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Bewertungen

Insgesamt 321 Bewertungen
Bewertung vom 18.11.2019
Der Bär und die Nachtigall / Winternacht-Trilogie Bd.1
Arden, Katherine

Der Bär und die Nachtigall / Winternacht-Trilogie Bd.1


ausgezeichnet

„Der Bär und die Nachtigall“ ist der erste Band der Winternight-Trilogie und stammt aus der Feder von Katherine Arden. Dieser Roman bietet lesenswerte und intelligente Folklore im neuen Gewand, die sich spürbar vom Mainstream abhebt und den Leser in den Bann schlägt.

„Es war Spätwinter in Nord-Rus und der Himmel düster vom Niederschlag, der weder Regen noch Schnee war. Die strahlende Februarlandschaft war vom trostlosen Grau des Monats März verdrängt worden.“ Zitat aus "Der Bär und die Nachtigall" von Katherine Arden, Seite 11.

So beginnt Wasjas Geschichte - ein Roman mit historischen Elementen, der in ein wundervolles Wintermärchen übergeht. Der Schreibstil ist flüssig und das winterliche Setting wird auf atmosphärische Weise auf den Leser übertragen. Katherine Arden zeichnet in dem Auftakt ihrer Trilogie eine düstere Welt des alten Russlands, eingebettet in ein eisiges Setting. Ein russisches Dorf bildet eine atmosphärische Kulisse, die ihre ganz eigene Magie besitzt. Eisige Temperaturen, dicke Schneeflocken und tiefe Wälder erwarten den Leser im Rus – einem fast vergessen Reich voller Mythen, Legenden und Sagen. Die raue Magie des eisigen Settings versetzt den Leser in wohlige Winterstimmung, doch tief im verschneiten Wald lauern ungeahnte Gefahren. Die düstere Atmosphäre voller unterschwelliger Gefahr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wer hier eine rasante und nervenzehrende Story erwartet, wird enttäuscht sein. Die Spannungskurve steigt zwar immer wieder leicht an, insgesamt verläuft die Geschichte aber sehr ruhig. Die Autorin nimmt sich viel Raum für Details und eine realistische Darstellung der damaligen rauen Zeit.

Die Welt ist im Umbruch, der alte Glauben prallt gegen den Einzug des Christentums. Haus- und Naturgeister weichen dem Glauben an Dämonen und verirrte Seelen, die es zu erlösen gilt. Im Fokus des Umbruchs steht die junge Wasja, die Tochter eines russischen Fürsten mit reichen Ländereien. Der Leser begleitet das Mädchen über viele Jahre hinweg. Wasja ist der Inbegriff von Freiheit. Wild, unbezähmbar und nicht in der Lage sich anzupassen, macht sie ihrem Vater das Leben schwer. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit rebelliert das junge Mädchen gegen das damalige typische Frauenbild. Schnell rückt sie in den Fokus der Kirche. Doch während der neue Dorfpfarrer nach der Erlösung von Wasjas Seele strebt, erhebt sich in den dunklen Tiefen der Wälder eine uralte Gefahr, die das gesamte Dorf auslöschen könnte.

"»Was bedeutet das, hüte dich vor den Toten?«
Der Leshy neigte das altehrwürdige Haupt. »Drei Zeichen.
Das vierte sind die Toten«, antwortete er und verschwand.
Um Wasja herum war nur noch Vogelgezwitscher und das Rascheln der Blätter." Zitat aus "Der Bär und die Nachtigall" von Katherine Arden, Seite 241.

„Bär und die Nachtigall“ ist eine Geschichte weitab vom Mainstream, die einen unwiderstehlichen Sog auf den Leser ausübt. Ein eisiges Reich voller Mythen, Legenden uns Sagen wartet darauf entdeckt zu werden. Was Katherine Arden hier in der 420 Seiten umfassenden Geschichte vorlegt, steckt die Messlatte für die Fortsetzung hoch. Von mir gibt es für diesen zugleich düsteren und magischen Roman 4,5 Sterne. Eine klare Leseempfehlung für alle, die atmosphärische Geschichten abseits vom Mainstream mögen, in denen auf alle gängigen Klischees verzichtet wird.

Bewertung vom 12.11.2019
Palast aus Glas / Reckless
Funke, Cornelia

Palast aus Glas / Reckless


sehr gut

"Palast aus Glas" beinhaltet acht Kurzgeschichten, die den Leser in verschiedene Winkel des Reiches hinter den Spiegeln entführen. Kennern der "Reckless" Saga wird einiges bekannt vorkommen, doch alle anderen Leser betreten mit diesem Büchlein magisches Neuland.

