Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: scouter
Wohnort: Unna
Über mich:
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 141 Bewertungen
Bewertung vom 14.10.2021
Coup
Palinkas, Johann

Coup


ausgezeichnet

Ein Krisenfall an der Grenze zu Russland treibt Deutschland auf ein unvorstellbares Szenarium zu. Die Russen ziehen ihre Truppen an der Grenze des Baltikums zusammen und die Bedrohung in diesen Ländern wird spürbar. Bei der NATO ruft Lettland den Krisenfall aus und Deutschlands politische Führung ruft zu mehr Verständnis auf und will sich aus der Krise heraushalten. Das kommt weder in Europa noch in Deutschland gut an. Also versucht man in Deutschland dem Kanzler ein Misstrauensvotum auszusprechen. Doch so einfach wie es aussieht ist es nicht, denn es sind verschiedenen Kräfte beteiligt, die alle ihre eigenen Ideen haben. So spitzt sich die Situation nicht nur im Baltikum zu, sondern a auch in Deutschland und dann ist die Frage welche Rolle spielt die Bundeswehr. Ganz zu schweigen von den Medien, die natürlich Sensationen wittern. Ein vertrackter Coup, der sich hier abzeichnet.
Der „Coup“ von Johann Palinkas ist ein äußerst spannender Roman von einem ungewöhnlichen Coup. Die Story scheint sehr abstrus, aber man weiß ja nie, was so alles passiert. Doch gehen wir mal zurück in den Roman. Er ist in verschieden Kapitel unterteilt, die nach ihren Protagonisten benannt sind. Es sind nicht nur die Darsteller aus der Politik, sondern auch die Journalistin Emilia Berg, der Soldat Sablinsky und natürlich auch Hauptmann Graf. Natürlich auch die Ministerin Kehler und der Botschafter Harting. Es ist eine sehr interessante Auswahl und die Gedankengänge der Personen sind sehr wichtig, um den Verlauf des Romans zu verstehen. Allein diese Aufteilung treibt die Spannung bis zum Ende deutlich in die Höhe. Es ist ein geschickter Schachzug. Der Leser erfährt die kompletten Gedankengänge der Protagonisten und ist immer live dabei und kann seine eigenen Überlegungen treffen. Ich habe mich während des Romans immer wieder gefragt, wie real ist dieses Szenarium. Ich denke nicht, dass dieses passieren kann, aber wenn ich mir Europa ansehe, wer weiß. Nun der Spannungsbogen ist aber sehr gut bis zum Schluss aufgebaut und lässt auch noch viele Möglichkeiten für eine Fortsetzung übrig.
Dieses Buch hat mich sehr gefesselt und mich wirklich ans überlegen gebracht. Für einen Roman ist das Szenarium zwar fiktiv ausgedacht und vielleicht auch an realen Beispielen orientiert, doch weiter möchte ich gar nicht denken und es jedem Leser selbst überlassen. Ich finde das Buch sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 10.10.2021
Betongold
Weber, Tanja

