Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Aljus.Bookblog


Bewertungen

Insgesamt 16 Bewertungen
12
Bewertung vom 18.01.2020
Das Institut
King, Stephen

Das Institut


ausgezeichnet

Worum geht es?
Der 12-jährige hochbegabte Luke wacht plötzlich in einem Zimmer auf, das seinem eigenen Zimmer nahezu identisch ist – aber nur nahezu. In einer ruhigen Vorstadtsiedlung von Minneapolis wurden Lukes Eltern ermordet und Luke betäubt und entführt. Mit einigen anderen Kindern seines Alters wird Luke nun in einem Gebäudekomplex festgehalten, das als „das Institut“ bezeichnet wird. Bald stellt Luke fest, dass alle Kinder etwas gemeinsam haben: sie haben parakinetische oder telepathische Fähigkeiten, die sie mehr oder weniger bewusst kontrollieren könnten. Tests und Versuche werden mit den Kindern durchgeführt und die „guten Kumpels“ werden mit Münzen für braves Verhalten belohnt. Dann erfährt Luke, dass bereits andere Kinder in den sogenannten „Hinterbau“ verlegt worden sind, und dass diese Kinder nie mehr wiedergesehen wurden. Als Lukes liebgewonne Freunde nun auch in den Hinterbau verlegt werden, wird der verzweifelte Wunsch immer größer aus dem Institut zu fliehen und Hilfe zu holen.

Meine Meinung:
Eigentlich könnte man die Handlung des Mystery-Thrillers „Das Institut“ in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen, dennoch ist das Buch mit seinen 768 Seiten ein ordentlicher Schinken geworden. All diese Seiten nutzt King, seine Geschichte zu entfalten, das Setting auszugestalten und den Figuren die nötige Charaktertiefe zu verleihen - und das finde ich großartig! King nimmt sich Zeit zum Erzählen und der Leser nimmt sich dadurch die Zeit in die Geschichte einzutauchen und Luke und seine Freunde ins Herz zu schließen. Wer bei diesem Buch auf einen schnellen Thriller hofft, bei dem auf jeder Seite dem Leser eine atemberaubende Wendung um die Ohren gehauen wird, wird hier womöglich enttäuscht sein. „Das Institut“ hat mich jedoch nicht enttäuscht, sondern mich vielmehr meisterhaft unterhalten, sodass ich dieses Buch wirklich genießen konnte. Trotz einiger Längen hatte ich niemals das Gefühl mich zu langweilen, im Gegenteil durchzog sich für mich ein konstanter Spannungsbogen, der zum Ende des Buches rasant zugenommen hat. Allerdings war das Ende für mich etwas unerwartet, und hat mich nicht ganz so überzeugt wie der Rest, was daran lag, dass zum Ende hin ein neues philosophisches Fass aufgemacht worden ist, welches die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive beleuchten sollte und dadurch die Spannung etwas nachgelassen hat. Insgesamt aber ein wunderbarer Mystery-Thriller, der mit subtilen Grauen spielt und mit einzigartigen Figuren ausgestattet ist. Ein absolute Leseempfehlung für alle Mystery-Fans!
[Aljus-bookblog.blogspot.com]

Bewertung vom 21.12.2019
Eisige Schwestern
Tremayne, S. K.

Eisige Schwestern


gut

Worum geht es?
Ein schreckliches Ereignis erschüttert die junge Familie. Nach dem tragischen Unfall ihrer sechsjährigen Tochter Lydia wollen Sarah und Angus Moorcroft auf einer abgelegenen und einsamen Privatinsel einen Neuanfang starten. Zusammen mit der siebenjährigen Kristie, der Zwillingsschwester der verstorbenen Lydia, ziehen sie auf die Insel Torran. Doch ihre Hoffnung auf Normalität und Familienglück schwindet, als Sarah den Verdacht schöpft, dass hinter Lydias tragischem Unfall möglicherweise doch mehr steckt, als sie zunächst gedacht hat und ihr Mann etwas vor ihr verbirgt. Und dann behauptet auch noch ihre Tochter Kristie, dass sie in Wirklichkeit Lydia sei und in Wahrheit ihre Zwillingsschwester Kristie damals vom Balkon gestürzt ist. Sarah gerät immer mehr darüber in Zweifel, was damals in der Unfallnacht passiert ist und fragt sich, welches Mädchen nun eigentlich an ihrer Seite lebt.

