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Benutzername: marakkaram
Wohnort: Lingen
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Danksagungen: 33 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 556 Bewertungen
Bewertung vom 17.03.2021
Lebenssekunden
Fuchs, Katharina

Lebenssekunden


ausgezeichnet

** "Mit Willensstärke geht sowas!" Und als Roland die Augenbrauen hochzog, fügte sie hinzu: "Und mit Tabletten." Jetzt wurden Rolands Augen auf einmal weit, voller Mitgefühl mit seiner Schwester die dort regungslos saß, mit ihrem geschundenen fünfzehnjährigen Körper. **

1956: Unterschiedlicher könnten ihre Leben nicht sein... Die 15-jährige Angelika aus Kassel, sehr selbstbewusst und selbstbestimmend, bricht die Schule ab und möchte Fotografin werden, während die gleichaltrige Leistungssportlerin Christine schon von klein auf in einem DDR-Trainingskader gedrillt wird und über sie und ihren Körper nur noch andere entscheiden.

Katharina Fuchs erzählt die Geschichte der beiden jungen Frauen abwechselnd und so packend, dass man sich dem nicht entziehen kann.

Obwohl so unterschiedlich, sind mir beide Charaktere sehr nahe gekommen. Sie sind Teenager, unheimlich authentisch mit Ecken und Kanten. Man kann ihre Gedanken und Handlungen nachvollziehen, auch wenn man selber vielleicht anders gehandelt hätte, sieht und fühlt man es aus ihrer Sicht. Dazu trägt auch bei, dass Katharina Fuchs ein Händchen dafür hat, die damalige Zeit mit all ihren Facetten wieder aufleben zu lassen. Man wird beim Lesen einfach hineingesogen in die 50-iger und hat das Gefühl alles hautnah mitzuerleben. So ging es mir jedenfalls. Ich stand mit Angelika in der Dunkelkammer und habe mit Christine im Kader gelitten. Man hat ja schon einiges vom ostdeutschen Leistungssport bzw. Drill gehört, aber das hier ging tatsächlich nochmal eine Lade tiefer. Das war schon ganz großes Kino. Auch, weil die Autorin das aktuelle Zeitgeschehen ganz geschickt mit einbaut, von Willy Brandt bis zum Bau der Mauer, den man hier mal aus einem ganz anderen Blickwinkel miterlebt.

Ihr Schreibstil ist flüssig und trotzdem sehr eindringlich, emotional und völlig unverkitscht. Lebensgeschichten, die noch lange nachhallen.

*Lebenssekunden" war mein erster Roman von Katharina Fuchs und ich freue mich schon auf "Zwei Handvoll Leben" und "Neuleben" von ihr.

Bewertung vom 28.02.2021
Homefarming
Rakers, Judith

Homefarming


sehr gut

Ein bisschen ist der Name Programm, denn hier geht es nicht nur um Gemüseanbau, sondern auch um Hühnerhaltung. Eine tolle, abwechslungsreiche Mischung, also. Und genau aus dem Hühner-Grund habe ich mir dieses Buch auch gekauft, denn da gehen andere Gartenratgeber ja eher selten drauf ein.

Judith Rakers beschreibt unheimlich sympathisch wie sie überhaupt an Garten und Hühner gekommen ist und das macht großen Spaß zu lesen.

Wenn es dann allerdings um den Obst- und Gemüseanbau geht, merkt man schnell, dieses Buch richtet sich tatsächlich an absolute Neulinge und Einsteiger. Judith Rakers motiviert eher dazu einfach anzufangen -auch ohne grünen Daumen - als wirklich die Themen richtig zu vertiefen. Das war mir zu allgemein gehalten. Es wird nicht auf Fruchtfolge etc. eingegangen, dafür empfiehlt sie "Erdmiete", was ich tatsächlich keinem Einsteiger raten würde.

Im zweiten Teil geht es rein um die Hühnerhaltung und ist mit rund 100 Seiten sehr umfangreich und unheimlich interessant. Ich habe zwar keine Erfahrung, denke aber, dass hier mehr in die Tiefe gegangen wird. U.a. werden die verschiedenen Rassen vorgestellt, Ställe, Hahn oder nicht etc.

Abgerundet wird das Ganze mit Rezepten, die allesamt eher klassisch gehalten sind, wie Tomatensuppe und Holunderblütensirup und somit auch eher nur für Neulinge interessant.

