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Aus Bruchstücken unserer Zeit und dem persönlichen Erleben baut Arne Rautenberg Brücken: Was nicht mehr ist, scheint wieder auf - was noch nicht ist, eröffnet sich. Diese Gedichte berühren, weil sie intuitiv dem kleinen Wahnsinn nachgehen, der unser Leben lebenswert und unsere Gedanken denkenswert macht. Nach »permafrost« und »betrunkene wälder« legt Arne Rautenberg mit »sekundenfrühling« eine neue Sammlung intensiver Gedichte vor, die den existenziellen Kern unseres Seins umspielt. Die Superkräfte Kunst und Natur verbinden sich darin zu einer lebensintensivierenden Melange.

Produktbeschreibung
Aus Bruchstücken unserer Zeit und dem persönlichen Erleben baut Arne Rautenberg Brücken: Was nicht mehr ist, scheint wieder auf - was noch nicht ist, eröffnet sich. Diese Gedichte berühren, weil sie intuitiv dem kleinen Wahnsinn nachgehen, der unser Leben lebenswert und unsere Gedanken denkenswert macht. Nach »permafrost« und »betrunkene wälder« legt Arne Rautenberg mit »sekundenfrühling« eine neue Sammlung intensiver Gedichte vor, die den existenziellen Kern unseres Seins umspielt. Die Superkräfte Kunst und Natur verbinden sich darin zu einer lebensintensivierenden Melange.
Autorenporträt
Arne Rautenberg wurde 1967 in Kiel geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Neueren Deutschen Literaturwissenschaft und Volkskunde lebt er seit 2000 als Dichter und Künstler in seiner Geburtsstadt. Seine Gedichte sind in mehreren Einzeltiteln sowie zahlreichen Anthologien erschienen. 2013 hatte Arne Rautenberg die Liliencron-Poetik-Dozentur inne. 2016 wurde er mit dem Josef-Guggenmos-Preis, dem ersten Preis für Kinderlyrik, der je in Deutschland vergeben wurde, ausgezeichnet. 2017 wurde er in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gewählt; 2020 erhielt er den Kieler Kulturpreis und 2022/23 das Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Sein Gedichtband »permafrost« wurde in die Liste der Lyrikempfehlungen 2020 aufgenommen. Mit seiner Lyrik, mit Gedichten für Kinder und seiner visuellen Poesie ist Arne Rautenberg einer der vielseitigsten zeitgenössischen Dichter im deutschen Sprachraum.
Rezensionen
»Es ist überwältigend, überwältigend und begeisternd, was der Dichter Arne Rautenberg in seinem neuen Band "sekundenfrühling" an Weltfülle, Spielleidenschaft und Herzschlag vorlegt!« Mathias Jeschke, signaturen »Es lohnt sich, diesen Dichter ans Fenster zurückzuholen und mit seinem 'Menschenauge' unseren gefährdeten Planeten neu anzuschauen.« Michael Braun, taz »Radikal und anrührend, freundlich, wahrhaftig.« Marion Poschmann, Lyrikempfehlungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung »Wach sein, die anderen ernst nehmen, über sich selbst auch lachen. Gedichte entwerfen als 'torkelnde Horrorboxen', so versetzt Rautenberg seine Leser in Staunen.« Christian Metz, FAZ »Einer der bekanntesten Dichter Deutschlands.« NDR

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Christian Metz gerät außer Atem beim Lesen von Arne Rautenbergs Gedichten. Der "Hochgeschwindigkeitspoet", wie Metz ihn nennt, reimt hemmungslos Null auf Pulle(e) und hält atemlose Aufzählungen offenbar für poetisch. Der "Wellenritt" von Kiel bis Wikipedia scheint Metz jedenfalls zu betören mit hintersinniger Komik, wo andere vielleicht bloß "naives Sprachspielvergnügen" sehen. Jene jedenfalls liegen falsch, meint Metz. Rautenbergs Verbindung des Analogen mit dem Digitalen und sein Mix aus Trakl und Tarantino empfindet Metz als so dynamisch wie gewagt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.03.2024

Da hast du einen Lauf
Arne Rautenbergs "sekundenfrühling"

Arne Rautenberg ist ein Hochgeschwindigkeitspoet. Drei Gedichtbände hat er binnen des vergangenen Jahres schon veröffentlicht - für Erwachsene ebenso wie für Kinder. Auch der vierte Band verspricht vom Titel "sekundenfrühling" her Höchsttempo. Schon im ersten Gedicht erweist sich dieser als extrem geraffte, nur "einen wellenschlag im ohr" andauernde akustische Wahrnehmung. Innerhalb der Gedichte dient Rautenberg die Aufzählung als Tempomacher: "lederhose distelblüte / hängebauch und gipfelkreuz / bierexzesse schwarze katze / würfelglück und rotes kreuz." Nicht nur "bad writing", so der Titel des Gedichts, lässt sich so zelebrieren.

