Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Sheena01
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 72 Bewertungen
Bewertung vom 07.08.2020
Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (MP3-Download)
Läckberg, Camilla

Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (MP3-Download)


ausgezeichnet

Gnadenlos

Charaktere:
Im Mittelpunkt der Betrachtung steht natürlich Faye, die heute so taffe Frau, die schon in jungen Jahren mit massiver Gewalt konfrontiert war und sie sie zu dem Menschen gemacht hat, die sie heute ist: die brutale Erziehung durch ihren Vater, der die ganze Familie sowohl physisch als auch psychisch terrorisierte, aber auch und sexuelle Übergriffe standen in ihrer Jugend an der Tagesordung. Auf diese Weise lernte sie mit Gewalt umzugehen und ihre Gefühle zu unterdrücken. Dass sie aber in derselben Weise abstumpfte und lernte, über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen, liegt auf der Hand. Aber so unbarmherzig sie im Geschäftsalltag und im Speziellen im Umgang mit Männern ist, so kämpferisch ist sie auch, wenn es darum geht, ihre Lieben zu verteidigen.

Cover:
Das Cover schafft es, die gesamte Geschichte in einem Bild darzustellen, dank seiner zurückhaltenden Farbgebung wirkt es sehr ausdruckstark und ist sehr schön anzusehen.

Autorin:
Camilla Läckberg ist eine sehr populäre und erfolgreiche, schwedische Kriminalschriftstellerin, deren Bücher zumeist in Fjällbacka handeln, woher die Autorin stammt. Mit ihrem Unternehmen „Invest In Her“ fördert sie Projekte junger Frauen. Camilla Läckberg lebt mit ihrer Patchworkfamilie in Stockholm.

Meinung & persönliche Kritikpunkte:
Die Geschichte ist zwar gegen Ende hin extrem spannend, trotzdem ist es weit davon entfernt, von mir die gesamte Punkteanzahl bei der Bewertung zu bekommen. Dies liegt in erster Linie an der Figur der Protagonistin Faye: auch wenn man in ihre schreckliche Kindheit kennt, und weiß, was sie bereits in jungen Jahren erdulden musste, wird sie einem im Laufe der Geschichte immer unsympathischer, weil sie mit einer unheimlich kriminellen Energie ihre Ziele zu erreichen versucht, und dabei ohne mit der Wimper zu zucken, Existenzen zerstört und als Kollateralschaden hinnimmt. Auch wenn sie ihren Exmann permanent als Psychopathen hinstellt, steht sie diesem um nichts nach, und man fragt sich an mehreren Stellen, wer hier nun tatsächlich der/die Verrückte ist.
Für mich ist diese Figur der Faye einfach extrem unglaubwürdig, denn sowohl ihr taffes Vorgehen, als Jugendliche, erst ohne jegliches Selbstvertrauen, agiert da sie überall nur Missbrauch und Gewalt erfährt und plötzlich zum Vamp mutiert, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Auch als Erwachsene ist Faye zwar sehr scharfsinnig und lässt sich so schnell nicht hinters Licht führen, doch gleichzeitig tritt sie in Liebesdingen als leichtgläubiges Naivchen auf, für mich passt dies nicht zusammen.
Allgemein, ist dieses Buch sehr klischeehaft aufgebaut, Männer werden hier aus Prinzip nur als triebgesteuerte Wesen dargestellt, die nur ein weibliches Wesen ansehen zu brauchen um bereits vor Lust zu geifern…Und dass Faye und ihre Freundinnen alle so wohlgeformt und vom Aussehen göttinnengleich sein sollen, der die Männerwelt per se zu Füßen liegt ist einfach zu viel des Guten.
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass hier viel zu viel Augenmerk auf diverse sexuelle Ausführungen gelegt wird. Wenn ich mich dafür interessiere, greife ich gleich zu einem Erotikroman, aber ich möchte damit nicht permanent zwangsbelästigt werden, wenn ich einen Thriller lese…

Sprecherin:
Von Vera Teltz als Sprecherin bin ich, ehrlich gestanden, sehr enttäuscht, mit einer unglaublichen Beharrlichkeit werden viele der Namen völlig falsch ausgesprochen – ich weiß nicht, ob sie hier ein Pseudo-Schwedisch imitieren will, oder was dafür der Grund ist. Aber so wie sie hier etwa den Namen Faye ausspricht, existiert er in keiner Sprache… Diese konsequent falsche Aussprache ist einfach nur nervend und verdirbt einem den Hörbuch-Genuss!


Fazit:
Ein an sich spannender Thriller, der durch eine schlechte Hörbuchfassung sehr beeinträchtigt wird!

Bewertung vom 03.08.2020
Sauer macht listig, 1 MP3-CD
Ziegler, Christine

Sauer macht listig, 1 MP3-CD


sehr gut

Unterschätze niemals eine betrogene Ehefrau

Inhalt & Handlung:
Elenor hat für ihre Liebe zu Paul bisher im Leben sehr zurückgesteckt, und ihr nahezu abgeschlossenes Architekturstudium abgebrochen, als sie mit ihrem ersten gemeinsamen Kind schwanger wurde. Nach dem dritten Kind ist sie zum willigen Hausmütterchen mutiert, während Paul mit seiner eigenen Firma Karriere gemacht hat. Als er ihr eines Tages eröffnet, dass er eine Affäre hat, bricht für die betrogene Elenor eine Welt zusammen, zumal Paul keine Reue zeigt, im Gegenteil, er möchte weitermachen, wie bisher! In ihrer Wut wirft sie ihn aus dem Haus, plündert das gemeinsame Konto, reicht die Scheidung ein und sinnt auf Rache.

