Benutzername: marakkaram
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Insgesamt 226 Bewertungen
Bewertung vom 20.08.2017
Töte mich
Nothomb, Amélie

Töte mich


sehr gut

>> Daher sah er in der Weissagung Rosalba Portendueres die Vernichtung seines Glaubens und seiner Kunst. Genauso gut hätte man einem Chefkoch das Misslingen jenes Gerichtes ankündigen können, das ihn in den Rang einer Legende erhoben hatte; oder noch schlimmer: das er mit seinem Essen einen Star der Restaurantkritik vergiften würde. >>

Graf Neville hatte es in der hohen Kunst seine Gäste glücklich zu machen, zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Das ist sein höchstes Gut und Streben.
Nachdem er sich letztendlich damit abgefunden hat, sein Schloss zu verlieren, bereitet ihm allein seine Jüngste, Serieuse, mit ihren immer riskanteren Aktionen langsam Sorgen.
Als sie eines Nachts von einer Wahrsagerin halb erfroren im Wald aufgelesen wird, prophezeit diese ihm, er werde auf seinem nächsten Fest einen Gast töten!
Erst belächelt lässt es Neville schon bald nicht mehr schlafen, ist es doch sein letztes Fest auf dem Familiensitz. Aber auch Serieuse macht sich so ihre Gedanken....

~ * ~ * ~ *

Der Anfang hat mich schlichtweg begeistert; locker, mit leichter Hand und einem Augenzwinkern, erzählt Amelie Nothomb und lässt den Grafen in einer herrlich schrulligen Einzigartigkeit über sich selbst und seine Familie sinnieren. Und das mit einer ansprechenden Tiefe.

Das ist schon großes Kino, das ich da Seite um Seite genussvoll verschlungen habe. Ja, ich habe diese kleine Geschichte in einer Nacht gelesen, umso bewusster fiel dann auf, das mir irgendwann die Richtung, der Verlauf, den sie nahm, nicht mehr gefiel. Mir gingen die Gedanken des Grafen, anfangs noch recht amüsant: wen bringe ich am geschicktesten wie um, so dass meine Familie auch weiterhin gern gesehene Gäste sind..., zum Schluss ein wenig zu vehement zu weit. Und auch das Ende konnte mich nicht wirklich versöhnen.

Ich bin hin- und hergerissen und habe es erst einmal ein wenig sacken lassen. Im Endeffekt muss ich zugeben, dass es mich einfach sehr gut unterhalten hat - Ende hin oder her.

Fazit: Mein erstes Buch der Autorin, deren Schreibstil und Ideen mich begeistert haben, so dass es mit Sicherheit nicht mein letztes war.

Bewertung vom 19.08.2017
Grandhotel Angst
Garnier, Emma

Grandhotel Angst


ausgezeichnet

Ich sah hinüber zum Hotel, dessen weiße Fassade unschuldig in der Sonne strahlte. Rein sah es aus, einladend in seinem Luxus. Hätte ich nicht selbst erlebt, wie es dieses Gebäude vermochte, einen mit seiner düsteren Atmosphäre zu durchdringen, ich hätte jeden, der hier einen Spuk vermutete, für verrückt erklärt.

Wir schreiben das Jahr 1899 und das Grandhotel Angst ist das luxuriöseste, was die ligurische Küste zu bieten hat, der Titan unter den mondänen Grandhotels der Zeit.

Die junge Nell, die hier ihre Flitterwochen verbringt, ist beeindruckt von seiner Pracht und Eleganz, aber auch gleichzeitig ein wenig erschlagen von der Größe und Noblesse. Und nicht nur den Namen "Angst" findet sie beunruhigend. Die Legende, die sich um das Gebäude rankt, zieht Nell immer mehr in ihren Bann; denn warum ist ihr Ehemann plötzlich so nervös und aufbrausend? So kennt sie ihn gar nicht, aber sehr schnell muss sie sich fragen, kennt sie Oliver überhaupt? Welche Geheimnisse verbirgt er vor ihr?

~ * ~ * ~ *
Als Fan von Daphne du Maurier, Victoria Holt etc. habe ich Emma Garniers "Grandhotel Angst" verschlungen.

