Autor: Manuel
Datum: 01.09.2020
Tags: Empfehlung, Krimi des Monats

Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers

Der menschliche Körper ist ein wunderbares Puzzle, einzigartig in seiner Präzision und seiner aufeinander abgestimmten Perfektion!Der Jigsaw Man liebt Puzzles über alles. Doch ein perfektes Puzzle ist nur eines, das in seine Einzelteile zerlegt ist. Nur so kann er die wahre Schönheit erkennen - indem er jedes Teil für sich betrachtet. Hände, Füße, Beine, Arme, Köpfe. Welche Freude! Und …
Broschiertes Buch
11,00 €


Krimi des Monats

Nadine Matheson: Jigsaw Man. Im Zeichen des Killers

An einem spätsommerlich warmen Morgen werden an gleich drei Orten im Großraum London Leichenteile entdeckt. Sie wurden vom Ufer der Themse bis hinter die Mülltonnen einer Sackgasse verstreut. Da die Polizei chronisch unterbesetzt ist, wird kurzerhand Detective Inspector Anjelica Henley auf den Mord angesetzt, die sonst hinter dem Schreibtisch für eine Spezialeinheit Serienmördern und -vergewaltigern auf der Spur ist. Als DI Henley zusammen mit dem Nachwuchsermittler Salim Ramouter die Spuren sichtet, ist ihr sofort klar, dass es sich um mehr als eine Leiche handelt. Zudem trägt ein Opfer eindeutig das Zeichen eines ihr allzu bekannten Täters: des „Jigsaw Killers“ Peter Olivier, den Henley lebenslang hinter Gitter gebracht hat – was bei ihr tiefe innere und äußere Narben hinterließ. Ist es ein Zufall, dass sie ausgerechnet für einen neuen „Puzzlemörder“ zurück im Straßeneinsatz ist? Wer kann von dem geheim gehaltenen Zeichen etwas wissen? Zieht Olivier etwa aus dem Gefängnis heraus die Strippen?

Die Autorin Nadine Matheson, die als Verteidigerin im Strafrecht arbeitet, legt mit „Jigsaw Man“ ihr Thrillerdebüt vor. Aus jahrelanger Erfahrung mit Kriminalfällen hat sie einen ebenso fesselnden wie düster authentischen Kriminalroman gestrickt. Mit einem feinen Gespür für Charaktere zeichnete sie vielschichtige Haupt- und Nebenfiguren. Zum Team der Serial Crimes Unit, kurz SCU, zählt beispielsweise der junge „Ex-Knacki“ Ezra, der zwar kein Blut sehen kann, um dessen beeindruckende Computer-Skills sich aber die Sondereinheiten reißen. Neu dabei ist der einfühlsame Ramouter, der beruflich gerade durchstartet, als zu Hause seine Frau plötzlich nicht mehr allein für sich und das Kleinkind sorgen kann. Derweil wirft die Chefpathologin Dr. Linh Choi gar nichts aus der Bahn; bei der Arbeit hält sie sich mit makabren Witzen und Technonostalgie bei Laune. Linh gehört neben dem robusten DS Paul Stanford und DSI Stephan Pellacia, dem Chef der Einheit, zu den Vertrauten von Henley – was nicht heißt, dass sie auf ihren Rat hören würde.

Ihren ersten Auftritt hat DI Henley in Jeans, Blazer und Wonder-Woman-T-Shirt. Nachdem sie vor etwa drei Jahren bei der Killerjagd um ein Haar ihr ungeborenes Kind verloren hätte, war sie zähneknirschend in den Innendienst versetzt worden. Das passte zwar so gar nicht zu ihrem Selbstbild einer dynamischen Superheldin, sorgte aber immerhin für einen gewissen Familienfrieden daheim. Als ihr Mann Rob nun von ihrem neuen Fall erfährt, straft er sie erst mit eisernem Schweigen und setzt ihr schließlich ein Ultimatum. Doch Henley ignoriert das ebenso wie die Warnzeichen ihrer angeschlagenen Seele und stürzt sich in ein kriminalistisches Wettrennen, bei dem sie bald mehr als einen Gegner hat. Bis zum fulminanten Showdown hält Matheson die Spannung in vielen kurzen schwungvoll geschriebenen Kapiteln. Am Ende stehen so einige Überraschungen – und es bleibt, so viel sei verraten, ein großes Fragezeichen zurück. Glücklicherweise ist „Jigsaw Man“ erst der Auftakt zu einer neuen Krimiserie. Aktuell schreibt die Autorin bereits an der Fortsetzung um DI Henley und ihr SCU-Team.

