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Benutzername: marakkaram
Wohnort: Lingen
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Danksagungen: 26 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 258 Bewertungen
Bewertung vom 19.01.2018
Zwielicht Classic Nr. 4 (eBook, ePUB)
(Hrsg.), Michael Schmidt

Zwielicht Classic Nr. 4 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

"Du kannst nur mit dem Schlüssel den Fahrstuhl holen." Walter dreht den Schlüssel, der Fahrstuhl erwacht mit einem Brummen und fährt in den zweiten Stock. Ich nicke und kaue auf meinem Kaugummi. Die erste Nachwache auf der akutpsychiatrischen Station einer "Anstalt".

Das Unheimliche in all seinen Erscheinungsformen....
Eingefangen in 10 Geschichten, einem Artikel und einem Interview mit Tim Svart.

Zwielicht Classic 4 bietet wieder einmal eine ganz eigene Mischung grausiger Stories auf einem -aus meiner Sicht- durchweg hohem Niveau. Selbstverständlich gibt es immer persönliche Highlights, das waren u.a. "Marlene?" von Arthur Gordon Wolf eine Geschichte über die Bestie in Dir, "Zehn Meter" von Vincent Voss, die mit Andeutungen und Urängsten spielt und "Der Puppenmacher von Leipzig", eine gelungene Hommage an E.A. Poe von Andreas Gruber.

Inzwischen bin ich ein großer Fan der Zwielicht Classic Reihe. Wenn ich mir meine Sammlung von Grusel- und Horrorstories im Regal so anschaue, fällt eines sofort auf: deutschsprachige Autoren/innen sind nicht wirklich oft vertreten. Warum eigentlich nicht? Denn genau das beweisen die Zwielicht und Zwielicht Classic Reihen ganz eindeutig: auch wir können atmosphärischen Grusel und Horror.

Was mir ausserdem noch extrem gut gefallen hat, ist, das Felix Woitowski für diesen Band eine großarige, im Original doch etwas unbekanntere, Erzählung aus dem Jahr 1811 ausgegraben hat. "Der Freischütz" von August Apel unterstreicht die ganz eigene Mischung dieses Konzepts.

Fazit: Für alle Freunde des gepflegten Grusels, der fiesen und schaurigen Kurzgeschichten eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 14.01.2018
Das Leuchten der Erinnerung
Zadoorian, Michael

Das Leuchten der Erinnerung


ausgezeichnet

Ein sehr berührender Roman über eine letzte Reise, die zum Trip in die Erinnerung wird.

Es ist eine Geschichte um große Liebe, das Leben, Familie und all die kleinen und großen Entscheidungen des Lebens - aber es ist auch eine Geschichte über Krankheit, Versprechung und das Alter.

Selten hat mich ein Buch von der ersten Seite an, so stark berührt, ohne auch nur im geringsten rührselig zu sein.
Und das liegt zum größten Teil an Ella; einer absolut patenten, alten Frau, mit ihrer ganz direkten und dennoch warmherzigen Art, ihrem großartigen sarkastischen Humor und einem riesengroßen Herzen. Ella hat sich wirklich schon im ersten Abschnitt in mein Herz geschlichen und sich mit jedem weiteren dort unverwüstlich breit gemacht.

"Wie es scheint, werden wir immer mutiger, je länger die Reise dauert. Das - oder dümmer. Wie auch immer, wir sind hier."

Bei allem Wohlfühlcharakter, zeigt das Buch doch sehr deutlich und ungeschönt, was Demenz aus geliebten Menschen macht und wie schwierig es ist, damit umzugehen. Auch die Angst, der Partner könnte auch einmal vergessen, dass er liebt....

Sehr interessant war für mich auch die Geschichte bzw. der Zerfall der legendären Route 66.

Fazit: Absolutes Lese-Highlight.
Ein bewegender Roman, dem ich jedem ans Herz legen möchte.
Im Januar kommt die Verfilmung mit Helen Mirren und Donald Sutherland in die Kinos. Ich freue mich schon sehr darauf.

