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pw

Bewertungen

Insgesamt 61 Bewertungen
Bewertung vom 31.01.2023
Gleißendes Licht
Sinan, Marc

Gleißendes Licht


gut

Wortgewaltig und poetisch

Der Hauptheld dieses Buches, Kaan, ist wie der Autor Komponist und Gitarrist. So hat das Buch autobiografische Züge. Kaan hat - wie auch der Autor - sowohl armenische, türkische als auch deutsche Vorfahren.

Marc Sinan schildert alles recht präzise und lässt dabei trotzdem noch genügend Raum für die eigene Vorstellungskraft. Ich habe es als wortgewaltig und poetisch empfunden, letzteres in einem erfreulich pragmatischen Umfang.

Dieses Buch, das sich in keine Schublade stecken lässt, hat mich anfangs gefesselt. Die Geschichten haben mein Kopfkino aktiviert.

Der Autor wechselt zwischen Rückblenden und Gegenwart. Schon der erste Abschnitt ist eine Rückblende ins Jahr 1915 zu einem Erlebnis von Kaans Großvater Hüseyin, der damals, erst 15 Jahre alt, ungewollt zum Mittäter am Mord an einigen armenischen Kindern wurde.

Solche Szenen aus der Vergangenheit, auch aus der Kindheit von Kaans Großmutter Vahide, werden immer wieder eingeflochten. Ansonsten geht es im ersten Teil des Buches im Wesentlichen um Kaan als Jugendlichem bzw. jungem Mann und im zweiten Teil um Kaan als erwachsenem, „mittelaltem“ Mann.

Ein sehr ernstes und schlimmes Thema kristallisiert sich dabei immer weiter heraus: der Völkermord an den Armeniern durch die Türken. Und damit die Frage: Wie geht man heute am besten mit dieser Schuld um?

Die Herangehensweise von Marc Sinan an dieses Thema hat mir sehr gut gefallen, denn durch seine Geschichten wird es begreifbar.

Besonders gelungen finde ich den ersten Teil des Romans. Am zweiten Teil habe ich allerdings einige Kritikpunkte. Meiner Meinung nach hat die Erzählqualität hier leider etwas nachgelassen.

Es gab zwischendrin langatmige Passagen mit zu vielen türkischen Wendungen. Hier wäre weniger effektvoller gewesen.

Ein Teil der Handlung wurde in die nahe Zukunft verlegt, dadurch ist klar, dass es sich um Phantasie handelt. Die Geschichte verläuft bis zum November 2023. Jetzt (im Januar 2023) mag das noch einen Effekt haben, aber in einem Jahr ist der zum Teil hinüber, denn nicht alle schauen auf das Erscheinungsdatum des Buches.

Insgesamt ein solides Werk, am Anfang sehr fesselnd und zum Ende hin abgerundet, jedoch mit ein paar Schwächen zwischendrin.

Auf jeden Fall außergewöhnlich.

Bewertung vom 25.01.2023
With All My Heart
Young, Samantha

With All My Heart


sehr gut

Liebesroman und Thriller in einem

Die erste Hälfte dieses Buches entwickelt sich wie ein Liebesroman. Jane und Jamie: Seit dem Teenager-Alter fühlen sie sich stark voneinander angezogen. Ihre Beziehung wächst heran und entwickelt sich zu einer Leidenschaft, die schon an Abhängigkeit und Besessenheit grenzt. Dann endet dieser Teil 1, der in der Vergangenheit spielt, durch eine schreckliche Entwicklung.

Durch wirklich widrige Umstände werden die beiden voneinander getrennt. Im zweiten Teil treffen sie wieder aufeinander und die Fronten sind verhärtet. Jamie will Rache. Jane will Gerechtigkeit.

Die Bezeichnung „Liebesroman“ allein wird dem zweiten Teil dieses Buches meiner Ansicht nach nicht mehr gerecht. Die Geschichte wird zum Thriller: voller Spannung, mit unerwarteten Wendungen und einem für mich zufriedenstellenden Ende.

Ich habe mitgefiebert und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dazu hat auch der Schreibstil der Autorin beigetragen – sehr flüssig zu lesen.

