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Benutzername: Furbaby_Mom
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Bewertungen

Insgesamt 96 Bewertungen
Bewertung vom 20.10.2019
Weihnachtsküsse und Schneegestöber
Lewis, Emily

Weihnachtsküsse und Schneegestöber


ausgezeichnet

Ich liebe dieses Buch! Achtung: Suchtpotential!
Für mich kam Weihnachten dieses Jahr schon etwas früher – nämlich mitten im Herbst, als ich dieses wundervolle Werk der Autorin Emily Lewis lesen durfte! Sooooooo schön!!
Ihren 18. Geburtstag hatte sich Vanessa, die gemeinsam mit ihrem Bruder Vigo nach dem Tod der Eltern von ihrer Oma Katrina großgezogen worden war, gewiss anders vorgestellt. Ihr Freund hatte sich mit einer fadenscheinigen Ausrede vor ihrer großen Geburtstagsfeier gedrückt. Und Grandma Katrina sieht plötzlich rot, als Vanessa sich für ihre Geburtstagsreise ausgerechnet Cambridge aussucht – jenen Ort, den ihre Eltern so geliebt hatten. Hat dies womöglich mit der 50 Jahre alten Postkarte zu tun, die Nessie auf dem Dachboden ihrer Oma entdeckt hatte? Einmal in Cambridge angekommen, trifft sie auf einen unerwarteten Mitbewohner in der angemieteten Wohnung: den charismatischen & unverschämt gutaussehenden Trevor, der vom 1. Augenblick an ihren Herzschlag beschleunigt. Er bietet sich nicht nur als Vanessas persönlicher Reiseführer an & organisiert eine unvergessliche (& höchst romantische) Tour durch das winterlich verschneite Cambridge für sie, sondern erklärt sich zudem bereit, Vanessa hinsichtlich der geheimnisumwobenen Postkarte zu unterstützen: gemeinsam wollen sie den Absender ausfindig machen. Die Frage ist nur, wie Grandma Katrina reagieren wird, sollten sie den besagten Herrn tatsächlich finden. Und: warum geht Trevor plötzlich auf Distanz, nachdem er zuvor so ungezwungen mit Nessie geflirtet hatte?
Ich weiß gar nicht wohin mit mir vor lauter Begeisterung über diese berührende, absolut mitreißende Weihnachts-Love Story! Die Geschichte strotzt nur so vor liebenswerten Charakteren, die einem bereits nach kurzer Zeit ans Herz wachsen. Ob Haupt- o. Nebenfiguren, sie alle sind so facettenreich, tiefgründig & schlichtweg angenehm, d. man sich am liebsten in den nächsten Flieger setzen & sie in Cambridge bei ihren Abenteuern begleiten würde. Katrina – eine durch & durch goldige Person, wie man sie sich nur als Oma wünschen kann – hat mich in vielen ihrer Gesten o. Aussprüchen an meine eigene Omi erinnert. Vanessa ist eine bewundernswert charakterstarke junge Frau & hat mich mit ihrer Gewissenhaftigkeit, ihrer Schlagfertigkeit & ihrem aufrichtigen Wesen immer wieder vom Hocker gerissen. Ein klasse Vorbild für junge Mädchen & die perfekte Hauptfigur! Und dann gibt es da noch Trevor, der garantiert die Herzen vieler, vieler Leserinnen zum Schmelzen bringen wird… (Ich sage nur: Mr. Darcy-Level!) Ein Traumtyp!
Die auf 2 Zeitebenen aufgeteilte Handlung (Vanessa in der Gegenwart, ihre Grandma in der Vergangenheit) ist stimmig aufgebaut & so logisch strukturiert, dass jegliches Durcheinanderkommen ausgeschlossen ist. Besonders gefallen hat mir, d. der kreative, humorvolle Schreibstil immer zeitgemäß ist & die Autorin es schafft, authentische Dialoge herbeizuzaubern, ohne sich nervigen Jugendslangs zu bedienen. Die Beschreibungen von Cambridge sind so realistisch & einladend, d. man komplett in die Story eintaucht. Es kommt ja oft vor, d. in Romanen z.B. ein Stadtbummel beschrieben wird & häufig wird dies dann mit wenigen Sätzen abgehandelt; die berühmtesten Sehenswürdigkeiten werden mal eben erwähnt & fertig – hier ist das zum Glück ganz & gar nicht der Fall! Ich hatte nach der Lektüre wirklich richtig Lust auf eine Reise nach Cambridge! Und auch das Thema Weihnachten kommt nicht zu kurz, speziell die Feiertage sind ein zentrales Element der Handlung.
Für mich war es das 1. Buch der Autorin und ich hoffe ganz fest auf einen Folgeroman (vielleicht über Vigo &?) bzw. auf ein Wiedersehen mit den Figuren. Auf jeden Fall gehört "Weihnachtsküsse und Schneegestöber" ab sofort zu meinen Lieblingsbüchern!
Fazit: Eine bezaubernde Geschichte voller Weihnachtsflair, ganz viel Herzklopfen & mit Figuren, in die man sich verlieben könnte! Dieses Buch macht einfach glücklich und gehört auf jeden Wunschzettel!