Ich muss gestehen, es war ein absoluter Spontankauf am Erscheinungstag. Ich liebe Geschichten um alte Hotels, Häuser und deren Legenden und nachdem ich die Fotos damals/heute in der Buchklappe gesehen hatte, war es ganz klar meins. Denn das Hotel ist, im Gegensatz zur Geschichte, keine Fiktion und war das angesagteste Grandhotel der Jahrhundertwende. Schon damals rief der Name Fragen auf. Fakt ist wohl, dass der Besitzer Adolf Angst es nach sich benannt hat, aber sehr bewusst auch mit dem Namen kokettiert.

Trotz allem war ich, wahrscheinlich aufgrund des Covers, total überrascht, einen Roman im "alten" Stil oder besser gesagt, dieses Genres vorzufinden. Vielleicht sollte das im Vorfeld ein wenig mehr hervorgehoben werden.

Das Hotel ist der perfekt gewählte Schauplatz für diese mystisch angehauchte Geschichte, in der es in erster Linie um eine junge Frau geht, die rasch erkennen muss, dass sie gar nicht weiss, wen sie da geheiratet hat. Und damit spielt die Autorin sehr geschickt und hält dieses Verwirrspiel bis zur letzten Seite.

Der Schreibstil von Emma Garnier (hinter der sich Heike Koschitz verbirgt) ist atmosphärisch sehr dicht. Und das sowohl in der lebendig leichten Beschreibung der Umgebung, der Natur, schlicht der Riviera als auch in der düster-beklemmenden Grundstimmung, des Hotels und der Legende. Sie baut den Fluch, der Nells Zerissenheit nur noch verstärkt, ganz geschickt ein.

Fazit: Nein, es ist kein typischer Krimi oder Schauerroman, sondern eine Romance der Jahrhundertwende mit Elementen von beidem. Das Setting ist großartig gewählt und die Figuren scheinen direkt aus der Zeit gegriffen. Man merkt, das hier viel Herzblut und eine fundierte Recherche drinsteckt.

Von mir eine ganz klare Empfehlung für alle Fans des Genres.

Bewertung vom 15.08.2017
Das Haus in Cold Hill
James, Peter

Das Haus in Cold Hill


sehr gut

So vieles von dem, was wir tun - und was Tiere tun - ist durch Erinnerung geprägt. Vielleicht bleibt ein Mensch, der lange Zeit an einem begrenzten Ort verbringt, ja in dessen Energie eingeprägt.

Olli und Caro haben alles auf eine Karte gesetzt und ziehen mit ihrer Tochter Jade auf`s Land. Ihr neues Zuhause: Cold Hill, ein riesiger, alter, verfallener Kasten, der von Grund auf saniert werden muss.
Aber es steckt noch mehr dahinter, denn Cold Hill ist nicht nur baufälliger als es aussieht, es birgt auch noch ein düsteres Geheimnis.
Und es kommt recht schnell der Zeitpunkt, an dem die Harcourts sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob es in ihrem Haus spukt und ob Geister einem Menschen wirklich gefährlich werden können...

~ * ~ * ~ *
Ich persönlich mag auch die ruhigen, die eher leisen Geistergeschichten sehr. Wer große Szenarien und Schockmomente sucht, ist mit diesem Buch falsch beraten. In Cold Hill haben wir es mit eher schleichendem, subtilen Grusel zu tun, mit den klassischen Geistererscheinungen, wie der Frau im altmodischen Kleid oder dem kauzigen Alten mit Pfeife, der die Familie zu warnen versucht, bis hin zu Betten, die sich drehen.

Die Story an sich fand ich unheimlich interessant. Mich faszinieren diese alten Gemäuer und ihre Vergangenheit und Peter James macht das sehr gut. Er lässt die Geschichte der ersten Eigentümer immer wieder ein wenig durchblitzen. Ich wäre der Sache zwar gerne noch ein wenig ausführlicher auf den Grund gegangen, aber auch so reicht es für ein schlüssiges Ende.

Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Mit seiner Art auch alltägliche Gespräche (mit den Handwerkern, über das Kaffeekochen....) in den Fokus zu rücken, erinnert es einen fast schon ein wenig an die ersten Bücher des Meisters.

Und auch wenn der Spannungsbogen manchmal ein klein wenig abflacht, ist der Roman größtenteils atmosphärisch unheimlich dicht und ich vermochte das Buch kaum aus der Hand zu legen. Langweilig fand ich es jedenfalls zu keiner Zeit.

