielleicht wäre dies mit der Ergänzung von ein paar zusätzlichen Seiten (- welche der Story auch im Hinblick auf die Annäherung der beiden Hauptfiguren gutgetan hätte -) anders verlaufen.

Die kurvige, warmherzige, im kleinen schottischen Dörfchen Duncan lebende Marcelyn Shark (aka Marcy aka Pinkie Pie) träumt von einer Karriere als Schauspielerin und würde gerne eine entsprechende Schule besuchen. Leider funkt ihr zunächst ausgerechnet das Eintreffen eines TV-Teams dazwischen. Marcy ist die Hilfsbereitschaft in Person, was an sich nichts Schlechtes ist; dabei ignoriert sie jedoch ihre eigenen Wünsche und stellt ihre Bedürfnisse - obwohl sie durchaus exakte Vorstellungen hat - ständig zurück. Was niemand ahnt: Sie wird von schweren Schuldgefühlen geplagt.
Der geschiedene, zu Unrecht als arrogant geltende "War of Kingdoms"-Serienstar Henry Lucas (Game of Thrones-Vibes!) fühlt sich längst unwohl mit der ihm zugeschriebenen Rolle, und muss eine Schmutzkampagne seiner (bildschönen, aber berechnenden) Ex Olivia abwehren, die sich von den vernichtenden Schlagzeilen über ihn einen eigenen Karriereschub erhofft. Livs und Henrys kleiner Sohn Theo wird dabei zum Spielball zwischen den Eltern.

Beide Hauptfiguren sind angenehme Charaktere und verfügen über die berühmten 'Ecken und Kanten'. Manchmal erschienen mir die Dialoge strukturell le

Bewertung vom 03.07.2022
The Feeling Of Forever / St. Clair Campus Bd.3
Kazi, Yvy

The Feeling Of Forever / St. Clair Campus Bd.3


ausgezeichnet

Hat Yvy Kazi aka die unumstrittene New-Adult-Queen es mit ihrem aktuellen Werk, dem 3. Band ihrer St.-Clair-Campus-Reihe, mal wieder geschafft, mich zu begeistern? Um es in den Worten meiner zweiten Lieblingsautorin - Jane Austen - zu sagen: "Yes. A thousand times yes". Die eigentliche Preisfrage müsste allerdings lauten: Bin ich mental schon bereit, all die lieb gewonnenen Figuren für immer zu verlassen (schließlich handelt es sich bei "The Feeling of Forever" um den Abschlussband der Trilogie)? Absolutely not.

Falls Penny in "The Dream of Us" noch für viele Leser:innen eine polarisierende Figur - oder wie ihre beste Freundin July es ausdrücken würde "ein zielloser, zickiger Zombie" - war, wird die leider in toxischen Familienverhältnissen aufgewachsene junge Frau spätestens jetzt alle Skeptiker für sich einnehmen. Sie ist intelligent, aufrichtig, herzensgut, loyal, humorvoll, talentiert… und dennoch voller Selbstzweifel. Lob, liebevolles Verhalten und Verständnis sind nämlich Fremdworte in der Casa Perez, dort hat man lediglich zu 'funktionieren'. Mit tough love hat dieser von Oberflächlichkeiten geprägte Erziehungsstil nichts zu tun, emotionale Erpressung und Unterdrückung treffen es schon eher.

"[… was soll ich denn tun? Weitere Jahre die Kleider tragen, die ihnen gefallen? Männer daten, die sie aussuchen? Auf Partys gehen, die sie organisieren? Bin ich ihnen das schuldig? Muss ich mein Leben ihren Wünschen unterordnen […]? Ist es das, was sie als Gegenleistung für ihre Liebe erwarten?"

Wie gerne hätte ich Penelopes Eltern mal gehörig die Meinung gegeigt! Obwohl sie sich abrackert ohne Ende, in einem Studienfach Erfolg hat, das sie in Wirklichkeit nicht die Bohne interessiert, und ihnen gegenüber jedes Wort auf die Goldwaage legt, geben sie ihr das Gefühl, eine wandelnde Enttäuschung zu sein. My humble opinion: Eltern, denen das Familienimage in der Öffentlichkeit und die Meinung anderer Leute wichtiger sind als das Lebensglück des eigenen Kindes (Westwell-Vibes! - Die LYX-Fans unter euch wissen, was ich meine.), verdienen es nicht, sich überhaupt so nennen zu dürfen, sondern sollten lieber auf die Bezeichnung 'Erzeuger:in' und/oder 'Versorger:in' zurückgreifen, denn sie erfüllen gerade mal die Mindestvoraussetzung, dickes Bankkonto hin oder her. Das Wichtigste für ein Kind ist Liebe, Punkt. … wie der männliche Hauptprotagonist (Cameron) hier eindeutig beweist.

