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Benutzername: Lila Lula
Wohnort: Dresden
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Bewertungen

Insgesamt 20 Bewertungen
12
Bewertung vom 19.11.2020
Follower
Engel, Gunnar

Follower


ausgezeichnet

Pastor Gunnar Engel ist in der christlichen Szene kein Unbekannter mehr. Über seine YouTube Videos, Blogbeiträge, Instagram-Posts und verschiedene Podcasts erreicht er nicht wenige Menschen aus den unterschiedlichsten Altersgruppen, die vermutlich alle eins gemeinsam haben: Sie wollen Gott näher kommen. Sicher wird ihm deshalb auch immer wieder die Frage gestellt, wie das gehen soll - worauf dieses Buch antwortet.

Inhaltlich handelt es sich um eine Mischung aus Bibelarbeit, generellen Überlegungen dazu, wie Nachfolge funktionieren kann und aus persönlichen Erfahrungen. Dabei zeigt Pastor Engel ganz offen und ehrlich, dass auch Pfarrer nur Menschen sind und entsprechend manchmal an ihre Grenzen geraten. Erfrischend ist dabei auch die Perspektive: Während viele Bücher auf dem christlichen Markt aus eher evangelikalen Kreisen stammen, ist Pastor Engel in einer lutherischen Landeskirche verwurzelt. Entsprechend rücken auch in Bezug auf Gemeinde u.ä. andere Themen in den Fokus, die einen die eigene Gemeinde in einem neuen Licht sehen lassen.

Während Gemeinde eine große Rolle spielt, geht es in "Follower" jedoch hauptsächlich um die persönliche Gottesbeziehung. Anhand starker biblischer Charaktere zeigt Pastor Engel, wie ein Berufungsmoment aussehen kann - und wie darauf (idealerweise) reagiert wird. "Hier bin ich, sende mich" heißt es immer wieder und entsprechend gliedert er auch sein Buch und fokussiert sich auf die einzelnen Aspekte dieser Aussage.

Die Sprache des Buches ist authentisch und ehrlich, leicht verständlich auch für etwas kirchenferneres Publikum und insofern für fast jede Lesergruppe geeignet. Dabei dürfte das Buch vor allem junge Menschen sehr ansprechen. Wer auf der Suche nach hochgeistiger Lektüre ist, wird mit diesem Buch vielleicht nicht sonderlich glücklich werden. Trotzdem sollte sich keiner, den Cover und Klappentext ansprechen, von der Lektüre abschrecken lassen, denn letztendlich kann wirklich jeder etwas aus diesem Buch für sich mitnehmen.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2020
QualityLand 2.0 / QualityLand Bd.2
Kling, Marc-Uwe

QualityLand 2.0 / QualityLand Bd.2


ausgezeichnet

Wieder einmal entführt Marc-Uwe Kling, äh, die E-Poetin Kalliope 7.3 ihre Leser in ein Land in nicht allzu ferner Zukunft. Wieder einmal begegnet man altbekannten Charakteren. Doch wo in ihrem ersten Roman, "Qualityland - Peters Problem" tatsächlich 'nur' ein Systemfehler im Vordergrund stand und der Unterhaltungsfaktor vornehmlich aus den Figuren entwuchs, kommt in "Kikis Geheimnis" ein Mysterium dazu und ein ordentlicher Spannungsfaktor.

Der Roman setzt eine Weile nach dem Ende des Vorbands ein. Von ihren vorherigen Abenteuern erholt haben sich die Charaktere mehr oder weniger in ihrem neuen Leben eingerichtet. Peter arbeitet als professioneller Maschinentherapeut während Martin Vorstand seine Existenz neu begründen muss. Kiki ist hingegen von der Bildfläche verschwunden - doch nicht lang, denn schließlich ist es ihr Geheimnis, welches gelöst werden will. Ein mysteriöser Killer ist ihr auf der Spur und die einzige Möglichkeit, ihn zu finden, scheint darin zu bestehen, ihn zu finden und das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften.

In gewohnter Manier erzählt Kling von einer Gesellschaft mit viel Verbesserungspotential und spart dabei nicht an Kapitalismus- und Neoliberalismus-Kritik. Wenn auch nicht ganz so scharf wie in seinen Kängurubüchern, so ist der Grundtenor doch gleich und wer davon nichts wissen oder lesen will, sollte die Finger von diesem Roman lassen.