Fazit: Ja, es wäre vielleicht noch ein klein wenig mehr gegangen, aber auch so ist "Cold Hill" ein schauriges Gemäuer, das mich mit seiner Geschichte fasziniert hat.
Meine Leseempfehlung für alle Fans des Genres.

Bewertung vom 13.08.2017
Ana und Zak
Katcher, Brian

Ana und Zak


sehr gut

Ich muss in mich hineinlachen. Wie mir langsam klar wird, besitzt Ana eine richtig fiese, sarkastische, grausame Seite. Lauter Eigenschaften, die ich bewundere. Und wenn ich ihren Bruder finde, merkt sie vielleicht, dass auch ich durchaus was Liebenswertes an mir habe. Abgesehen von meinem schönen Gesicht natürlich.

Ana und Zak leben in völlig unterschiedlichen Welten, die recht selten aufeinanderprallen. Sie, die kühle, kratzbürstige und fast schon verbissen wirkende Schulbeste. Er, der gutausehende, Fantasyspiele liebender und tagträumender Mädchenschwarm.
Und trotzdem, irgendetwas fasziniert Zak an Ana, doch seine Chancen sind gleich null.

Zwangsrekrutiert muss er an einer Quiz Meisterschaft in Seattle teilnehmen. Das Gute daran: er ist in einer Mannschaft mit Ana und ihrem Bruder Clayton, der Nachteil: genau an diesem Wochenende findet die jährliche Washingcon statt. Doch er hat nicht mit Clayton gerechnet, der einfach mal einen Abend Spass haben möchte und abhaut. Ana ist so verzweifelt, das Zak sich gemeinsam mit ihr auf die Suche macht. Und so beginnt für die beiden eine Nacht zwischen Orks, Bogenschiessenden Amazonen und wild gewordenen Wikingern....

~ * ~ * ~ *

Ich bin ohne große Erwartungen an das Buch herangegangen und es ist auch eher für Jüngere (12-14 J.) geeignet, aber ich hatte unheimlichen Spass mit Zak und Ana`s wilden Nacht. Es war definitiv nicht die trockene Geschichte über Nerds, die ich erwartet hatte, sondern eine sehr lebendige, humorvolle und mit großartig nerdigen Nebencharakteren gespickte, abenteuerliche Reise durch die nächtliche Comic-Convention.

Ana und Zak haben beide ihre Geschichte, Ereignisse in der Familie, die sie zu dem machen, der sie sind oder glauben zu sein. Aber wie so oft haben alle Geschichten zwei Seiten und auch Zak und Ana müssen irgendwann erkennen, dass die Wahrheit manchmal in der Mitte liegt.

Es ist ein locker-leichtes Buch, in dem es so ganz nebenbei in einer einzigen Nacht, auch um das Erwachsenwerden geht, aus seiner schützenden Hülle herauszutreten und auch mal über seinen Schatten zu springen.

Und es ist auch eine ganz zarte, feine Liebesgeschichte, zwischen zwei Teenies, die eigentlich so gar nichts gemeinsam haben....

Fazit: Brian Katcher hat einen schönen Schmöker geschrieben, der sich so wegliest und mit seinem lebendigen Schreibstil vergnügliche Lesestunden beschert. Seine Charaktere sind erfrischen und echt, so das man sich ruckzuck in der Geschichte verliert.

Tolles Lesevergnügen für alle zwischen 11 und 15!

Bewertung vom 10.08.2017
Unsere Seelen bei Nacht
Haruf, Kent

Unsere Seelen bei Nacht


sehr gut

"Es geht nicht um Sex. Es geht darum, die Nacht zu überstehen. Zu reden, zusammen im Bett zu liegen. Die ganze Nacht."

Als Addie eines Tages vor seiner Tür steht, um ihm ultranervös einen Vorschlag zu unterbreiten, ist Louis etwas überrascht; so gut kennen sie sich ja eigentlich gar nicht. Aber was spricht schon dagegen zusammen die Nacht zu verbringen, um zu reden, einzuschlafen, einfach die Einsamkeit zu vertreiben...

Sie sind beide schon länger verwitwet. Nur, wie wird ihr Umfeld reagieren, ob man es lang geheimhalten kann?