Meine Meinung zum Buch:
Dieser Psychothriller spielt mit den psychischen Abgründen der Figuren und stellt die Frage nach den Identitäten der Zwillingsmädchen sowie den Geschehnissen der Unfallnacht in den Fokus. Dabei begleitet der Leser die Mutter Sarah und erlebt mit ihr zusammen die verstörende Geschichte: spürt ihre Hoffnungen, aber auch ihre Verwirrtheit, Frustration und ihr zunehmendes Grauen. Kontinuierlich wird ein Spannungsbogen erzeugt, der den Leser mitreißt. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass in manchen Situationen die Spannung gekünstelt aufgestaut wird, obwohl es in der Erzählhandlung dafür nicht unbedingt einen Anlass gibt. Der Sprachstil dagegen ist angenehm und erzeugt einen flüssigen Lesefluss. Die zahlreichen Cliffhanger am Ende der Kapitel verleiten zum Weiterlesen und halten den Spannungsbogen aufrecht. Trotz der nervenaufreibenden, unheimlichen und mysteriösen Geschichte hatte ich einige Schwierigkeiten mit den Figuren: im Konkreten mit der Mutter Sarah. Sie wirkt zunehmend unsympathisch und befremdlich, teilweise sogar nervig. So steigert sich Sarah oft in Theorien und Annahmen hinein, die für den außenstehenden Leser nicht überzeugend oder nachvollziehbar sind - für Sarahs Gedankenwelt allerdings schon.
Dieser Thriller bietet viel Interpretationsspielraum und streut immer wieder Hinweise ein, die nicht nur die Figuren verwirren sollen, sondern auch den Leser. Bis zum Schluss tappt so der Leser im Dunkeln und eine erhellende Aufklärung der Geschehnisse gibt es leider nicht, sondern wird der Interpretation des Lesers überlassen.

Fazit: Insgesamt ein solider Thriller, der mich gut unterhalten hat. Allerdings fehlen mir in dieser etwas verwirrenden Geschichte besondere Überraschungsmomente, die der Geschichte eine besondere Würze verliehen hätten. Daher gute 3,5 Sterne.
[Aljus.Bookblog]

Bewertung vom 14.12.2019
Harz
Riel, Ane

Harz


sehr gut

Worum geht es?
Auf einem kleinen Teil einer Insel, der ‚Kopf‘ genannt wird, lebt eine junge Familie. Der Vater namens Jens hat den Schreinereibetrieb seines Vaters übernommen und führt im ehemaligen Elternhaus mit seiner Frau Maria und seiner kleinen Tochter Liv ein zurückgezogenes Leben. Fast autark wohnt dort die kleine Familie, den sie haben im Grunde alles, was sie zum eigenen Überleben brauchen. Da die restlichen Bewohner der Insel Jens für einen wortkargen, introvertierten und etwas befremdlichen Mann halten, bleiben sie ihm fern.
Jens hat eine besondere Beziehung zur Gegenständen und eine eigene Sicht auf die Welt und die Natur. Besonders die Tannen und ihr Harz üben auf ihn eine Faszination aus, den dieser klebrige Saft hat die Eigenschaft Dinge zu speichern und zu bewahren – ebenso wie Jens manischen Drang verspürt, Gegenstände zu sammeln, zu horten und sich nicht von ihnen trennen zu können. Und dieser Drang entwickelt sich nicht nur zu einer psychischen Obsession, sondern zu einem langsam heranschleichenden Grauen.