Betongold


ausgezeichnet

Smokey, Schani und der Moni sind Freunde seit Kindestagen, doch nun wird Schani tot in einer Baugrube aufgefunden. Smokey ist ein frühpensionierter Polizist und möchte natürlich wissen, was hinter dem Tod seines Freundes steckt. Schani ist ein Aufsteiger, vom Dachdeckermeister zum Immobilienbesitzer und nun liegt er tot in einer Baugrube. Da kommt in Smokey natürlich sein Polizistenherz durch. Dem Moni gehört Monis Eck, die nach seiner Frau Monique benannt wurde, Diese ist allerdings vor einigen Jahren an Krebs gestorben und nun ist ihm nur noch die Kneipe und seine Tochter Aymee geblieben. In diesem Kreis speilt sich das Leben hier in Giesing ab. Smokey ist zwar durch seinen Bechterew sehr stark eingeschränkt, aber das hält ihn nicht davon ab, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
„Betongold“ von Tanja Weber ist ein sehr hintergründiger Krimi in einer Giesinger Bewohnerkultur. Die beteiligten Menschen werden sehr behutsam und tiefsinnig beschrieben. Da ist Smokey, der seinen „Russen“, eine Bechterew mit sich herumträgt und deshalb auch Cannabis auf Rezept benutzen darf. Das erhöht natürlich die Stimmung, wenn er in Monis Eck mit seinem Freund, dem Moni philosophiert. Der Moni, heißt eigentlich gar nicht Moni, aber nachdem seine Frau die Monique verstorben ist, blieb der Name erhalten und deshalb heißt er auch nun der Moni. Er ist einer der besten Freunde von Smokey und der einer der besten Kunden von Moni. Auch der Schani wird sehr genau beschrieben und auch seine Zerrissenheit, als Mitglied des Freundeskreises, aber auch als Immobilienbesitzer. Die Story ist sehr schön unterbrochen mit Eindrücken aus der Vergangenheit und erläutert so die Beziehungen der einzelnen untereinander. Die Aktualität der Story liegt, meines Erachtens, in der Undurchsichtigkeit in den Immobiliendeals dieses Gewerbes. Das eine Hand wäscht die andere wird immer wieder allzu deutlich. Doch das sind eigentlich Abfallprodukte, eingebettet wird der Mord, in dieser Geschichte. Eine sehr schön entwickelte Story, in der der Höhepunkt natürlich bis zum Ende aufbewahrt wird.
Ich finde diesen Krimi sehr unterhaltsam und sehr tiefgründig. Er regt zum Überlegen an und die einzelnen Szenen sind sehr intensiv beschrieben. Immer wieder muss ich bei der Beschreibung des cannabisrauchenden Ex-Kommissars lächeln und ich stelle mir die Figur eines anderen Münchener Kommissars vor, der so seine Erfahrung mit Pilzen hat und auch sehr eigenständig daherkommt. Ich kann diesen Krimi nur wärmstens empfehlen.

Bewertung vom 07.10.2021
Probe 12
Thiele, Susanne;Lange, Kathrin

Probe 12


ausgezeichnet

Georghi Anasias forscht in Tiflis an Phagen, die gegen panresistente Keime eingesetzt werden können und wird in seinem Labor ermordet, Doch seine Forschungsergebnisse sind Gott sei Dank von ihm nach Deutschland geschickt worden. Nele. seine Ziehtochter und Wissenschaftsjournalistin, und Maren, seine Assistentin finden ihn und können einem Bombenanschlag gerade entkommen. In Berlin zur gleichen Zeit kämpft Sophie, die Tochter des Foodblogger Tom und seiner Frau Isabelle um ihr Leben. Tom hat sie mit einem panresistenten Keim infiziert, dass ihr junges Leben gefährdet. Das Einzige, das ihr noch helfen kann, sind die Phagen aus Georgien. Diese Phagen hat Georghi zu Max Seiffert geschickt, um sie in Sicherheit zu bringen, Doch die Mörder aus Georgien sind auch in Deutschland auf der Jagd nach den Phagen. Max kämpft im Bundestag um ein Gesetz, dass den Einsatz von Phagen erlauben soll, doch es sind Mehrheiten dagegen. Eine Gala soll für die notwendige Unterstützung sorgen. Die Jagd nach den Phagen, die das Leben von Sophie retten sollen, nimmt immer gefährlichere Formen an. Doch die Zeit für Sophies Rettung läuft, ob die Bemühungen für Nele und Tom Erfolg haben?
Dieser Thriller begeisterte mich von Anfang an. Schon die ersten Szenen in Georgien weisen den spannenden Weg bis zum Ende. Die Entwicklung einer Therapie gegen panresistente Keime, bei denen Antibiotika keinen Erfolg mehr bringen, ruft natürlich auch Begehrlichkeiten auf den Plan. Natürlich ist es nützlich diese Therapie der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, aber auf der anderen Seite gibt es hier auch Geld zu verdienen. Damit sind Gut und Böse gegeneinander aufgestellt. Die Guten, mit ihren hehren Zielen, z.B. das Leben von Sylvie zu retten, sind sehr bemüht die Phagen vor den Bösen in Sicherheit zu bringen. Hier steckt eine Menge Spannung drin und hier kann ich auch als Leser gut mitfiebern. Die böse Seite bleibt in all ihren Ausmaßen lange im Dunkeln und wer die Bösewichte beauftragt hat ist auch nicht von Anfang an klar. Aber das ist es ja was einen guten Thriller ausmacht. Die Personen sind fast alle sehr gut beschrieben und ihre Rolle ist nachzuvollziehen und der Erzählstrang wird durch die Aufteilung in verschiedene Kapitel immer kürzer und die Spannung steigt bis zum Ende sehr schön an. Auch die Wissenschaft, die hier immer wieder angesprochen wird, wie z.B. Wirkung der Phagen wird auch für den Laien sehr gut erklärt. Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut und hält am Ende auch noch eine Überraschung bereit. Auch die romantische Seite des Romans ist interessant. Der Flirt zwischen Nele und Tom, aber auch das Mitzittern um das Leben von Sylvie. Eine runde Sache dieser Thriller.
Auf jeden Fall hat mich dieser Thriller gefesselt und ich musste die letzten Kapitel in einem Rutsch durchlesen. Toller Schreibstil und eine gute Mischung aus Fiktion und Wahrheit. Sehr lesenswert.

