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Benutzername: marakkaram
Wohnort: Lingen
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Danksagungen: 28 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 430 Bewertungen
Bewertung vom 21.10.2019
Stille Nacht, flauschige Nacht
Schier, Petra

Stille Nacht, flauschige Nacht


ausgezeichnet

** "Ich freu mich schon. Und danke, dass du bereit bist einzuspringen. Patrick kann gar nichts Besseres passieren. Ich bin mir sicher, dass du sein Büro im Handumdrehen im Griff haben wirst." **

Na, ob Patrick das auch so sieht? Dem alleinerziehenden Vater bleibt allerdings wohl keine andere Wahl, denn er hat nicht nur einen guten Schreiner, sondern grad auch noch seine Assistentin verloren, während sein Bauunternehmen ohne Ende boomt. Zudem ist er ganz überraschend Papa von 6-jährigen Zwillingen geworden, muss einen Hund erziehen und hat einen Sorgerechtsstreit im Nacken, denn die Schwiegereltern wollen ihm die Kinder wegnehmen. Da hilft wohl nur: Zähne zusammenbeißen und diesen Kontrollfreak Angelique übergangsweise einzustellen. Obwohl sie im letzten Jahr schon arg aneinandergeraten sind, als sie bei einem Besuch meinte sein WLAN-Passwort sicherer machen zu müssen - ohne ihn zu fragen, versteht sich.

Für mich begann Weihnachten dieses Jahr schon Ende September und dagegen war ich völlig machtlos, denn Petra Schier zaubert mit ihrem Roman so eine tolle Atmosphäre, der kann man sich gar nicht entziehen.

"Stille Nacht, flauschige Nacht" ist eine herrlich romantische Geschichte, mit ganz viel Winter-Weihnachtsflair, authentischen Charakteren, Tiefe und einem tollen Humor.

Und für die perfekte weihnachtliche Mischung gibt es ein Wiedersehen mit Santa, seiner Frau und den Elfen, die sich hier und da ein bisschen einmischen. Ganz dezent natürlich. Wer die Autorin bereits kennt, weiß, dass es ihr winterliches Markenzeichen ist und keine Angst, es ist toll und passend eingesetzt - fast schon zu wenig. Genauso wie die niedlichen Gedanken von Mischlingshund Oskar, wenn er mal wieder lautlos die Bude umdekoriert hat.

Die Sternbachs sind eine großartige, quirlige und liebevolle Familie und auch Patrick und die Kids haben eine schöne Art miteinander umzugehen, wenn auch nicht immer ganz konfliktfrei, wie man sich vorstellen kann. Ja, Petra Schier hat einfach ein Händchen für authentische Charaktere, deren Gedankengänge und Handlungen man nachvollziehen kann. Sie haben Ecken und Macken, Ängste und Träume und sind vor allen Dingen unheimlich sympathisch und charmant. Und auch die Romantik kommt nicht zu kurz.

Fazit: Ein weihnachtlich, romantischer Wohlfühlroman, der auf ganzer Linie überzeugt und schon jetzt mein X-mas Highlight ist. Ich wünschte Petra Schier würde jedes Jahr mindestens 2 Weihnachtsromane schreiben....