Nur die ständigen Fuck-Flüche von Jamie haben mich etwas gestört und die Liebesszenen hätten für meinen Geschmack nicht ganz so detailliert beschrieben werden müssen.

Alles in allem aber eine sehr spannende und mitreißende Lektüre voller großer Gefühle.

Bewertung vom 07.01.2023
Wehrlos
Benrath, Nora

Wehrlos


ausgezeichnet

Fesselnder Thriller mit wichtiger Botschaft

Dieses Buch hat mich total fertig gemacht und dabei begeistert.

Es geht um Kindesentführung, in der ein anderes Kind als Mittel zum Zweck eingesetzt wird - vor den Augen der Mutter, ohne dass diese zunächst Verdacht schöpfen kann.

Es ist ein Albtraum für die Opfer, ein Geschäft für die Täter, ein Wettlauf mit der Zeit für die Polizei.

Hinter allem steckt eine höchstkriminelle Organisation.

Gleich von Anfang an stellte ich mir beim Lesen viele Fragen und fühlte mich regelrecht zum Miträtseln und Nachdenken über die Hintergründe gezwungen.

Ein Schreibstil, der von Anfang an Tempo hineinbringt und sofort Kopfkino beschert, einige Personen mit rätselhaften Beweggründen, schnelle Szenenwechsel und großartig konzipierte Twists!

Je mehr ich las, desto größer wurde meine Weiterlesesucht.

Dabei gab es für mich nicht einmal eine Identifikationsfigur, obwohl die Polizisten wirklich aufopfernd gearbeitet haben. Aber das ist völlig in Ordnung, denn eine „Lichtgestalt“ hätte das Ganze überladen.

Durch den Polizisten Ben als Vater von zwei kleinen Töchtern war der Empathie nach meinem Geschmack Genüge getan.

Am Ende saß ich mit gemischten Gefühlen da: Einerseits völlig baff und begeistert, andererseits in dem Bewusstsein, dass es wirklich solche verbrecherischen Organisationen gibt, deren Köpfe meistens davonkommen.

Eine wichtige Botschaft vermittelt dieses Buch dabei: Seid wachsam und geht bewusster mit den eigenen Daten um – vor allem mit Kinderfotos!

Bewertung vom 02.01.2023
Vermisst / Der Strand Bd.1
Sander, Karen

Vermisst / Der Strand Bd.1


sehr gut

Das hier ist der erste von drei Teilen eines Thrillers!

Dieses Buch hat fast alles, was ein guter Thriller braucht. Aber es fehlt leider etwas Entscheidendes.

Warum vergebe ich dennoch vier von fünf Sternen in meiner Bewertung?

Was ist toll an diesem Buch?

Es hat mich von Anfang an gepackt. Es beginnt mit einer Art Prolog vor neunzehn Jahren, der sich um die Mutter der in der Gegenwart vermissten Lilli dreht. Lilli war damals noch ein Baby. Danach gibt es einen Sprung ins Alltagsleben eines der Haupthelden, der gerade mit seiner kleinen Tochter unterwegs ist, und zwar Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt. Der bekommt die Meldung, dass Lilli vermisst wird. Prima Anfang!

Das ganze Buch ist sehr spannend aufgebaut, kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel, immer wieder kleine Cliffhanger dazwischen.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr klar und stellenweise kraftvoll. Sie wählt genau die richtigen Worte, keines ist überflüssig.

Es gibt im Laufe des Buches eine Menge Überraschungen, allerdings fast alles lose Enden oder Puzzleteile, zu denen höchstens eine Ahnung entsteht, wie sie zusammengehören.

Die handelnden Personen finde ich alle interessant und markant. Obwohl es sehr viele sind, kann ich sie gut auseinanderhalten. Mich interessiert auch jeweils, wie es mit jeder einzelnen davon weitergeht.

Was fehlt diesem Buch?

Ein schlüssiges Ende! Es gibt nur Vermutungen, die auf Indizien beruhen, ein paar Tote, aber nichts ist wirklich abgeschlossen. Nur eines ist klar: Fast alle, die etwas mit dem Fall zu tun haben, haben irgendwelchen Dreck am Stecken.

Meine Bewertung:

Das hier ist kein Thriller, obwohl es vorne draufsteht, sondern nur der erste von drei Teilen eines Thrillers.

