Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Aglaya
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 116 Bewertungen
Bewertung vom 16.01.2018
Das Jesus-Experiment
Roßbach, Bernd

Das Jesus-Experiment


gut

Der Wissenschaftler Tom Jennings hat eine Technik entwickelt, mithilfe derer er "vererbte Erinnerungen" sichtbar machen kann, also Erinnerungen an Ereignisse, die nicht die untersuchte Person selbst, sondern einer ihrer Vorfahren erlebt hat. Während er zunächst als grosser Fernsehstar aufsteigt, gerät er in tödliche Gefahr, als er sich auf die Suche nach einer Nachfahrin von Pontius Pilatus macht, mit deren Hilfe er Erinnerungen an Jesus Christus zeigen könnte. Denn nicht jeder will, dass die Menschheit in Jesus' Augen sehen kann…

Die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, hauptsächlich aus der Sicht des Protagonisten Tom Jennings, stellenweise aber auch aus anderer Perspektive. Lieder konnte ich mich nicht wirklich in Tom hineinfühlen. Was treibt ihn an? Ist es das Geld, der Ruhm oder doch die wissenschaftliche Neugier? Auch über die anderen Figuren erfährt der Leser nur wenig.

Die Handlung entwickelt sich zunächst nur langsam. Auf vielen Seiten wird erst das Grundgerüst der Geschichte aufgebaut, bis die Sache so wirklich ins Rollen gerät. Danach ging mit vieles allerdings zu schnell. Zu viele Personen werden eingeführt, zu viele zu schnell ermordet, zu schnell reist der von Interpol gesuchte Jennings durch halb Europa, ohne dass es jemandem auffällt. So erschien mit das Tempo recht unausgeglichen. Lange Zeit passiert zu wenig, dann plötzlich viel zu viel auf einmal. Zudem hätte ich mir mehr "Mystery", mehr Rätsel gewünscht. Es stellen sich während des ganzen Buches recht wenig Fragen. Es ist klar, worum es geht (ein "Live-Video" von Jesus) und warum manche Menschen das nicht wollen (es könnte das "göttliche" von Jesus zunichte machen), die einzige Frage die bleibt ist, wer genau die Bösen sind. Und auch hier ist die Auflösung in meinen Augen nicht sonderlich überraschend. Der Nebenstrang mit der Erinnerungsbeeinflussung durch Regierungsbehörden wirkte auf mich etwas aufgesetzt und unnötig.

Der Schreibstil des Autors Bernd Roßbach lässt sich flüssig lesen. Allerdings ist mir der sehr häufige Gebrauch des Begriffs "Hirnforscher" für Jennings aufgefallen. Natürlich ist das nicht falsch, aber irgendwie klingt es so plump. Ein Fachbegriff wie "Neurowissenschaftler" (oder wie auch immer man Jennings' Tätigkeit genau einordnen will) hätte ich da eleganter gefunden.

Obschon ich grundsätzlich ein grosser Fan von Wissenschafts- und Religionsthriller bin, konnte mich "Das Jesus-Experiment" nicht wirklich überzeugen. Die wissenschaftlichen und religiösen Hintergründe klingen für mich als Laien überzeugend, ob sie es wirklich sind kann ich mangels Fachwissen natürlich nicht beurteilen. Das Buch ist durchaus unterhaltsam, aber atemberaubende Spannung wollte sich bei mir nicht einstellen.

Mein Fazit
Zu unausgewogen im Tempo

Bewertung vom 04.01.2018
Die Eishexe / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.10 (eBook, ePUB)
Läckberg, Camilla

Die Eishexe / Erica Falck & Patrik Hedström Bd.10 (eBook, ePUB)


gut

Als in Fjällbacka ein kleines Mädchen verschwindet, werden sofort alte Erinnerungen wach. Bereits vor 30 Jahren verschwand ein kleines Mädchen. War es beide Male der gleiche Täter?

"Die Eishexe" ist bereits der zehnte Kriminalroman im den schwedischen Ort Fjällbacka. Ich kenne die Vorgänger nicht, Vorkenntnisse sind meines Erachtens aber auch nicht nötig. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und ich konnte ihr ohne Schwierigkeiten folgen.