Meine Meinung:
„Harz“ ist ein ganz besonderes Buch und behandelt das Thema der Verlustangst und das ‚Nichtloslassen-Können‘. Die Geschichte entwickelt sich langsam und gleicht eher einem durch traurige und tragische Elemente gekennzeichnetem Familiendrama, als einem Thriller.
Die Besonderheit dieses Romans liegt in der Weltvorstellung des Vaters Jens und seine befremdliche Beziehung zu Objekten und sein schon manischer Wunsch, alles krampfhaft festzuhalten. Der Leser erhält eine sehr intensive Darstellung dieser Welt- und Wertvorstellung, die insbesondere auf Jens kleine Tochter Liv abfärbt. Durch ihre kindliche und unschuldigen Augen kann die schleichende Verwahrlosung und die katastrophalen Lebenszustände nur erahnt werden.
Der eigentliche Thrill und der wahre Schrecken enthüllt die Geschichte erst durch den Wechsel der Erzählperspektive. Hier zeigt der Roman seine wahre Stärke und hat mir nicht nur eine Gänsehaut beschert, sondern den einen oder anderen Moment der Abartigkeit und des puren Ekels.
„Harz“ ist kein Roman der lauten Worte, sondern eine traurige Familiengeschichte, die erst mit der Zeit sein Potenzial entfaltet und in der Klimax das Schreckliche und Grauenhafte offenbart.
Trotz eines eher ruhig gestalteten Anfangs, der für einige Leser möglicherweise zu gemächlich für einen Thriller verläuft, hat mich insbesondere der Schluss und die narrative Raffinesse des Romans überzeugt.
Daher kann ich diesem Roman voll verdiente 4 Sterne vergeben.

Bewertung vom 24.11.2019
Der letzte Lilienreiter
Hohmann, Peter

Der letzte Lilienreiter


gut

Worum geht es?
In einem kleinen Dorf lebt die junge Alvena. In ihrem Land ist erst kürzlich der König gestürzt und die mächtigen Lilienreiter, genannt Adana, zerschlagen worden. Nun versucht der Usurpator Hangar seine Macht auf dem Thron zu festigen und der magiekundige Larkus soll ihm dabei helfen. Allerdings verfolgt dieser seine eigenen, finsteren Pläne.
Fernab dieser ganzen Machtintrigen führt Alvena ein ruhiges Leben. Doch vermisst sie und sehnt sich nach ihren Eltern, die mit einigen anderen in den düsteren Berg, genannt Olothirs Hörner, hineingegangen waren und niemals wiedergefunden werden konnten.
Und dann ist da noch dieses unbekannte, brennende Gefühl in Alvena, eine brodelnde Macht, die immer wieder versucht herauszubrechen. Als sie dann eines Tages auf den verwundenen Padeus, den letzten Lilienreiter, trifft, ändert sich ihr ganzes Leben.

Meine Meinung:
"Der letzte Lilienreiter" ist mein zweiter Roman des Autors Peter Hohmann. Der erste Roman, den ich von diesem Autor gelesen habe, war "Magier des dunklen Pfades" und dieses Buch hat mich mit seiner gelungenen Atmosphäre und Charakterzeichnung begeistern können.
"Der letzte Lilienreiter" hat es mir da etwas schwieriger gemacht.

Von Beginn an bis etwa zur Mitte des Buches ist die Handlung äußerst spannend und die Geschichte hat mich absolut mitgerissen. Insbesondere einige großartige Ideen und überraschende Wendungen im Roman haben mich in den Bann gezogen und die Geschichte zu einem regelrechten Pageturner gemacht.
Die Geschichte ist mysteriös, entwickelt sich stetig und lässt den Leser gekonnt zunächst im Dunkeln tappen. Bewusst werden dem Leser lediglich einige Häppchen vorgesetzt, um ihn so hungrig auf die nächsten narrativen Leckerbissen zu machen.
Auch der sprachliche Stil und der wortgewandte Ausdruck haben mir durchaus gefallen. Man merkt, dass der Autor gekonnt mit der Sprache spielen kann und Sprachmittel bewusst einsetzt. Allerdings empfand ich einige Sätze als etwas zu verschachtelt und daher zu lang, sodass ich manchmal im Lesefluss etwas ins Stocken geraten bin.
In der zweiten Hälfte des Buches hat die Spannung bei mir leider nachgelassen. Das liegt dran, dass ich den Verlauf der Handlung und einige Ereignisse leider schon erahnen konnte und meine Vermutungen haben sich dahingehend auch bestätigt. Die Figurenzeichnungen und die Entwicklung der Figuren sind dagegen durchaus gelungen. Die Figuren offenbaren eine Tiefe, sodass ein Hineinfühlen und ein Nachvollziehen von Handlungsmotivation und Emotionen ermöglicht wurde. Lediglich Padeus bleibt ein großes Mysterium und sein Gefühlsleben ist nur über Dritte zu erahnen. Das diese Figur für mich so wenig greifbar geworden ist, ist ziemlich schade, da ich gern mehr von ihm erfahren hätte. So ist auch der Titel des Buches "Der letzte Lilienreiter" für meinen Geschmack auch nicht ganz passend, da der Lilienreiter weniger im Fokus der Handlung steht als Alvena. Es scheint, als wäre "Der letzte Lilienreiter" eher Alvenas Geschichte.
Die zweite Hälfte des Romans ist gegenüber der ersten wesentlich schwächer, da sie einige konstruierte Szenen aufweist, die auf mich etwas unrealistisch gewirkt haben.
Besonders das Ende war für mich nicht zufriedenstellend. Ohne zu viel verraten zu wollen, hatte ich den Eindruck, dass sämtliche Erzählstränge in ein offenes Ende übergeleitet worden waren, ohne die Geschichte richtig abzurunden. So endete die Handlung mitten in der Klimax und hat mich mit mehr als nur einer Frage zurückgelassen. Allerdings wäre an dieser Stelle eine Fortführung der Geschichte in einem Fortsetzungsband durchaus denkbar.

