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Benutzername: Isaopera
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Bewertungen

Insgesamt 139 Bewertungen
Bewertung vom 03.12.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


gut

Das "Deutsche Haus" in diesem Roman ist die Gaststätte, in der Evas Eltern die Frankfurter bewirten. Eva selbst möchte nicht in das Gastgewerbe einsteigen, sondern arbeitet als Übersetzerin und wird aufgrund eines Personalmangels plötzlich mit hoher Verantwortung versehen: sie soll im anstehenden Auschwitz-Prozess die Zeugenaussagen übersetzen und kommt so hautnah in Kontakt mit der schrecklichen deutschen Vergangenheit.
Annette Hess beleuchtet in diesem Roman eindringlich die deutsche Schuldfrage und regt wirklich zum Nachdenken an. Ich benötigte einige Zeit, um mich an den doch sehr nüchternen Schreibstil zu gewöhnen, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Die Handlung um Eva fand ich dann wirklich interessant, einige andere Nebenhandlungen (z.B. um Jürgens Vater) erschlossen sich mir nicht richtig bzw. trugen meiner Meinung nach nicht wirklich zur Geschichte bei. Ich hätte mir etwas mehr Fokus auf die hauptsächliche Handlung gewünscht, würde das Buch aber für geschichtsinteressierte Leser durchaus weiterempfehlen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.09.2018
Wie man die Zeit anhält
Haig, Matt

Wie man die Zeit anhält


gut

In diesem Buch dreht sich alles um die Zeit, denn Tom Hazard ist einer, der die Zeit überdauert. Seit Jahrhunderten lebt er bereits und hat bereits fast alles gesehen, dennoch ist er rastlos. Seine Geschichte wird von Matt Haig, den ich bisher eher von humorvollen Geschichten kannte, einfühlsam erzählt. Zeit war bei mir eine echte Größe, denn da ich das Buch als Hörbuch gehört habe, hat es mich wirklich einige Zeit begleitet. Tom ist ein sympathischer Charakter, allerdings finde ich, dass im Buch recht schnell klar wird, wer die Guten und wer die Bösen sind. Das Ende der Geschichte war für mich früh absehbar, andererseits kam es natürlich auch irgendwie dann abrupt. Ich denke, da ich den Autor mit anderen Texten assoziiere, hat mich die Ernsthaftigkeit der Geschichte überrascht. Es ist eine gute und sehr emotionale Darstellung historischer Ereignisse, beispielweise der Hexenverfolgung, die ich jedoch gerade Christoph Maria Herbst nicht immer abgenommen habe. Ich mag seine Stimme, hätte mir persönlich jedoch eher Christian Berkel oder einen anderen Leser vorstellen können. Insgesamt hat mir die Erzählung gut gefallen. Allerdings gab es zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu hören. Ab und an bin ich gedanklich durchaus abgewandert, habe zwar zurückgefunden, war aber einfach nicht durchgehend gefesselt. Bei einem Hörbuch merkt man eben viel intensiver, wie gebannt man von der Geschichte wirklich ist. Obwohl die Idee originell erscheint, war es mir dann irgendwie doch nicht besonders und unvorhersehbar genug. Daher gebe ich solide drei Sterne.

Bewertung vom 03.09.2018
Loyalitäten
Vigan, Delphine de

Loyalitäten


ausgezeichnet

Delphine de Vigan ist für mich seit „Nach einer wahren Geschichte“ eine Lieblingsautorin. Nach und nach habe ich alle ihre Bücher angesammelt und daher stand „Loyalitäten“ schon lange auf der Wunschliste. Sehr ungewöhnlich, dieser Plot über einen 12jährigen, der seinen Kummer mit Alkohol ertränkt. Aber: andererseits eine Geschichte mitten aus dem Leben, jede einzelne der Figuren erscheint 100% authentisch und als Leser kann man sich der strudelnden Abwärtsspirale, in die Theo gerät, kaum entziehen. Das Ende ist dann eine Überraschung, ein würdiges Finale, aber auch viel Stoff zum Nachdenken.
Für mich lebt diese Geschichte zum einen von der hohen Authentizität, zum anderen aber vor allem von Delphine de Vigans toller Sprache. Immer wieder habe ich Sätze gelesen, die ich genauso abschreiben und immer wieder lesen müsste. Gedanken der einzelnen Personen, die eigentlich eine Wahrheit über uns alle verraten. Es ist beeindruckend, wie sich die Autorin sowohl in die Psyche eines Kindes, aber auch von Erwachsenen hineinversetzen und das Thema aus allen Perspektiven beleuchten kann. Ich denke, die Bücher von Delphine de Vigan sind wie die Bücher von Jodi Picoult, aber literarischer. Beide Autorinnen schätze ich sehr und kann „Loyalitäten“ uneingeschränkt empfehlen. Der Titel ist übrigens hierbei super gewählt! Man sollte sich nicht vom (nicht sehr gut geschriebenen) Klappentext abschrecken lassen, sondern dieses Buch einfach direkt beginnen!

