Benutzername: Aglaya
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Bewertungen

Insgesamt 92 Bewertungen
Bewertung vom 12.08.2017
Spectrum / August Burke Bd.1
Cross, Ethan

Spectrum / August Burke Bd.1


sehr gut

Geiselnahme in einem Unternehmen, das Schliessfächer vermietet. Aber die Verbrecher scheinen es nicht auf Geld abgesehen zu haben. Der FBI-Berater Burke soll herausfinden, worum es ihnen geht und wie man sie dingfest machen kann.

Die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, wobei der Fokus häufig wechselt und in beinahe jedem Abschnitt woanders liegt. Darum ist es auch schwer, einen klaren Protagonisten zu nennen. Ist es Nic, der aus einer Mafiafamilie stammt, bei der Polizei arbeitet und unbedingt zum FBI möchte? Ist es Burke, der weit überdurchschnittlich intelligent ist, durch sein Asperger Syndrom aber Schwierigkeiten hat, im Alltag zu bestehen? Oder gar Krüger, der südafrikanische Söldner, der noch einen letzten Auftrag ausführen und sich danach zur Ruhe setzen will? Sie alle erhalten etwa gleich viel Platz im Buch, neben vielen weiteren Figuren, die mehr oder weniger intensiv betrachtet werden. Allen voran ist da wohl die südafrikanische Polizistin Isabel zu nennen, die im Thriller aber schlussendlich weniger Raum erhielt, als es der Einstieg andeutete. Bei so vielen Akteuren hatte ich oft Mühe, mir die Namen merken zu können, respektive die Namen wieder den Personen zuordnen zu können, wenn sie nach einer Weile wieder auftauchten. Am interessantesten fand ich jedenfalls Burke, der durch seine Schwierigkeiten im Sozialverhalten oft unfreiwillig komisch agierte. Dass er ein Superman zu sein scheint, der nicht nur alles weiss, sondern auch alles kann, überzeugte mich allerdings nicht wirklich.

Die Handlung besteht aus mehreren Strängen, bei denen erst spät klar wird, wie sie zusammenhängen. Die Geschichte ist sehr komplex aufgebaut, sodass der Thriller aufmerksam gelesen werden muss, um alles zu verstehen. Hier wäre wohl etwas weniger mehr gewesen, da doch einige Handlungsstränge angeschnitten werden, um dann doch im Sand zu verlaufen. Viele Wendungen führen nicht nur die Ermittler, sondern auch die Leser in die Irre, während regelmässig Cliffhanger zu einem "nur noch ein Kapitel, damit ich weiss, wie es weitergeht"-Sog führen. Das Tempo ist sehr hoch gehalten, was man auch daran merkt, dass die komplette Haupthandlung an einem einzigen Tag stattfindet. Das Ende ist einigermassen offen gestaltet und bereitet den Weg für einen Nachfolgerband, erschien mir aber ein wenig überhastet.

Der Schreibstil des Autors Ethan Cross lässt sich flüssig lesen. Da mir die Handlung und auch das neu eingeführte Team gut gefallen hat, werde ich den Nachfolgeband sicher auch lesen.

Mein Fazit
Sehr komplexer und temporeicher Thriller.

Bewertung vom 05.08.2017
Mord im Cottage (eBook, ePUB)
Bednorz, Anna

Mord im Cottage (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Schriftstellerin Aoife zieht sich für eine Weile aus der Grossstadt Dublin in ein kleines Nest an der irischen Küste zurück, um neue Inspiration zu finden. Obschon sie unter einem Pseudonym schreibt und daher eigentlich niemand wissen kann, wer sie wirklich ist, tauchen bald Hinweise auf, dass sich ein Stalker auf ihre Fersen geheftet hat und ihre Bücher zerstört…

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive der Protagonistin Aoife erzählt. Zu Beginn ist nur wenig über sie bekannt, sodass ich lange am Rätseln war, was ihr in Dublin passiert war, bis dann im Laufe der Geschichte die Auflösung kam (die weit weniger spektakulär ist, als ich erwartet hatte). Aoife war mir sympathisch, blieb aber wie auch die anderen Figuren eher blass.