Pennys Eltern geben nichts, verlangen im Gegenzug aber viel von ihr: Die Anforderungen, die sie an ihre Tochter stellen - ihr einziges Kind, wie sie immer bedeutungsschwer betonen -, sind unrealistisch hoch. Von Penny wird Perfektion erwartet, eine Perez macht keine Fehler.

"Klug und hübsch. Strebsam und belesen. Weltoffen und technisch interessiert. Ich kann nicht all das sein, was meine Eltern sich gewünscht haben. Ich bin nur eine Person. Und das ist nicht genug. Ich bin nicht genug."

Dies ist jedoch keine 08/15-Geschichte vom 'armen reichen Mädchen', das ein paar Alltagsprobleme hat. Vielmehr brilliert die Autorin wie gewohnt darin, lebensnahe Themen auf unheimlich packende, tiefgründige Weise aufzugreifen und so gekonnt zu einer stimmungsvollen Handlung zu verflechten, dass man am Ende der Lektüre davon überzeugt ist, die Charaktere persönlich zu kennen und sie nur ungern ziehen lässt.

So sehr ich mich gefreut habe, den aus ärmlicheren Verhältnissen stammenden "Muffin Man" Cameron (aufopferungsvoller Vater, aufmerksamer Zuhörer, eher Realist statt Tagträumer) und seine kleine Tochter Lucy kennenzulernen - die mich mit ihrer Storch-Erklärung über 'petzende Vögel' herrlich zum Lachen gebracht hat, so wundervoll war auch das Wiedersehen mit July, Drew, Haley, Mateo, Bo und Joshua.

Yvy Kazi ist eine meisterhafte Erzählerin - niemand zeichnet so glaubwürdige Figuren wie sie, mit jedem Buch von ihr wird mein Herz weiter, mein Leben bereicherter, meine Inspiration, die ich aus ihren Geschichten und ihrer Schreibkunst ziehe, größer. Noch ehe der

Bewertung vom 21.06.2022
Wie man sich einen Lord angelt
Irwin, Sophie

Wie man sich einen Lord angelt


ausgezeichnet

Herrliche Regency-Romance!

"»Nur wer reich ist, kann sich den Luxus der Ehre leisten […]. Und nur Männer haben das Privileg, ihr eigenes Vermögen zu machen. Ich habe vier Schwestern, die auf mich angewiesen sind, und die Berufe, die Frauen wir mir offenstehen - Gouvernante, Schneiderin vielleicht - würden nicht einmal ausreichen, um die Hälfte von ihnen zu kleiden und zu ernähren. Was soll ich also tun, außer mir einen reichen Ehemann zu suchen?«"

Kitty ist eine hinreißende weibliche Hauptfigur! - Schlau wie ein Fuchs, schlagfertig, selbstbewusst … aber auch bewundernswert selbstreflektiert und selbstlos. Für das Glück ihrer geliebten Schwestern ist sie ohne mit der Wimpern zu zucken bereit, ihr eigenes zu opfern. Kitty weiß genau, was sie will - und setzt alles daran, ihr Ziel zu erreichen. Nach dem Tod ihrer Eltern hatte sie keine andere Wahl: Sie musste stark sein für ihre jüngeren Geschwister, die sich ganz auf sie verließen, musste pragmatisch denken, Optimismus ausstrahlen, auch wenn ihr selbst zum Weinen war, und schlichtweg die Person sein, die stets für jedes Problem eine Lösung findet. Auf ihren Schultern lastet eine enorme Verantwortung, und ihre Stärke hat mich unheimlich beeindruckt.