Bewertung vom 19.10.2019
Unter samtweichem Himmel
Ganshert, Katie

Unter samtweichem Himmel


ausgezeichnet

Wundervoller christlicher Roman!
Für mich war dies das erste Werk der Autorin Katie Ganshert und es hat mich vollends begeistert. - So sehr, dass ich bereits ihrem nächsten Roman entgegenfiebere.

Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Bethany dem kleinen, erdrückenden Kaff Peaks, wo jeder jeden kennt, den Rücken zugekehrt und ein paar Stunden Fahrzeit später ein gänzlich neues Leben in Chicago begonnen hat. Fortan würde sie nie mehr das arme kleine Mädchen aus dem Trailer-Park sein, sondern eine versierte, selbstbewusste, finanziell erfolgreiche Architektin. Mit ihrer besten Freundin aus Kindheitstagen, Robin, hat sie schon längst nichts mehr zu tun, auch ihre Mutter fehlt ihr nicht – im Gegenteil. Bethany hatte es nicht erwarten können, volljährig zu werden und sich von all dem, was sie jahrelang bedrückt hatte, lösen zu können. Einzig an ihren Großvater Dan denkt sie gelegentlich mit schlechtem Gewissen, mit ihm hatte sie als Kind unvergesslich schöne Stunden auf seiner Farm verbracht. Mitten in ihren hektischen Arbeitsalltag platzt ein Anruf von Bethanys Mutter, der alles verändert. Dan hatte einen Herzinfarkt. Und auch Robin, jene Frau, die ihr einst so nahestand und zu der sie vor Jahren jeden Kontakt abgebrochen hatte, wurde von einem schweren Schicksalsschlag ereilt. So gerne sie es auch vermieden hätte, Bethany gibt ihrem Impuls nach und reist zurück an den Ort, von dem sie einst geflohen war – ein kurzer Pflichtbesuch soll es werden, mehr nicht. Das sollte doch zu schaffen sein, oder? Sie hat jedoch nicht mit der Wärme gerechnet, die das Wiedersehen mit Grandpa Dan in ihrem Herzen auslöst, mit der aufrichtigen Dankbarkeit, die Robin ihr entgegenbringt oder mit dem charismatischen Evan, der seit geraumer Zeit ihrem Grandpa mit der Farmarbeit zur Hand geht…und zu ihrem größten Widersacher zu werden droht.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, die sich äußerst harmonisch ergänzen und in ihrer Abfolge nie verwirrend sind. Insbesondere die Figuren Bethany, Robin und Evan sind außergewöhnlich tiefgründig ausgearbeitet worden und man hat bereits nach kurzer Zeit das Gefühl, sie zu kennen. Auch ihre Dialoge sowie Gedankengänge sind durch und durch authentisch und nachvollziehbar. Der intensive, emotionsgeladene Schreibstil, vor allem in Kombination mit den dramatischen Ereignissen, mit denen die Charaktere allesamt zu kämpfen haben, hat mich mehr als nur einmal zu Tränen gerührt. "Selbst wenn wir alles richtig machen, werden trotzdem Dinge falsch laufen." - Während Robin und Evan aus ihrem Glauben an Gott Kraft ziehen, hat Bethany sich von der Kirche abgewandt…ein Konflikt, der einfühlsam und ohne moralischen Zeigefinger thematisiert wird. Vergebung ist ein zentrales Handlungselement, ebenso Vertrauen – in Gott, in andere Menschen sowie in sich selbst.

Die ländliche Abbildung auf dem wunderschönen Cover (- so bezaubernd, dass es ein Puzzlemotiv sein könnte -) wurde in meiner Phantasie zum Handlungsort (Dans Farm). Einmal mit der Lektüre begonnen, habe ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen können.

Fazit: Ein inspirierendes Werk, das mich zutiefst berührt zurückgelassen hat. Taschentücher bereitlegen!