Was als Ostsee-Trilogie „Der Strand“ aus drei Thrillern beworben wird, ist in Wirklichkeit wohl nur ein Thriller, der in drei Teile zerlegt wurde.

Deshalb ziehe ich in meiner Bewertung einen Stern ab.

Ich hätte aber dieses Buch auch dann lesen wollen, wenn ich vorher gewusst hätte, dass es nur einer von drei abhängigen Teilen ist. Unter dieser Voraussetzung wäre ich nicht enttäuscht worden.

Darum fällt meine Bewertung noch sehr gut aus.

Bei den nächsten Bänden weiß ich dann gleich, woran ich bin. So werde ich das mit dem schlüssigen Ende erst im dritten Band wirklich bewerten können.

Bewertung vom 21.11.2022
Adventure Games® - Books: Die Akademie der Zeitenwächter
Bleckmann, Daniel

Adventure Games® - Books: Die Akademie der Zeitenwächter


sehr gut

Liebevoll gestaltetes Spielerlebnis ohne Frustration, aber nichts für kleine Kinder

Das hier ist ein Spielbuch, bei dem man in die Rolle des Haupthelden schlüpft und beim Lesen entscheidet, wohin derjenige geht oder was er tut. Dazu gibt es jeweils eine Auswahl und je nachdem, was man wählt, liest man dann an einer dazu angegebenen Stelle weiter. Außerdem gibt es Lebens- und Charisma-Punkte und Objekte, die man in bestimmten Situationen benötigt.

Ich habe bereits eine Menge solcher Bücher gelesen bzw. gespielt und kenne eine Reihe von Spielelementen, die in solchen Werken enthalten sein können. Meistens haben solche Bücher einen positiven (erfolgreichen) Ausgang und viele Enden des Scheiterns, die mit dem Tod der Hauptfigur einhergeht.

Wenn ein Spielbuch zu viele solcher Negativ-Ausgänge hat und es auch nicht logisch ist, warum man ausgerechnet, nachdem man an Stelle X nach Y abgebogen ist, schon wieder in eine Falle tappt, wird das irgendwann frustrierend.

Bei diesem Buch ist es anders: Keine Frustration, denn es gibt kein Ende des Scheiterns, nach welchem man von vorne beginnen muss! Egal, was Drake Winterstone – die Hauptfigur – macht, es variiert nur darin, ob und wie viele Lebens- und Charisma-Punkte er verliert oder gewinnt. Am Ende entscheiden dann seine Punkte darüber, welches von den vier Enden der Geschichte eintrifft.

Ich möchte die einzelnen Enden, oder besser das Ende, nicht verraten, nur so viel: Es ist immer das gleiche Ende. Der Unterschied besteht darin, wie sich der Held dabei fühlt bzw. was er darüber denkt. (Ja, ich bin neugierig und habe mir nachdem ich es einmal durchgespielt habe, auch noch die anderen Enden angeschaut.)

Ein weiterer Pluspunkt besteht in der liebevollen Illustration des Buches. Die Szenerie wird jeweils durch ein klares, aussagekräftiges Bild dargestellt, wodurch die dazugehörigen Beschreibungen angenehm kurz gehalten sind. Auch kann man als Leser bei jedem dieser Bilder wählen, in welcher Reihenfolge man die einzelnen Elemente erkundet.

Die Objekte (im weiteren Sinne), die man dabei findet, sind ebenfalls alle in einem Extra-Teil des Buches sehr gelungen in farbigen Abbildungen dargestellt. Auch das erhöht den Spaß an dieser Geschichte.

Womit ich zu letzterer komme: Die Geschichte selbst finde ich ebenfalls gelungen. Sie ist sehr spannend erzählt, und obwohl ich – außer bei solchen Spielbüchern – ansonsten nicht so ein eingefleischter Fantasy-Fan bin, hätte ich auch ein „normales“ Buch mit dieser Story (ohne interaktiven Teil) gern gelesen.

Mein Eindruck zum interaktiven Teil: Manchmal muss man ein wenig knobeln, welche Objekte in welchen Kombinationen jeweils angewendet werden müssen, um weiterzukommen. Das hält sich jedoch in Grenzen und es hätten ruhig ein paar kompliziertere Knobelaufgaben darunter sein dürfen.