Während der Klappentext einen astreinen Regiokrimi erwarten lässt, dreht sich die Handlung mehr um Aoifes neues Leben auf dem Land und vor allem ihr Liebesleben. Der Stalker, respektive dessen Spuren, tauchen zwar immer wieder auf, nehmen aber nicht die Hauptrolle der Geschichte ein. So bleibt die Spannung leider grösstenteils auf der Strecke und beschränkt sich auf die Frage, wer denn nun der Drahtzieher hinter den "Büchermorden" ist. Auch die Katze, die im Untertitel so prominent erwähnt wird, spielt nur eine kleine Nebenrolle. Der Krimi-Teil enthält weder Gewalt noch Blut, sodass das Buch auch für sensible Leser und/oder Kinder geeignet ist. Aufgrund des starken Fokus' auf die Liebesgeschichte würde ich das Buch allerdings eher Frauen empfehlen, die auch ein Herz für Liebesgeschichten haben.

Der Schreibstil der Autorin Anna Bednorz lässt sich flüssig lesen, allerdings enthält das Buch einige Schreibfehler. Auch inhaltlich sind einzelne Widersprüche zu finden. Da hätte das Lektorat sorgfältiger arbeiten müssen. Die Beschreibung des Dorfes und dessen Bewohner vermögen zu überzeugen und auch an Humor hat die Autorin nicht gespart.

Mein Fazit
Schöne Liebesgeschichte mit wenig Krimi.

Bewertung vom 05.08.2017
Die Lieferantin
Beck, Zoë

Die Lieferantin


gut

Die "Lieferantin" beliefert London mit Drogen. Niemand weiss, dass die junge Ellie hinter diese Pseudomym steckt, die den Drogenhandel nicht aus finanziellen, sondern aus politischen Gründen betreibt. Im Post-Brexit England macht sie sich grosse Feinde, denn Drogenkonsum soll noch schärfer verfolgt werden als früher, während ihre Arbeit vor allem den anderen Drogenhändlern ein Dorn im Auge ist.

Die Geschichte wird in der dritten Person aus wechselnder Perspektive erzählt, dabei werden mehrere Handlungsstränge verknüpft. Die Handlung begleitet Mo, die ihre innere Leere mit Heroin zu überdecken versucht, auf ihren Begegnungen mit wachsendem Rassismus, Leigh, der für das Verschwinden eines Gangsters verantwortlich ist, Ellie, die den Drogensüchtigen wenigstens sauberen Stoff liefern will und Declan, der als Sprössling einer Drogenhändlerfamilie seinen Vater beeindrucken will, indem er gegen die "Lieferantin" vorgeht. Da die einzelnen Szenen aus Sicht des jeweiligen Protagonisten geschildert werden, erhält der Leser einen guten Einblick in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten, sodass ich mich gut in sie hineinfühlen, wenn auch nicht immer ihr Vorgehen nachvollziehen konnte. So wirklich ans Herz gewachsen ist mit allerdings niemand, da alle Figuren mindestens eine Eigenschaft aufwiesen, die ich absolut inakzeptabel fand.

Die Geschichte selbst spielt in einer nahen Zukunft, in der der Brexit vieles am Leben auf der britischen Insel geändert hat. So hat sich der Rassismus stark ausgedehnt und dunkelhäutige Bürger müssen jederzeit damit rechnen, auf dem Arbeitsweg verprügelt zu werden. Drogen werden von der Politik als Ursache allen Übels angesehen und es wird geplant, Drogenabhängige von allen Leistungen des Gesundheitssystems auszuschliessen und wenn möglich hart zu bestrafen (das von der Autorin dafür geschaffene Wort "Druxit" wird leider erst spät erklärt, sodass ich lange nicht verstand, was damit gemeint ist). Und offenbar hat sich Schottland von England abgespalten, jedenfalls muss nun bei der Einreise aus England der Pass vorgezeigt und eine Sicherheitskontrolle passiert werden.

