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Die Schutzstaffel der NSDAP war die gewalttätigste Terrororganisation des NS-Regimes. Sie sollte nach dem Willen Hitlers und Himmlers die "rassische" Elite des Nationalsozialismus sein, die als Vorbild der menschenzüchterischen "Aufnordung" des deutschen Volkes ausersehen war. 1939 hatte der "Schwarze Orden" gut 200.000 Mitglieder. Etwa 90 Prozent von ihnen gehörten zur Allgemeinen SS, aus der der Kern der Konzentrationslager-SS und viele der späteren SS-Kriegsverbrecher hervorgingen. Wer waren diese Männer? Wie kamen sie in die Schutzstaffel? Was taten sie in Himmlers "Orden"? Bastian Hein…mehr

Produktbeschreibung
Die Schutzstaffel der NSDAP war die gewalttätigste Terrororganisation des NS-Regimes. Sie sollte nach dem Willen Hitlers und Himmlers die "rassische" Elite des Nationalsozialismus sein, die als Vorbild der menschenzüchterischen "Aufnordung" des deutschen Volkes ausersehen war. 1939 hatte der "Schwarze Orden" gut 200.000 Mitglieder. Etwa 90 Prozent von ihnen gehörten zur Allgemeinen SS, aus der der Kern der Konzentrationslager-SS und viele der späteren SS-Kriegsverbrecher hervorgingen. Wer waren diese Männer? Wie kamen sie in die Schutzstaffel? Was taten sie in Himmlers "Orden"? Bastian Hein beantwortet diese offenen Fragen und nimmt dabei ein zentrales Bindeglied zwischen dem nationalsozialistischen Herrschaftsapparat und der deutschen Gesellschaft ins Visier.
Autorenporträt
Bastian Hein, Privatdozent an der Universität Regensburg und Referent in der Grundsatzabteilung der Bayerischen Staatskanzlei.
Rezensionen
"Die Stärke dieser hervorragend lesbaren Studie besteht im genauen Hinsehen auf individuelle Biographien und aussagekräftige Episoden, in der Kombination von narrativen und analytischen Darstellungsformen." Gottfried Niedhart, FAZ vom 13.5.2013

"Der Historiker Bastian Hein hat tief in den Archiven geschürft und Vorgänge entdeckt, die die Schutzstaffel noch niederträchtiger erscheinen lassen, als sie schon in den Schulbüchern dargestellt ist." Süddeutsche Zeitung vom 15.1.2013

''In ihrer Gesamtheit vermittelt die mit allen notwendigen Nachweisen versehene, durch einige Abbildungen aufgelockerte und über ein Personenregister erschließbare, ältere Forschungspositionen ergänzende oder revidierende Studie einen prägnanten und komplexen Einblick in die Sozialstruktur, das Selbstverständnis, die Lebenswelt und das Wirken der Allgemeinen SS als Aufwuchsbasis eines sich zunehmend spezialisierenden SS-Apparates.'' Zeitschrift integrativer europäischer Rechtsgeschichte, Nr. 2/2012

