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Benutzername: Jasmin
Danksagungen: 8 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 40 Bewertungen
Bewertung vom 23.09.2019
Grausame Spiele / Die Arena Bd.1
Barker, Hayley

Grausame Spiele / Die Arena Bd.1


weniger gut

Ich lese gerne Dystopien, deswegen fand "Die Arena - Grausame Spiele" den Weg in mein Bücherregal.

Allerdings konnte mich das Buch nicht komplett überzeugen. Die Plotidee ist nichts neues, wenn man "Die Tribute von Panem" oder ähnliches kennt. Minderheiten werden zum Spaß der Bessergestellten grausam zur Schau gestellt. Eine Ähnlichkeit mit anderen Dystopien hat mich allerdings nicht wirklich gestört.

Viel mehr ist das Buch unglaublich brutal. Ja, das sind andere Bücher auch, aber für ein Jugendbuch, dass auch schon 12 oder 14-Jährige lesen, muss man meiner Meinung nach nicht detailliert schildern, wie Menschen von Haien zerfleischt oder an Löwen verfüttert werden. Diese Tode haben wenigstens noch zur Handlung gepasst, aber es gab auch Szenen, bei denen sich mein Magen umgedreht hat, und die man getrost hätte weglassen können, ohne dass die Storyline gestört worden wäre (zum Beispiel was mit den Leichen nach ihrem Tod passiert).

Erzählt wird das Buch aus zwei Perspektiven, einmal von Ben, einem Pure, der sich in ein Dreg-Mädchen verliebt, die Hauptattraktion des Zirkus. Grundsätzlich war diese Aufteilung gelungen, so lernte man beide Seiten kennen und die unterschiedlichen Ansichten der zwei Bevölkerungsschichten wurden vermittelt.

Leider war die Liebesgeschichte aber für mich viel zu vorhersehbar und unglaubwürdig - selbst für ein Buch.

Gerade das Verhalten von Ben war für mich nicht nachvollziehbar. Er ist in einer sehr fanatischen Familie aufgewachsen - wie er auf einmal Sympathien für die Dregs entwickelt und sich gegen das System stellt, kam sehr plötzlich und war für mich deswegen nicht überzeugend. Ähnlich verhält es nich mit Hoshika, die alle Pures hasst, aber auf einmal alles für diesen Jungen, den sie gar nicht kennt, aufs Spiel setzt.

Was mir außerdem gefehlt hat, war eine Hintergrundgeschichte. Wie es nämlich zur Spaltung der Gesellschaft kam, ist gar kein Thema. Da das Buch aber "in der nahen Zukunft" spielt, hätte ich erst recht eine Erklärung erwartet. Außerdem ist mir hier ein Logikfehler aufgefallen. Denn wenn es um 2050 spielt, dann können ja nicht bereits Generationen von Dregs unterdrückt worden sein, oder?

Ich denke, wer die klassischen Jugenddystopien mag, wird auch an diesem Buch gefallen geben. Da ich auch denke, dass es meine Schüler lesen würden, und ich nicht ganz die Zielgruppe bin, gibt es von mir noch 2,5 Sterne.

Bewertung vom 23.09.2019
Die einzige Zeugin
Alsterdal, Tove

Die einzige Zeugin


gut

Der Prolog ist schon mal recht düster, er spielt wie im Klappentext angedeutet in Beckomberga in der psychiatrischen Anstalt, die geschlossen wird. So richtig viele Informationen gibt es nicht und insgesamt wirkt der Anfang des Buches eher alleinstehend, denn die richtige Geschichte beginnt dann erst mit dem Auftritt der Protagonistin.

Dabei handelt es sich um Eva Levander-Olofsson, die von ihrem Mann getrennt ist, ihn aber irgendwie nicht loslassen kann. Ich muss gestehen, dass sie mir nicht gerade sympathisch war. Ihr Handeln war für mich nicht wirklich nachvollziehbar, teilweise wirkt sie auch sehr unbeteiligt und emotionslos.

