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papilionna

Bewertungen

Insgesamt 97 Bewertungen
Bewertung vom 14.08.2025
Williams, Hattie

Bittersüß


ausgezeichnet

In diesem Buch habe ich mich unangenehmerweise total wiedergefunden. Nicht, dass ich eine ansatzweise vergleichbare Geschichte erlebt hätte, aber ich glaube, dass ich genauso sehenden Auges in mein Unglück rennen würde wie die Protagonistin Charlie.

Als Presseassistentin bei einem renommierten Verlag bekommt Charlie die Möglichkeit, ihren Lieblingsautor Richard Aveling kennenzulernen – und aus der Begegnung entspinnt eine Affäre, die Charlie mit zerstörerischer Intensität aus der Bahn wirft.

Ich konnte das Buch, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen. Schon im Prolog ist klar, dass diese Beziehung kein gutes Ende nehmen wird und doch kann man nicht anders, als Charlie auf dem Weg in den Abgrund gebannt zu verfolgen.
Die Protagonistin Charlie ist eine authentische Anfang 20-Jährige. Sie sucht nach ihrem Platz auf der Welt, wohnt in einer WG mit Gleichgesinnten und hat seit dem frühen Tod ihrer Mutter mit Depressionen zu kämpfen. Dass sie sich mit einem 30 Jahre älteren Mann einlässt, mag unvernünftig klingen, ist aber ihrem Wunsch nach Bestätigung und Zugehörigkeit geschuldet. Sie weiß, dass diese Beziehung kaum Zukunft haben kann und nimmt die Bedenken ihrer Freunde wahr, doch ist eingelullt von unausgesprochenen Versprechen und ihrer eigenen Hoffnung.
Ich fand „Bittersüß“ fantastisch – auch wenn ich es vielleicht kein zweites Mal lesen würde.

Ich freue mich auf weitere Bücher von Hattie Williams!

Bewertung vom 14.08.2025
Feldmann, Regina

Einfach Weike - Nicht perfekt, aber genau richtig


sehr gut

Weike hat es nach dem Umzug aufs Dorf nicht leicht. Als Neue in der Klasse will sie nicht gleich zu den Außenseitern zählen und die coole Mädchentanzclique macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Dabei will Weike insgeheim selbst tanzen!

Der Roman greift wichtige Fragen sensibel auf, ist mir persönlich aber zu schnell erzählt und versucht zu viele Themen unter einen Hut zu bekommen, die mehr Raum verdient hätten. Mit 144 ist er recht dünn und hätte meiner Meinung nach noch Spielraum für Figurenentwicklung gehabt.
Beispielsweise wird Weikes Zwiespalt zwischen ihren Werten und dem Wunsch zu tanzen nicht wirklich aufgelöst. Ich hätte mir gewünscht, dass aufgezeigt wird, dass man auch Teil von verschiedenen Freundesgruppen sein kann, ohne seine Überzeugungen aufzugeben.

Toll finde ich aber, dass Problematiken wie familiärer Verlust und Alltagsrassismus mit viel Fingerspitzengefühl behandelt werden. Man kauft Weike ihre Gefühle wirklich ab und die Autorin schafft es, sie altersgemäß wiederzugeben.

Bewertung vom 05.08.2025
Schoenwald, Sophie

Die großen Spiele im Zoo


ausgezeichnet

"Die großen Spiele im Zoo" ist bereits der siebte Band der Zoo-Reihe von Sophie Schoenwald und nach Karneval, Weihnachten und weiteren Abenteuern haben sich Direktor Ungestüm und Ignaz Igel etwas ganz Besonderes ausgedacht: die zoolympischen Spiele!

Die Zootiere treten in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an und am Ende zeigt sich: jeder hat seine eigenen Stärken und dabei sein ist sowieso alles. Die Handlung wird durch Günther Jakobs' fantastische Illustrationen ergänzt, die detailreich und verspielt, aber nicht überladen sind. Auf jedem Bild gibt es eine Menge zu entdecken und die Gesichtsausdrücke der einzelnen Tiere sind manchmal so herrlich menschlich, dass man sich kringeln könnte.

Ich finde es toll, wie dieses Bilderbuch Kindern den Gedanken von Fairness und Spaß am Sport nahebringt und aufzeigt, dass man sich nicht immerzu mit anderen vergleichen sollte. Ich fände jedoch schön, wenn noch erwähnt worden wäre, dass Verlieren per se nichts schlechtes ist und zum Leben manchmal dazugehört.