Die Geschichte wird aus der Sicht eines allwissenden Beobachters erzählt, der dem Leser Einblick in die Köpfe vieler verschiedener Personen gewährt. Zu vielen Personen, für meinen Geschmack. Ich hatte über lange Zeit hinweg Schwierigkeiten, die vielen Namen auseinanderhalten zu können, erst nach etwa der Hälfte konnte ich die Figuren wirklich unterscheiden.

Die Handlung ist in viele verschiedene Stränge aufgeteilt, die zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden. Der älteste Strang spielt im 17. Jahrhundert. Dieser ist der einzige, auf den der Buchtitel wirklich passt, denn es geht um Hexenverfolgung, was aber erst spät explizit gesagt wird (auch wenn mir aufgrund des Titels von Beginn weg klar war, worum es in diesem Strang gehen muss). Der zweite Strang spielt vor ungefähr 30 Jahren, als zum ersten Mal ein kleines Kind verschwand und die beiden Jugendlichen Marie und Helen der Tat verdächtigt wurden. Der Rest der Stränge spielt heute, wobei sich die Handlung auf das erneute Verschwinden eines Kleinkindes, einer bösen Mobbingsituation unter Jugendlichen sowie tödlichen Rassismus gegen Flüchtlinge aufteilt.

Für meinen Geschmack hat die Autorin Camilla Läckberg hier zu viel in ein einziges Buch hineingequetscht. Die insgesamt sechs Handlungsstränge mit teilweise unterschiedlichen Figuren machten das Buch sehr unübersichtlich. Dies insbesondere, da die viele Kapitel mit einer Szene aus der Vergangenheit anfingen, dann aber ohne Kapitelwechsel oder sonstige Markierung plötzlich wieder in die Gegenwart wechselten. Auch der Spannung haben die vielen Handlungsstränge in meinen Augen geschadet, da ich mich nie richtig auf die Geschichte einlassen konnte, sondern immer wieder durch einen Szenenwechsel rausgerissen wurde. Weniger Handlungsstränge, die dafür aber mit mehr Inhalt, hätten mir besser gefallen.

Durch die vielen Szenenwechsel, die den verschiedenen Handlungssträngen geschuldet sind, las sich "Eishexe" eher zäh, da ich immer wieder kurz innehalten musste um mir klar zu machen, wo in der Geschichte ich mich nun befand. Dass in den einzelnen Strängen nicht sonderlich viel geschieht, zog die Lektüre noch zusätzlich in die Länge. A propos "Eishexe": entgegen dem Klappentext hat in der Gegenwart nie jemand diesen Begriff in den Mund genommen. Der Zusammenhang zwischen dem Handlungsstrang aus dem 17. Jahrhundert und dem Rest des Buches wird erst im Epilog, quasi in einem Nebensatz erklärt.

Mein Fazit
Weniger wäre mehr gewesen.

Bewertung vom 29.12.2017
Geheimnis in Rot (eBook, ePUB)
Hay, Mavis Doriel

Geheimnis in Rot (eBook, ePUB)


gut

Weihnachten 1935, Gut Flaxmere in der Nähe von Bristol, England. Der bei seiner Familie nicht besonders beliebte Sir Osmond wird ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Fast jeder der Anwesenden scheint ein Motiv für die Tat zu haben, doch wer war es wirklich?

Die Geschichte wird aus wechselnder Ich-Perspektive in einem rückblickenden, tagbuchartigen Stil erzählt. Den grössten Teil übernimmt dabei der ermittelnde Polizist Colonel Halstock, während Anfang und Ende des Buchs aus der Sicht von verschiedenen Familienmitgliedern geschildert werden. Tiefe Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren erhält der Leser leider nicht, sie blieben zumindest für mich blosse Namen.