Schreibstil:
Christine Ziegler schreibt mit viel Witz und Charme über ein eher trauriges Thema aus der Sicht Elenors.

Charaktere:
Elenor ist in ihrer Ehe mit Paul nicht unzufrieden, und glaubt, eine Vorzeigeehe zu führen. Daher fällt sie aus allen Wolken, als ihr Paul im ehelichen Bett eröffnet, eine Affäre mit einer halb so alten Studentin zu haben. Für Elenor ist dies ein Verrat an ihr und ihrer jahrelangen Loyalität zu ihm, sie verlässt ihn kurzerhand. Sie macht in diesem Buch sämtliche Phasen einer Trennung durch, von Wut und Rachegelüsten, Frustration, Verzweiflung, Stagnation aber auch Hoffnung und Lebensfreude und fast schließlich neuen Mut, ihr Leben wieder nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben.
Sie erfährt in dieser Zeit sehr viel unerwartete Hilfe, zugleich wird sie aber auch von Menschen, die sie bislang zu ihren engsten Vertrauten gezählt hatte, bitter enttäuscht.

Cover:
Das zitronenlastige, fröhliche Cover steht symbolhaft für das Buch und verbreitet schon beim Anblick gute Laune!

Autorin:
Christine Ziegler wuchs in Garmisch-Partenkirchenauf, und studierte Restaurierungswissenschaften. Danach arbeitete sie in diversen Museen. Sie lebt heute mit ihrer Familie im Großraum Münchens.

Sprecherin:
Ich finde Christina Puciata als Sprecherin ausgesprochen gut gewählt! Sie hat eine sehr angenehme Stimme, welche einen leicht trotzig wirkenden Touch hat. Dies wirkt für die Figur der betrogenen Ehefrau sehr authentisch!

Meinung:
Ich habe dieses Hörbuch über eine betrogene Ehefrau, die plötzlich vor den Scherben ihres Lebens steht und gezwungen ist, wieder von Grund auf neu zu starten, sehr genossen. Die einzelnen Phasen ihrer Selbstfindung und den mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen, ihre Lebensziele doch noch zu erreichen, wirkten glaubhaft und waren für den Leser mit ihren Höhen und Tiefen durchaus nachvollziehbar. Ich finde den trockenen Humor, mit dem Elenor ans Werk geht unglaublich witzig, die Beschreibungen sind so treffend, dass einem beim Hören vor Lachen die Tränen kommen.

Persönliche Kritikpunkte:
Obwohl ich das Hörbuch sehr genossen habe, muss ich auch sagen, dass es teilweise auch unötige Längen aufweist (etwa in der Phase, kurz nachdem Elenor in die WG gezogen war und auf ihrem Selbstfindungstrip sich selbst verliert – mag sein, dass dies ein beabsichtigtes Stilmittel der Autorin war, für mich war diese Passage zu schleppend. Auch die Feier am Ende zog sich ein wenig!

Fazit:
Alles in allem ein wirklich amüsantes Hörbuch, das einen vor Augen führt, dass es nie zu spät dafür ist, einen Neuanfang zu wagen!

Bewertung vom 02.08.2020
Der Würfelmörder / Fabian Risk Bd.4
Ahnhem, Stefan

Der Würfelmörder / Fabian Risk Bd.4


gut

Anfängliche Spannung geht durch unzählige Handlungsstränge verloren

Schreibstil:
Stefan Ahnhem schreibt flüssig und versteht es, seine Leser zu fesseln. Er beschreibt den Plot detailgetreu so anschaulich, dass man das Gefühl hat, als Zaungast vor Ort zu sein. Zudem wird dieser Thriller in unzähligen Handlungssträngen erzählt, die teilweise bis zum ersten Teil dieser Buchreihe hineinreichen.

Charaktere:
Jeder der Ermittler hat neben seiner beruflichen Arbeit mit seinen persönlichen Dämonen zu kämpfen: Da ist zum einen Fabian Risk, der derzeit eigentlich vom Dienst freigestellt ist, da sein beruflicher Einsatz in der Vorgeschichte um ein Haar seine eigene Familie ausgelöscht hätte. Mit den Nachwirkungen zu diesem Fall beschäftigen ihn auch während des aktuellen Falles und bringen seine Familie wiederum an ihre Grenzen. Zudem verdächtigt Fabian seinen Kollegen Molander, zahlreiche bis dato ungeklärte Mordfälle verübt zu haben, und ermittelt gegen diesen in seiner Freizeit auf eigene Faust. Seine Kollegin Irene Lilja muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass ihr Lebensgefährte Hampus einen Hang zur Gewaltbereitschaft hat und zudem einer rechtsradikalen Vereinigung angehört.

Cover:
Das gelbe Coverbild mit einem Würfel passt zwar thematisch gut, allerdings lässt sich dahinter nicht unbedingt ein Thriller vermuten. Aus diesem Grund hat mir persönlich das alte Cover unter dem Titel "10 Stunden tot" wesentlich besser gefallen, hier strahlte bereits das Cover etwas Unheimliches aus!

