Anna Seghers
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Transit (MP3-Download)
Ungekürzte Lesung. 92 Min.
Sprecher: Lindert, Christoph; Lieck, Peter
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»Ihr wohl schönster Roman.« [Heinrich Böll ] Marseille 1940: Tausende Verfolgte aus ganz Europa treffen in der Hafenstadt aufeinander, um vor den Nazis zu fliehen. Auf der Jagd nach rettenden Transit-Visa verbinden Angst, Verzweiflung und Hoffnung für kurze Zeit fremde Leben und zahlreiche Schicksale. Das vielschichtige Hörspiel des Bayerischen Rundfunks mit Bonusmaterial (Anna Seghers im O-Ton) ist Auftakt der großen »Anna-Seghers-Reihe« beim DAV.
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Netty Reiling wurde 1900 in Mainz geboren. (Den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928.) 1920-1924 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: "Die Toten auf der Insel Djal". 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift "Freies Deutschland". 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952 bis 1978 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 1983 in Berlin gestorben. Romane: Die Gefährten (1932); Der Kopflohn (1933); Der Weg durch den Februar (1935); Die Rettung (1937); Das siebte Kreuz (1942); Transit (1944); Die Toten bleiben jung (1949); Die Entscheidung (1959); Das Vertrauen (1968). Zahlreiche Erzählungen und Essayistik.

© Roger Melis
Produktdetails
- Verlag: Der Audio Verlag
- Gesamtlaufzeit: 92 Min.
- Altersempfehlung: ab 12 Jahre
- Erscheinungstermin: 24. September 2013
- Sprache: Deutsch
- ISBN-13: 4056198087794
- Artikelnr.: 39522667
»Anna Seghers hat es hier verstanden, Eile und Drängen zu verschriftlichen, aber auch sehr detaillierte Ortsbeschreibungen vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen.« Nick Hillmann Literaturblog 20250605
"Transit gehört zu den Büchern, die in mein Leben eingreifen, an denen mein Leben weiterschreibt, so daß ich sie alle paar Jahre zur Hand nehmen muß, um zu sehen, was inzwischen mit mir und mit ihnen passiert ist." - Christa Wolf
Chaos auch damals
Sie hatte alles selbst erlebt auf ihrer Flucht vor den Nazis, die in Deutschland ihre Bücher verbrannt hatten und vor denen sie sich als KPD-Mitglied ins unbesetzte Frankreich gerettet hatte, nach Marseille. Der Roman «Transit» der unter Pseudonym schreibenden …
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Chaos auch damals
Sie hatte alles selbst erlebt auf ihrer Flucht vor den Nazis, die in Deutschland ihre Bücher verbrannt hatten und vor denen sie sich als KPD-Mitglied ins unbesetzte Frankreich gerettet hatte, nach Marseille. Der Roman «Transit» der unter Pseudonym schreibenden Schriftstellerin Anna Seghers ist insoweit ein fiktional angereichertes, autobiografisch inspiriertes Zeitzeugnis einer schlimmen Epoche, die in jenem Frühjahr 1940 ihren Anfang nahm und als Vichy-Regime unrühmlich in die Geschichte einging. Eine politische Katastrophe, die damals viele Flüchtlinge nach Südfrankreich fliehen ließ mit seinem für eine Auswanderung wichtigen Überseehafen. Dieses der «Neuen Sachlichkeit» verpflichtete, 1941/42 geschriebene Frühwerk gehört zu den bedeutenden Werken der Exilliteratur. Die Autorin übersiedelte 1950 in die DDR, hatte dort etliche offizielle Funktionen inne und wurde mit Ehrungen für ihr umfangreiches Œuvre geradezu überhäuft, ihrer unbeirrbaren Linientreue wegen allerdings auch heftig kritisiert.
In einer Pizzeria in Marseille lädt ein namenlos bleibender Ich-Erzähler, ein 27jähriger Deutscher, einen Unbekannten zum Essen ein, ganz offensichtlich sucht er jemanden, dem er seine Geschichte erzählen kann. Er sei aus einem KZ in Deutschland geflohen, habe den Rhein durchschwommen und sei dann in Frankreich in einem Arbeitslager in der Nähe von Rouen inhaftiert worden. Beim Näherrücken der Front gelingt einer Gruppe deutscher Häftlinge der Ausbruch, auf der Flucht werden sie von den vorrückenden deutschen Truppen überrollt. Er schlägt sich ins besetzte Paris durch, wo Freunde ihn aufnehmen. Dort trifft er einen ehemaligen Mithäftling, der ihn bittet, einem Dichter namens Weidel einen Brief zu überbringen. Aber der hat sich das Leben genommen, man bittet ihn, den Koffer des Toten seinen Verwandten zu bringen. Als die Übergabe scheitert, behält er den Koffer und entdeckt darin neben Briefen von dessen Frau, die mit ihm nach Mexico auswandern wollte, ein Manuskript. «Aus lauter Langeweile fing ich zu lesen an. Ich las und las. Vielleicht, weil ich bisher noch nie ein Buch zu Ende gelesen hatte. Ich war verzaubert» erzählt er. «Und plötzlich, so in den dreihundert Seiten, brach alles für mich ab. Ich erfuhr den Ausgang nie». Als ihm in Paris die Gefahr zu groß wird, entdeckt zu werden, flieht er schließlich nach Marseille. Als er dort den Koffer im mexikanischen Konsulat abgeben will, hält man durch ein Missverständnis ihn selbst für Weidel.
Wir erleben einen wahrhaft kafkaesk anmutenden Kampf der Flüchtlinge um Visa, Transits, Schiffstickets, Testate und anderes mehr mit einer unwilligen Verwaltung, von den Menschen spöttisch als «Konsulatszauber» und «Visatanz» bezeichnet. Über weite Teile des Romans wird dieser bürokratische Wahnsinn von Vorbedingungen und Fristen geschildert, die sich häufig gegenseitig ausschließen und die Menschen zur Verzweiflung treiben, den coolen Erzähler selbst jedoch wenig beeindrucken. Er beobachtet eine Frau, die rastlos durch Marseille streift und jemanden zu suchen scheint. Schließlich lernt er sie als Freundin eines Arztes kennen, sie ist Weidels Frau, die ihren Exmann wegen der Auswanderungspapiere sucht. Er verliebt sich in sie, hilft dem Arzt und ihr gleichwohl bei den Formalitäten für ihre Ausreise, und als er sie schließlich über den Tod ihres Mannes informiert, glaubt sie ihm nicht. Enttäuscht verzichtet er auf die für ihn unerreichbare Frau und entschließt sich endgültig, zu bleiben.
Der kunstvoll konstruierte Plot ist sehr informativ in einer angenehm zu lesenden Sprache erzählt, mit stimmig erscheinenden, originellen Figuren, deren in immer neuen Varianten geschilderter, meist erfolgloser Kampf mit der Bürokratie irgendwann jedoch ziemlich langweilig wird. Das abrupte Ende in Weidels Manuskript scheint sich hier zu wiederholen, «Ich werde eher des Wartens müde als sie der Suche nach dem unauffindbaren Toten.» lautet der letzte Satz des resignierenden Helden.
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