Während sich die Handlung oberflächlich in erster Linie um Drogenhandel zu drehen scheint, ist jedoch eine politische Dystopie in meinen Augen der wahre Handlungsträger. Was passiert, wenn Rechtsextremen freie Hand gelassen wird; wie passt sich das Leben der Bürger den politischen Gegebenheiten dann an? So interessant diese Fragestellung auch ist, leider hat das für mich nicht viel mit einem Thriller zu tun. So wartete ich bei der Lektüre ungeduldig, dass nun endlich der "Thrill" beginnen würde, und die "Lieferantin" Ellie sich auf die Flucht vor ihren Gegnern befindet, wie im Klappentext angekündigt. Doch dieser Aspekt spielt nur eine Nebenrolle, überdeckt vom "was wäre, wenn".

Der Schreibstil der Autorin Zoë Beck lässt sich flüssig lesen und ist gut verständlich, ohne zu einfach oder langweilig zu sein.

Mein Fazit
Interessantes dystopisches Politdrama, aber kein Thriller.

Bewertung vom 18.07.2017
Sieh nichts Böses / Kommissar Dühnfort Bd.8
Löhnig, Inge

Sieh nichts Böses / Kommissar Dühnfort Bd.8


sehr gut

In einem Park wird eine Leiche gefunden, die dort schon länger gelegen hat. Durch den Zeitablauf fällt es Kommissar Tino Dühnfort schwer, die Tat zu rekonstruieren und den Täter zu finden. Gleichzeitig läuft auch bei ihm zu Hause nicht alles so rund, wie es zunächst den Anschein gemacht hat.

"Sieh nichts Böses" ist bereits der 8. Krimi um die Polizisten Gina Angelucci und Tino Dühnfort. Die Bände sind jeweils in sich abgeschlossen und können auch einzeln gelesen werden. Das Privatleben entwickelt sich zwar von Band zu Band weiter, verstehen kann man aber auch die Nebenhandlungen gut ohne Vorkenntnisse.

Die Geschichte wird in der dritten Person in der Vergangenheit aus der Sicht eines allwissenden Beobachters erzählt. Die Handlung ist dabei aus mehreren Strängen aufgebaut. Neben dem Mordfall, den es aufzuklären gibt, spielt auch das Privatleben von Gina und Tino eine grosse Rolle, daneben Ginas eigener Kriminalfall (den der Leser allerdings nicht aktiv, sondern nur durch ihre Erzählungen mitverfolgen kann), der Alltag des Ehepaars Lindental sowie des Schuldenberaters Jasper Seyboth. Wie bei der Buchreihe üblich, zeigt sich im Laufe des Buches, wie die einzelnen Stränge zusammenhängen. Die Autorin Inge Löhnig versteht es dabei geschickt, ihre Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken, sodass die Beweise gegen einen Verdächtigen überwältigend erscheinen, mit der nächsten Spur dann aber alles wieder ganz anders erscheint. Als vorhersehbar würde ich den Krimi daher nicht bezeichnen, obschon ich schon einige (nicht viele) Seiten vor den Ermittlern auf den Täter gekommen bin.

In Inge Löhnigs Büchern spielt nicht nur der Krimi eine Hauptrolle, sondern auch das Privatleben der Ermittler und weiterer beteiligter Figuren. Vor allem in Bezug auf die beiden Protagonisten winkt die Autorin hier für meinen Geschmack allerdings etwas zu heftig mit der Moralkeule. Wer sich nicht vom Kriminalfall und den Ermittlungen ablenken lassen möchte, sollte sich bei der Wahl der Lektüre lieber anderweitig umsehen. In "Sieh nichts Böses" kann der Leser zudem, wie auch in den früheren Bänden der Reihe, die Tat teilweise beobachten. Dabei geht es meist mehr um das "warum" als um das "wer und wie". Die vielen Figuren haben mich teilweise etwas verwirrt, bis ich im Griff hatte, wer wer ist und was er mit der Geschichte zu tun hat.