Judith Rakers ist einfach unheimlich sympathisch und davon lebt ihr Buch. Es macht Spaß sich von ihr durch den Garten führen zu lassen und jeder, der vorher noch unschlüssig war, ob Gemüseanbau wirklich etwas für ihn ist, wird nach der Lektüre sofort loslegen wollen. Und das ist ja auch Sinn der Sache. Bei einem Untertitel wie "Selbstversorgung", erwarte ich jedoch mehr und vor allem mehr in die Tiefe gehend.

Bewertung vom 13.02.2021
Career Suicide
Kaulitz, Bill

Career Suicide


gut

** Die Musikwelt öffnete sich wie eine warme feucht M*se. **

Ein wenig musste ich dann doch schmunzeln, als ich im Epilog las, dass seine Lektorin ihn darauf hingewiesen hat, er würde oftmals unsympathisch und arrogant rüberkommen. Während des Lesens habe ich mich nämlich immer wieder gefragt, ist das gewollt oder eine Masche, wenn er sehr abwertend und alle über einen Kamm scherend z.B. über Mitarbeiter spricht =grade er, der doch so sehr für Individualität steht= oder wenn er die damaligen Hardcore-Fans heute noch als "Monster" bezeichnet. Ich war nie Fan der Band, da war ich schon zu alt und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen vor Häusern und Hotels zu kampieren und trotzdem fand ich die Aussage schon sehr krass und unter der Gürtellinie, denn diese "Monster" haben ihm sein Leben und Lebensstil finanziert. Klar, ist es mit Sicherheit kein leicht verdientes Geld, das mit Ruhm einhergeht. Und mittlerweile sind Knebelverträge und Abzocke in der Musikindustrie bekannter, aber auch für die Jungs wird ein nicht unerheblicher Teil dabei rausgesprungen sein, wie der geschilderte Lebensstil deutlich macht.

Ich finde es immer schwer Biografien zu beurteilen. Auch wenn ich kein Fan war, hat mich der Mensch Bill Kaulitz sehr interessiert und er war mir bislang sympathisch. An Sympathiepunkten hat er allerdings ganz stark verloren.

Aber kommen wir zum Buch.

Nach einem typisch gequirlten Vorwort von Benjamin von Stuckrad-Barre, das ich ab einem Punkt entnervt übersprungen habe, widmet sich die erste Hälfte Ihrer Kindheit und Jugend. Sehr interessant, wenn ich mich auch so manches Mal gefragt habe, wie glaubwürdig und unverfälscht diese Erinnerungen eines Kleinkindes sind, aber das war schon ok. Natürlich wurde viel Verletzendes nur angerissen und ein wenig überspielt. Aber es gibt zumindest einen guten Einblick in das Aufwachsen der Zwillinge und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Als es dann im zweiten Teil um die Band ging, gab es scheinbar fast nur negative Erinnerungen - so kam es mir gefühlt jedenfalls vor. Vielleicht verständlich, aber doch auch schade. Mir fehlte ein wenig der Zusammenhalt der Band, der Spaß, die Euphorie, die es mit Sicherheit am Anfang auch gab. Das alles wirkt irgendwie überschattet.

Und ab hier übernimmt auch ganz stark die Arroganz. Ob als Selbstschutz oder Masche kann ich nicht beurteilen. Aber das Ganze wirkt wenig reflektiert und es scheint, als hätte er mit seiner Vergangenheit noch keinen Frieden gemacht, geschweige denn das Kapitel abgeschlossen. Das tat mir schon leid.

Eindeutig gestört hat mich allerdings immer wieder die gewollt vulgäre und obszöne Sprache, gepaart mit der Selbsteinschätzung jeden manipulieren und durchschauen zu können. Auch seine Art über Menschen zu sprechen ist mir ganz oft quergegangen.

Auf der anderen Seite hat mir die Offenheit in manchen Teilen schon sehr gefallen, das Anders sein, Akzeptanz zu suchen und die Suche nach der ganz großen Liebe. Ja, man merkt, das Buch lässt mich zwiegespalten zurück.

Fakt ist, es hat mich unterhalten, es verschweigt aber auch mit Sicherheit vieles. Wer auf ein wenig Einblicke in den Alltag hofft, wird hier nicht fündig. Eher entstand bei mir der Eindruck, dass jegliche Art von Drogen zum Alltag gehören, genauso wie Parties und Abstürze. Die Selbsteinschätzung a la ich bin, war und werde nie abhängig, habe immer die Kontrolle und kann jederzeit damit aufhören.... lasse ich mal unkommentiert in seiner vollen Naivität stehen.