Bewertung vom 21.10.2019
Liebe ist die beste Köchin
Kramer, Irmgard

Liebe ist die beste Köchin


ausgezeichnet

Johanna und die wilden Weiber (4,5*)
** Wie die Orgelpfeifen saßen sie nebeneinander: Germana - die Herrische, Elisabeth - die Bigotte, Francis - die Fertige, Theresia - die Enttäuschte, Antonia - die Tapfere. Sie waren so unterschiedlich und sich doch so ähnlich. Eigenwillige Frauen mit majestätischen Profilen und Augen wie Kohlestücken. **
Und dann gibt es da noch Johanna, Antonias Tochter und Köchin im alten Gasthaus Lamm. Johanna ist die Ruhige, introvertierte und hat es nicht immer leicht mit ihren Tanten. Vor allem Germana hat eine sehr toughe, laute und extrovertierte Art, gegen die man kaum ankommt. Aber das ist nicht das einzige Problem. Am traditionsreichen Gasthaus nagt der Zahn der Zeit, Männertechnisch liegt auf den Lehner-Frauen ein Fluch und es wird immer schwieriger, die an Demenz erkrankte Antonia im Auge zu behalten. Ist Jo überhaupt glücklich? Doch dann tritt der rätselhafte Jerome in ihr Leben und ihr Herz steht Kopf... und ihr Kopf dem Herzen im Weg...
Die Geschichte der Lehner Frauen ist ein lockerer, spritziger und manchmal leicht überdrehter Familienroman, den man in einem Rutsch verschlingt..
Die Autorin hat einen großartigen Humor, der mich fast durchgehend schmunzeln ließ. Aber nicht nur das, ihr ganzer Schreibstil ist einfach mitreißend, rasant und steckt voller Bilder, wie "Ich nahm einen Schluck und in meinem Magen explodierte ein Öltanker. Das hellgrelle Flammenmeer fuhr durch meine Speiseröhre wie bei dem LKW-Brand im Straßentunnel zwischen Moos und Großdorf im Mai 1996" oder "Wie eine Glaswand fiel der kalte Regen vom Himmel und zerbarst in Scherben und Splitter, als er aufschlug." Das war schon beeindruckend und wurde auch nie zu viel. Man kann fast sagen, der Roman lebt von dieser Sprache und seinem Humor.
Was für mich das ein ums andere Mal ein wenig holperte, war die 38 jährige Johanna. Durch ihre introvertierte Art, kam sie mir oftmals zu kindlich rüber. Dafür war Germana die Unterhaltsame mit ihren Macken und der Art Sprichwörter durcheinander zu bringen. Und am meisten berührt haben mich die Szenen mit Antonia. Das Thema Demenz fließt geschickt in die Geschichte ein und sie hat mich mit ihrer Art und Hilflosigkeit tief ins Herz getroffen. Schon von den Beschreibungen her, hatte man die Schwestern ganz klar (klarer als Johanna) vor Augen und ihre Charakter passten hundertprozentig dazu.
Auch die kleine Liebesgeschichte hat mir gefallen, allerdings dient sie für mich eher dazu Johannas Entwicklung aufzuzeigen, die ganz langsam vonstatten geht.
Es war alles so logisch und dann hat mich die Autorin mit ihrem großartigen, unvorhersehbaren Twist am Ende noch einmal eiskalt erwischt. Das mag vielleicht nicht jedem gefallen, aber da es nur den Epilog betrifft, sollte man ihn bei Anflügen von "Was???" einfach ungelesen lassen. Ich fand`s jedenfalls klasse, es hat die Geschichte runder als rund gemacht.
Fazit: Wer locker-leichte Romane mit außergewöhnlichen Charakteren, Dorfcharme und sehr bildhaften Beschreibungen mag, ist hier genau richtig. "Liebe ist die beste Köchin" ist kurzweilige Unterhaltung pur! 4,5 Sterne!

Bewertung vom 17.10.2019
Melodie der Liebe / Die Bradens at Peaceful Harbor Bd.5
Foster, Melissa