Fazit:
Ein Fantasyroman mit einem starken Beginn, spannender Handlung und tollen Ideen, der jedoch nicht auf voller Länge überzeugen konnte und in einem schwachen Ende mündet.
Daher gute 3,5 von 5 Sterne.
[aljus-bookblog.blogspot.com]

Bewertung vom 27.10.2019
Licht und Schatten
Drvenkar, Zoran

Licht und Schatten


sehr gut

Worum geht es?
Sibirien 1704. In einem kleinen Dorf wird ein Mädchen geboren – ein Mädchen, auf das schon viele so lange gewartet haben, - einige mit Freude und Hoffnung, andere jedoch lauern seit langer Zeit in der Finsternis und warten darauf die Seele der kleinen Vida zu stehlen.
Nach dem Tod ihrer Mutter wächst Vida unbekümmert bei ihrem Vater und ihren drei Tanten auf. Sie lernt die Welt mit offenem Herzen zu sehen und wird von ihren Tanten in jeglichen Wissensdisziplinen unterrichtet. Sie ist neugierig, lebensfroh und hat einen starken Willen. Als jedoch eines Tages der Architekt der Zeit sie findet, wird das Leben für die gefährlich, denn mit dieser Begegnung ist es für die dunkeln Mächte nun endlich möglich, Vida aufzuspüren – und sie haben schon so lange nach diesem Mädchen gesucht.

Zum Buch:
Der Erzähler Aren nimmt uns mit in eine grandiose Welt, eine Mischung aus Fantastik und Märchen, durchzogen vom russischen Flair. Da der Roman in Sibirien spielt, finden sich immer wieder Bezüge zur russischen Geschichte und Kultur, was mir besonders gut gefallen hat.
Vida ist mit ihrem Wissensdurst, ihrer unbändigen Charakterstärke und ihrem Mut eine sympathische Figur, die trotz ihres jungen Alters sehr weise wirkt. Ebenso zeichnen sich die anderen Figuren durch Besonderheiten aus, doch keiner hat diese furchtlose Ausstrahlung wie Vida.
Obwohl der Erzählstil etwas gewöhnungsbedürftig empfunden werden mag, ist der Roman wie ein exotischer Tee, dessen hervorragender Geschmack sich mit der Zeit entfaltet und in exquisiten Erzählpassagen mündet. So erzählt „Licht und Schatten“ vom klassischen Kampf zwischen Gut und Böse und beinhaltet eine dermaßen epische und gigantische Hintergrundgeschichte, dass sie fast schon zu mächtig wirkt, um sie in der Kürze der Zeit richtig fassen zu können. So erlebte ich gefühlvolle Momente, berührend und mitreißend, traurig poetisch, gleichzeitig jedoch laut und intensiv, gewaltig und gewaltvoll. Einige Szenen waren dermaßen unheimlich und teilweise eklig, dass selbst einem erwachsenen Leser ein Schauer über den Rücken laufen kann.
Obwohl „Licht und Schatten“ als Jugendbuch betitelt wird, ist der Roman aufgrund einiger brutalen und düsteren Elemente mehr für älteres Publikum geeignet. Das Buch hat mich durchweg überzeugt, lediglich das Ende konnte der Gesamtheit des Romans nicht ebenbürtig werden. Es ist ein akzeptables Ende, aber es ist auch ein Ende, das Fragen offen lässt und dadurch Möglichkeiten einer Fortsetzung aufwirft.
„Licht und Schatten“ hat eine eigene, besondere Note: es ist mystisch, aber auch philosophisch angehaucht. In seiner Vielfalt ist es kein Roman, den man in einem Zug durchlesen, sondern eher als einen besonderen Leckerbissen genießen sollte.