Mein Fazit
Spannender Krimi mit viel Privatleben

Bewertung vom 08.07.2017
Darcy - Der Glückskater und der Geist von Renfield Hall (eBook, ePUB)
Schulz, Gesine

Darcy - Der Glückskater und der Geist von Renfield Hall (eBook, ePUB)


gut

Darcy ist ein dreifarbiger Glückskater und auf Reisen. Alle paar Wochen oder Monate schaut er bei jemand anderem vorbei und bleibt dort eine Weile. Dieses Mal trifft es die junge Witwe Freda, die alleine in ihrem grossen Haus lebt und nicht weiss, wie sie dessen Unterhalt bezahlen soll…

Die Geschichte wird in der dritten Person aus wechselnder Perspektive erzählt. Freda und Darcy (ja, einige Kapitel werden aus der Sicht der Katze erzählt) kommen dabei am häufigsten zu Wort. Dabei fand ich Darcys Kapitel allerdings oft etwas zäh zum Lesen, da sie meistens das vorherige Kapitel noch einmal wiederholten, nur aus anderer Sicht. Das fand ich nur sehr bedingt unterhaltsam. Sehr viel tut der titelgebende Kater im Roman allerdings nicht, in erster Linie frisst er leckere Mahlzeiten und liegt in der Gegend rum, wie es Katzen nun mal tun. Er bleibt auch eher eine Randfigur und hat mit der eigentlichen Handlung kaum etwas zu tun. Die Hauptrolle spielt klar Freda, die mir sofort sympathisch war, aber auch etwas blass blieb.

Anhand des Klappentexts hatte ich (aus welchen Gründen auch immer), auf einen Krimi geschlossen und auch durch fast das ganze Buch hindurch auf den Beginn der Krimihandlung gewartet. Wirklich enttäuscht war ich nicht, als eine solche nicht eingesetzt hat, aber ich hätte mich dennoch darüber gefreut. So habe ich einen lockeren, ziemlich kurzen Roman erhalten, der da Leben einer Witwe in ihrem Herrenhaus beschreibt. Durchaus unterhaltsam, aber ich bezweifle, dass mir die Geschichte lange im Gedächtnis bleiben wird, da sie nicht wirklich etwas Besonderes an sich hat.

Der Schreibstil der Autorin Gesine Schulz lässt sich flüssig lesen, sodass sich das Buch auch aufgrund seiner geringen Seitenanzahl gut mal zwischendurch lesen lässt, wenn man Lust auf etwas Unterhaltung ohne Aufregung hat.

Mein Fazit
Kurzweilig, aber eher inhaltsarm.

Bewertung vom 21.06.2017
Dem Kroisleitner sein Vater / Polizeiobermeister Frassek Bd.1
Schult, Martin

Dem Kroisleitner sein Vater / Polizeiobermeister Frassek Bd.1


gut

¨ Im kleinen Dorf St. Margrethen in der Steiermark wird der 104jährige Alois Kroisleitner tot aufgefunden. Alles deutet auf Mord hin. Doch wer hätte ein Motiv gehabt, den alten Mann umzubringen?

Die Geschichte wird aus der Sicht eines allwissenden Beobachters erzählt, der Einblick in die Gedanken und Gefühle aller Figuren hat. So wird munter zwischen den Figuren hin- und hergewechselt und der Leser erfährt über alle etwas.

Die Handlung besteht im Grunde aus drei Strängen, die jedoch alle miteinander verbunden sind. Da ist einerseits der titelgebende Karl Kroisleitner, der mit dem Tod seines Vaters und dem schlechten gesundheitlichen Zustand zurecht kommen muss. Ein weiterer Strang dreht sich um den berliner Polizisten Frassek, der ebenfalls vor kurzem seinen Vater verloren hat, ständig mit seiner Ex-Frau streitet und zu allem Überfluss noch Ärger mit seiner pubertierenden Tochter hat. Drittens geht es um die junge Emma, die ihre erfolgreiche Musikkarriere in England als Amy (mit dickem Lidstrich und schwarzem Beehive, sie heisst aber nicht Winehouse) an den Nagel hängt und in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Daneben gibt es noch viele weitere Figuren mit ihren eigenen Problemen, die ich hier aber aus Platzgründen nicht alle aufzählen mag.