Melodie der Liebe / Die Bradens at Peaceful Harbor Bd.5


ausgezeichnet

** Bitte sag mir, dass ich nicht bei jemandem einziehe, der einen ebenso überentwickelten Beschützerinstinkt hat, wie die Braden-Sippe. Ich liebe meine Familie, aber dass ich ein paar Ortschaften weiter wegziehe, hat durchaus seinen Grund.**
Ja, dieser Familie kann man sich nur schwer entziehen, das merkt auch Nash ganz schnell. Der alleinerziehende Vater, der mit seinem kleinen Sohn auf einer abgelegenen Farm lebt, möchte ein Zimmer vermieten, um besser über die Runden zu kommen und die Musiktherapeutin Tempe Braden sucht eine Bleibe in Pleasant Hill. Momentan ist sie bei ihrer Kusine Jillian untergekommen, einer etwas zu quirligen Nachteule.
Schon beim ersten Zusammentreffen stimmt die Chemie zwischen den Beiden. Damit hat der zurückgezogen lebende Künstler nicht gerechnet. Lässt er zu, dass die offene Tempe sein klar strukturiertes und abgegrenztes Leben in andere Bahnen lenkt und ihm hier und da die Scheuklappen abnimmt.....
Ja, die Bücher von Melissa Foster sind außergewöhnlich. Es war meine erste Begegnung mit den Bradens, aber bestimmt nicht meine letzte.
Selten habe ich eine Geschichte gelesen, die so ruhig, unaufgeregt und actionfrei aber trotzdem nicht langweilig ist. Die Autorin ist Meisterin der Gefühle und sie legt ihren Focus auf Familie, Freundschaft und Liebe. Es gibt keine Bad Boys und unnötige Liebesdramen. Ganz im Gegenteil, der Roman lebt vom liebevollen Umgang miteinander - also ein romantisches Wohlfühlbuch auf ganzer Linie.
Klar, erotische Szenen sind vorhanden, aber sie dominieren nicht.
Der Schreibstil lässt sich angenehm lesen und nimmt einen mit in eine typische amerikanische Kleinstadt mit toller Atmosphäre. Ich habe mich von der ersten Seite an in die Charaktere verliebt. Unheimlich sympathisch und Menschen wie du und ich mit ganz normalen Problemen. Bei Tempe ist es der Job, bei Nash die Erziehung seines kleinen Sohnes und der frühe Verlust seines Bruders. Es ist schön, den süßen, wissbegierigen Philip bei seiner Entwicklung zu begleiten, zu sehen, wie er sich anfangs nur an seinem Dad orientiert, ihre fast schon wortlose Kommunikation. Das ist unheimlich toll beschrieben. Ein ganz klein wenig hat mir diese Tiefe in der Entwicklung seines Vaters gefehlt. Es läuft schon alles sehr konfliktfrei - aber das macht den Roman andererseits ja auch aus.

Fazit: Wer an ganz ruhigen, smoothen Liebes- und Familiengeschichten Spaß hat, nicht unbedingt Action und Drama braucht, der ist bei Melissa Foster genau richtig. Von mir gibt es 4,5 Sterne und ich freue mich, dass ich noch so einige Bände vor mir habe.

Bewertung vom 15.10.2019
Letztendlich Leif
Ibsen, Inken

Letztendlich Leif


ausgezeichnet

** "Das Strandgut gehört mir!" brummte ich in meinem tiefstmöglichen Basston.**
Nach dem frühen Tod seiner Frau Freija hat sich Leif über Jahre von der Welt zurückgezogen und ist ein richtige brummiger Einsiedler und Eigenbrötler geworden. Erst als Inken mit ihrem Mann neben ihm einzieht, beginnt er mehr und mehr aus seinem Schneckenhaus rauszukommen. Und mit Inken strömen auch ihre Freunde in sein Leben. Wann hat es angefangen, dass man ihn, ausgerechnet ihn, um Rat fragt? Und was ist plötzlich mit seiner besten Freundin Helene los?
"Letztendlich Leif" ist der 4. Teil der "Endlich-Reihe", der jedoch auch völlig unabhängig gelesen werden kann. Ich persönlich bin im 3. Teil quereingestiegen, man bekommt alle Infos an die Hand, um sich in Lonstrup zurechtzufinden.
Ich mag Leif, selbst in seinen brummeligsten Phasen, fand ich ihn irgendwie charmant, denn man spürt den weichen Kern, der hinter seiner harten Schale steckt.
Wie alle Romane von Inken Ibsen ist auch dieser herrlich authentisch - die Themen und Personen wie aus dem Leben gegriffen. Das zeichnet die Endlich-Reihe aus, man kann sich mit den Charakteren identifizieren, ihre Sorgen und Probleme nachvollziehen und das Familiäre spielt eine große Rolle.
Und so sind auch die Menschen durchweg sehr lebendig beschrieben. Wenn der kleine Pelle die Bude stürmt, hat man ihn mit all seinem kindlichen Charme und Schalk vor Augen. Der brummelige Alte und der lebhafte Junge geben ein tolles Paar ab. Aber nicht nur Pelle erobert Leifs Herz.
Die Autorin schafft es erneut, mit ihrem angenehmen, unaufgeregten Schreibstil eine tolle Atmosphäre und eine gelungene authentische Geschichte zu zaubern - mit einem nicht mehr jung zu nennenden Protagonisten, der seine tief vergrabenen Gefühle wiederentdeckt, ungelenk und unheimlich charmant.
Auch der Strand und das Meer spielen wieder eine schöne Nebenrolle. Ich liebe das Strandgut-sammeln und die tollen Objekte, die Leif daraus entstehen lässt.
Fazit: Der krönende Abschluss! Aber ist diese Reihe damit wirklich endgültig zu Ende? Das wäre zu schade. Ich sehe noch ganz viel Potential in Lonstrups Bewohnern und fände es toll, sie irgendwann noch einmal wieder zutreffen.