Fazit: Ein besonderes Fantasymärchen mit grandioser Sprache, aber einem eher schwächelnden Ende. Von mir gibt es 4,5/5 Sterne.

Bewertung vom 19.10.2019
Herzmuscheln (eBook, ePUB)
Winter, Elaine

Herzmuscheln (eBook, ePUB)


weniger gut

Worum geht es?
Die junge Kyla O’Kelley lässt ihr altes Leben hinter sich. Von ihrem Ex betrogen, verliert sich nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern auch ihre Arbeit. Nun beschließt sie einen Neuanfang zu machen und sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen. An der irischen Küste kauft sie ein Cottage, um es als ein Guesthouse zu führen. Als sie jedoch das erste Mal ihr gekauftes Haus betritt, muss sie die erste Überraschung erleben – denn in ihrem Haus wohnt schon jemand. Ihr Mitbewohner ist ein älterer Herr namens Rupert, der bereits seit vielen Jahren das Haus bewohnt und nicht daran denkt, nun auszuziehen. Doch Rupert ist nicht der einzige, der Kyla Kopfschmerzen bereitet, denn auch ihr erster Gast Ryan verhält sich sehr seltsam – er will auf seinem Zimmer nicht gestört werden und des nachts klettert er durch Fenster, statt die Tür des Guesthouses zu benutzen. Kyla und Ryan geraten ständig aneinander, doch dann bittet Ryan sie um einen Gefallen und die Dinge entwickeln sich anders, als es sich beide gedacht haben.

Meine Meinung zum Buch:
„Herzmuscheln“ lässt den Sommer wieder zurückkommen. Es riecht nach Meer, nach frischen Blumen und nach einer Sommerbriese. In die malerische idyllische Landschaft von Irland passt das antike, hübsche Guesthouse perfekt rein. Es ist ein Haus, in dem Träume in Erfüllung gehen, in dem die Gäste sich wieder zu sich selbst und zu ihren Träumen finden. Das Guesthouse ist ein Ort des Neuanfangs und der Hoffnung. All diese positiven Eindrücke begleiten den Leser durch den Roman und man meint das Meer schon selbst rauschen zu hören. Dabei liest sich der Roman sehr flüssig und der Wechsel der unterschiedlichen Perspektiven gibt der Handlung deutlich Vielseitigkeit. Allerdings ist das auch schon alles, was ich Positives zu diesem Liebesroman sagen kann. Die Handlung ist leider sehr absehbar. Zwar steigt die Spannung ab der Mitte an, wird aber so abrupt abgebrochen, dass das nachfolgende Ende schon absolut offensichtlich ist. Der Roman wimmelt leider voll von typischen Liebesklischees: gutaussehender, mysteriöser Mann, Sparziergänge bei Mondschein, romantisches Picknick am Strand, heimliche Gespräche bei Kerzenschein, – hier wurde ganz tief in die Klischee-Schublade gegriffen und dadurch wirkt auf mich die Geschichte sehr gestellt und unnatürlich. Zudem kommen dann einige sehr unrealistische und absurde Szenen vor, die für mich schon so grotesk waren, dass mich das eher belustigt hat. Bis auf Ruperts Vergangenheitsgeschichte, die sehr süß war und mich dann doch berührt hat, konnte mich die Haupt-Lovestory leider überhaupt nicht mitreißen.

Fazit: Wer nun sich die Frische des Sommers noch einmal zurückholen will, etwas weniger anspruchsvolles sucht und keine Scheu hat vor der Klischeeansammlung, kann sich gern „Herzmuscheln“ anlesen. Für mich war dieses Buch leider nichts, daher vergebe ich 2,5 Sterne.