Wem jedoch "Qualityland" gefallen hat, der sollte auch hier einen Versuch wagen. Meiner Meinung nach ist der Roman noch besser geworden als sein Vorgänger - weniger obszön, dafür wesentlich spannender und mit vielen überraschenden unterhaltsamen Wendungen. "Qualityland 2.0" entführt zwar in eine fremde Welt, doch wie so oft ist sie gar nicht so fremd und man erkennt doch vieles wieder. Gewissermaßen also eher eine Realsatire, die zum Nachdenken über die eigenen Einstellungen anregt.

Um es mit Kalliope 7.3 zu sagen: Ich habe es ja erst nicht geglaubt, aber das Produkt ist wirklich so toll! Das klingt super. Danke, Gaby. Ihr solltet euch auf jeden Fall auch eines zulegen.

Bewertung vom 11.11.2020
Westwind
Harvey, Samantha

Westwind


sehr gut

In ihrem Roman "Westwind" entführt Samatha Harvey ihre Leser in eine längst vergangene Zeit. Eine naturgemäß junge Dorfgemeinschaft wird vom Tod eines bedeutenden Mitglieds erschüttert und versucht, damit klarzukommen. Gleichzeitig versuchen aber aus auswärtige, die Lage aufzuklären - denn dieser Tod kann kein Zufall gewesen sein! Im Zwiespalt der Interessen steckt John Reve, Priester der Gemeinde, der als Sheriff ermitteln soll, wer für den Tod von Thomas Newman verantwortlich ist. Doch geht das so leicht?

Sowohl das Wetter als auch die Begebenheiten in diesem Buch sind nicht schön. Vielleicht ein wenig wie in "Sturmhöhe" sind die guten Charaktere rar und wohl kaum eine Figur mag oder hasst man am Ende des Buches so sehr wie zu Beginn. Die Welt, die Harvey zeichnet, ist eine düstere, erfüllt mit Kälte und Nässe, mit Grautönen und durch und durch unangenehm. Anders vielleicht als bei manch anderem historischen Roman möchte in diesem Mittelalter niemand leben.

Von den anderen Mittelalter-Romanen unterscheidet sich dieses Buch auch durch seine Sprache. Mit gekonnten Formulierungen lässt Harvey einen gebildeten Ich-Erzähler sprechen, der noch dazu seine Geschichte von hinten aufwickelt und chronologisch rückwärts berichtet.

Gemeinsam hat es, dass man an einigen Stellen die Augen zudrücken muss, was die historische Akkuratheit anbelangt. Auch aus theologischer Perspektive passt nicht alles ganz zusammen - so scheint John Reve zwar tief gläubig zu sein und wenn es nötig ist ein paar passende theologische Finten parat zu haben, ein tieferes Verständnis für die Grundansichten der Kirche der damaligen Zeit fehlt jedoch.

Trotz allem ist der Roman unterhaltsam und spannend. Manche Passagen sind etwas langatmig und erdrücken einen regelrecht, insgesamt lässt er sich jedoch gut lesen. Empfehlen würde ich das Buch allen Fans der Zeit und allen, die gern eindrücklich erzählte Geschichten lesen.

Bewertung vom 17.09.2020
Omama
Eckhart, Lisa

Omama


gut

Als ich Lisa Eckharts erste Auftritte gesehen habe, gehörte ich, ehrlich gesagt, eher zu den Skeptikern. Zu provokativ, zu auffällig, zu dramatisch. Doch nach einer Weile habe ich ihr doch noch einmal eine Chance gegeben und war erstaunt, wie sie sich gemausert hat. Der Weg, den sie gewählt hat, ist sicher kein leichter - zumal sie es sich ja zum Ziel gesetzt haben zu scheint, früher oder später jeden mindestens einmal anzufeinden. Hat man jedoch einmal den eigenen gekränkten Stolz überwunden, kann man ihre kunstfertige Art bewundern. Ihre Bühnenauftritte sind keine Zufallsprodukte sondern sorgfältig ausgefeilte Performances und das merkt man auch in "Omama": Jedes Wort ist genau ausgewogen, geschickt platziert und trifft haarscharf zu. Rhetorisch sind die Erzähleinheiten ein Meisterwerk.

