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Staatsdichter Brecht? Neue Dokumente erzählen von Brechts listigem Widerstand gegen die SED-Bürokratie. Er und Helene Weigel mussten um die Gründung des Berliner Ensembles kämpfen, der Herrnburger Bericht und die Oper Lukullus wurden verboten. Wie Werner Hechts Buch belegt, ließ sich Brecht auch durch die Faustus-Debatte und nach dem 17. Juni 1953 nicht auf SED-Linie bringen. Er kritisierte die von Partei- und Staatsfunktionären ausgeübte Zensur und plädierte für die Eigenverantwortung der Künstler.
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Werner Hecht, geb. 1926 in Leipzig, studierte bei Hans Mayer und wurde 1959 von Helene Weigel als Mitarbeiter für Regie und Dramaturgie ans Berliner Ensemble engagiert, wo er bis 1974 tätig war. Im Suhrkamp Verlag und im Aufbau-Verlag gab er Brechts Schriften zum Theater, 1973 die Journale heraus. Die Editionstätigkeit fand ihren Abschluss in der 30-bändigen Großen Berliner und Frankfurter Ausgabe der Werke Bertolt Brechts, die er als einer der Hauptherausgeber von 1985 bis 2000 betreut hat. Von 1976 bis 1991 hat er das Brecht-Zentrum Berlin geleitet, zahlreiche Brecht-Veranstaltungen durchgeführt, eine Schriftenreihe und das Nachrichtenblatt notate herausgegeben. Er veröffentlichte in den letzten Jahren die große Brecht-Chronik (1997, 2007 ergänzt), eine Kleine Brecht-Chronik (2012) sowie die Monographien Helene Weigel. Eine große Frau des 20. Jahrhunderts (2000) und Brechts Leben in schwierigen Zeiten (2007).
Produktdetails
- Verlag: Aufbau-Verlag
- Artikelnr. des Verlages: 641/13569
- 1. Auflage
- Seitenzahl: 362
- Erscheinungstermin: 17. Februar 2014
- Deutsch
- Abmessung: 207mm x 120mm x 32mm
- Gewicht: 528g
- ISBN-13: 9783351035693
- ISBN-10: 3351035691
- Artikelnr.: 40037214
Herstellerkennzeichnung
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» Werner Hecht, der beste Brecht-Kenner weit und breit [...] « Jens Frederiksen Jens Frederiksen Allgemeine Zeitung 20140902
Nach 16 Jahren in der Emigration kehrte Bertolt Brecht nach Europa zurück. Zunächst hatte er nicht die Absicht, sich im besetzten Deutschland niederzulassen. So lebte er von 1947 bis 1949 in der Schweiz. Ost-Berlin machte ihm jedoch ein Angebot, hier ein neues Theater zu etablieren. Auch …
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Nach 16 Jahren in der Emigration kehrte Bertolt Brecht nach Europa zurück. Zunächst hatte er nicht die Absicht, sich im besetzten Deutschland niederzulassen. So lebte er von 1947 bis 1949 in der Schweiz. Ost-Berlin machte ihm jedoch ein Angebot, hier ein neues Theater zu etablieren. Auch die äußerst erfolgreiche Premiere seines Stücks „Mutter Courage und ihre Kinder“ war ein weiterer Anlass für Brechts dauerhaften Aufenthalt in der DDR. Außerdem hatte Helene Weigel in der Zwischenzeit für ihren Mann ein eigenes Ensemble gegründet.
Der Theater- und Literaturwissenschaftler Werner Hecht berichtet nun in seinem neuen Buch „Brecht und die DDR“ von den Mühen, Schwierigkeiten und Aufregungen des Dichters im Arbeiter- und Bauernstaat bis zu seinem Tod im August 1956. Er stützt sich dabei sowohl auf Dokumente des Bertolt-Brecht-Archivs und des Archivs der Akademie der Künste als auch auf Akten der SED und anderer Staatsorganisationen. Bei seinen Re-cherchen ist der Autor auch auf zahlreiche bisher unbekannte Quellen gestoßen.
Bei allen Betrachtungen steht eine Frage im Vordergrund: War Brecht DDR-Staatsdichter oder Dissident? Viele der angeführten Dokumente geben Auskunft, welche Auseinandersetzungen Brecht mit den Partei- und Staatsorganen führte, die immer wieder versuchten, sich in künstlerische Belange einzumischen, ihre „führende Rolle“ auch in diesem Bereich durchzusetzen. Angebotene staatliche Hilfeleistungen oder „kameradschaftliche Auseinandersetzungen“ dienten immer der Stärkung ihrer Machtposition. Doch Brecht schätzte diese geheuchelte parteiamtliche Anerkennung nüchtern und real ein, was aus vielen Dokumenten herauszulesen ist.
Ein besonderes Kapitel ist Brechts Einstellung zum Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953. Zunächst hatte er Ergebenheitsschreiben an die Staatsführung gerichtet, wenig später hielt er aber die Proteste der Arbeiter für berechtigt und warf der SED schwerwiegende Fehler vor. Abschließend beleuchtet Werner Hecht am Beispiel von Brechts „Arbeitsjournal“, wie die DDR-Führung mit ihrem „Vorzeige-Dichter“ umgegangen war, dessen Werk sie angeblich zu „pflegen“ vorgab.
Anhand zahlreicher Dokumente beweist Werner Hecht, wie Brecht auch in der DDR für die Sache des Proletariats gestritten hat und das oft gegen Parteidogmen und bornierte Genossen. Als eigensinniger Künstler hat er jedoch immer Wege und Listen gefunden, die Mühen der Ebenen zu überwinden und seine Ansichten und Wege zu vertreten. Er war während seiner DDR-Jahre weder Staatsdichter noch Dissident.
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