Bewertung vom 13.10.2019
Wunderbare Zeiten / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.2
Riebe, Brigitte

Wunderbare Zeiten / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.2


ausgezeichnet

** Wer gegen den Strom schwimmen will, der muss viel Wasser schlucken können. **

Der zweite Teil der Ku`damm Triologie knüpft zeitlich nahtlos an den ersten an. Diesmal steht nicht Rike sondern ihre Schwester Sylvie im Vordergrund. Es ist Frühling ´52 und Sylvie liebt ihren Job bei Radio RIAS. Sie hat sogar ihre eigene Sendung "Stimmen" und arbeitet sporadisch im Modekaufhaus ihrer Familie mit. Nur mit den Männern hat sie scheinbar kein Glück.

Auch in "Wunderbare Zeiten" fängt Brigitte Riebe die 50-iger Jahre geschickt ein. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit des Wandels, der großen Kaufhäuser, aufkommenden Filmstars, der Trennung Ost und West und das damit verbundene ungleiche Verhältnis. Während im Westen scheinbar alles boomt ist im Osten der Mangel und die Restriktion zu spüren.

Die Autorin bindet dies ins Alltagsgeschehen und Familienleben mit ein. Man begleitet Sylvie auf die Berlinale und die Frankfurter Buchmesse, genauso wie auf die Hochzeit von Miri, einer jüdischen Freundin der Familie. Es ist einfach eine großartige Mischung aus historischen Fakten und fiktiver Familiengeschichte, die unheimlich akribisch recherchiert ist.

Schon im ersten Teil hat mich der Schreibstil gefangen genommen, der einen automatisch tief in das Zeitgeschehen der aufkommenden Wirtschaftswunderjahre eintauchen, aber auch immer noch die Nachwehen des Krieges durchscheinen lässt.

Sylvie Thalheim ist ein sehr starker Charakter. Sie weiss was sie will und hat ihren eigenen Kopf. Trotz aller Emanzipation spielt Familie eine große Rolle in ihrem Leben und auch aus dem Modekaufhaus kann sie sich nicht ganz rausziehen. Man spürt ihre Wünsche, Sehnsüchte und auch Ängste und das macht sie von Anfang an sehr nahbar und sympathisch. Im Laufe des Romans erkennt sie was wirklich wichtig ist im Leben.

Insgesamt sind die Charaktere einfach wieder großartig und manche lernt man jetzt nochmal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen.

Im Anhang befindet sich eine Zeittafel die chronologisch die wichtigsten historischen Fakten aufführt. Das finde ich persönlich sehr interessant und es rundet das Ganze schön ab.

Fazit: Auch der zweite Band nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in die 50iger Jahre (hier 1952-57). Eine gelungene Mischung aus Familiengeschichte und historischen Fakten, die auch für Quereinsteiger geeeignet ist. Man muss also nicht unbedingt den ersten Teil kennen, wer aber eh die Triologie lesen möchte, der sollte mit Rike (Jahre des Aufbaus) beginnen. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Flori und hoffe, ich muss nicht zu lange warten.

Bewertung vom 10.10.2019
Als wir den Himmel berührten
Leander, Marie

Als wir den Himmel berührten


ausgezeichnet

** Die Liebe trifft einen immer unvorbereitet. Sie macht was sie will. Ein Körnchen genügt und schon ist das ganze große Gebäude aus Wille und Verstand verschüttet... **

Marseille 1940: Juline und ihr Mann Georg verlängern ihre Hochzeitsreise in Marseille - doch die Hotels der freien Hansestadt platzen aus allen Nähten, denn seit Ausbruch des Krieges strömen Menschen aus ganz Europa in die Stadt.