Nun noch ein wenig Kritik oder eher Verbesserungsvorschläge:

Die Spielregeln am Anfang hätten noch etwas kürzer gefasst werden können.

Ich hätte erwartet, dass es Situationen gibt, in der die Charisma-Punkte wichtig sind. Sie spielen aber in der laufenden Handlung keine Rolle. Das ist schade.

Es wird empfohlen, dass man die Objektkarten ausschneidet und dann die Objekte, die man während des Spiels findet, in Felder der Umschlagseiten klebt. Ernsthaft? Es gibt eine Situation, in der Drake alle seine Objekte verliert. Was mache ich dann? Reiße ich alles raus? Später findet er die Objekte zum Teil wieder… Dann krame ich sie wieder aus dem Papierkorb hervor?

Der eigene Bereich mit den Objektkarten ist in Ordnung, auch wenn man sie nicht ausschneidet. Besser wäre es aber gewesen, die Objekte hochkant abzubilden. So aber musste ich das Buch jedes Mal quer drehen, wenn ich mir ein neues Objekt anschauen wollte.

Bei den Übersichtsbildern verstehe ich das mit der Quer-Abbildung eher. Aber hier hätte man besser jeweils eine Doppelseite nutzen und dann ebenfalls ein Querformat ohne Buchakrobatik haben können.

Ich mag es gern, solche Bücher nach dem Spielen zu analysieren. So habe ich mir im Nachhinein alle Abschnitte und damit alle möglichen Variationen der Geschichte angesehen. Ich hätte mir ein wenig mehr Vielfältigkeit gewünscht, auch wenn aufgrund des Aufbaus von vornherein klar ist, dass es eine feststehende Rahmenhandlung gibt.

Alles in allem ist es aber ein sehr schönes und liebevoll gestaltetes Spielbuch. Es hat mir Spaß gemacht, auch wenn ich ein paar Dinge „zu meckern“ habe.

Die Geschichte ist nicht für kleine Kinder geeignet, weil sie stellenweise recht brutal wird. Ich habe den Eindruck, dass die Story noch weitergehen kann. Bestimmt gibt es bald eine Fortsetzung.

Bewertung vom 03.11.2022
Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen
Sträter, Torsten

Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen


gut

Teil 1 war ein Knüller

Ich las die ersten Geschichten und musste Pause machen, denn mir standen vor Lachen die Tränen in den Augen. Ich rede dabei von Teil 1 „Stories“. Dann kamen noch acht weitere Teile und ein Zwischenspiel mit dem Titel „Warum ich kein Buch über meine Depressionen schreibe“.

Dieses Zwischenspiel fand sich sehr gut, vor allem mutig. Trotz des Themas – Torten Sträter hat wirklich jahrelang unter Depressionen gelitten – ist es lustig geschrieben. So wird es auf humorvolle Art und Weise nachvollziehbar. In einer der späteren Geschichten greift er das Thema dann noch einmal auf, ebenfalls sehr gelungen.

In den anderen Teilen (2 bis 9) kamen auch noch witzige Texte vor, aber irgendwie ließ der Spaß beim Lesen bei mir etwas nach. Auf Teil 2 „Die Pandemie-Papiere“ hätte ich ganz verzichten können. Zu diesem Thema fand ich die beiden Geschichten vom kleinen dicken König aus Teil 1 sehr gut und völlig ausreichend.

Teil 6 mit dem Spielzeug und Teil 9 „Kammanommakucken“ kannte ich schon aus seinen Fernsehsendungen. Da wirkten sie besser als in einem Buch.

Dann gibt es noch etwas Politsatire, die ich ohnehin nicht so sehr mag. Ich bin der Meinung, dass Torsten Sträter sich besser auf nur ein Gebiet konzentrieren sollte, und zwar persönliche Geschichten und Peinlichkeiten, denn das ist seine Paradedisziplin.

Insgesamt ist dieses Buch ein Querschnitt durch die Geschichten des Autors der letzten Zeit. Ich habe mich dabei zwar gut unterhalten gefühlt, jedoch hat mein Spaß während der Lektüre ein wenig nachgelassen. Zwischendurch habe ich mich zu manchem Text gefragt, ob der nur in dem Buch vorkommt, um die vorgegebene Seitenzahl zu füllen. Dafür war Teil 1 ein Knüller.