Meinung:
Ahnhem versteht es, seine Leserschaft von Anfang an mit seinem eindrücklichen Stil in den Bann zu ziehen und mitzureißen. Das Buch ist in unzählige sehr kurz gehaltene Kapitel unterteilt, indem er stets von einem Handlungsstrang in den nächsten springt, was zum Teil nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist. Was aus dem Klappentext nicht hervorgeht, ist, dass es sich bei diesem Buch um den vierten Band einer Thriller-Serie handelt, bei der die Bände aufeinander aufbauen. Daher wird man im Laufe der Geschichte plötzlich mit Figuren konfrontiert, deren Funktion bis zum Schluss des Buches nicht ganz klar ist, wenn man, so wie ich, die Vorgängerbände nicht kennt. Dies verursacht eine Flut an unterschiedlichen Namen, zu denen man – besonders zu Beginn des Buches keine näheren Informationen hat.

Persönliche Kritikpunkte:
Für meine Begriffe gibt es in diesem Buch zu viele Handlungsstränge, noch dazu reichen diese bis in die Vorgängerbände zurück. Wenn man diese Bücher allerdings nicht gelesen hat, fehlt einem eine beträchtlicher Anteil an Informationen, deren Kenntnis für dieses Buch durchaus förderlich gewesen wäre. Was es etwa mit der Figur einer Dunja Hougaard auf sich hat, lässt sich auf diese Weise nur erahnen, man erfährt hier jedoch kaum etwas über sie, daher ist der Handlungsstrang, der sich hier auf sie bezieht, für den Rest dieses Buches völlig irrelevant und eher störend, wenn man vorerst nur dieses Buch der Serie lesen möchte. Zudem fielen mir während des Lesens einige inhaltliche Fehler in dieser Geschichte auf, die vom Lektorat vermutlich übersehen worden waren. Was mich zudem störte, war die zunehmend vulgäre Sprache, derer sich der Autor bediente, auch die detaillierte Beschreibung der sexuellen Ausschweifungen und Abartigkeiten (besonders jene, die das Thema Pädophile beinhalteten, fand ich ein wenig Zuviel des Guten.

Auch mit dem Schluss des Buches bin ich nicht ganz glücklich. Es bleiben leider sehr viele Fragen offen, man gewinnt den Eindruck, als hätte der Autor einen dringenden Abgabetermin einzuhalten gehabt und deshalb kein besonderes Augenmerk auf das Ende legen können, was meine anfängliche Begeisterung für dieses Buch drastisch reduzierte.

Fazit:
Ein Buch, das sicherlich sehr spannend ist, man sollte allerdings nicht den Fehler begehen, in diese Buchreihe quer einzusteigen, sondern mit Band eins beginnen, da einem sonst wichtiges Informationsmaterial entgeht.

Bewertung vom 01.08.2020
Pandatage
Gould-Bourn, James

Pandatage


sehr gut

Herzerwärmende, lustige Geschichte

Inhalt & Handlung:
Danny Maloony hat es wahrlich nicht leicht im Leben: Nach dem Unfalltod seiner Frau ist er alleinerziehender Vater des kleinen Wills, der Junge war Augenzeuge des Autounfalls seiner Mutter und spricht seither nicht mehr. Danny bekommt mit, dass Will, in der Schule gemobbt wird, er kann ihm jedoch nicht helfen, da der Junge nicht mit ihm kommuniziert! Das Geld ist bei den beiden knapp, viele unbezahlte Rechnungen zeugen von ihrer prekären finanziellen Situation. Als Danny auch noch seinen Job verliert, und er keine neue Arbeitsstelle finden kann, muss er zwangsläufig kreativ werden, um zumindest seine Miete, mit der er massiv im Rückstand ist, bezahlen zu können: Von seinem letzten Geld kauft er sich ein Pandakostüm, um damit als Straßenkünstler sein Geld zu verdienen. Seine ersten Auftritte als Panda sind jedoch vor allem eins: mega-peinlich. Glücklicherweise bekommt Danny jedoch Schützenhilfe von der Pole-Tänzerin Krystal, die ihm Nachhilfe in Sachen Tanzunterricht gibt. Als er dann auch noch als Panda verkleidet einschreitet, als Danny wiedermal von Schulkollegen schikaniert wird, beginnt sich eine Freundschaft zwischen Will und dem vermeintlich Fremden im Pandakostüm zu entwickeln.

Schreibstil:
Die Geschichte ist flüssig und extrem humorvoll geschrieben, sodass man an vielen Stellen ob der Situationskomik herzlich lachen kann. Aber dieses Buch ist nicht nur lustig, James Gould-Bourn schafft es zusätzlich, den Leser mit seiner Wortwahl unglaublich zu berühren!

Charaktere:
Danny muss man einfach gern haben, er bekommt vom Leben viele dicke Knüppel vor die Füße geworfen, und jedesmal, wenn er am vermeintlichen Tiefpunkt angekommen zu sein scheint, erleidet er einen weiteren Rückschlag. Aber er lässt sich trotzdem nicht entmutigen, behält seine positive Denkweise bei und findet durchaus kreative Lösungen! Zudem kümmert er sich rührend um seinen kleinen Sohn Will, der nach dem Tod seiner Mutter nicht mehr spricht.
Auch Will schließt man sofort in sein Herz, auch er hat sein Herz am rechten Fleck, hält loyal zu seinem besten Freund Mo, auch wenn die beiden dadurch zur willkommenen Zielscheibe von Mobbingangriffe in der Schule werden.