Wie viele Menschen hätten an ihrer Stelle längst aufgegeben und sich stattdessen in Selbstmitleid gesuhlt - oder egoistisch gehandelt und sich nicht um familiäre Verpflichtungen geschert. Den Traum von einer Liebesheirat hat Kitty längst begraben, für sie zählt einzig das Wohlergehen ihrer Familie. Mit jedem Rückschlag, den sie erleidet, jedem Fettnäpfchen, in das sie aufgrund ihrer Unkenntnis der ungeschriebenen Gesetze des ton tappt, jeder Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, scheint sie noch kämpferischer und fokussierter zu werden, und ich kam nicht umhin, ihre Resilienz und Determination zu bewundern.

Die passionierten Dialoge zwischen den Hauptfiguren sind ein absoluter Traum! Enemies-to-Lovers-Romances gehören nicht ohne Grund zu meinen liebsten Tropes, bieten sie doch reichlich Gelegenheit für erhitzte, vor unterschwelliger Leidenschaft brodelnde Wortgefechte zwischen den Charakteren, ehe nach allerlei heftigem Schlagabtausch eine vorsichtige Annäherung erfolgt … und die gegenseitige Abneigung tieferen Emotionen gänzlich anderer Art weicht.

"»Pragmatismus?«, wiederholte er. »So nennt Ihr es also? Nicht vielleicht lieber Berechnung - Gier - Manipulation? Denn leider sind es diese weitaus weniger ehrbaren Worte, die ich Euch zuschreiben würde, Miss Talbot.«"

Wie oft rang ich mit Kitty um Beherrschung oder beglückwünschte sie zu ihren treffsicher platzierten Spitzen, die deutlich machten, dass sie dem sprachlichen Duell mit Lord Radcliffe mehr als gewachsen ist! Der Humor kommt hierbei nicht zu kurz; insbesondere über ihre spontanen morgendlichen Besuche bei Radcliffe habe ich mich köstlich amüsiert! Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig ausgearbeitet worden; die Dynamik zwischen Kitty und ihrer Schwester Cecily sowie zwischen den Mädchen und ihrer 'Tante' Dorothy wurde überaus glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt.

Natürlich war mir bewusst gewesen, dass gerade Frauen, obendrein jene mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln, es damals besonders schwer hatten, doch wie streng die Regeln für Erfolg auf dem sozialen Parkett waren, wurde mir erst hier vor Augen geführt. Es reicht nämlich bei Weitem nicht, diversen reichen Junggesellen vorgestellt zu werden - wobei schon allein dies zu bewerkstelligen einen Heidenaufwand bedeutet -, anschließend in hübschen Kleidern elegant über die Tanzfläche zu schweben, kokett die Augen niederzuschlagen, im richtigen Moment zu lächeln - aber ja nie undamenhaft laut zu lachen … Nein, um nicht auf den ersten Blick als nutzlose Bekanntschaft abgestempelt zu werden, muss man nachweislich aus guten Hause stammen: die richtigen Leute kennen (und vice versa), selbstverständlich vermögend sein, tadellos-sittsames Verhalten an den Tag legen, und, das ist ganz besonders wichtig

Bewertung vom 13.06.2022
Die Freundinnen vom Strandbad - Wellen des Schicksals / Die Müggelsee-Saga Bd.1
Heiland, Julie

Die Freundinnen vom Strandbad - Wellen des Schicksals / Die Müggelsee-Saga Bd.1


ausgezeichnet

Gelebter DDR-Alltag aus Sicht dreier junger Frauen!

Da es noch gar nicht lange her ist, dass ich ein anderes, ebenfalls bei Ullstein erschienenes Werk der Autorin begeistert verschlungen habe (ihre mitreißende Romanbiografie "Diana - Königin der Herzen"), freute ich mich riesig, als ich den Auftakt der Müggelsee-Saga entdeckte - zumal die Geschichte in meiner alten Heimat spielt und daher ohnehin ein Must-Read für mich gewesen wäre. Dass nun solch eine wunderbare Erzählerin wie Julie Heiland mit ihrem feinsinnig-emotionalen, fesselnden Schreibstil die Story um die drei Freundinnen Martha, Betty und Clara zum Leben erweckt, war sozusagen die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

"Eine Blonde, eine Rothaarige, eine Brünette - ihre Leben waren in unterschiedlichen Bahnen verlaufen, doch von einer Sekunde auf die andere hatte das Schicksal sie zusammengeworfen."

