Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Liebe Dein Buch
Wohnort: Bremen
Über mich: Ich bin Jacki, ein leidenschaftlicher Bücherwurm. Wenn euch meine Rezensionen gefallen, schaut doch auch meinem Blog vorbei: https://liebedeinbuch.blogspot.de/
Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 178 Bewertungen
Bewertung vom 28.07.2020
Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange / Die Tribute von Panem Bd.4
Collins, Suzanne

Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange / Die Tribute von Panem Bd.4


gut

Interessante Geschichte und Protagonist, aber das Ende enttäuscht

Meine Meinung: Ein Prequel zu Tribute von Panem - schon bei der Ankündigung war ich zwischen zwei Gefühlen hin und her gerissen. Vorfreude und Vorsicht. Gefangen in der Frage: Wird es eine gute Ergänzung zur Reihe oder gewinnt man das Gefühl, das Universum würde ausgeschlachtet werden? Anfangs war die Geschichte wirklich interessant und es schien auf die erste Antwortmöglichkeit hinauszulaufen. Am Ende bin ich mir nicht mehr so sicher.

Beim Lesen bin ich einer Geschichte begegnet, die ich so nicht erwartet hatte. Coriolanus Snow und seine Familie sind sehr arm und auch nicht wirklich einflussreich. Der 18-jährige Snow ist ein anderer Mensch, als der, den wir aus den älteren Tribute-von-Panem-Büchern kennen. Er trägt noch mehr Menschlichkeit in sich, obwohl ein paar seiner unschöneren Gedankengänge bereits durchdringen. Zum Beispiel sein Hass auf die Distrikte und seine Abscheu gegen deren Bewohner. Deswegen fand ich es gut, dass in der dritten Person erzählt wird. Man ist nah dran am Geschehen, aber nicht zu nah, um möglicherweise abgestoßen zu sein.

Auch die Hungerspiele selbst sind anders als wir sie kennen. Vieles, was man mit Katniss miterlebt hat, gibt es noch nicht. Im Verlauf des Buches bekommt man mit, wie die Entwicklung der Spiele hin zum riesigen, ganz Panem umspannenden, Ereignis vonstatten geht und wer seinen Anteil daran hatte. Den Plot und Coriolanus Snow fand ich wirklich interessant. Es war keine sympathische, mitfiebernde Art mitzulesen, aber es war auf seine Art faszinierend hinter die dunklen Fassaden von Panem zu blicken.

Es gibt so viele Charaktere, die die Geschichte besonders machen. Die Künstlerin Lucy Gray - das weibliche Tribut aus Distrikt 12. Sie zeigt Coriolanus eine freie, wilde Welt, fern ab des Kapitols. Lässt Zweifeln in ihm wachsen. Oder Sejanus Plinth - ehemaliger Bewohner aus Distrikt 2, jetzt aber im Kapitol lebend. Er stellt sich offen gegen die Unterdrückung der Distrikte, gegen die Hungerspiele, ist die mahnende, unzufriedene Stimme dieser Erzählung. Sie alle haben ihren (positiven) Einfluss auf Coriolanus Snow.

Bis zum Ende. Bis zu dem Ereignis, das Snows Handlungen verändern wird. Als Leser*in weiß man, dass dieser Moment kommen wird, kommen muss. Aber die Art und Weise hat mir gar nicht gefallen. Der Plot legt mir eine zu schnelle und wenig nachvollziehbare Kehrtwende hin. Im Prinzip hat dieses eine Ereignis die ganze restliche Geschichte unnötig gemacht. Der Schluss wirkt überhastet und nicht ausgereift. Mit einem anderen Ende wäre mein Gesamturteil garantiert positiver ausgefallen. So muss ich mich fragen, ob diese Geschichte wirklich "sein musste".

Fazit: Das Prequel zu "Tribute von Panem" kann mit einer interessanten Geschichte punkte. Coriolanus Snow und seine Nebenakteure sind besondere Charaktere, mit denen man hinter die dunklen Fassaden von Panem blickt. Man sieht, wie sich die Hungerspiele und Coriolanus selbst entwickeln. Nur leider hinterlässt das Ende einen bitteren Nachgeschmack, sodass ich an der Sinnhaftigkeit dieser Geschichte zweifeln muss. Für eingefleischte Panem-Fans bestimmt trotzdem interessant, aber für alle anderen - aufgrund des stattlichen Preises - eher nicht zu empfehlen.