Und so macht sich Louis eines Abends mit einer kleinen Papiertüte, in der sich seine Zahnbürste und der Pyjama befindet, etwas nervös auf den Weg zu Addies Haus.

~ * ~ * ~ *

Dieses Büchlein ist ein Kleinod, eine ganz ruhig erzählte Geschichte einer späten Liebe und das Alter, ein Rückblick auf Erfahrungen und Fehler und das was Beziehungen ausmacht. Aber auch darüber, wie unser Umfeld, Nachbarn, Kinder und Freunde uns täglich beeinflussen. In wie weit lassen wir uns in unsere Entscheidungen reinreden, was ist uns wichtig und wofür kämpfen wir....

Kent Haruf erzählt in einer sehr klaren, schnörkellosen Weise und dennoch steckt so viel Gefühl und Emotionen zwischen den Zeilen. Berührend, aber fernab von Rührseeligkeit.

Fazit: Eine kleine, feine Geschichte über das Leben und Lieben im Alter, die bewegt.

Bewertung vom 09.08.2017
Brausepulverherz
Lastella, Leonie

Brausepulverherz


gut

>> Bevor ich verstehe, was passiert ist, löst er sich von mir und weicht langsam einige Schritte zurück. Meine Hände beben, als hätte man mich auf kalten Entzug gesetzt. >>

Für Jiara sind die Sommer immer die schönste Zeit des Jahres, denn die verbringt sie als Aushilfe in einer kleinen Trattoria an der italienischen Küste und gehört praktisch schon zur 1-Mann-Familie.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Ihr Freund findet keine Zeit sie wenigstens 1 Mal besuchen zu kommen und dann steht auch noch plötzlich Milo in der Tür. Der beste Freund des Besitzers stellt das ansonsten eher kühle, hanseatische und durchstrukturierte Leben von Jiara mächtig auf den Kopf, denn so sehr sie sich auch dagegen wehrt, lassen seine tiefbraunen Augen und der muskulöse Body sie nicht mehr los.
Aber das darf alles nicht sein, erstens sind sie grundverschieden und zweitens wartet ihr Freund zuhause....

~ * ~ * ~ *

"Brausepulverherz" ist leichte Kost und eine gute Strandlektüre, aber das Besondere, das gewisse Etwas hat mir gefehlt.

Allen voran, dies ist ein Jugendbuch/Young Adult. In den Buchhandlungen steht es meistens zwischen den Romanen, da gehört es - meiner Meinung nach - nicht hin. Ich habe nicht mit so jungen und im Fall von Jiara, auch sehr unsicheren, unerfahrenen Protagonisten gerechnet.

Die Story selbst kann man in 3 Teile gliedern (Italien, Hamburg, etc.) und sie hat durchaus Charme, aber ich hatte so meine Startschwierigkeiten.
Und das lag nicht nur daran, das man der Hauptfigur unbedingt so einen exotischen Namen verpassen musste, der für mich nicht funktioniert hat, sondern eher ein Stolperstein war; nein, der Einstieg ist einfach schwach. Die Charaktere wirken stereotyp und haben wenig Charisma. Auch fehlte mir die Chemie zwischen Milo und Jiara; das Knistern, witzige Wortgefechte usw. Grad zu Beginn wirkt es oftmals ein wenig plump. Wo war das Feuer, die Spannung vor dem ersten Kuss? Im (für mich) zweiten Teil des Buches, bekommt die Geschichte dann mehr Tiefe und das hat mir besser gefallen.

Die Charaktere sind mit all ihren Schwächen sehr sympathisch und obwohl sich mir oftmals die Fussnägel hochgerollt haben, konnte ich ihre Handlungen dennoch nachvollziehen. Die Meisten hätten wohl so gehandelt.

Trotz allem bleibt die Story sehr vorhersehbar und unaufregend, auch wenn die Autorin einige Wendungen und Hintergründe einfliessen lässt, wirkt sich das auf die Spannung nicht groß aus.

Fazit: Eine schöne Strandlektüre mit sommerlichem Flair und der Frage. ob man auf sein Herz oder Verstand hören sollte...

