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Benutzername: kindder80er
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Bewertungen

Insgesamt 85 Bewertungen
Bewertung vom 02.10.2019
Wer im Himmel auf dich wartet
Albom, Mitch

Wer im Himmel auf dich wartet


sehr gut

Surreal und spirituell

Annie und Paulo kennen sich schon aus der Grundschule, haben sich als Teenager aus den Augen verloren, nun wiedergefunden und schließlich geheiratet.

Durch mehrere Zufälle verursacht, stürzen sie nur ein paar Stunden nach der Hochzeit mit einem Heißluftballon ab.

Vor dem Absturz meint Annie einen älteren Mann zu sehen, der ihr merkwürdig bekannt vorkommt. Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass es der Mann war, der ihr als Kind das Leben gerettet hat und dabei selbst umgekommen ist.

Als Annie in den Himmel kommt, trifft sie 5 Personen, an die sie sich teilweise gar nicht erinnern kann, die in ihrem Leben aber dennoch eine wichtige Rolle gespielt haben. Der Autor schafft es durch seinen Schreibstil, teilweise sehr surreale Bilder zu erzeugen - ähnlich wie in dem Film "Hinter dem Horizont".

Das Buch ist durchaus als spirituell zu bezeichnen und normalerweise ist das nicht unbedingt mein Genre, aber der Klappentext hat mich trotzdem neugierig gemacht. Der Schreibstil ist einfühlsam, aber nicht verschwurbelt. Die Figuren habe ich sofort in mein Herz geschlossen und man hofft irgendwie auf ein "Happy End", weil Annie und Paulo doch so glücklich miteinander waren.

Ich finde die Vorstellung irgendwie schön, die der Autor hier zeichnet. Auch dass man noch Frieden schließen kann mit Menschen oder Situationen, die man erlebt hat und an die man sich nicht so gerne erinnert. Auch sein Gegenüber nicht so schnell zu verurteilen, bevor man nicht die Hintergründe kennt, ist eine Botschaft des Buchs.

Mir hat es gut gefallen und innerhalb weniger Stunden habe ich es ausgelesen.

Bewertung vom 02.10.2019
Meine wunderbare Frau
Downing, Samantha

Meine wunderbare Frau


ausgezeichnet

Perfide und hintergründig

Das Buch ist aus der erzählerischen Ich-Perspektive von Tobias geschrieben, der eigentlich nicht Tobias heißt. Er und seine Frau Millicent sind gerade auf der Suche nach einem neuen Opfer und Millicent scheint irgendwie die treibendere Kraft dahinter zu sein.

Tobias' Masche ist es, Frauen zu beobachten, ihren Lebensrhythmus herauszufinden und dann persönlichen Kontakt zu ihnen herzustellen. Dabei gibt er vor, taub zu sein, was in den meisten Frauen etwas Mitleid auslöst und sie unvorsichtiger werden lässt. Als könnte ein behinderter Mann kein Gewalttäter sein.

Allerdings werden beide gezwungen, erstmal vorsichtiger zu sein, denn eines ihrer Opfer wurde nun gefunden, was die Runde in den Medien macht... Schnell ergreift dann wieder "Tobias" das Ruder und ersinnt einen Plan, um zu verhindern, dass die Ermittlungen in ihre Richtung gehen.

Warum und unter welchen Umständen die beiden zum Morden gekommen sind, wird in Flashbacks und Salamitaktik enthüllt. Besonders beeindruckt hat mich, mit welcher Nonchalance "Tobias" das beschreibt, so dass man sich als Leser streckenweise dabei ertappt, das Ganze ebenfalls als logische Schlussfolgerung zu empfinden. Das hat die Autorin echt perfide eingefädelt. ;-)

Auch, wie sie nach außen hin die perfekte Familie mit zwei halbwüchsigen Kindern mimen, ist irgendwie gruselig und es lehrt einen ein Mal mehr, dass man den Leuten eben doch nur VOR den Kopf schauen kann.

Im Buch gibt es einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte! Nur eine einzige habe ich schon früh vorausgeahnt, aber das hat mir den Lesespaß überhaupt nicht verdorben.

Ich kann das Buch jedem Thrillerfan empfehlen, da es eben nicht bereits Gelesenes nur rezitiert, sondern mal was Neues ist!