Cornelia Funke verzaubert mit einer farbenprächtigen Welt voller Magie und überzeugt mit einem sehr einnehmenden Schreibstil. Der Autorin gelingt es meisterlich, die magische Welt hinter den Spiegeln im Kopf des Lesers Gestalt annehmen zu lassen. Mit dieser zauberhaften Sammlung von Geschichten beweist Cornelia Funke ihr Talent zur Kreativität. Trotz der Kürze verfügen fast alle Geschichten über Tiefgang und Gefühl. Die Atmosphäre empfand ich einerseits als sehr märchenhaft, aber andererseits auch als magisch und hoffnungsvoll. "Reckless" Fans werden sich besonders über "Das Geschenk" freuen. Erfahrene Reisende der Spiegelwelt erfahren in dieser Geschichte, wie Celeste zu einem Fuchs wurde. Lesenswert ist auch "Die Geige des Strömkarlen", eine Geschichte über die Suche von Fuchs und Jacob Reckless nach verlorenen Zauberdingen. Meine persönliche Empfehlung für die dunkle Jahreszeit sind die Weihnachtsgeschichten " Das Glas, das Blei und Gold beschwert" und "Weihnachtszauber in Hammaburg". Ich persönlich liebe Weihnachtsgeschichten und war der winterlichen Welt hinter den Spiegeln auf Anhieb verfallen.

"Es hatte die ganze Nacht geschneit. Die Flocken waren so dicht auf Londra herabgewirbelt, als fielen die Sterne vom Himmel, um die Stadt für den Weihnachtsabend zum Strahlen zu bringen. Der Schnee hatte das Kopfsteinpflaster mit einem Teppich bedeckt, der all die Geräusche dämpfte, mit denen Londra erwachte, und so weich war, dass Tabetha fast vergaß, wie kalt er sich unter ihren ausgetretenen Schuhen anfühlte." Zitat aus "Palast aus Glas - eine Reise durch die Spiegelwelt" von Cornelia Funke, Seite 9.

Lesenswert für alle, die die Welt hinter den Spiegeln schon bereist haben oder neu entdecken möchten: Für alle, die "Reckless" schon kennen, ist die Kurzgeschichtensammlung "Palast aus Glas" eine perfekte Ergänzung zu der Reihe. Für alle anderen Leser bietet dieses Büchlein die perfekte Gelegenheit, einen ersten Eindruck von Funkes bekannter "Reckless" Saga zu erhalten.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.11.2019
Lady Smoke / Ash Princess Bd.2
Sebastian, Laura

Lady Smoke / Ash Princess Bd.2


gut

Laura Sebastian konnte mich mit dem düsteren Fantasy Reihenauftakt "Ash Princess" unglaublich begeistern, sodass ich die Fortsetzung unbedingt lesen musste. Der Auftakt der Trilogie punktet mit einer starke Heldin, die sich in einer grausamen Welt behaupten muss. Mich persönlich hatte gerade die düstere Atmosphäre in Kombination mit den starken Charakteren fasziniert. Der zweite Band schließt nahtlos an die Ereignisse des Reihenauftakts an. Doch leider entwickelt sich die Geschichte in eine völlig andere Richtung.

"Lady Smoke" ist in meinen Augen ein typischer Mittelband, der nur den Weg zum Finale bereitet und einige Längen mit sich bringt. Was Laura Sebastian hier in dem 576 Seiten umfassenden Buch vorlegt, kostet streckenweise einiges an Geduld. Schnell fällt dem Leser auf, dass vordergründig nur sehr wenig auf den vielen Seiten passiert. Kaum Überraschungen, wenig Action und viele Dialoge sorgen dafür, dass die Spannungskurve eher durchhängt, als dass sie stetig steigt. Die düstere Atmosphäre des ersten Bandes sucht man hier vergeblich. Stattdessen trifft man in "Lady Smoke" auf ein aus vielen Jugendbüchern bekanntes Element, das so gar nicht zu dieser Geschichte zu passen scheint: Die Brautschau. Gesucht wird in diesem Fall ein möglichst wohlhabender Bräutigam mit großer Armee, der Theos Reich zurückerobern soll.