Bewertung vom 28.10.2022
Alle Farben meines Lebens
Ahern, Cecelia

Alle Farben meines Lebens


ausgezeichnet

Achte auf die Farben!

Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so berührt und gefesselt hat wie dieses.

Alice, die Hauptfigur, hat seit ihrem achten Lebensjahr eine besondere Fähigkeit. Sie sieht jeden Menschen umgeben von Farben, wie eine Aura. Anhand dieser Farben kann sie erkennen, was die Menschen fühlen und auch, ob sie aufrichtig sind oder nicht. Mit zunehmendem Alter vervollkommnet sie diese Fähigkeit.

Es scheint so, als hätte sie diese Fähigkeit „bekommen“, um in ansonsten widrigen Lebensumständen mit einer manisch-depressiven Mutter zurechtzukommen. Ich habe den Eindruck, dass diese Farbempfindung, obwohl sie selbst sehr belastend für Alice ist, trotzdem eine Art Schutz für sie bildet.

Alice braucht lange, um damit umgehen zu lernen. Es ist zwar irgendwie eine Superkraft, aber Alice fühlt sich davon zunächst meistens angegriffen und überfordert.

Das Erstaunliche an diesem Roman ist, dass die Autorin es schafft, die Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Menschen gibt, denen es auch nur in ganz schwacher Form so geht wie Alice, aber der Roman ist so geschrieben, dass ich es mir vorstellen kann.

Spannend fand ich die verschiedenen Phasen von Alices Umgang mit diesem Farbensehen. Eigentlich könnte sie davon andauernd profitieren, aber nach einer Weile, in der sie es tatsächlich in einer speziellen Konstellation beim Poker erfolgreich ausprobiert, lässt sie davon ab, weil sie fühlt, dass das nicht der richtige Weg ist.

Der Roman ist in fünf Teile gegliedert, die als Titel jeweils eine Farbe tragen. Sie stehen für die verschiedenen Phasen in der Geschichte. Ich mag auch die anderen Personen, die Alices Weg kreuzen und in ihrem Leben eine große Rolle spielen, sehr gerne.

Dieses Buch ist für mich eine lebensbejahende Geschichte, die dazu ermutigt, immer auf seine Farben zu achten, auch wenn man nicht solche Fähigkeiten wie Alice hat.

Bewertung vom 22.08.2022
Snowflake
Nealon, Louise

Snowflake


gut

Ein Roman voller Psycho-Klatschen

Debbie beginnt ein Studium und pendelt zwischen Uni und Milchbauernhof. Sie versucht, in der für sie neuen Welt Fuß zu fassen. Das wird wohl unterhaltsam und humorvoll und sicher findet sich auch ein wenig Stoff zum Nachdenken.

Das war mein erster Eindruck nach kurzem Anlesen dieses Buches. Der Schreibstil der Autorin hatte mich gleich gepackt: sehr lebendig und den Charakteren angemessen. Das sind die Hauptfigur Debbie, deren Onkel Billy und diverse Mitstudent*innen in Dublin.

Davon blieb über den Verlauf allein der Schreibstil. Der war es, der mich bei Laune hielt. Bei der erwarteten Handlung hatte ich mich gründlich geirrt. Hier folgte Überraschung auf Überraschung, und die waren meistens nicht positiv.

Nach der Hälfte des Buches dachte ich mir: Wie viele Psycho-Dinger kommen denn noch? Ja, es sind alles wichtige Themen: Depressionen, versuchter Selbstmord, bipolare Störung, Alkoholsucht, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und so weiter und so fort – alles, was sich denken lässt. Muss man die aber alle in einem einzigen Roman unterbringen? Für meinen Geschmack nicht.

Diese ganzen Klatschen waren es, die den Roten Faden ausmachten. Leider war das von Anfang an nicht zu erahnen. Ich möchte mich beim Lesen von Belletristik vor allem entspannen, vielleicht auch etwas lernen, aber nicht so viel auf einmal. Hätte ich vorher gewusst, was mich erwartet, hätte ich es bestimmt nicht gelesen.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich dennoch nicht gelangweilt habe. Das lag – wie am Anfang festgestellt – am Schreibstil der Autorin.