Bewertung vom 04.08.2025
Rundberg, Johan

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben (MP3-Download)


sehr gut

"Mika Mysteries" ist nichts für schwache (Kinder-)Nerven. Dieser erste Band, "Der Ruf des Nachtraben", nimmt seine Leser*innen mit ins eisig kalte Stockholm des Jahres 1880, wo Hunger, Kälte und Tod an der Tagesordnung sind. Die zwölfjährige Mika lebt zu dieser Zeit in einem Waisenhaus und als es heißt, dass ein tot geglaubter Serienmörder wieder sein Unwesen treibt, wird sie selbst in die Ermittlungen verstrickt.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und konnte der Handlung dank Julia Nachtmanns fabelhafter Darbietung sehr gut folgen.

Die aufgeweckte, scharfsinnige Mika ist eine tolle Protagonistin. Mit ihren cleveren Beobachtungen und ihrer Kombinationsgabe bringt sie die Erwachsenen um sich herum zum Staunen, gleichzeitig wird sie als empathisches Mädchen dargestellt, das authentisch auf die schrecklichen Dinge reagiert, die es mitbekommt.

Ich persönlich finde die Altersangabe ab 10 Jahren allerdings etwas gewagt. Im Buch kommen wirklich viele Leichen und Elend vor und ich kenne einige Kinder in dem Alter, die das nicht (unbegleitet) lesen sollten.

Bewertung vom 04.08.2025
Qunaj, Sabrina

Hearts & Horses - Reiten, Rockstar und das große Glück


ausgezeichnet

„Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist der Auftakt der romantischen Pferdebuchreihe „Hearts & Horses“ der Autorin Sabrina Qunaj. Die Protagonistin Mia musste in den vergangenen Jahren viel durchmachen: ihre Mutter stirbt bei einem Reitunfall, daraufhin wird deren geliebtes Pferd Tiago verkauft und Mias Vater verbietet ihr den weiteren Umgang mit Pferden und allen, die damit zu tun haben. Jahre später findet sie das Pferd bei einem Showstall wieder, doch der Wallach ist komplett zurückgezogen und scheint sie nicht mehr zu kennen. Einzig der Junge Arvid kann zu ihm durchdringen, doch er verbirgt eigene Geheimnisse vor Mia.

In zwei Perspektiven, Mias und Arvids, wird die Geschichte einer ersten Liebe erzählt, der auf beiden Seiten Hindernisse im Weg stehen. Das Setting im Pferdestall bildet den passenden Rahmen.

Die Autorin war mir bisher kein Begriff, konnte mich aber mit ihrem einnehmenden Schreibstil von sich und ihrer Geschichte überzeugen. Das Buch ist nicht kitschig, sondern beschreibt einfühlsam Mias Gefühlswelt, die zwischen dem Verlust ihrer Mutter und den aufkeimenden Gefühlen Arvid gegenüber hin- und hergerissen ist.

Bewertung vom 18.07.2025
Rebanks, Helen

Die Frau des Farmers


gut

Helen Rebanks räumt mit dieser Autobiografie mit dem Klischee der "Bauersfrau" auf, indem sie aufzeigt, wie sich der Alltag einer modernen Farmerin gestaltet. Die Rahmenhandlung bildet ein Tag in ihrem vielbeschäftigten Leben, wo zwischen Familie, Haushalt und Hof nur wenig Zeit zum Aufatmen bleibt. Dazwischen erzählt sie die Geschichte ihrer Familie, Anekdoten ihres Lebens und teilt ihre liebsten Rezepte.

Ich finde die Grundidee des Buchs schön, hatte mit der Umsetzung aber meine Probleme. Die unbeständige Erzählweise, in der ständig zwischen Zeitebenen hin- und hergesprungen wird, erschweren flüssiges Lesen. Teilweise gibt es mehrere Rezeptseiten hintereinander, in denen aber einzelne Paragraphen der "eigentlichen" Geschichte wie versteckt sind. Für mich hat sich das Lesen so sehr unrund angefühlt, ich musste immer aufpassen, in welcher Zeit wir gerade sind.

Inhaltlich ist das Buch aber schon interessant, es zeigt die unromantische, teils brutale Seite des Lebens auf dem Land, wo Leben und Tod mitunter Hand in Hand gehen. Ich hätte mir sogar weniger Fokus auf die Vergangenheit und mehr auf das heutige Leben von Farmern gewünscht.

Bewertung vom 07.07.2025
Tunnicliffe, Hannah

Detektiv Stanley und das Geheimnis im Museum


sehr gut

Detektiv Stanley wird am ersten Tag seines Ruhestands direkt in seiner Erholung gestört - ihn erreicht ein Hilferuf aus dem örtlichen Museum, denn dort hat augenscheinlich ein Einbruch stattgefunden.