Bewertung vom 03.10.2021
Gegen alle Regeln / Strafverteidiger Pirlo Bd.1
Bott, Ingo

Gegen alle Regeln / Strafverteidiger Pirlo Bd.1


ausgezeichnet

Das ist nicht gut gelaufen für Pirlo. Nach seinem gut gelaufenen Fall Metternich, fliegt es aus der Kanzlei Ohmsen und steht auf der Straße. Doch dann steht plötzlich seine Chance vor der Tür. Die Mutter von Marlene von Späth bittet ihn ihre Tochter zu verteidigen, die ihren Mann ermordet haben soll. Er berät sich mit seinem Doktorvater und der schlägt ihm vor die junge Sophie Mahler mit ins Boot zu holen, da er wohl Schwächen in der Recherche hätte. Außerdem hat Pirlo gerade mal wieder Stress mit seiner Familie. Seine Brüder wollten groß auftrumpfen und jetzt liegt sein ältester Bruder angeschossen im Krankenhaus und sie haben Schwierigkeiten mit anderen Clans. Der Fall des Mordes an von Späth scheint klar zu sein, was in den ersten Verhandlungstagen schon sehr klar wird. Es gibt so gar kein Anhaltspunkt für die Unschuld von Marlene und die hilft auch nicht wirklich mit. Doch Pirlo und Sophie knien sich richtig in den Fall und so langsam, aber sicher sehen sie ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Gottseidank kann Pirlo die Familie auch mal helfen.
Pirlo, cooler Anwalt mit coolem Outfit, aber chaotischem Wesen, mit einer Familie, in der er das schwarze Schaf ist. Weil er Anwalt ist und seine Familie eher in einem zwielichtigen Business unterwegs ist. Die Figur Pirlo ist klasse beschrieben, hoch intelligent, ungewöhnliche Methoden, aber erfolgreich. Sophie, seine Assistentin, ist das absolute Gegenteil, sehr akribisch und auch sehr intelligent, Tochter einer Rechtsanwaltsfamilie, aber eben Frau und dann noch Strafrecht, in den Augen ihres Vaters brotlose Kunst. Die beiden bilden allerdings ein perfektes Paar. Die Story ist sehr gut aufgebaut und spannend bis zum Schluss. Auch wenn im Laufe der Geschichte klar wird, dass die Verdächtige, eventuell doch nicht die Mörderin war, bleibt es spannend. Sicherlich auch durch die Aktionen, die Pirlo zur Aufklärung unternimmt. Dieses Spiel mit der Wahrheit ist sehr gut beschrieben. Aber auch der Zwiespalt in dem Pirlo lebt, wird sehr interessant thematisiert. Genauso wie die Szenen im Gerichtssaal und die Atmosphäre, die hier vorherrscht. Da ist Pirlo eher ein Außenseiter.
Der Krimi hat alles, was es für mich braucht, Spannung, interessante Story und Hauptdarsteller mit dem gewissen Etwas. Großartiges Buch und sehr amüsant zu lesen.