Cover:
Das Cover ist mit seinem türkisen Einband sehr schlicht gehalten, und doch symbolisiert die kleine Illustration über dem Titelbild, auf der ein Panda zusammen mit einem kleinen Jungen aus dem Blickfeld des Lesers hinausspaziert, im Grunde alles, was diese Geschichte ausmacht: Die tiefe Verbundenheit eines Vaters zu seinem Kind!

Autor:
James Gould-Bourn wurde in Manchester geboren und arbeitete einige Zeit für Organisationen zur Beseitigung von Landminen im mittleren Osten und Afrika. Durch einen Kurs über kreatives Schreiben gelangte er zur Schriftstellerei.

Meinung:
Ein toller Roman, der ganz im Stile des Buches „About a Boy“ den Leser unglaublich zu berühren vermag! Auch wenn hier sehr viele Klischees bedient werden, ist es eine angenehm locker zu lesende Geschichte, die vielleicht ein wenig vorhersehbar ist, beim Lesen aber nichtsdestotrotz sehr viel Spass macht! Auch wenn sehr viele wirklich traurige und deprimierende Szenen zu finden sind, ist trotzdem eine unglaubliche Leichtigkeit vorherrschend!

Fazit:
Eine wirklich entzückende und zu Herzen gehende Geschichte, die einen noch dazu sehr zum Lachen bringt!

Bewertung vom 15.06.2020
Das eiserne Herz des Charlie Berg
Stuertz, Sebastian

Das eiserne Herz des Charlie Berg


ausgezeichnet

Die Geschichte des Hirschgulaschs

Inhalt & Handlung:
Dies ist die Geschichte des Charlie Berg, die ungewöhnlicher nicht sein kann: sie beginnt mit dem Jagdausflug Charlies und dessen Großvaters, aus dem letztlich drei Tote resultieren. Danach wird in mehreren Abschnitten Charlies Leben geschildert, beginnend mit seiner Kindheit in der er mit einer lieblosen Mutter, einem stets bekifften Vater und einer autistischen Schwester aufwächst. Seine heimliche große Liebe ist Mayra, sie jedoch beabsichtigt den Ganoven Ramón zu heiraten.

Schreibstil:
Der Autor schreibt in einer sehr flüssigen, eingängigen Form, mit der er den Leser gleich zu Beginn in seinen Bann zieht. Leider bedient er sich jedoch ab Teil zwei einer sehr deftigen, vulgären Ausdrucksweise.

Charaktere:
Was hier alle Figuren eint, ist dass sie allesamt sehr skurril gezeichnet sind: Protagonist Charlie wird mit einem schwachen Herzen geboren, in seiner Kindheit erleidet er einen Unfall, der für ihn einen phänomenalen Geruchssinn zur Folge hat. Ab diesem Zeitpunkt ist er imstande, auch die geringsten Geruchskomponenten zu benennen und richtig einzuordnen. Die Figur des Charlie wächst bei den Schilderungen seiner Kindheit richtiggehend ans Herz, als er vergeblich versucht, Lob und Anerkennung von seiner lieblosen Mutter zu ergattern. Im Gegensatz zu seiner Mutter wirkt Charlies Großmutter wie die Traumoma schlechthin, sie verfügt über ungeahnte Fähigkeiten. Sehr schräg wirkt aber auch Charlies Schwester, die nur in Form von Zitaten zu kommunizieren scheint.

Cover:
Was an diesem Buch als erstes sehr positiv auffällt ist sein wunderschönes Cover von einer Waldlandschaft, welche thematisch das ganze Buch prägt. Die eigentliche Überraschung zeigt sich für mich erst nach dem Entfernen des Schutzumschlags, denn auch der eigentliche Umschlag des Buches ist mit demselben Waldmotiv bedruckt, was sehr edel wirkt.

Autor:
Sebastian Stuertz animiert hauptberuflich Grafiken für Film und Fernsehen. Selbst am Steinhuder Meer aufgewachsen, lebt er heute in Hamburg. Mit "Das eiserne Herz des Charlie Berg" gibt er sein Debüt als Romanautor.

Meinung:
Der Beginn der Geschichte ist bezeichnend für die ganze Geschichte, er ist wie der Rest äußerst ungewöhnlich: ein an sich harmloser Jagdausflug endet unbeabsichtigt mit drei Toten. Auch beim restlichen Roman ist man vor solch ungewöhnlichen Wendungen nicht gefeit: immer dann, wenn man sich mit einem Handlungsstrang abgefunden hat, biegt die Geschichte plötzlich in verrückter Weise ab, und man wird an völlig unerwarteten Schauplätze katapultiert. Selbst der ganze Roman als solcher lässt sich nur sehr schwer einordnen: hat man es hier mit einer Liebesgeschichte der besonderen Art zu tun, einem Thriller, ein Drama, eine Familiengeschichte oder doch einer zum Teil rabenschwarzen Komödie? – Man weiß es nicht so genau, denn man findet hier jedes einzelne Genre vor. Genau das macht für mich den Reiz dieses Buches aus!