Bewertung vom 23.07.2017
Eine von uns
Cummings, Harriet

Eine von uns


sehr gut

>>Jim lächelt und filtert eine Erkenntnis heraus: "Wir erfinden Horrorgeschichten, damit wir über die echten Schrecken hinwegkommen (S.King).">>

Es ist Sommer 1984 und Deloris langweilt sich in der englischen Provinz zu Tode. Für ihre Familie hat sie mit Harvey das große Los gezogen; sie besitzen ein Haus, Deloris nennt fast jede neue Küchenmaschine ihr eigen und sie hat als Hausfrau ein ruhiges Leben. Aber für Deloris ist es die Hölle. Einziger Lichtblick: die wöchentliche Dosis "Dallas". J.R. und Sue Ellen machen ihr Leben zumindest in ihren Tagträumen ein bisschen aufregender.
Ganz langsam freundet sie sich mit Anna an. Ein etwas altbackenes Mauerblümchen, aber nett und dann ist da ja auch noch der geheimnisvolle "Fox", der in die Häuser einbricht, nichts stiehlt aber Dinge umstellt und sie alle zu beobachten scheint. Verunsichernd aber harmlos. Scheinbar, denn plötzlich ist Anna spurlos verschwunden...

~ * ~ * ~

Der etwas andere Krimi, wenn ich ihn denn überhaupt so nennen möchte.

In erster Linie geht es hier um eine augenscheinliche Dorfidylle, aber wenn man genauer hinschaut hat jeder so seine kleinen oder tiefen Geheimnisse, die der "Fox" nach und nach ans Licht zerrt.
Das ist schon sehr interessant und spannend, aber eher auf die unaufregende Art, mit viel britischer Behäbigkeit. Manchmal wünscht man sich schon, dass in die Ermittlungen etwas mehr Zug kommt. Andererseits macht das den Charme des Romans aus.

Die Erzählweise von Harriet Cummings ist herrlich altmodisch und britisch trocken. Sätze wie "Brian erwartet sich, dass ihn Jim..." sind auch mir nicht wirklich geläufig und verlangsamen den Lesefluss. Und auch das macht diesen Roman aus. Oftmals war ich irritiert, dass er tatsächlich 1984 und nicht in den 50-iger Jahren spielt. Wer in einer Großstadt aufgewachsen ist, wird evtl. ein wenig Schwierigkeiten haben, die Handlungsweisen nachzuvollziehen. Ich war in den 80-igern Kind und bin auf dem Land großgeworden und musste mich dennoch so manchmal tief reindenken.

Erzählt wird aus den verschiedenen Perspektiven der Dorfbewohner. Das lockert auf und so bleibt es bis zum Schluss unheimlich interessant.

Fazit: Mysteriös, spannend, altmodisch und very urban british. Für jeden Fan dieses Genres ein Genuss.

Bewertung vom 19.07.2017
Manchmal musst du einfach leben
Forman, Gayle

Manchmal musst du einfach leben


ausgezeichnet

Manchmal muss man gehen

... um zurückzufinden.

>> Luca runzelte die Stirn “Auf sich zu achten bedeutet auch, um Hilfe zu bitten.” >>

Ein mutiges Buch, bei dem nicht nur Mütter so manches Mal einen Kloß im Hals haben werden.

Dauerstress bestimmt das Leben von Maribeth; Abgabetermine, Job, Haushalt, private Verpflichtungen und 4-jährige Zwillinge. Da ist es fast kein Wunder, dass sie ihren Herzinfarkt für Magenprobleme hält und selbst die passen grad so gar nicht in die Planung...

Einige Wochen später: Maribeth kommt nach einer Not-OP am offenen Herzen wieder nach Hause und muss lernen, ihr Leben ganz langsam wieder in den Griff zu bekommen. Ihr Mann hat ihr eine Erholungsblase versprochen und auch ihre Mutter ist da, um ihr den Haushalt und die Kinder abzunehmen. Und trotzdem verfallen alle sofort wieder in den gewohnten Alltagstrott. Maribeth fühlt sich komplett überfordert. Sie findet keine Ruhe um sich zu regenerieren und erstmal wieder zu sich selbst zu finden. Im Gegenteil, sie hat das Gefühl das jeder an ihr zerrt.

In einer Kurzschlussreaktion packt sie ein paar Sachen zusammen, hebt Bargeld ab und geht. Ihrer Familie hinterlässt sie nur einen Zettel auf dem Küchentisch...