Bewertung vom 26.07.2020
Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe
O'Leary, Beth

Time to Love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe


sehr gut

Charmante Geschichte, der das gewisse Etwas fehlt

Cover: Das Cover ist optisch angepasst an den vorherigen Roman von Beth O'Leary "Love to share". Eine eher ungewöhnlich Farbkombination, die in dem Stil einfach gut aussieht und im Regal passen die Bücher der Autorin auch noch toll zusammen.

Meine Meinung: Beth O'Leary konnte mich mit ihrem letzten Roman "Love to share - Liebe ist die halbe Miete" vor allem mit der außergewöhnlichen Idee überraschen und abholen. Es war ein Liebesroman, der sich von der Masse abgehoben hat. "Time to love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe" versucht sich auch an einem originellen Plot durch den Lebenstausch von Enkelin und Großmutter. Das Buch konnte mich mit der Idee aber nicht im gleichen Maße abholen. Die Umsetzung der Geschichte ist definitiv charmant, liebenswürdig und unterhaltsam, aber es hat ihr am gewissen Etwas gefehlt.

Der Wohnungs- und Lebenstausch von Großmutter Eileen und ihrer Enkelin Leena wird humorvoll geschildert. Beide erzählen abwechselnd von ihren neuen Erlebnissen. Auf der einen Seite steht die 70-jährige Eileen in der schnelllebigen Metropole Londons, die sich ins Online-Dating schmeißt, eine heiße Affäre beginnt und mir nichts dir nichts absolute Geselligkeit in die einander fremde Nachbarschaft bringt. Es scheint ihr alles ganz leicht zu gelingen - etwas unrealistisch und unglaubwürdig.

Auf der anderen Seite steht Leena. Hardcore-Arbeitende, die plötzlich gezwungen wird eine Auszeit zu nehmen. Auf dem Land und umgeben von den Rentner-Freunden ihrer Oma. Hier bekommen die Leser*innen das Gegenstück vorgesetzt, denn bei Leenas Auszeit läuft einiges schief, aber nach und nach schleicht sie sich ins Herz der älteren Bewohner und umgekehrt. Man liest diese Geschichte gerne, fühlt sich dabei wohl und hat Spaß, aber mir persönlich hat einfach etwas gefehlt.

Das Buch überrascht nicht - die (etwas nebensächlichen) Liebesgeschichten sind auf beiden Seiten recht offensichtlich. Das Buch baut keine Spannung auf und auch an großen Emotionen hat es gefehlt. Nur im Epilog konnte mich das Buch ganz tief berühren. Das war schade, denn die Geschichte scheint nur ganz nebenbei den tiefen Verlust von Leenas Schwester Carla zu verarbeiten. Ein Thema, das auf gar keine Fall nebenbei behandelt werden sollte, sondern mit viel Tiefgang. Hier wurde leider Potenzial verschenkt.

Fazit: Wer "Time to love - Tausche altes Leben gegen neue Liebe" in die Hand nimmt, um sich die Zeit mit einer gut unterhaltenden Geschichte zu vertreiben und ein wenig zu schmunzeln, der ist bei diesem Buch genau richtig. Wer allerdings eine tiefer gehende Erzählung lesen möchte, die Emotionen wachruft und dabei überraschen kann, der trifft hier eher nicht die richtige Wahl. Eine gute Lektüre für Zwischendurch, mehr war es für mich allerdings nicht.

Bewertung vom 25.07.2020
Die Macht des Wassers / City of Elements Bd.1
Tramountani, Nena

Die Macht des Wassers / City of Elements Bd.1


ausgezeichnet

Cover & Gestaltung: Ich liebe das Cover! Das Element "Wasser" wird toll aufgegriffen, die verschiedenen Ebenen lassen den Betrachter tief hineintauchen und die goldenen Ranken runden das Gesamtbild auf romantische Weise ab. Auch im Inneren überzeugt die Gestaltung mit kleinen Ranken am Kapitelanfang, Wappen und Karte von Tessarect.