Die Handlung entwickelt sich nur langsam, erst nach rund einem Drittel des Buches geschieht der Mord, davor lässt die Autorin Mavis Doriel Hay ihre Figuren über ihre Familiengeschichte erzählen. Auch nach dem Mord bleibt das Erzähltempo geruhsam. Wer atemlose Spannung sucht, ist hier fehl am Platz. Bei "Geheimnis in rot" geht es mehr um das schrittweise Ermitteln auf der Suche nach dem Täter. Obschon ich mir diese Erzählweise schon von Agatha Christie gewohnt bin, erschien sie mir hier doch noch etwas langatmiger, stellenweise sogar zäh. Weder die Suche nach dem Mörder noch die Figuren konnten mich so wirklich mitreissen. Auch die Auflösung erschien mir ziemlich aus dem Hut gezaubert, auch wenn sie rückblickend logisch ist.

Am Schreibstil der Autorin Mavis Doriel Hay ist klar erkennbar, dass das Buch nicht nur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt, sondern auch dann geschrieben wurde. Sexismus und Standesdünkel (der Chauffeur kann doch nicht mit den einfachen Bediensteten zusammen essen; die Arbeiterklasse wird nie die Probleme der gehobenen Gesellschaft verstehen) triefen aus den Seiten, ohne dass dies jemanden zu stören scheint. Daher sollte man beim Lesen nie aus den Augen verlieren, dass das Buch auch nur ein Werk seiner Zeit ist und auch so betrachtet werden soll. Blut fliesst nur sehr wenig, der Krimi eignet sich daher auch für sensible Leser.

Mein Fazit
Eher langatmig und mit wenig Schwung.

Bewertung vom 22.12.2017
Dominotod / Nathalie Svensson Bd.2 (eBook, ePUB)
Moström, Jonas

Dominotod / Nathalie Svensson Bd.2 (eBook, ePUB)


weniger gut

In der schwedischen Stadt Sundsvall wird ein Arzt entführt, ein zweiter ermordet aufgefunden. Der einzige Hinweis auf den Täter sind von ihm hinterlassene Dominosteine. Die Fallanalystin Nathalie Svensson versucht, den Fall in der Heimatstadt ihrer Schwester zu lösen, bevor es weitere Tote gibt.

"Dominotod" ist der zweite Band um die Fallanalystin Nathalie. Ich kenne den Vorgänger nicht, was sich als Nachteil herausgestellt hat. Das Buch enthält sehr viele Anspielungen auf frühere Geschehnisse, sodass ich empfehlen würde, die Bücher in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen.

Die Geschichte wird in der 3. Person in der Perspektive eines allwissenden Beobachters erzählt. So kann der Leser Einsicht in die Denkweisen der verschiedenen Figuren nehmen. Trotzdem gelang es mir nicht, mich in eine von ihnen hineinzufühlen. Sie blieben mir alle fremd und erschienen mir blass. Zudem hatte ich trotz der Auflistung der Charaktere auf den ersten Seiten des Buches Mühe, die verschiedenen Figuren zu unterscheiden, sie blieben für mich blosse Namen. Nathalie, die ja wohl die Protagonistin darstellen soll, konnte mich gar nicht überzeugen. Sie wird als brilliante Psychiaterin und Fallanalystin dargestellt, schafft es aber nicht, ihr Täterprofil so darzulegen, dass es auch überzeugt und nicht nur aus der Luft gegriffen wirkt.

Die Handlung ist geradelinig aufgebaut und wird stellenweise durch eine zweite, Rückblickend erzählte unterbrochen, bei der erst durch die Auflösung klar wird, wie sie mit der Geschichte zusammenhängt. Viel ermittelt wird in diesen Krimi nicht gerade, in erster Linie werden Gespräche geführt. Mit Zeugen, mit Verdächtigen, mit Kollegen. Die Auflösung ist mehr oder weniger ein Zufallsfund. Über grosse Strecken hinweg fand ich das Buch ganz unterhaltsam, wenn auch nicht überragend. Zwei grosse Logiklöcher haben meine Meinung jedoch ins Negative gezogen. Erstens: Nathalie ist Fallanalystin und ermittelt in einem Mordfall, bei dem ihre Schwester und ihr Schwager zu den Hauptverdächtigen gehören. Was soll das? Kein einziger Ermittlungsschritt, an dem sie beteiligt war, würde vor Gericht bestand halten, sie muss sofort vom Fall abgezogen werden! Man kann doch nicht ermitteln, wenn die eigene Familie involviert ist, das sollte heute jedes Schulkind wissen. Zweitens: Mitte Buch wird der Täter ziemlich offensichtlich präsentiert. Und das passiert? Gar nichts. Kein einziger der Ermittler schaut sich ihn etwas genauer an. Jeder Hinweis, der auf ihn deutet, wird ignoriert. Im Gegenteil, sie fallen aus allen Wolken, als sie (wie erwähnt per Zufall) feststellten, dass dieser Typ der Täter ist, hinter dem sie so lange her waren. Wäre ich Polizeichef, ich hätte das gesamte Team wegen Inkompetenz gefeuert…