~ * ~ * ~ *

Ja, das Thema ist mutig und ich war mir im ersten Moment gar nicht so sicher, ob ich das haben muss. Andererseits mag ich Gayle Forman sehr und war neugierig, wie sie es umsetzt.

Das mich die Geschichte aber dann so packt und in ihren Bann zieht, damit habe ich nicht gerechnet.

Womit die Autorin mich immer wieder begeistert, sind ihre Charaktere. Einfach Durchschnittstypen, Menschen wie Du und ich, mit sehr viel Liebe ausgearbeitet, so menschlich, mit alle ihren Fehlern, Stärken und Schwächen - man identifiziert sich recht schnell mit ihnen.

Das ist auch die große Stärke dieses Romans. Ich kann es schlecht in Worte fassen, aber es ist ein wenig so, als wäre Maribeth meine beste Freundin, deren Entscheidungen ich vielleicht nicht alle gutheisse, aber aktzeptiere und unterstütze. Dadurch, dass man ihren Weg und die Entwicklungen so nah miterlebt, kam bei mir auch nie das Gefühl auf, sie wäre eine Rabenmutter.

Der Schreibstil von Gayle Forman ist klar und straight und transportiert die Emotionen optimal. Die anfängliche Überforderung war schon fast erschreckend greifbar.

Mir hat die Geschichte, mit all ihren Facetten, unheimlich gut gefallen. Es geht um viel mehr, als nur um eine Frau, die ihre Familie verlässt. Es ist eine Suche nach der eigenen Identität. Und manchmal muss man sich erst verlieren, um zulassen zu können, dass man sich wiederfindet.

Fazit: Ein tiefgründiger sehr lebensnaher Roman, der einen innehalten lässt und nachdenklich macht. Eine Geschichte, die in mir noch lange nachhallt.

Bewertung vom 11.07.2017
Nothing Like Us (eBook, ePUB)
Ocker, Kim Nina

Nothing Like Us (eBook, ePUB)


gut

Genervt seufzte er: " Ich hab weder die Geduld noch die Buntstifte, um dir das jetzt zu erklären. Also was ist."

Patisserie, das war schon immer Lena`s großer Traum und als die Hannoveranerin die Gelegenheit bekommt in einem renomierten New Yorker Hotel ein Praktikum zu machen, scheint er zum Greifen nah.
Doch schnell muss sie feststellen, dass man als Praktikantin eher Mädchen für alles ist und den Wäsche- und Putzkammern näher als der Küche. So ist sie auch an jenem Tag auf der Suche nach einer Wäschekammer, als sie dem gutaussehenden Sander praktisch vor die Füsse fällt. Ganz automatisch geht Lena davon aus, dass er der ihr zugeteilte zweite Praktikant ist und treibt ihn zum Arbeiten an, denn das hat er nun wirklich nicht erfunden und sie ist mehr als genervt von seiner Einstellung.
Der Hotelerbe Sander ist zwar im ersten Augenblick irritiert, aber ihm gefällt die forsche Art der Deutschen und so klärt er die Verwechselung nicht auf.
Es kommt, wie es kommen muss, irgendwann ist es dann zu spät dafür und die Gefahr, dass sein Spiel auffliegt wird immer größer...

~ * ~ * ~ *

Ich hatte hohe Erwartungen an "Nothing like us", dem ersten Teil der (in sich abgeschlossenen) Upper East-Side Reihe. Mir gefiel der Plot, ich mag Hotelgeschichten und ich habe auf eine flotte, romantische Sommerlektüre gehofft. Ist es auch, trotzdem bleibt der Roman hinter meinen Erwartungen zurück und ich fand ihn streckenweise ein wenig langatmig.

Es war schwierig für mich überhaupt in die Geschichte reinzukommen, denn die überehrgeizige, penible Lena war mir nicht auf Anhieb sympathisch. Denn obwohl sie einerseits sehr tough rüberkommt, war sie emotional noch unheimlich kindlich, kindisch und sehr naiv.
Das verwächst sich auch nur ganz langsam. Ja, sie macht eine sichtbare Entwicklung durch und mit der Zeit habe ich mich auch mit ihr angefreundet, aber so richtig verstanden habe ich sie nie. Ihr Credo ist eher rumzicken anstatt einfach mal den Mund aufzumachen.