Der Maler Nicolas begegnet dem Paar am Hafen und ist sofort fasziniert von der attraktiven Frau mit der lebendigen Ausstrahlung. Doch als sie am nächsten Tag überraschend vor seiner Tür steht und ihn bittet sie zu portraitieren, kämpft er lange mit sich. Doch Juline lässst nicht locker, das Bild soll ein Geschenk für ihren Mann sein. Was Nicolas nicht ahnt, die beiden haben ein bitteres Geheimnis....

"Als wir den Himmel berührten" hat mich auf eine sehr emotionale Reise ins Frankreich zur Zeit des 2.ten Weltkriegs mitgenommen.

Es war nicht nur unheimlich interessant, den Krieg aus Sicht der Marsailler zu lesen, die Autorin hat auch einen sehr aussergewöhnlich lebendigen und bildhaften Schreibstil, der einen packt und unter die Haut geht. Die Geschichte läuft wie ein Film vor dem inneren Auge ab, man sieht jede Kleinigkeit und trotzdem ist es weit entfernt von überfrachtet zu sein. Selten liest man ein Buch, bei dem alles passt und so miteinander harmoniert, dass man verwundert ist, wie schnell 560 Seiten verfliegen. Der Schreibstil transportiert tiefe Emotionen ohne kitschig zu sein.

Juline, Georg und Nicolas sind sehr starke Charaktere, jeder auf seine Art. Sie sind authentisch und bleiben sich selbst immer treu auf ihrem Weg. Das hat mir gefallen und ich habe mich sofort mit ihnen verbunden gefühlt. Auch die Randfiguren sind großartig ausgearbeitet. Sie haben Seele und man erfährt durch sie viel über die aktuelle Lage der Flüchtlinge.

Es geht um Liebe und Vertrauen, Verrat und Verlust und um die stillen Helden des 2. Weltkrieges, deren Geschichten so oft unerzählt bleiben, deren Namen vergessen sind. Deswegen habe ich mich sehr über das Nachwort der Autorin gefreut und der Name Varian Fry wird von nun an unvergessen bleiben.

Fazit: Eine herzzerreissende, aussergewöhnliche Liebesgeschichte, die geschickt in das damalige Zeitgeschehene eingeflochten ist und ein großartiger Schreibstil. Mein Lesehighlight und absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 06.10.2019
Wo sich die Sterne spiegeln
Mallery, Susan

Wo sich die Sterne spiegeln


ausgezeichnet

**Die Kombination aus Angst und Traurigkeit in der Stimme seiner Schwester, riss sein Herz in so viele Stücke, dass es sicher nie wieder ganz heil werden würde.**

Plötzlich Geschwister! Malcolm, Callie und Keira wussten nichts voneinander, bis Großvater Alberto die Kinder seines Sohnes suchen lässt und auf dem Familiensitz aufnimmt. Eine wirklich schöne Kindheit hatte niemand von ihnen, auch Malcolm nicht, inzwischen Mitte 30 lebt er seit seinem 12. Lebensjahr hier - und er tut sich schwer plötzlich ein großer Bruder zu sein. Er hat keine Ahnung wie er auf die 12 jährige Keira zugehen soll und ignoriert sie der Einfachheit halber weitestgehend. Und auch von Callie, die in ihrer Jugend straffällig geworden ist, hält er emotional Abstand...

Werden sie sich zusammenraufen und zu einer Familie zusammenwachsen?

Susan Mallery ist eine Meisterin der Emotionen und auch mit "Wo sich die Sterne spiegeln" ist ihr wieder ein sehr einfühlsamer, berührender Familienroman gelungen.

Die Familienbande und die Charaktere sind herrlich authentisch und ihre Gefühle so greifbar, dass es einem ganz oft das Herz zerreißt. Insbesondere Keiras Gedanken und Ängste, die Stück für Stück zu Tage kommen und die langsame Annäherung an ihre Familie gehen unter die Haut. Aber auch Callie und selbst Malcom haben an ihrer Vergangenheit zu knabbern.