Meine Meinung: Ich war sehr gespannt auf den Auftakt der City of Elements-Reihe, denn nicht nur das Cover hat mich in seinen Bann gezogen, sondern auch den Klappentext fand ich sehr ansprechend. Und was soll ich sagen? Beide haben nicht zu viel versprochen. Die Geschichte rund um Kiana und Will ist interessant, voller Fantasie, romantisch und es macht einfach Spaß sie auf diesem Abenteuer zu begleiten.

Denn genauso fühlt es sich an. Als würde ich Kia hautnah begleiten. Als wäre ich da, direkt neben ihr und würde selbst in dieses neue Ungewisse gezerrt werden. Nena hat einen tollen luftig leichten Schreibstil, der gleichzeitig eine große Nähe zu den Charakteren erschafft und tief blicken lässt. Dadurch lernt man Kia schnell kennen. Sie ist sympathisch, mit genau dem richtigem Hauch (Selbst-)Ironie, aber vielleicht ab und an ein wenig begriffsstutzig.

Am Anfang der Geschichte wird sie aus dem Nichts heraus aus ihrem Leben gerissen und mit neuen, unglaublichen Tatsachen konfrontiert. Kia ist eine Elementträgerin und auch nicht irgendeine. Nein, ihre Eltern stammen aus verschiedenen Elementfamilien und diese Art der Verbindung ist strengstens verboten. Niemand weiß, was oder wie stark ihr Talent ist. Verschiedene Gruppen sind deshalb hinter ihr her.

Doch die Natur hat den Elementträgern Beschützer an die Hand gegeben: Die Inventi. Will würde alles dafür tun, um Kia zu beschützen und weicht nicht von ihrer Seite. Die Beziehung zwischen Will und Kia baut sich langsam auf. Anfangs ist sie geprägt von Misstrauen und Abneigung, denn der jeweils andere stellt den Grund dar, warum sie sich in dieser Situation befinden. Es entsteht eine süße Qual, denn gleichzeitig herrscht eine unbändige Anziehungskraft zwischen ihnen. Vor allem da Wills harte Schale nach und nach Risse bekommt. Die beiden sind zwar noch kein Herzschmerz-Pärchen, aber sie haben definitiv das Potenzial dazu.

Mit oder ohne Will, Kia ist festentschlossen herauszufinden, was ihr Talent ist und welche Geheimnisse die Gemeinschaft in Tessarect hegt. Die Begabung der Elementträger ist ganz anders als ich es erwartet hatte. Das war erfrischend, denn auch in Fantasygeschichten wird man immer seltener überrascht. Insgesamt hätte ich mir nur etwas mehr Fokus auf diese Fähigkeiten gewünscht. Man tappt lange im Dunkeln bis sich erste Schatten lichten und dann ist die Geschichte schon vorbei. Aber wer weiß, welches Wissen alles in Band 2 auf uns wartet. Das Ende macht definitiv Lust auf die Fortsetzung!

Fazit: Nena Tramountani erschafft mit Tessarect eine Welt voller Fantasie und Magie. Gemeinsam mit den Protagonisten Kia und Will lernt man neues über die Elementträger und ihre Talente, erlebt Abenteuer, aber auch traurige Momente. Gleichzeitig schwebt man in dem perfekten Mix zwischen Misstrauen und unbändiger Anziehungskraft. Zwischen Gefühlen, die größer als man selbst zu sein scheinen. Hautnah, abenteuerlich und romantisch. Ich freue mich jetzt schon darauf weitere Geheimnisse in Band 2 zu lichten.

Bewertung: 4,5 Sterne

Bewertung vom 23.07.2020
Der Funke des Lebens
Picoult, Jodi

Der Funke des Lebens


gut

Meine Meinung: Wenn ich ein Buch von Jodi Picoult zuschlage, bin ich eigentlich immer begeistert und beeindruckt. Leider ist bei "Der Funke des Lebens" das Stichwort "eigentlich" maßgeblich. Das Thema, das die Autorin für ihren neusten Roman gewählt hat, ist keine Frage komplex, aktuell und bedeutsam. Allerdings hat mir die Art, wie die Geschichte erzählt wurde, nicht zugesagt.