Bewertung vom 18.10.2019
Weihnachtswunderträume
Lindon, Cara

Weihnachtswunderträume


gut

Leider weder sonderlich weihnachtlich noch wundervoll.
Ich wollte dieses Werk so gerne mögen – Weihnachten, Cornwall und noch dazu ein Vierbeiner…was für eine zauberhafte Kombination! Entsprechend enttäuscht war ich darüber, dass mich die Geschichte weder packen noch überzeugen konnte. Ich schreibe wirklich sehr, sehr ungern Rezensionen mit einer unterdurchschnittlichen Bewertung. Besonders schwer macht es mir hier die durchwegs sympathische Art der Autorin, die ich im Rahmen einer begleiteten Leserunde kennenlernen durfte. Aber gleichzeitig möchte ich auch ehrlich sein hinsichtlich des Romaninhalts.
Das Cover ist wunderschön! Es hat zwar überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun, außer dass die Hauptfiguren auch weiblich und männlich sind, doch sei’s drum, damit kann ich leben. - Mit einer überwiegend unsympathischen weiblichen Protagonistin habe ich schon ein größeres Problem. Das Positive an Gemma: sie ist eine Tagträumerin und hat ein Herz für Hunde. Als sie einen bis dahin vernachlässigten Hund aus dem Tierheim adoptiert, war dies die emotionalste Szene des ganzen Buchs. Nicht so toll an Gemma finde ich ihre Unhöflichkeit und Taktlosigkeit. Sie himmelt ihren Boss an, obwohl sie Hand in Hand mit ihm und dessen Gattin, die stets freundlich zu ihr ist, zusammenarbeitet. Als sie den Job wechselt und auf den sympathischen Kanadier Ryan trifft, begegnet sie seinem freundlichen, offenen Wesen mit Sarkasmus, zynischen Bemerkungen und Ignoranz. Nach einem desaströsen gemeinsamen Essen hat sie auf dem Heimweg allerdings plötzlich die Erleuchtung, dass sie eigentlich für ihn schwärmt. Um nichts hinsichtlich des Inhalts zu spoilern, gehe ich nicht auf den weiteren Verlauf ein, der leider von weiteren unrealistischen und schlichtweg nicht überzeugenden Elementen geprägt ist. Die Figuren bleiben unheimlich oberflächlich; ihre Beziehung zueinander wirkt künstlich-konstruiert, trotz großer Worte emotionslos und hat mich nicht berührt. Weihnachten spielt eine minimale Randrolle; der einzige Teil des Buchtitels, der Sinn macht ist "-träume".
Erzählt wird aus zwei Perspektiven, wobei mir der männliche Part anfangs deutlich angenehmer vorkam. Gegen Mitte des Werks lernt man die weibliche Hauptfigur etwas besser kennen und ich konnte mich ein klein wenig besser in sie hineinversetzen. Möglicherweise wäre ein anderer Aufbau, in dem anfangs vielleicht über mehrere Kapitel hinweg zunächst nur eine Perspektive (- Gemmas -) präsentiert wird, sinnvoller gewesen (da man Figuren, die man etwas länger kennt, negatives Verhalten eventuell eher nachsieht).
Meine mit Ach und Krach 3 Sterne basieren auf der vielversprechenden und durchaus ausbaufähigen Grundidee zur Story, dem logisch strukturierten Aufbau der Geschichte an sich und den Szenen um den treuherzigen Vierbeiner Kuro.
Fazit: Dieses Werk war leider nicht mein Fall, obwohl ich es wirklich - allein schon der freundlichen Autorin zuliebe - unbedingt ins Herz schließen wollte. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass viele andere Teilnehmer meiner Leserunde einen positiven Eindruck hatten und dies hier lediglich mein persönliches Empfinden widerspiegelt.

Bewertung vom 18.10.2019
Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
Turton, Stuart

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle


ausgezeichnet

Mordsspannend! - "In diesem Haus trägt jeder eine Maske."
Stuart Turton ist mit diesem Werk ein Geniestreich gelungen; ich kann mich nur verneigen vor der Genialität dieses komplizierten Plots, der bis ins letzte Detail stimmig ist und wahrlich Spannung bis zum Schluss garantiert. Bravo! Ich habe den Roman als Audiobuch, sensationell stimmungsvoll gelesen von Sprecher Frank Stieren, genießen dürfen und möchte an dieser Stelle seine gelungene Interpretation hervorheben. An manchen Stellen standen mir die Haare vor Angst zu Berge, weil er die Atmosphäre so authentisch zu erzeugen vermag, dass man vor Nervosität (und Angst um das Schicksal der Figuren) den Atem anhält. Besser hätte man dieses Werk nicht lesen können, Hut ab!
Hinsichtlich des Inhalts fasse ich mich kurz, da ich keineswegs in Gefahr geraten möchte, etwas zu spoilern. - Du bist zum Ball geladen: auf ein in die Jahre gekommenes, verlassenes Anwesen mit dem düsteren Namen "Blackheath", dessen Vergangenheit ebenso dunkel ist wie die Seelen der anderen Partygäste. Der Tag des feierlichen Events wird sich immer wiederholen – bis du den Mörder enttarnt hast, der für den Tod der Tochter des Hauses, Evelyn Hardcastle, verantwortlich ist. Ansonsten gibt es auch für dich kein Entkommen. Der Haken an der Sache: du erwachst jeden Tag in einem anderen Körper…und der Mörder ist bereits auf der Suche nach dir. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Wer komplizierte Rätsel und einen vor Kreativität strotzenden Schreibstil schätzt, wird diese Geschichte lieben. Fantasy meets 'Und täglich grüßt das Murmeltier' mit einem Schuss von Agatha Christie. …definitiv ein Whodunnit der ungewöhnlichen Art, im positiven Sinne. Überhaupt gibt es nichts an diesem Werk, das nicht außergewöhnlich ist. Warnung: Mitdenken ist angesagt. - Jeden. Einzelnen. Moment! Aufgrund der Vielzahl der Charaktere, die noch dazu in verschiedene Rollen schlüpfen bzw. an unterschiedlichen Tagen im Körper eines Anderen erwachen, muss man wirklich höllisch aufpassen, um nicht den Faden zu verlieren – was gewiss so beabsichtigt ist, da die Handlung wie ein (höchstwahrscheinlich blutverschmiertes) Wollknäuel dahergekullert kommt, das es zu entwirren gilt. Es ist so viel mehr als der gewöhnliche Mordfall und bei Weitem vielschichtiger als die 'üblichen' Verdächtigen bzw. die 'typischen' Spekulationen!
"Nicht zum ersten Mal beschleicht mich das sichere Gefühl, mich auf dem Holzweg zu befinden." - Stets wenn ich dachte: 'Okay, jetzt habe ich eine Ahnung, wer welche Rolle spielt' (= wer Täter oder Opfer ist), gab es plötzlich eine Wendung, die ich so nie und nimmer hätte kommen sehen – immer und immer wieder. Wem kann man trauen?
Fazit: Abwechselnde Perspektiven, Zeitsprünge und ein komplexes Rätsel, das mit jeder scheinbaren Antwort eine neue Frage aufwirft… Ja, es ist ein gedankliches Mammutwerk, aber bis ins kleinste Detail durchdacht – Dranbleiben und Mitfiebern lohnt sich.