Da war es fast ein bisschen schade, dass die Liebesgeschiche(n) so vorhersehbar sind und wenig Überraschung bieten.

Der Schreibstil von Susan Mallery ist wie immer sehr angenehm, romantisch und lebendig. Ihre Charaktere haben Tiefe und sind interessant. Malcolm, der mit über 30 plötzlich jüngere Schwestern mit Problemen hat und damit völlig überfordert ist - Keira, deren quirlige und liebenswerte Art nach und nach zum Vorschein kommt und Callie, die etwas länger brauchte, bis sie mir richtig sympathisch war, da sie zu Beginn oft in ihre Opferrolle zurückfiel. Aber auch sie macht eine sichtbare Entwicklung durch und hat das Herz am rechten Fleck. Selbst die Nebenfiguren sind mit viel Liebe ausgearbeitet. Angefangen bei der Detektivin, die Callie aufspürt, bis hin zu Keiras Schulleiterin und von Großvater Alberto und seiner Haushälterin Carmen ganz zu schweigen. Von Ihnen hätte ich gern noch so viel mehr gelesen.

Total interessant fand ich auch den Familienbetrieb mit italienischen Spezialitäten - wehe dem, der den Unterschied zwischen Rotini und Fusilli nicht kennt.

Eine Geschichte über Familienbande, Einsamkeit, Annäherung, Vertrauen und Neubeginn, die unter die Haut geht und bei der die Liebesgeschichte(n) fast schon zur Nebensache wird.

Mit der Bewertung tue ich mich ein bisschen schwer, da ich ein großer Fan der Autorin bin und schon viele großartige Romane von ihr gelesen habe. Für runde fünf Sterne reicht es diesmal nicht ganz, aber 4,5 sind es auf jeden Fall

Bewertung vom 30.09.2019
Dachbodenfund (eBook, ePUB)
Puffpaff, Ellen

Dachbodenfund (eBook, ePUB)


sehr gut

** So schön das Leben auf dem Land auch ist, die Privatsphäre ist gestorben. Dafür ist das Dorf einfach zu klein. Gewöhn dich dran, dass von jetzt an jeder über dich Bescheid weiß. **

Das hatten sich Sandra und Marvin irgendwie anders vorgestellt. Um der Großstadthektik zu entkommen, haben die beiden sich ein Häuschen auf dem Land gekauft. Doch die Dorfbewohner verhalten sich skuril bis merkwürdig und dann ist da auch noch Heinrich, ihr aufdringlicher, unheimlicher Nachbar....Ist es nur die Umgewöhnung oder haben sie alle wirklich etwas zu verbergen?

"Dachbodenfund" ist ein solider Krimi, mit einer gelungenen, beklemmenden Atmosphäre. Die Autorin hat das Leben auf dem Dorf im Allgemeinen und hier im Speziellen, gekonnt eingefangen

Die Geschichte nimmt sehr rasch Fahrt auf und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Auch die Charaktere sind im Großen und Ganzen stimmig, die Nebenfiguren bleiben vielleicht etwas blass und die Dialoge der Hauptfiguren Sandra und Madeleine wirken manchmal eher wie Teeniefreundinnen, aber jetzt nichts, was mich groß gestört hat.

Ellen Puffpaff hat einen einfachen, angenehmen und vor allem spannenden Schreibstil.

Leider war ab der Hälfte relativ klar, was das Dorf verbirgt. Es wurde vorhersehbar, blieb aber dennoch spannend bis zum Schluss, da man den genauen Hergang erfahren wollte. Das ist schon geschickt gemacht.

Fazit: 3,5 Sterne für einen soliden und unheimlich interessanten Krimi, mit einer tollen Atmosphäre. Manches wirkt zwar ein wenig konstruiert und einige Handlungen waren für mich nicht so recht nachvollziehbar aber trotzdem hat er mich sehr gut unterhalten.