Bewertung vom 01.10.2019
Wie Frau Krause die DDR erfand
Aehnlich, Kathrin

Wie Frau Krause die DDR erfand


ausgezeichnet

(V)erklärende Ostalgie?

Isabella Krause ist fast fünfzig Jahre alt und Schauspielerin. Allerdings hangelt sie sich von Kleinstrolle zu Kleinstrolle und hat Geldsorgen. Deshalb spielt sie Lotto und hat einen kleinen Zahlentick. Alles aber auch kein Wunder, wurde sie doch am 7.10.69 auf dem Fußboden einer Lottoannahmestelle geboren. Just zum zwanzigsten Jahrestag der DDR. Ihr Geburtstag war bis zum Fall der Mauer immer ein Feiertag gewesen bis er genauso sang- und klanglos verschwand wie die DDR an sich.

Bei einem Casting für einen Werbespot wird sie gefragt, ob sie nicht lieber bei einem anderen Projekt mitarbeiten will, denn wegen ihrer Herkunft aus dem Osten, könnte sie doch bestimmt innerhalb kürzester Zeit 10 Ostdeutsche auftreiben, die von ihrer DDR-Vergangenheit erzählen.

Schon bald wird klar, dass die Herren von der Agentur ein ganz eigenes Bild der DDR haben, die sie von ihren zukünftigen Protagonisten auch bestätigt wissen wollen. Dass es in der DDR aber auch möglich war, ganz normal zu leben, zu feiern und zu lieben, passt nicht recht ins Bild.

Zumindest die erste Hälfte des Buches ist von Ostalgie angehaucht, aber warum auch nicht? Das Regime der DDR wünscht sich kaum einer zurück, aber trotzdem waren Menschen durchaus auch glücklich! Wir sind damals nicht alle in gebückter Haltung durch triste, graue Straßen geschlurft, auf der Suche nach der nächsten Schlange, an der man sich einfach anstellte, ohne zu wissen, was es gibt. Die Menschen haben oft das Beste aus der Situation gemacht und sich eingerichtet.

Für nicht Wenige war die Wende daher auch ein bisschen traumatisch, da sie mitten im Leben stehend den sicheren Arbeitsplatz verloren haben und auch sonst nicht wussten, was alles auf sie einprasselt.

Die DDR soll um Gottes Willen nicht verklärt werden! Dennoch sollte auch nicht alles als wertlos abgestempelt werden, was sich die Menschen aufgebaut haben.

Das Buch VERklärt aber auch nichts, sondern ist eher ERklärend geschrieben. Ab der zweiten Hälfte kommen auch Protagonisten zu Wort, die unter der DDR gelitten haben. Außerdem werden nicht nur Vorurteile behandelt, die der Westen vom Osten hat, sondern auch umgekehrt.

Mir hat es sehr gut gefallen - bei einigen Schilderungen musste ich laut auflachen und denken "Genau so war's!" ;-). Es ist also ein eher humorvolles Buch, aber mit Tiefgang.

Bewertung vom 01.10.2019
Drei
Mishani, Dror A.

Drei


ausgezeichnet

Gemächlicher, unspektakulärer Schreibstil - dennoch mit Knalleffekt

Das Buch hat mich neugierig gemacht, weil so vehement darauf bestanden wird, dass man in der Rezension bloß nicht spoilern soll und man "eigentlich nichts verraten" darf. Auf sowas stehe ich ja total! :-)

Los geht es gleich mit Orna, die ganz frisch geschieden ist und mit ihrem Sohn nun alleine lebt. Sie ist Lehrerin und schlägt sich durch - immer noch tief verletzt von der Scheidung, aber dennoch auf der Suche, lernt sie Gil auf einem Datingportal kennen. Er ist so herrlich unkapriziös und nach einigen Startschwierigkeiten kommen sie sich näher, aber Liebe will sich nicht direkt einstellen. Dennoch ist Orna dankbar für die Abende mit Gil, an denen sie einfach mit ihm essen oder ins Kino geht. Holt er sie doch aus ihrem Loch heraus.

Das Buch startet gemächlich und eigentlich unspektakulär bis das erste Kapitel mit einem Knall endet! Kapitel 2, das sich um Emilia, die lettische Pflegekraft dreht, wird dadurch gleich spannender. Und Kapitel 3 endet ebenso unvorhergesehen.