Mit Sander kam ich da schon besser klar, zwar ist er auch nicht grad charakterlich mein Traumtyp, aber er ist straight und seine Handlungen sind stringent - auch wenn er ein bisschen zu oft "knurrt".

Ausnahmslos gefallen haben mir dagegen alle Nebencharaktere, die als unverkennbare Charakterköpfe aufgebaut sind. Ob Oscar, der Chaffeur oder Clara, die Bitch-Chefin mit Herz etc. Allein Lena`s Freundin bleibt etwas zu geheimnisvoll, aber da ich davon ausgehe, dass ihr ein eigener Band gewidmet wird, kann ich es nachvollziehen.

Der Schreibstil an sich ist flott und recht angenehm und der Humor einfach großartig. Mit Sprüchen wie "Ich bin heut einfach emotional sehr nah am Mittelfinger gebaut" hat man mich ja sofort, die bleiben einfach hängen.

Tatsächlich lässt sich dieses Buch in 3 Teile unterteilen, wobei ich den Anfang etwas langatmig fand, der Mittelteil mich wirklich mitgerissen hat und der Schluss.... naja, ganz klassich halt, aber okay (obwohl ich gestehen muss, dass mein Interesse da doch schon wieder etwas abgeflacht war).

Fazit: Eine nette Urlaubslektüre, aber nicht ganz das "Must have" das ich erwartet hatte.

Bewertung vom 10.07.2017
Big Pan Theory
Kintrup, Martin

Big Pan Theory


sehr gut

...selbst Pizza.

Wenn ich ehrlich bin, fällt es mir sehr schwer, mich von der großartigen Aufmachung zu lösen und rein objektiv auch mal nur den Inhalt zu bewerten, der zwar viele tolle Rezepte, aber auch sehr schlichte und bekannte beinhaltet.

Ich finde das Buch zum verschenken klasse, insbesondere auch für Anfänger in der Küche.
Was mir allerdings ein wenig zu kurz abgehandelt wird, ist der Überblick über die unterschiedlichen Pfannen, die es auf dem Markt gibt, auch dementsprechende Fotos fehlen.
Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, sind eigentlich alle Kurzthemen, die sogenannten Superwissen-Seiten (Steaks, Kräuter, Würzen, Karamelisieren, Pfannenpannen) nur kurz angerissen - dafür aber optisch toll.

Das Buch an sich ist in 4 Rezeptkapitel unterteilt:
- Schmeckt wie bei Mutti (Klassiker und Hausmannskost): Käsespätzle, Filetpfanne, Backfisch...
- Kochclub Mediterranee (Mittelmeer und Orient): Antipasti Gemüse, Paella especial, Spinat-Ziegenkäse-Galette, Kichererbsen-Hähnchen-Salat...
- Das erste Extra des Tages (Frühstück und Brunch): Pancakes, karamelisierter Obstsalat, getrüffeltes Tomaten Rührei...
- Kulinarische Weltenbummler (Asia & Texmex): Curry`s, gefüllte Fladen, Asiapfannen....
- süsse Geheimnisse (Desserts & Gebäck): frittiertes Vanilleeis, Crepes, Bratapfel-Crumble....

Es ist also für (fast) jeden etwas dabei, ob Fleisch, ob Fisch oder Vegetarisch (nicht Vegan) - ob würzig, sauer oder süss.

Das Ganze ist sehr stylisch und edel aufgemacht. Es gibt großartige Fotos zu jedem Gericht, sowie seitlich jeweils Angaben zu Zeit, Schwierigkeitsgrad, Personenanzahl und die Zutatenliste. Diese ist an Gewürzen und "Kleinigkeiten" manchmal ziemlich lang. Mich persönlich stört das weniger, da ich bei Rezepten eher etwas flexibel unterwegs bin. Wer aber streng nach Rezept kocht, der wird gezielt einkaufen gehen müssen. Selbst meine gut bestückte Küche, gibt das nicht alles her.
Was ich im Laufe der Zeit wirklich vermisst habe, waren Kalorienangaben (da bin ich mittlerweile doch wohl leicht verwöhnt).

Fazit: Ein tolles und vor allem abwechslungsreiches Pfannenkochbuch mit Rezepten im einfachen und mittleren Schwierigkeitsgrad. Durch die bestechend schöne Aufmachung ein Blickfang in jeder Küche und ein Geschenk, das ankommt.