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Bewertungen

Insgesamt 321 Bewertungen
Bewertung vom 29.07.2020
Das sternenlose Meer
Morgenstern, Erin

Das sternenlose Meer


sehr gut

Mit „Das sternenlose Meer“ legt Erin Morgenstern einen Einzelband vor, der vor allem jene Leser begeistern dürfte, die anspruchsvolle Literatur mit Fantasy Elementen mögen. Man darf sich auf ein Werk freuen, das in eine unglaubliche Welt voller Geschichten entführt.

"TIEF UNTER DER ERDOBERFLÄCHE, fernab von Sonne und Mond, am Ufer des sternenlosen Meers, liegt eine labyrinthartige Ansammlung von Tunneln und Räumen, die voller Geschichten sind. Geschichten, die in Büchern stehen, in Einweckgläsern stecken und an Wände gemalt sind."
Zitat aus "Das sternenlose Meer" von Erin Morgenstern, Seite 11.

Die besondere Stärke dieses Werkes liegt in Erin Morgensterns poetischen Schreibstil. Märchenhafte Beschreibungen untermauern die Magie und den Zauber der literarischen Fantasiewelt. Es ist fast unmöglich, sich der Schönheit des poetischen Schreibstils zu entziehen. Erin Morgenstern webt Worte zu Magie und haucht den von ihr erschaffenen Geschichten mit Leichtigkeit Leben ein. Die Autorin versteht sich jedoch nicht nur auf die Schönheit der Worte, sondern lässt aus vielen kleinen Geschichten nach und nach ein interessantes Gesamtbild entstehen. Magische und wunderschöne Szenen wechseln sich mit sehr ruhigen Sequenzen ab. Die Autorin nimmt sich viel Raum für Details und malerische Beschreibungen. Dieses Werk dreht sich um Geschichten in Geschichten und Türen, die an längst vergessene Orte führen.

"Auf dem Grund eines von Sternen beschienenen Meers, in den Ruinen einer versunkenen Stadt, liegt eine Tür. (...) In einer Wüste liegt eine Tür voller Sand. Die Details auf ihrer verwitterten, steinernen Oberfläche werden mit der Zeit von den Sandstürmen zerstört. (...) Es gibt alle möglichen Türen an allen möglichen Orten."
Zitat aus "Das sternenlose Meer" von Erin Morgenstern, Seite 83.

Der Fokus liegt weniger auf einer straff gespannten Spannungskurve, sondern auf den eindringlichen Bildern, die diesen Fantasyroman zum Leben erwecken. Erin Morgenstern verwebt geschickt kleine Geschichten in die Hauptgeschichte. Erst nach und nach erschließt sich dem Leser der Zusammenhang. "Das sternenlose Meer“ ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss und für das man viel Zeit und Ruhe beim Lesen mitbringen sollte. Obwohl zu Beginn nicht viel passiert, ist die Geschichte sehr komplex. Der Aufbau des Buches gestaltet sich recht anspruchsvoll und fordert einiges an Geduld vom Leser. Dieses Buch ist ein Werk, auf das man sich nicht nur einlassen muss. Der Leser muss sich der Geschichte völlig hingeben können, denn die von Erin Morgenstern erschaffene Welt entzieht sich oft jeglicher Logik und die Geschichte führt teilweise über verworrene Pfade. Leider werden am Ende nicht alle losen Fäden zusammengeführt und es bleiben einige Fragen offen.

"Das sternenlose Meer“ ist ein magischer Roman, in dem Geschichten und Poesie miteinander verschmelzen. Poetisch und wunderschön geschrieben haucht Erin Morgenstern den von ihr erschaffenen Geschichten mühelos Leben ein. Die Autorin überzeugt mit opulenten Beschreibungen und verwebt fantasievolle Elemente zu einem vielschichtigen, magischen Werk. Von mir gibt es für dieses wundervolle Werk 4 Sterne.

Bewertung vom 22.07.2020
Die Göttin / Der schwarze Thron Bd.4
Blake, Kendare

Die Göttin / Der schwarze Thron Bd.4


sehr gut

Mit „Die Göttin“ kommt die spannende High Fantasy Reihe „Der Schwarze Thron“ zum Abschluss. Kendare Blake hat eine spannende Reihe erschaffen, die durch eine düstere Welt und facettenreiche Charaktere zu gefallen weiß. Den Leser erwartet im vierten Band ein grausames Finale im Kampf der königlichen Schwestern.