Wie gewohnt betrachtet die Autorin das Thema "Abtreibung" aus verschiedensten Blickwinkeln. Lässt Befürworter und Gegner zu Wort kommen. Ärzt*innen, Protestant*innen, Patientinnen - sie alle bekommen durch ihren eigenen Charakter die Chance, ihre Sicht der Dinge zu erzählen. Jodi Picoult erschafft ein komplexes Meinungsbild. Nennt Gründe, die Frauen so weit treiben können, dass sie die Abtreibung als letzten Ausweg ansehen: Armut, behinderte Föten, Schwangerschaften durch Vergewaltigung und Inzest oder Schwangere, die selbst noch Kinder sind. Gleichzeitig übt sie Kritik an mangelnder finanzieller Unterstützung durch den Staaten, an Regeln und Gesetzen, die diesen schwierigen Weg nur noch mehr erschweren.

Ein wichtiges, diskutiertes Thema komplex ausgeleuchtet. So weit so gut (und beeindruckend). Nur die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wurde, konnte mich nicht begeistern. Das Buch beginnt mit dem Fast-Ende eines Amoklaufes. George Goddard stürmt bewaffnet in eine Abtreibungsklinik und schießt um sich. Polizist und Unterhändler Hugh McElroy versucht alles, damit die Geiseln überleben. Unter ihnen seine Tochter. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Uhr dann allerdings zurückgedreht. Rückwärts wird uns Leser*innen erzählt, wie es dazu kam, dass all diese Personen in die Klinik kamen und was sie dort durchleben.

Anfangs erschlägt einen die Anzahl der vielen Erzähler ein wenig. Mit der Zeit lernt man aber die Charaktere kennen, weiß sie zu unterscheiden und diese Vielfalt zu schätzen, denn der Perspektivenwechsel bringt Abwechslung. Ansonsten hatte die Erzählung leider nicht viel zu bieten, was die Leser*innen gebannt die Seiten umblättern lässt. Es war eine interessante Geschichte vom Thema und der Debatte her, aber Spannung habe ich vergebens gesucht. Durch die rückläufige Erzählweise wird den Leser*innen stets vorweg genommen, was noch passiert. Mein Gefühl sagt mir, dass es andersherum deutlich besser funktioniert hätte.

Fazit: "Der Funke des Lebens" hat mich - wie immer bei Büchern von Jodi Picoult - mit der Themenauswahl beeindruckt. Die Autorin sucht sich immer wieder kontrovers diskutierte , politisch aktuelle und wichtige Inhalte aus. Die Geschichte wird differenziert und aus allen Blickwinkeln betrachtet. Bis hier hin habe ich nur positives zu sagen, allerdings hat die Rückwärtserzählung des Buches mich einfach nicht abholen können. Es fehlte an Spannung und einem Drang weiterzulesen - man wusste ja schon (fast) alles.

Bewertung vom 29.06.2020
ONE OF US IS NEXT / ONE OF US Bd.2
McManus, Karen M.

ONE OF US IS NEXT / ONE OF US Bd.2


sehr gut

Kommt besonders in puncto Spannung und Raffinesse nicht an Band 1 heran

Meine Meinung: „One of us is next“ ist die Fortsetzung des Debütromans von Karen M. McManus. Mit „One of us is lying“ konnte mich die Autorin damals nahtlos begeistern. Eine Geschichte voller Spannung, Tiefgang, interessanten Charakteren und Raffinesse. Leider muss ich sagen, dass der zweite Teil in vielen dieser Punkte nicht an seinen Vorgänger herankommt. Die Geschichte von Maeve, Knox und Phoebe hat mir Spaß gemacht beim Lesen, aber insgesamt hat etwas gefehlt, das mich wirklich fesseln konnte.

Zum Einstieg habe ich die Kurzgeschichte „Die Bayview Four - Ein Jahr danach" gelesen, aber auch ohne bekommt man einen guten Einstieg in das Buch. Die Autorin erzähl zu allen alten und neuen Charakteren kleine einleitenden Worte und auch die Handlung des ersten Teils wird kurz aber präzise wiederholt. So kommt man schnell wieder in die Welt von Bayview hinein. Auch der flüssige Schreibstil von Karen M. McManus trägt seinen Teil dazu bei. Man kommt sehr gut durch die Geschichte und hat stets das Gefühl den Protagonisten sehr nahe zu sein.

Die drei Protagonisten waren alle sympathische und interessante Charaktere. Sie hatten alle ihre eigenen Probleme, die vor allem mit der Enthüllung ihrer Geheimnisse zu tun hatten. Es geht um Familie, Freundschaft, Liebe, Verlust und Anerkennung. Viele Themen, die die Geschichte interessant und unterhaltsam machen, die aber auch viel Platz einnehmen.