Bewertung vom 13.10.2019
Kalte Wasser
Golding, Melanie

Kalte Wasser


gut

Die Thematik des Mystischen und die Sage um die Wechselbälger hat mich bei diesem Roman direkt angesprochen. Der frühere Glaube, dass der Teufel, unheimliche Wesen und Ähnliches das eigene Kind gegen ein äußeres identisches, aber völlig fremdes Kind eintauschen würden, ist stark mit der Wochenbettpsychose verknüpft. Auch in „Kalte Wasser“ ist die ganze Zeit nicht klar, ob Lauren tatsächlich etwas Übernatürliches erlebt hat, oder eher unter einer psychischen Störung leidet. Und mit dieser Ungewissheit spielt dieser Thriller. Der Schreibstil und die unheimliche und düstere Stimmung des Romans passen hervorragend zur Thematik. Golding schreibt flüssig, klar und ihr Formulierungen sind so bildhaft, dass die schaurigen Szenen sehr lebendig wirken. Allerdings gibt es einige blutige und ziemlich eklige Passagen, die nichts für schwache Nerven sind. Auch die Spannung durchzieht den Roman durchweg, gerade zum Ende des Thrillers steigt das Spannungsbarometer noch mal in die Höhe. Das Ende war jedoch absehbar und konnte leider nicht mehr völlig überzeugen. Als störend empfinde ich zudem einige teilweise sehr unlogische und absurde Szenen, die für mich nicht nachvollziehbar waren. Einige Szenen wiederum hätte ich gerne aus der Perspektive einer anderen Figur gesehen. Besondere Momente wurden manchmal übersprungen, die man gern miterlebt hätte und nun der Fantasie des Lesers überlassen worden sind. Mit den Figuren konnte ich auch nicht richtig warm werden. Lauren ist und bleibt ein Mysterium und für mich nicht richtig greifbar. Die restlichen Figuren sind oftmals unsympathisch, lediglich Sergeant Harper kann durch ihre Art einige Sympathie-Pluspunkte für sich gewinnen. Jedoch hat mich die angedeutete Lovestory, in der sie verwickelt war, etwas genervt.

Fazit: Das Thema hat mich gereizt und wurde hervorragend im Thriller eingebaut, die Umsetzung konnte jedoch nicht völlig überzeugen. Für alle, die gern unheimliche Thriller lesen und auch mit dem Wechselbalg-Thema etwas anfangen können, kann ich „Kalte Wasser“ jedoch empfehlen.

Bewertung vom 08.10.2019
Der Kinderflüsterer
North, Alex

Der Kinderflüsterer


ausgezeichnet

Alex North schafft mit dem „Kinderflüsterer“ einen grandiosen Schauer-Thriller. Dabei erzeugt er mit seinem unheimlichen und fesselnden Erzählstil eine düstere und schauerliche Atmosphäre. Mit seiner meisterhaften Erzählweise haucht er Objekten eine Seele ein und lässt sich lebendig und gleichzeitig bedrohlich wirken. Er hat aber ebenso ein feines Gespür für gefühlvolle Nuancen und kann emotional rührend die Sorgen, Ängste und die plagende Hilflosigkeit des Vaters Tom darstellen. Durchzogen wird der Roman von der Vater-Sohn-Thematik, wobei der Fokus auf den persönlichen Schwächen der Figuren liegt, sodass es scheint, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Gleichzeitig werden unheimliche Elemente immer wieder in die Handlung eingestreut. Die im Roman dargestellte Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion lässt die Spannung enorm steigern. So ist es oft nicht klar, ob die übernatürlichen Begebenheiten tatsächlich passieren, ober ob sie Jakes Fantasie entspringen. Ebenso haben es mir die zahlreichen eingebauten Cliffhänger praktisch unmöglich gemacht das Buch aus den Händen zu legen. Zudem hat die Handlung an einigen Stellen so unglaubliche Wendungen hingelegt, dass ich nur noch sprachlos war.
Obwohl das Ende für mich dann doch etwas absehbar war, konnte mich das Buch durch die fesselnde Handlung, die überaus authentischen Figuren und die brillante Erzählweise mehr als nur überzeugen.

