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Eine hochspannende Schatzsuche, eine atemberaubende Verschwörungsgeschichte
Alexander Salem ist als routinierter Auftrags-Dieb gut im Geschäft. Doch als er aus einem Hotel in Monaco einen kostbaren Briefumschlag entwenden soll, begeht er einen folgenschweren Fehler. Seine letzte Chance ist, an einer ominösen Schatzsuche teilzunehmen, die ihn weit in die eigene Vergangenheit und in die Abgründe des 20. Jahrhunderts führen wird.
Diebstahl ist eine Kunst voll diskreter Eleganz. Aber wer beherrscht sie heutzutage noch? Nach dem Erfolgsroman 'Grand Tour' hat Steffen Kopetzky ein Großpanorama
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Produktbeschreibung
Eine hochspannende Schatzsuche, eine atemberaubende Verschwörungsgeschichte

Alexander Salem ist als routinierter Auftrags-Dieb gut im Geschäft. Doch als er aus einem Hotel in Monaco einen kostbaren Briefumschlag entwenden soll, begeht er einen folgenschweren Fehler. Seine letzte Chance ist, an einer ominösen Schatzsuche teilzunehmen, die ihn weit in die eigene Vergangenheit und in die Abgründe des 20. Jahrhunderts führen wird.

Diebstahl ist eine Kunst voll diskreter Eleganz. Aber wer beherrscht sie heutzutage noch? Nach dem Erfolgsroman 'Grand Tour' hat Steffen Kopetzky ein Großpanorama des Stehlens entworfen: Ihres Lebenssinns verlustig gegangene Ex-Geheimdienstagenten, über Schreibblockaden irre gewordene Heftchenromanautoren und eine Handvoll verzweifelt anständig Gebliebener liefern sich einen erbitterten Wettlauf um ein Geheimnis, von dem niemand weiß, ob es nicht lediglich erfunden ist. Ein abenteuerlicher Roman über die verborgenen Dinge in einem selbst und in der Welt, eine Kulturgeschichte der Schließtechnik und eine hochspannende Schatzsuche, ein Epos von Schuld, Gier und der ewigen Verlockung des Verschlossenen.

"Ein großer Wurf." Focus über "Grand Tour" "Ein witziges, weises, gewagtes, abenteuerliches - kurz: ganz und gar hinreißendes Buch." stern über "Grand Tour"
Autorenporträt
Steffen Kopetzky wurde 1971 geboren. Nachdem er eine gewisse Zeit als Schlafwagenschaffner gearbeitet hatte, veröffentlichte er die beiden Bücher »Uneigentliche Reise« (1997) und »Einbruch und Wahn« (1998). Neben einer regelmäßigen Kolumne in der Zeit schreibt er für den Rundfunk, verschiedene überregionale Zeitungen und Zeitschriften und verfasst Theaterstücke, Hörspiele und Opernlibretti. Kopetzky wurde bisher mit dem Preis des Landes Kärnten, dem Carolinenpreis für Journalismus, dem Kurt-Magnus-Preis der ARD und dem Else-Lasker-Schüler-Preis für Dramatik sowie zahlreichen Stipendien ausgezeichnet. Der Autor lebt in Berlin.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.11.2008