Manchmal hatte ich den Eindruck einen wirklich gebrochenen Menschen vor mir zu haben, der nicht erwachsen werden will und der immer noch seinen Platz im Leben und der Welt sucht. Jemanden, der das Gefühl hat, ohne Erfolg nichts zu sein....

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.01.2021
Happy Life Diät
Shahrivar, Shermine

Happy Life Diät


sehr gut

Persönlicher, kleiner Lebensratgeber, der nicht ganz so sehr in die Tiefe geht.

** Aber was ist eigentlich mit "Junk Values"? Ich habe den Eindruck, dass wir in einer Zeit des Werteverfalls leben. Es geht viel darum, öffentliche Annerkennung zu generieren, über Statussymbole und Geld. **

Ich hatte Shermine Shahrivar zwar wohl mal im Fernsehen gesehen, aber dass ich jetzt wirklich gewusst hätte, wer sie ist, kann ich nicht sagen. Und so war ich irgendwie neugierig auf ihr Buch.

Sie gibt tiefe Einblicke in ihr Leben und ihre Vergangenheit und man merkt sehr schnell, dass sich hier jemand intensiv mit sich selbst auseinandergesetzt hat, sie ist unheimlich reflektiert. Das hat mir gut gefallen, zumal sie auch total sympathisch rüberkommt.

Shermine Shahrivars Quintessenz: 6 Säulen zum Glücklich sein: Beziehungen, Spiritualität, Sexualität, Ernährung, Beauty und Sport. Nach einer kurzen Einleitung ist jedem dieser 6 Punkte ein Kapitel gewidmet, in dem sie von eigenen Erfahrungen berichtet, gespickt mit netten aber relativ allgemeinen Weisheiten und angerissenen Studien ohne Belegung. Tatsächlich - so meine Meinung - darf man es nur als weitergegebene eigene Erfahrungswerte betrachten, an denen man sich gerne orientieren oder hier und da ein Beispiel nehmen kann; denn richtig in die Tiefe geht es nicht und wer sich bereits mit den Themen beschäftigt hat, dem bietet es in dem Bereich nicht viel Neues.

Aber das Schöne daran, es sind einfache Tipps, die jeder umsetzen kann und für die es weder große Vorbereitung noch viel Geld braucht. Sehr bodenständig, ganz ohne MUSS und erhobenem Zeigefinger, berichtet Shermine Shahrivar unheimlich ehrlich von ihren Erfahrungen. Das merkt man und damit hat sie mich berührt.

Alles in allem eine kurzweilige Lektüre, aber eher dünn in Sachen fundierter Ratgeber. Von mir gibt es 3,5 Sterne.

Bewertung vom 22.11.2020
Miss Guggenheim / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.15 (1 MP3-CD)
Hayden, Leah

Miss Guggenheim / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.15 (1 MP3-CD)


sehr gut

** "Ich nenne es Europa nach dem Regen." "Nach dem Regen? Damit meinen Sie wohl den Krieg?" Sie trat näher. "Wenn es so weitergeht, wird von Europa tatsächlich nur noch eine zerstörte Wüstenlandschaft übrig bleiben." **

Ein tolles Hörbuch mit der großartigen Stimme von Christina Puciata, die es sehr angenehm zu hören macht.

Es ist 1941 und Peggy Guggenheim gelingt endlich die Ausreise nach New York, zusammen mit ihrer großen Liebe, dem Maler Max Ernst. Doch den Leser/Hörer beschleicht immer wieder das Gefühl, dass diese Liebe recht einseitig sein könnte. Peggy jedoch setzt alles daran, ihre Träume zu verwirklichen: Max zu heiraten und ein eigenes Museum zu eröffnen.

Leah Hayden zeigt hier eine ganz andere, manchmal schwer nachvollziehbare Seite, der extrovertierten Kunstsammlerin Peggy Guggenheim, fast schon zu devot und sehr verletzlich in ihrer Liebe zu Max. Doch auch ihre Künstlerseele und ihr riesengroßes Herz werden immer wieder herausgestellt. Das hat mir sehr gefallen.