"Ich habe schon genug für Astrea geopfert, möchte ich rufen, ich kann nichts mehr geben. Aber das stimmt nicht und das wissen wir beide. Letzten Endes gibt es nichts, das ich nicht aufgeben würde, um mein Land zu retten. Nicht meinen Willen. Nicht meinen Körper. Nicht mein Leben." Zitat aus "Lady Smoke " von Laura Sebastian, Seite 198-199.

Die Vorstellung der potenziellen Heiratskandidaten erfolgt nüchtern und bildlos. Ein Kandidat reiht sich an den nächsten und die Handlung verliert sich in gefühlt unendlichen Dialogen und politischen Verstrickungen. Dieser Abschnitt nimmt einen sehr großen Teil des Buches ein und wirkt wie ein Lückenfüller, der die Leere zwischen dem ersten und dem dritten Band überbrücken soll.


Das obligatorische Liebesdreieck

Neben einigen Längen in der Handlung machte mir auch das obligatorische Liebesdreieck zu schaffen. Theo war der Inbegriff einer starken Protagonistin, doch in diesem Mittelband verliert sie Sympathiepunkte. Das Liebesdreieck wurde mir persönlich zu stark ausgereizt. Theo bezieht keine klare Position und es sieht fast so aus, als wenn sie mit beiden Männern spielt.


Fazit - ein typischer Mittelband

Insgesamt bleibt "Lady Smoke" weit hinter meinen Erwartungen zurück. Es handelt sich um einen typischen Mittelband, der mit unnötiger Handlung und dem obligatorischen Liebesdreieck künstlich aufgefüllt wurde. Den Leser erwarten kaum Überraschungen und wenig Action, dafür aber umso mehr dialoglastige Szenen.

Bewertung vom 05.11.2019
TausendMalSchon
Woolf, Marah

TausendMalSchon


sehr gut

"TausendMalSchon" ist ein Einzelband im Fantasy Jugendbuchbereich und stammt aus der Feder von Marah Woolf. Wer die Bücher der Autorin liebt, wird auch an diesem neuen Werk viel Freude haben.

Marah Woolf punktet wie gewohnt mit einem einfachen und lockeren Schreibstil, der den Leser schnell gefangen nimmt. Das Buch liest sich sehr angenehm und wird vor allem jungen Mädchen im Teenageralter gut gefallen. Die Idee der Selenmagie fand ich sehr ansprechend und interessant. Wie in allen Büchern von Marah Woolf liegt der Fokus der Geschichte auf den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es gab einige Punkte, die mich sehr neugierig zurückgelassen haben. Potenzial für mehr ist auf jeden Fall vorhanden. Leider werden diese Punkte nur angerissen und rücken zu Gunsten der Liebesgeschichte in den Hintergrund.

„Ich musste herausfinden, wohin es mich dieses Mal verschlagen hatte. Sprang meine Seele jetzt willkürlich durch die Zeit? Was war aus meinem Ich im Jahr 1921 geworden? Ich wollte mich aufrichten, um aufzustehen, als ein Arm sich um meine Taille schlang.“ Zitat aus "TausendMalSchon" von Marah Woolf, Seite 359

Die Rollenverteilung der Charaktere gestaltet sich sehr typisch für ein Jugendbuch. Auf der einen Seite das junge, etwas unsichere Mädchen - auf der anderen Seite der vermeintliche Bad Boy und seine Freunde. Teilweise fühlte ich mich schon etwas zu alt für die Geschichte, weil ich doch mehr Interesse an den Hintergründen, als an der Liebesgeschichte und dem damit verbundenen Hin und Her hatte. Doch für die angegebene Zielgruppe von ab 14 Jahren ist das Buch perfekt geeignet. Liebenswerte Charaktere machen es leicht, der Geschichte zu folgen. Die Story ist relativ leicht vorhersehbar, bringt aber immer mal wieder kleine Überraschungen mit sich, die der Handlung Würze geben. Das Finale wirkt ein wenig kurz, punktet aber mit einer emotionalen Achterbahnfahrt, die Teenager begeistern wird.

"TausendMalSchon" konnte mich durchaus gut unterhalten und das Lesen hat dank des lockeren Schreibstils Spaß gemacht, obwohl ich mich teilweise zu alt für die Geschichte gefühlt habe. Ein toller Einzelband für alle Fans von Marah Woolf sowie jüngere Leserinnen.