Jedes der 3 Kapitel behandelt eine der Frauen als Protagonistin. Man lernt sie kennen, ihre Eigenschaften, ihre Macken, dringt in ihre Leben ein und wird fast ein Teil von ihnen. Der Schreibstil ist dennoch ruhig und fast schon distanziert. Das Ganze ist schwer einzuordnen: Irgendetwas zwischen Krimi und Psychothriller ohne große Action, aber trotzdem unter die Haut gehend.

Mir hat das Buch gerade WEGEN der vorhandenen Distanziertheit sehr gefallen!

Bewertung vom 01.10.2019
Alles nur aus Zuckersand, 2 Audio-CDs
Kummer, Dirk

Alles nur aus Zuckersand, 2 Audio-CDs


ausgezeichnet

Kindgerechte Aufarbeitung deutsch-deutscher Geschichte

Charly Hübner ist mir als Schauspieler bestens bekannt, aber auch als Hörbuchsprecher ist er fantastisch. Seine sonore Stimme weiß er perfekt zu betonen und verpackt sie auch glaubhaft kindlich (aber NICHT kindisch!), wenn er die Aussagen der Kinder vorliest.

Fred Ernst ist ein ganz normaler Junge - außer, dass er in der DDR lebt. Sein Vater ist Zollbeamter und recht linientreu. Freds bester Freund Jonas hat augenscheinlich eine etwas aufgeschlossenere Mutter, bei der man nicht "aufpassen muss, was man sagt". Sein Vater ist im Stasiknast an einer Lungenentzündung gestorben. Nicht zuletzt deshalb seine Mutter der DDR nicht treu ergeben und stellt einen Ausreiseantrag. Jonas wird in der Schule deshalb - und weil er an Gott glaubt - geschnitten. Fred hofft heimlich, dass Jonas nie ausreisen wird, aber nur für den Fall beginnen sie im sandigen Boden von Brandenburg ein Loch zu graben. Der Nachbar von Fred hilft den beiden, denn schließlich müssen sie die genauen Koordinaten von Australien kennen, um am anderen Ende der Welt wieder herauszukommen und sich eines Tages wiedersehen zu können. Aber auch für Fred ändern sich die Lebensumstände, als es im Sportunterricht zur Kadersichtung kommt...

Am Rande werden Details der Lebensumstände in der DDR erwähnt und immer erklärt. Z.B. dass es nur wenige Wohnungen mit Fernheizung gab, dass im Schulsport der Trainingsanzug eine Art Uniform war, welche Bücher man im Schrank hatte, was es zu essen gab und was nicht, was in der Schule vermittelt wurde und wie schon die Kleinen infiltriert wurden usw.

Als die Mauer fiel war ich in Freds Alter und kann mich deswegen wunderbar hineinversetzen und auch bestätigen, dass es damals tatsächlich so ablief. Man spürt, dass die Geschichte autobiografische Züge hat und völlig authentisch dargestellt wird.

Es ist ein ernstes Hörbuch und dabei unglaublich wertvoll! Deutsch-deutsche Geschichte wird kindgerecht aufgearbeitet und vermittelt besser als jeder Geschichtsunterricht, was die DDR bedeutete, wenn man sich wissentlich oder unwissentlich mit dem Staat anlegte. Dass es daneben auch glückliche Momente gab, wird natürlich auch nicht verschwiegen.

Vermutlich werden Kinder nach dem Hören noch Fragen haben - und das ist auch gut so! Selbst mir geht das Hörbuch noch nach und ich kann es jedem wärmstens empfehlen!

Bewertung vom 20.08.2019
Letzte Rettung: Paris
deWitt, Patrick

Letzte Rettung: Paris


sehr gut

Süffisant und schräg


Frances ist seit über 20 Jahren glücklich verwitwet und lebt mit ihrem schon längst erwachsenen Sohn Malcolm in New York recht feudal von ihrem Erbe. Das ist nun leider aufgebraucht und so muss eine Alternative her...

Sie zieht mit ihrer Entourage - zunächst nur in Form ihres leicht ödipalen Sohnes und des Katers, der die Reinkarnation ihres Mannes ist - in ein kleines Apartment ihrer Freundin in Paris.