Aber (es musste natürlich kommen) als Gesamtwerk funktioniert das Buch eher mäßig. Wie bereits erwähnt, liest sich der Roman wie einer ihrer Auftritte - nur dass dieser eben, je nach Lesegeschwindigkeit, über sieben Stunden dauert. Bei den normalen Auftritten, 10-15 min, ist man danach schon ziemlich geschafft - hier ist das ganze um das 30ig-fache potenziert. Und so findet man zwar gut in den Text rein, hat aber nach einer Weile keine Lust mehr, weiter zu lesen. Der Leser wird von einer haarscharfen Beobachtung zur nächsten Pointe zur nächsten Philosopherei quer durchs Gemüsebeet gejagt und schon bald geht einem die Puste aus. Und weil man weiß, dass die Hatz jedes Mal, wenn man das Buch aufnimmt, weiter geht, vergeht einem irgendwann ganz die Lust am Lesen.

Der Fehler hängt, meiner Ansicht nach, in der Formatierung des "Romans". Statt alles durcheinander zu wurschteln, manchmal nur mit halb erkennbarem roten Faden, hätte dieses Buch so viel mehr sein können. Eine Sammlung von Erzählungen zum Beispiel. Kürzer und pointierter als die Kapitel und dadurch leichter, vielleicht auch mal zwischendurch zu lesen. Im Zweifelsfall hätten auch ein paar Zwischenüberschriften gereicht, um das Buch aufzulockern. So wirkt es nicht nur erschlagend, sondern ist es auch.

Da es ein Roman ist anbei noch ein paar Worte zur Geschichte. Die "Omama", die eigentlich eine Großmutter ist (was natürlich die Frage aufwirft, warum das Buch nicht so benannt wurde) ist ein ziemlicher Charakterkopf. Nicht unbedingt symphatisch, aber auch nicht zwingend unsymphatisch. Eine Entwicklung der Figur innerhalb des Buches ist, abgesehen vom Alter, eher nicht zu sehen. Aber die Großmutter steht ja auch nur scheinbar im Mittelpunkt, denn eigentlich sind es die anderen Charaktere, die im Vordergrund stehen. Die Inge zum Beispiel, die zwar auch kein sonderlich tiefer, dafür aber sehr lustiger Charakter ist. Oder die Wirtin, die von allen Figuren am lebendigsten wirkt. Man kann natürlich sagen, dass Lisa Eckhart nichts dafür kann, dass ihre Hauptfiguren, da dem echten Leben entnommen, zeitweise etwas langweilig sind, aber dem möchte ich entgegen halten, dass a) jede Person spannend wird, wenn man nur lang genug "im Dreck" wühlt und irgendwelche Charakterticks entdeckt, die dann auf der Romanbühne entwickelt werden können und v.a. dass b) ein Roman nicht ohne Grund nicht Biographie heißt. Dem ("toten") Autor ist alles erlaubt und er sollte sich nicht von der rein zufällig ähnlichen Realität einschränken lassen in dem, was er mit seinen Figuren und der Handlung anstellt.

Insgesamt bin ich mit meiner Empfehlung für "Omama" eher zurückhaltend. Man braucht viel Geduld, viel Durchhaltevermögen und sollte sicherheitshalber vorher überprüfen, ob man mit Lisa Eckharts Art klar kommt. Fans ihrer ausgefeilten Texte sei das Buch jedoch empfohlen, denn zumindest aus dieser Hinsicht steht es ihren Auftritten in nichts nach.

Bewertung vom 30.06.2020
Tochter Gottes, erobere die Welt / Tochter Gottes Bd.2
Hammond, Inka

Tochter Gottes, erobere die Welt / Tochter Gottes Bd.2


gut

Als Inka Hammond vor einigen Jahren ihr Buch "Tochter Gottes, erhebe dich" auf den Markt brachte, war ich - wie viele andere Leserinnen vermutlich auch - ziemlich baff. Und begeistert! Sie sprach Dinge mutig und aus einer neuen Perspektive an und hat sicherlich viele Frauen dazu gebracht, ihr Leben zu überdenken und neue Wege zu gehen. In diesem *neue-Wege-gehen* möchte sie nun mit "Tochter Gottes, erobere die Welt" unterstützen. Doch mit dem ersten Band im Hinterkopf sind die Erwartungen an dieses Buch wohl zu hoch, um erreicht zu werden.