In nostalgischem Retro-Comicstil löst Detektiv Stanley diesen Fall. Dabei erinnert er nicht nur optisch an Sherlock Holmes, sondern wendet auch dessen typische Methode der Deduktion an.
Die Nebencharaktere sind teilweise klischeehaft, das stört aber nicht, da es zum gemütlichen Lesegefühl beiträgt. Das Buch erinnert so an Geschichten, Filme und Serien, die man vielleicht von früher kennt.

Der Zeichenstil ist nicht komplett mein Fall, da ich ihn persönlich zu grob und übersättigt finde. Er ergibt im künstlerischen Kontext der Geschichte aber total Sinn und mir gefallen die vielen Kleinigkeiten, die es im Hintergrund zu entdecken gibt.

Bewertung vom 07.07.2025
Walder, Vanessa

Nightmore - Das gruseligste Internat der Welt. Plötzlich Werwolf [Band 1 (ungekürzt)] (MP3-Download)


sehr gut

Fynn wirkt auf den ersten Blick wie ein normaler Junge, doch durch ein kleines Missgeschick ist er zum Werwolf geworden und muss nun auf das Internat Nightmore gehen. Dort findet er es allerdings schrecklich und als ihm die Dämonin Sinista einen Ausweg anbietet, zögert er nicht lang.

Diese gruselige Erstlesergeschichte ist super für Leseanfänger, die es gern ein bisschen spooky haben. Die Charaktere sind witzig und kindgerecht und die Handlung geht rasant voran. Mir persönlich geht es fast etwas zu schnell, besonders am Anfang purzelt man mit Fynn in die Geschichte und weiß eigentlich noch gar nicht, was Sache ist. Dies liegt aber natürlich in der Natur von Erstlesebüchern, die nicht viel Spielraum für Exposition bieten.

Bewertung vom 30.06.2025
Henry, Emily

Great Big Beautiful Life


sehr gut

Emily Henrys neues Buch hat mich von der Handlung her direkt an Taylor Jenkins Reids "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" erinnert, welches zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Die Prämisse ist auch sehr ähnlich: Journalistin wird von gealterter Society-Dame eingeladen, ihre Memoiren zu verfassen. Emily Henry gibt der Geschichte ihren eigenen Twist, da es hier einen konkurrierenden Journalisten gibt, durch den das Buch auch eine romantische Nebenhandlung bekommt.

Mir gefällt, dass das Buch durch die nebenbei erzählte Lebensgeschichte von Margaret Ives weniger flach ist als einige andere Bücher der Autorin. Ich war damals begeistert von "Beach Read", fand ihre späteren Bücher aber deutlich schwächer. Hier hat sie meines Erachtens eine gute Balance zwischen Romcom und Drama geschaffen.

Der romantische Aspekt des Buchs ist gut beschrieben, geht mir persönlich aber etwas zu schnell. Vor allem Haydens anfängliche Reserviertheit hätte meiner Meinung nach gern noch länger andauern können.

Insgesamt ist Emily Henrys neuestes Buch aber eine tolle Sommerlektüre.

Bewertung vom 23.06.2025
Willbrand, Klaus;Razumovych, Daria

Einfach Literatur


ausgezeichnet

Ich kannte die Videos des Antiquariats Willbrand von Instagram, hatte aber überhaupt nicht mitbekommen, dass Klaus Willbrand im Januar verstorben ist. Umso mehr freue ich mich, dass ihm mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt wurde und sein weitreichendes Wissen verewigt wurde. Schade, dass er die Veröffentlichung nicht mehr erleben konnte.

Wie man dem Klappentext entnehmen kann, macht das Buch keine Vorgaben, welche Bücher man gelesen haben "muss". Willbrand gibt natürlich persönliche Empfehlungen, bietet aber insgesamt einen Überblick und beleuchtet dabei auch Autor*innen, die weniger bekannt sind. Somit ist das Buch vielmehr eine Einladung, aber auch ein Wegweiser durch großartige Literatur.

Dazwischen gibt es biografische Einschübe, in denen natürlich besonders Klaus Willbrands Beziehung zum Lesen und der Literatur im Mittelpunkt steht. Auch seine Freundschaft zu Ko-Autorin Daria Razumovych wird beschrieben und man kann sich nur vorstellen, wie bereichernd diese für beide Beteiligte gewesen sein muss.

Klaus Willbrand wusste einfach, wovon er redet. Meine Leseliste ist durch die Lektüre dieses Buchs auf jeden Fall angewachsen!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.