Der Schreibstil des Autors Jonas Moström lässt sich flüssig lesen. Der Krimi ist nicht sonderlich blutig, sodass auch eher sensible Leser gut damit zurecht kommen sollten.

Mein Fazit
Die Logiklöcher haben mir den Spass verdorben.

Bewertung vom 19.12.2017
Über den wilden Fluss / His dark materials
Pullman, Philip

Über den wilden Fluss / His dark materials


sehr gut

Der 11jährige Malcolm arbeitet im Gasthaus seiner Eltern, als im benachbarten Kloster ein Kleinkind untergebracht wird. Malcolm freundet sich mit der kleinen Lyra an, als er bemerkt, dass das kleine Mädchen in grosser Gefahr schwebt. Als eine grosse Flut kommt, kann nur er sie retten.

"Über den wilden Fluss" ist die Vorgeschichte zur "His dark Materials"-Reihe. Obschon dieses Buch vor den drei anderen spielt, empfehle ich trotzdem, zuerst die Trilogie und erst danach das Prequel zu lesen. Beim Prequel werden nämlich Kenntnisse über die Welt, in der die Reihe spielt, vorausgesetzt, der Leser hat zu wissen, was ein Daemon, ein Alethiometer und so weiter sind. Ohne Vorkenntnisse wird es wohl schwierig.

Die Geschichte wird in der dritten Person aus der Perspektive des 11jährigen Malcolm erzählt. Malcolm erschien mir erstaunlich reif für sein Alter, er erschien mir eher wie ein junger Erwachsener als wie das Kind, dass er eigentlich ist. Vielleicht liegt das aber auch an der Welt, in der er lebt. Wenn bei uns die Elfjährigen nur Schule und Arbeit kennen würden, würden sie vielleicht auch älter wirken.

Die Handlung ist in zwei Teile getrennt, die auch so markiert werden. In ersten Teil ist Malcolm noch zu Hause und dem Leser werden viel Hintergrundinformationen geliefert. Der Abschnitt erinnert an einen Krimi, bei dem Malcolm herausfinden muss, wer hinter Lyra her ist, und warum. Im zweiten Teil kommt die grosse Flut und Malcolm befindet sich mit Lyra auf der Flucht. Dieser Teil ist eher action-lastig. Obschon ich es eigentlich sehr mag, wenn in einem Buch wirklich etwas passiert, hat mir hier der erste, ruhigere Teil besser gefallen. Im zweiten Teil erschien mir vieles überstützt, ich hatte kaum Zeit, die eine Gefahrensituation zu verdauen, da kam schon die nächste; manche Szenen schienen sich auch mehrfach zu wiederholen.

Der Schreibstil des Autors Philip Pullman lässt sich flüssig lesen, zumindest wenn man wie ich das Universum, in dem die Geschichte spielt, und dessen Begriffe kennt. Für Neulinge könnten die vielen Welten-spezifischen Ausdrücke den Lesefluss etwas bremsen. "Über den wilden Fluss" hat mich gut unterhalten, allerdings hätte ich mir noch mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Ich habe jetzt nach der Lektüre nicht den Eindruck, dass ich wirklich mehr weiss als vorher.

Mein Fazit
Ich hätte mir noch mehr Hintergrundinformationen gewünscht.