Kendare Blake verfügt über einen fesselnden und einnehmenden Schreibstil, der die von ihr erschaffene Welt lebendig werden lässt. Die Autorin haucht der von ihr erschaffenen Welt mit Leichtigkeit Leben ein. Den Leser erwarten ein paar überraschende Momente und unerwartete Verluste. Dieser finale Band setzt auf viele Gefahren, die die Schwestern bestehen müssen. Dramatische Wendungen lassen die Hauptfiguren - und den Leser - ordentlich leiden.

"»Das hilft mir kein bisschen«, entgegnete Mirabella, »wenn sie alle sterben.«
»Es ist nicht so simpel, wie du es darstellst. Als gekrönte Königin kann man nicht immer einfach zwischen Richtig und Falsch wählen. (…) Du hast auch so manches Opfer auf dem Gewissen.«"
Zitat aus "Der Schwarze Thron - Die Göttin" von Kendare Blake, Seite 85.

Am liebsten würde ich jetzt sagen: Das große Finale steht den ersten beiden Bänden in nichts nach und kommt genauso fantastisch und aufregend daher. Doch leider hängt die Spannungskurve in diesem finalen Band immer wieder leicht durch. Die Autorin setzt auf das Ganze gesehen mehr auf Strategie, als auf überraschende Wendungen und actionreiche Szenen.

"Als Jules´ Blick wieder auf die Armee im Tal fällt, verkrampft sie sich plötzlich. Sie kann die Bilder aus der Stadt der Krieger einfach nicht vergessen. Diese Brutalität. Und die verstörende Einseitigkeit des Gemetzels."
Zitat aus "Der Schwarze Thron - Die Göttin" von Kendare Blake, Seite 397.

„Die Göttin“ erweist sich als ein lesenswertes Finale, das endlich die Frage auflöst, welche Königin den Krieg überlebt. Der Schluss des Buches macht einen zwiespältigen Eindruck. Der große Showdown kann nicht gänzlich überzeugen, da das Finale sehr schnell abgehandelt wird. Einerseits vermag die hier vorgestellte Auflösung den Leser zu überraschen und ist sowohl spannend als auch emotional gestaltet. Andererseits werden am Ende nicht alle losen Fäden zusammengeführt und es bleiben einige Fragen offen. Doch abgesehen von diesem kleinen Wermutstropfen und dem teilweise langatmigen Mittelteil bietet der Finalband gute Unterhaltung. Von mir gibt es gute 3,5 Sterne.

Bewertung vom 15.07.2020
Sanctuary
James, V. V.

Sanctuary


sehr gut

Mit „Sanctuary“ hat V.V. James einen spannenden Einzelband erschaffen, die vor allem durch eine düstere Atmosphäre und einen gelungenen Mix aus Lügen, Intrigen und jeder Menge Geheimnisse zu gefallen weiß. Die Autorin entführt den Leser in eine idyllische Kleinstadt, in der eine regelrechte Hetzjagd beginnt.

V.V. James zeichnet in "Sanctuary" das Bild einer einladenden Kleinstadt. Doch hinter der Fassade der unschuldigen Kleinstadtidylle lauert das Böse. Auf einer Party geschieht das Unfassbare: Der beliebte Footballstar Daniel Whitman der Sanctuary High School stirbt vor aller Augen. War es ein Unfall, oder steckt doch etwas ganz anderes dahinter? Hatte Whitman sich nicht gerade von seiner Freundin Harper Fenn getrennt, die von einer Hexe abstammt? Gerüchte werden laut und schon bald entsteht eine gefährliche Hetzjagd. Freunde werden zu Feinden, spinnen Intrigen und entlarven die dunkelsten Geheimnisse ihrer Mitmenschen. Eine dunkle Zeit bricht an und hinter allem steht die drängende Frage: Hat Harper Fenn ihren Exfreund ermordet?

"Und dann blicke ich endlich in meine Schale ohne Grund und stelle die Frage: Wer hat Daniel Whitman in der Sailaway Villa getötet? (…) Doch ich höre nichts, ich fühle nichts." Zitat aus "Sanctuary" von V. V. James, Seite 144.