Bewertung vom 14.10.2019
Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2
Nikolai, Maria

Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2


sehr gut

Goldene Lesestunden! Meine Vorfreude auf die Fortsetzung der Saga um die Rothmann’sche Kaufmannsfamilie war groß; gespannt fieberte ich einem Wiedersehen mit den liebgewonnenen Figuren aus dem Werk entgegen, welches den Auftakt gebildet und mich bereits vor über einem Jahr begeistert hatte. Welches Schicksal war den Charakteren in der Zwischenzeit wohl widerfahren? Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, Maria Nikolai hat sich mit diesem stimmungsvollen historischen Roman, in dem die Protagonisten zum Teil auch das für seine Goldenen Zwanziger Jahre berühmte Berlin entdecken, mal wieder selbst übertroffen!
Allen Neuentdeckern/innen, die - eventuell verzückt von besagtem Cover – beherzt zum Buch gegriffen haben und nun nicht wissen, ob sie den Lese-Sprung in die Mitte einer Buchreihe wagen sollen, ohne den ersten Teil zu kennen, kann ich diese Sorge nehmen. Zum einen werden alle Protagonisten ausgiebig vorgestellt, inklusive der Einflechtung von Hintergrundwissen. Zum anderen findet sich im Anhang ein umfangreiches Personenregister. Auch viele neue Figuren bereichern die Handlung und es entsteht nie der Eindruck, dem Geschehen aufgrund mangelnder Vorkenntnis nicht folgen zu können. Würde ich die Vorablektüre des ersten Teils empfehlen? Jein – aus Verständnisgründen wäre dies nicht nötig…aber es ist einfach ein tolles Buch. Mir persönlich hat es viel Freude bereitet, vertrauten Charakteren wieder zu begegnen.
Judith, die einstige Rebellin der Familie, ist mittlerweile selbst Mutter und genießt ihr Eheglück mit Victor; noch immer schlägt ihr Herz für die Herstellung von Schokolade. Ihre zwei kleinen Brüder, Anton und Karl, sind mittlerweile erwachsen; speziell Karl ist ein Lausbube geblieben, der eher unbeständig durchs Leben und von einer Vergnügung zur nächsten zu flattern scheint. Anton hingegen macht einer höchst sympathischen jungen Dame den Hof. Besonders fasziniert haben mich – überraschenderweise - die neuen Figuren, allen voran Serafina (die mutige, selbstbewusste Halbschwester Victors, die nach dem Tod des gemeinsamen Vaters zu den Rothmanns nach Stuttgart zieht), ihre 'Bahnhofsbekanntschaft' – die kesse und doch herzensgute Lilou Roche, die der Crew der berühmten Josephine Baker angehört – sowie Elise, die mehr als nur einem Mann den Kopf verdrehen wird…ohne es zu ahnen.
Noch immer lastet ein altes Geheimnis schwer auf der Familie; Judith und ihr Mann haben Stillschweigen darüber vereinbart. Sie ahnen nicht, dass auch ihr neues Familienmitglied sich davor fürchtet, dass ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit ans Licht kommen könnte. Hinzu häufen sich plötzlich mysteriöse Vorfälle im Familienbetrieb, die den Verdacht der Sabotage nahelegen. Doch wer würde den Rothmanns Schaden zufügen wollen?
Wundervoll atmosphärische Beschreibungen und ein Schreibstil, der aufgrund verschiedener Perspektiven absolut fesselnd ist, historische Fakten mühelos zum Leben erweckt und die rund 700 Seiten, sprichwörtlich, wie Schokolade dahinschmelzen lässt…was will man mehr? Einzig der Erzählstrang um Robert Fetzer war mir ein klein wenig zu ausführlich – dies mag allerdings daran gelegen haben, dass ich es nicht erwarten konnte, zu den spannenden Handlungen der anderen Figuren zurückzukehren.
Zusätzlich zum Roman wartet noch eine kleine Köstlichkeit im Innencover: ein Rezept für sündig-leckere Himbeer-Trüffel. Abschließend bietet das Glossar einen interessanten Überblick über die wichtigsten zeitgenössischen Begriffe und Entwicklungen dieser faszinierenden Zeitepoche.
Fazit: Sehr empfehlenswert für alle Fans von historischen Romanen! Ein dicker Schmöker, der dennoch gerne die doppelte Anzahl an Seiten hätte haben können. Fundierte Recherche + Kreativität + liebenswerte Figuren = goldene Lesestunden.