Ob Schulalltag, erste Liebe, Familienprobleme und -geheimnisse, Verlust geliebter Menschen oder Karriereträume, alles erleben sie zusammen. Ihre aufrichtige Freundschaft und Loyalität - in einem Land, das linientreue Ergebenheit einfordert, Andersdenkende ausgrenzt und seine Bürger:innen gegeneinander aufstachelt - empfand ich als sehr rührend.

Es sind die letzten Jahre vor dem Mauerbau. Die hübsche Betty träumt von einer Zukunft als berühmte Hollywood-Schauspielerin; die hochbegabte Clara greift ebenfalls nach den Sternen: sie möchte ins Weltall fliegen. Allerdings werden ihr bewusst Steine in den Weg gelegt, da ihre Familie nicht Mitglied in der Partei ist und es wagt, eine eigene Meinung zu vertreten. Und FDJ-Anhängerin Martha weiß exakt, was von ihr erwartet wird, würde jedoch am liebsten einen gänzlich anderen Weg einschlagen.

Viele Entwicklungen und Verstrickungen habe ich recht früh erahnen können, dennoch verblüffte mich auch der ein oder andere Twist (Stichwort: Marthas Bruder Ronny - ein übrigens tatsächlich weit verbreiteter Name im Osten) und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

In ihrem Roman zeichnet die Autorin mehrere Extremfälle. Natürlich ereigneten sich solche Dinge nicht in jeder Familie - aber es gab zahlreiche solcher Fälle. Viel zu viele. Insbesondere Marthas Backgroundstory bewegte mich enorm … und machte mich furchtbar wütend auf das gnadenlose DDR-Regime, ebenso die Ungerechtigkeit, die Clara wieder und wieder erdulden muss.

Die Hauptfiguren, aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird, sind facettenreich gestaltet worden. Dank zeitgemäßer Wortwahl und nachvollziehbarem Verhalten wirken sie vollkommen glaubwürdig, und obgleich ich alle drei Freundinnen gerne mochte, war es die zielstrebige Clara, mit der ich besonders mitfieberte. Die Dialoge zwischen ihr und ihren Eltern bewiesen stets, dass in der ärmlichen kleinen Wohnung der Vogels viel mehr Liebe herrschte als z.B. in der noblen Villa von Bettys Familie, deren vermeintliches Glück nur Fassade ist.

"»Weißte, det Leben ist ein Chaos und furchtbar schnell vorbei. […] Det, was uns den Kopf oben halten lässt, det is nich unsere Arbeit oder Erfolg, det is unser Glaube und die Liebe.«"

Zu Beginn der Handlung herrscht Sommer-Feeling pur, genau wie es auf dem passend gestalteten Cover suggeriert wird. Ich wähnte mich aufgrund der bildreichen, atmosphärischen Beschreibung des Settings selbst im Strandbad, lauschte dem ausgelassen Kreischen der im Wasser tobenden Kinder, dem herrlichen Berliner Dialekt, dem Radio, das irgendwo leise dudelt … roch die Sonnencreme auf meiner Haut und spürte die heiße Sonne im Gesicht. Mit gleicher Intensität widmete sich die Autorin den Lebensumständen der Protagonisten und ließ mich mühelos in die damalige Zeit eintauchen. Die unzähligen feinen Details, die in die Geschichte eingeflochten worden sind - von gängigen Modetrends, Musikhits und beliebten Gerichten der ostdeutschen Küche bis hin zur Inneneinrichtung der Wohnung - machen deutlich, dass hier gründliche Recherchearbeit geleistet worden ist.

Sehr erfreulich fand ich, dass die Au

Bewertung vom 08.06.2022
Das kleine Cottage in Irland / Romantic Escapes Bd.7
Caplin, Julie

Das kleine Cottage in Irland / Romantic Escapes Bd.7


sehr gut

* Wunderbarer Feel-Good-Roman für Irland-Fans *

Seit ihrem Roman "Der kleine Teeladen in Tokio", einem meiner Jahreshighlights von 2021, bin ich ein Fan der Autorin - und habe mir fest vorgenommen, nach und nach all ihre Werke (wenn auch nicht in chronologischer Reihenfolge) zu lesen! Das kleine Cottage in Irland ist bereits der 7. Band ihrer international gefeierten Romantic-Escapes-Reihe, und erneut gelingt es Julie Caplin, so selbstverständlich und kenntnisreich über den Handlungsort zu schreiben, als würde sie selbst dort leben. Beeindruckend!