Die düstere Atmosphäre voller unterschwelliger Gefahr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. V.V James setzt gekonnt auf einen Mix aus ruhigen und spannenden Passagen. Die Autorin enthüllt nur langsam, Stück für Stück, die komplexe Hintergrundgeschichte und die Motive der Charaktere. Nach und nach wird jedes dunkle Geheimnis enthüllt. Die Autorin versteht es meisterhaft, den Leser immer wieder auf die falsche Fährte zu locken. Auf diese Weise steigt die Spannungskurve immer wieder an und fesselt den Leser bis zur letzten Seite.

"Ich bin fast bei Fenns Laden angekommen, als das kleine Haus explodiert. Zumindest klingt es so. Ich renne los." Zitat aus "Sanctuary" von V. V. James, Seite 145.

"Sanctuary" von V.V. James überzeugt mit unvorhersehbaren Wendungen und einem Netz aus Lügen und Intrigen. Die Autorin kombiniert eine soapähnliche Geschichte, die an Desperate Housewives erinnert, mit einer spannenden Hetzjagd. V.V. James baut geschickt Spannung auf, ohne das Thema Hexen und Zauberei zu sehr in den Fokus zu stellen. Von mir gibt es für diesen lesenswerten Einzelband 4 Sterne.

Bewertung vom 03.07.2020
Ezlyn. Im Zeichen der Seherin
Ciseau, Karolyn

Ezlyn. Im Zeichen der Seherin


sehr gut

Mit „Ezlyn - Im Zeichen der Seherin“ legt Karolyn Ciseau einen Einzelband vor, der vor allem jene Leser begeistern dürfte, die düstere Romantasy mögen. Man darf sich auf ein Werk freuen, das in eine interessante Welt entführt, die von machthungrigen Lords beherrscht wird.

Karolyn Ciseau zeichnet in diesem Einzelband eine düstere Welt, in der die Adeligen künstlich ihr Leben verlängern, indem sie ihren eigenen Tod verhindern. Ermöglicht wird dies durch Todesseherinnen, die von der reichen Elite erworben werden können. Den zweiten wichtigen Part nehmen Schattenkrieger ein, die durch eine einfache Berührung ihrer Hand töten können. Die düstere Atmosphäre voller unterschwelliger Gefahr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Karolyn Ciseau setzt gekonnt auf einen Mix aus ruhigen und actionlastigen Passagen Auf diese Weise steigt die Spannungskurve steigt immer wieder leicht an und fesselt den Leser bis zur letzten Seite. Die Autorin nimmt sich zudem ausreichend Raum für Details und tiefere Einblicke. Wie es sich für Romantasy gehört, darf natürlich auch etwas für das Herz nicht fehlen.

"Der Schattenkrieger nickte. Seine nachtschwarzen Augen funkelten unheilvoll.
»Ja, und ich spreche von einer neuen Welt.«
Und so folgte ich Dorian. Nicht ins strahlend helle Licht - sondern mitten in die Dunkelheit." Zitat aus "Ezlyn - Im Zeichen der Seherin" von Karolyn Ciseau, Seite 237.

Leider kommt die Liebesgeschichte etwas zu kurz und wird im Handlungsbogen erst recht spät aufgegriffen. Es fehlt an Einblicken in die Gefühle der Charaktere zueinander, sodass sich die Liebesgeschichte leider nach Insta Love anfühlt und nicht ganz nachvollziehbar ist. Abgesehen von diesem Kritikpunkt beweise Karolyn Ciseau auch mit diesem Werk, dass sie den jungen Leser wunderbar zu unterhalten weiß. Der Leser befindet sich schon nach ein paar Kapiteln in einer spannenden Welt voller Lügen und Intrigen.

"Wir waren zwischen zwei Welten gefangen: einem Leben voller Lügen und Intrigen, in dem wir die Marionetten mächtiger Lords waren, und einem Leben in einer ungewissen, nie gekannten Freiheit. Aber in diesem Augenblick, zwischen Sonnenglanz und Abenddämmerung erschufen wir unsere eigene Welt."
Zitat aus "Ezlyn - Im Zeichen der Seherin" von Karolyn Ciseau, Seite 312.

„Ezlyn - Im Zeichen der Seherin“ kommt düster, spannend und unterhaltsam daher. Eine Geschichte, die junge Fans von düsterer Romantasy begeistern wird. Auch wenn dieses Werk im Hinblick auf die Liebesgeschichte nicht ganz perfekt ist, hat Karolyn Ciseau definitiv Talent zum Unterhalten junger Leser. Von mir gibt es für diesen Einzelband 4 Sterne.