Platz, der dem Krimi im High-School-Drama gefehlt hat. Die Spannung und die Raffinesse, die mich im ersten Fall auf der Bayview High so begeistert hatten, konnte die Autorin in der Fortsetzung nicht wirklich wiederfinden. Es gab kein ausgeklügeltes Versteckspiel mit und von dem Täter, denn dieser war recht schnell ersichtlich. Weitere Entdeckungen zum Schluss wirkten für mich eher konstruiert, damit die Leser zum Schluss noch einmal richtig umgehauen werden.

Fazit: „One of us is next“ ist eine unterhaltsame Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Aber sie kommt leider nicht an den ersten Teil heran. Mir hat Spannung und ein wirkliches Versteckspiel gefehlt. Die sympathischen Charaktere und Karen M. McManus Schreibstil machen diese Geschichte trotzdem lesenswert - besonders wenn einem Band 1 gefallen hat.

Bewertung vom 17.06.2020
Arastrea
Zwetsch, Lilly C.

Arastrea


sehr gut

Eine phantastische und interessante Reise auf Arastreas Pfaden

Meine Meinung: "Arastrea - Das Vermächtnis der Seher" ist das Autorendebüt von Lilly C. Zwetsch und ich denke, diese junge Selfpublisher-Autorin sollte man noch im Auge behalten. Natürlich merkt man, wie bei vielen anderen auch, dass es kein professionelles Lektorat gegeben hat. Hier und da schleichen sich Rechtschreibfehler ein und beim Erzählerwechsel hätte ich mir gewünscht, dass dieser gekennzeichnet wird. Aber ansonsten hat mir die Geschichte ziemlich gut gefallen.

Also Schluss mit den Kritikpunkten, wenden wir uns lieber den positiven Aspekten zu. Der Schreibstil von Lilly C. Zwetsch hat mir schon einmal gut gefallen. Er ist sehr bildhaft. Dadurch bekommt man ein gutes Bild von der Handlung, der Landschaft und den Gefühlen der Protagonistin. Trotz Erzählperspektive in der 3. Person.

Die Geschichte kommt leicht sprunghaft in Gang. Es dauert eine Weile bis die Protagonistin Arina an dem Punkt ankommt, an dem der Plot sich inhaltlich weiterentwickeln kann. An dem sie erfährt, wer sie in Wirklichkeit ist und welches Schicksal ihr prophezeit wurde. Sie irrt eine längere Zeit in einer Art Vakuum umher, ohne ein Ziel.

Aber dann beginnt die Reise durch die vielfältigen Weiten Arastreas und diese Reise war voller Abenteuer. Man hat gemeinsam mit Arina ständig etwas Neues entdeckt. Arastrea beherbergt eine wirklich phantastische Welt. Eine Karte mit allen verwinkelten Ecken und der Reiseroute hätten wirklich gut zu dieser Geschichte gepasst. So bleibt es nur der Phantasie überlassen, sich seinen Weg zu bahnen.

Viel Abenteuer und auch ein wenig Spannung hält die Geschichte bereit. Ich war überrascht, dass die Erzählung sich nicht gezogen hat. Obwohl es das ganze Buch über eine einzige lange Reise war. Immer wieder neue Entdeckungen oder Ereignisse halten die Neugier des Lesers hoch. Außerdem gibt es noch eine kleine Liebesgeschichte, die allerdings doch sehr offensichtlich und mit recht wenig Tiefgang daherkam. Für mich hätte diese Romanze auch gut weggelassen werden können (das ich sowas nochmal sagen), aber wer weiß, wie sich die Beziehung in den nächsten Teilen der Reihe weiterentwickelt. Potenzial nach oben gibt es noch.

Das Ende macht mir auf jeden Fall Lust auf den nächsten Teil. Wobei ich einen anderen Schlusspunkt gewählt hätte, um die Spannung höher zu halten. Dennoch freue ich mich auf Band 2.