Von der Handlung her ist der Krimi am Anfang recht klassisch: Es gibt einen Mord an Evas Ex-Mann, sie ist die Hauptverdächtige und eine mögliche Zeugin, eine Bettlerin, ist unauffindbar. Eva selbst erinnert sich nicht an die Tat. Das war auch recht spannend. Danach hat das Buch aber leider einige Längen. Es wird viel von der Vergangenheit und Evas damaliger glücklicher Ehe erzählt, es gibt viele Details, die allerdings für die eigentliche Handlung gar nicht wichtig sind. Außerdem wird für meinen Geschmack dadurch der Handlungsfluss unterbrochen und ich habe gemerkt, dass ich anfangen habe, die einzelnen Seiten nur noch zu überfliegen.

Gut fand ich, dass es Perspektivwechsel gab, denn es wird plötzlich auf dem Gelände der ehemaligen Psychiatrie ein Schädel gefunden. Es gibt also zwei Handlungsstränge, die parallel verlaufen, wobei ich diesen sogar spannender fand als die Handlung rund um Eva. Allerdings hat auch hier die Spannung etwas gelitten, weil man schon eine Ahnung entwickelt, worauf alles hinausläuft. Sofern wurde ich nicht mehr wirklich überrascht. Am Ende kommt die Spannung dann aber wieder zurück und ich habe die letzten Seiten wirklich verschlungen. Schade, dass es erst hier war.

Insgesamt ist es für mich kein klassischer Krimi, was erstmal positiv ist. Allerdings hat durch die vielen Nebenschauplätze und Details die Spannung dann doch gelitten. Von mir gibt es deswegen 2,5 Sterne.

Bewertung vom 14.09.2019
Tödlicher Schnitt (eBook, ePUB)
Schütte, Oliver

Tödlicher Schnitt (eBook, ePUB)


sehr gut

Das Setting des Thrillers ist in Berlin angelegt, allerdings spielt es meines Erachtens gar keine so große Rolle, denn die Stadt steht nur an einigen Schauplätzen im Mittelpunkt. Super fand ich, dass der Autor auch einen Hauch Hollywood in die Hauptstadt geholt hat. Bereits das erste Opfer ist ein berühmter, amerikanischer Schauspieler, weswegen auch ein amerikanischer Ermittler nach Deutschland reist, um die Aufklärung des Falls zu unterstützen.

So kommt es, dass man als Leser eine Mischung aus einem deutschen und amerikanischen Thriller vorfindet, was ich so bisher nicht gekannt habe. Das Ermittler-Duo war mir von Anfang an sympathisch. Beide haben ihre Eigenheiten, die sich aber sehr gut ergänzen. Zum Glück gab es auch nicht ein Gerangel um die Zuständigkeiten. Die Zusammenarbeit lief harmonisch ab, sowohl Lenz als auch Cassidy haben ihre Stärken eingebracht. An erster Stelle stand, den Fall aufzuklären, keine persönliche Profilierung. Ob es in der Realität auch so einfach wäre, ist fraglich, allerdings hat mich das nicht gestört.

Gut gefallen hat mir auch, dass man hinter die Kulissen der Filmbranche schauen konnte. Denn hinter einem Film steckt mehr als eine Kamera und ein paar Schauspieler. Das hat den Thriller kurzweilig und interessant gemacht.

Die Spannung kommt auch nicht zu kurz, denn es werde einige falsche Spuren gelegt und man bekommt Raum, mitzufiebern und mitzurätseln. Positiv ist auch, dass es nicht zu viele beteiligte Personen gibt, man behält leicht den Überblick.

An sich hat mir dann aber leider doch etwas der Gänsehaut-Faktor gefehlt. Es war ein solider Fall mit sympathischen Ermittlern, einem gut durchdachten Plot und einem sehr angenehm zu lesenden Schreibstil. Dafür gibt es von mir 4 Sterne - und ich hoffe auf ein "Wiederlesen" mir Lenz & Cassidy.

Bewertung vom 21.06.2019
Fünf Sterne für dich
Lucas, Charlotte

Fünf Sterne für dich


ausgezeichnet

Nach dem Lesen des Klappentextes ist der Einstieg in das Buch sehr ungewöhnlich: Denn statt einer fröhlichen findet man sich in einer sehr traurigen Szene wieder, ohne genau zu wissen, was eigentlich passiert ist. Das war etwas komisch, aber je mehr man im Buch voranschreitet, desto besser kann man dieses Kapitel einordnen und dann ist es einfach nur gelungen.