Bewertung vom 02.06.2020
Rabenprinz
Rogerson, Margaret

Rabenprinz


sehr gut

Mit „Rabenprinz“ legt Margaret Rogerson einen Fantasyroman vor, der vor allem jene Leser begeistern dürfte, die es zugleich magisch, poetisch und düster mögen. Die Autorin zieht den Leser tief in ein magisches Reich, in dem die Grenze zwischen Magie und Grauen fließend ist. Malerische Beschreibungen ziehen den Leser in den Bann.

Margaret Rogerson versteht sich jedoch nicht nur auf die Schönheit der Worte, sondern lässt auch das Grauen im Kopf des Lesers Gestalt annehmen. Magische und wunderschöne Szenen wechseln sich mit grausamen und teilweise brutalen Sequenzen ab. Die Autorin zeichnet in diesem Einzelband eine düstere Welt der Elfen, eingebettet in ein magisch schönes Setting. Die düstere Atmosphäre voller unterschwelliger Gefahr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wer hier eine rasante und nervenzehrende Story erwartet, wird jedoch enttäuscht sein. Die Spannungskurve steigt zwar immer wieder leicht an, insgesamt verläuft die Geschichte aber sehr ruhig. Die Autorin nimmt sich viel Raum für Details und malerische Beschreibungen. Der Fokus liegt weniger auf einer straff gespannten Spannungskurve, sondern auf den eindringlichen Bildern, die diesen düsteren Fantasyroman zum Leben erwecken. Margaret Rogerson setzt insgesamt weniger auf Spannung und Action, sondern mehr auf ruhige Szenen, malerische Beschreibungen und Tiefgründigkeit. Die Geschichte dreht sich um den Verlust des Sinns des Lebens und Vergänglichkeit.

"Als ich mich so ansah, konnte ich nur an eines denken. Und ich wusste, dass Aster genau dasselbe dachte: Ich sah aus wie eine Königin, doch mein Kleid war ein Leichenhemd. Sie hatte mich schön gemacht für meinen Weg in den Tod.« " Zitat aus "Rabenprinz" von Margaret Rogerson, Seite 284.

Die besondere Stärke dieses Werkes liegt in der interessanten Darstellung der Elfen. Die faszinierende Andersartigkeit dieser Geschöpfe ist der Autorin hervorragend gelungen. Der Leser trifft auf Wesen, die an Arroganz, Grausamkeit, Skrupellosigkeit und Narzissmus kaum zu übertreffen sind. So gelungen die Welt und ihre Bewohner auch gezeichnet sind, der im Vordergrund stehende Elf kann leider wenig überzeugen. Rook präsentiert sich als kindisches und launisches Geschöpf, das in keinster Weise zu der charakterstarken Menschenfrau Isobel passt. Es fehlt komplett an Einblicken in die Emotionen der Charaktere, sodass der Leser gefühlsmäßig auf Distanz gehalten wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Liebesgeschichte recht unterkühlt daherkommt. Instant Love anstatt Tiefe und Emotionen - Margaret Rogerson arbeitet insgesamt wundervoll detailliert, doch die Liebesgeschichte ist leider der Schwachpunkt des Buches.

„Rabenprinz“ kommt schaurig schön, melancholisch und tiefgründig daher. Eine Geschichte, die sowohl sprachlich als auch inhaltlich überrascht. Auch wenn dieses Werk nicht ganz perfekt ist, hat Margaret Rogerson definitiv Talent zum Schreiben und ich hoffe sehr, dass auch „Sorcery of Thorns“ noch übersetzt wird. Von mir gibt es für dieses farbenprächtige und zugleich düstere Werk 3,5 Sterne.

Bewertung vom 22.05.2020
Finsternis im Wunderland / Die Dunklen Chroniken Bd.1
Henry, Christina

Finsternis im Wunderland / Die Dunklen Chroniken Bd.1


weniger gut

"Finsternis im Wunderland" ist der erste Band der Reihe "Die Chroniken von Alice" und stammt aus der Feder von Christina Henry. Den Leser erwartet eine brutale und blutige Adaption, die leider wenig mit der Vorlage des berühmten Originals zu tun hat. Das folgende Zitat repräsentiert nicht nur den einfachen Schreibstil der Autorin, der ohne viel Finesse daherkommt, sondern auch den Spannungsgrad der gesamten Handlung.