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.01.2013

KURZKRITIK
Schlägertruppe
Der Historiker Bastian Hein
beschreibt die Allgemeine SS
Küchendienst war verpönt. Unmännlich. Sie wollten lieber saufen, Karten spielen, Leute verprügeln oder zumindest für Ordnung sorgen – was man eben so machte als SS-Mann. Aber nicht Kartoffeln schälen! Beim Reichsparteitag 1936 in Berlin wurde eine Gruppe von zwanzig Mann zum Küchendienst beordert. Und was schafften sie? Zwölf Kartoffeln in eineinhalb Stunden. Das war Hitlers Elite.
  Der Historiker Bastian Hein, geboren 1974, hat für seine vom Institut für Zeitgeschichte in München herausgegebene Studie über „Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder“ tief in den Archiven geschürft und Vorgänge entdeckt, die die Schutzstaffel noch niederträchtiger erscheinen lassen, als sie schon in den Schulbüchern dargestellt ist. Solche anekdotenhaften Funde spielen in dieser Gesamtdarstellung von den Anfängen der Schutzstaffel 1925 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Nebenrolle. Hein spannt einen großen Bogen von der ständigen Konkurrenz mit der SA über die Rekrutierung der SS-Mitglieder bis hin zur inneren Organisation.
  Mit einer Art Psychogramm des deutschen Mannes nach 1918 leitet er die Untersuchung ein: Viele reagierten ihre Kriegsverliererkomplexe und den Frust über Erwerbslosigkeit und die Emanzipation der Frauen in nationalsozialistischen Schlägertrupps ab. War die SS zu Beginn der Dreißigerjahre noch weitgehend unbekannt, schlossen sich ihr nach Hitlers Machtübernahme Hunderttausende Männer aus allen Berufsgruppen an. Laut Hein spiegelte die Zusammensetzung der SS die Reichsbevölkerung. Je näher der Krieg rückte, desto stärker wurde die Allgemeine SS durch Waffen-SS und Polizei ausgezehrt.
RN
Bastian Hein: Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925-1945. Oldenbourg-Verlag, München 2012. 364 S., 39,80 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.05.2013

Himmlers Freizeitkrieger
Die "Allgemeine SS"

Als Hitler nach seiner Haftentlassung 1925 eine allein ihm verpflichtete Schlägertruppe mit der geradezu defensiv klingenden Bezeichnung Schutzstaffel ins Leben rief, deutete nichts darauf hin, dass die SS ein Jahrzehnt später als Hitlers "mörderische Funktionselite" das Rückgrat der nationalsozialistischen Diktatur bilden und aus dem Normenstaat (Ernst Fraenkel) ein SS-Staat werden würde. Denn zunächst unterstand die SS der SA-Führung, auch wenn sie formal den Status einer selbständigen Organisation hatte. Früh konnte sie sich durch wirkungsmächtige Symbolhandlungen ausgezeichnet fühlen. Hitler übergab 1926 die "Blutfahne", die als Parteireliquie an den Putsch von 1923 erinnerte, an die damals schon tausend Mitglieder zählende SS. Als es später in der SA zu Abspaltungen und Auflehnungen gegen die Parteizentrale kam, erwies sich die SS als "disziplinierende Parteipolizei". In einem Dankesbrief gebrauchte Hitler 1931 die Formulierung "SS-Mann, Deine Ehre heißt Treue", was in leicht abgewandelter Form auf der Gürtelschnalle der SS-Uniform auftauchte.

Beide Kampfbünde der NSDAP hatten bis 1933 zwei Aufgaben. Einmal sollten sie ebenso wie andere, auch republikanisch gesinnte paramilitärische Verbände der Weimarer Republik Wehrsport betreiben, um damit das im Versailler Vertrag ausgesprochene Verbot der Wehrpflicht auszuhöhlen. Sodann galt es, die "Eroberung der Straße" voranzutreiben. Nach dem 30. Januar 1933 gingen SA und SS in gewalttätigen Ausschreitungen gegen politische Gegner vor. In die Regie der SS fiel das Lagersystem, das mit dem KZ Dachau im April 1933 seinen Anfang nahm. Damit setzte die Profilierung der SS ein, die Ende Juni 1934 einen vorläufigen Höhepunkt mit der Liquidierung der SA-Führung erreichte. Unter Himmlers Führung sollte die SS danach die gesamte Polizeigewalt usurpieren und zugleich das Image einer Elite pflegen, in der sich der "nordische Herrenmensch" in besonderer Reinheit finden sollte.