Persönliche Kritikpunkte:
Phasenweise wirkt der Roman ein wenig langatmig, zu ausschweifend, einige Stellen hätten für meinen Geschmack durchaus ein wenig gekürzt werden können, ohne dass die Geschichte darunter gelitten hätte. Zudem greift der Autor zum Teil auf eine recht derbe, fast schon vulgäre Ausdrucksweise zurück, was ich beim Lesen als weniger prickelnd empfand.

Fazit:
Ein Buch, das sich in keinerlei Schubladen pressen lässt, das einen teilweise ob der oftmals grotesken Schilderungen laut auflachen lässt, das an anderen Stellen aber auch sehr betroffen macht.

Bewertung vom 09.06.2020
Aufgetaut
Safier, David

Aufgetaut


sehr gut

Auf der Suche nach dem Glück
Inhalt & Handlung:
Aufgrund des Klimawandels löst sich ein Eisblock mit ungewöhnlichem Inhalt: Steinzeitfrau Urga und Babymammut Trö waren 33.000 Jahre zusammen im Eis eingefroren und werden durch Zufall von der Mannschaft eines Kreuzfahrtschiffes entdeckt und an Bord genommen. Nach dem Auftauen trifft Urga auf Felix Sommer, der beruflich gesehen vom Glück nicht unbedingt verfolgt worden war, dessen elfjährige Tochter und dem Kapitän des Schiffes Øyvind Lovskar, der erst vor kurzem von seiner Frau verlassen worden war. Nachdem auch die Wissenschaft von Urgas und Trös Existenz Wind bekommen hat, und diese für Forschungszwecke gewinnen will bzw. auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück flüchten obig genannte über Indien bis nach Italien.

Schreibstil:
Das Buch ist sehr einfach geschrieben, dass man es ohne große Anstrengung sehr rasch gelesen hat. Dabei setzt David Safier in seiner gewohnt humorvollen Art auf Situationskomik, sodass man während des gesamten Romans bestens unterhalten wird.

Charaktere:
Jeder der Figuren sucht auf seine Weise seinen persönlichen Weg zum Glück: Felix Sommer – allein sein Name ist schon Programm – möchte beruflich mit der Entwicklung einer Glücks-App endlich den Durchbruch schaffen, seine Tochter Maja, die sich in ihrer forschen Art als künftige Retterin der Welt sieht, Kapitän Lovar, der von seiner Frau erst vor kurzem böse „abserviert“ worden ist und nun noch noch auf die wahre Liebe hofft, und letztlich auch Steinzeitfrau Urga, die bei dem Unterfangen, sich in der heutigen Welt zurechtzufinden, unerschütterlichen Optimismus versprüht. Auch Babymammut Trö, an dessen schräger Gedankenwelt uns David Safier teilhaben lässt, ist in seiner drolligen Art einfach zu entzückend, sodass man gar nicht anders kann, als ihn sofort ins Herz zu schließen.

Cover:
Das Cover eines Buches von David Safier ist sofort an seinem orangefarbenen Grundton als solches zu erkennen. Das Bild der im Eisblock eingeschlossenen Urga auf welchem das kleine Mammut steht wirkt witzig und sorgt auch optisch bereits von Anfang an für gute Laune!

Autor:
David Safier gilt als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren, sein Markenzeichen sind extrem humorvolle Romane wie „Mieses Karma“ oder „Plötzlich Shakespeare“, welche in millionenfacher Auflage erschienen sind und auch im Ausland zu Bestsellern wurden. Auch als Drehbuchautor machte sich Safier einen Namen, so geht etwa die Serie „Nikola“ oder die Sitcom „Berlin, Berlin“ auf sein Konto. Safier verfügt über eine journalistische Ausbildung und lebt mit Familie und Hund in Bremen.

Meinung:
Dies ist ein Buch, das Humor und Gesellschaftskritik in wunderbarer Weise verknüpft: obwohl man sich ob der witzigen Beschreibungen oft vor Lachen krümmt, ist es alles andere als Klamauk, es zeigt durchaus auch Tiefe!
Seit Safiers Debütroman „Mieses Karma“ bin ich bekennender Fan seiner Bücher, so wie auch das vorliegende Buch, sprüht jedes seiner Bücher vor Ideenreichtum und Humor. Der Inhalt mag zwar ein wenig unrealistisch anmuten, aber allein der Name Safier auf dem Cover ist ein Garant für beste Unterhaltung! Auf wirklich witzige Weise wird hier die Botschaft vermittelt, das es durchaus wert ist, das Leben aus dem Blickwinkel eines anderen zu sehen.

Fazit:
Ein witziges, beschwingt-leichtes Buch mit Tiefgang!

Bewertung vom 08.05.2020
Emily und die geheime Nachtpost / Mitternachtsstunde Bd.1
Read, Benjamin; Trinder, Laura

Emily und die geheime Nachtpost / Mitternachtsstunde Bd.1


ausgezeichnet

Tolle Mischung aus Spannung und Humor!

