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Erste umfassende Darstellung von Leben und Werk Eric Amblers. Weit mehr als nur eine spannende Biographie des "besten aller literarischen Thrillerautoren" (Graham Greene): das Porträt eines unparteiischen Gewissens entlang der Geschichte unseres Jahrhunderts.

Produktbeschreibung
Erste umfassende Darstellung von Leben und Werk Eric Amblers. Weit mehr als nur eine spannende Biographie des "besten aller literarischen Thrillerautoren" (Graham Greene): das Porträt eines unparteiischen Gewissens entlang der Geschichte unseres Jahrhunderts.
Autorenporträt
Stefan Howald, geboren 1953 in Brugg (Schweiz), studierte Germanistik, Geschichte und Literaturkritik in Zürich und Berlin. Seit 1976 arbeitete er als freier Journalist und Redaktor. Später konzentrierte er sich auf das Verfassen von Monographien sowie Biographien und auf die Übersetzung englischer Kriminalromane und Sachbücher ins Deutsche. Stefan Howald lebt in Dielsdorf (Schweiz).
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 22.01.2003

Was liest der Kerl auch Joyce
Die erste Biografie des Thriller-Königs Eric Ambler
Das geheimnisvolle Gerede um den Erstling eines Autors ist meist ein Spiel ohne wirklichen Gegenstand. Es lebt vom Glauben, dass der Erstling auch das erste Werk des betreffenden Autors sei. Oft jedoch gehen ersten Büchern Romane voraus, die nie oder später gedruckt werden. Der Erstling, das ist nicht selten ein Schriftstück, mitten aus dem Reifungsprozess eines Autors gerissen, das den in manchen Zeiten wirtschaftlich interessanten Stempel „Debut” erhält.
Der Erfinder des politischen Thrillers im 20. Jahrhundert beginnt die Geschichte des eigenen Erstlings in seiner Autobiografie, die den berühmten doppelsinnigen Titel „Here lies Eric Ambler” trägt, von langer Hand. Der Urenkel eines Druckers und Enkel eines Schriftsetzers am 28. Juni 1909 in London geboren, war Eric (der 1998 starb) das erste Kind von Alfred Ambler, der in der damals rasch wachsenden Werbebranche arbeitete, um abends mit seiner Frau ein Marionettentheater zu betreiben. Der Vater war autoritär, er setzte Hoffnungen in seinen Sohn. Dieser dankte es ihm mit Widerspenstigkeit und dem ersten Romanmanuskript: „The Comedian”, das der 18jährige im Sommer 1927 schrieb. Der bald verbrannte Text kam jedoch nicht über das erste Kapitel hinaus. Vier Jahre später begann Ambler, nach einem abgebrochenen Ingenieursstudium inzwischen selber Werbetexter, Theaterstücke zu schreiben. Hier „scheiterte” er, wie er schreibt, nach drei abgeschlossenen Stücken. Und noch Amblers erste Buchveröffentlichung von 1934 war kein Spionageroman, sondern ein Leitfaden für Babynahrung, den Ambler für Dorland, jene Firma, für die sein Vater gearbeitet hatte, schrieb.
Doch wie kam Ambler nach Vaters Tod zum Thriller, für den er heute bekannt ist? Er sagt, weil er auch als Songschreiber und Ingenieur gescheitert sei. Man könnte, schreibt Stefan Howald, der erste Ambler-Biograph, aber auch einen Zufall erzählen: Als Eric fünfundzwanzigjährig das Chateau d`If bei Marseille besucht (in dem Dumas den Grafen von Monte Christo hatte hungern lassen), stellt er sich, „Joyce lesend”, ein Attentat vor. Nur wenig später wird König Alexander von Jugoslawien an der von Ambler phantasierten Stelle ermordet: „Ich spürte”, schreibt Ambler, „eine seltsame Schuld, aber auch Freude. Unter der Sonne des Südens lebten fremdartige und gewalttätige Männer, mit denen ich mich identifizieren konnte und denen ich mich jetzt irgendwie verbunden fühlte.”
Howald, der die Aufgabe hat, gegen Amblers autobiografische „Lügen” anzuschreiben, folgt dem Autor und seinem Werk gewissenhaft auf beinahe 600 Seiten, bleibt dabei Selbststilisierungen gegenüber angenehm skeptisch. Doch die Königsmordgeschichte hat etwas für sich: Amblers Hang zum Balkan als Schauplatz, wie auch die durch und durch politischen Themen seiner anderen Bücher (Nahostkonflikt, Wirtschaftskriminalität, Terrorismus, Waffenhandel), sind darin enthalten. Aber was, bitte, soll der Einschub „Joyce lesend”?
Bequeme Aphorismen
Ambler, ein Teenager mit sechs Bibliotheksausweisen, ist einer der Testfälle für die Dauerfrage nach der Grenze zwischen U- und E-Literatur. Ohne Scheu beginnt er eines seiner bekanntesten Bücher, „Die Maske des Dimitrios”, mit der Diskussion eines Chamfort-Zitats. Doch Ambler nimmt seiner Bildungshuberei (ein französischer Moralist des 18.Jahrhunderts im ersten Thriller-Satz!) vordergründig die Spitze, indem er Chamfort relativiert und den Leser zwingt, seinem Gedankengang zu folgen: „Ein Franzose namens Chamfort, der es besser hätte wissen müssen, sagte einmal, Zufall sei nur ein anderes Wort für Vorsehung. Dies ist eines der bequemen Aphorismen, die als bewiesen annehmen, was sie zu beweisen hätten. Man prägt sie, um die unbequeme Wahrheit zu verunglimpfen, dass der Zufall eine, wenn nicht die Hauptrolle im menschlichen Leben spielt.”