Fazit: "Arastrea - Das Vermächtnis der Seher" ist ein gelungenes Autorendebüt. Die Reise zusammen mit der Protagonistin Arina und ihren Gefährten steckt voller Abenteuer und man lernt ein fantastisches Arastrea kennen. Hier und da gibt es zwar einige Punkte, die noch verbessert werden könnten bzw. Potenzial nach oben haben, aber insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und ich freue mich auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 17.06.2020
Der letzte erste Kuss / First Bd.2
Iosivoni, Bianca

Der letzte erste Kuss / First Bd.2


sehr gut

Süße Geschichte mit zu viel Länge

Meine Meinung: Ich habe lange gewartet, um die Firsts-Reihe fortzusetzen, aber jetzt endlich habe ich die Geschichte von Elle und Luke in die Hand genommen. Das Buch hat mir zum einen gezeigt: Ich hätte nicht so lange damit warten sollen. Aber auch: Gute Liebesgeschichten sollten nicht zu lang sein.

Der Anfang hat mir nicht so gut gefallen, was mich überrascht hat, da ich die Leseprobe damals super fand. Aber dieses Mal hatte ich beim Lesen das Gefühl ein Klischee jagt das andere. Luke ist ein sehr sportlicher und gutaussehender Student mit einem Problem aus seiner Vergangenheit. Er hat jede Menge Frauen für eine Nacht, aber niemanden lässt er näher an sich heran. Elle stammt aus reichem Haus, wird von ihrer Familie aber geächtet, weil sie nicht "vorteilhaft" heiraten und das "richtige" studieren möchte. Diese Charakterkonstellation hat man so oder so ähnlich bereits in diversen anderen Geschichte vorgefunden.

Doch Klischees sind nicht ganz so schlimm, wenn die Story drumherum stimmt. Für mich hat "Der letzter erste Kuss" einfach ein wenig Anlauf gebraucht, aber nach circa 100 Seiten war die Chemie zwischen den Protagonisten so richtig entflammt und ich war voll dabei. Luke und Elle sind echt süß, lustig und sexy zusammen!

Besonders gut hat mir außerdem der Schreibstil gefallen (und das von der ersten Seite an). Bianca Iosivoni leitet uns Leser nicht nur locker leicht und bildlich durch die Geschichte, sondern baut durch den Perspektivenwechsel auch noch Spannung auf. Zum Beispiel immer wenn ich wissen wollte was Luke denkt, kam er Kapitel lang nicht an die Reihe.

Zum Ende hin baut sich diese Spannung leider immer weiter ab. Der Plot fängt an sich im Kreis zu drehen. Luke und Elle können sich nicht entscheiden, ob sie nun Freunde oder doch mehr sind. Ein ums andere Mal kommen sie sich näher, nur um im nächsten Kapitel wieder zurückzurudern. Das gleiche Prinzip bei Elle und ihrer Mutter. Bei dieser Situation fand ich es besonders schade, dass Elle, die eigentlich eine starke Person ist, sich so oft von ihrer Mutter runtermachen lässt.

Diese vielen Storyelemente, die teilweise auch noch wiederholt werden, haben für mich insgesamt dafür gesorgt, dass sich die Geschichte gezogen hat. Wäre das eine oder andere weggelassen oder gekürzt worden, hätte mich die Geschichte bestimmt mehr abholen können. Dann hätte nämlich diese tolle Chemie zwischen Luke und Elle das ganze Buch dominiert.

Fazit: Luke und Elle, das sind zwei Protagonisten, die mit einigen Klischees daherkommen. Die aber gleichzeitig süß und lustig sind und die Funken nur so sprühen lassen. Die Chemie zwischen den beiden Charakteren verblasst allerdings oft neben den vielen anderen Storyelementen. Für mich hatte die Geschichte einige Längen und konnte nicht ihr ganzes Potenzial entfalten. Manchmal ist weniger mehr.

Bewertung: 3,5 Sterne

Bewertung vom 16.06.2020
The Hate U Give
Thomas, Angie

The Hate U Give


sehr gut

Die Umsetzung wird der wichtigen Thematik nicht gerecht - dennoch ein MUST-READ

Meine Meinung: Ich will es gleich zum Anfang sagen: "The Hate U Give" behandelt ein unglaublich wichtiges Thema. Es geht um Rassismus, Benachteiligung, Vorurteile und Polizistengewalt. Ich finde es toll, dass diese Thematik in einem Jugendbuch Gehör findet. Und allein deswegen finde ich es wichtig, dieses Buch zu lesen. Unabhängig davon, wie gut mir die Umsetzung gefallen hat.