Bewertung vom 28.09.2019
Wer im Himmel auf dich wartet
Albom, Mitch

Wer im Himmel auf dich wartet


sehr gut

** Wenn Sie wüssten, dass Sie bald sterben, wie würden Sie dann Ihre letzten Stunden verbringen? Annie, die es nicht wusste, verbrachte die ihren damit, dass sie heiratete. **

Ging es in "Fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen" um Eddie, der bei einem Unfall im Vergnügungspark Ruby Pier starb, begleitet man nun Annie, das Kind, dem Eddie damals das Leben gerettet hat.

Ich war von dem ersten Roman der Himmels-Begegnungen einfach nur begeistert; Eddies Geschichte hat mich unheimlich berührt und die Vorgehensweise des Autors fand ich damals spannend, die Idee überraschend. Da kommt "Wer im Himmel auf dich wartet" nicht ganz heran. Nicht, dass es ein müder Abklatsch ist, denn Annies Geschichte ist eine ganz andere und auch sie vermochte mich stellenweise sehr zu berühren. Dennoch blieb sie als Charakter im direkten Vergleich, etwas blass und auch ein wenig zu selbstmitleidig für meinen Geschmack.

Mitch Albom hat eine wunderschöne Sprache, die einen in kurzen Abschnitten mit einer fast schon poetischen Leichtigkeit durch das Buch zieht. Mir gefallen die gegenübergestellten Sichtweisen von Situationen und Szenen. Annies Gefühle dazu und die Beschreibung der Begebenheit von ihrer Mutter, zum Beispiel, sind interessant und stimmen nachdenklich.

Fazit. Ein schöner Roman, der zwar nicht ganz an den ersten Teil herankommt, aber dennoch lesenswert ist und mich gut unterhalten hat. Die beiden Bücher können übrigens völlig unabhängig voneinander gelesen werden.

Bewertung vom 17.09.2019
Kastanienjahre
Baumheier, Anja

Kastanienjahre


sehr gut

** "Ja, das sind Windeln. Die sind aber nicht für dich, Mäuschen. Daraus werde ich ein paar hübsche Sommerkleider nähen." **

20 Jahre lebt Elise mittlerweile in Paris, ihrer zweiten Heimat und Tarek, der Cafebesitzer, nennt sie gern liebevoll "Überangepasste Flüchtlinge". Aufgewachsen ist sie nämlich in einem kleinen Dorf an der mecklenburgischen Ostsee, Peleroich und dorthin kehrt sie auch Hals über Kopf zurück, als sie erfährt, dass ihr Geburtsort dem Erdboden gleichgemacht werden soll.
Diese Reise weckt viele Erinnerungen an das Leben in der DDR, an die Restriktionen, den Unfalltod ihres Vaters und an ihre beiden besten Freunde Henning und Jakob, eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung, bis einer plötzlich verschwand....

Ihr Debut "Kranichland" hat mich restlos begeistert und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an "Kastanienjahre".

Anja Baumheier kann schreiben und die Erinnerungen an das damalige Leben und den ganz normalen Alltag wieder aufleben lassen. Das machen ihre Bücher aus - auch "Kastanienjahre".

Das Leben in dem kleinen Dörfchen mit einem überambitionierten Bürgermeister, der Peleroich zu einem sozialistischen Vorzeigedorf machen will, ist großartig beschrieben. Selbst wenn man nicht in der DDR aufgewachsen ist, bekommt man tiefe Einblicke in Sachen Berufswahl, Mangel an Konsumgütern, Spitzel und Fluchthelfer. Es ist so greifbar geschildert, dass man meint dabeigewesen zu sein.

Anja Baumheiers Schreibstil ist nicht anspruchsvoll, dafür umso ansprechender. Sie legt viel Wert auf die Alltagssituationen und verliert trotzdem ihre Charaktere manchmal ein bisschen aus den Augen. Sie bleiben für mich zu oberflächlich und mir fehlte ein wenig der Bezug zu ihnen. Vieles in ihrem Leben wird nur angerissen und man lernt die Personen nicht so richtig kennen, erlebt auch ihre Entwicklungen kaum mit. Es bleibt oftmals bei Momentaufnahmen und das macht den emotionalen Zugang nicht immer leicht.

Mit "Kastanienjahre" konnte die Autorin mich nicht ganz so überzeugen wie mit "Kranichland" und dennoch habe ich es verschlungen. Ein lesenswertes Stück Zeitgeschichte.