"Nachdem sie ziemlich lange gegangen waren (wir gehen und gehen, und wenn wir nicht gehen, dann kämpfen wir, dachte Alice), kamen sie an eine weitere Tür."'
Zitat aus "Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland" von Christina Henry, Seite 151 - 152.

Der Plot ist sehr flach gehalten. Wie Alice schon sagt, besteht die Handlung nur aus der Reise der Protagonisten, unterbrochen von blutigen Auseinandersetzungen. Sklaverei, Frauenhandel, Vergewaltigung, Schändung und jede Menge Gemetzel sollen für Spannung sorgen, bewirken jedoch irgendwann nur noch ein müdes Gähnen. Überraschende Twists sucht der Leser vergeblich. Die Handlung ist flach, vorhersehbar und bis auf die blutigen Szenen wenig spektakulär.

"»Du kannst sie wohl kaum alle töten«, sagte Alice. Er lächelte wieder, und Alice sah die Sehnsucht nach Blut und Chaos in ihm lodern. »Ich werde es zumindest versuchen und es genießen.« "
Zitat aus "Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland" von Christina Henry, Seite 236.

Diese Adaption hat insgesamt wenig mit "Alice im Wunderland" zu tun. Titel und Cover wirken in Bezug auf den faden Inhalt wie Effekthascherei von der Autorin, um den Titel besser verkaufen zu können. Dem Wunderland fehlt es vollkommen an Magie, Zauber oder verrückte Ideen. Es handelt sich vielmehr um eine mittelalterlich anmutende Welt, die in ein paar von verschiedenen Bossen regierte Reviere unterteilt wird. Die Parallelen beruhen zum größten Teil rein auf der Namensgleichheit der Protagonisten. Ein Beispiel ist Hatcher, der nichts mit dem Hutmacher zu tun hat. Vielmehr handelt es sich bei Hatcher um einen traumatisierten blutliebenden Axtmörder. Erwartet hatte ich eine düstere Geschichte mit einem Wunderland, das für Gänsehaut sorgt. Von Grusel, Schrecken und Luftanhalten fehlt beim Lesen leider jede Spur. Die Geschichte wird von Seite zu Seite vorhersehbarer und langatmiger. Zudem rutscht die Story im weiteren Verlauf immer mehr Richtung Splatter ab. Selbst der große Showdown kann nicht überzeugen, da das Finale rasend schnell abgehandelt wird und völlig unspektakulär verläuft. Die Luft ist zum Ende hin mehr als raus, von Spannung keine Spur.

Insgesamt bleibt "Finsternis im Wunderland" weit hinter meinen Erwartungen zurück. Es handelt sich um einen oberflächlichen und vorhersehbaren Reihenauftakt, der wenig auf Finesse und mehr auf Splatter setzt. Den Leser erwarten kaum Überraschungen und wenig Spannung, dafür aber umso mehr blutige Szenen, die irgendwann nur noch für ein müdes Gähnen sorgen. Von mir gibt es ganz knappe 2 Sterne für diese langatmige Alice im Wunderland Mogelpackung für Erwachsene.

Bewertung vom 21.05.2020
Pferdeseele
Goldmann, Marie-Therese

Pferdeseele


ausgezeichnet

„Pferdeseele“ ist ein Einzelband und stammt aus der Feder von Marie-Therese Goldmann. Die junge Autorin konnte bereits mit ihrem einfühlsamen Werk "Sieh es mit meinen Augen" begeistern. Mit Pferdeseele erwartet den Leser ein weiteres Buch für junge Pferdefreunde, das aus der Sicht eines Pferdes geschrieben ist und Einblicke in die Seele eines Tieres gibt. Durch ihr bockiges und unvorhersehbares Verhalten entwickelt sich die hübsche Hannoveranerstute Katinka schnell zu einem Wanderpokal. Jeder einzelne Reiter sucht die Schuld bei der Stute, die völlig unverhofft immer wieder ihre Reiter abwirft.

"Hektisch atmend stand ich da. Gerade noch in wildem Galopp über den großen sandigen Platz gefegt, versuchte ich nun, mich zu sammeln, und schnaufte laut. Meine Beine zitterten etwas. Vor mir lag das Menschenmädchen, das ich bis vor wenigen Sekunden noch auf meinem Rücken getragen hatte, im Sand." Zitat aus "Pferdeseele" von Marie-Therese Goldmann, Seite 7.