Bewertung vom 08.12.2017
Der Fall Kallmann (eBook, ePUB)
Nesser, Håkan

Der Fall Kallmann (eBook, ePUB)


gut

Der Lehrer Leon Berger zieht nach dem Unfalltod seiner Frau und Tochter in die nordschwedische Stadt K., wo er die Stelle des vor kurzem tödlich verunglückten Kallmann übernimmt. Bald findet er Hinweise darauf, dass Kallmanns Tod kein Unfall war.

Die Geschichte ist tagebuchartig gestaltet und wird in wechselnder Ich-Perspektive erzählt. Dabei wird bei Kapitelbeginn der Name des jeweiligen Ich-Erzählers genannt, sodass man sie gut unterscheiden kann (auch wenn es bei mir eine Weile gedauert hat, bis ich sie unterscheiden konnte). Am Schreibstil unterscheiden sich die verschiedenen Figuren nämlich kaum, da klingt der bald 60jährige Lehrer gleich wie die 15jährige Schülerin. Hier hätte in meinen Augen mehr dringelegen, da hätte der Autor Håkan Nesser seine Figuren klarer unterscheidbar gestalten können. Zudem hat er für meinen Geschmack doch etwas zu viele Figuren ausgesucht, um sie erzählen zu lassen, so dass der häufige Perspektivenwechsel bald etwas unübersichtlich wurde.

Die Handlung zieht sich über lange Zeit hinweg dahin, ohne dass gross etwas passiert. Bereits zu Beginn wird der Tod des Lehrers Kallmann erwähnt, um den sich das Buch titelgemäss drehen sollte. Doch die Suche nach den Hitergründen verläuft sich im Sand, bis kurz vor Schluss die Auflösung kommt, nach dem Motto "ach übrigens, es war so und so, damals". Für meinen Geschmack hat da eindeutig die Spannung gefehlt. Anstelle des erwarteten Krimis habe ich eher eine Millieustudie über die nordschwedische Stadt K. bekommen, in der zwar einiges passiert, aber alles verschwiegen und nur eher zufällig aufgedeckt wird. Während der grösste Teil der Geschichte Mitte der 1990er spielt, gibt es einen kurzen Rückblick ins Jahr 1980, die letzten Kapitel spielen dann 2013.

Wer sich nun übrigens fragt, wieso die Stadt einfach nur K. heisst: keine Ahnung. Das habe ich mich auch das ganze Buch hinweg gefragt. Ansonsten haben alle Ortschaften (ausser der nächstgrösseren Stadt Ö.) ganze Namen, auch Strassennamen werden immer wieder genannt, nur die Stadt bleibt K.

Empfehlen kann ich das Buch Fans von düsteren Romanen mit geruhsamen Tempo und verschlungenen Verbindungen zwischen den Figuren. Wer wie ich einen spannenden Krimi erwartet, der ist hier fehl am Platz.

Mein Fazit
Millieustudie anstatt Krimi

Bewertung vom 08.12.2017
Dunkel Land / Carl von Wuthenow und Verena Hofer Bd.1
Hill, Roxann

Dunkel Land / Carl von Wuthenow und Verena Hofer Bd.1


ausgezeichnet

Die junge Verena Hofer zieht zusammen mit ihrer verwaisten Nichte auf das Gut Wuthenow, wo sie sich um den Neffen der Gutsherrin kümmern soll. Aber anstellte des erwarteten kleinen Jungen trifft Verena auf einen erwachsenen Mann, der nach einem Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat, aber trotzdem als Ermittler und Berater der Berliner Polizei arbeiten will…

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Verena erzählt. Eigentlich mag ich diese Sichtweise nicht besonders, hier hat es mich allerdings nicht gestört. Wahrscheinlich liegt es daran, dass mir Verena grundsätzlich sympathisch war, auch wenn ich trotz der gewählten Perspektive nicht sonderlich viel über sie erfuhr und sie doch etwas zu unbeschwert wirkte und alle Widrigkeiten, von Tatortfotos bis hin zur Autopsie, locker wegsteckte. Einige wenige Kapitel werden aus der Sicht anderer Figuren in der dritten Person geschildert, die sind allerdings selten und kurz genug, um nicht weiter aufzufallen. Die zweite Hauptrolle neben Verena spielt Carl, ihr Schützling, als dessen Begleiterin Verena angestellt wurde. Er erschien mir zwar auch eher blass, was vielleicht auch mit seiner "Behinderung" zusammenhängen könnte, aber trotzdem sympathisch.

