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Noted science writer Nicholas Wade offers for the first time a convincing case based on a broad range of scientific evidence for the evolutionary basis of religion. For at least the last fifty thousand years, and probably much longer, people have practiced religion. Yet little attention has been given, either by believers or atheists, to the question of whether this universal human behavior might have an evolutionary basis. Did religion evolve, in other words, beacause it helped people in early societies survive? In this original and controversial book, longtime reporter for The New York Times…mehr

Produktbeschreibung
Noted science writer Nicholas Wade offers for the first time a convincing case based on a broad range of scientific evidence for the evolutionary basis of religion.
For at least the last fifty thousand years, and probably much longer, people have practiced religion. Yet little attention has been given, either by believers or atheists, to the question of whether this universal human behavior might have an evolutionary basis. Did religion evolve, in other words, beacause it helped people in early societies survive?
In this original and controversial book, longtime reporter for The New York Times 's Science section Nicholas Wade gathers new evidence showing why religion became so essential in the course of human evolution, and how an instinct for faith has been hardwired into human nature. This startling thesis is sure to catch the attention of both believers and nonbelievers. People of faith may not warm up to the view that the mind's receptivity to religion has been shaped by evolution. Atheists may not embrace the idea that religious expression evolved because it conferred essential benefits on ancient societies and their successors. As The Faith Instinct argues however, both groups must address the fact, little understood before now, that religious behavior is an evolved part of human nature.
How did we evolve to believe? Wade shows that the instinct for religious behavior is wired into our neural circuits much like our ability to learn a language. Religion provided the earliest human societies with the equivalents of law and government, giving these societies an edge in the struggle for survival. AS a force that binds people together and coordinates social behavior, religion supported another significant set of social behaviors: aggression and warfare. Religious behavior, both good and ill, will remain an indelible component of human nature so long as human societies need the security and cohesion that belief provides.
Social scientists once predicted that religion would progressively fade away as societies advanced in wealth and education. They were wrong. The first objective and nonpolemical book of its kind, The Faith Instinct reveals that to understand the persistence of faith, one must first acknowledge that religious behavior is embedded in human nature.
Autorenporträt
Nicholas Wade hat sich nach dem Studium der Naturwissenschaften und der Medizin als Wissenschaftsjournalist der 'New York Times' einen Namen gemacht. Sein Buch erscheint zu gleicher Zeit in den USA und in Deutschland.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 17.03.2010

Ich empfehle den Abschied von Gott
Nicholas Wade schlägt den Gläubigen von Christentum, Judentum und Islam einen evolutionsfesten Glauben vor

Ameisen brauchen keine Religion. Denn der soziale Zusammenhalt im Ameisenstaat wird durch enge Verwandtschaft und chemische Signale gewährleistet. Im menschlichen Zusammenleben funktioniert es nicht so. Deshalb, so schreibt Nicholas Wade, brauchen Menschen Religion. In dem neuen Werk des amerikanischen Wissenschaftsautors und Wissenschaftsredakteurs der "New York Times" wimmelt es von Kreaturen und Kulturen. "The Faith Instinct" ist ein Panoptikum der unterschiedlichsten Völker, Stämme, Gesellschaften, Gruppen und Individuen, die die Evolution hervorgebracht hat. Wir begegnen Singvögeln und Seehunden, dem afrikanischen Volk der Kung San und den Einwohnern der Südseeinsel Kitava, Azteken und Aborigines, Jimi Hendrix, Max Weber und Präsident Eisenhower.

Auf seinem Parforceritt durch die Entwicklungsgeschichte will Wade uns demonstrieren, dass Religionsausübung genetisch verankert ist. Die Veranlagung für religiöses Verhalten, so seine These, habe sich deshalb herausgebildet, weil Religiosität sich als Selektionsvorteil im Überlebenskampf erwiesen habe. Seine evolutionäre Deutung von Religiosität stützt Wade darauf, dass der Glaubensinstinkt in der menschlichen Frühzeit als sozialer Kitt gedient habe - so wie bei den Ameisen der hohe Verwandtschaftsgrad unter den Arbeiterinnen. Religiosität habe Identität und Zusammenhalt der Gruppe entscheidend gestärkt, argumentiert der Autor in der funktionalistischen Tradition Emile Durkheims, den er denn auch häufig zitiert.