Bewertung vom 30.10.2019
Der Junge, der träumte / Strange the Dreamer Bd.1
Taylor, Laini

Der Junge, der träumte / Strange the Dreamer Bd.1


sehr gut

Laini Taylor konnte mich schon mit ihrer Trilogie „Zwischen den Welten“ begeistern, sodass ich lange Zeit sehnsüchtig auf die Übersetzung von „Strange the Dreamer“ gewartet habe. Die Autorin zieht den Leser tief in ein märchenhaftes Reich voller Geheimnisse, Legenden und Mysterien, in dem die Grenze zwischen Traum und Albtraum fließend ist. Die Autorin verzaubert mit einer farbenprächtigen Welt. Märchenhafte Beschreibungen untermauern die Magie und den Zauber der von Laini Taylor erschaffenen Welt. Es ist fast unmöglich, sich dem Bann des poetischen Schreibstils zu entziehen. Laini Taylor gelingt es, die eigenen Sehnsüchte zu berühren und dem Leser einen Traum einzupflanzen. Denn wie Lazlo verzehrt man sich geradezu nach der vergessenen Stadt, die so viele Wunder verspricht. Die Autorin verwebt Worte zu Magie und rüttelt an verborgenen Emotionen, die in unserer Seele schlummern. Die Geschichte lebt weniger von spannenden Momenten, sondern von der Magie der Worte, die den Leser in ein Reich der Träume entführt.


"So trieb er dahin, den Kopf voller Mythen und immer halb in einer anderen Welt verloren, die aus Geschichten gesponnen war. Dämonen und Flügelschmiede, Seraphim und Geister, er liebte sie alle. (…) Denn Lazlo hatte einen Traum, der ihn beharrlich begleitete und der so sehr ein Teil von ihm geworden war, dass es sich anfühlte wie eine zweite Seele unter seiner Haut. Seine ganze Gedankenlandschaft war davon geprägt, eine zerklüftete, überwältigende Wildnis, passend zu einem kühnen, großartigen Traum.“ Zitat aus "Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte" von Laini Taylor, Seite 29.


Der Träumer und die Götterbrut.

Die Geschichte gliedert sich in zwei Erzählstränge, die sich langsam annähern. Besonders interessant ist die Darstellung der Charaktere, da Laini Taylor auf die üblichen Klischees verzichtet. Lazlo ist ein Träumer, der sein Dasein im Schatten anderer verbringt. Geschichten und Träume sind sein Leben und sein einziger Besitz. Sarai hingegen ist der Feind - stark, gefährlich und todbringend.

Der Wermutstropfen – Das abrupte Ende.

Laini Taylor konnte mich mit „Strange the Dreamer – Der Junge, der träumte“ verzaubern und begeistern. Nur ein Wermutstropfen bleibt, der allerdings nicht in den Händen der Autorin liegt. Im Original besteht die Reihe aus zwei Bänden, die im deutschen anscheinend gesplittet wurden. Der deutsche Reihenauftakt endet nicht mit einem Cliffhanger, sondern schlicht und einfach mitten in der Geschichte. Das ganze Buch wirkt wie ein langer Vorspann und an dem Punkt, an dem beide Erzählstränge zusammenlaufen und es spannend wird, hört die Geschichte einfach auf. Für den Leser ist dieser harte Bruch wenig nachvollziehbar und frustrierend.

Fazit: Ein Buch zum Wohlfühlen und Träumen

„Strange the Dreamer“ ist ein Buch, das man lange im Herzen behalten wird. Laini Taylor überzeugt mit opulenten Beschreibungen und verwebt fantasievolle Elemente zu einem vielschichtigen, magischen Werk. Die Geschichte wirkt wie ein schäumendes Meer: kraftvoll, wild, unbändig und voller Sagengestalten. Jede Welle trägt eine neue Überraschung heran: Götter, Geister, Seraphim und Monster – eine Sinfonie aus Wunder und Schrecken, träumerischer Süße und todbringender Schatten.

Bewertung vom 09.10.2019
Das Institut
King, Stephen

Das Institut


ausgezeichnet

Stephen King hat mich schon mit vielen seiner Bücher unglaublich begeistert, sodass ich sein neues Werk unbedingt lesen musste. „Das Institut“ ist ein großartig erzählter Roman, der solide ausgearbeitet wurde und sich ebenso flüssig wie spannend lesen lässt. Einziger Wermutstropfen ist der etwas langatmige Einstieg in die Geschichte. Der Sinn des ersten Erzählstrangs erschließt sich dem Leser erst recht spät und hätte kürzer ausfallen können. Hat man die ersten 63 Seiten hinter sich gebracht, lässt das Buch den Leser nicht mehr los.