Zylinder und Stift
Ein smarter Genre-Klau: Steffen Kopetzkys „Der letzte Dieb”
Schon merkwürdig, dass es bisher noch keinen Roman über das Schloss gab. Das Türschloss, versteht sich. Immerhin sitzt in jeder Haustür eine kleine mechanische Wundermaschine, ein Präzisionsgerät aus Zylinder und Stiften, das phantastischen Erzählstoff liefert: Hinter Schloss und Riegel warten geheime Schätze, und die Profis der modernen Schließtechnik lassen sich perfekt in gute und böse Mächte einteilen. Wer die Stifte im Zylinder auch ohne Schlüssel zum Drehen bringt, ist entweder ein Schlossermeister oder ein Meisterdieb – oder ein aufmerksamer Leser von Steffen Kopetzkys neuem Roman. „Der letzte Dieb” erforscht das alte Schließ-Handwerk und sein kriminelles Gegenstück so detailversessen, als müsse man die Kunst der Dietriche und Wendezylinder noch einmal hochleben lassen, bevor biometrische Sicherheitstechniken wie Iris- oder Hand-Scanner auch die Einbrechermethoden fundamental verändern werden. Zumindest bei den Könnern, die von plumper Stemmeisengewalt so weit entfernt sind wie Cary Grant von den Panzerknackern.
Alexander Salem ist ein Dieb aus der Gentleman-Liga: Trenchcoat, Porsche und Louis-Vuitton-Koffer, vor allem aber ein Schloss-Spezialist, dessen Finger alles öffnen, was nicht niet- und nagelfest ist. Bei einem Einsatz in Monte Carlo macht er einen verhängnisvollen Fehler, weil er einen Umschlag von historischem Wert stehlen soll, aber versehentlich das Original mit einer Zusatzkopie vertauscht. Dieser entwendete Brief hat eine bedeutungsschwangere Vorgeschichte: Er wurde schon einmal gestohlen, nämlich 1925 auf einem Ozeanfrachter der New York – Bremerhaven-Linie, dessen komplette Post geraubt wurde. Und das hat wiederum mit Alexanders eigener Vergangenheit zu tun, mit seinem Großvater vielmehr, einem Schlosserlehrling, dessen bester Freund nach dem Ersten Weltkrieg in die USA auswanderte.
Dieser Brief ist aber nur einer von etlichen Ködern, die Steffen Kopetzky auf einer 480-Seiten-Schnitzeljagd unterbringt. Ausgelegt sind: eine supergeheime Schatzkarte in Form eines Gebäudegrundrisses, eine DDR-Agentin, ein Nazi-Schatz, ein durchgeknallter US-amerikanischer Schriftsteller, ein Waschbär, die Welteislehre und der Berliner Stadtteil Neukölln von seiner schäbigsten Seite. Während man noch über den Inhalt des Briefes rätselt – wie in Edgar Allan Poes „Der entwendete Brief” bloß ein Platzhalter für eine ganz andere Macht- und Intrigengeschichte –, schiebt sich die Ex-Agentin Johanna Meister in den Vordergrund. Als einzige besitzt sie den Lageplan des Nazi-Schatzes, den die DDR mit der „Operation Nordpol” an sich gebracht hatte. Und in genau umgekehrter Richtung zum digitalen Zeitgeist arbeitet sie verbissen an der Analogisierung ihres Wissens: Sie vernichtet alle Kopien und bewahrt den komplizierten Plan lediglich in ihrer Erinnerung auf. Kopetzky hat einen Hang zur guten alten Zeit, in der die Codes noch auswendig gelernt wurden und das Handwerk etwas wert war. Im Fall der Spionin steigert das die Spannung, weil sich eine Art Gedächtnis-Schimmelfleck in ihrem Gehirn ausbreitet und den Plan langsam auffrisst.
Währenddessen nimmt der Schriftsteller Hawk Browning den letzten Band seiner schwülstig-geheimnisvollen Saga um den „Schatz der Atlanter” in Angriff, aber eine Schreibblockade terrorisiert den von der Literaturkritik verschmähten Fantasy-Freak. Weitaus unheimlicher allerdings: Der Schriftsteller glaubt sich in einer Art paranormalen Zeitschleife gefangen. Es sieht ganz so aus, als hätten sich Realität und Fiktion ineinander verschoben, denn die von Hawk erfundenen Kunstgegenstände aus Atlantis tauchen in der Wirklichkeit auf.