Inhalt & Handlung:
Emilys Mutter ist bekanntermaßen seltsam, doch als sie eines Nachts einen Brief erhält, in dem sie angeblich von ihrem Verwandten um Hilfe gebeten wird, verschwindet sie spurlos. Noch mysteriöser wird die Sache, als einige Tage später auch Emilys Vater auf der Suche nach seiner Frau ebenfalls verschwindet. Noch dazu tauchen beim Haus der Familie zwielichtige Gestalten auf, sodass Emily sich zu Hause nicht mehr sicher fühlt. Zusammen mit ihrem entzückenden „Swinegel“, dem Igel Hoggins macht sie sich auf die Suche nach ihren Eltern und findet sich bald in einer seltsamen Parallelwelt wieder, in der es von Hexen, Dämonen, und Kobolden nur so wimmelt. Ist ihre Mutter vielleicht noch seltsamer als Emily es vermutet hatte? Die Frage, die Emily jedoch am meisten beschäftigt, ist: Vermag sie ihre Eltern retten?

Schreibstil:
Eine sehr originelle Geschichte, bei der der Spannungsbogen von der ersten Seite bis zum Schluss reicht. Sie ist flüssig zu lesen und bedient sich einer schönen Sprache, völlig frei von vermeintlich „hippen“ Jugendjargon.

Charaktere:
Die Protagonistin, die zwölfjährige Emily, hat man als Leser sofort in sein Herz geschlossen: sie ist ein fröhlicher Teenager, der es einfach nicht leicht hat mit seiner exzentrischen Mutter, mit der sie immer wieder in Streit gerät, weil diese sich in Emilys Augen oftmals viel zu peinlich verhält. Dies bringt Emily gleich zu Beginn der Geschichte einen langen Hausarrest ein. Emily ist nicht nur tierlieb, sie ist auch einfach ein Typ zum Pferdestehlen, was sie sehr sympathisch macht. Aus diesem Grund ist es nur naheliegend, dass man mit ihr mitfiebert, wenn sie dieses gefährliche Abenteuer zu bestehen hat.

Cover:
Dieses Cover finde ich sehr hübsch gestaltet, einerseits in recht düsteren Farben gehalten, da sich ja der Großteil der Geschichte in einer düsteren Parallelwelt abspielt, fixiert einen darauf mit wachsamen Augen Emily mit ihrem Igel Hoggins auf der Schulter. Das Beste an diesem Buch merkt man jedoch erst, wenn man abends zu Bett geht und das Licht ausschaltet: Die Titelschrift und die Laternen auf dem Cover beginnen im Dunkeln zu fluoreszieren, sodass ein Hauch Magie über dem Buch liegt!

Autoren:
Dies ist das erste Kinderbuch des Autorenduos Trindles & Read, die bereits auf eine längere gemeinsame Autorenzeit zurückblicken können. Während Benjamin sich um die Worte kümmert, zeigt sich Laura für die Illustrationen verantwortlich!

Meinung:
Ich hatte das Glück, einige sehr tolle Kinderbücher zu entdecken, dies ist definitiv ein Buch dieser Kategorie: es ist ein –nicht nur für Kinder - enorm spannender Fantasy-Roman, der noch dazu sehr geschickt aufgebaut ist, denn man wird lange Zeit darüber im Dunkeln gelassen, welches Geheimnis hinter der ohnehin schon recht schrägen Figur von Emilys Mutter steckt, und welche Bewandtnis es mit den seltsamen Gestalten hat, die plötzlich beim Haus der Familie auftauchen. Man weiß nicht, worauf diese Geschichte hinausläuft und wie sie sich entwickeln könnte, genau das macht sie so spannend! Aber auch der Humor kommt bei dieser Geschichte nicht zu kurz! Dieser erste Band einer hoffentlich längeren Reihe hat mich wirklich verzaubert, dementsprechend hoch ist meine Erwartungshaltung gegenüber den Folgebänden!

Fazit:
Eines steht fest: Wer bereit ist, sich mit Emily auf eine ungewöhnliche und fantastische Reise einzulassen, wird es mit Sicherheit nicht bereuen und dafür mit unglaublich spannenden Lesestunden belohnt werden!

Bewertung vom 01.05.2020
Wolves - Die Jagd beginnt / New-Scotland-Yard-Thriller Bd.3
Cole, Daniel

Wolves - Die Jagd beginnt / New-Scotland-Yard-Thriller Bd.3


sehr gut

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf?

Inhalt & Handlung:
Der pensionierte Detective Sergeant Finlay Shaw ist tot, alles deutet auf einen Suizid hin, da er zuhause in einem von innen verschlossenen Raum aufgefunden wurde, darin sind sich alle einig. Einzig WIlliam „Wolf“ Fawkes, den Shaw seinerzeit ausgebildet hatte, und der Shaw seither immer als Mentor und väterlichen Freund angesehen hatte, kann dieser Theorie nichts abgewinnen. Obwohl er aufgrund eigener dienstlicher Verfehlungen bereits so gut wie sicher im Gefängnis sitzt, setzt er alles daran, den Tod seines Freundes restlos aufzuklären, denn er glaubt an Mord. Hat er tatsächlich den „richtigen Riecher“ und steht der Tod Shaws tatsächlich mit einem Drogenfall in Zusammenhang, der für Finlay Shaw vor Jahren der Auslöser für eine steile berufliche Karriere war?