Eindringlich, fesselnd, intensiv
Lukes Leben scheint nahezu perfekt zu sein – bis zu jenem verhängnisvollen Tag, an dem sich sein Leben für immer verändert. Der Erzählstrang von Luke hat mir unglaublich gut gefallen, da die Emotionen richtig greifbar sind. Luke hat mich als Charakter begeistert und immer wieder beeindruckt. Seine Erlebnisse im Institut zeugen von tiefer Abgründigkeit der menschlichen Seele. Verzweiflung, Unsicherheit und Angst werden im Leser lebendig. Luke ist auf der einen Seite weich und verletzlich, ein verlorenes Kind, das plötzlich erwachsen werden muss. Auf der anderen Seite beeindruckt er mit seinem mutigen und selbstlosen Naturell. Auch andere Kinder spielen eine wichtige Rolle. Stephen King arbeitet mit vielen zwischenmenschlichen Aspekten und erschafft dadurch authentische Charaktere. Die Geschichte der Kinder im Institut hat mich wahnsinnig berührt und nicht mehr losgelassen. Durch die beständige Sorge um die Kinder schafft der Autor ein intensives Leseerlebnis.

"Luke öffnete die Augen und starrte auf die weiße Wand des Tanks. An mehreren Stellen war die Farbe abgekratzt, vielleicht von den Fingernägeln anderer Kinder, die man dieser strikt für Pinks reservierten Folter unterzogen hatte." Zitat aus "Das Institut" von Stephen King, Seite 325.

Erschütternd, voller Grauen und Angst.
Düstere Szenen lassen den Leser in den Abgrund der menschlichen Seele schauen. Experimente, Schikane und Folter stehen an der Tagesordnung. Dabei verpackt Stephen King das Übernatürliche so geschickt, dass es völlig authentisch wirkt. Im Vordergrund stehen weniger die grausamen Szenen, sondern die psychologische Ebene des Romans. Stephen King lässt der Darstellung der Kinder viel Raum. Die Charaktere sind wahnsinnig gut ausgearbeitet. Die facettenreiche Darstellung der Kinder lässt die Geschichte im Kopf real werden. Gnadenlos nimmt das Schicksal seinen Lauf. Der Leser erhascht mehr als einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Es existiert kein Mitgefühl, keine Reue - das Ziel steht über allem. Doch eines vergisst der Leser nie: es sind Kinder, die dort gefoltert werden. Kinder, die anstatt Angst vor schlechten Noten, Angst vorm Sterben haben. Gerade der Aspekt der verlorenen Kindheit und der damit einhergehenden tiefen Angst erschüttert den Leser.

Fazit - unbedingt lesen!
„Das Institut“ ist eines meiner Highlights 2019! Von mir gibt es für diese fesselnde und erschütternde Geschichte volle 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 04.10.2019
Die Verschwörung von Brigant / Kingdoms of Smoke Bd.1
Green, Sally

Die Verschwörung von Brigant / Kingdoms of Smoke Bd.1


gut

„Die Verschwörung von Brigant“ ist der erste Band der Reihe "Kingdoms of Smoke" und stammt aus der Feder von Sally Green. Der Klappentext hatte mich magisch angezogen, da die Anzahl der verschiedenen Erzählstränge mich an "Throne of Glass erinnert hatte. Zudem mag ich komplexe Fantasybücher, die vielschichtig aufgebaut sind. Leider ist das bei "Kingdoms of Smoke" nicht der Fall. Die Ausarbeitung der Welt und vor allem der Charaktere ist sehr oberflächlich, wodurch meine Enttäuschung groß war.

Der Einstieg in das Buch ist mir dank des einfachen Schreibstils sehr leicht gefallen. Auch an Spannung mangelte es nicht, da die Autorin die ersten Szenen sehr gut ausgewählt hat. Es gibt teilweise grausame Szenen, die dem Leser ein gutes Bild der Unbarmherzigkeit der Königsfamilie zeigen und zum Nachdenken anregen. Doch nach und nach geht die anfängliche Spannung verloren und die Geschichte tröpfelt nur noch vor sich hin. Einzig die Idee des Dämonenrauchs hat dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht aus der Hand gelegt habe.

"Sie erschauerte. Die Nachtluft war kalt und sie drückte die Flasche an ihren Bauch. Die Wärme breitete sich in ihrem Körper aus. Sie mochte die Wärme von Dämonenrauch. Natürlich würde sie ihn niemals inhalieren. Davor hatte Gravell sie eindringlich gewarnt." Zitat aus "Kingdoms of Smoke - Die Verschwörung von Brigant" von Sally Green, Seite 66.