Denn für mich wird die Umsetzung nicht ganz der wichtigen Thematik gerecht. Anfangs ist die Geschichte sehr emotional. Khalil wird erschossen und man merkt, wie stark Starr trauert. Das hat mich sehr mitgenommen. Im Mittelteil kommt es dann zur Frage: Soll ich meine Stimme erheben oder schweigen? Und ab diesem Moment zieht sich die Geschichte leider etwas in die Länge. Es dreht sich nicht nur um diese Entscheidung und den Gerichtsprozess, sondern um so viele andere Themen, dass der Kernpunkt öfter aus dem Fokus gerät. Angie Thomas gelingt es nicht so recht einen Spannungsbogen aufzubauen, den ein gutes Buch nun mal braucht.

Leider bin ich auch mit Starr nicht warm geworden. Ich konnte einige ihrer Handlungen und Gedanken nicht nachvollziehen und hatte oft das Gefühl, dass sie sich selbst das Leben noch schwerer macht. Dennoch finde ich, dass sie einen guten und authentischen Einblick in ihre Lebenswelt gibt. Der Slang ihrer Sprache prägt die Erzählung, ihre Interessen und ihr Alltag spielen eine große Rolle. Ein Glossar am Ende des Buches hilft bei Abkürzung/Wörtern weiter, die einem nicht so geläufig sind.

Vielleicht sind wegen der Distanz zur Protagonisten ihre Gefühle bei mir nicht zu hundert Prozent angekommen. Ich hätte eine lautere und wütendere Stimme erwartet, die diese Geschichte auch gebracht hätte. Die sie voran getrieben hätte. Trotzdem wird die Botschaft deutlich, die Starr, das Viertel Garden Heights, der Fall Khalil und jede kleine Alltagszene senden will. Darum ist dieses Buch, obwohl ich mir eine teilweise andere Umsetzung gewünscht hatte, ausgesprochen lesenswert.

Fazit: Das Thema Rassismus muss Gehör finden. Auf allen Kanälen, in allen Alters- und Gesellschaftsschichten. "The Hate U Give" bringt diese Thematik - in passender Sprache und Erzählstil - den Jugendlichen nahe. Bei der Umsetzung hätte ich mir persönlich einen besseren Spannungsbogen und eine lautere Protagonistin gewünscht, aber die Botschaft kommt trotzdem an. Weshalb ich dieses Buch jedem (Jugendlichen) empfehlen möchte.

Bewertung vom 31.05.2020
Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist
Colgan, Jenny

Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist


sehr gut

Meine Meinung: Ich hatte ein bisschen Bammel vor diesem Buch, da mir die kleine Sommerküche von Jenny Colgan nicht so gut gefallen hatte. Aber ich wollte der Autorin noch eine Chance geben und war froh, dass ich dies getan habe.

"Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist" ist eine kleine süße Geschichte, die Spaß macht. Das Thema hat mich als Bibliothekarin natürlich sofort angesprochen. Aber viele leidenschaftliche Leser*innen werden sich hier wohl in dem Traum wiederfinden mit Bücher zu arbeiten. Woran ich mich aber ein wenig gestört habe, waren die veralteten Stereotypen über Bibliotheken und Bibliothekare. Es waren nicht viele, aber ich finde, dass gerade Autoren wissen sollten, wie sehr sie Bibliotheken mit der Aufrechterhaltung von diesem altbackenem Image schaden.

Zum Glück hat das nicht überhand genommen und ich konnte den Rest der Geschichte genießen. Neben dem Bücherthema kam das Setting als zweiter Wohlfühlfaktor hinzu. Die Natur, die Weite und die Menschen Schottlands haben der Geschichte die Heimeligkeit verliehen, die mir in der kleinen Sommerküche gefehlt hatte. Ich wollte liebend gerne mit Nina durch die Felder streichen, auf schottischen Volksfesten die Nacht durchtanzen oder frische, regionale Produkte verspeisen, bei denen mir das Wasser im Mund zusammengelaufen ist.