Bewertung vom 07.01.2018
Parasitengeflüster (eBook, ePUB)
Marianne Labisch; Sven Klöpping

Parasitengeflüster (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Parasiten kommen.....
...in einer bunten Mischung!

Schickt dies an alle eure Kontakte, Netzwerke und so weiter. Es ist wichtig, dass ihr diesen Text versteht und begreift, dass unserer menschlichen Rasse die Vernichtung droht. Womit soll ich anfangen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir nnoch bleibt. ES hat beschlossen mich zu töten.

21 oftmals fiese, manchmal eklige, aber auch augenzwinkernd humorvolle Geschichten, rund um Parasiten aller Form und Arten. Ob sie im Navi stecken, im Kopf oder auf dem Körper - ob sie den Menschen benutzen, ihn heilen oder töten; eins haben sie alle gemeinsam: sie brauchen Ihren Wirt.

in diese Sammlung haben es eine bunte Mischung an, großteils Sci-Fi-Geschichten geschafft, die nicht nur einen hohen Unterhaltungswert haben, sondern auch so manches Mal zum Nachdenken anregen. Was wäre wenn.....

Wie in allen Bänden dieser Art, gibt es Ideen und Schreibstile, die einem persönlich mehr und andere, die einem halt weniger zusagen.
Hier fand ich die Mischung insgesamt recht ausgewogen.

Fazit: Lasst euch überraschen vom Artenreichtum der Parasiten und ihren Wirten.

Bewertung vom 31.12.2017
Die Vergessenen
Sandberg, Ellen

Die Vergessenen


sehr gut

Das Leben hat einen Rückspiegel, und in dem sieht man immer die Eltern.

Vera Mändler und Manolis Lefterig - 2 Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Sie, unterforderte Journalistin eines Frauenmagazins mit gefühlskalter Mutter - Er, Sohn eines griechischen Gastarbeiters, der die Gräueltaten seiner Kindheit -das Massaker an seiner Familie- schon sehr früh an den Jungen weitergibt. Mittlerweile betreibt Manolis ein Autohaus, nebenbei aber ist er immer noch der Mann für alle Fälle, der auch vor Auftragsmord nicht zurückschreckt.

Beide sind auf der Suche nach verschwundenen Patientenakten der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg aus der Nazizeit.
Denn als Veras Tante nach einem Schlaganfall im Koma liegt, stösst sie auf ein langgehütetes Geheimnis. Was keiner aus der Familie weiss, Kathrin hat 1944 in der Winkelberg-Klinik gearbeitet. Hat sie etwas mit den damaligen Euthanasie-Morden zu tun? Sie muss doch damals auf jeden Fall etwas davon mitbekommen haben. Warum hat sie ihr ganzes Leben lang geschwiegen....

~ * ~ * ~ *

Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut, da mich die Thematik der Euthanasie in den Heil- und Pflegeanstalten im Dritten Reich sehr interessiert und berührt. Das hat dieses Buch zwar geschafft, es lässt mich dennoch ziemlich zwiegespalten zurück.

Ellen Sandberg ist das Pseudonym einer recht erfolgreichen Krimiautorin. Mit "Die Vergessenen" hat sie sich an eine Familiengeschichte oder besser gesagt: zwei, herangewagt und grade da hat der Roman für mich kleine Schwächen.

Ich glaube, allein die Geschichte um Kathrin und den Arzt Landmann im Romanformat, 250-300 Seiten stark, hätte mich umgehauen und emotional mitgerissen. Man spürt, dass die Autorin sich tiefgreifend mit dem Thema auseinandergesetzt hat und sowohl die Möglichkeiten die jeder damals hatte, die Abwägungen und Gefahren, das mit sich selber ausmachen, was man bereit ist zu riskieren.... sehr glaubhaft rüberbringt.
Die Charaktere wirken lebensecht, greifbar und glaubwürdig.