Auf drei verschiedenen Zeitebenen installiert der Roman sämtliche Bauteile, die man für eine ambitionierte Verschwörungsgeschichte so braucht, während im Zentrum der geheime Nazischatz als Objekt der Begierde wartet. Und weil man dabei ebenso oft an Indiana Jones wie an Thomas Pynchon denken kann, macht es großen Spaß, sich in diese Schatzsuche zu versenken und dabei den Abenteuerromanleser zu geben: Wird die Agentin durchkommen? Landen wir im Führerbunker? Sind Hanks Geschichten Originale oder Fälschungen? Beim Erscheinen seines Romans „Grand Tour” vor sechs Jahren hat man Steffen Kopetzky diese Opulenz, dieses Herumfuchteln mit dem High-Low-Kanon zum Vorwurf gemacht: Die 700-seitige Schlafwagentour quer durch Europa sei maßlos aufgebläht, das Figurengedrängel und die zahllosen Handlungsverzweigungen hätten drastisch eingedampft werden müssen.
Auch „Der letzte Dieb” ist nach dem Prinzip der Akkumulation gebaut, und gegen diese ehrwürdige postmoderne Romanform ist auch überhaupt nichts einzuwenden: Pynchons episches Höllengewimmel lieferte bereits einer ganzen Generation von geschichtsbesessenen Romanciers eine paranoische Grundformel, mit deren Hilfe Wissen und Wahn, Verschwörungstheorie und Semiotik, Realität und Fiktion ineinander verzahnt werden konnten. Die Erzählungen wuchern ins Unendliche, und wie von der Leine gelassen brennen die Zeichen durch. Aber so sehr „Der letzte Dieb” sich an dieses Häufungs-Prinzip hält, so wenig ist seine Welt aus den Fugen geraten. Die Sprache bleibt konventionell, die unzähligen Verwicklungen werden Schritt für Schritt in solide logische Zusammenhänge überführt. Die „Alles hat mit allem zu tun”-Paranoia wird hier ganz gediegen kriminaltechnisch aufgelöst: Jeder ist mit jedem verwandt. Eine Vater-Sohn-Geschichte stellt die Ordnung, wenn auch mit leichtem Grinsen, wieder her. Nichts für Ironiephobiker also.
Dieser Autor will nur spielen, und das gelingt ihm mit bemerkenswerter Ausdauer. Das Schienen-Universum aus „Grand Tour” hat Kopetzky mit dem Kosmos der Sicherheitstechnik vertauscht. Dankbar kann man Kopetzky dafür sein, dass er eine längst überfällige Neuerung im Hauptstadtroman-Business einführt. Mit dem gängigen Prenzlauerberg-Popismus hat dieses Buch nichts zu schaffen, Einbrecher und Schlüsseldienstler sagen sich woanders Gute Nacht: in Neukölln. Die „Urban Intruders”, die überall einsteigen, wo der Gullydeckel locker sitzt, die zahnlosen Penner, die in der Videothek über „Matrix” diskutieren – sie leben in „Berlins letzter Gegend”, deren literarisches Freakpotential gerade erst gehoben wird. In diesem Zwischenreich leuchten die Fingernägel nikotingelb, und der untergetauchte Meisterdieb kann sich endlich das Rauchen abgewöhnen. „Er war in einem Anti-Paris gelandet, auf der anderen Seite des Frühlingsmonds.” (Wo hier der Porsche geparkt werden soll, hätte man allerdings doch gern gewusst.) Solche Beobachtungen aus dem zwielichtigsten aller Kieze liefern ein schönes Gegenstück zum zitatgespickten Edelgauner- und Agentenkosmos. So war das schon im Grimmschen Märchen vom Meisterdieb: Wer geschickt klaut, dem wird verziehen.JUTTA PERSON
STEFFEN KOPETZKY: Der letzte Dieb. Roman. Luchterhand Verlag, München 2008. 480 Seiten, 19,95 Euro.
Steffen Kopetzky Foto: dpa
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.02.2009