Bewertung vom 28.08.2018
Ida
Adler, Katharina

Ida


weniger gut

Siegmund Freuds "Dora" ist ein Name, den viele schon einmal gehört, im Studium kennengelernt oder irgendwo gelesen haben. Katharina Adler hat, wie neulich im "Spiegel" zu lesen war, erst später in ihrem Leben erfahren, dass diese "Dora" ihre Verwandte Ida gewesen ist und sich danach mit der Idee getragen, ihre wahre Geschichte zu erzählen.
Dabei herausgekommen ist ein Roman mit Höhen und Tiefen über eine harte Frau...die mir leider sehr unsympathisch in Erinnerung geblieben ist. Nachdem die Geschichte spannend einstieg, nahm die Spannung für mich leider im Laufe der Lektüre ab. Die Handlung wurde zusehends politisch, leider erschienen mir die Zusammenhänge aber nicht immer ganz klar dargestellt. Ida selbst eine Protagonistin, die polarisieren wird, was ich völlig okay finde. Ich bin nicht der Meinung, dass man die Hauptfigur eines Buches immer gern mögen muss, um ihre Geschichte mit Interesse zu lesen. Gerade bei Ida ist mir dies aber wirklich schwer gefallen...sie hat es mir mit ihrem Verhalten und ihren Einstellungen einfach verdorben, das Buch genießen zu können und ich finde, es hätte insgesamt etwas weniger episodisch, mehr aus einem Guss sein können.
Von Katharina Adler würde ich in der Zukunft sicher auch weitere Bücher lesen, denke aber, dass sie sich noch steigern kann.
Von mir leider rückwirkend betrachtet nur 2,5 bis maximal 3 Sterne... ein wenig Lesespaß muss schon sein!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.08.2018
Weit weg von Verona
Gardam, Jane

Weit weg von Verona


sehr gut

"Weit weg von Verona" spielt dieser Roman in der Tat. Auch sonst hat er wenig mit den Shakespear'schen Gefilden zu tun, außer dass Protagonistin Jessica es während des ganzen Buches nicht schafft, "Romeo und Julia" durchzulesen. Jessica ist eine Leseratte, eine (hoffentlich) angehende Schriftstellerin und in gewisser Weise auch ein Sonderling. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und ist immer für einen impulsiven Gefühlsausbruch gut. Ständig kommen ihr teilweise recht unvernünftige Ideen, aber bevor sie sich stoppen kann, ist sie oft schon mitten im Fettnapf gelandet. Wie sie dies selbst reflektiert ist wirklich das Highlight dieses Romans, ebenso die schönen Beschreibungen und die Atmosphäre der Geschichte. In gewisser Art wirkt er ein wenig aus der Zeit gefallen, so als wäre er von einer Schriftstellerin vor 50 Jahren geschrieben worden. Diesen Stil finde ich allerdings wirklich gut, nachdem ich die Old Filth-Reihe von Jane Gardam leider gar nicht mochte. Durch die genaue Beschreibung und "Verehrung" der Lehrerinnen Jessicas kommt auch ein wenig "Hanni und Nanni"-Feeling auf.
Obwohl ich das Buch schwer aus der Hand legen konnte, bleibe ich doch etwas ratlos zurück. Es hat mir in vielen Dingen gut gefallen, auf der anderen Seite hat Jessica mich jedoch wirklich oft irritiert. Manche Szenen waren einfach...merkwürdig und haben sich mir auch im Nachhinein nicht erschlossen. Diese leichte Verwirrung begleitete mich an vielen Stellen der Lektüre und hält mich davon ab, das Buch uneingeschränkt zu loben. (3,5 -) 4 Sterne möchte ich jedoch in jedem Fall vergeben und bin gespannt, ob Jane Gardam nun in diesem Genre weiterschreiben wird.