Bewertung vom 30.09.2021
Dürre
Laub, Uwe

Dürre


ausgezeichnet

Aequitas ist eine App, die den CO2-Fußabdruck der Bewohner Europas kontrollieren soll, um den Klimawandel aufzuhalten. Die beiden Entwickler Tom Valcke und Alex Baumgarten haben diese App entwickelt und der EU vorgestellt, die sie umgesetzt haben. Allerdings hat Alex noch eine Hintertür eingebaut. Einige Jahre später ist die App im Einsatz und es herrscht in Europa eine große Dürre. Julian und Lina leben auf einem Bauernhof in Bayern und nach einem Brand geraten sie in den Fokus der ACON, der Kontrollbehörde, des Staates. Diese tritt in Gestalt der Oberkommissarin Dana Kilian und ihres Kollegen auf. Ein Verstoß gegen die Auflagen kann die beiden ins Gefängnis bringen und ACON weiß alles. Wegen eines Verstoßes werden die beiden getrennt und Lina kommt zu ihrem Onkel Hector, währenddessen Julian fliehen kann. Doch auch bei Onkel Hector trifft sie auf Dana Kilian, die aber scheinbar einen größeren Deal, als den mit ihrem Onkel hat. Bei einer Räumungsaktion kommt ihr Onkel zu Tode und die beiden müssen fliehen. Doch jetzt will Julian nicht mehr länger warten und nimmt die Aktionen selber in die Hand und trifft auf einen sehr interessanten Hacker. Ob der Ihnen gegen ACON helfen kann?
Dieser Roman „Dürre“ von Uwe Laub beschreibt schon eine Story, die sehr bedrohlich erscheint. Eine App, die unser Leben komplett kontrolliert und ein Überwachungsstaat, der das Leben nur für einige lebenswert erscheinen lässt. Willkommen in der „schönen neuen Welt“. Aber das absolut bedrohliche ist die Willkür, der man ausgesetzt ist und die Korruption, die sich bis in die höchsten Stellen verbreitet. Das Bedrohungsszenarium erscheint greifbar und aktuell. Nun gut die klimatischen Auswirkungen, wie sie beschrieben werden sind noch nicht aufgetreten, aber das es zu Veränderungen in dieser Hinsicht kommen kann, ist nicht ausgeschlossen. Die beiden Hauptbetroffenen, Julian und Lina, sind Menschen wie du und ich, leben allein und versuchen mit, vielleicht nicht ganz legalen, Mitteln über die Runden zu kommen. Meine Sympathien lagen von Anfang auf ihrer Seite und ich habe mitgefiebert, ob sie es am Ende schaffen. Die böse Seite dieses Romans, mit Tom Valcke, Dana Kilian unnatürlich kurz Hector, werden schon sehr gut beschrieben. Jedes System hat auch seine Schattenseiten und es ist natürlich kurios, dass Tom Valcke seine Partner wegen Betrugs vor die Tür gesetzt hat und er selbst in großem Maßstab das System ausnutzt. Bei Dana Kilian ist es natürlich das pure Machtstreben, das sie antreibt und natürlich das Geld, ebenso wie bei Hector. Sehr nachvollziehbar sind diese Personen beschrieben, ebenso wie die ganze Story immer wieder zwischen Fiktion und Wirklichkeit hin und herpendelt. Ja es ist noch nicht so schlimm, aber Ansätze kann man wohl schon entdecken. Auf jeden Fall ist dem Autor gelungen den Spannungsbogen bis zum Finale sehr nachhaltig zu entwickeln. Das wird auch an der Abfolge der Kapitel sehr deutlich, von Wochen, Tagen auf Minuten heruntergebrochen. Mir hat das sehr gut gefallen.
Dieser Roman hat mich stark gefesselt, ob seiner spannenden Thematik und einer Zukunftsvision, die zwar unglaublich erscheint, aber und vielleicht doch mal irgendwann einholt. Vielleicht regt ein Buch wie „Dürre“ zum Nachdenken an. Mich hat es auf jeden Fall betroffen gemacht. Aber trotzdem ist es tollen Unterhaltung, die auch noch sehr spannend überkommt. Sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 27.09.2021
Die andere Tochter
Golch, Dinah Marte