Die Autorin versteht es, die Bilder, Skulpturen und exentrischen Personen vor dem inneren Auge Gestalt annehmen zu lassen. Man hat alles ganz genau vor Augen - was mir bei Kunst sonsst tatsächlich etwas schwer fällt. Das hat mich stark beeindruckt. Auch der Gang durch ihr Museum fühlte sich an, als wäre ich wirklich dort gewesen. Richtig großes Kopfkino!

Gefühlt sind auch alle Großen dieser Zeit vertreten und geben einen interessanten Einblick in ihre Welt.

Allein von diesem Aspekt habe ich das Buch geliebt. Auf der anderen Seite allerdings blieben mir manche Dinge auf der Strecke bzw. zu blass und oberflächlich. Peggys Kinder zum Beispiel. Erst nach einer ganzen Weile und kurzer Recherche, wurde mir bewusst, dass ihr Sohn Sindbad gar nicht bei ihr in New York war, sondern beim Vater lebte. Das wurde im Buch nicht wirklich deutlich. Ich hätte ein paar Punkte gern vertieft gehabt - auch der Krieg war nur eine seltene Randerscheinung.

Fazit: Ein unterhaltsames, interessantes Hörbuch über Peggy Guggenheim, ihre Liebe zu Max Ernst und der Kunst.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.11.2020
Das schwarze Gold des Südens
Haigh, Tara

Das schwarze Gold des Südens


gut

** War die Wurzel erstmal von der Rinde befreit, konnte man gar nicht genug vom Saft der Glyccyrrhiza bekommen Amalie saugte erneut daran, um sich zu stärken. (./.) Lebenssaft nannte Vater ihn. **

Bamberg 1887: Ein Schädling vernichtet fast die gesamte Süßholzernte und stürzt das Familienunternehmen Imhoff in eine ernste Krise. Während die älteste Schwester Amalie eine Vernunftehe mit dem langfährigen Angestellten und Vertrauten der Familie eingeht, entzieht sich die Jüngere der geplanten Verbindung mit einem Bankier und brennt mit ihrer großen Liebe durch.

Tara Haigh begleitet den Weg beider Schwestern - ihre Zukunft und ihre Liebe. Der konstante und unheimlich rasche Wechsel war mir fast schon ein wenig zu viel und es fiel mir irgendwie schwer eine tiefere Verbindung zu den beiden aufzubauen. Insbesondere Amalie blieb von ihrer ganzen Art her eher blass und mir fern. Die lebenslustige und wagemutige Elise mit ihrem großen Herzen war mir ab dem Moment, in dem sie aus dem Schatten ihrer Framilie trat, hingegen sofort sympathisch und es hat Spaß gemacht ihren Weg zu verfolgen.

Ich lese die historischen Romane von Tara Haigh unheimlich gerne, weil sie einen immer wieder in fremde, exotische Welten entführen. Diesmal dreht sich alles um Süssholz, ob als Lakritz oder Arznei, hervorragend recherchiert.

Auch der Schreibstil überzeugt mit seiner flüssigen bildhaften Art. Und trotzdem blieb "Das schwarze Gold des Südens" ein wenig hinter meinen, zugegeben, sehr hohen Erwartungen zurück. Das lag zum einen an den ständigen Perspektivwechseln, doch auch die Geschichte der Schwestern und der Familie Imhoff konnte mich -ganz besonders zum Ende hin- nicht hundertprozentig überzeugen. Dafür gab es großartige Nebencharaktere, die z. T. im Handumdrehen mein Herz erobert haben.

Alles in allem hat mich der Roman sehr gut unterhalten und war schnell ausgelesen. Also perfekt für lange dunkle Herbst- und Winterabende mit einer Tasse Tee und einem Stück gutem Lakritz.

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.10.2020
Jackson
Milewski, André

Jackson


ausgezeichnet

** Er war schätzungsweise einen Meter fünfundachtzig groß, damit ungefähr auf gleicher Stufe wie Lukas, aber wog sicherlich zehn Kilo mehr. Ein Profi durch und durch. Doch er machte einen kleinen, aber entscheidenden Fehler. Er unterschätzt mich. **

Irgendwie läuft ihre Fernbeziehung mit Lukas nicht so richtig rund und Heather beschließt eine Auszeit zu nehmen um ihren Dad in Jackson zu besuchen. Über 3 Jahre ist es her, dass sie zuletzt dort war, aber in dem kleinen Städtchen hat sich nichts verändert. Naja, bis auf einen entscheidenden Punkt: Ihr Vater ist verschwunden! Die Haustür nicht abgeschlossen, Herkules hungrig und das Auto in der Garage.... Für Heather Alarmstufe rot, denn das passt absolut nicht zu Tyler. Und während sie sich auf die Suche macht, setzt Lukas sich in den nächsten Flieger um ihre Beziehung zu retten.