Bewertung vom 03.10.2019
Die Zeit der Weihnachtsschwestern
Morgan, Sarah

Die Zeit der Weihnachtsschwestern


ausgezeichnet

Weihnachtszauber, der das Herz erwärmt!
Bestsellerautorin Sarah Morgan ist einfach eine Meisterin ihres Fachs, ein Garant für berührende Geschichten und glückselige Lesestunden und nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen of all times. Ich habe stets jedes ihrer Werke mit Begeisterung verschlungen und dieses hier ist mein bisheriger Liebling. Bevor meine Euphorie mit mir durchgeht und ich meinen Lobgesang beginne, vorab ein paar kurze Informationen zum Inhalt.
Vor vielen Jahren hat das sympathische Ehepaar Suzanne und Stewart drei kleine Mädchen adoptiert, die bei einem tragischen Bergunglück ihre Eltern verloren hatten. Aus den einst traumatisierten Kindern sind mittlerweile drei erwachsene junge Frauen geworden, die ihren Platz in der Welt gefunden zu haben scheinen. Ihre positive Entwicklung verdanken sie vor allem der unerschütterlichen Liebe und Geduld ihrer Adoptiveltern, die ihnen einen Neuanfang für eine fröhliche Kindheit in der Idylle der schottischen Highlands ermöglicht haben. Mittlerweile lebt nur noch Posy bei ihren Eltern in Glensay, einem malerischen Örtchen, in dem jeder jeden kennt, Gemeinschaftssinn großgeschrieben wird und niemand vor Nachbarschaftstratsch und Gerüchten geschützt ist; ihre Schwestern hingegen hat es nach New York City verschlagen, wo Hannah einen kometenhaften Aufstieg als Unternehmensberaterin erlebt und Beth ihren Traummann gefunden hat. Zum Weihnachtsfest werden sie alle ins verschneite Schottland eingeladen und Suzanne kann es kaum erwarten, ihre Mädchen endlich wieder in die Arme schließen zu können. Aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass es wohl keine allzu 'stille Nacht' werden wird: die ohnehin viel zu verschlossene Hannah, die sich im vergangenen Jahr sogar vor einer Heimreise gedrückt hatte, taucht viel früher als erwartet auf – mit rotgeweinten Augen und einem aufwühlenden Geheimnis. Auch Beth steht schon Tage vor ihrer geplanten Ankunft auf der Matte – ohne Ehemann und Kinder. Der charismatische Untermieter Luke lässt Posys Herz schneller schlagen und dann wird Suzanne auch noch von einer Grippe erwischt, mitten in den stressigen Vorbereitungen für die schönste Zeit des Jahres.
Erzählt wird abwechselnd aus vier Perspektiven: Beth, Posy, Hannah und Suzanne. Meisterhaft bringt uns die Autorin gleichermaßen intensiv jede der Figuren so nahe, dass ich mich – obwohl die Frauen kaum unterschiedlicher sein könnten – mühelos in jeden der Charaktere hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen konnte. Alle Hauptfiguren sind unheimlich facettenreich gestaltet worden; ihre Unterschiede (und die Beweggründe für ihr Verhalten) müssen gar nicht großartig betont werden – vielmehr gelingt es der Autorin durch Rückblicke in die Vergangenheit und detaillierte Momentaufnahmen ein solch lebensnahes Bild zu kreieren, dass mir alle Figuren nach wenigen Seiten bereits so vertraut waren, als hätte ich sie nicht gerade erst kennengelernt.
Der Schreibstil der Autorin ist unübertroffen und lässt sich am ehesten mit den Worten 'mitreißend', 'emotionsgeladen' und 'beglückend' beschreiben. Für mich als Weihnachtsfan war dieses Werk ein besonderes Geschenk, da es Sarah Morgan wie kaum eine andere Autorin versteht, ein wohlig-festliches Flair und eine authentische Atmosphäre zu erschaffen. Dieser Roman ist weitaus tiefgründiger als übliche Weihnachtsgeschichten, so werden neben Romantik und Festtagszauber auch die Themen Traumabewältigung, Umgang mit Verlust und Schuldgefühlen sowie Familienprobleme und deren Ursachen aufgegriffen. Niemals jedoch wird der harmonische Leseeindruck getrübt; stattdessen standen mir regelmäßig Tränen der Rührung in den Augen.
Fazit: Ein Buch, das glücklich macht – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Bewertung vom 03.10.2019
Herbstblüten und Traubenkuss
Schilling, Emilia