Das Setting erinnerte mich entfernt etwas an die Sherlock-Holmes-in-der-Neuzeit-Fernsehserie "Elementary". Auch hier geht es um eine junge Frau, die nach einem traumatischen Erlebnis einen Jobwechsel braucht und dabei ungeplant als Begleiterin eines zivilen Ermittlers eingesetzt wird. Hier ist es allerdings kein drogensüchtiger Polizeiberater, sondern ein solcher, der nach einem Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat und sich nur an die Dinge erinnern kann, die am jeweiligen Tag passiert sind. Da er sich aber präzise Notizen macht und diese allmorgendlich auswendig lernt, nimmt diese Eigenschaft in der Geschichte nur einen anekdotischen Rang ein.

Mich hat vor allem das Setting gepackt, aber auch der Kriminalfall ist alles andere als langweilig. Ein schwer misshandelter junger Mann wird tot aufgefunden. Ein solches Verbrechen gab es schon vor einigen Jahren, doch der damalige Täter sitzt immer noch hinter Gittern. Hatte er einen Komplizen, der die Taten heute alleine fortführt? Die Geschichte ist spannend aufgebaut und enthält einige interessante Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Ich habe schlussendlich den Täter zwar vor den Ermittlern entdeckt, aber nur wenige Seiten früher, sodass ich hier nicht von Vorhersehbarkeit sprechen möchte. Ob das Buch einen Einzelband darstellt oder ob daraus eine Reihe entstehen wird, kann ich nicht beurteilen. Der Schluss der Geschichte lässt beides offen.

Der Schreibstil der Autorin Roxann Hill (bei dem Namen hatte ich eine Amerikanerin oder Britin erwartet und war ziemlich überrascht, dass die Geschichte in Berlin und Umgebung spielt, da ich den Klappentext schon Wochen zuvor gelesen und darum nicht mehr präsent hatte) lässt sich flüssig lesen. Zusammen mit der spannenden Geschichte hat er dazu geführt, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen hatte. Die Geschichte ist eher gemütlich gehalten, enthält aber einige etwas eklige Szenen. Daher könnte es mit der Zielgruppe schwierig werden: für abgebrühte Thrillerfans ist der Krimi sicher zu locker und "fröhlich" gehalten, für Anhänger von "Cosy Crime" wird er aber doch zu brutal sein. Ich mag beides, daher hat er mir gut gefallen.

Mein Fazit
Spannender Fall mit sympathischen Figuren und interessanten Setting. Ich wünsche mir eine Fortsetzung!

Bewertung vom 27.11.2017
Böses Kind (eBook, ePUB)
Krist, Martin

Böses Kind (eBook, ePUB)


sehr gut

Während Kommissar Henry Frei nach dem Mörder der Ehefrau eines Fernsehpfarres sucht, verschwindet die 14jährige Tochter der alleinerziehenden Suse. Nachdem eine verstümmelte Leiche auftaucht, wird der Vermisstenfall plötzlich zur Aufgabe der Mordkommission…

Die Geschichte wird aus der Beobachterperspektive erzählt, der Fokus liegt dabei in erster Linie auf dem Polizisten Henry Frei und auf Susanne, der Mutter des verschwundenen Mädchens. Beide Figuren waren mir nicht übermässig sympathisch. Frei war mir viel zu pingelig. Wenn jemand sogar auf fremden Schreibtischen Dinge zurechtrücken muss, weil er fast durchdreht, wenn Gegenstände nicht millimetergenau ausgerichtet sind, dann sollte sich derjenige mal professionelle Hilfe holen. Susanne, genannt Suse, war mir hingegen viel zu jammerig. Ständig bemitleidet sie sich selbst. Ja, sie hat es nicht einfach, als alleinerziehende Mutter von drei Kindern, aber sie könnte ja auch mal versuchen, das Positive zu sehen anstatt immer nur das Negative, und endlich mal Verantwortung für ihr Leben übernehmen anstatt sich selbst zu bemitleiden. Allerdings kann man über keine der beiden Figuren behaupten, auch wenn sie nerven.