Doch niemand stellt sich die Frage, warum Katinka so schwierig ist. Bis die Stute eines Tages bei Jessi landet. Das junge Mädchen versucht als einzige, eine Verbindung zu Katinka aufzubauen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Im Gegensatz zu ihren Vorreitern stellt sie die Frage nach dem Warum. Gerade im Reitsport wird diese Frage viel zu selten gestellt. Schnell wird ein Pferd als bockig abgestempelt und kurzerhand ausgetauscht. Denn die Frage nach dem Warum kostet Zeit und Geld. Das Tier ist nicht nur eventuell nicht für den Sport geeignet, sondern bringt auch spezielle Bedürfnisse mit, um die sich der Besitzer kümmern muss.

"Pferde mit dieser Krankheit sind extrem kälteempfindlich. Die ganze Muskulatur im Rücken spannt sich dadurch an und verschlimmert das Problem wieder. Du musst sie also unbedingt eindecken." Zitat aus "Pferdeseele" von Marie-Therese Goldmann, Seite 76.

Marie-Therese Goldmann zeigt in diesem Buch auf einfühlsame Weise auf, dass ein Pferd keinesfalls ein Sportgerät ist, das nach dem Benutzen in die Ecke gestellt wird. Den jungen Lesern wird durch die Erzählung aus Pferdesicht gefühlvoll nahegebracht, dass ein Pferd ein Lebewesen ist, mit dem man lernen muss zu kommunizieren. Besonders gelungen ist das Ende des Buches, das nicht direkt ein Happy End beinhaltet, dem Leser jedoch eine wichtige Botschaft mit auf den Weg gibt: Es lohnt sich immer, nicht aufzugeben und die Situation aus der Sicht des Pferdes zu betrachten. Es ist nicht das sportliche Ergebnis, das am Ende zählt, sondern die Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

"Pferdeseele" ist ein Buch für junge Reiterinnen und Reiter oder junge Leser, die es noch werden möchten. Ich empfehle dieses Buch vor allem Eltern, die ihren Kindern den richtigen Umgang mit Tieren beibringen möchten. Marie-Therese Goldmann reflektiert auf eine tolle Art und Weise die Perspektive des Tieres und bringt Kindern näher, dass es sich um fühlende Lebewesen handelt, die genau wie Menschen krank werden können, Gefühle haben und bei falschem Umgang unter Schmerzen leiden.

Bewertung vom 15.04.2020
Qube
Hillenbrand, Tom

Qube


gut

Mit seinem Werk „Qube“ entführt Tom Hillenbrand den Leser erneut in eine faszinierende Welt der Zukunft. Der Autor überzeugt auch in diesem zweiten Band der Reihe "Aus der Welt der Hologrammatica" mit einem kreativen Weltenentwurf. Den Leser erwartet eine Welt, der Zukunft, in der aus technologischer Sicht nichts unmöglich erscheint.

"Weil er ständig auf Achse war, besaß Clifford dreißig über die ganze Welt verstreute Apartments. Sie sahen alle exakt gleich aus, vom Grundriss über Teppiche bin zu den Türgriffen. Die Wohnungen wurden zudem synchronisiert - hängte er beispielsweise in einer davon ein neues Poster übers Bett, wurde dieses in allen anderen Apartments binnen Millisekunden holographisch eingefügt." Zitat aus „QUBE" von Tom Hillenbrand, Seite 224.

Alles in allem bietet auch „Qube“ gute Ansätze für wirklich interessante Ideen im Bereich Science Fiction. Doch was Tom Hillenbrand hier in dem 560 Seiten umfassenden Buch vorlegt, kostet streckenweise einiges an Geduld. Die Handlung selbst schreitet eher gemächlich voran und hat gerade im Mittelteil etliche Längen, da die Handlung sich immer wieder in einer Masse aus technischen Details verliert und wenig vorangetrieben wird.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das häufige Wechseln des Geschlechts des Protagonisten. Fran und Francesco - der Körperwechsel sorgt zu Beginn noch für Spannung, wirkt ab einem gewissen Punkt aber nur noch zu gewollt. Der ursprüngliche Science Fiction Thriller schlägt irgendwann zu einer Art Rollenspielroman um, was zu einem harten Bruch führt. Die Bezeichnung Thriller führt in diesem Fall zu falschen Erwartungen. Spannende Sequenzen sucht der Leser oftmals vergeblich. Die Spannungskurve hängt eher durch, als dass sie stetig steigt. Obwohl der Autor flüssig schreibt und ab und an für Action sorgt, kommt man mit dem Lesen nur schwer voran.