Das Geheimnis des Dämonenrauchs hat mich zugegeben sehr neugierig gemacht und ich wollte unbedingt wissen, was es damit auf sich hat. Leider hat mir vor allem die oberflächliche Ausarbeitung der Charaktere Schwierigkeiten bereitet. Es gibt mehrere Erzählstränge, die aufeinander zulaufen. Dadurch lernt der Leser viele Charaktere kennen und bekommt in der Regel ein umfassendes Bild der Welt geboten. Sally Green hat die Charaktere bestenfalls angerissen. Sie wirken austauschbar und es fehlt an Tiefe. Zudem war mir kein einziger Charakter sympathisch, wodurch ich nicht mitfiebern konnte. Insgesamt macht die Geschichte auf mich einen sehr konstruierten Eindruck. Auf den ersten Blick wirkt das Buch durch seine hohe Seitenanzahl und mehrere Erzählstränge komplex, was aber leider nicht der Fall ist. Im Verglich mit komplexen Fantasybüchern wie "Throne of Glass" oder "Game of Thrones" schneidet "Kingdoms of Smoke" nicht gut ab, denn es mangelt schlicht und einfach an der Umsetzung. Die Erzählstränge sind relativ einfach gestrickt, ohne große Überraschungen. Dramatik, Spannung und Action fehlen im gesamten Mittelteil. Der Schreibstil ist sehr einfach, wie auch der Aufbau der Welt und die Ausarbeitung der Charaktere. Im letzten Viertel des Buches wird das Tempo ordentlich angezogen und es kommt wieder Spannung auf. Der Kontrast zum Mittelteil ist so stark, dass man schon fast das Gefühl hat, plötzlich ein anderes Buch zu lesen. Das letzte Viertel konnte dafür aber einiges wieder wettmachen und meine Meinung etwas positiver stimmen.

Der Reihenauftakt "Kingdoms of Smoke - Die Verschwörung von Brigant" konnte mich insgesamt leider nicht überzeugen. Die Geschichte bringt kaum neue Ideen oder Elemente mit und zieht sich besonders im Mittelteil in die Länge. Es fehlt insgesamt an Tiefe, sowohl beim Weltenaufbau, als auch bei den Charakteren. Daher gibt es von mir schweren Herzens ganz knappe 3 Sterne.

Bewertung vom 30.09.2019
Der Himmel wird beben / Ophelia Scale Bd.2
Kiefer, Lena

Der Himmel wird beben / Ophelia Scale Bd.2


ausgezeichnet

„Der Himmel wird beben" ist der zweite Band der Reihe "Ophelia Scale" und stammt aus der Feder von Lena Kiefer. Der erste Band konnte mich dank einiger unvorhersehbarer Wendungen und einem Netz aus Lügen und Intrigen überzeugen. Meine Erwartungen an Mittelbände von Reihen sind in der Regel nicht besonders hoch, aber Lena Kiefer übertrifft sich selbst. Spannung, Romantik und Nervenkitzel lassen das Leserherz höherschlagen.

Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leicht gefallen, da die Geschichte mich von der ersten Seite wieder in den Bann ziehen konnte. Die Fortsetzung schließt nahtlos an den ersten Band an und startet direkt voller Spannung. Dank des angenehmen Schreibstils und der packenden Handlung lässt sich das Buch sehr schnell lesen. Lena Kiefer versteht es perfekt, den Leser in ihrer Welt versinken zu lassen. Besonders gut haben mir die vielen technischen Details gefallen, die das Feeling eines Agentenfilms perfekt machen.

"»Was sind EffortSuits?«
»Spezialanzüge für besonders schwierige Missionen«, antwortete er. »Stoßdämpfend, kugelsicher, thermoausgleichend und für Unterwassereinsätze geeignet. Sie sind vollgepackt mit Technologie, deswegen kommen sie nur selten zum Einsatz. Es wäre nicht gut, wenn einer der Anzüge dem Feind in die Hände fällt.«" Zitat aus "Ophelia Scale - Der Himmel wird beben" von Lena Kiefer, Seite 271.