Über den Dächern von Neukölln

Kunsthandwerker in der Krise: Steffen Kopetzkys Schlüsselroman "Der letzte Dieb" öffnet Geheimtüren und entsperrt sämtliche Riegel. Versteckte Schätze und verborgene Räume aber tun sich partout nicht auf.

Vor ein paar Jahren noch war Steffen Kopetzky ein Berliner Literaturdandy, der mit poliertem Eierkopf und nonchalanter Großspurigkeit provozierte. In seinem Opus magnum "Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication" schickte er einen Schlafwagenschaffner durch das alte Europa der Luxuszüge und ehrlichen Chronometer; die "Große Complication", ein Meisterstück Schweizer Uhrmacherkunst, stand auch für seine postmodern verschraubte Erzähltechnik.

Dann aber geriet Kopetzkys Zug aufs Abstellgleis; seine Unruh tickte nicht mehr richtig. Zu viel Nikotin, Alkohol, hektische Zerstreuung: die Leichtigkeit des Anfangs, die unverschämte Unschuld der Jugend waren wie weggeblasen. Von Überdruss und Selbstzweifeln blockiert, zog sich Kopetzky in seine Heimatstadt Pfaffenhofen zurück, um im Eigenheim mit Frau und Kind, an den Graswurzeln von Familie und Provinz, wieder festen Boden unter nicht mehr ganz so großem Fuße zu gewinnen. Heute sitzt er für die SPD im Gemeinderat von Pfaffenhofen, und wo er früher champagnerselig die Bonner Biennale organisierte, sticht der ehrenamtliche Kulturreferent für Kirchweih- und Volksfeste jetzt in der Lederhose das Bierfass bei der Dult an. Persönlich hat ihm diese Reduktion Berliner Komplexität offenbar gutgetan; seinem Werk nicht so ganz.

"Grand Tour" war monströs, anstrengend, überladen, aber auch pfiffig und originell. "Der letzte Dieb" ist ein nur 480 Seiten starkes Produkt der Krise. Was damals die Exkurse über Uhren- und Eisenbahnwesen waren, ist diesmal die "Vermittlung schließtechnischen Wissens" über Hebel- und Bügelschlösser. "Sicherheit ist eine Illusion": Professionelle Schlüsseldienstleister oder auch die "Sportsfreunde der Sicherheitstechnik" knacken alle Schlösser und Codes. Wie in einem Uhrwerk die Rädchen müssen in der höheren Schließtechnik Spanner und Fühler, Bohrmuldenzylinder, Riegel und Stifte perfekt ineinandergreifen. Kopetzky konstruiert seinen Roman als Schloss mit fünf Stiften; am Ende soll der hermeneutische Universaldietrich alle Türen entriegeln.

Bei dem Meisterdieb Alexander Salem genügte auch ein einfacher autobiographischer Schlüssel: Der Wiedergänger von Arsène Lupin ist ein Selbstporträt des an sich selbst zweifelnden Künstlers. Anfangs ist Salem ein mondäner Dandy im Vollgefühl seiner artistischen und technischen Fähigkeiten, der in den Luxushotels von Monte Carlo und Paris komplizierte Brüche auf Bestellung ausführt. Der stilsichere letzte Dieb fährt Porsche, trägt Louis-Vuitton-Koffer und Maßhemden und raucht die extravagante Zigarettenmarke, der er seinen Namen verdankt.

Für die Hässlichkeit und Banalität seiner Zeitgenossen hat er nur Hohn übrig: "Sie waren so schlecht angezogen, dass man sie glatt für Deutsche hätte halten können." Dann aber begeht Salem einen Anfängerfehler, der ihn an seiner Kunst und seinem savoir vivre irre werden lässt und zur überstürzten Flucht zwingt. Erst in Neukölln findet er seine Seelenruhe wieder: Vom Vater und von einem alten Jugendfreund aus höchster Not gerettet, beginnt er ein neues Leben als ehrbarer Schlüsselladenhüter, guter Sohn und Familienvater.

Auch die zweite Hauptfigur lässt sich über autobiographische Hintertürchen erschließen. Hawk Browning, ein exzentrischer Pulp-Fiction-Autor mit berufsbedingter Paranoia und akutem writer's block, sucht verzweifelt nach dem Schlussstein für seinen Romanzyklus um Luzifer Camden, einen Gralssucher in der Tradition von Indiana Jones. Eingeschlossen in seine verdunkelte New Yorker Wohnung, verwechselt er zunehmend Realität und Fiktion, postmoderne Zeichen und alltägliche Wunder, Thomas Pynchons Großverschwörungen mit Dan Browns konspirativen Schnitzeljagden. Erst als er das Plagiat als letzte authentische Kunstform entdeckt und hemmungslos klaut, kann er seine stockende Kreativität wieder flottmachen. Ähnlich ungeniert, plündert auch Kopetzkys Genremix aus Familien-, Groschen- und Berlin-Roman, Agenten- und Mystery-Thriller, Hitchcock-Filme und B-Movies, Zeitungsmeldungen und Goethes "Reineke-Code": Fröhlich verquickt er Atlantis-Mythen mit James-Bond-Gimmicks, verschollene Nazi-Schätze mit Himmlers germanischer Welteislehre.