Zwischenfazit: Die Kerngeschichte ist großartig und lässt mich tiefbewegt zurück.

Probleme hatte ich allerdings mit der etwas bemühten Geschichte drumherum. Das war mir manchmal zu langatmig und einfach too much. Denn mal ganz ehrlich, die schrecklichen Geschehnisse der Vergangenheit und wie weit sie noch in die heutige Zeit reichen, sprechen und wirken für sich, da benötige ich nicht wirklich noch die Familientragödie eines "Assassinen" oder den kleinkriminellen Cousin der Journalistin. Das hat das Ganze etwas überfrachtet und ich fand die ersten 150 Seiten unglaublich zäh.

Hinzu kam, dass mich auch die beiden Hauptfiguren nicht so richtig für sich einnehmen konnten. Sie waren mir weder sympathisch noch unsympathisch, aber ich hatte selten ein klares Bild von ihnen vor Augen. Sie blieben relativ flach. Was sehr schade war, denn die Geschichte von Manolis Vater ist erschütternd und hat viel Potential, nur die Emotionen konnten mich hier über Manolis gespiegelt, nicht so erreichen.

Fazit: Ein Roman mit einer großartigen Kerngeschichte über Schuld, Mitschuld, Rache, Verdrängung und das Vergessen. Eine Geschichte, die berührt und unter die Haut geht. Eingerahmt von einer, für mich persönlich, etwas zu überladenen Rahmenhandlung. Dennoch: lesenswert!

Bewertung vom 27.12.2017
Der kleine Teeladen zum Glück / Valerie Lane Bd.1
Inusa, Manuela

Der kleine Teeladen zum Glück / Valerie Lane Bd.1


weniger gut

Ihr Herz hatte so heftig gepocht, dass es ihr aus der Brust gesprungen war. Als sie aber an sich heruntersah, waren da keine Anzeichen einer Explosion zu erkennen.

Ich liebe die Idee hinter der neuen Serie von Manuela Inusa. Die Geschichten spielen in England, in dem romantischen Gässchen Valerie Lane, in der ein paar beschauliche Lädchen den Großen trotzen. Das sind Laurie, mit ihrem Teelädchen, Keira hat eine Chocolaterie, Orchid ein kleines Geschenkelädchen, Susanna handelt mit Strickwaren und Roxy, die Jüngste im Bunde, hat von ihren Eltern den Antiquitätenladen geerbt.

Im ersten Band dreht sich alles um Laurie. Sie hat sich mit ihrem Tea Corner einen Traum erfüllt. Sie liebt Tee über alles und seit einem halben Jahr auch den Teelieferanten, Barry. Heimlich - natürlich.
Sie wird rot, fängt an zu stottern und redet jede Menge Blödsinn, sobald er mit einer neuen Lieferung vorbeikommt.

Na, so wird das nie was, finden ihre Freundinngen und schmieden einen Plan...

~ * ~ * ~ *

Hach, ich muss auch jetzt noch sagen, eine grossartige Idee und eigentlich genau das, was ich gesucht habe, nur mit der Umsetzung hat es leider nicht geklappt, obwohl Manuela Inusa keine Unbekannte ist.

Woran liegt es?
Zum einen wahrscheinlich schon am Schreibstil, der sehr leicht und einfach gehalten ist, um nicht zu sagen, langweilig und absolut spannungsfrei. Der Geschichte fehlt es an Tiefgang, sie ist vorhersehbar und auch die Liebesgeschichte kann nicht überzeugen. Ganz im Gegenteil, Laurie kommt wie ein unsicherer 16-jähriger Teenager rüber und nicht wie eine 32-jährige mit einem reifen Körper (sorry, O-Ton - bei dem sich mir schon wieder die Fussnägel hochrollen). Das beschränkt sich leider nicht nur auf ihre Handlungen, sondern zieht sich auch durch ihr komplettes Denken.
Sie mokiert sich über ihre Mutter, die angeblich unterkühlt ist, seit sie zu Geld gekommen sind, hatte aber keine Bedenken, dass ihre Eltern ihr ein Haus gekauft haben, da sie ansonsten von ihrem Laden nicht leben könnte.....