Dieser Mittelband ist noch spannender und emotionaler als der erste Band. Die Handlung wird insgesamt sehr schnell vorangetrieben, was mir gut gefallen hat. Der Leser kommt teilweise kaum noch zum Luftholen und wird förmlich von den Ereignissen mitgerissen. Es wird spannend, dramatisch und rasant. Der Plot wirkt gut durchdacht und konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite packen. Trotz der vielen sich überschlagenden Ereignisse bleibt noch genügend Raum für die Liebesgeschichte. Lena Kiefer hat eine geniale Mischung aus Spannung, Romantik und Nervenkitzel erschaffen. Das Buch ist insgesamt perfekt, denn es stimmt einfach alles. Plot, Spannungsbogen und Charaktere wirken stimmig, authentisch und mitreißend. Für mich ist Lena Kiefer die Überraschung des Jahres 2019. Ich freue mich schon sehr auf das Finale der Reihe und hoffentlich viele weitere Bücher der Autorin.

Mit dem Mittelband "Ophelia Scale - Der Himmel wird beben" hat Lena Kiefer sich selbst übertroffen. Die Autorin kombiniert einen spannenden, actionreichen Plot mit einer turbulenten Liebesgeschichte voller Höhen und Tiefen. Diese Reihe ist für Fans von Jugend Dystopien ein absolutes Must-read. Von mir gibt es volle 5 Sterne und ich kann es kaum erwarten, im dritten Band wieder in der Welt nach der Abkehr abzutauchen.

Bewertung vom 25.09.2019
Shadowsong
Jae-Jones, S.

Shadowsong


gut

„Shadowsong" ist der zweite Band der Dilogie "Erlkönig Saga" und stammt aus der Feder von S. Jae-Jones. Der erste Band konnte mich mit seiner düsteren und mystischen Atmosphäre völlig in den Bann ziehen. Daher waren meine Erwartungen an "Wintersong" dementsprechend hoch. Leider spielt das Finale der Reihe in unserer Welt, wodurch der Zauber des ersten Bandes fast vollständig verloren geht. Viele Passagen erinnern an einen historischen Roman und auch der Erlkönig kommt erst sehr spät ins Spiel. Insgesamt hat mich dieses Buch recht enttäuscht zurückgelassen.

Der Einstieg in das Buch ist mir nicht so leicht gefallen, da die Geschichte mich einfach nicht packen konnte. Die Ereignisse im Reich des Erlkönigs sind nicht spurlos an Liesl vorbeigegangen. Sie wirkt lethargisch und depressiv. Ich konnte ehrlich gesagt wenig mit ihr anfangen und wollte sie oft einfach nur schütteln. Der Leser erfährt viel aus dem neuen Alltag von Liesl und die Geschichte tröpfelt längere Zeit vor sich hin. Ich war ehrlich gesagt oft versucht, das Buch zur Seite zu legen. Nur die Passagen, in denen Musik ins Spiel kam, konnten mich packen. Denn mit der Musik kommt die Erinnerung an das Reich des Erlkönigs.

"Ein Eishauch schien durch den Saal zu streifen, obwohl keine Brise die Spitzensäume und den Federschmuck der Gäste durchfuhr. Der Geruch nach Erde und Lehm, nach Orten der Tiefe stieg empor, eine Kaverne aus Klang und Empfindung. War das ein Wassertropfen, der auf Stein fiel? Oder das ferne Rumpeln einer wilden Flucht?" Zitat aus "Shadowsong" von S. Jae-Jones.

Die Geschichte spielt fast ausschließlich in unserer Welt, wodurch die düstere und mystische Atmosphäre des ersten Bandes verloren geht. Die Fortsetzung bietet einiges an Potenzial, das aber nicht genutzt wird. Der Erlkönig kommt als Charakter erst sehr spät zum Tragen und auch die Wilde Jagd hätte wesentlich besser eingesetzt werden. Es fehlt insgesamt leider an Spannung und an magischen Elementen. Das letzte Viertel des Buches kann noch ein wenig der vorangegangenen Enttäuschung wettmachen. Das Tempo wird angezogen und es kommt Spannung auf. Insgesamt hatte ich aber leider mehr erwartet.

"Shadowsong" von S. Jae-Jones kann man lesen, muss man aber nicht. Im Gegensatz zum ersten Band fehlt es an Magie. Der märchenhafte Zauber der "Erlkönig Saga" geht in diesem Band leider verloren. Das Ende hingegen macht einiges wieder wett. Insgesamt kann ich aber schweren Herzens trotzdem nur knappe 3 Sterne vergeben.