Alle Figuren waren mir nicht gänzlich unsympathisch, aber jede davon ist auf ihre Weise nervig, versnobt oder bestenfalls schrullig. Über Malcolm musste ich oft den Kopf schütteln. Er hat eigentlich eine Freundin, sagt seiner Mutter nur nichts von der Verlobung. Frances versucht sowieso schon immer, wenn sie nur irgend kann, in diese Beziehung dazwischenzufunken. Das stört Malcolm aber auch nicht besonders, da er eh nicht vorhat, an seinem Leben etwas zu ändern und lieber bei seiner Mutter wohnen bleiben will. Warum Susan - seine Verlobte - ihn so sehr liebt, kann ich nicht nachvollziehen. Malcolm und Susan übrigens auch nicht. ;-)

Wieso Malcolm so ist, wie er ist, wird am Ende ansatzweise erklärt.

Richtig einordnen kann man das Buch allerdings nicht. Es ist kein Krimi, kein Thriller oder Komödie. Es ist eine Geschichte, die manchmal dahinplätschert, aber irgendwie wollte ich immer wissen, wie es weitergeht. Der Schreibstil las sich für mich flüssig und angenehm, obwohl es an ein paar Stellen zu einer durchaus expliziteren Wortwahl kommt.

Bewertung vom 20.08.2019
Klartext: Impfen! - Ein Aufklärungsbuch zum Schutz unserer Gesundheit
Schmitz, Thomas; Siebert, Sven

Klartext: Impfen! - Ein Aufklärungsbuch zum Schutz unserer Gesundheit


ausgezeichnet

Wichtiges Buch!


Impfgegner gibt es seit eh und je, aber nicht nur mir ist aufgefallen, dass die sich in letzter Zeit häufen.

Deshalb ist dieses Buch so wichtig! Und deshalb ist es auch so wichtig, dass es von einem Schulmediziner UND einem Biologen geschrieben wurde.

Es klärt auf und nimmt einem auch gewisse Ängste. Dabei wirft es nicht mit unverständlichen medizinischen Fachbegriffen um sich, sondern nimmt sich die Zeit anschaulich zu erklären. Auch eine gewisse Prise Humor ist dabei.

Es nimmt Impfgegner und Impfskeptiker nicht auf die Schippe, sondern nähert sich ihnen respektvoll. Deswegen ist es so wichtig, dass genau diese Menschen dieses Buch lesen!

Aber auch für Impfbefürworter ist es lesenswert, weil tief in die Geschichte des Impfens vorgedrungen wird und einiges Wissenswerte erklärt wird.

In einem sind sich alle einig: Impfen ist Körperverletzung! Es wird ein Stich gesetzt, obwohl man NICHT krank ist. Auch Nebenwirkungen werden nicht verschwiegen, denn nach dem Impfen kann es eben zu Krankheitssymptomen kommen, die man ja eigentlich verhindern wollte, aber ganz wichtig dabei: Man ist vor der schweren Krankheit geschützt!

Also, ich empfehle dieses Buch einfach jedem: Impfgegnern, -Skeptikern und -Befürwortern!

Bewertung vom 20.08.2019
Verrückt nach Karten

Verrückt nach Karten


ausgezeichnet

Liebevolle Zusammenstellung für Leseratten und Kartenverrückte


Gerade im Genre historischer Romane oder Fantasy tummeln sich einige Autoren, die mit Hilfe von Karten Dörfer, Städte oder ganze Universen erschaffen haben. Teilweise so fantasiereich, dass sich die Karten über mehrere Seiten erstrecken und den Leser auf ganz besondere Weise in das jeweilige Buch mit hinein ziehen.

Ganz verschiedene Autoren berichten in diesem liebevoll zusammengestellten Band von ihrer Liebe zu Karten. Wie sie sie entdeckt haben und was sie daran so begeistert. Philip Pullman beschreibt das z.B. sehr anschaulich. Schon als kleiner Steppke war er von Karten realer Orte begeistert bis er schließlich seine Leidenschaft entdeckte, selbst Orte zu erschaffen und Geschichten dazu zu schreiben.

Der Herausgeber Huw Lewis-Jones war ebenso schon als Kind in Karten vernarrt, was wohl auch der Grund für dieses wunderschöne Sammelsurium, gebunden zwischen zwei Buchdeckeln, ist.

Ganz nebenbei habe ich nun auch das japanische Wort für den allseits bekannten "SuB" von Leseratten gelernt: Tsundoku. Klingt irgendwie charmanter... ;-)

Das Buch richtet sich also vor allem an Leseratten, die in ihren Schmökern am liebsten gänzlich versinken. Es ist etwas größer als A4 und wirklich reich bebildert. Die Hintergrundgeschichten sind total interessant - auch für diejenigen, die das jeweils dazugehörige Buch nicht gelesen haben - und animieren dazu, das ein oder andere Buch neu für sich zu entdecken.