Bastian Hein richtet den Blick nicht in erster Linie auf die SS-Sonderverbände, die die KZ befehligten und im Krieg die rassistische Vernichtungspolitik ausführten. Vielmehr stellt er dar, was die von der Forschung bisher wenig beachtete "Allgemeine SS" tat beziehungsweise was mit ihr getan wurde und wie sie in der Gesellschaft verwurzelt war. Sie umfasste Ende der 1930er Jahre rund 200 000 gewaltbereite Männer und machte 90 Prozent der SS-Mitglieder aus. Tagsüber gingen sie ihren Berufen nach und leisteten nur während ihrer Freizeit SS-Dienst, das heißt an zwei Abenden in der Woche und zwei Sonntagen im Monat. In dieser Zeit erhielten sie eine strenge körperliche und ideologische Ausbildung. Letztere diente der Verherrlichung der "nordischen Rasse" und der Ausgrenzung insbesondere der Juden, aber auch anderer Gruppen aus der "Volksgemeinschaft". In der Praxis griffen die Mobilisierung der Bevölkerung bei Volksabstimmungen und die Propagierung von Feindbildern sowie die Verfolgung der zu Feinden stilisierten Menschen direkt ineinander. Hein sieht zu Recht einen Zusammenhang zwischen der "radikal antisemitischen Indoktrination" mit ihrem "Ausbildungsziel Judenmord" und der "Ermöglichung des Holocaust" - zumal die Allgemeine SS als Rekrutierungsbecken für Sondereinheiten wie die Totenkopfverbände diente.

Entgegen dem von der SS-Führung verbreiteten Selbstbild handelte es sich um eine gesellschaftlich heterogene Organisation, in der sich "Arbeitslose, Hilfsarbeiter und kleinbürgerliche Handwerker ebenso wie Adelssöhne, hohe Beamte und Professoren" fanden. Anders formuliert: Die Allgemeine SS stellte die "Schnittstelle" dar zwischen dem "Neuadel" des Schwarzen Ordens und der deutschen Gesellschaft. Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum sich derart viele Männer dem jede Privatsphäre negierenden Absolutheitsanspruch der SS unterordneten, geht der Autor auf das tief greifende Krisenerlebnis der nach 1891 geborenen Frontgeneration und der nach 1901 geborenen Kriegsjugend ein. Letztere machte 1938 den Löwenanteil der Allgemeinen SS aus. Ihnen allen war mit der Kriegsniederlage 1918 und der Art, wie mit ihr umgegangen wurde, der Bezug zur Realität abhandengekommen, so dass sie sich in einer vielgestaltigen Sinnkrise wähnten, aus der eine Mitgliedschaft in der Männergesellschaft der SS herauszuführen versprach. Hein vermeidet aber jeglichen Determinismus und betont die persönliche "Verantwortung und Schuld" der SS-Männer. Die Hinwendung zur SS war eine "Wahloption" und "keineswegs alternativlos". Weit mehr Männer traten in Sportvereine ein und nicht in Parteiarmeen. Die Stärke dieser hervorragend lesbaren Studie besteht im genauen Hinsehen auf individuelle Biographien und aussagekräftige Episoden, in der Kombination von narrativen und analytischen Darstellungsformen.

GOTTFRIED NIEDHART

Bastian Hein: Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925-1945. Oldenbourg Verlag, München 2012. 356 S., 39,80 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Stark findet Gottfried Niedhart an dieser Studie von Bastian Hein ihre Lesbarkeit sowie die gelungene Kombination von narrativer und analytischer Darstellung. Gut gefallen hat dem Rezensenten auch, wie der Autor, statt Determinismen nachzugeben, Biografien und Episoden genau untersucht, um zu seiner Beurteilung der Allgemeinen SS als einer gesellschaftlich heterogenen "Freizeit"-Organisation zu gelangen. Auch die vom Autor erarbeitete Antwort auf die Frage nach der Motivation zum Beitritt zur Allgemeinen SS scheint den Rezensenten zu überzeugen. Insgesamt findet er ein von der Forschung bisher wenig beachtetes Thema hervorragend dargestellt.

© Perlentaucher Medien GmbH