Herbstblüten und Traubenkuss


ausgezeichnet

Wunderschöner Wohlfühl-Roman aus Österreich!
Dieses war mein 1. Werk von Emilia Schilling, aber es wird gewiss nicht das letzte gewesen sein. War ich schon vom stimmungsvollen Cover angetan, hat der humorvolle und zugleich einfühlsame Schreibstil der Autorin mich restlos begeistert.
Mona gehört zu der Sorte Mensch, die sich lieber an Fakten und Zahlen hält, statt Kontakt zu ihren Mitmenschen zu suchen. Böse Zungen würden sie vielleicht als 'Spaßbremse' bezeichnen. Ihre beste Freundin Bianca allerdings weiß, dass Mona nicht nur unglaublich loyal, sondern auch herzensgut ist. Wie es der Zufall will, findet Mona sich nach einem missglückten Bewerbungsgespräch über Irrwege auf einem Weingut wieder – für eine Detektei hatte sie einen jungen Mann namens Oliver Feeberger ausfindig machen sollen, dessen Großeltern ihn zur Rückkehr auf das familiäre Weingut überzeugen möchten. Der attraktive Herr ist schnell ausgeforscht, den Job in der Detektei bekommt Mona dennoch nicht. Weder möchte sie mit 28 Jahren noch ein neues Studium beginnen (- ihre Eltern versuchen noch immer, Mona für das Gebiet der Zahnmedizin zu begeistern -), noch kann sie auch nur einen Tag länger im Kinderbett von Biancas Sohn schlafen. Zwar ist sie ihrer Freundin zu Dank verpflichtet, dass diese ihr nach einer bösen Trennung Unterschlupf gewährt hatte, aber auf Dauer kann dies keine Lösung sein. Da Mona nun mehr Freizeit hat als ihr lieb ist und dringend eine Finanzspritze braucht, fackelt sie nicht lange, als der junge Feeberger-Spross sie überredet, ihn auf das Weingut am Rande von Wien zu begleiten – immerhin wird dort während der Hochsaison jede helfende Hand benötigt. So ein bisschen kellnern sollte Mona locker schaffen, oder? Allerdings hat sie weder mit der kampfeslustigen Henne 'Cindy' gerechnet, noch damit, mit solch aufrichtiger Herzlichkeit aufgenommen zu werden. Und gerade als Mona so glücklich ist wie selten zuvor, erfährt sie von einem tragischen Geheimnis…
Die Autorin hat in feinfühliger Ausarbeitung solch liebenswerte Figuren, die in ihren Handlungen und Gedanken durch und durch realistisch wirken, erschaffen, dass man das Gefühl bekommt, diese Personen tatsächlich zu kennen. Insbesondere Lore, Nina und Mona sind meine absoluten Lieblinge geworden – jede von ihnen fasziniert und beeindruckt mich mit ihren persönlichen Charaktereigenschaften, sei es Lores Güte, Ninas Power und Optimismus oder Monas Engelsgeduld und Nervenstärke.
Dank der zahlreichen humorvollen Elemente und Dialoge habe ich so manches Mal laut auflachen müssen und mich königlich amüsiert. Auch ernste Themen wie Schuldgefühle, Krankheit und Tod sind in die Handlung eingeflochten worden, jedoch auf eine sensible und zugleich faktische Art und Weise, welche die Ereignisse als völlig selbstverständlich und entsprechend dem Fluss des Lebens ganz natürlich erscheinen lässt. Nie überwiegt ein negatives Gefühl, immer steht die Lebensfreude im Vordergrund.
Während der Lektüre erhalten wir nicht nur viele leckere Rezepte zu herzhaften österreichischen Spezialitäten und interessante Informationen zu landestypischen Bräuchen, sondern werden zudem mit detaillierten und stimmungsvollen Beschreibungen des Weinguts in die wohl schönste Region Österreichs entführt. Ich habe dieses bezaubernde Werk passend zur Jahreszeit der Weinernte gelesen und bekam richtig Lust auf einen Ausflug zum 'Buschenschank' und ein Glas 'Sturm'! Das im Anhang angefügte Glossar bietet die deutsche Übersetzung zu allerlei österreichischen Begriffen und hat mich (als zugezogene Deutsche) schmunzeln lassen. Ich kann gar nicht genug lobende Worte finden dafür, wie lebensnah und 'echt 'dieses Werk das wahre Leben widerspiegelt.
Fazit: Herzzerreißend schön, spritzig-witzig & mit wundervoll-spätsommerlichem Österreich-Flair! Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 03.10.2019
Der Preis der Liebe
Hunter, Denise

Der Preis der Liebe


ausgezeichnet

Ein absolutes Herzensbuch!
Ich liebe, liebe, liebe diesen wundervollen Roman!! Selten hat mich ein Werk so rundum begeistert, hat der Gesamteindruck so perfekt gepasst. Der Begriff 'perfekt' klingt beinahe zu langweilig; 'hinreißend', 'berührend' und 'realitätsnah' trifft es schon viel eher.

Noch während der Lektüre der ersten Kapitel wanderten bereits fünf weitere Bücher der mir bis dahin gänzlich unbekannten Autorin auf meine Wunschliste und dieses Werk hier hat es mir sogar so angetan, dass ich es wohl zusätzlich auch in der englischen Fassung, unter der Titel "On Magnolia Lane", lesen werde.

Den typischen Charme der U.S.-Südstaaten, den ich auf vielen Reisen schon erleben durfte, habe ich direkt in den atmosphärischen Beschreibungen des idyllischen kleinen Städtchen Copper Creek in Georgia (- dem fiktiven Ort der Handlung -) sowie in den Gemeindeaktivitäten, dem Zusammenhalt und der Herzlichkeit der Einwohner wiedererkennen können. Die Autorin schreibt mit unheimlich viel Gefühl, gleitet allerdings nie ins Kitschige oder Unglaubwürdige ab. Ihre Figuren habe ich so liebgewonnen, dass ich richtig melancholisch wurde, als ich die letzte Seite erreicht hatte. Nicht nur die Hauptcharaktere, auch viele der Nebenfiguren sind unheimlich tiefgründig und facettenreich gestaltet worden. So oft standen mir vor Rührung die Tränen in den Augen!