Schreibstil:
Daniel Cole ist als Autor kein Unbekannter in seinem Metier: in gewohnter Manier liefert er auch hier ein sehr spannendes, toll zu lesendes Werk ab, das – für einen Thriller eher ungewöhnlich – viele amüsante Elemente enthält. Man fliegt förmlich über die Seiten, weil die Geschichte einen so mitzureißen vermag. Zudem schafft es Cole in brillanter Weise, den Leser durch geschickt gesetzte, überraschende Wendungen in die Irre zu führen. Die Geschichte wird in zwei Ebenen erzählt, sie spielt einerseits im Jahre 1979, welches das weitere Leben des Opfers in entscheidender Weise prägte, und andererseits in der Gegenwart, welche im Buch das Jahr 2016 ist.

Charaktere:
Die zentrale Figur in diesem Band ist Wolf Fawkes: er ist sehr umstritten, denn in den Vorgängerbänden bewegte er sich weit jenseits der Legalität, in diesem Band jedoch besticht er durch seine unglaubliche Loyalität gegenüber seinem verstorbenen Freund. Verbissen setzt er alles daran, die einhellige Meinung aller Lügen zu strafen und zu beweisen, dass sich Shaw nicht selbst getötet hat, was ihn unglaublich sympathisch macht.

Cover:
Das Cover mit der Detailansicht eines Wolfgesichtes ist ein echter Eye-Catcher, man wird durch den bohrenden Blick des Tieres regelrecht hypnotisiert!

Autor:
Daniel Cole wurde 1983 geboren. Bevor er mit dem Schreiben begann, hat er als Sanitäter, Tierschützer und Seeretter gearbeitet. Cole lebt in Bournemouth in Südengland. Seine Romane sind mittlerweile in 35 Ländern erschienen.

Meinung:
Nach „Ragdoll – Dein letzter Tag und „Hangman – Das Spiel des Mörders“ ist dies der dritte Band einer Thrillerreihe rund um William Fawkes, Emily Baxter, Christian Bellamy und Alex Edmunds. Man sollte sich tatsächlich die Mühe machen, beim Lesen der Bände chronologisch vorzugehen, denn obwohl die drei Bücher unterschiedliche Fälle zum Inhalt haben, bauen sie doch aufeinander auf und beziehen sich aufeinander. Obwohl ich die Vorgängerbücher gelesen hatte, konnte ich mich nur noch in groben Zügen an deren genauen Inhalt erinnern, was mir am Anfang dieses Buches echte Schwierigkeiten bereitete, den guten Einstieg in die Geschichte zu finden. Um dieses Buch wirklich zu 100% zu verstehen, wäre es nötig, die Vorgängerbände knapp aufeinanderfolgend zu lesen, andernfalls läuft man Gefahr, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen nicht zu verstehen, denn gerade dieser Band ist sehr vielschichtig aufgebaut. Ein weiterer Punkt, sich beim Lesen an die Reihenfolge zu halten ist der, dass in den Folgebänden viel über die Lösung der Vorgängerfälle verraten wird und somit den Lesegenuss schmälern wird, da sie diesen spoilern.

Persönliche Kritikpunkte:
Aufgrund meiner massiven anfänglichen Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, habe ich davon abgesehen, für dieses Buch die Maximalpunkteanzahl zu vergeben.

Fazit:
Ein wirklich toller, spannender, zum Teil auch witziger Thriller, bei dem man auf alle Fälle Kenntnisse der Vorgängerbände haben muss.

Bewertung vom 26.04.2020
Das Wolkenschiff (Das Wolkenschiff 1)
Hardy, Vashti

Das Wolkenschiff (Das Wolkenschiff 1)


sehr gut

Jules Verne für die Jugend/Junggebliebene

Inhalt & Handlung:
Der bekannte Wissenschafter Ernest Brightstorm gilt seit seiner Expedition zur Entdeckung und Erforschung Südpolaris als verschollen. Diverse Anschuldigungen über seinen Verbleib lassen ihn bei der Geografischen Gesellschaft in Ungnade fallen. Um ihren Vater zu suchen, heuern seine beiden Kinder, die Zwillinge Marie und Arthur bei einer Expedition der Forscherin Harriet Culpfeffer an, die ebenfalls nach Südpolaris aufbricht. Eine sehr abenteuerliche Reise ins Fantastische steht ihnen bevor, die ihren ganzen Mut erfordert. Werden die Kinder dabei etwas über den Verbleib ihres geliebten Vaters herausfinden?

Schreibstil:
Der vorherrschende Schreibstil ist einfach, aber dennoch flüssig und spannend zu lesen. Der Leser wird auf diese Weise auf eine abenteuerliche Reise in eine nicht näher ausgeführte Zeit geschickt, und begegnet dort allerhand magischen Wesen. Detailliert werden hier Bilder beschrieben, die einen ins Reich der Fantasie entführen. Immer wieder bekommt die Handlung unvorhersehbare Wendungen, sodass die Geschichte stets sehr spannend bleibt.

Charaktere:
Hauptfiguren sind das Geschwisterpaar Brightstorm: die zwölfjährigen Zwillinge Marie und Arthur zeichnen sich durch unglaublichen Zusammenhalt aus, dabei ergänzen sie sich optimal, wobei die technikaffine Marie besonders auszeichnet: durch ihren Erfindergeist kreiert sie für ihren behinderten Bruder eine Eisenhand, nachdem dieser seine eigene Hand bei einem Unfall verloren hatte. Auch wenn das Schicksal es vorerst nicht allzu gut mit ihnen meint, verlieren sie nie ihren Mut, und sind wild entschlossen, ihren Vater zu finden und seine Ehre als rechtschaffener Forscher wiederherzustellen.