Bewertung vom 20.08.2019
Wilder Winter / Hap & Leonard Bd.1
Lansdale, Joe R.

Wilder Winter / Hap & Leonard Bd.1


sehr gut

Kult zum Neuentdecken


Von Hap & Leonard hatte ich bisher noch nichts gehört, obwohl die Reihe ja Kult zu sein scheint und der erste Roman bereits 1990 erschienen ist.

Hier gibt es nun eine Neuauflage in Taschenbuchform.

Hap & Leonard haben auf den ersten Blick nicht wirklich viel gemeinsam, doch beide verbindet eine tiefe Freundschaft. Als Hap's Ex-Frau auftaucht, warnt Leonard ihn, nicht wieder mit ihr anzubändeln, denn sie hat ihn vor zwei Jahren wegen einem anderen verlassen. Hap empfindet natürlich dennoch immer noch etwas für sie und sie landen im Bett. Eigentlich wie immer, wenn Trudy auftaucht. Doch diesmal ist da noch etwas anderes: Hap soll ihr helfen, einen "Schatz zu bergen" und für ihn wären 200000 Dollar drin. Hap hat zwar einige Bedenken, hält es aber dennoch für recht leicht verdientes Geld und willigt ein, aber nur unter der Bedingung, dass auch Leonard mit ins Boot genommen wird.

Dass das Geld nicht wirklich "leicht" verdient sein wird, wird schnell klar und die Action beginnt...

Der etwas rauere Schreibstil gefällt mir gut und passt auch zum Setting. Es wird viel geflucht und es werden Schimpfworte benutzt, aber ein geschliffener Schreibstil wäre hier wirklich auch deplatziert.

Für mich eine Neuentdeckung einer "alten" Reihe, die ich im Auge behalten werde.

Bewertung vom 13.06.2019
Niemalswelt
Pessl, Marisha

Niemalswelt


ausgezeichnet

Mischung aus "Murmeltier" und "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast"

Zeitreise- oder Zeitschleifengeschichten reizen mich seit jeher sehr und der ungewöhnliche Plot hat mich auf dieses Jugendbuch neugierig gemacht. Hört sich irgendwie nach einer Mischung von "Täglich grüßt das Murmeltier" und "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast" an.

Aus bisher ungeklärten Gründen starb Jim, Bees Freund, vor einem Jahr im Sommer. Bee ging danach aufs College und hatte keinen Kontakt zu ihrer alten Clique. Nun wollen sie sich wieder treffen, um den Geburtstag einer der fünf zu feiern.

Bee ist überzeugt, dass ihre Freunde mehr von den Umständen von Jims Tod wissen. Sie fühlt sich unwohl zwischen ihren alten Freunden, fährt aber mit zu einem Konzert, bei dem alle dem Alkohol mehr oder weniger zusprechen. Auf der Rückfahrt herrscht Regenwetter und sie bauen fast einen Unfall mit einem Abschleppwagen, können aber ausweichen und landen im Graben.

Froh, dass niemandem etwas zugestoßen ist, wollen sie im Haus weiter feiern als ein mysteriöser, alter Mann an die Tür klopft und den fünfen verkündet, dass sie sich in einer Welt zwischen Leben und Tod und in einer Zeitschleife befinden. In der sogenannten "Niemalswelt" und er sei der Wächter. Alle fünf sind im Augenblick tot, denn der Unfall habe tatsächlich stattgefunden. Alle fünf müssen am Ende jeder Zeitschleife, die jeweils 11 Stunden dauert, abstimmen, wer von ihnen endgültig überleben soll. Es kann nur ein einziger überleben und derjenige darf nicht mehr als eine Gegenstimme haben.

Natürlich halten alle den Mann für verrückt, aber als sie am nächsten Tag aufwachen und es wieder "gestern" ist, sieht die Sache schon anders aus...

Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen und durch den ungewöhnlichen Plot will man unbedingt wissen wie es weiter geht. Spannung ist also vorhanden, auch wenn die Geschichte hier und da etwas langatmig zu sein scheint. Das Ende ist dann auch überraschend und recht stimmig. Insgesamt eine sehr gute Mixtur aus Thriller, Mystery und Coming-of-Age.