Die andere Tochter


ausgezeichnet

Tonia hat während ihres Jobs einen Unfall und verliert ihr Augenlicht, bis sie die Cornea einer Verstorbenen erhält. Sie hat nach der OP psychische Problem und möchte gerne die Eltern der Verstorbenen kennenlernen. Das ist zwar nicht erlaubt, aber Tonia erhält einen Brief von der Mutter der Verstorbenen. Sie macht sich auf den Weg von Berlin nach Frankfurt und trifft Clara, die Mutter. Es entsteht eine besondere Beziehung zwischen den beiden, da sie auch noch ähnlich aussieht wie Susanne, die Verstorbene. Ihre Eltern in Berlin halten das für keine gute Entscheidung. Sie verspricht Clara die Wohnung von Susanne auszuräumen, da das nun mal ihr Job ist. In Susannes Wohnung findet sie ein Buch über Schamanen, die davon ausgehen, dass bei einer Transplantation auch etwas von der Seele der Verstorbenen auf die Empfängerin übergeht. Langsam lernt Tonia, die Familie Mertens kenne, doch längst nicht alle sind davon begeistert. Auch Tonias Eltern und ihr Verlobter üben gehörigen Druck auf sie aus. Sie sucht sich Hilfe bei einem Psychiater, doch ob das des Rätsels Lösung sein kann.
Wenn ich jetzt so auf den Roman zurückblicke, muss ich sagen, dass dieser Krimi sich sehr gut entwickelt hat und zum Ende ein sehr rasantes Ende anbietet. Zu Beginn habe ich mich in die Beziehungen einarbeiten müssen. Es lag nicht so direkt auf der Hand, was dieser Thriller zu bieten hat. Die Figuren werden gut entwickelt, Tonia, bei der es aussieht, als ob sie sich durch eine Transplantation in eine andere Person verwandelt. Durch die Aufteilung der Kapitel in einer zeitlichen Reihe wird die Spannung langsam aufgebaut und der Erzählstrang entwickelt sich nachhaltig. Die Geschichte Familie Mertens, deren tote Tochter die Spenderin für Tonia war, wird ebenfalls sehr intensiv beschrieben und auch die Beziehung zwischen Tonia und der Familie entwickelt sich und die Richtung ist sehr überraschend. Alles in diesem Krimi ist am Ende nicht so wie es am Anfang scheint und das ist total spannend. Natürlich kommt auch die Romantik nicht zu kurz und das auf verschiedenen Ebenen. Das gibt diesem Krimi noch ein bisschen mehr Würze.
Ich bin froh, dass ich den Krimi nicht weggelegt habe. Der Fortlauf der Story hat mich total überzeugt und gefesselt. Eine Geschichte mit Tiefgang.