Eine Stärke von Howalds Biografie sind seine manchmal etwas umfänglichen Anstrengungen, Amblers Position in der internationalen Thriller- Produktion zu orten. Der Erneuerer des politischen Spannungsromans wachte mit Blick für Konkurrenz über seine Führungsstellung. Viele lobten Altmeister Eric, die seltensten hatten in seinen Augen von ihm gelernt. Als Ian Flemings „Bond” Ambler an Erfolg zu übertreffen begann, kühlte sich die Freundschaft ab. Gespannt war die Beziehung zu Bewunderer John le Carré, dem Ambler lapidar attestierte, erfolgreich zu sein, aber schlecht zu schreiben. Raymond Chandler warf Ambler gelegentlich Intellektualität vor, was dieser spöttisch kommentierte. Eine andere Wahrheit, so Howald, sprach Robert Harris, der sagte, er gehöre zu einer Generation, die ohne Ambler aufwuchs. Während Ambler in Deutschland in den Siebzigern immer bekannter wurde, sank anderswo sein Stern. Seine Art zu schreiben war doch komplizierter, als jene, die das große Publikum auf Dauer lesen wollte.
Kleiner, widerlicher Kerl
Zum „Joyce” muss man den König der Thriller-Autoren deswegen nicht gleich machen. Wer sich seine Plots und ihre formale Gestaltung ansieht, Amblers konstanten Hang zur mehrfachen Verschachtelung in Rahmenerzählungen, fühlt sich an den realistischen Roman des 19. Jahrhunderts erinnert, gegen den sich Joyce durchsetzen wollte. Wichtig war, gerade auf Thriller-Territorium, Amblers Propagierung des in verschiedener Hinsicht schwachen Helden, die schon im „Grenzbezirk” begann: Professor Barstow, selbst ernannter Retter der Menschheit, leidet unter schizophrenen Selbstverwechslungen, die Ambler in die Nähe der literarischenPhantastik führen. In „Topkapi”, Amblers durch die Verfilmung bekanntestem Buch, schuf er Arthur Abdel Abdel Simpson, den „kleinen, widerlichen Kerl” mit Mundgeruch.
Oft wird auf den Bruch zwischen den frühen und den späten Romanen hingewiesen. Auch weil Ambler, über seinen Militärdienst zum Film gekommen, ab Mitte der vierziger Jahre einige Jahre Pause machte, um in Hollywood Drehbücher zu schreiben (und bei „Meuterei auf der Bounty” mit Set-Tyrannen Marlon Brando aneinander zu geraten). Einerseits litt der Linke Ambler seit dem Hitler-Stalin-Pakt unter dem Ende eines Freundbilds, das durch die Behandlung des titoistischen Jugoslawiens besiegelt wurde. Andererseits bereitete ihm die Rückkehr vom Filmskript zum Romanschreiben große Schwierigkeiten.
Auch im engeren Sinn biografischen Spuren folgt Howald detailliert. Der Übergang von der ersten großen Liebe, der exzentrischen australischen Künstler-Tochter Betty Dyson, mit ihrem Freundeskreis aus „Hindus und Homosexuellen”, zur letzten, Joan Harrison, der blonden Glamour-Geschäftsfrau, die Hitchcocks Produktions-Assistentin gewesen war, führt Amblers Weg vom jungen Autor zum Film-Schriftsteller, der Sportwagen liebte, vor. Schon immer modebewusst, wurde er zum Herrn, der sich in Clarens über dem Genfersee zum Schreiben die Krawatte umband, sich dann, wie er behauptet, ohne Plan an den Schreibtisch setzte, um seine Figuren zu bewegen; in einer seltenen Mischung aus Understatement und Phantasie.
HANS-PETER KUNISCH
STEFAN HOWALD: Eric Ambler. Eine Biographie.Diogenes Verlag, Zürich 2002. 593 Seiten. 29,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Es war ein langer Weg für Eric Ambler, bis er sein Genre gefunden hatte, erklärt Rezensent Hans-Peter Kunisch in seiner langen und kenntnisreichen Kritik, doch nach verschiedenen Irrungen wurde Ambler einer der bedeutendsten Thriller-Autoren seiner Zeit und war einer der "Testfälle für die Dauerfrage nach der Grenze zwischen U- und E-Literatur". Biograf Stefan Howald verwendet denn auch viel Mühe darauf, "Amblers Position in der internationalen Thriller-Produktion zu orten", so das Urteil des Rezensenten. Eine andere Stärke der Biografie liegt in der Distanz zu ihrem Gegenstand. Eric Ambler wachte sorgfältig über seine Vormachtstellung als "Erneuerer des politischen Spannungsromans", und dementsprechend eifrig stilisierte er sich selbst, erklärt Kunisch. Um so dankbarer ist er, dass Howald einen Gegenakzent setzt und "angenehm skeptisch bleibt". Trotz dieser Distanz "folgt Howard auch im engeren Sinne biografischen Spuren detailliert", erklärt ein sichtlich zufriedener Rezensent.

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