Fazit:
Wer nun ein passendes Buch zu Halloween sucht, ist beim „Kinderflüsterer“ sehr gut aufgehoben! Absolute und uneingeschränkte Empfehlung für alle Thriller-Fans mit Vorliebe für Gänsehaut-Feeling!

Bewertung vom 04.10.2019
Darkanum
Reichardt, Uta

Darkanum


gut

Das Cover des Buches hat mich sofort neugierig gemacht. Und es passt hervorragend zur Thematik des Romans, da es nicht nur das Thema der Zeit in den Fokus rückt, sondern auch auf die mystischen Aspekte der Geschichte hindeutet. Ebenfalls gefällt mir die Haptik des Hardcoverbandes, da es eine tolle Folienprägung aufweist und sich insgesamt sehr solide anfühlt.

Der Einstieg in den Jugendroman fiel mir leicht, da ich mühelos in die Handlung eintauchen konnte. Der Erzählstil ist einfach, gleichzeitig präzise, klar und verständlich. Von Beginn an werden unerklärliche Ereignisse und Geheimnisse angedeutet, sodass die Spannung beim Leser kontinuierlich steigt. Insbesondere waren die Erlebnisse der Zwillinge nach dem Zeitsprung sehr mitreißend. Positiv hervorzuheben ist, dass das Alltagsleben und die Sorgen und Ängste der Menschen der damaligen Zeit um 1945 immer wieder aufgegriffen werden und somit diesem Roman auch eine historische Komponente beiliegt. So wird Merit immer wieder bewusst, wie anders das Leben der Jugendlichen der damaligen Zeit war und wie sehr sich dieses Leben von ihrem eigenen, modernen Leben unterscheidet.

Die Idee in den Körper seiner Vorfahren zu schlüpfen ist einfallsreich und interessant und so habe ich Merits Eindrücke und Schilderungen nach dem Zeitsprung mit Spannung verfolgt.
Allerdings konnten mich die Charaktere des Romans nicht völlig überzeugen.
Merit ist eine zielstrebige und überaus mutige, junge Frau. Doch handelt sie oft völlig überstürzt und setzt durch ihren jugendlichen und naiven Übermut nicht nur sich selbst, sondern auch andere Personen unnötigen Gefahren aus.
Mit Ben bin ich noch weniger zurechtgekommen. Er scheint ein Spielball der Geschehnisse zu sein. Weder reflektiert er noch setzt er sich kritisch mit dem Erlebten auseinander. Seine Motivation sich Darkanum anzuschließen war für mich zudem weder überzeugend noch nachvollziehbar. Seine Freude über das Wiedersehen mit seiner Zwillingsschwester hält sich stark in Grenzen, was für mich nicht verständlich war. Durchgehend empfand ich Ben als einen fehlgeleiteten, unsympathischen Charakter. Insgesamt hätte ich mir bei beiden Hauptfiguren mehr Innenperspektive gewünscht, wodurch der Roman an einigen Stellen realistischer und nachvollziehbarer für mich wäre. So handeln Merit und insbesondere Ben oftmals ziemlich dumm, und scheinen sich keineswegs Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns zu machen.

Dennoch konnte mich der Roman aufgrund der spannenden und schnellen Entwicklung der Geschehnisse gut unterhalten. Das Ende schließt zudem rund ab und ist durchaus passend an die Geschichte angelegt. Jedoch kann man leider zum Schluss kein spannendes Überraschungsfeuerwerk erwarten.

Fazit
Trotz der grandiosen Idee des Zeitspringens und der im Grunde spannenden Handlung konnten mich die Figuren nicht durchweg überzeugen. Doch kann ich diesen Roman für junge Leser dennoch empfehlen, die neugierig auf Merits und Bens Geschichte geworden sind.