Dieses Buch wird zwar nicht zu meinem Lieblingsbuch, aber ich halte es dennoch für gut. Jedoch ist es wohl nichts für psychisch zart besaitete Leser*innen.

Bewertung vom 14.08.2022
Die Töpferei am Meer / Schottische Träume Bd.1
Hay, Cara

Die Töpferei am Meer / Schottische Träume Bd.1


ausgezeichnet

Locker-leichte Unterhaltung

Kirsty hat überraschend ein Haus in Schottland geerbt. Von einer Großmutter, von deren Existenz sie bis dahin nicht wusste. So beginnt eine turbulente Geschichte lockerer leichter Unterhaltung.

Ich habe hier kein anspruchsvolles literarisches Werk erwartet, sondern einen eher heiteren Roman, vielleicht auch eine Liebeskomödie. Denn auf dem Klappentext ist noch die Rede von Aiden, dem attraktiven Pub-Besitzer.

Mit diesem Buch bin ich voll auf meine Kosten gekommen: Tolle Figuren, jede auf ihre ganz eigene Art witzig und interessant. Eine Reihe spritziger Dialoge. Diverse peinlich-komische Szenen. Eine spannende Haupthandlung. Das I-Tüpfelchen bildet die Hauptfigur Kirsty selbst mit ihrer träumerischen, manchmal fast schrulligen Art. Einfach liebenswert.

Es hat mir großen Spaß gemacht. Habe diese locker-leichte Sommerlektüre regelrecht verschlungen und freue mich darauf, dass es bald einen weiteren Roman als Fortsetzung geben wird.

Bewertung vom 13.08.2022
Drei Tage im August
Stern, Anne

Drei Tage im August


sehr gut

Berlin 1936 einmal anders

Dieser Roman wirkte auf mich wie ein Episoden-Roman. Er spielt 1936 zur Zeit der Olympiade im nationalsozialistischen Berlin.

Wir erleben drei Tage aus der Sicht verschiedener Akteure.

Die Hauptfigur ist Elfie Wagner. Sie leitet eine Pralinenmanufaktur in der Straße Unter den Linden. Sie ist hochsensibel, manchmal in depressiver Stimmung und manchmal kommt es mir vor, als hätte sie eine leichte Art von Autismus. Sie selbst bezeichnet sich als seltsam, wie es ihr von Kind an vorgeworfen wurde.

Dann ist da Franz Marcus, ein jüdischer Buchhändler, der es in der Zeit besonders schwer hat. Er hat zwar seinen Laden Unter den Linden noch, sieht jedoch das Unheil immer näher kommen und plant seine Flucht.

Eine dritte sehr wichtige Figur ist Marie Conte, eine sehr alte Frau, zuerst Elfies Kundin, danach Vertraute und fast so etwas wie eine Freundin. Sie erzählt Elfie ihre Geschichte. Die allein ist schon sehr spannend.

Diese Figuren und einige weitere habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Alle so menschlich in einer dunklen und absurden Zeit. Ich fand es sehr spannend, diese Zeit aus der jeweiligen Sicht der Figuren zu erleben.

Die Autorin hat es geschafft, alles sehr glaubhaft darzustellen, aber eine Kleinigkeit ist Geschmackssache:

Zwischen den Kapiteln mit den konkreten Erlebnissen der Protagonist*innen sind immer wieder Abschnitte eingeflochten, die aus der Sicht der Lindenbäume in der Straße Unter den Linden erzählt werden. Was würden die Linden wohl sagen, wenn sie reden könnten?

Das ist poetisch, aber ich empfand es manchmal als langatmig. Ich wollte endlich wissen, wie es mit den einzelnen Personen weitergeht. Aber ich habe gemerkt, dass ich die Passagen schnell überfliegen konnte, ohne dass mir etwas gefehlt hat.

Fazit: Ein Stück historisches Berlin aus den dreißiger Jahren des 20 Jahrhunderts auf außergewöhnlich schöne Weise greifbar gemacht. Die Geschichte lebt von den Freuden und Sorgen der verschiedenen Charaktere, sehr gelungen geschildert. Hat mich (bis auf die Einschübe) gefesselt von Anfang bis Ende.