Bewertung vom 03.08.2018
Torten ohne Backen
Sady, Jean-Luc

Torten ohne Backen


gut

Torten ohne Backen sind für die Sommerzeit eine erfrischende und Zeit sparende Alternative - gerade bei hohen Temperaturen aber natürlich auch etwas gefährdet ;) Das Buch aus dem Bassermann-Verlag bietet ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis und erhält von mir insgesamt 3,5 Sterne. Abzüge gibt es für die teils etwas unklaren Beschreibungen zu den Keksen - sowohl, um welche es sich genau handelt und auch, wie diese genau ausgelegt werden sollten. Da diese für die Stabilität der Torten sehr wichtig sind, muss man hier ein wenig rumtüfteln.
Geschmacklich sind die Kuchen mit der Mascarpone-Creme natürlich sehr gut, allerdings sind nicht alle Rezepte "alltagstauglich". Wie in vielen Backbüchern finde ich einige Rezepte schon sehr ausgefallen, aber wenn man Lust am Ausprobieren hat, ist es eine tolle Sammlung.
Insgesamt empfehlenswert.

Bewertung vom 03.08.2018
Die Stunde des Schicksals / Die Lytton Saga Bd.3
Vincenzi, Penny

Die Stunde des Schicksals / Die Lytton Saga Bd.3


ausgezeichnet

Der dritte Band, in dem wir die Lyttons durch die Jahre und ihre Unternehmensführung begleiten dürfen hat sich absolut gelohnt. Das Finale ist nicht nur der spannendste der drei Bände, in dem sich wirklich noch einmal alles zuspitzt, neue Charaktere viel Bewegung hineinbringen und die Handlung einem Krimi ähnelt – sondern auch wieder ein toller Familienroman, in dem deutlich wird, was Familienbande alles bedeuten können. Vertrauen, Verrat, Verzeihen...ich konnte das Buch nur schwerlich weglegen und finde es wirklich schade, dass wir die Lyttons nun verlassen mussten. Auch wenn so ein Familienroman die Ereignisse innerhalb der Generationen natürlich ein wenig vervielfacht, erscheinen die Geschichte und die Figuren stets authentisch. Nachdem ich im ersten Band erst ein wenig mit Penny Vincenzis Schreibstil warm werden musste, habe ich ihn nun schätzen gelernt und hoffe, dass von ihr noch einige weitere Bücher übersetzt werden.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diese spannende Saga, die sich weniger auf historische Ereignisse, sondern mehr auf die Geschehnisse in der Familie fokussiert, damit aber absolut punkten kann.

Bewertung vom 09.07.2018
Das weibliche Prinzip
Wolitzer, Meg

Das weibliche Prinzip


sehr gut

„Das weibliche Prinzip“ verrät bereits im Titel, dass hier Frauen im Vordergrund stehen. Gut so? Absolut! Meg Wolitzer beschreibt spannende, diverse und sehr unterschiedliche Frauenfiguren, die ihren Weg suchen und spannt dabei eine Zeitspanne über mehrere Jahre. Protagonistin Greer ist dabei immer sehr authentisch, menschlich und ich habe ihre Geschichte sehr gerne gelesen. Der Kontakt mit zwei sehr überzeugenden Persönlichkeiten, zunächst ihrer College-Kommilitonin Zee, und später der Feministin Faith Frank, lässt sie aufblühen, aber auch kritisch reflektieren, was sie nicht möchte. Greers langjähriger Partner Cory, der in der Leseprobe noch eher schlecht wegkam, ist für mich dabei eine sehr wichtige und sympathische Figur geworden, denn ich finde, er hat die Geschichte unheimlich bereichert. Hier fand ich manche Zeitraffer fast schade, denn ich hätte über die beiden gerade gegen Ende gerne noch mehr erfahren – ebenso wurde der Konflikt zwischen Greer und ihren Eltern für mich nicht ausreichend thematisiert. Dass der fünfte Stern fehlt, hat aber vor allem mit dem fehlenden „i-Tüpfelchen“ zu tun. Es ist ein toll geschriebener Roman, der mich gefesselt hat. Gerade die feministische Perspektive ist am Anfang deutlich, verliert sich aber über die Zeit etwas. Im letzten Drittel verliert der Roman für mich etwas an Profil und bleibt sehr gut, aber kein Knüller. Daher vier Sterne und eine Lessempfehlung!