Sprachlich gibt es dabei nichts auszusetzen. Inka Hammonds Schreibstil nimmt den Leser mit, ist reich an Bildern und kann dadurch auch durchaus berühren. Von der reinen Leseerfahrung her ist es also kein schlechtes Buch.

Was mich an "Tochter Gottes, erhebe dich" besonders angesprochen hatte, waren die vielen Berichte aus dem Leben der Autorin. Immer wieder wurden ihre Botschaften durch eigene Erfahrungen und (Miss-) Erfolgsgeschichten untermalt und haben dem Buch damit etwas Authentisches gegeben. Im Scheitern, in der Verzweiflung, konnte man sich wiederentdecken und gemeinsam "erheben" in Richtung einer besseren Zukunft. Dieser persönliche Aspekt fehlte hier fast komplett. Stattdessen hat sich die Autorin vieler biblischer Geschichten zur Untermalung bedient - was an sich nicht schlecht ist. Wenn die Leser allerdings bereits grundsätzlich mit den Geschichten vertraut sind und vonseiten der Verfasserin keine wesentlich neue Perspektive auf die Texte geboten wird, entsteht dadurch wenig Mehrwert.

Wurde denn im ersten Buch schon alles erzählt? Beim Leser von "Tochter Gottes, erobere die Welt" entsteht durchaus dieser Verdacht. Es sind nicht nur die persönlichen Berichte, die fehlen, sondern auch neue Botschaften. Vieles wirkt aufgewärmt und manchmal wird sogar direkt auf den ersten Band verwiesen. Dazu kommt eine fast propagandistische Wiederholung ihrer Hauptbotschaft ("Bist du bereit?") und es fällt kein Wort zu denen, die vielleicht noch nicht bereit sind.

Insgesamt bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich dieses Buch bewerten und wem ich es weiterempfehlen soll. Am meisten Freude werden wohl diejenigen daran haben, die das Vorgängerbuch noch nicht kennen und mit diesem Band einsteigen. Wer "Tochter Gottes, erhebe dich" bereits kennt, wird sich sicher auch an einigen Passagen freuen können, sollte allerdings nicht mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangehen.

Bewertung vom 30.06.2020
Paradise Valley: Die Entscheidung
Meier, Carlo; ZoomCrew

Paradise Valley: Die Entscheidung


sehr gut

Nachdem Lena durch ein mysteriöses Amulett einen Hinweis darauf erhalten hat, wohin ihre Mutter vor 12 Jahren verschwunden sein könnte, hat sie sich mit ihren Freunden auf die Reise in die Sierra Nevada begeben und dort tatsächlich ihre Mutter gefunden - doch irgendwie ist alles anders als gedacht. Sie lebt im Paradise Valley zusammen mit einer Gruppe von Aussteigern, die sich vor der modernen Welt und ihren Strahlungen zu schützen versuchen. Angeführt wird die Gemeinschaft von White, einem alten Mann, der ein auffälliges Interesse an Lenas Amulett hat. Doch warum? Dem versuchen Lena und ihre Freunde auf den Grund zu gehen und geraten dabei selbst in Gefahr. Denn wenn schon nur ein Weg in das Tal hinein geht, wie viele gehen dann hinaus?

Zwischen dem Erscheinungsdatum "Paradise Valley" und "Paradise Valley: Das Verhängnis" lag kaum ein Jahr, für "Paradise Valley: Die Entscheidung" hat sich dieser Zeitraum verdoppelt - und das merkt man dem Buch an. Die Geschichte setzt direkt im Anschluss an den vorherigen Band ein und doch sind die Details irgendwie holprig. Die Charaktere wissen aus dem nichts Dinge, die ihnen (und damit in diesem Fall auch den Lesern) vorher nicht bekannt waren und so stolpert man erstmal in das Buch hinein.

Dabei ist der Roman an sich nicht weniger spannend als sein Vorgänger - erst ganz zum Schluss wird klar, worum es wirklich geht und dann darf natürlich auch ein spektakulärer Showdown nicht fehlen. (Dabei wird die Lösung unterschiedliche Leser unterschiedlich stark überraschen.)