Bewertung vom 24.09.2019
Die unbewohnbare Erde
Wallace-Wells, David

Die unbewohnbare Erde


sehr gut

Das Thema Klimaschutz ist mittlerweile in aller Munde und beschäftigt immer mehr Menschen. Doch kennen wir wirklich alle Fakten, oder kommt vieles gar nicht bei uns an? Mit "Die unbewohnbare Erde - Leben nach der Erderwärmung" hat der Journalist David Wallace-Wells wissenschaftliche Erkenntnisse in Buchform gebracht, die wirklich jeden wachrütteln sollten.

Interessant ist vor allem die Tatsache, dass David Wallace-Wells sich nicht als Umweltaktivist sieht. Er ist Kolumnist und stellvertretender Chefredakteur beim „New York Magazine“, wo er immer wieder Beiträge zum Thema Klimawandel verfasst. "Die unbewohnbare Erde - Leben nach der Erderwärmung" basiert auf vielen wissenschaftlichen Fakten und fordert daher viel Aufmerksamkeit vom Leser. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und bereits geschehenen Katastrophen, zu denen der Autor teilweise seine Gedanken äußert. In seinem Buch stellt David Wallace-Wells sowohl Best-Case Szenarien, als auch Worst-Case Szenarien vor.

"Die Vorhersagen der Vereinten Nationen sind noch erschreckender. 200 Millionen Klimaflüchtige bis 2050. Das entspricht der gesamten Weltbevölkerung in der Blütezeit des römischen Reiches, falls man sich vorstellen kann, dass jeder Mensch, der damals irgendwo auf der Erde lebte, sein Zuhause verlor und sich auf den Weg durch unwirtliche Gegenden machte, um ein neues zu finden." Zitat aus "Die unbewohnbare Erde - Leben nach der Erderwärmung" von David Wallace-Wells, Seite 17

Vieles war mir tatsächlich bisher nicht bekannt. Macht mir dieses Buch Angst - definitiv! Diverse Zukunftsszenarien sind wahnsinnig erschreckend, zumal diese voraussichtlich noch in meiner Lebensspanne liegen werden. Sollte man in Panik verfallen? - nein, denn noch ist es nicht zu spät. Nach dem Lesen dieses Buches lebe ich bewusster und versuche einen kleinen Teil zu einer besseren Welt beizutragen. Denn jeder von uns kann etwas tun, es ist nur nicht komfortabel und man ist ja im Laufe des Lebens bequem geworden. Doch das Wissen, was da alles auf uns zukommen kann, ist (zumindest für mich persönlich) Motivation genug. Was mir persönlich gefehlt hat, war ein kleiner Leitfaden oder eine To-do Liste für den normalen Alltag. Eine Übersicht über alle Punkte, die jeder einzelne von uns im Alltag ändern könnte, wäre klasse gewesen und hätte das trockene Fachwissen etwas aufgelockert. David Wallace-Wells geht auf viele unterschiedliche Faktoren ein, die das Klima beeinflussen. Genauso intensiv werden die Folgen der Erderwärmung dargestellt. Umweltkatastrophen, Krankheiten, Wassermangel und Nahrungknappheit sind nur ein paar Folgen, die besprochen werden. Besonders interessant fand ich den Abschnitt über das Massensterben der Saiga-Antilope im Jahr 2015. Über 200.000 tote Tiere in nur drei Wochen - und die Ursache war ein eigentlich harmloses Bakterium, das die meisten Saiga-Antilopen in sich tragen. Doch wie konnte ein harmloses Bakterium so plötzlich zur tödlichen Gefahr werden? Auslöser für das Massensterben war eine Veränderung des Klimas mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Unter diesen Umweltbedingungen konnten sich die Bakterien in der Blutbahn unkontrolliert vermehren und führten zu einem tödlichen toxischen Schock. 60% der gesamten Antilopen-Population starb innerhalb kürzester Zeit an innere Blutungen und Organversagen. Was genau bedeutet das für den in der Zukunft lebenden Menschen? Diese Frage kann niemand beantworten, doch eines ist klar: es gibt jede Menge Faktoren, deren Entwicklung und Auswirkungen auf den Menschen nicht absehbar sind.

"Die unbewohnbare Erde - Leben nach der Erderwärmung" ist ein Buch, das wachrüttelt und dem Leser viele Best-Case und Worst-Case Szenarien präsentiert. Besonders interessant sind die vielen Fakten, die der Öffentlichkeit im allgemeinen nicht bewusst sind. Der Journalist David Wallace-Wells hat ein anspruchsvolles Buch geschaffen, dass dadurch leider nicht alle L