Also nicht verzagen, wenn der Roman am Anfang nicht das bietet, was man sich verspricht bzw. was man erwartet, denn es ändert sich schnell: Man lernt Konrad kennen, einen alleinerziehenden Vater, der nicht nur beruflich, sondern auch privat, alles um sich herum bewertet. Er ist sehr korrekt, hat eine genaue Vorstellung davon, was er will und liebt seine Tochter über alles. Ich fand ihn und seine Art sehr sympathisch, auch wenn ich mir ein Zusammenleben mit ihm nicht vorstellen könnte...

Auf der anderen Seite haben wir die noch relativ junge Quereinsteigerin Pia, die als Lehrerin arbeitet und zum ersten Mal eine Klassleitung übernimmt. Sie hat Angst, viel falsch zu machen - worin ich mich wiedergesehen habe. Aber sie liebt ihren Beruf und will für ihre Schüler nur das Beste. Sie ist eine richtige Vorzeigelehrerin.

Die beiden Protagonisten treffen durch Konrads Tochter aufeinander und am Anfang läuft es nicht unbedingt so, wie es soll. Die Kapitel sind abwechselnd aus den unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, was mir sehr gut gefallen hat. Dadurch weiß man immer, was der eine vom anderen denkt und die Geschichte ist sehr abwechslungsreich.

Natürlich darf man nicht davon ausgehen, dass das Ende sehr überraschend ist. Wie bei diesem Genre üblich - und vor allem wenn die beiden Protagonisten auch noch Single sind - darf man mit einem Happy End rechnen. Dass man merkt, wo die Story hinsteuert, hat mich aber nicht gestört. Im Gegenteil, es hätte nicht anders kommen dürfen.

Trotzdem ist der Weg das Interessante, denn die Autorin widmet sich einem Thema, dass man in einem Frauenroman nicht unbedingt erwartet: Mobbing. Hier leidet man richtig mit und merkt deutlich, wie grausam Kinder zueinander sein können. Durch diesen Handlungsstrang wird das Buch meiner Meinung nach sehr aufgewertet, denn es ist ernst und gibt dem Ganzen Tiefe.

Genauso wie der schon angesprochene Prolog: Es steckt mehr in "Fünf Sterne für dich" als eine einfache Liebesgeschichte. Was genau, erfährt man aber erst nach und nach. Das erklärt auch das Verhalten von Konrad und macht es absolut schlüssig. Außerdem hat man so die Möglichkeit, eigene Theorien zu entwickeln und mitzurätseln. Mir ist es allerdings nicht gelungen, diese Zusammenhänge vorauszusehen. Ein weiterer Pluspunkt.

Trotz der Ernsthaftigkeit kommt aber auch der Humor und die ein oder andere komische Situation nicht zu kurz, gerade wenn es um die Eltern der Klassenkameraden von Konrads Tochter geht. Ich habe mehr als einmal laut gelacht. Natürlich bedient sich die Autorin hier jeden möglichen Klischees von Helikoptereltern, aber ich fand gerade das Übertriebene super.

Insgesamt hat mich das Buch begeistert! Für "Fünf Sterne für dich" gibt es 5 Sterne von mir!

Bewertung vom 07.06.2019
Auris / Jula Ansorge Bd.1
Kliesch, Vincent

Auris / Jula Ansorge Bd.1


ausgezeichnet

Bis ich das Buch gelesen habe, wusste ich gar nicht, dass es den Beruf "Forensischer Phonetiker" überhaupt gibt. Umso spannender war es, gleich zu Beginn mitzuerleben, wie der Protagonist Matthias Hegel arbeitet - nur um kurz darauf einen Mord zu gestehen und ins Gefängnis zu wandern. Ab diesem Zeitpunkt wird er auch als Protagonist von der Podcasterin Jula Ansorge abgelöst, die den Leser nun durch die Geschichte führt.

Jula war mir sofort sympathisch, was mir bei Büchern sehr wichtig ist. Sie ist jung, unerschrocken und Fairness ist für sie sehr wichtig. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag kämpft sie dafür, dass zu Unrecht Inhaftierten Gerechtigkeit widerfährt. Dabei lässt sie sich durch nichts einschüchtern. Das war einfach bewundernswert.