Die Charaktere verändern sich dabei, mit wenigen Ausnahmen, innerhalb des Buches, aber auch innerhalb der Trilogie, in ihrer Persönlichkeit fast gar nicht. Die Abenteuerreise bleibt dabei also auf der wörtlichen Rede. Auch die Sprache gleicht der der ersten beiden Bände - entweder man mag es oder man mag es nicht. Die Perspektivwechsel tragen auf jeden Fall zur Spannung bei und die kurz gehaltenen Sätze und Kapitel dürften auch zurückhaltendere Leser motivieren.

Insgesamt kann ich dieses Buch und die zugehörige Trilogie aus der Warte empfehlen, dass es sich um eine spannende christliche Abenteuerreihe handelt. Und dort liegt vermutlich auch die hauptsächliche Zielgruppe. Gerade deshalb ist es aber auch schon wieder fast schade, dass christliche Themen - abgesehen von der gelebten Nächstenliebe - so gut wie gar nicht im Buch enthalten sind und auch die Risiken von spirituellen Gemeinschaften, die man gerade mit der Valley-Gruppe gut hätte beleuchten können, bleiben unberührt.

Bewertung vom 30.06.2020
Paradise Valley: Das Verhängnis
Meier, Carlo; ZoomCrew

Paradise Valley: Das Verhängnis


ausgezeichnet

12 Jahre ist es her, dass Lenas Mutter verschwunden ist, als Lena eines Tages ein Amulett geschenkt bekommt, dass ihre Mutter ihr hinterlassen hat. Doch es ist mehr als nur ein Geschenk: In ihm verborgen findet sie einen Hinweis darauf, wohin ihre Mutter damals gegangen ist. Gemeinsam mit alten und neuen Freunden begibt sie sich auf eine Reise quer durch Kalifornien, um endlich ihre Mutter kennenzulernen - doch nichts hätte sie auf das vorbereiten können, was sie tatsächlich erwartet.

Es ist selten, dass der zweite Band einer Reihe besser ist, als der erste, doch für "Paradise Valley: Das Verhängnis" kann das durchaus gesagt werden. (Was daran liegen könnte, dass die Paradise Valley Geschichte möglicherweise von vornherein für drei Bücher geplant wurde.) Während die Handlung im ersten Band ein wenig vor sich hin dümpelt, nimmt sie hier Fahrt auf und so wird das Buch richtig spannend.

Sprachlich sind die beiden Bücher sich dabei sehr ähnlich. Der Leser ist wieder voll mittendrin und erlebt hautnah, was die Charaktere denken und sehen. So gibt es auch immer wieder Stellen, an denen man ins Grübeln kommt und überlegt: Wie würde ich hier handeln? Und was ist die Lösung für all die Rätsel? Die vielen verschiedenen Handlungsstränge und Perspektiven machen die Geschichte dabei sehr unterhaltsam und am Ende ist man natürlich umso gespannter auf den dritten Teil und die Auflösung der Bedeutung des mysteriösen Amuletts.

Empfehlen kann ich das Buch allen, die auf der Suche nach einem spannenden Roman mit christlichem Hintergrund sind (wenn auch bei weitem keinem "Thriller") und besonders jungen, bisher vielleicht eher zurückhaltenden Lesern kann ich das Buch nur ans Herz legen!

Bewertung vom 30.06.2020
Paradise Valley 1
Meier, Carlo; ZoomCrew

Paradise Valley 1


sehr gut

Schon bei Dornröschen spielt der 16te Geburtstag der Protagonistin eine entscheidende Rolle und so ist es auch hier. Denn zu Lenas Geburtstagsgeschenken gehört auch ein mysteriöses Amulett, den ihr ihre Mutter hinterlassen hat - bevor sie 12 Jahre zuvor im Nichts verschwand. Ausgerechnet dieses Amulett scheint ihr einen Hinweis geben zu wollen, wo ihre Mutter zu finden ist - doch sie ist nicht die Einzige, die ein Interesse daran hat. Noch kann Lena nicht ahnen, dass es hier nicht nur um ein Geburtstagsgeschenk geht, aber schon bald fällt sie kopfüber ins Abenteuer und macht sich gemeinsam mit neuen und alten Freunden auf die Suche nach dem Geheimnis des Amuletts.