Der Schluss des Buches macht einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits zeichnet sich das Ende relativ schnell ab und ist somit wenig überraschend - aber passend. Andererseits wirken gerade die letzen Seiten stark konstruiert. Es macht den Eindruck, als wäre am Ende etwas weggekürzt worden. Insgesamt bleibt "Qube" leider weit hinter meinen Erwartungen zurück. Von mir gibt es für diese Fortsetzung 2,5 Sterne.

Bewertung vom 09.03.2020
Der Tag, an dem die Welt zerriss / Vortex Bd.1
Benning, Anna

Der Tag, an dem die Welt zerriss / Vortex Bd.1


sehr gut

Mit ihrem Werk „Vortex - Der Tag, an dem die Welt zerriss“ entführt Anna Benning den Leser in eine faszinierende Welt der Zukunft. Die Autorin überzeugt in diesem Debüt mit einem kreativen Weltenentwurf. Den Leser erwartet eine Welt, in der die DNA vieler Lebewesen auf gefährliche Weise mit den Elementen Wasser, Luft und Feuer vermengt wurde.

"Unzählige ältere Aufnahmen flackerten über die Leinwand, Aufnahmen aus den zwanziger bis fünfziger Jahren, eine grausiger als die andere. Nicht nur Bilder von Zündern, die Häuser und ganze Siedlungen vernichteten, sondern auch Bilder von Wirblern, die Hochsicherheitseinrichtungen des Kuratoriums lahmlegten, und Bilder von Schwimmern, die Unterwasserstationen angriffen."
Zitat aus „Vortex - Der Tag, an dem die Welt zerriss" von Anna Benning, Seite 88.

Anna Benning beweist in diesem Erstlingswerk, dass sie nicht nur gut unterhalten kann. Ihr Debüt kann sowohl inhaltlich als auch sprachlich mit den Jugendbüchern bekannter Autoren mithalten. Der Leser steigt ohne großes Vorgeplänkel sofort in die Handlung ein und befindet sich schon nach ein paar Seiten mitten im gefährlichen Vortexrennen. Der Wettkampf ist nicht nur spannend gestaltet, sondern wirft auch einige Fragen auf.

"Dazu hatten die Vortexe selbst zahlreiche Opfer gefordert. Elf Anwärter galten noch als vermisst. Wie nach jedem Rennen waren Läufer ausgesandt worden, sie zu suchen, aber einige würden wahrscheinlich nicht gefunden werden. Wir hatten gewusst, was uns erwartet. Aber es tatsächlich zu erleben war etwas völlig anderes."
Zitat aus „Vortex - Der Tag, an dem die Welt zerriss" von Anna Benning, Seite 64.

Nach und nach gibt die Autorin mehr von dieser faszinierenden Welt der Zukunft preis. Die Handlung wird sehr geradlinig nach bekannten Mustern erzählt. Jedoch weiß Anna Benning immer wieder zu überraschen. Viele temporeiche Szenen treiben die Handlung voran und zeugen von der gekonnten Ausarbeitung des Debüts. Die Autorin lockt den Leser geschickt auf die eine oder andere falsche Fährte und baut über viele Schauplatzwechsel zusätzlich Spannung ein.

„Vortex - Der Tag, an dem die Welt zerriss“ ist ein spannendes Fantasy Jugendabenteuer mit einer zarten Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer mit der Natur vermengten Welt. Den Leser erwartet eine spannende Geschichte, die durch einen interessanten Weltenentwurf und actionreiche Szenen zu gefallen weiß. Von mir gibt es für dieses lesenswerte Debüt 4 Sterne.

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Bewertung vom 30.01.2020
Falling Skye / Skye Bd.1
Frisch, Lina

Falling Skye / Skye Bd.1


ausgezeichnet

„Kannst du deinen Gefühlen trauen“ ist der erste Band der Reihe „Falling Sky“ und stammt aus der Feder von Lina Frisch. Dieser Jugendroman bietet eine lesenswerte Kombination aus Gesellschaftskritik, Spannung und Zukunftsvision.

"Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man genau weiß, was gleich passieren wird - und man das Unausweichliche trotzdem nicht ändern kann. Der Boden fliegt auf mich zu und ich schließe die Augen."
Zitat aus "Falling Sky - Kannst du deinem Verstand trauen" von Lina Frisch, Seite 5.

So beginnt Skys Geschichte – eine Dystopie im Bereich Jugendliteratur, die politische Themen aufgreift und den Leser zum Nachdenken anregt. Lina Frisch bedient sich auf den ersten Blick an typischen Elementen aus dem Bereich Jugenddystopie, punktet aber mit einer soliden, lesenswerten Umsetzung. Die Autorin zeichnet in ihrer Reihe eine Welt, die dem klassischen Aufbau einer Dystopie im Jugendbuchsektor gleicht. Die USA existieren nicht mehr - im Zuge des Umbruchs wurde aus den Vereinigten Staaten die Gläserne Nation. Die Kombination aus Überwachung und einem Zwei-Klassen-System sorgt vermeintlich für Ruhe und Frieden. Es herrscht eine allgemeine Gleichheit, unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht. Die Gesellschaft wird in zwei Traits geteilt: Ratio (Rational) und Senso (Emotional). Jeder Bürger muss der Bestimmung seines Traits nachkommen und dementsprechend rationale Berufe, wie z.B. Arzt, oder emotionale Berufe, wie z.B. Erzieherin, ergreifen. Bis zum Tag ihrer Testung hatte Sky nie einen Grund, am System zu zweifeln. Doch schon bald gerät ihre Systemtreue ins Wanken.

Zu Beginn erkennt der erfahrende Vielleser einige bekannte dystopische Elemente. Doch entgegen der typischen Jugenddystopien setzt Lina Frisch weniger auf nervenzehrende Spannung und actionreiche Szenen. Der Fokus des Buches liegt eher auf der psychologischen Ebene, die der Zielgruppe entsprechend gut ausgearbeitet wurde. Die Testung verlangt Sky und ihren Mitstreiterinnen alles ab. Schnell stellt sich die Frage, wie der Leser sich an Skys Stelle entscheiden würde. Für Freunde, die Familie, die Gesellschaft oder den Trait, der über die gesamte Zukunft entscheidet? Die Autorin erschafft einen interessanten Gewissenskonflikt beim Leser. Verpackt in eine Geschichte über den gesellschaftlichen Umbruch eines Landes, Machtmissbrauch, repressive Kontrolle und Verrat wird der Leser immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie weit man gehen würde, um in der Testung dem gewünschten Trait zugeordnet zu werden. Einziger Wermutstropfen bei der Erschaffung dieser fiktiven Zukunft ist das Fehlen von Details zum Umbruch und der Maßnahmen, die eine komplette Bevölkerung in kurzer Zeit ruhigstellen konnten.

Lina Frisch erzählt Skys Geschichte locker und unterhaltsam, gibt der Geschichte gleichzeitig aber viel Raum für Teenagerprobleme, Streit und Zickenkriege. Da es sich um ein Jugendbuch handelt, sollte der erwachsene Leser an dieser Stelle jedoch ein Auge zudrücken. Der Plot rund um die Testung ist stimmig und mitreißend, lastet aber so schwer, dass die Liebesgeschichte im Hintergrund verblasst. Der männliche Protagonist wird zwar kontinuierlich in die Handlung eingebaut, die plötzliche Verliebtheit von Sky erschließt sich dem Leser dadurch aber leider nicht. Abgesehen von diesen kleinen Schwächen versteht die junge Autorin es ausgezeichnet, den Leser auch ohne viele actionreiche Szenen zu fesseln.

Mit „Falling Sky – Kannst du deinen Gefühlen trauen“ hat Lina Frisch ein lesenswertes Debüt erschaffen, das vor allem durch den Fokus auf der psychologischen Ebene und dem daraus entstehenden Gewissenskonflikt zu gefallen weiß. Den Leser erwartet eine interessante Dystopie für Jugendliche, die nicht nur gut zu unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Die Geschichte wurde sowohl sprachlich als auch inhaltlich gut ausgearbeitet und lässt sich flüssig und spannend lesen. Von mir gibt es für diesen gelungenen Reihenauftakt 4 Sterne.