Bewertung vom 29.06.2018
Die Jahre der Leichtigkeit / Familie Cazalet Bd.1
Howard, Elizabeth Jane

Die Jahre der Leichtigkeit / Familie Cazalet Bd.1


gut

Eine neue Familiensaga, und diese auch noch über fünf Bände. Das ist eine Ansage, besonders für einen Fan von mehrbändigen Familienromanen wie mich. 550 Seiten erscheinen dabei für die Einstimmung in die Geschichte in jedem Fall ausreichend. Wurden meine Erwartungen erfüllt? Nachdem ich von der Leseprobe sehr angetan war, kann ich auch am Ende der Lektüre sagen, dass die Geschichte der Familie Cazelet auf jeden Fall spannend beginnt. Die Figuren werden umfangreich eingeführt, trotzdem kommt nie Langeweile auf, da man mitten in der Handlung einsteigt. Ich muss jedoch zugeben, dass es zeitweise schwierig war, sich zwischen den vielen Charakteren zurecht zu finden. Die Ahnentafel am Anfang des Buchs hilft hierbei nur bedingt, andererseits ist dort ein Spoiler auf die Handlung des Buchs versteckt, was mich etwas geärgert hat.
Der Schreibstil von Elizabeth Jane Howard ist angenehm, liest sich aber nicht 100% flüssig. Band 1 umfasst ein Jahr von 1937-1938. Ich mag es, dass man am Ende dieses ersten Bandes bereits einige Figuren lieb gewonnen hat und eine Ahnung über den weiteren Handlungsverlauf gewonnen hat, andererseits muss man klar sagen, dass die Geschichte erst in Band 2 richtig beginnen wird.

Für mich eine durchaus vielversprechende neue Familiensaga, die im ersten Band allerdings noch kein absoluter Knüller war.

Bewertung vom 25.06.2018
Das Flüstern der Magnolien
Goodnight, Linda

Das Flüstern der Magnolien


sehr gut

"Das Flüstern der Magnolien" steht schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste. Frisch als Taschenbuch erschienen habe ich es nun endlich gelesen und kann sagen, dass es mir insgesamt wirklich gut gefallen hat.
Julia ist eine tolle Protagonistin, die warmherzig und tolerant mit ihren Mitmenschen umgeht. Da sie Schreckliches erlebt hat (ihr Sohn wurde entführt und ihr Mann hat ihre Ehe aufgegeben), begegnet sie der einen oder anderen Situation verständlicherweise mit Angst oder Misstrauen, bleibt aber immer reflektiert und schafft es, über ihren Schatten zu springen. Eli ist ein gutes Gegenstück zu ihr, da er mit seinen Erlebnissen ebenfalls nicht abgeschlossen hat und allem prinzipiell erst einmal pessimistisch gegenüber steht. Als er mit seinem Sohn, von dem er zuvor nichts wusste, konfrontiert wird, merkt er, dass es sich für seinen Ruf und um seine Familie zu kämpfen lohnt und arbeitet konstant an sich.
Die Geschichte läuft aufgrund ihrer vielen dramatischen Verwicklungen Gefahr, zu rührselig zu werden, erfreulicherweise umschifft Linda Goodnight aber die meisten Klischees. Durch die interessanten Nebencharaktere, zum Beispiel einige liebenswerte ältere Damen und einen netten Polizisten aus dem Dorf, wird die Handlung etwas entzerrt und sehr bereichert. Immer wieder wurde ich von humorvollen oder sehr schön beschriebenen Momenten überrascht und muss daher sagen, dass diese Geschichte wirklich viel bodenständiger ist, als man nach den ersten paar Seiten Schwärmerei über Pfirsich-Muffins und selbst gemahlenen Kaffee meinen sollte ;)
Gepackt hat mich auch die Bürgerkriegs-Geschichte über Charlotte und den Captain Will, die 1864 angesiedelt ist und sich nach und nach offenbart. Hier gab es wirklich einige Spannungsmomente!

Ein insgesamt positiv überraschender und einfühlsamer Roman über das Thema Verlust, Familie und eine zweite Chance. Empfehlenswert!