Wie meine Aufzählung der Handlungsstränge erahnen lässt, spielt der Kriminalfall eine eher untergeordnete Rolle. Zumindest der Fall, der sich um den Tod des alten Kroisleitners dreht, denn der ist nicht der einzige, der hier aufgeklärt werden muss. Viel Raum hingegen erhalten die Figuren und das Dorfleben, durch das sich Frassek kämpfen muss, um den Überblick zu erhalten, sodass ich das Buch eher als Millieustudie mit Krimi-Elementen bezeichnen möchte und weniger als „reinrassigen“ Krimi.

Der Schreibstil des Autors Martin Schult lässt sich flüssig lesen, die vielen Namen und stellenweise mundartlichen Dialoge liessen mich allerdings zwischendurch etwas ins Stocken kommen.

Mein Fazit
Wenig Krimi, viel Steiermark

Bewertung vom 29.05.2017
Die Rebellin / Stormheart Bd.1
Carmack, Cora

Die Rebellin / Stormheart Bd.1


sehr gut

Die Prinzessin Aurora stammt aus einer Familie, die mit magischen Kräften Stürme beeinflussen kann. Doch ihr scheint jede Magie zu fehlen, weshalb sie verheiratet werden soll, um diesen Umstand zu verstecken. Am Vorabend ihrer Hochzeit flieht sie aus dem Palast und schliesst sich einer Gruppe von Sturmjägern an.

Die Geschichte wird in der dritten Person in der Vergangenheit erzählt, zum grössten Teil aus der Sicht von Aurora und dem jungen Sturmjäger Lock. Kurze Abschnitte werden jedoch auch aus anderer Perspektive geschildert, beispielsweise aus der von Auroras Dienerin Nova. Aurora war mir gleich sympathisch. Sie weiss zwar nicht immer, was sie will, aber immerhin weiss sie genau, was sie nicht will. Sie mag keine Prinzessin sein und immer nur dem Hofprotokoll folgen, sie will ihre eigenen Entscheidungen treffen können und der Welt zeigen, dass sie sich auch gut selbst beschützen kann. Sie findet kaum etwas schlimmer, als sich schwach und hilflos zu fühlen. Allerdings geht sie teilweise etwas gar naiv an die Dinge heran. Den männlichen Protagonisten Lock scheint ein Geheimnis zu umgeben, das wohl erst in den Nachfolgebänden gelüftet werden wird.

Die Handlung ist zu eine gewissen Grad vorhersehbar, wird aber trotzdem nie langweilig. Eine Welt, in der die Menschen Stürme beeinflussen und ihnen das Herz herausreissen können, war mir bisher noch nicht bekannt und erschien mir originell. Allerdings nimmt für meinen Geschmack in der zweiten Buchhälfte die obligate Liebesgeschichte einen etwas zu grossen Part ein, weshalb ich das Buch eher weiblichen Lesern empfehlen würden (oder wenn, dann nur männlichen mit einer ausgeprägten romantischen Ader). Da "Stormheart – Die Rebellin" der Auftaktband einer Trilogie ist, ist die Handlung nicht in sich abgeschlossen, sondern endet relativ offen, um die Leser neugierig auf die beiden Nachfolgebände zu machen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 14 Jahren, was ich für eine gute Richtlinie halte. Die Brutalität hält sich stark in Grenzen, zu expliziten Sexszenen kommt es nicht.

Der Schreibstil der Autorin Cora Carmack liesst sich flüssig, allerdings erschienen mir die Dialoge zeitweise etwas zu modern für die doch eher mittelalterlich geprägte Welt, in der die Geschichte spielt.


Mein Fazit

Interessante Handlung mit sympathischer Protagonistin. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.

Bewertung vom 12.05.2017
Die Morde von Morcone / Robert Lichtenwald Bd.1
Ulrich, Stefan

Die Morde von Morcone / Robert Lichtenwald Bd.1


gut

Im beschaulichen Dorf Morcone in der Toskana wird die Leiche einer Prostituierten aufgefunden. Der Rechtsanwalt Robert, der sich in einem Ferienhaus in Morcone vom Münchner Stress erholen möchte, beginnt zusammen mit der Journalistin Giada, nach den Hintergründen der Tat zu suchen.