Auch Fragen zur Relevanz einschlägiger Künstler lassen sich so in Windeseile klären: "koons tot rauschenberg tot neo rauch auch erledigt banksy sowieso tot / ich weiß du weißt ersiees weiß wir wissen sie wissen es auch." Reicht das asyndetische Tempo nicht aus, peitscht der Reim die Gedankenschnelle weiter voran: "machst dir gedanken oder nicht / hast einen lauf / wärmst dich im licht / schläfst unter null / machst einen drauf / schluck aus der pull / knipst dir licht aus / knipst dir licht an / es kommt die zeit / da bist du dran." Gäbe es einen Reim-Rasanz-Award, wir könnten verkünden: Rautenberg bricht jeden Rekord: 63 Gedichte lang, im Wellenritt durch die poetische Enzyklopädie: von Kiel zu Wikipedia, von der Sabotage der Beastie Boys nach Rom, vom 3-D-Drucker bis zu Gottfried Benns "Konfetti": "zwischen bibliotheken eloquentes geschnatter / zwischen bücherregalen buntes konfettigeflatter."

Wer denkt, es handele sich um heiter naives Sprachspielvergnügen, liegt falsch. Mit hintersinnig spröder Tarantino-Komik entwirft Rautenberg eine Phänomenologie des Abgründigen. Seine Höchstgeschwindigkeit birgt Absturzgefahr: "wenn heißer ein kriegsgeschrei schwillt / wenn aus körpern ein geweide quillt / wenn ein schwarzer fleck erscheint im röntgenbild / wenn im zengarten der rechen rillt", dann ist man auf die für Rautenberg signifikante Engführung harter Gegensätze gestoßen. In Konsequenz dieser Poetik verschränkt sein neuer Gedichtband das Digitale mit dem Analogen. Wenn etwa bei Trakl "Der Gesang einer gefangenen Amsel" als "Dunkler Odem im grünen Gezweige" erklang. Entwirft Rautenberg intermediale Zwitscherräume: "mein alleinsein war mir wimpernschlag / saß fest im eisnovembertag / da amsel dein reviergesang / bei wikipedia mir erklang / welch honigsüße melodie / riss mich hinein in agonie."

Nur konsequent scheint es, dass die Gedichte in einen Erinnerungszyklus münden, der um die letzten Begegnungen und den Tod der Mutter kreist. Auch hier bewahrt Rautenbergs Bild einer Welle seine eigene Dynamik: "weltwellensport // welt ohne muttter denkst du / mit großer geste / und nach dir / kommt schon der nächste // welt ohne dich." Außerhalb des Trauerzyklus pflegt Rautenberg in diesem Band eine zuvor so noch nicht gekannte Schärfe. Ein Vers wie "die freie rede / lernt ihr schweigen" nimmt jene vorauseilende Selbstrestriktion in den Blick, die als Signatur unserer Gegenwart gehandelt wird. Mit der Losung "niemanden verletzpinken" wendet er sich wider jene populären Vorstellungen von Vulnerabilität, die innerhalb der Affekthierarchie oberste Priorität erreicht haben. Verse wie "die linken die rechten vor allem / die mittleren schneeflocken / zerstören die komik" artikulieren den Willen des risikoaffinen Sprachspielers, die eigene poetische Schlagfertigkeit zu bewahren. Was aus seiner Sicht auf dem Spiel steht, pointiert Rautenberg, indem er die deutsche Geschichte als Farce entwirft: "vorgestern weltkrieg, gestern aufbau und heute / das auszweifeln der einzigartigkeit jedweden erlebnishorizonts." Überindividualisierung als Abkehr vom Relevanten. Ist das Biedermeier nach der Postmoderne? Gewagt, in diesem umstrittenen Diskursfeld eine poetische Position zu beziehen. Dachte Enzensberger, zur "Verteidigung der Wölfe gegen die Schafe" aufrufen zu müssen, so liegen die Wölfe bei Rautenberg längst am Boden. Wie ein Lot reicht der Versstrang senkrecht in die Tiefen der unschuldig weißen Seite: Loch // dort / un / ten / ru / hen / die / acht / los / weg / ge / wor / fen / en / wöl / fe." Rautenberg dichtet im Anblick der buchstäblich entsorgten Gefahr. CHRISTIAN METZ

Arne Rautenberg:

"sekundenfrühling". Gedichte.

Wunderhorn Verlag, Heidelberg 2023. 96 S., geb., 22,- Euro.

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