Ihre Hartnäckigkeit sorgt auch dafür, dass sie die Wahrheit über den Mord herausfinden möchte, den Matthias Hegel begangen hat. Dieser zeigt sich nicht besonders kooperativ, was aber nur die Spannung erhöht und auch dafür sorgt, dass der Leser von seiner Unschuld überzeugt wird. Ich konnte das Buch auf jeden Fall nicht aus der Hand legen, weil jeder Schritt, den Jula geht, wieder neue Erkenntnisse bringt. Man rätselt und leidet mit und möchte einfach nur erfahren, was hinter allem steckt, denn es scheint sehr komplex zu sein - was es auch ist.

Und das hat mir auch sehr gut gefallen, denn jeder Hinweis und jede Neuigkeit die Jula entdeckt, ist im Gesamtbild schlüssig, sodass keine Fragen offen bleiben und man als Leser nicht das Gefühl hat, dass etwas fehlt oder zusammenpasst.

Die Sprache ist sehr flüssig und lebendig, sodass man nur so über die Seiten fliegt. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass man - wenn man es schafft - auch mal eine Pause einlegen kann, ohne mittendrin unterbrechen zu müssen.

Als es gegen Ende zum Showdown und der Auflösung kommt, werden alle Gedanken und potentielle Lösungen, die man sich während des Lesens zurechtgelegt hat, nochmal kräftig durcheinander gewirbelt. War man sich vorher noch sicher, auf welcher Seite man steht, ändert es sich nochmal und eine wirkliche Aufklärung gibt es dann nicht. Hier war ich mir erst nicht sicher, wie ich es finden soll. Da ich aber ein paar Tage nach dem Lesen immer noch darüber nachgedacht habe zeigt, dass das Ende doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Insgesamt war ich von der ersten Seite an begeistert und ich habe mich richtig gefreut, als ich auf der Verlagshomepage entdeckt habe, dass "Auris" der Auftakt zu einer neuen Reihe ist. Ich hoffe, der zweite Teil lässt nicht allzu lange auf sich warten.

Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle Thriller-Fans!

Bewertung vom 05.06.2019
Fluchtinstinkt / THINK - Sie wissen, was du denkst! Bd.1 (eBook, ePUB)
Johnson, Trent Kennedy

Fluchtinstinkt / THINK - Sie wissen, was du denkst! Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Grundidee des Buches finde ich so gruselig wie spannend: Straftäter erhalten die Möglichkeit, vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Sie müssen nur zustimmen, dass ihnen ein Chip ins Gehirn implantiert wird, durch den Bewährungshelfer ihre Gedanken verfolgen können.

Eine dieser Personen ist die Psychotherapeutin Think, die Protagonistin des Buches und der ganzen Serie. Ich muss gestehen, dass sie mir nicht ganz so sympathisch war. Irgendwie hat sie selbst viele Probleme, von denen man immer ein bisschen mehr erfährt. Dadurch waren einige Handlungen nachvollziehbar, aber trotzdem blieb sie mir etwas fremd.

Zugegeben: Das Buch ist anders. Man muss sich darauf einlassen. Denn man springt in den Kapiteln zwischen Think und ihren Schützlingen hin und her. Man weiß immer, in welchem Kopf man ist, denn die Kapitel sind mit Namen überschrieben. Das braucht man aber nach einer Weile fast nicht mehr, weil man die Persönlichkeiten mit der Zeit näher kennenlernt und die Gedanken zuordnen kann. Im Mittelpunkt steht aber Clay, ihn lernt man direkt vor seiner Entlassung und OP kennen. Dadurch bekommt man diesen Prozess auch gut mit. Er selbst konnte mich mehr einnehmen als Think, er wirkte sehr authentisch und auch, wenn er ein Straftäter ist, kam er doch reumütig und glaubwürdig herüber.