Die Geschichte wird aus der Sicht eines allwissenden Beobachters erzählt, mit einigen eingeschobenen Kapiteln aus der Sicht des Täters. Durch die gewählte Perspektive lernt der Leser zwar verschiedene Figuren näher kennen, wirklich ins Herz schliessen konnte ich allerdings keinen. Giada war mir zu impulsiv und teilweise auch arrogant, Robert zu langweilig.

Die Handlung ist von der Idee her spannend, leider lädt sie vom Aufbau her nicht zum miträtseln ein. Den beiden „Ermittlern“ (und damit auch dem Leser) werden genau zwei Hinweise auf das Motiv geboten, danach verrät sich der Täter in seiner Arroganz selbst. Eine logisch nachvollziehbare Suche nach dem Täter bleibt damit mehr oder weniger aus, alle Ermittlungsschritte bestätigen im Grunde nur, was die beiden ohnehin schon wussten. Mehrfach wird die Geschichte zudem durch Wiederholungen aufgebläht, sonst wäre sie wohl noch kürzer als die 288 Seiten geraten.

Der Schreibstil des Autors Stefan Ulrich lässt sich flüssig lesen, jedoch enthält das Buch einige kleinere Fehler, die sich insbesondere im zeitlichen Ablauf zeigen. So wird bei Beginn eines Kapitels festgehalten, dass dieses drei Tage nach dem vorherigen spiele, wenige Sätze danach ist aber wieder von den gestrigen Ereignissen (die im vorhergehenden Kapitel geschildert wurden) die Rede. An einer anderen Stelle macht sich Giada Vorwürfe, weil sie im Dorf von einem Streit zwischen zwei Personen erzählt hatte und eine dieser Personen danach wegen Mordes an der zweiten verhaftet wurde, erfährt dann aber doch erst später durch einen Telefonanruf vom Mord. Solche Fehler hätten sich durch einen sorgfältigeren Lektor wohl vermeiden lassen.

Positiv anmerken möchte ich allerdings das Toskana-Feeling, dass der Autor wirklich gut rüberbringt und die Sehnsucht nach Süden ziehen lässt.


Mein Fazit

Interessante Grundlage, aber durch die mittelmässige Ausführung leidet die Spannung.

Bewertung vom 28.04.2017
Späte Rache - Detective Daryl Simmons 6. Fall
Winter, Alex

Späte Rache - Detective Daryl Simmons 6. Fall


sehr gut

Der australische Polizist Daryl Simmons wird nach Douberie, einem Dorf im Outback gerufen, in dem mehrere Personen unter verdächtigen Umständen gestorben sind. Zusammen mit der Forensikerin Dr. Foley sitzt er nach einem Unwetter dort fest und versucht den Fall zu lösen, bevor der Konflikt zwischen den weissen Dorfbewohnern und den in der Nähe ansässigen Aborigines eskaliert.

„Späte Rache“ ist bereits der sechste Band der Krimi-Reihe um den australischen Polizisten Daryl Simmons. Die Kriminalfälle sind jeweils in sich abgeschlossen, dennoch empfehle ich die Lektüre in der vorgesehenen Reihenfolge, da es zum Verständnis doch hilfreich ist, wenn man Daryl bereits kennt und etwas mehr über ihn weiss. Wer aber unbedingt mit diesem Band in die Reihe einsteigen will, kann das durchaus tun, den Kriminalfall versteht man auch ohne Vorkenntisse.

Die Geschichte wird, wie bei der Reihe üblich, aus der Sicht von Daryl in der dritten Person erzählt. Daryl war mir gleich bei meiner ersten Begegnung mit ihm sympathisch, und das ist auch hier nicht anders. Er ist ein grundehrlicher Mensch, der sich dafür einsetzt, dass alle, auch potentielle Straftäter, fair behandelt werden. Allerdings fühlt er sich sowohl den Weissen wie auch den Aborigines zugehörig, was ihn oft in moralische Schwierigkeiten bringt, da sich die Regeln und Gesetze der beiden Gruppen häufig gegenseitig widersprechen.