Drei zentrale Themen sind Vergebung, Gottesvertrauen und Hilfsbereitschaft – jedoch nicht auf moralisierende Weise, sondern eher so als würde man mit einer guten Freundin im Spätsommer auf der Veranda sitzen, im Schaukelstuhl wippen und sich bei Sweet Tea und Cookies darüber austauschen…während im Hintergrund leise Country-Musik aus dem Radio ertönt. Apropos Gespräche: Die Dialoge sind durch und durch glaubwürdig, auch Humor kommt nicht zu kurz. Ich hatte während des Lesens immer wieder den Gedanken, dass das Buch sich verfilmt gehört. Zwar mag die Grundidee an den Klassiker "E-Mail für Dich" erinnern, aber die Geschichte um Daisy und Pastor Jack zeichnet sich durch bedeutend mehr aus als lediglich durch Irrungen und Wirrungen von Internetbekanntschaften in Datingportalen! (So lässt die Autorin beispielsweise gekonnt das Problem Legasthenie in die Handlung einfließen.) Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren; die Nebenfiguren bilden eine angenehme Ergänzung (und ich freue mich schon, sie in ihren 'eigenen' Romanen der Blue Ridge-Reihe wiederzutreffen).

Ich kann nur sagen: Sobald ich dieses Buch beendet hatte, wollte ich es am liebsten gleich ein weiteres Mal lesen…es macht einfach glücklich. Ein Wohlfühl-Werk par excellence und ab sofort eines meiner Lieblingsbücher!!

Bewertung vom 02.10.2019
Kastanienjahre
Baumheier, Anja

Kastanienjahre


sehr gut

Eine emotionale Reise in die Vergangenheit.
Ich habe Anja Baumheiers Werk als Hörbuch genießen dürfen, wundervoll interpretiert und stimmungsvoll gelesen von Sprecher Wolfgang Berger, dessen Stimme eine ausgezeichnete Wahl für diesen Roman war. Besonders hervorheben möchte ich Herrn Bergers angenehmes Lesetempo, wohl gewählte Intonation und seine deutliche Aussprache, welche die ohnehin mitreißende Wirkung der Geschichte noch verstärkt haben.
Als junges Mädchen hätte sich die modebewusste Elise nie träumen lassen, dass sie eines Tages ihre eigene Boutique in Paris leiten würde. Die französische Hauptstadt war seit jeher ihr Sehnsuchtsort gewesen, hatte sie fasziniert und zum Lernen der Sprache motiviert – doch sie hatte sich damit abgefunden, dass eine Reise dorthin wohl für immer Wunschdenken bleiben würde, denn Elise lebte in der DDR. Während die Gedanken eines jeden Menschen frei sein mögen, waren die Einwohner des kleinen (fiktiven) mecklenburgischen Dorfes Peleroich, Elises Heimat, alles andere als das. Sie lebten ein eingeschränktes Leben, geprägt von Mangel an Konsumgütern, Angst vor Stasi-Bespitzelung und dem Parteifanatismus ihres Bürgermeisters Ludwig, der Peleroich zum Vorzeigeort des Sozialismus machen wollte. Und doch fanden sie einen Weg zwischen Anpassung und Aufgabe, lernten zu improvisieren und ihr Glück in dem Erreichbaren zu suchen.
Dies ist eine Geschichte über die Menschen, die einst in Peleroich (das nun, bald 30 Jahre nach der Wende, abgerissen werden soll) gelebt haben. Das idyllisch gelegene Örtchen, umgeben von dichtem Wald und nahe des Ostseestrandes, ist mittlerweile wie ausgestorben. Die meisten Läden haben vor Jahren geschlossen, die Einwohner sind verstorben oder haben sich ein neues Zuhause gesucht. Manche von ihnen waren bereits zu DDR-Zeiten plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und hinterließen eine klaffende Lücke in der Gemeinschaft. – So wie Jakob, für den Elise immer einen besonderen Platz in ihrem Herzen bewahrt hat; Jakob, den sie von klein auf gekannt und als junges Mädchen verträumt angeschaut hatte. Was war ihm zugestoßen?
Paris, 2018: Noch immer hängt das Gemälde mit dem treffenden Titel 'Verpasste Chancen', das sie einst von Jakob geschenkt bekommen hatte, an Elises Wand. Noch immer denkt sie manchmal wehmütig an ihn zurück…und an ihre Zeit in Peleroich, an ihre Familie. "Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt." Da erreicht sie ein anonymes Schreiben – der Verfasser behauptet, über Informationen zu verfügen, die Elises gesamtes Weltbild ins Wanken bringen werden. Um endlich Antworten auf all ihre Fragen zu erhalten, macht sich Elise zusammen mit ihrer Schulfreundin Marina auf den Weg in die Heimat…
Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, verteilt auf zwei Zeitebenen: Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab. Anfangs hatte ich befürchtet, dass es sich bei diesem Roman hauptsächlich um eine Dreiecksbeziehung zwischen Elise, Henning und Jakob drehen würde – dies ist nicht der Fall. Stattdessen erzählt die Autorin eindringlich, schonungslos ehrlich und zugleich einfühlsam, wie das Alltagsleben in der DDR ausgesehen hat. Peleroich ist stellvertretend für so viele ehemalige DDR-Gemeinden und ihre Bürger. Der fesselnde Schreibstil hat mich sofort in die Handlung hineinkatapultiert. Mit der Zeit lernt man die wichtigsten Bewohner des Dorfes kennen und gewinnt sie richtig lieb, verfolgt den Lauf ihres Lebens und hat das Gefühl, ein Stück (Zeit-)Geschichte hautnah mitzuerleben. Freud und Leid liegen oft nah beieinander, dennoch verliert sich die Autorin nicht in Schilderungen von Negativität und Verzweiflung; vielmehr lässt sie uns am Leben ihrer Figuren teilhaben, so wie es eben war. Die lebensbejahende Einstellung der DDR-Bürger lässt sich vielleicht am besten mit den Worten von Elises gutem Freund Tarek beschreiben: "Kannst du kein Stern am Himmel sein, sei eine Lampe im Haus."
Fazit: Authentisch, berührend und intensiv.