Neben leckeren Gerichten (- gutes Essen spielt in Julies Romanen immer eine Rolle -) könnt ihr euch auf eine interessante Familiendynamik freuen (- Conor entstammt einer Koch-Dynastie -), angereichert mit humorvollen Dialogen und einer Prise Drama, die für die richtige Würze nicht fehlen darf!

Der Klappentext erschien mir im Nachhinein etwas unglücklich gewählt. Hannah reist nicht aufgrund ihrer Unzufriedenheit im Hinblick auf ihr (Single-)Leben in Manchester nach Irland, sondern wegen ihrer Selbstzweifel (und einem angekratzten Ego) - weil "es ihr einfach nicht behagte, etwas so Grundlegendes wie Kochen nicht zu können". Eine neue Kollegin hatte ihr vor Augen geführt, dass sie zwar eine begnadete Anwältin sein mag, in der Küche jedoch jämmerlich versagt. Gepaart mit der Tatsache, dass Hannah sich neben ihrer im Zaubern kulinarischer Köstlichkeiten begnadeten Schwester Mina irgendwie in der Rolle der 'Nicht-Köchin' eingefunden hat, ergibt dies den Wunsch, endlich selbst kochen und backen zu können.

"»Ich bin hergekommen, weil ich richtig kochen lernen wollte. […] Du weißt schon, wenn die in diesen Kochsendungen Ausdrücke benutzen wie schmoren, braten, sautieren, Wasserbad … oder sie reden von einer Fleischschulter oder einer Haxe, und ich will einfach wissen, was das alles ist.«"

Mit der weiblichen Hauptfigur wurde ich nicht direkt warm; an Mitte der Handlung wurde es besser, doch zwischen ihr und mir blieb immer eine gewisse Distanz bestehen. Vielleicht lag es daran, dass mir Hannahs Beweggründe, den exklusiven und sündhaft teuren Kochkurs zu besuchen, nicht überzeugend erschienen. Als würdet ihr euch von Celine Dion die Tonleiter erklären lassen, bei Serena Williams die erste Tennisstunde eures Lebens buchen, … you get the picture. Prinzipiell bin ich voll dafür, wenn man eine neue Fertigkeit direkt vom Profi lernen möchte, aber bei Hannah wirkte es eher wie ein seichter Grund, um sie nach Irland schicken zu können. Zudem fand ich ihr Verhalten bei der ersten Begegnung mit Conor etwas sonderbar. Kess, schlagfertig und definitiv unterhaltsam, aber eben einen Hauch zu unrealistisch sowie - im Hinblick auf den 'Morgen danach' - unreif und respektlos … was, das muss man ihr zugutehalten, ihr auch selbst schnell bewusst wird. Ich weiß ehrlich nicht, warum ich mich mit ihr so schwergetan habe, denn im Grunde ist Hannah echt eine Nette (und ihre Unbeholfenheit in der Küche konnte ich so gut nachvollziehen - story of my life, wie mein kochbegabter Ehemann euch bestätigen würde).

Conor hingegen kaufte ich die ihm zugeschriebene Rolle als charismatischer Hottie sofort ab und fand sein Verhalten manchmal zwar etwas vorschnell, aber durchaus glaubwürdig.

Die atmosphärischen, bildreichen Beschreibungen der traumhaft schönen Landschaft befeuerten meinen Wunsch, endlich selbst einmal die Grüne Insel, die seit jeher mein Sehnsuchtsort ist, zu bereisen. Über die niedliche Karte im Innencover habe ich mich total gefreut, ich liebe solche Details!

Ein weiteres Highlight für mich waren die sympathischen, facettenreich ausgearbeiteten Nebenfiguren, die herrlich viel Unterhaltungswert hatten und einen Großteil des Charmes der Geschichte ausmachten. Ob die knuddelige Merry, die vermeintlich arrogante Fliss (deren Kabbeleien mit dem nie um einen frechen Spruch verlegenen Jason zum Piepen waren), die liebenswerte Izzy oder die berühmte Starköchin Adrienne, die bei jedem in ihrer K