Salem ist der Stift, der handwerkliche Kompetenz und die Sehnsucht nach dem "schönen Zustand" einbringt, Browning der verwirrte Kopf der "Operation Nordpol". Komplettiert wird der dreigliedrige Schließzylinder durch eine ehemalige DDR-Meisterschwimmerin, die von Joscha Lux (alias Mischa Wolf) in die Kunst der Spionage eingeführt wurde. Johanna ist im Besitz der Schatzkarte; allerdings hat sie, ganz im Sinne des bei dem Entfesselungskünstler Houdini entlehnten Mottos ("My brain is the key, that sets me free"), die Planskizze in einem "privaten De-Digitalisierungsprojekt" vernichtet und nur als Kopie in ihrem Kopf gespeichert. Weil ihr fotografisches Gedächtnis von den Rändern her verschwimmt, verläuft die Schatzsuche im märkischen Sand.

Ähnliches lässt sich auch von dem Roman des Meisterdiebs Kopetzky sagen. Die Rädchen greifen nicht ineinander, die dünnen, labyrinthisch verschachtelten Erzählstränge zerfransen und verheddern sich in Abschweifungen über Waschbären, die Familie Grimaldi, Briefmarken, Kartoffelkäfer und Spaghettisaucen. Das "Sammelsurium wild durcheinander agierender Plots" ist im Einzelnen nicht ohne Reiz, im Ganzen aber konfus und langatmig. Perspektivwechsel und Cliffhanger führen ins Leere, Figuren und Leitmotive tauchen auf und verschwinden wieder, ohne Kontur und Struktur zu gewinnen: Die Jagd nach dem McGuffin des Nazi-Goldes und das Erzählprinzip folgenloser Verzettelung zehren alle Ansätze gediegener Erzählkunst auf.

Dabei outet sich Kopetzky wieder einmal als Sportsfreund des soliden alten Kunsthandwerks, anachronistisch aus Überzeugung und Neigung. Seine Figuren ziehen das alte Bakelit-Telefon jedem Handy, den Paternoster dem Lift, den rostigen Bartschlüssel dem BKS-Sicherheitsschloss vor. Salem zumal schätzte alte Weine und seinen Oldtimer über alles; nichts wirkt bei Fälschern, Tricksern und Schränkern "überzeugender als ein von starken Gebrauchsspuren gezeichnetes relativ altes Gerät".

Es gibt sie noch, die guten alten, handgemachten Dinge, aber nicht in diesem schlampig lektorierten Gaunerroman. Die Sprache ist teils parfümiert-verschmockt, teils nachlässig-routiniert; die Metaphern sind abgenutzt, die Motive aus zweiter Hand geklaut. Am Ende wird der Kopetzky-Code unter Einsatz kryptologischer Entschlüsselungs- und "alternativer Öffnungstechniken" in einem Berliner Bunker geknackt. Alle Geheimtüren sind offen, alle Riegel entsperrt, aber von ungehobenen Schätzen oder verborgenen Räumen ist weit und breit keine Spur.

MARTIN HALTER

Steffen Kopetzky: "Der letzte Dieb". Roman. Luchterhand Verlag, München 2008. 478 S., geb., 19,95 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Großes Vergnügen hat Jutta Person die Lektüre von Steffen Kopetzkys neuem Roman "Der letzte Dieb" bereitet. Die verwickelte Handlung, in der ein Gentelmandieb, eine DDR-Agentin, ein Nazi-Schatz, ein durchgeknallter Schriftsteller, ein Waschbär und der Berliner Stadtteil Neukölln die Hauptrollen spielen, gleicht in ihren Augen einer fantastischen "480-Seiten Schnitzeljagd". Immer wieder fühlt sie sich bei der Lektüre an Thomas Pynchon und Indiana Jones erinnert. Sie beschreibt das Werk als einen Genre-Mix, bei dem die Versatzstücke zu ihrer Freude überaus smart zusammengefügt sind. Ähnlich wie bei seinem Roman "Grand Tour" sieht sie auch "Der letzte Dieb" auf dem "Prinizp der Akkumulation" basieren, das für den postmodernen Roman kennzeichnend ist. Sie hebt indes hervor, dass bei Kopetzky die Welt nicht aus den Fugen ist und die verwirrenden Verwicklungen ironisch-spielerisch aufgelöst werden.

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