Bewertung vom 30.09.2019
Unter einem guten Stern
Darke, Minnie

Unter einem guten Stern


gut

Mal was Anderes! Vielleicht keine Sternstunde der Literatur, aber lockere Unterhaltung.
Noch ehe ich die vielversprechende Inhaltsangabe gelesen hatte, war ich schon hingerissen von dem wunderschönen Cover: es zeigt einen tiefblauen Sternenhimmel voller funkelnder Sterne (die tatsächlich im Dunkeln leuchten), die Silhouette einer jungen Frau, die nach den Sternen zu greifen scheint, und darüber prangt ein großer goldglitzernder Schriftzug. Wie passend für ein Werk, in dem es um Astrologie geht! Hier wurde bei der Covergestaltung ganze Arbeit geleistet.

Auch die Idee zur Story kann sich sehen lassen. Die junge Justine ist das Mädchen für alles beim beliebten Hochglanzmagazin 'Star' und hofft, eines Tages eine Volontariats-Stelle zu ergattern. Wie es der Zufall will (oder die Sterne), darf sie überraschend den Posten der Redaktionsmanagerin übernehmen. Als sie ihrer Sandkastenliebe Nick Jordan in die Arme läuft und erfährt, dass dieser fest an das Horoskop glaubt, welches der ebenso mysteriöse wie prominente Astrologe Leo Thornbury regelmäßig im 'Star' veröffentlicht, wird es richtig interessant – denn die Kontrolle des Horoskop-Layouts obliegt ab sofort Justine… Um ihrem Glück mit Nick auf die Sprünge zu helfen, nimmt sie spontan ein paar kleine Umformulierungen für sein Sternzeichen (Wassermann) vor und ist überzeugt, dass er die versteckten Hinweise erkennen wird (– sowie seine Zuneigung zu ihr). Nicht nur, dass Nick leider die völlig falschen Schlüsse zieht - es gibt auch jede Menge andere Wassermänner, die den Hinweisen der Sterne folgen und ihr Leben danach ausrichten; Chaos ist vorprogrammiert. Das Schicksal lässt sich jedoch nicht so leicht ins Handwerk pfuschen…

"Zeit verging. Monde umkreisten Planeten. Planeten umrundeten die hellsten Sterne. Galaxien funkelten. Und je mehr Jahre ins Land gingen, desto mehr Satelliten kamen hinzu." Der Schreibstil der Autorin hat etwas Entrücktes und Verträumtes – diese Geschichte liest sich ein klein wenig wie ein modernes Märchen und strotzt vor Phantasie. Das Thema Astrologie findet sich konsequent durch das ganze Werk hindurch wieder, was sehr stimmig ist.

Justine und Nick stehen im Vordergrund, doch zahlreiche Nebenfiguren (deren Lebenswege auf wundersame Weise alle irgendwie miteinander verbunden sind)/Nebenplots nehmen einen relativ großen Teil der Story ein. Einzelne Episoden davon haben mich berührt, insbesondere das Schicksal des Hundes Brown, auf andere hätte ich gut verzichten können. Es war unterm Strich einfach zu viel des Guten. Ein paar hundert Seiten weniger, dafür mehr Fokus auf die Hauptfiguren – schon wäre ein ganz anderer Leseeindruck entstanden. Insgesamt habe ich mich - und das ist eine Seltenheit - für keine der Figuren wirklich erwärmen können; sie blieben für mich oberflächliche Charaktere, mit denen ich nicht mitfiebern konnte, und wenn ich mich noch so sehr darum bemühte (weil die Story-Idee mir richtig gut gefallen hatte). Was ursprünglich als interessante Abwechslung angefangen hatte (- so wurden Figuren beispielsweise auf folgende Weise vorgestellt: "Drew – Waage, Agrarberater, begeisterter Amateur-Flieger, Pink-Floyd-Kenner und gefürchteter Schlafzimmerspiegel-Luftgitarrist" –) verlor schnell seinen Reiz aufgrund der Überzahl an Charakteren. Auch die ellenlangen gedanklichen Dialoge zwischen Justine und ihrem Gehirn trafen nicht meinen Geschmack bzw. häuften sich zu sehr, was unnötig den Lesefluss drosselte und die Geschichte des Öfteren recht langatmig wirken ließ. Erwähnenswert ist auf jeden Fall die kreativ-witzige Wortwahl in den sehr (!) detaillierten Beschreibungen, die manchmal etwas vom eigentlichen Geschehen ablenkten.

Fazit: Super Idee, in der Umsetzung eher mittelmäßig und deutlich ausbaufähig, gerade im Hinblick auf den schmucken Umfang von knapp 550 Seiten. Eventuell von Interesse für alle Fans von "Die fabelhafte Welt der Amélie".