Die Handlung ist aus zwei Strängen aufgebaut, einerseits geht es wie gesagt um Henry Frei, der zusammen mit seiner Kollegin Louisa gleich mehrere Kriminalfälle aufklären muss, andererseits um Suse und ihre verzweifelte Suche nach ihrer Tochter Jaquie. Ich hatte über lange Zeit hinweg ein bestimmtes Bild über die Auflösung des Falles im Kopf und hielt das Buch daher für recht vorhersehbar, am Schluss wurde der Fall aber dann doch anders gelöst, als ich erwartet hatte. Ich fand die Auflösung allerdings dann doch etwas "aus dem Hut gezaubert", auch wenn ich den Krimi ansonsten sehr spannend fand. Eingestreute Kapitel aus der Sicht einer gefangengehaltenen Frau helfen zusätzlich mit, die Spannung hoch zu halten. "Böses Kind" bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe, dementsprechend ist der Schluss ziemlich offen gehalten.

Der Schreibstil des Autors Martin Krist lässt sich flüssig lesen. Es gibt einige etwas unappetitliche Szenen, weshalb ich den Thriller nicht an sehr sensible Leser weiterempfehlen möchte, im Grossen und Ganzen spielt der Autor aber nicht übermässig mit Ekeleffekten. Was mich etwas gestört hat ist die ständige Nennung der Uhrzeit in den Kapitels aus Freis Sicht, mindestens einmal pro Seite wird die minutengenaue Uhrzeit festgehalten, was wohl Freis Problem mit Unpünktlichkeit belegen soll. Auch das häufige "Chê! Verdammt!", das der vietnamesische Polizist Charlie immer wieder ausruft, wiederholte sich für meinen Geschmack ein paar Mal zu oft.

Mein Fazit
Anders als erwartet, aber dennoch spannend.

Bewertung vom 21.11.2017
TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?
Miranda, Megan

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?


weniger gut

Die 28jährige Nic reist in ihre alte Heimatstadt, da sie eine seltsame Nachricht erhalten hat. Offenbar sind neue Informationen über Corinne aufgetaucht, die Nics beste Freundin war, bis sie vor 10 Jahren spurlos verschwand. Und kaum ist Nic zu Hause angekommen, verschwindet eine weitere junge Frau…

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Nicolette, genannt Nic, erzählt. Meist wird dabei die Vergangenheitsform gewählt, in einigen Sätzen wird aber auch die Gegenwart verwendet, was mich etwas verwirrt hat. Während ich Nic zunächst einigermassen sympathisch fand, schwand diese Sympathie mit jedem Tag, den die Geschichte weiter in die Vergangenheit schritt. So wurde nämlich immer wie mehr klar, was es mit dem Untertitel "Wie lange kannst du lügen" auf sich hat. Nic belügt nämlich jeden. Ihren Verlobten, ihre Familie, die Polizei und nicht zuletzt sich selbst. Ich möchte jedenfalls nicht mit ihr befreundet sein. Auch bei den übrigen Figuren fand ich niemanden, der mir wirklich sympathisch wurde. Entweder logen sie genau so viel wie Nic, oder sie blieben einfach blass.

Wie im vorherigen Abschnitt schon angedeutet, verwendet die Autorin Megan Miranda bei "Tick Tack – Wie lange kannst du lügen" eine aussergewöhnliche Technik. Sie erzählt die Geschichte nämlich nicht chronologisch, wie dies die meisten Romane tun, sondern tageweise rückwärts. Nach der Einführung und der Schilderung, was an Tag 15 geschah, springt die Erzählung zum Morgen des Tag 14, nach dessen Abend dann zum Morgen des Tag 13 und so weiter. Im Film war mir diese Technik bereits durch "Memento" bekannt, bei Büchern war es aber meine erste Begegnung mit der umgedrehten Zeitlinie. Leider hat es hier in meinen Augen nicht so gut funktioniert, da ich die Zeitsprünge über einen ganzen Tag einfach zu gross fand, um mir alles merken und auch verstehen zu können. In "Memento" konnte ich der Handlung besser folgen, da jeweils nur relativ kurze Szenen zu sehen waren, bevor es den nächsten Zeitsprung gab. Vielleicht hätte ich "Tick Tack" lieber von hinten nach vorne lesen sollen, in der chronologischen Reihenfolge.