Carlo Meyer, der Autor von "Paradise Valley", ist, zumindest in meinen Augen, ein Pionier der christlichen Abenteuerliteratur. Mit den "Kaminski-Kids" richtete er sich an ein jüngeres Publikum und wendet sich jetzt mit der "Paradise Valley" Trilogie auch älteren Lesern zu. Das wird nicht nur an den Charakteren deutlich, sondern auch an den behandelten Themen: Essensverschwendung, Kriminalität und die Herausforderungen des modernen Lebens.

Das Buch liest sich dabei sehr flott - vom Schreibstil im "stream of conscious" verfasst: Man liest, was die Charaktere denken und nimmt (fast) alles genauso wahr, wie sie es sehen. Die Sprache wurde dabei mit "netten Schimpfwörtern" u.ä. an die Zielgruppe angepasst. Zusätzlich sind die Kapitel kurz gehalten und ermutigen so vielleicht auch den einen oder anderen "Lesemuffel", zu diesem Buch zu greifen.

Inhaltlich hatte ich ein wenig mehr erwartet. Die Geschichte kommt irgendwie nicht wirklich voran, wirkt unnötig gestreckt, um mehr Inhalt für die folgenden Bücher übrigzulassen. So hat man das Gefühl, dass fast nichts passiert und auch die Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Buches kaum. Dazu kommen ein paar kulturelle Fettnäpfchen (die sich schwer umgehen lassen, wenn man von einem Ort am anderen Ende der Welt schreibt), ein interessanter Sprachmix und ein paar Hänger, an denen die erzählten Ereignisse nicht ganz zusammen passen. (Und das mal ganz abgesehen davon, dass die Beschreibung der Charaktere im Buch so gut wie überhaupt nicht zu den Abbildungen auf dem Cover passt.)

Insgesamt hat mich das Buch weder negativ noch positiv großartig überrascht. Es braucht einen Moment, bis man sich an den Schreibstil gewöhnt hat, aber dann fällt er kaum noch auf und man kann sich voll auf die Geschichte konzentrieren. Zum Schluss bleibt viel Neugier auf die nachfolgenden Bände und darauf, wie die Geschichte um das Amulett wohl weitergeht.

Bewertung vom 17.06.2020
Offene See
Myers, Benjamin

Offene See


ausgezeichnet

Robert ist noch reichlich grün um den Schnabel, wenn er sich aufmacht, um seinen letzten freien Sommer zu genießen. Der enge der nordenglischen Bergarbeiterstadt entflieht er, um sie durch ihr genaues Gegenteil zu ersetzen: die Weite der Landschaft des Nordens und des Meeres. Seine Reise ist an sich schon abenteuerlich, aber sein größtes Abenteuer ist vermutlich das, welches am kleinsten erscheint: Der Moment, indem er sich entschließt, seine ständige Wanderschaft zu unterbrechen und - zumindest für einen Moment - sesshaft zu werden. Dabei ist es ausgerechnet die etwas verschrobene Dulcie, die ihn dazu bringt, zu bleiben - und es ist nicht nur Robert, der von ihrer Freundschaft profitiert.

Mit seinem Roman "Offene See" stellt sich Benjamin Myers in die Tradition großartiger Romane, die sich mit dem England der Nachkriegszeit und dem Leben der Jugendlichen dieser Zeit beschäftigen. Dabei sind Roberts Erlebnisse gleichzeitig zum Teil so zeitlos, dass man sie auch heute noch nachempfinden kann. Der Sommer, den Myers beschreibt, ist dicht und süß und das Lesen des Buches ermöglicht einem selbst eine kleine Reise an die nordenglische Küste.

