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Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 23.01.2003

Sehnsuchtsziel Nordpol

Der Engländer David Hempleman-Adams ist mit einem Heißluftballon zum Nordpol gereist. Er behauptet nicht, damit auf das Schicksal bedrohter Inuit-Völker aufmerksam machen zu wollen und schiebt keine wissenschaftlichen Gründe vor. Hempleman-Adams nennt sich erfrischend ehrlich einen Abenteurer und Sportsmann; die Ehre, Forschungsreisender und Visionär zu sein, gebühre einem anderen: Salomon August Andrée. Vor mehr als hundert Jahren, 1897, war dieser gemeinsam mit zwei Gefährten von Spitzbergen zu einer Ballonreise an den Nordpol aufgebrochen. Dreißig Jahre waren sie verschollen, dann wurden ihre Skelette auf einer arktischen Insel gefunden, daneben Tagebuchaufzeichnungen - die nun auch endlich wieder in einer deutschen Ausgabe vorliegen - und sogar ein Fotoapparat samt Filmen, die sich noch entwickeln ließen. Deshalb wissen wir heute, daß die Crew schon wenige Tage nach dem Start notlanden mußte. Woran sie gestorben ist, darüber scheiden sich die Meinungen. Bislang wurde angenommen, die drei Männer seien an trichinösem Fleisch von Eisbären gestorben, die sie geschossen hatten. Hempleman-Adams hingegen hängt seinem Buch einen Untersuchungsbericht an, der eine andere Todesursache nachweist: Fleischvergiftung. Anzunehmen sei, daß sie ihre Jagdbeute nicht ausreichend konservierten und verdorbenes Fleisch aßen. Hempleman-Adams erzählt in dem Buch nicht nur von seiner eigenen Expedition, sondern bettet sie ein in die Tragödie ebenjener vorausgefahrenen Abenteurer. Dabei geraten ihm gerade die historischen Kapitel, so spannend sie sich lesen, leider zum Kitschroman, vor allem die Passagen um die Liebesgeschichte des jungen Mitfahrers Nils Strindberg. Seltsam mutet an, daß Hempleman-Adams konsequent vom Ballonfliegen spricht, es mag dies ein Fehler des Übersetzers sein oder der Versuch, die sperrige Formulierung, mit dem Ballon zum Nordpol gefahren zu sein, zu vermeiden. Davon abgesehen ist der Abenteuerbericht zum Nägelbeißen aufregend. Denoch wagt Hempleman-Adams eine pessimistische Prognose: An seine erfolgreiche Reise werde sich, anders als bei Andrée, in hundert Jahren niemand mehr erinnern. Immer gebe die Öffentlichkeit den tragisch Scheiternden den Vorzug vor den triumphierenden Helden; so sei etwa Scott bekannter als Amundsen. Habe man Erfolg gehabt, schreibt Hempleman-Adams, "nehmen die Menschen an, daß es leicht gewesen sein muß".                        

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"Mit dem Wind zum Nordpol. Ein moderner Abenteurer auf den Spuren einer historischen Tragödie" von David Hempleman-Adams. Frederking & Thaler Verlag, München 2002. 320 Seiten. Einige Farb- und Schwarzweißfotos. Gebunden, 24 Euro. ISBN 3-89405-467-0.

"Mit dem Ballon dem Pol entgegen" von Salomon August Andrée. Erschienen in der: "Edition Erdmann". K. Thienemanns Verlag, Stuttgart 2002. 338 Seiten, Abbildungen, eine Karte. Gebunden, 22 Euro. ISBN 3-522-60043-6.

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