Bewertung vom 24.09.2021
Russische Botschaften
Musharbash, Yassin

Russische Botschaften


ausgezeichnet

Merle und ihr Kollege Arno sitzen in einem Berliner Cafe, als ihnen ein Mann vor die Füße fällt. Die Meldungen in der Presse sagen, dass er nicht tot sei, obwohl es für Merle keinen Zweifel darüber gibt. Marle arbeitet bei Globus und ist gerade zu den drei Fragezeichen in den investigativen Journalismus gewechselt. Wie es sich herausstellt, ist der Tote ein Russe, der für den Geheimdienst gearbeitet hat. Als eine Liste mit verschiedenen Namen, Zahlen und Geldbeträgen erwacht in Merle die Neugierde Ihr Kollege Timur von der konkurrierenden NZ recherchiert zufällig ebenfalls an diesem Fall. Sie beschließen in diesem Fall zusammenzuarbeiten und motivieren weitere Journalisten der beiden Zeitungen, da der Fall doch sehr umfangreich ist. Langsam, aber sich wird klar, dass nicht nur der russische Geheimdienst hinter dieser Liste steckt, sondern auch andere, die an Desinformationen interessiert sind. Doch was steckt wirklich hinter dieser Liste und was wird am Ende dabei herauskommen. Das ist eine Frage, die immer stärker in den Mittelpunkt rückt.
Dieser äußerst spannende und interessante Thriller führt den Leser tief in die Sphären des Journalismus und hier zum investigativen Journalismus. Es ist schon sehr spannend beschrieben, was für eine Stellung diese Sparte bei Zeitungen, hier der Globus und die NZ, einnehmen. Hier wird um jede Story gekämpft. Von daher ist die super mal zwei der Hauptakteure zusammen ermitteln zu lassen. Der Hauptperson Merle fällt ihre Story sozusagen vor die Füße und sie verbeißt sich mit einer Intensität in ihren ersten investigativen Fall. Das ist ihr Aufstieg im Globus in die erste Liga der Journalisten. In dieser Liga werden die wichtigen Preise verteilt. Und genau das ist der Aufhänger, um einen zweiten Globalplayer mit ins Boot zu holen, die NZ, mit dem Journalisten Timur. Beide am gleichen Fall und somit im selben Boot. Wenn ich mir den Fall betrachte, ist das auch eine riesige Herausforderung und wie man im Fortlauf des Romans feststellt auch mit vielen spannenden und unglaublichen Wendungen. Doch war das nicht zu erwarten, dass es hier auch um Fake News und die Vermischung von Wahrheit und Einflussnahme geht. Gerade wenn die sozialen Medien ins Spiel kommen, wird der Grat zwischen Wirklichkeit und Phantasie sehr klein. Die Aktualität dieses Falles ist sicherlich nicht gewollt und auch nur rein zufällig. Weit gefehlt. Der Spannungsbogen dieses Thrillers ist sehr gut ausgerichtet und der Knalleffekt am Ende, eventuell erwartet, aber doch sehr explosiv.
„Russische Botschaften“ von Yassin Musharabash ist für mich ein Thriller, der mich sehr überzeugt hat, spannend und aktuell. Ich konnte das Buch nach einigen Kapiteln kaum noch aus der Hand legen. Deshalb sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 14.09.2021
Pacific Crest Trail Killer
Piskulla, Christian