Ja, da zogen sich selbst 270 Seiten in die Länge.

Fazit: Ein mehr als fader Beginn und mich hat er so verschreckt, dass ich wohl nie erfahren werde, ob Keira`s Geschichte im 2. Teil mehr überzeugen kann. Ich bin - trotz großartiger Idee - hier raus.

Bewertung vom 26.12.2017
The Woman in Cabin 10
Ware, Ruth

The Woman in Cabin 10


ausgezeichnet

Dank seiner Größe und dem makellosen Anstrich, mutete es auf kurioser Weise wie Spielzeug an, und beim Betreten der schmalen, stählernen Gangway, überkam mich plötzlich die groteske Vorstellung, die Aurora sei ein Schiff in einer Flasche - winzig, perfekt, isoliert und unwirklich -, und ich würde mit jedem Schritt, den ich mich ihr näherte, selbst weiter schrumpfen, bis ich mich ihrer Größe angepasst hatte.

Als die Journalistin Lo sich für eine Recherche auf die Jungfernfahrt des Luxuskreuzfahrtschiffes Aurora begibt, geht es in ihrem Leben grade drunter und drüber. Ein paar Tage vorher wurde sie in ihrer Wohnung überfallen, seitdem hat sie kaum noch geschlafen, sich so halb von ihrem Freund getrennt und im Gin einen Neuen gefunden.
Da ist es nicht grade verwunderlich, dass ihr niemand so wirklich glaubt, als sie in der ersten Nacht beobachtet, wie aus ihrer Nachbarkabine jemand über Bord geworfen wird. Zumal sich herausstellt, dass die Kabine leer steht und auch niemand auf hoher See vermisst wird.
Aber Lo weiss, was sie gesehen hat und da war einen Frau in der Kabine....

~ * ~ * ~ *

Ich hatte den kleinen Hype im Vorfeld um diesen Thriller gar nicht mitbekommen und bin ziemlich unbedarft an das Buch herangegangen.
Mir gefiel die Idee. Ich mag Hotel-Geschichten und grade auf dem offenem Meer, gibt es dem Ganzen immer noch eine besondere Note und die findet man auch in "Woman in Cabin 10".
Atmosphärisch sehr dicht, hat mich dieser Thriller klasse unterhalten.

Wenn man es mal etwas genauer betrachtet, ist die Grundlage eigentlich ein klassischer Krimi, der aber tatsächlich als rasanter Thriller durchgeht.

Ab der ersten Sekunde auf der Aurora, ist man in diesem Strudel gefangen.
Das liegt zum einen an den unterschiedlichen Charakterköpfen, die mit an Bord sind und von Lo gut beobachtet und dargestellt werden.
Und zum anderen an der z. T. beklemmenden Atmosphäre. Allein schon, dass die Größe des Schiffes mit seinen grade mal 10 Kabinen-Suiten, nichts mit einem Kreuzfahrtschiff gemein hat, sondern eher an eine Yacht erinnert, verleiht dem Ganzen einen leicht klaustrophobischen Touch und Ruth Ware`s Schreibstil tut sein Übriges dazu bei.

Eins muss ich jedoch vorweg nehmen, wer Landschaftsbeschreibungen entlang der norwegischen Fjorde erwartet oder sonstige malerische Haltestellen, der wird vergeblich suchen. Ich weiss gar nicht mehr, ob ich es erwartet hatte, denn ich war so im Sog der Geschichte, dass mir das erst ganz am Ende bewusst geworden ist.