Die Handlung der einzelnen Bände ähnelt sich jeweils in einem gewissen Mass. Daryl wird an einen Tatort gerufen, ermittelt dort verdeckt und findet Spuren, die auf die Aborigines als Täter hinweisen. Daryl weigert sich jedoch, die augenscheinlich offensichtliche Lösung zu akzeptieren, und gräbt tiefer, wo er auf menschliche Abgründe trifft. Dass sich die Handlung der einzelnen Bände so sehr ähnelt ist mir erst mit diesem Band aufgefallen, da ich diesen kurz nach der Lektüre von Band 7 begonnen habe. Trotz des immer gleichen Schemas wird die Buchreihe aber nicht langweilig, da der Autor Alex Winter in jedem Fall genügend individuelle Einzelheiten einbaut, damit die Spannung hochgehalten wird.

Der Schreibstil des Autors Alex Winter lässt sich flüssig lesen und wirkt durch die detaillierten Beschreibungen von Flora und Fauna sehr lebendig. Man merkt gut, wie sehr der Autor diesen Kontinent schätzt und diese Zuneigung auf den Leser projiziert. Er scheut sich dabei aber nicht, auch düstere Themen aus der nicht so entfernten Vergangenheit anzusprechen, wie den Umgang der australischen Regierung mit den Aborigines.


Mein Fazit

Daryls Fälle sind immer wieder spannend.

Bewertung vom 19.04.2017
Die Grausamen
Katzenbach, John

Die Grausamen


sehr gut

Die psychisch schwer angeschlagenen Polizisten Marta und Gabe werden in die neu gegründete Abteilung für Cold Cases strafversetzt. Schon bald stossen sie auf vier ungelöste Mordfälle, die vor 20 Jahren von den gleichen beiden Detectives untersucht wurden, die ansonsten für ihre hohe Aufklärungsquote bekannt waren. Die Taten scheinen mit einem Vermisstenfall in Zusammenhang zu stehen. Was haben die vier toten Männer mit der verschwundenen dreizehnjährigen Tessa zu tun?

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Marta und Gabe erzählt, dazwischen sind einige Kapitel aus der Sicht anderer Personen aus dem Jahr 1996 gestreut. Die beiden Protagonisten sind keine einfachen Charaktere, hängen tief in ihren Problemen und scheinen keinen Ausweg zu finden (oder im Falle von Gabe keinen finden zu wollen). Dennoch konnte ich mich gut in die beiden hineinfinden und habe sie im Laufe der Lektüre richtig ins Herz geschlossen. Ich weiss nicht, ob der Autor John Katzenbach noch weitere Bände mit den beiden geplant hat, aber ich würde es jedenfalls begrüssen.

Die Handlung ist spannend aufgebaut und enthält einige verzwickte Wendungen, die mich in die Irre geführt haben. Sie ist in sich logisch und lädt durch viele kleine Hinweise zum Miträtseln ein.

Der Schreibstil des Autors John Katzenbach lässt sich flüssig lesen, wirkt aber stellenweise recht langatmig. Der Verlag bezeichnet „Die Grausamen“ als Thriller, ich würde das Buch aber eher als Krimi bezeichnen (der deutsche Titel hat in meinen Augen übrigens nicht wirklich etwas mit dem Inhalt zu tun...). Das Erzähltempo ist geruhsam, der Schwerpunkt liegt mehr auf den langwierigen Ermittlungen als auf rasanten Actionszenen. Blutige Szenen gibt es kaum, allerdings gibt es einige psychologisch recht belastende Sequenzen, für sehr sensible Leser könnte das zu viel sein. Das Buch eignet sich übrigens nur bedingt als Bettlektüre, das Cover ist nämlich mit einer fluoreszierenden Farbe bedruckt, die im Dunkeln leuchtet.

Mein Fazit
Kein Thriller, aber trotzdem sehr spannend.