Autoreninterview

Interview mit Nadine Matheson zu „Jigsaw Man“

Sie arbeiten als Verteidigerin im Strafrecht. Wir kamen Sie zum Schreiben und wann finden Sie dafür Zeit?
Geschichten schreibe ich schon, solange ich denken kann. Mein erstes Buch schrieb ich vor mehr als zehn Jahren – doch das wird wohl für immer in meiner Schublade versteckt bleiben. Ernsthaft zu schreiben begann ich vor sechs Jahren. Als Strafverteidigerin habe ich viel zu tun, sodass ich nur in der Mittagspause, zwischen Gerichtsterminen, an Abenden und Wochenenden schreiben kann.

Welche Inspiration lieferte Ihr Hauptberuf für Ihren Roman?
Einen Serienmörder habe ich bisher noch nicht verteidigt. Dennoch wurde ich von allen Fällen inspiriert, an denen ich gearbeitet habe, und von Angeklagten, die sehr speziell waren. Die letzten vierzehn Jahre habe ich Strafrecht praktiziert und auch Kriminalrecht unterrichtet. Jeder meiner Fälle war dabei einzigartig und alle Klient*innen haben auf ihre Weise eine Figur in „Jigsaw Man“ geprägt. Ich habe erfahren, was bestimmte Menschen zu bestimmten Straftaten motivierte, darunter auch zu Mord.

Wie beschreiben Sie Ihre Hauptfigur, die Detective Inspector Anjelica Henley?
Anjelica Henley hat einen durchaus komplexen Charakter, vor allem aber ist sie sehr engagiert in ihrem Beruf und für die Gerechtigkeit. Ihre Fehler sind ihr bewusst, doch sie lässt sich in ihrer Arbeit nicht von ihnen beeinflussen. Außerdem liebt und beschützt sie ihre Familie und Freund*innen. Vertrauen baut sie nur schwer auf – und Vertrauensbruch ist das Schlimmste, was man ihr antun kann. Henley ist stur und nachtragend. Gleichzeitig hat sie eine liebevolle, fröhliche Seite und ist sehr empathisch. Stets möchte sie das Beste tun, was sie allen Ängsten zum Trotz immer wieder in gefährliche Situationen bringt.

Haben Sie – neben Henley – eine heimliche Lieblingsfigur im Buch?
Das ist Ezra. Als Zivilist und jüngstes Mitglied der Serial Crime Unit bringt er die so nötige Leichtigkeit ins Team. Ezra ist IT-Experte und ein ehemaliger Straftäter. Ich finde es toll, dass er keinen Filter hat, sondern für jedes Risiko offen ist und immer sagt, was er denkt. Er weißt, dass Henley gut auf ihn achtgibt – auch wenn sie das nie zugeben würde.

Ihr Thriller hat einige explizite Szenen. Haben Sie einen starken Magen?
Offensichtlich habe ich den, denn ich hielt diese Szenen für harmlos. Mir wurde erst beim Überarbeiten bewusst, wie explizit manche Stellen waren. Die Herausforderung war vor allem, Gewaltszenen mit gutem Grund einzusetzen. Diese Szenen sollten einen Eindruck hinterlassen, ohne beliebig zu wirken. Nachdem ich beruflich schon so viele brutale Tatortfotos zu sehen bekam, habe ich mich hier zurückgehalten.

„Jigsaw Man“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimiserie. Was erwartet uns als Nächstes?
Derzeit arbeite ich am zweiten Band, der DI Henley und das SCU-Team zurückbringen wird. Die Fortsetzung beginnt mit Henleys Ermittlungen zum Mord an Pastor Caleb Annan, dessen verstümmelte Leiche in seiner Kirche aufgefunden wird. Doch, wie immer beim SCU, steckt hinter dem Mord sehr viel mehr, als wir zunächst denken.

Interview: Literaturtest, 2020

Autorenporträt

Nadine Matheson wurde in Deptford in Südwest-London geboren und ist dort auch aufgewachsen. Sie arbeitet als Verteidigerin in Strafrechtsverfahren, kennt also die Welt ihrer Serie genau. Sie hat außerdem den Schreibwettbewerb der Londoner Universität gewonnen, JIGSAW MAN - Im Zeichen des Killers ist ihr erster Roman.

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