Fazit: Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, es reicht schon, wenn eine Geschichte einfach nur großartig und spannend erzählt wird. Und das ist Ruth Ware gelungen, mit so manch einer Wendung, die man nicht kommen sieht und einem eigentlich traumhaften Setting. "Woman in Cabin 10" ist kein Psychoschocker, aber ein beklemmender Thriller.

Bewertung vom 19.12.2017
Die Schatten von Ashdown House
Cornick, Nicola

Die Schatten von Ashdown House


ausgezeichnet

In der Nacht, bevor sie starb, träumte sie von dem Haus. Im Traum fühlte sie sich wieder unbedeutend, wie ein Kind; die Miniaturausgabe einer Königin in einem cremeweißen, goldbestickten Seidenkleid.

Holly wird mitten in der Nacht von ihrer völlig aufgelösten kleinen Nichte angerufen. Der Papa, ihr Bruder Ben, ist verschwunden. Die beiden machten eine Art Familienurlaub in der alten Mühle, die schon ewig in Familienbesitz ist.
Holly macht sich sofort auf den Weg ins kleine Dorf Ashdown und zieht selber in die Mühle, um nach Ben zu suchen. Als sie erfährt, dass ihr Bruder sich mit Ahnenforschung beschäftigt hat, ist sie mehr als erstaunt, denn das passt so gar nicht zu ihm. Doch dann wird auch Holly immer tiefer in den Bann der Geschichte gezogen. Und die hat es in sich....

Dadurch, dass der Roman auf 3 Zeitebenen spielt, ist er unheimlich vielschichtig, spannend und interessant, so dass man ihn kaum aus der Hand zu legen vermag.
Eins aber haben alle gemeinsam, sie sind relativ düster und entwickeln jeder ihren ganz eigenen Sog.

Alles dreht sich um 3 starke Frauen:

ca. 1630: Elizabeth, die Winterkönigin und Anhängerin des Rosenkreuzer Ordens, und ihre größtenteils am historischen Lebenslauf orientierte Geschichte.

ca. 1800: Lavinia, eine Kurisane, deren fiktives Leben anhand von Tagebucheinträgen erzählt wird

Gegenwart: Holly, die versucht, das immer komplexer werdende Rätsel zu lösen.

Es geht um Mystik, verfluchte Artefakte, Okkultismus und eine starke Liebe durch Raum und Zeit.

Der Schreibstil von Nicole Cornick ist, wie schon gesagt, mystisch düster und atmosphärisch unheimlich dicht.

Bei zwei Zeitebenen habe ich oftmals eine, die mir besser gefällt. Hier haben wir drei und sie haben mich alle in ihren Bann gezogen. Der Spannungsbogen ist durchgehend hoch.

Faszinierend, wie die Autorin es schafft alle Stränge irgendwann zu einem absolut logischen Ganzen zusammenzuführen. Und nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten und zweiten Blick scheint.

Fazit: Wer spannende Familiengeheimnisse mag und mit einem leichten Hauch Okkultismus kein Problem hat, der wird "Die Schatten von Ashdown House" genauso lieben, wie ich. Absolute Leseempfehlung und eines meiner Highlights 2017.

Bewertung vom 18.12.2017
Wintersterne
Broom, Isabelle

Wintersterne


sehr gut

Es war seltsam, nun allein dort zu sein, und Sophie stellte fest, dass sie weit mehr sah und wahrnahm, als wenn sie gemeinsam mit Robin hergekommen war.

Auf den ersten Blick scheinen sie nur eins gemeinsam zu haben, sie sind alle in demselben Hotel in Prag abgestiegen. Hope mit ihrem neuen Freund Charlie, Megan mit ihrem besten Kumpel Olli und Sophie, die auf ihren Freund Robin wartet.
Doch es dauert nicht lange, bis sich finden, denn sie scheinen einander zu brauchen, nicht um zu reden und sich ihren Problemen zu stellen, sondern eher als kleine Flucht und Ablenkung.
Und so entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen den Fünfen, die tiefer geht, als sie anfangs ahnen.