Auch die Charakte des Buches wachsen einem sofort ans Herz. Es gibt keinen wirklichen Antagonisten, niemanden, der die Geschichte stört. Als "Coming-Of-Age" Roman liegt der Fokus vielmehr auf dem Sich-selbst-kennenlernen und dem Erkunden der Welt und der Menschen in ihr. Dadurch, dass der Autor die Geschichte durch Roberts Augen erzählt, erlebt der Leser dieses Erwachsenwerden sehr direkt mit und lernt auch erst mit ihm mehr und mehr seine Umgebung kennen. Dabei ist das Buch so liebevoll geschrieben, voller Details und Poesie, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Wer sich zum Beispiel an Jane Gardams "Bell und Harry" erfreut hat, für den wird auch dieses Buch ein absoluter Schatz sein. Es entführt in ein Land vor unserer Zeit, das doch irgendwie noch immer unter uns schlummert und vielleicht auch nur darauf wartet, endlich (wieder-)gefunden zu werden. Besonders jungen, aber auch reiferen Lesern kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen und hoffen, dass es ihnen genauso viel Freude bereitet wie mir.

Bewertung vom 16.06.2020
krea.tief beten
Bangert, Nelli

krea.tief beten


ausgezeichnet

Glaube ist eine Vertrauensfrage. Indem wir an Gott glauben, vertrauen wir darauf, dass es ihn gibt – und vertrauen ihm, dass er es gut mit uns meint. Vertrauen ist die Basis jeder guten Beziehung. Wie aber stärkt man das Vertrauen zu Gott? Man versucht, ihm näherzukommen – zum Beispiel durch Gebet. Doch wenn man im Glauben an Gott aufgewachsen ist oder schon länger Christ ist, vernachlässigen wir diesen Aspekt oft. Wir reden nicht mehr mit Gott und wundern uns, dass unsere Beziehung schwindet. Und mit dem Schwund dieser Beziehung hören wir auch auf, Gott zu vertrauen. Verzweiflung und Angst lassen uns keine Ruhe und irgendwann sind wir dann doch wieder an dem Punkt, an dem wir Gott suchen – doch wir haben verlernt, mit ihm zu sprechen.

In diese Situation hinein spricht das neue Buch von Nelli Bangert und Mira Weiss „krea.tief beten“. Der Untertitel verspricht „Inspirationen für Herzensbegegnungen mit Gott“ und dieses Versprechen wird auch gehalten: Auf rund 250 Seiten liefern die Autorinnen nicht nur Anregungen für den Gebetsalltag und „Gebetstützen“ sondern auch viele ansprechend gestaltete Seiten mit Raum für eigene Überlegungen und Ideen.

Dabei sind ihre Ansätze unglaublich vielfältig. Von biblischen Grundlagen über gängige (aber auch eher unbekannte) Gebetsmethoden bis hin zu ganz persönlichen Anregungen ist wirklich alles dabei. Die unterschiedlichen Überlegungen sind dabei mit viel Liebe zum Detail gestaltet und die begleitenden "Journaling"-Seiten ermöglichen das Festhalten eigener Gedanken.

Es ist sicher kein Buch, das in einem Rutsch durchgelesen werden kann, aber das soll es ja auch gar nicht sein. Gleich zu Beginn laden die Autorinnen dazu ein, sich im Inhaltsverzeichnis zu markieren, welche Methoden funktionieren und was (aktuell) eher nicht passt. So kann man auch immer wieder zu Gedanken zurückkehren, die einen angesprochen habe. Gleichzeitig könnte ich mir vorstellen, dass auf langfristige Sicht in unterschiedlichen Lebensabschnitten unterschiedliche Methoden gut funktionieren, sodass Ansätze, die vielleicht aktuell nicht passen, später genau in den eigenen Lebensalltag hinein sprechen.

Ich persönlich habe das Buch als sehr wertig und wertvoll empfunden. Man nimmt es gern in die Hand, um Zeit damit zu verbringen und die zahlreichen Illustrationen und kreativen Elemente regen die eigene Kreativität an - sind aber gleichzeitig „zurückhaltend“ genug, um Raum für eigene Gedanken zu lassen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst auf neuen Wegen Gott zu begegnen und seine Nähe zu suchen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Eine kleine Begeisterung für Journaling/ kreativ sein dürfte dabei nicht schaden, ist aber kein Muss, da sich die Anregungen auch gut so lesen lassen. Generell gibt es keine Zielgruppe, der ich das Buch nicht empfehlen würde – besonders geeignet ist es aber z.B. für junge Mädchen und Frauen, die ihren Glauben gerade erst so richtig entdecken. Auch als Geschenk eignet sich „krea.tief beten“ hervorragend und stößt sicher fast überall auf Gegenliebe.

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