Cover:
Das nostalgische Cover ist mit viel Liebe zum Detail ist wunderschön anzusehen. Auch die grafische Darstellung der einzelnen Kapitelanfänge ist sehr edel ausgeführt.

Meinung:
Bei dieser Geschichte im Stile des Steampunks fühlte ich mich unwillkürlich an Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ erinnert, mit dem kleinen Unterschied, dass diese Geschichte entstaubt ist und wesentlich mehr Pep hat, sodass sie die kleinen Entdecker und Forscher unter den Kindern begeistern wird. Auch wenn die Geschichte vom Inhalt her auch jüngere Leser begeistern könnte, sind einige der angesprochenen Themen wie etwa Intrigen oder Familienzwistigkeiten aus persönlicher Sicht doch eher für ältere Kinder (ab 12 Jahren) geeignet. Besonders positiv hervorheben möchte ich die vielen starken Mädchen- und Frauenfiguren, die in diesem Buch gezeichnet werden: die technikbegeisterte Marie oder die überaus mutige Harriet Culpfeffer, seien hier als Beispiel erwähnt.

Persönliche Kritikpunkte:
Mein Start in diese Geschichte war zugegebenermaßen ein wenig schwierig, denn ich empfand die schicksalhaften Veränderungen im Leben der beiden Zwillinge doch ein wenig zu dick aufgetragen und übertrieben dargestellt.

Fazit:
Ein Buch für junge und junggebliebene Forschergeister, die sich gerne auf eine fantastische Reise mit einer Unzahl an magischen Wesen einlassen wollen!

Bewertung vom 08.04.2020
Die Tanzenden
Mas, Victoria

Die Tanzenden


ausgezeichnet

Was ist „normal“?


Schreibstil:
In ihrem Erstlingswerk besticht die junge Französin Victoria Mas mit einer sehr leichten, fast schon melodiösen Schreibweise, die im krassen Gegensatz zu dem oft sehr deprimierenden Inhalt steht. Schonungslos werden hier die für die damalige Zeit gängigen Methoden in der Nervenheilanstalt beschrieben, und die Ungerechtigkeiten, die sämtlichen Insassinnen widerfahren.
Interessant der plötzliche Perspektivenwechsel: ab dem Zeitpunkt, ab welchem bei einer Frau „Hysterie“ oder Ähnliches als Diagnose im Raum stand, wurde diese nur noch als Geisteskranke oder Irre bezeichnet!

Charaktere:
Man trifft hier auf etliche sehr unterschiedliche Charaktere, hier seien zum einen Eugénie erwähnt, eine für diese Zeit unglaublich fortschrittlich denkende junge Frau, die ihr persönliches Glück nicht darin sieht, als Ehefrau in einem Haushalt zu verkümmern, sondern die für ihr künftiges Leben weitaus höhere Ziele gesteckt hat. Der Schock, von ihrer eigenen Familie verraten, in der Salpêtrière zu landen sitzt tief, und sie droht daran zu zerbrechen.
Zum anderen trifft man auf Geneviève, ihres Zeichens langjährige, treue Mitarbeiterin in der Pariser Nervenheilanstalt. Als sie auf Eugénie trifft, gerät ihr Weltbild plötzlich ins Wanken, und sie beginnt vieles zu hinterfragen.

Cover:
Die Farbgebung des Covers beschränkt sich auf drei Farben, mit denen schemenhaft das Bild einer Tänzerin gezeichnet wird, ein Bild das symbolhaft für das verblassende Leben der Frauen in der Salpêtrière steht.

Autorin:
Die gebürtige Französin Victoria Mas hat jahrelang in den USA gelebt, wo sie als Script Supervisor, Standfotografin und Übersetzerin beim Film gearbeitet hat, ist dann aber zu einem Studium an die Sorbonne nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie heute als freie Journalistin tätig ist.

Meinung:
Dies ist eines jener Bücher, die sich leicht und locker lesen lassen, die einen aber letztlich im Mark erschüttern, weil sie so viel Ungerechtigkeiten zum Inhalt haben, die einen aus heutiger Sicht einfach nur sprachlos machen: Frauen, die der Gesellschaft lästig oder unbequem waren, wurden aufgrund von fragwürdigen Diagnosen einfach weggesperrt, um mit ihnen menschenverachtende Forschung zu betreiben. Dass diese Frauen aber aus heutiger Sicht gesund, allerdings aufgrund von Gewalt und Misshandlungen schwer traumatisiert waren und einfach nur einer Therapie bedurft hätten, war damals undenkbar - es wurde alles auf „Hysterie“ zurückgeführt. Beim Lesen stellte ich mir mehr als nur einmal die Frage, ob es sich bei den Verrückten tatsächlich um die Insassinnen handelte, oder ob die wahren Verrückten vielmehr jenseits der Anstaltsmauern oder unter den behandelnden Ärzten, den Göttern in Weiß, zu suchen waren, die die Frauen wie Tiere im Zoo vorführten.

Fazit:
Ein Buch, das aufrührt und einen nachhaltig prägt, eine echte Leseempfehlung!