Pacific Crest Trail Killer


ausgezeichnet

Auf dem Pacific Crest Trail wird eine junge Frau brutal ermordet gefunden. Das Los Angeles FBI Department tappt völlig im Dunkeln, da es überhaupt keine Spur des Killers gibt. Zur gleichen Zeit ist der ehemalige Polizist Marc Stetson auf dem Trail unterwegs und der ist beim Fund der Leiche in der Nähe. Der FBI Chef Cortez nutzt die Gunst der Stunde und engagiert Marc, um den Killer auf dem Trail aufzuspüren. Doch der Trail ist 4300 km lang und sie wissen, dass der Killer noch mal zuschlagen wird. 4 Wochen später wird wieder eine Frau brutal ermordet aufgefunden, doch dieses mal werden Spuren gefunden, die allerdings im Nichts enden und auf einen falschen Verdächtigen hinweisen. Die Stimmung im FBI ist sehr angespannt, da sich auch keine weiteren Spuren auftun und sie dem Killer nicht näherkommen. Der dritte Mordanschlag geht dann schief, da der Killer durch einen Bären gestört wird. Rebecca, die Frau, die Glück hatte, will weiter auf dem PCT wandern und wird von Marc begleitet. Natürlich kommen die beiden sich näher, aber kommen sie auch dem Killer näher, der irgendwo auf dem Trail auf sein nächstes Opfer wartet.
Dieser Thriller „Pacific Crest Trail Killer“ von Christian Piskulla ist ein sehr dicht geschriebener Roman. Das ist einmal die sehr dicht geschriebenen Seiten und natürlich die unglaublich große Anzahl von Informationen, die man hier verarbeiten muss. Das führt zu einer sehr großen Spannung und das auf den meisten der rund 600 Seiten. Es sind nicht nur die detailliert beschrieben Arbeitsweise des FBI, oder die schöne Beschreibung der Landschaft und der Atmosphäre auf dem wohl längsten Trail der Welt und die Motivation derer, die diesen Trail wandern. Außerdem wird das Innenleben und die Gefühlswelt der beteiligten Charaktere sehr emotional beschrieben und am Ende auch eine detaillierte Beschreibung der Taten und der Motivation des Täters. Man kann auf der angefügten Karte auch sehr schön den Trail verfolgen und die Spuren des Killers nachverfolgen. Da sieht das FBI zu Beginn sehr schlecht aus, aber langsam zieht sich dann die Schlinge immer weiter zu. Das bedeutet für mich das der Spannungsbogen gut aufgebaut wird und sich bis zu einem sehr spektakulären Ende an der obersten Spannungsgrenze bewegt. Auch die abschnittsweise Erzählung trägt dazu bei, sich intensiv mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen und das Buch bis zum Ende nicht so oft aus der Hand zu legen. Herausragend beschrieben finde ich die Story um Rebecca und Marc, die auch die Gefühlslagen und Einstellungen zum anderen Geschlecht sehr interessant beleuchtet. Interessant bis zum Ende bleibt die Frage wer ist der Mentor des Killers und deren Auflösung.
Alles in allem finde ich das hier vorliegende Buch großartig recherchiert und toll erzählt. Ich habe erst bei der hohen Seitananzahl großen Respekt gehabt, doch im Verlauf der roten Linie der Geschichte, habe ich die einzelnen Bestandteile aufgesogen und gar nicht gemerkt, wie lange ich immer wieder gelesen habe. Das ist für mich ein Zeichen, das es sehr gut und interessant geschrieben wurde. Daher kann ich dieses Buch gerne empfehlen.

Bewertung vom 11.09.2021
Unguad
Werner, Ingrid

Unguad


ausgezeichnet

Karin tappt mal wieder in einen Mordfall. Sie entdeckt diesmal im Altenheim, in dem ihre Eltern untergebracht sind und ihr Vater seinen Neunzigsten Geburtstag feiert, eine tote Frau. Sie ist Altenpflegerin und sehr unbeliebt bei den Insassen. Natürlich begibt sich Karin auf die Suche nach dem Täter, doch die leitende Kommissarin aus Passau ist gar nicht glücklich darüber. Andererseits hofft sie, dass Karin ihr Neuigkeiten berichten kann, wenn sie privat die Bewohner oder das Personal „befragt“. Neugierig wie Karin nun mal ist, steckt sie ihre Nase überall hinein. Doch in der Familie ist sie nicht die Einzige die Licht in das Dunkel dieses Falles bringen möchte. Auch ihr Vater ermittelt im Altenheim. Auch Linus, ihr ältester Sohn, interessiert sich für das Altenheim, aber eher aus privatem Interesse für Anna, die Praktikantin. Die hat schlechte Erfahrungen mit dem Pfleger Hecker gemacht. Doch der Mordfall ist nicht Karins einziges Problem, ihr Mann hat scheinbar ein Auge auch die Pflegerin Marion geworfen. Es sieht alles nach einem sehr verworrenen Fall aus und das ist gerade das Richtige für unsere „Ermittlerin“ Karin.
„Unguad“ von Ingrid Werner ist ein weiteres Abenteuer von Karin Schneider, die mit einem Todesfall in einem Seniorenheim konfrontiert wird. In diesem Roman wird die Garde der „Ermittler“ aufgestockt. Ihr Vater, der in dem Heim lebt, mischt hier auch noch mit, genau wie Karins Sohn. Garniert wird die Story noch mit der ersten Liebesgeschichte ihres Sohns und der Untreuevermutung gegen ihren Mann. Das alles wird lebhaft in eine amüsante Alltagserzählung gepackt, die sich jeder von uns vorstellen kann, die er, bis auf den Mord, alles selbst schon erlebt hat. So oder so ähnlich jedenfalls. Für mich sind die Situationen sehr authentisch beschrieben. Na ja, vielleicht bis auf Karin. Die ist mit ihrer Neugier schon etwas besonderes und wird auch deswegen immer in gefährliche Situationen hineingezogen. Nun ein wenig scheint es mir. Das sie ihrem Alltag als Hausfrau und Mutter entgehen möchte. Das ist allerdings sehr liebevoll und nachfühlend beschrieben. Der Kriminalfall lässt sich auch sehr gut verfolgen und der Spannungsaufbau ist sehr gelungen. Vielleich gibt es dezente Hinweise, die schon in den Verlauf der Geschichte eingewebt wurden, um das überraschende Ende zu verstehen.
Nachdem dieses Buch schon der vierte Fall der „Ermittlerin“ Karin Schneider war, den ich gelesen habe, bin ich langsam, aber sicher mit dieser Figur sehr vertraut und ich mag ihre Art und Weise des Auftretens. Ich habe mich sehr unterhalten gefühlt, wie immer muss ich gestehen.