Das Team Heather Bishop und Lukas Horn ist zurück in einem spannungsgeladenen, actionreichen und kurzweiligen Thriller.

Auch ohne Jahresangabe ist sofort klar, wir sind irgendwo in oder ab 2020, denn es gibt Corona und Mundschutzpflicht. Meine erste Begegnung mit diesem Thema in einem Buch, aber es ist sehr geschickt und recht nebensächlich eingebaut und die Befürchtung, dass es mich stören würde, weil man ja eigentlich eine Auszeit vom Alltag sucht, bewies sich als völlig unbegründet.

Wie alle Romane seiner Reihen, lässt sich auch "Jackson" eigenständig und unabhängig lesen, bzw. verschlingen. Denn Andre Milewski hat einen unheimlich angenehmen Schreibstil, auf der einen Seite spannend und rasant, auf der Anderen gibt es diesmal kleine Abstecher, in Form von fast schon malerischen Beschreibungen des beschaulichen kleinen Städtchens. So kommt das Kleinstadtfeeling perfekt rüber und man hat das Gefühl direkt vor Ort zu sein und Pancakes in Autumns Diner zu frühstücken. Ein toller Kontrast, nicht nur zu dem actionreichen Plot, sondern auch, wenn man nach und nach so mitbekommt, was hinter der Fassade los ist.

Ich habe "Jackson" in einem Rutsch verschlungen; interessante Themen, spannungsgeladen und actionreich verpackt. Und es gab Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Das macht für mich ein wirklich guter Thriller aus, dass er mich irgendwann eiskalt erwischt.

Alles was ein Top-Thriller braucht.

Bewertung vom 29.10.2020
Weihnachten am Ku'damm
Riebe, Brigitte

Weihnachten am Ku'damm


ausgezeichnet

** Mit Sprüchen wie "Wer hungern kann, der kann auch frieren", versuchten die Berliner irgendwie diese schwere Zeit zu meistern, aber es war deutlich zu merken, dass ihnen ihr berühmter Humor langsam ausging, so prekär war die aktuelle Lage. **

Wer - wie ich - die "Schwestern vom Ku`damm" geliebt und verschlungen hat, der kommt an diesem kleinen Büchlein (zu einem recht stolzen Preis) nicht vorbei. Und ja, es lohnt sich!

"Weihnachten am Ku`damm" ist eine unheimlich berührende kurze Geschichte über Weihnachten `46 in Berlin, dem klirrend, kalten Jahrhundert-Hungerwinter, in dem so manch einer Nachts erfror und sogar der Tiergarten bis auf`s letzte Stämmchen abgeholzt wurde. Auch die Thalheims, denen es noch vergleichsweise gut geht, haben zu kämpfen. Flori, die Jüngste, sehnt sich einfach nur nach einem Weihnachtsbaum und niemand weiss, wie man ihr den Wunsch erfüllen kann und dann taucht auch noch ein kleiner halb verhungerter Junge vor ihrem provisorischen Lädchen am Savignyplatz auf.

Ich habe mich sehr über das Wiedersehen mit Rike, Sylvie, Flori und Miri gefreut und es sind alle mit an Bord, auch Claire, Friedrich, Carl und der Geschäftspartner Brahms. Obwohl die Thematik erst ist und man beim Lesen mittendrin steckt in der Kälte und die abgefrorenen Finger spürt, schafft Brigitte Riebe immer wieder eine tolle, herzliche Wärme in die Geschichte zu bringen. Die Thalheims sind wie sie sind und bestimmt nicht immer einfach, aber sie haben ein großes Herz (alle miteinander) und eine unheimlich liebevolle Art. Das kommt hier ganz besonders zum Vorschein.

Ich habe diesen kleinen winterlichen Abstecher sehr genossen und hoffe immer noch, dass es nicht das letzte war, was man von den Thalheims gehört hat. Diese Familie hat noch so viel zu erzählen.....