Leider fand ich das Buch nicht nur verwirrend durch die vielen Zeitsprünge und den steten Wechsel aus aktuellen Geschehnissen und blossen Erinnerungen, sondern auch relativ spannungsarm. Erst im letzten Viertel, als langsam klar wurde, worum es in dem kleinen Nest überhaupt geht (die wirklich grossen Enthüllungen gibt es nämlich entgegen den Erwartungen in den ersten, und nicht in den letzten Tagen), flammte ein gewisses Interesse bei mir auf, davor konnte mich das Buch nicht packen. Der Begriff "Thriller" fand ich allerdings bis zum Schluss nicht passend, da mir der übergreifende Spannungsbogen fehlte.

Am Schreibstil der Autorin Megan Miranda habe ich nichts auszusetzen, sie schreibt flüssig (mit Ausnahme der erwähnten Wechsel in der Zeitform, die mich stellenweise etwas ins Stocken brachten).

Mein Fazit
Verwirrend und eher spannungsarm

Bewertung vom 07.11.2017
Sharj und das Salz der Erde
Harings, Audrey

Sharj und das Salz der Erde


sehr gut

Zum dritten Mal werden Sharj und ihr Freund José in eine fremde Welt gerufen, um den dortigen Bewohnern zu helfen. Dieses Mal landen sie auf einen Planeten, auf dem sich alle Kinder langsam im Maschinen verwandeln.

Sharj und das Salz der Erde ist der dritte Band um die 15-jährige Sharj und ihren Freund José. Die Bände bauen locker aufeinander auf, können aber auch ohne Vorkenntnisse verstanden werden. Zu Beginn erklärt eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse alles, was man zum Verständnis wissen muss.

Die Geschichte wird in der dritten Person aus der Sicht eines allwissenden Beobachters erzählt. Durch die gewählte Perspektive erhält der Leser Einsicht in die Gedankengänge (beinahe) aller beteiligten Figuren, allerdings können so die einzelnen Charaktere nicht besonders vertieft dargestellt werden. Wie auch bei den Vorgängern ist mir hier aufgefallen, wie viel jünger die beiden Protagonisten wirken, als sie es tatsächlich sein sollten. So wünscht sich der 15-jährige José einen Hund, bei den Nachbarn wurde vor wenigen Tagen ein Wurf geboren, und José kann nicht wirklich nachvollziehen, weshalb er noch keinen der blinden und tauben, vollständig auf Muttermilch angewiesenen Welpen nach Hause nehmen darf…

Wie von den Vorgängern gewohnt ist auch in diesem Band die Handlung aus zwei Strängen zusammengesetzt, von denen einer hier bei uns und ein anderer in einer fremden Welt spielt, die später von Sharj und José besucht wird. Während ich die Figuren in unserer Welt alle bereits von den Vorgängern her kannte, werden im zweiten Handlungsstrang sehr viele neue Charaktere eingeführt, sodass ich zu Beginn Schwierigkeiten hatte, sie alle zu unterscheiden. Das gab sich aber im Laufe der Lektüre, sodass ich mich gut zurecht fand. Die geradelinige Handlung ist klar auf Kinder ausgerichtet, für Erwachsene ist sie etwas zu vorhersehbar.

Der Schreibstil der Autorin Audrey Harings ist auch im dritten Band der Reihe eher einfach gehalten und merklich auf Kinder ausgerichtet. Auch hier sind wieder das grosse Schriftbild sowie die ganzseitigen farbigen Illustrationen zu finden. Allzu jung oder ängstlich sollten die Leser allerdings nicht sein, da die Geschichte doch einige etwas gruselige Stellen enthält. Ich würde das Buch für Leser von 8-12 Jahren empfehlen.

Mein Fazit
Gelungene Fortsetzung