Der Schreibstil ist anfangs wirklich etwas gewöhnungsbedürftig und es braucht eine Weile, bis man in das Buch hineinfindet. Denn es werden wirklich teilweise nur die Gedankenflüsse aufgeschrieben. So werden Sätze mitten drin abgebrochen, betonte Wörter oder gedankliche Schreie in Großbuchstaben dargestellt oder die Wörter ohne Leerzeichen geschrieben, um schnelle Gedanken zu veranschaulichen. Ich tat mir anfangs etwas schwer, aber mit der Zeit hat es mir gut gefallen, weil es den Inhalt des Buches sehr gut widergespiegelt hat und es mal etwas neues war.

Insgesamt fand ich das Buch von der Story an sich nicht so stark, aber aufgrund des sehr ungewöhnlichen Schreibstils und der Plotidee gebe ich 4 Sterne. Ob ich die Serie aber weiterverfolgen werde, weiß ich noch nicht. Das liegt aber wie gesagt daran, dass ich mit der Protagonistin nicht so warm wurde.

Bewertung vom 23.05.2019
Mord am Mandela Square (eBook, ePUB)
Boll, Matthias

Mord am Mandela Square (eBook, ePUB)


gut

Das Buch startet gleich mal - wie es sich für einen guten Krimi gehört - mit einer Leiche. Allerdings wechseln dann erstmal die Perspektiven, sodass man nicht zu ungeduldig sein darf. Nach und nach lernt man die Protagonisten kennen, darunter Frank Sattler aus Deutschland, der mit einem Sonderauftrag seines Freundes im Gepäck nach Südafrika reist. Dort trifft er unter anderem auf Pia, eine deutsche Aktivistin, die er unterstützen soll.

So unterschiedlich die Charaktere auch auf den ersten Blick scheinen, harmonieren sie doch ganz gut. Sie haben eine komplett andere Ansichtsweise was das Leben betrifft, was man auch durch die Wahl ihres Wohnorts merkt. Gerade aber das aufeinanderprallen dieser beiden unterschiedlichen Welten war schön mitzuverfolgen.

Leider - und das ist vielleicht dem geschuldet, dass die Protagonisten beide Deutsche sind - hat mir allerdings der Afrika-Charme gefehlt. Ja, mal liest ein bisschen was über Townships und auch Pias Aufenthaltsort, ein besetztes, altes Hotel, zeigt die nicht so schönen Seiten von Johannesburg, aber das Lebensgefühl und der Unterschied zu uns in Europa kam mir einfach zu kurz. Auch aufgrund des Covers habe ich mehr Traditionen und Kultur erwartet.

Es handelt sich hier ja auch um einen Krimi und es bleibt nicht bei dem einen Mord. Der zweite bleibt leider etwas oberflächlich, auch wenn er mit dem ersten verknüpft ist. Eine klassische Ermittlung gibt es nicht, Sattler und seine Gefährten machen sich selbst an die Aufklärung, weil sie immer mehr darin verwickelt werden. Bis es so richtig in Fahrt kommt und der Leser auch seine ersten Ideen entwickeln kann, dauert es leider etwas. Dann wird es aber richtig spannend, vor allem weil der Mörder keine Skrupel kennt und äußerst brutal vorgeht. Die Verwicklungen gehen dann auch tiefer, als anfangs gedacht, man sollte also genau lesen, um keinen Schnittpunkt zu verpassen.

Insgesamt war das Buch nicht unbedingt das, was ich erwartet habe, weil mir Südafrika zu kurz kam. Trotzdem war es ein solider Krimi mit spannenden Momenten, deswegen von mir 3,5 Sterne!

Bewertung vom 24.04.2019
Die Reinsten
Hansen, Thore D.