Bewertung vom 02.09.2021
Blackout (eBook, ePUB)
Hurwitz, Gregg

Blackout (eBook, ePUB)


sehr gut

Der Schriftsteller Drew wird verdächtigt seine Freundin Genevieve umgebracht haben. Doch er kann sich an nichts erinnern. Er ist bewusstlos über der Leiche liegend festgenommen worden. Im Krankenhaus hat man ihm ein Gangliom entfernt, dass er jetzt im Glas zu Hause stehen hat. In de anstehenden Prozess ist er wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen worden. Doch Drew findet keine Ruhe mit dem Urteil. Er ermittelt auf eigen Faust, was keiner so richtig versteht, aber Drew ist der Ansicht, dass ihn jemand hereingelegt hat. Einige Zeichen in seiner Umgebung sprechen auch dafür, doch glauben tut ihm die Polizei überhaupt nicht. Dann wird eine weitere Frau ermordet aufgefunden und wieder ist Drew unter Verdacht, kann aber ein Alibi vorweisen. Doch wieder ist die Polizei auf einen schnellen Erfolg aus. Doch Drew und seine Freunde setzen alle Hebel in Bewegung, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Zu Beginn habe ich Schwierigkeiten gehabt, um zu begreifen, was sich in diesem Thriller abspielt. Die Handlungsweisen der Beteiligten waren mir nicht ganz klar, aber nach und nach hat sich das gelegt und zum Ende war ich zu stark gefesselt, um das Buch wieder aus der Hand zu legen. Das zeichnet, meiner Meinung nach, einen guten Thriller aus. Auch der Spannungsbogen wurde Stück für Stück sehr plausibel, bis zum Ende aufgebaut. Das Ende hielt für mich überraschendes parat. Die Hauptfigur Drew ist sehr authentisch aufgebaut worden. Seine Handlungsweisen waren nachvollziehbar und durch die unverständlichen Reaktionen seiner Freunde, auch ein Stück weit plausibler. Drew´s Verhalten ist sehr menschlich, auch wenn der Verdacht mich am Anfang hat zweifeln lasse, ob er völlig unschuldig war. Doch die Entwicklung war sehr logisch aufgebaut, vor allem weil aus vielen Ecken Unterstützung kam.
Ich habe mich von dem Thriller „Blackout“ sehr unterhalten gefühlt, da er sehr interessant und spannend geschrieben wurde. Auch das „menscheln“ kam hier nicht zu kurz. Ich finde diesen Thriller lesenswert.