Bewertung vom 12.09.2019
Die Suche / Magier des dunklen Pfads Bd.1
Hohmann, Peter

Die Suche / Magier des dunklen Pfads Bd.1


sehr gut

Worum geht es?
Der Magier Lorgyn de Daskula hat nur einen Wunsch: er will seine todkranke Frau Aluna retten. Daher reist er mit ihr nach Wintertal zu den heilenden Quellen mit der Hoffnung ihr durch die heilende Wirkung der Quellen Linderung zu verschaffen. Doch sein Ziel ist weitaus größer. Mit allen Mitteln will er Aluna vor dem sicheren Tod retten – und selbst vor der verbotenen Magie, die seit Jahrhunderten niemand mehr praktiziert hat, schreckt er nicht zurück. Obwohl er einer der begabtesten Magier der Akademie ist, sind diese dunklen Zauber selbst für ihn gefährlich und erfordern viel Übung und Können. In dem kleinen Ort Wintertal, weit fernab seiner Heimat, glaubt er ungestört an dem magischen Weg zur Rettung seiner Frau arbeiten zu können. Doch dieser Ort ist weniger unscheinbar als er zunächst glaubt, denn auch die Bewohner Wintertals verbergen ein dunkles Geheimnis. Nachdem er den Historiker Arlo kennenlernt, verstricken sich zudem die Ereignisse, denn Arlo verfolgt die Spur seines verstorbenen Meisters. Zusammen stoßen sie hierbei auf Informationen, die die Iros-Kirche zu vertuschen versucht. Dabei wird es sowohl für den Magier Lorgyn, als auch für den Historiker Arlo gefährlich. Es beginnt für Lorgyn eine Gradwanderung auf dem Pfad der Dunkelheit, die von ihm alles abverlangt.

Und das ist meine Meinung zum Buch....
Der Einstieg in den Roman fiel mir sehr leicht, insbesondere aufgrund des sehr flüssigen und versierten Erzählstils. Dieser zeichnet sich nicht nur durch ein geschultes Auge für Details und einen umfangreichen Wortschatz aus, ebenso profitiert der Roman von raffinierten Formulierungen und bildhaften Beschreibungen. Durch unterschiedliche Erzählperspektiven werden Einblicke in einzelne Figuren gewährt und offenbaren das eine oder andere Geheimnis. Dadurch habe ich die Handlung als besonders fassettenreich und spannend empfunden. Angenehm war der Wechsel zwischen ruhigen und beschreibenden Passagen und spannungsgeladenen Stellen. Obwohl einige Szenen sich eher langsam entfaltet haben und dadurch etwas langatmig geworden sind, fand ich die ruhige Entwicklung der Geschichte als nicht störend. Zudem konnte mich der Roman in eine verschneite und düstere Szenerie versetzen und somit eine zur Handlung passende Atmosphäre erzeugen. Dazu passt außerdem das Cover des Buches, denn es spiegelt die Stimmung des Romans hervorragend wieder.
Das Hauptthema des Romans ist Lorgyns innere Zerrissenheit, daher beschäftigt sich ein Großteil des Romans mit seinen Gedanken und Gefühlen. Der innerer Zwiespalt, den Lorgyn immer wieder empfindet, wird sehr überzeugend und nachvollziehbar dargestellt.
Lorgyn ist meiner Meinung nach eine äußerst interessante Figur. Obwohl seine Beweggründe durchaus nachvollziehbar sind, ist er nicht durchweg sympathisch, sondern handelt des öfteren egoistisch, berechnend und manchmal erschreckend brutal. Diese Entwicklung der Figur auf dem 'dunklen Pfad' offenbart seine charakterlichen Schwächen und inneren Konflikte und macht ihn dadurch zu einer spannenden Hauptfigur des Romans, die nicht eindeutig den Kategorien „gut“ oder „böse“ zuzuordnen ist.
Seine Frau Aluna dagegen erscheint weniger tiefschichtig. Besonders im Vergleich zur anderen Figuren wirkt Alunas Darstellung ziemlich blaß, sodass ich zu ihr keine engere Verbindung aufbauen konnte. Die Darstellungen der Figuren Arlo und Laris konnten mich dagegen durchaus überzeugen.
Etwas enttäuschend fiel für mich leider das Ende aus. Zwar ist die Spannung bis zum Schluss konstant geblieben, jedoch hätte ich mir noch etwas mehr Dramatik gerade zum Finale gewünscht. Lorgyns Entwicklung hätte für meinen Geschmack noch deutlich drastischer werden und nah am Wahnsinn verlaufen könnten. Da zudem einige Erzählstränge ins Leere verlaufen, endet für mich der Roman etwas abrupt. So bleiben zumindest für mich nachher einige Fragen offen, die jedoch durchaus in einer möglichen weiteren Fortsetzung aufgegriffen werden könnten.

12