Die Reinsten


gut

Mal eine Dystopie, die irgendwie gar nicht so weit weg ist, weil sie ein sehr aktuelles Thema anspricht: Der Klimawandel hat die Erde völlig zerstört, die Menschen kämpfen um das Überleben und schaffen es nur mit einer künstlichen Intelligenz, die alles kontrolliert.
So weit in der Zukunft ist das Buch gar nicht mal angesiedelt, knapp 150 Jahre, und das ist auch ein kleiner Kritikpunkt. Denn der Höhepunkt der Zerstörung war 2041, und knapp 100 Jahre später gibt es schon wieder so viel Technologie, dass riesige Roboter die Erde umgraben, Ressourcen recyceln etc. und man mit Solarjets unfassbar schnell um die Welt fliegt. Das konnte ich mir nicht so gut vorstellen. Die Grundidee war aber sehr spannend.
Die meisten Menschen, die noch übrig sind, leben in bestimmten Zone. Viele haben ein Hirnimplantat, mit der sie direkt mit der KI verbunden sind. Diese entscheidet alles, welches Beruf man ausübt, welche Position man erreichen kann und so weiter. Man soll "rein" sein, nicht negatives Denken und dem Ziel dienen. An sich eine gute Sache, aber auch gruselig. Jedes Fehlverhalten und sogar Fehldenken wird sofort erkannt und bestraft. Trotzdem hat mir gut gefallen, dass die künstliche Intelligenz nicht Böse oder Gut ist - sondern sehr rational.
Im Mittelpunkt steht Eve, eine vielversprechende Reine, die ganz hinter der Sache steht und sich auf ihre Karriere freut. Ich fand sie ganz okay, konnte mich aber auch nicht ganz mit ihr anfreunden. Sie ist tief mit der KI verbunden, bis alles anders kommt, als man denkt.
Und hier ein weiterer Kritikpunkt meinerseits. Es dauert sehr lange, bis etwas passiert. Gut die Hälfte des Buches lernt man nur die Protagonisten kennen und die Welt, in der sie sich bewegen. Das ist natürlich für das Verständnis wichtig, allerdings zieht es sich etwas. Außerdem fehlte mir hier teilweise der rote Faden, sie reisen hin und her, manchmal ohne ersichtlichen Grund, dann gehen Auswahlprozesse los, da sind die Protagonisten aber erst mal nicht dabei etc. Hier hätte ich mir mehr Kompaktheit gewünscht und vielleicht eine Karte am Anfang und Ende des Buches, dass man die Wege besser mitverfolgen kann.
Ab der Mitte war der Plot aber dann doch recht fesselnd, weil eben auf einmal alles anderes ist, als zuerst gedacht. Hier hat der Autor eine sehr komplexe Welt gestaltet, die man sich gut vorstellen kann.
Das Ende ist dann für meinen Geschmack wieder etwas zu ausführlich geraten, wobei Eve im Mittelpunkt steht. Hier war dann auch nicht alles logisch für mich. Insgesamt war es aber doch zufriedenstellend und es wurden alle Fragen gut aufgelöst. Von mir gibt es deswegen 3,5 Sterne!

Bewertung vom 15.04.2019
Zeilen ans Meer
Fischer, Sarah

Zeilen ans Meer


gut

Briefromane werden nicht mehr häufig veröffentlicht, zumindest bekomme ich das nicht so mit. Deswegen habe ich mich umso mehr über dieses Buch gefreut, als ich bei der Leseprobe entdeckt habe, dass es um Briefe geht. Richtige Briefe - keine E-Mails.

Was mir hier sehr gut gefallen hat und was meiner Meinung nach auch diese Art von Roman ausmacht, ist, dass man so hautnah dabei ist. Man verpasst nichts, da die komplette Konversation abgedruckt wird. Lücken gibt es natürlich an der ein oder anderen Stelle, weil man den Protagonisten nicht direkt folgt und nicht weiß, was sie machen, aber nicht schreiben - aber gerade für die Beziehung zwischen Sam und Lena war das genau die richtige Form. Man merkt richtig, wie die Beiden anfangs noch förmlich und fast schon distanziert sind, bis sich dann eine große Vertrautheit entwickelt, die man auch an ihren Briefen erkennen kann.

Der Altersempfehlung ab 14 Jahren kann ich nur bedingt zustimmen. Natürlich gibt es Jugendliche, die schon sehr komplex denken und das Buch enthält auch kein "bedenkliches Material", allerdings finde ich den Roman schon relativ komplex, nicht nur aufgrund der Story, sondern eben auch weil es ein Briefroman ist. Aber ich lass mich hier gern vom Gegenteil überzeugen.