~ * ~ * ~

3 Frauen ~ 3 Liebesgeschichten und als Schauplatz ein weihnachtlich, verschneites Prag.

Das Setting ist mehr als großartig gewählt und man merkt, dass die Autorin die Stadt sehr gut kennt und liebt. Sie hat mir das Gefühl vermittelt, selber dagewesen und die Schauplätze mit eigenen Augen gesehen zu haben.
Kopfkino vom Feinsten!

Auch die Charaktere sind einfach aus dem Leben gegriffen; bodenständig, sympathisch und manchmal auch ganz leicht nervig - wie beste Freunde halt.
Die verschlossene Megan, für die scheinbar nur ihre Karriere als Fotografin zählt, Hope, die Übermutti, die, seit ihre Tochter aus dem Haus ist, keine Aufgabe mehr hat und die zarte, zerbrechliche Sophie, deren Leben grad aus den Fugen gerät.
Und genauso wie beste Freunde, handeln sie nicht immer wie man es selber für am besten hält und manchmal möchte man sie schütteln, doch man kennt ihre Schwächen und akzeptiert sie.

Die ersten 150 - 200 Seiten der Geschichte fliegen dann auch nur so dahin, man lernt die Personen kennen und erkundet mit ihnen das winterliche Prag. Im Mittelteil gibt es eine kurze Phase in der sich nicht viel bewegt und ich das Gefühl hatte, ich muss Hopes oder Megans Zweifel jetzt nicht noch einmal lesen. Aber über diese kleinen Längen hier und da liest es sich fast so hinweg und dann schlittert man auch schon unaufhaltsam auf das fulminante Ende zu.

Fazit: Eine ganz unkitschige, dafür umso berührendere Geschichte. Drei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, die das Leben und Prag zusammenbringt. Drei Leben, in denen sich grade alles um die Liebe dreht, in all ihren Facetten.

"Wintersterne" ist ein absoluter Wohlfühlroman, mit einer Geschichte, die ins Herz geht und einer heimlichen Liebeserklärung an Prag. Perfekt für lange, kuschelige Winterabende...

Bewertung vom 11.12.2017
Kokosmakronenküsse
Lindberg, Karin

Kokosmakronenküsse


ausgezeichnet

"Ich brauche eine Ehefrau. Du einen Mechaniker. Comprende?"

Luisa ist der klassische Durchschnittstyp, brünett, ein paar Kilo zuviel auf den Hüften, jemand, den man leicht übersieht. Das wird ihr wieder mal so richtig bewusst, als der megahübsche Typ in ihrer Stammkneipe, sie zwar direkt anschaut, aber gar nicht wahrnimmt.
Dabei läuft doch eh schon genug schief in ihrem Leben: Ihr Ex hat sie mit nem Haufen Schulden sitzen gelassen, ihr Vermieter sitzt ihr wegen Mietrückständen im Nacken und dann bleibt auch noch ihr heissgeliebter Käfer liegen....
Till, der Schrauber der nahegelegenen Werkstatt entpuppt sich als der Schönling aus der Kneipe und macht ihr ein "unmoralisches" Angebot: Kostenlose Reperatur gegen gefakte Hochzeitsfotos, die er seiner Familie, vor allem seiner Oma präsentieren möchte, denn die hat eine Bedingung gestellt: Ohne Frau bekommt er sein vorgezogenes Erbe nicht. Er braucht das Geld dringend um seine Werkstatt zu erweitern, aber er denkt gar nicht daran sich zu binden. Eine Beziehung? Nicht für ihn - niemals....

~ * ~ * ~ *

"Kokosmakronenküsse" ist ein richtig schöner Winterschmöker, der ganz unbemerkt ins Herz kriecht. Denn was recht oberflächlich beginnt, geht plötzlich viel tiefer als man denkt.

Dies war mein erstes Buch von Karin Lindberg und erwartet hatte ich eine lockere, winterliche, kleine Geschichte für Zwischendurch - entpuppt hat es sich als mein absolutes Winterhighlight, sodass ich gleich nach weiteren Romanen der Autorin geschaut habe.