Bewertung vom 29.10.2020
Rebellen lieben laut
Stehfest, Eric; Stehfest, Edith

Rebellen lieben laut


sehr gut

** Äußerlich haben sich die beiden Ex-Junkies verändert, unter großen Schmerzen eine neue Form angenommen. Sie sind miteinander fusioniert, schenken dem "Schau in den Spiegel"-Jahr zweitausendzwanzig ein Gesicht. **

Ein schonungsloser, offener Blick in das Leben, die Visionen und die innere Heilung der Stehfests.

Der Schreibstil aus "9 Tage wach", den ich damals den Drogen zugeschrieben hatte, setzt sich hier fort und grade zu Beginn fand ich das unheimlich anstrengend. Zudem schafft er eine gewisse Distanz, so dass ich erst ab dem 2. Drittel so richtig emotional dabei war, aber dann mit voller Wucht. Zu dem Schreibstil lässt sich schwer etwas sagen, es ist ein Mix, teilweise unheimlich rasant, abgehakt, abstrakt, poetisch, verletzlich....

Hier kommt alles auf den Tisch, ganz uneitel und ungeschönt geht es um Selbstfindung, Fehltritte und Rückschläge, Selbstverwirklichung, Sexualität und Eifersucht, Selbstvertrauen, Visionen und den Weg zur Heilung.

"Rebellen lieben laut" ist ein Weckruf an jeden Einzelnen. Und auch, wenn ich mich nicht unbedingt mit den beiden identifizieren kann, nimmt man viele Denkanstöße mit. Es ist an der Zeit seine Emotionen nicht mehr zu unterdrücken, Verborgenes an die Oberfläche zu holen damit es atmen und dann heilen kann. Und es ist an der Zeit offener miteinander umzugehen, zu leben und zu lieben und leben und lieben zu lassen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.10.2020
Sturm über Formosa
Vanek, Tereza

Sturm über Formosa


sehr gut

** Ihre eigentliche Herausforderung wäre auch hierzulande nicht das Erlernen von Sprachen, bei denen alle Wörter ähnlich klangen, oder der Umgang mit Menschen, die ihren Feinden den Kopf abschnitten. Sie musste erst einmal einen Weg finden, mit ihrer störrischen, feindseligen Stieftochter unter einem Dach zu leben, ohne sich jeden Tag zu wünschen, sie hinauswerfen zu können. **

Unterschiedlicher könnten zwei Frauen nicht sein. Die junge Holländerin Griet, die genau weiß, was sie will und leidenschaftlich dafür kämpft und die im goldenen, chinesischen Käfig aufgewachsene Qianqian. Beide verschlägt es auf ganz verschiedene Art und Weise nach Formosa, eine exotische Insel im Pazifik.

"Sturm über Formosa" ist ein hervorragend recherchierter historischer Roman, in dem es um die Kolonialherrschaft der Holländer und den Kampf der neuen chinesischen Machthaber um Taiwan geht. Dieser Part ist unheimlich interessant, sehr detailliert und politisch motiviert geschildert. Ein Tiefgang, den ich bei Griet und Qianqian im Verlauf manchmal ein ganz klein wenig vermisst habe. Ihre Geschichten bilden den Rahmen für den Roman und sind in zwei Handlungsstränge unterteilt, die an einem bestimmten Punkt zusammenlaufen.

Tereza Vanek hat sehr unterschiedliche und doch in ihrer jeweiligen Art unheimlich starke Frauencharaktere geschaffen, die großartig vorgestellt werden. Man hat als Leser ein ganz klares Bild von ihnen und ihrer Situation vor Augen. Doch ab einem gewissen Zeitpunkt reduzieren sie sich immer häufiger auf die Liebe. Mir hat da ein wenig der - mit Sicherheit - interessante Alltag und damit auch etwas an Tiefgang gefehlt.

Es war mein erster Roman der Autorin und ich war völlig fasziniert von der akribischen Recherche und der Entführung in eine völlig fremde und mir immer noch recht unbekannte Welt. Das hat mir unheimlich gut gefallen. Zudem ist ihr Schreibstil flüssig und ihre Charaktere unverwechselbar. Das ist besonders bei der Vielzahl sehr angenehm.

Fazit: Ein toller historischer Trilogie-Auftakt, der den Leser in unbekannte exotische Welten entführt. Ein kurzweiliges Lesevergnügen und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.