Ich muss gestehen, dass mir Sam von der ersten Seite bzw. dem ersten Brief sympathisch war, was bei Lena leider nicht der Fall war. Das hat sich auch nur bedingt während des Lesens geändert. Warum ist schwer zu erklären, ohne zu spoilern. Ihr fehlt einfach an der ein oder anderen Stelle das Selbstbewusstsein, dass sie haben könnte und wirkte dadurch auf mich teilweise etwas "nölig". Auch ihr Verhalten Sam gegenüber konnte ich nicht immer nachvollziehen - und gerade weil ich ihn so mochte, tat das doppelt weh.

Leider muss ich sagen, dass mich das Hin und Her - gerade durch sie verursacht - dann auch etwas genervt und für meinen Geschmack einige Längen verursacht hat. Teilweise ging die Story einfach nicht voran, sondern hat sich im Kreis gedreht. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Schwung gewünscht.

Auch das Ende fand ich nicht so gut. Auch hier wiederholt sich im Endeffekt das, was vorher schon war. Dann geht aber alles auf einmal richtig schnell - fast zu schnell. Und dann ist der Schluss so offen gestaltet, dass man als Leser gar nicht wirklich weiß, wie es denn jetzt ausgeht. Hier wurden mir zu viele Schritte ausgelassen. Ein bisschen weniger Stoff bis zu dieser Stelle, dann aber ausführlicher - das wäre für mich perfekt gewesen.

Insgesamt war es ein nettes Buch, das mich aber auch nicht wirklich überraschen konnte, da es dann doch sehr vorhersehbar war. Weil ich außerdem mit der Protagonistin einfach nicht warum wurde, gibt es von mir 3 Sterne.

Bewertung vom 07.04.2019
Das Ambrosia-Experiment (eBook, ePUB)
Dützer, Volker

Das Ambrosia-Experiment (eBook, ePUB)


sehr gut

Beim "Ambrosia Experiment" geht es nicht nur um einen Mörder, sondern auch um die Unsterblichkeit. Zumindest wird das angedeutet. Denn auch wenn es um geheimnisvolle Medikamente und Experimente sowie verschwundene Rentner geht, handelt es sich hier nicht um einen abgehobenen Plot, sondern er ist sehr realitätsnah.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten Kommissar Lucas Prinz und die schüchterne Jule Rahn. Die Beiden treffen mehr oder weniger zufällig aufeinander, als Jule Zeugin eines Mordes wird - der allerdings als Selbstmord getarnt wurde. Jule ist eine sehr sympathische Hauptfigur, die während des Lesens eine große Entwicklung durchmacht. Sie hatte eine sehr schwere und traumatische Kindheit und ist deswegen in vielen Zwängen gefangen, die sie sehr einschränken und ein richtiges Leben gar nicht möglich machen.
Kommissar Lucas Prinz ist eher das Gegenteil. Er scheut kein Risiko, kann sich aber leider auch nicht auf den Rückhalt seiner Kollegen verlassen. Er wurde nach Koblenz versetzt, nachdem er korrupte Polizisten überführt hatte. Prinz war mir sehr sympathisch, auch wenn ich noch etwas mehr über seine Vergangenheit hätte erfahren wollen.

Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen. Sie hat genau die richtige Mischung aus Spannung und Witz. Denn auch wenn einige Menschen sterben und der Mörder nicht zimperlich ist, gibt es doch immer wieder lustige Passagen, vor allem zwischen Jule und Lucas, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Ein bisschen Liebe ist auch dabei, wobei ich das nicht gebraucht hätte. Ich finde, es ist bei Krimis und Thrillern nicht so wichtig.

Gut gefallen hat mir, dass man immer mitraten konnte und nicht genau wusste, was als nächstes passiert. Leider war aber schnell klar, wer die Bösewichte sind - spannender war da natürlich eher das wie und warum. Das Ende war zwar nicht wirklich überraschend, hat aber gut gepasst und alles andere wäre auch irgendwie schade gewesen.

Etwas schade fand ich, dass die Bösewichte doch eher oberflächlich geblieben sind. Zwar erfährt man ein paar Hintergründe, doch das wird relativ kurz gefasst. Vor allem beim Twist am Ende hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.

Insgesamt wurde ich aber gut unterhalten. Jule und Lucas sind ein tolles Ermittler-Duo, von denen ich gern mehr lesen würde. Von mir gibt es vier Sterne!