Sie hat einen schönen, flüssigen und lebensnahen Schreibstil und einfach eine tolle Art Geschichten zu erzählen, die zwar sehr emotional aber kitschfrei sind.

Mir gefallen vor allem auch die Charaktere. Eine Protagonistin, mit der sich wahrscheinlich fast jede Frau identifizieren kann und ein recht verschlossener Typ mit Vergangenheit. Und auch, wenn die Story an sich jetzt vielleicht nicht ganz so alltäglich ist, hat man trotzdem das Gefühl, dass sind Louisa und Till von nebenan; einfach sehr menschlich und down-to-earth.
Durch die abwechselnden Sichtweisen ist man nah an den Gedanken und Gefühlen der beiden, die viel mit sich selber ausmachen. Mir gefällt nicht nur die Entwicklung der Geschichte, sondern auch die der Protas.

Fazit: Absolute Leseempfehlung. Das perfekte Buch für einen kalten Wintertag.

Bewertung vom 04.12.2017
Wolkenschloss
Gier, Kerstin

Wolkenschloss


sehr gut

"Du bist ganz bestimmt das schlechteste Kindermädchen der Welt, Fanny Funke", meinte Don, als ich hektisch an ihm vorbeilief und dabei "Jungs! Das ist nicht komisch! Kommt doch bitte wieder her!" rief.

Kinderbetreuung im renomierten Hotel Wolkenschloss über die Weihnachtszeit ~ irgendwie hatte Fanny sich das ja anders vorgestellt... Naja, Don ist aber auch ein kleiner, überheblicher Satansbraten und so manches Mal fast ihr Sargnagel.

Aber auch mit den anderen Saisonkräften in ihrem Alter kann sie sich nur bedingt anfreunden. Und so bleiben ihr nur die 7 Hugos (Dohlen), Pavel aus der Küche, der ihr immer Leckereien zusteckt und natürlich Monsieur Rocher, der lebende Balsam für ihre Seele.
Doch dann tauchen auf einmal gleich zwei niedliche Jungs auf, die ihr Herz höher schlagen lässen. Ben, der Sohn vom Chef und Tristan, Spion, Meisterdieb oder doch nur ganz normaler Gast?

Ja, die Gäste haben es in sich im Wolkenschloss....

~ * ~ * ~ *

Was habe ich mich auf den neuen Roman von Kerstin Gier gefreut. Ihre letzten beiden Trilogien haben mich begeistert und so waren meine Erwartungen nicht grade gering und als großer Fan von Hotelgeschichten , stiegen sie noch um Einiges höher... nur da kan das Wolkenschloss dann nicht mehr ganz dran.

Der Roman ist klasse - keine Frage - aber mir fehlte das gewisse Etwas und ein wenig Pepp. Die Geschichte hatte im Mittelteil kleine Längen und so lieb und sympathisch Fanny auch ist, konnte sie sie nicht durchweg tragen.

Aber hey, das ist Kritik auf hohem Niveau, denn "Wolkenschloss" bringt ansonsten alles mit, was man von Kerstin Gier erwartet: schräge und zum Teil leicht verschrobene Charaktere, liebenswerte Schurken, eine "verbotene" Katze, die seltsamerweise immer nur dann auftaucht, wenn sie gesehen werden darf und einfach einen tollen Humor.

Es gibt ein wenig Liebe, ein wenig Spannung und rasante Aktion zum Schluss.
Aber an sich passiert auf den ersten 350 Seiten nicht unbedingt viel und die Geschichte bleibt lange in sehr ruhigem Fahrwasser. Lesenswert und mit einer schönen winterlichen Atmosphäre, aber eigentlich recht unspektakulär.

Fazit: Für Fans ein Muss! Allerdings werden eher die etwas jüngeren Leser am meisten Freude an dieser Geschichte haben.