Durch Vermittlung gemeinsamer Werte und Moralvorstellungen, durch Riten und Bräuche, Gebet, Opfer, Musik und Tanz habe Religion das Gemeinschaftsgefühl derart gefestigt, dass die Gruppenmitglieder ihre eigenen Interessen denen der Gemeinschaft untergeordnet hätten. Vor allem die kollektive Furcht vor strafenden Gottheiten habe in den egalitären Gruppen von Jägern und Sammlern, wo Wade die Wurzeln von Religion vermutet, wie eine "unsichtbare Regierung" gewirkt. Eine Gemeinschaft, deren religiöse Bande so stark seien, dass die Gruppenmitglieder ihr Leben für das des Kollektivs opferten, habe in Kriegs- und Friedenszeiten entscheidende Vorteile. Entwicklungsgeschichtlich verortet Wade diesen Selektionsprozess zur Begünstigung religiöser Gruppen in einer Ära, die mindestens 50 000 Jahre, "wahrscheinlich aber weit länger" zurückliegt. Jedenfalls bevor sich der Mensch und mit ihm die Religion von Afrika über die ganze Welt ausgebreitet habe.

Wade verschweigt nicht, dass seine Theorie aus verschiedenen Gründen angreifbar ist. So dient ihm als wissenschaftliches Fundament ein Konzept der Gruppenselektion, das nur eine Minderheit von Evolutionsbiologen vertritt. Wade beruft sich auf den prominenten amerikanischen Insektenkundler, Evolutionstheoretiker und Begründer der Soziobiologie Edward Wilson, der gruppendienlichen Strategien einen weitaus bedeutsameren Platz in der Evolutionsgeschichte zuweist, als ihn die Mehrheit seiner Kollegen anerkennen will.

Zu den Einwänden der Kritiker und zu den theoretischen Lücken seines eigenen Konzepts äußert sich Wade erfreulich offen und sachlich: So verweist er darauf, dass die Forschung zu evolutionären Grundlagen sozialen Verhaltens noch nicht so weit gediehen ist, dass sie erklären kann, wie sich Religion durch Gruppenselektion entwickelt hat. Und weder ist ein "Religionsgen" in Sicht noch eine religiös zuständige Hirnregion. Zahlreich sind dafür die Anthropologen, Soziologen, Ökonomen, Historiker und auch Biologen, die Wade für seine These zitiert, dass die universale Verbreitung von Religiosität und die dabei zu beobachtenden Gemeinsamkeiten in allen Gesellschaftsformen über mehr als 2000 Generationen Indizien dafür seien, dass Religion Ergebnis evolutionärer Anpassung und damit nicht nur Kulturprodukt sei.

Kritiker dieser Adaptationsthese dürfte Wades religionsgeschichtliches Kompendium kaum überzeugen; dafür sind mögliche Zusammenhänge zwischen Religion und Evolution zu wenig erforscht. Unabhängig von der Kontroverse über den generellen Ursprung von Religiosität fordert vor allem Wades Kapitel über den Monotheismus zum Widerspruch heraus. Der Autor hält es mit jenen, die behaupten, die Gefangenschaft der Israeliten in Ägypten und die Landnahme Kanaans ließen sich nicht historisch belegen. Was die Entstehungsgeschichte des Islam betrifft, so sympathisiert Wade mit der explosiven Außenseiterposition der sogenannten Revisionisten. Danach ist von einem längeren, im Christentum begründeten Entstehungsprozess des Islam auszugehen, nicht von einer durch den Propheten Mohammed erfolgten Festlegung der islamischen Lehre.

Mit provokanten Überlegungen wartet Wade auch in seinem Schlusskapitel zur Zukunft von Religion auf. Ihrer Erosion durch Säkularisierung, so der Autor, könne nur durch Anpassung an die Moderne entgegengewirkt werden. Dabei geht Wade in seiner funktionalistischen Betrachtungsweise so weit, den Abschied von Gott zu empfehlen. Womöglich, so spekuliert der Autor, könne die Rolle, die Gott im Christentum, Judentum und im Islam spiele, an "andere religiöse Elemente delegiert werden", um auf diese Weise Religion und Naturwissenschaft besser in Einklang zu bringen. Damit Menschen auch künftig ihre angeborene religiöse Neigung zum Wohle sozialen Zusammenhalts entfalteten, so Wade, müsse Religion womöglich eine zweite massive Transformation erfahren, ähnlich wie damals beim Übergang von der Epoche der Jäger und Sammler zu sesshaften Gesellschaften.

Von einigen Kommentatoren in den Vereinigten Staaten wird Wades Buch zusammen mit Werken der britischen Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong ("The Case for God") und des amerikanischen Journalisten und Autors Robert Wright ("The Evolution of God") als Indiz dafür gewertet, dass sich die literarische Kontroverse über Religion ein wenig zu entspannen scheint, nachdem vor allem Richard Dawkins mit seinem polemischen Affront "Der Gotteswahn" Furore machte. Zweifellos sind Wades Darlegungen nuancierter und weniger konfrontativ. Aber Stoff genug für weitere hitzige Debatten über Religion und Wissenschaft bietet Wades "Faith Instinct" allemal.

KATJA GELINSKY

Nicholas Wade: "The Faith Instinct". How Religion Evolved and Why It Endures. Penguin Press, New York 2009. 320 S., geb., 17,95 [Euro].

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