Die Liebesgeschichte fällt dabei fast hinten weg. Sie trägt allgemein zu Unterhaltung bei, steht aber nicht im Fokus und ist auch recht offensichtlich. Es geht viel mehr um die persönliche Entwicklung von Nina. Anfangs ist sie sehr in sich gekehrt und schüchtern, doch in Schottland und mit ihrem Bücherbus fängt sie an aufzublühen. Auch die Nebencharaktere sind sympathisch, obwohl ich manche Dialoge als anstrengend und aggressiv empfand. Jenny Colgan sollte für meinen Geschmack ihren Verbrauch an Ausrufezeichen deutlich herunterfahren. Ein Problem, das mir aus vorherigen Romanen bekannt vorkam.

Dennoch kann ich die Geschichte wärmstens empfehlen, wenn jemand mal wieder abtauchen will. In eine Welt, die größtenteils Zufriedenheit, Heimeligkeit und Glück ausstrahlt und ein wenig von der Realität abweicht. Etwas, was einige gerade in der jetzigen Zeit bestimmt gut gebrauchen können.

Fazit: "Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist" ist ein Buch, das ich gerade zur jetzigen Zeit wärmstens empfehlen möchte. Zusammen mit Nina kann man in eine kleine Bücherwelt und in die wohltuende Landschaft von Schottland abtauchen. Ein wenig fern ab der Realität, aber umso mehr Zufriedenheit, Heimeligkeit und Glück erwarten einen in der Geschichte. Ein Buch, das Spaß macht.

Bewertung vom 24.05.2020
City of Glass / Chroniken der Unterwelt Bd.3
Clare, Cassandra

City of Glass / Chroniken der Unterwelt Bd.3


sehr gut

Cover & Gestaltung: Das Cover wirkt etwas zu extrem, aber da sich in diesem Teil der Reihe viele Stränge zuspitzen, finde ich das in Ordnung. Außerdem gefällt mir die restliche Gestaltung sehr gut. Die wunderschönen Buchrücken ergänzen sich langsam zu einem tollen Gesamtbild!

Meine Meinung: Endlich ist der dritte Band der Chroniken der Unterwelt in diesem schönen neuen Gewand erschienen. Das Cover lässt etwas extremes wie ein Finale oder einen Kampf anmuten und wird damit rechtbehalten. In "City of Glass" spitzen sich die Geschehnisse rund um Clary, Jace und die anderen Schattenjäger immer mehr zu. Spannung und Action garantiert!

Genau deshalb konnte mich die Geschichte auch überzeugen. Obwohl ich einige Dinge bereits aus der Serie wusste oder erahnte, war das Buch sehr spannend. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Besonders nicht zum Ende hin. Eine Entdeckung jagt die nächste. Ein Kampf folgt auf den anderen. Die Ereignisse spitzen sich zu, während die Handlungsstränge geschickt zusammengefügt werden und auf den alles entscheidenden Moment zulaufen.

Eines muss man Cassandra Clare lassen. Abenteuer, Spannung und Worldbuilding kann sie! Auch der Plot ist geschickt aufgebaut und verwinkelt. Was mir weniger Freude gemacht hat, waren wieder einmal die Charaktere. Clary als Protagonistin raubt einem oft den letzten Nerv. Sie ist sehr impulsiv und denkt selten über ihr Handlungen nach. Daraus resultieren übereilte, unbedachte Aktionen und Augenrollen meinerseits. Auch Jace Selbsthass wird mit jeder Seite anstrengender.

Ich finde es sehr schade, dass sich seit Band 1 kein Charakter so wirklich weiterentwickelt hat. Hätte ich mehr Charakterliebe für Jace, Clary & Co. übrig, dann wäre die Reihe vermutlich längst zu meinen Lieblingen aufgestiegen. Zum Glück gibt es eine interessante und spannende Handlung, die die Bücher dennoch lesenswert macht.

Das Ende des dritten Bandes fühlt sich wie ein Abschluss an, nur ist es keiner. Ich bin vorfreudig, aber auch vorsichtig gespannt auf den nächsten Teil. Denn hier wird eine neue Geschichte in der Geschichte beginnen müssen.

Fazit: Auch wenn es definitiv Charaktere gibt, die ich lieber habe, punkten die Chroniken der Unterwelt im dritten Band "City of Glass" erneut mit Action, Abenteuer und Spannung. Die Handlung wird geschickt zusammengeführt und man lernt die Welt der Schattenjäger noch intensiver kennen. Das Ende wäre der perfekt Abschluss der Reihe gewesen, deswegen bin ich gespannt, was da in den nächsten drei Bänden noch kommen mag.